From another land II: Seamantics

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Das ist das zweite Posting, in dem ich auf meine sommerlichen Reflexionen in Bremen, Bremerhaven und Hamburg Bezug nehme. Heute: Das Wattenmeer.

Das Wattenmeer ist ein Fall für die Dreiwertigkeit: Es ist weder Meer noch nicht Meer.

Das Mittelmeer ist ein Fall für die Zweiwertigkeit: Es ist immer klar, ganz klar, wo das Meer, wo das Erdreich, wo das Binnengewässer ist.

Den semantischen Rahmen bestimmt der Gegenstandsbezug.

Die Clips und die Fotos sind unordentlich, so dass der Leser nicht vorher weiß, wo der Norden, wo der Süden ist.


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This is the second post in which I am giving you some of my musings during summer holidays in Bremen, Bremerhaven and Hamburg. Today’s topic: The Wadden Sea.

The mudflats of the Wadden Sea are a case for trivalence: they are neither a sea nor not a sea.

The Mediterranean is a case for bivalence: it is always clear where the sea, where the land, where the inland waters are.

It’s the reference of the terms that determines the semantic setting.

I mixed the recordings and photos for the reader to decide what is what.

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Metabolism and mereology

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Das Aufgehen eines Ganzen in ein anderes – Teile wie Federn oder Nägel können dabei übrigbleiben – heißt Metabolismus. Solange der Metabolismus nicht auf die Mengenlehre reduzierbar ist, bleibt die Mereologie unabhängig von der Mengenlehre.

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A whole’s being annihilated into another is called metabolism. Parts of the annihilated whole can be preserved, e.g. nails or feathers.

As long as metabolism is not reduced to set theory, the notions of the whole and the part will not be reducible to the notion of element.

If on were off, then Shannon would be Shannoff. Thank God, it’s not so.

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Die Funktion von Claude Shannons “Ultimativer Maschine” hinterlässt dem Beobachter den Eindruck, eine Selbstaufhebung zu sein: eine Funktion des Sich-außer-Betrieb-Setzens.

Dieser Eindruck basiert allerdings auf einer trüglichen Verwendung der Sprache. Die Maschine erfüllt ihren Zweck mit dem Hebeldrücken. Sie ist genau dann in Betrieb, wenn sie den Hebel drückt, der sie ausschaltet. Infolge dessen ist sie nicht in Betrieb gdw sie sich nicht ausschaltet, m.a.W. ausgerechnet gdw sie an bleibt. Das ist ein Widerspruch!

Der Widerspruch kommt durch eine sprachliche Konvention zu Stande, genauer: dadurch, dass das funktionierende System Maschine den Hebel in die Position “off” versetzt. Die Bezeichnung “off” ist allerdings irreführend.

Wie ich oft sage: Widersprüche sind sprachbedingt, keine Eigenschaften der Realität. Man hätte statt “off”: “on” schreiben können und umgekehrt. Dann würde es sich um eine sich selbst in Stand setzende Maschine handeln und die Funktion wäre ein-und-dieselbe. Oder man hätte die Schriftbilder löschen können und damit auch den Widerspruch: Es würde sich um einen Mechanismus handeln, der einen Hebel zurückversetzen würde. Der Ausdruck ist neutral und widerspruchsfrei.

Neutrale, nichtwidersprüchliche Beschreibungen stecken das Gebiet des Realitätsnahen ab, weil sie vom originär Sprachlichen, dem Widerspruch, befreit sind. Zieht man das originär Sprachliche von der Beschreibung der Realität ab, so bleibt originär Reelles zurück.

Gestern dachten meine Töchter angesichts der Maschine Shannons, dass die Philosophen eine Art Witzbolde sind. Den Gedanken will ich ihnen nicht austreiben.

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Claude Shannon‘s “Ultimate Machine” makes the spectator think that its function consists in turning itself off.

However, this is an impression based solely on an irritating use of language. It seems as if the machine were functioning iff it turns itself off, which implies that it is not functioning iff it fails to turn itself off, i.e. it is not functioning iff it remains on.

As I keep telling people, contradiction is a linguistic phenomenon, not a feature of reality. You could have there “on” instead of “off” and vice versa. The new impression would be that the machine turn itself on out of the dead while what you would have would be exactly the same function. Only the tags would be different! And it gets more interesting if you remove the tags, because then the contradiction vanishes altogether. If you remove the tags, Shannon’s machine becomes a mechanism that moves a lever back to its original position. This sounds neutral and invites no contradiction.

If I am correct in seeing in contradiction something inherently linguistic, neutral, non-contradictory descriptions define the realm of the real. My line of argument is thereby the following: if you purify your descriptions of reality to be free of the inherently linguistic, i.e. contradiction, what remains back will be the inherently real.

My daughters played yesterday with a Shannon machine, as I also did, and thought that philosophers are a kind of jesters. I am not sure whether I want to drive this thought out of their minds.

Familiarissimus nominalis

Guido

Whenever we met, we called this a “family meeting”. By now, no member of the family lives in Munich anymore. We try to keep in touch and, actually, we do so mostly by being productive and by making the others notice our work. This is the case with Guido Imaguire’s latest book on Priority Nominalism, to a reading sample of which I am linking here.

Artificial art

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Patrick Tressets Malroboter können die Konturen von Gesichtern zeichnen. Trotzdem sehe ich sie von der künstlichen Intelligenz weit entfernt.

Eine intelligente Maschine sollte in der Lage sein, sich zu entscheiden, dem als wahr, gut, schön Empfundenen zu entsprechen oder nicht. Sie sollte sich täuschen, sündigen, das Thema verfehlen können, damit man zelebrieren kann, wenn sie sich doch nicht täuscht, wenn sie doch nicht sündigt, wenn sie das Thema doch nicht verfehlt. Intelligenz und Fehler gehen wie Verfehlen und Lernen Hand in Hand.

Maschinen geben aber immer das als Output, was man von ihnen erwartet.

Wenn wir jemals intelligente Maschinen bauen, werden diese zum Scheitern fähig sein. Daher werden sie auch moralisch scheitern, unehrlich sein können. Sie werden z.B. lügen, uns Sachen vorgaukeln können. Dem zu Folge werden sie uns dermaßen ähnlich sein, dass wir keinen Vorteil von ihnen haben werden, ergo auch keinen besonderen Anreiz, sie zu bauen.

Patrick Tressets “Pauls” (so nennt der Künstler seine drei Computer samt Tool zum Malen) fertigen Porträts an, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. Aber gelungen im Sinne, dass sie das darstellen, was die Maschine kann, sind sie immer. Das ist zu geradlinig und ehrlich, um intelligent zu sein.

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Patrick Tresset’s drawing machines can draw the outlines of faces. Nevertheless I would not call them cases of artificial intelligence.

An intelligent machine should be able to decide whether to conform with what you and me say it is true, good or beautiful. This could be the intelligent machine’s error as much as it could be, of course, ours, but an error does not make you any less intelligent. In contrast, being intelligent means learning from one’s own mistakes. We are justified to celebrate our intelligence only because we pass close to mistakes, logical ones, moral ones, artistic ones or you name it, but our intelligence prevents us from committing them. If a machine is unable to make mistakes anyway, there is no point to rejoice for its not making any.

If we ever find ourselves in the position to construct intelligent machines, these will be akin to us in their disposition to fail as well as in their ability to avoid or – since moral failure, lying, can give you an advantage – in fact to use failure to deceive.

Who would have any interest to construct them then? What would the benefit be?

Stimulus meaning and self-reference

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Nachdem ich 1993 in München nach einem Semester als Zuhörer von Davidsons Seminar zum Wahrheitsbegriff kein Anhänger der Stimulus-Meaning-Theorie geworden bin, werde ich es wohl nie werden. Nicht, dass ich ihr etwa jede Relevanz absprechen würde. Sie ist schon relevant, allerdings nicht für die Semantik als Teilbereich der Logik.

Viele Beispiele kann ich anführen, eines ist aber frisch: Die Buchstaben “b.s.l.” an der Tafel sind eine übliche Abkürzung von Waldorflehrern für: “Bitte, stehen lassen”. Freche – sehr freche – Schüler tendieren dazu, die drei Buchstaben als selbstreferentiell zu verstehen, wischen also alles außer denselben ab. Wer es richtig macht, obwohl es ihn reizt, Lehrer zu reizen, macht das wegen des Stimulus-Meaning: Der Lehrer wird sich aufregen und kann unangenehm werden. Spätestens die Konsequenzen lassen die Schüler einsehen, dass die Selbstreferenz normalerweise keine intendierte Interpretation einer Zeichenreihe ist.

Aber so verinnerlichte Semantik basiert auf der Pragmatik, insbesondere auf der Ungleichheit der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Nun ist die Pragmatik fürwahr eine wichtige Disziplin, allerdings kein Teil der Logik.

Deshalb kann auf der Stimulus-Meaning-Theorie keine Wahrheitstheorie basieren.

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Not having been a convert to the stimulus theory of meaning in 1993, while attending Donald Davidson’s Munich lectures, is proof enough that I am never going to be. A convert I mean.

I do not claim the stimulus theory of meaning to be unimportant. I only doubt its relevance for semantics.

Well, I have doubted this since ages but now I have a new example. Teachers of Waldorf-Steiner schools in German-speaking countries use the abbreviation “b.s.l.” to indicate that this figure on the blackboard has to remain there (“Bitte, stehen lassen” meaning “Please, let [it] stand [there]”).

Fortunately rather rarely, obnoxious students wipe out the whole blackboard leaving the three letters alone standing there. By this, they interpret “b.s.l.” as self-referential. Here, I will not bother to analyse their semantic setting and set of mind. Much more important is to me what the others think: the ones who eventually do not commit to self-reference although they would love to commit the crime. Probably they have learned from stimuli that an angry teacher can be nasty enough to give them a bad mark. The consequences make them realise that self-reference is normally not the intended interpretation of signs.

Their learning is based on pragmatics, mainly on the inequality of the relationship between teachers and students. Pragmatics is important alright but not a part of logic.

This is why I do not hold the stimulus-meaning theory to be suitable as a foundation of a theory of truth.