Proud of her

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Ich weiß, dass ich meiner Tochter eine christliche Zuversicht nahelegen soll. Aber gleichzeitig bin ich Grieche. Deshalb bin ich auch auf Nichtchristliches stolz.

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My daughter says that life’s not just. I know that I have to give her a Christian education. But I’m also happy for every piece of Greekness in her…

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„Sprache im öffentlichen Raum“

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Von irgendeinem Teufel geritten schreibt das Institut für Deutsche Sprache eine Stelle für „Sprache im öffentlichen Raum“ aus.

Ob sie wissen, dass es keine private Sprache gibt? Aber selbst ohne Wittgenstein ist die Formulierung albern… Selbst wenn damit gemeint ist „Sprache mit Ausnahme von Smalltalk, Tisch- und Selbstgesprächen“, bleibt der Aufgabenbereich – anders kann ich’s nicht sagen – doof.

Egal… Wer sich berufen fühlt, bittschön

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The people at the Institute for German Language of the Leibniz Association didn’t have to be occupied with Wittgenstein’s private-language argument to feel how silly it is to advertise a fellowship on „Language in the public realm“.

I mean, forget about the impossibility of private language! Even if you translate the subject into „language with the exception of soliloquies and chatting“ it’s still silly!

Janus annum circinat

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Dass Janus das Jahr zur Wende bringt, ist nicht ohne Weiteres klar. Normalerweise verbinden wir mit ihm einen Neuanfang. Das ist nicht besonders klug. Auch bei den besten Neujahrsbeschlüssen fangen wir nicht bei Null an. Die Wende ist ein Richtungswechsel, kein Neuanfang.

Punkt, Spiel und Partie also für den Codex Latinus Monacensis 4660, Lied 56: „Janus bringt das Jahr zur Wende“.

Dass wir trotzdem von Neuanfang reden, hat immerhin eine Berechtigung. Janus ist das geeignetste Symbol für die Veränderung des Gleichbleibenden und den Dialetheismus. Bei einer contradictio in terminis kann von mir aus von einem Beginn des Neuen ohne das Ende des Alten die Rede sein. Wer einwendet, dass die Realität frei von Widersprüchen ist, dem würde ich auch Recht geben. Dass es einen ersten Januar gibt, ist ein Teil unserer Sprache, nicht der Realität.

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Janus curves the year. What a strange verse! Not only linguistically. We mostly associate new beginnings with him, not curves.

Otherwise, new beginnings and new year’s resolutions are overestimated. We never begin at point zero. We just (wish to) change. And a change is a turn, a curve, not a beginning.

Game, set and match go to the Codex Latinus Monacensis 4660, carmen 56: „Janus curves the year“.

I would tolerate „new beginning“ talk whatsoever. Janus is a symbol for the change of something that remains the same and for dialetheism. When the symbol itself invites contradiction, there’s not much to prevent you from seeing a beginning of the new even if the old still remains. You can say that reality is free of contradiction, of course, but Janus and January are parts of language, not of reality.

Gestalt floristry

Scroll for English after the second picture with flowers

Der Unterschied zwischen einzelnen Schnittblumen und Blumensträußen ist ein mereologischer: hier die Einzelnen ohne Ganzes, da das Ganze. Begründet sehe ich besagten Unterschied in der Anordnung der Teile. Damit ist die Anordnung kein Teil von vielen Blumen einzeln betrachtet, sehr wohl aber Teil des Ganzen in einem Blumenstrauß. Da aber auf dem Boden der empirischen Wahrnehmung nur Blumen und Grünzeug erkennbar sind, ist die Anordnung von Blumen und Grünzeug ein Metateil. Damit hat der Blumenstrauß einen Metateil als Teil.

Unsere Große hat ihre ersten vier Theatervorstellungen hinter sich. Es geht jetzt zurück in den Alltag.

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The difference between flowers taken individually and bouquets is one of mereology. The individual flowers don’t make up a whole, the flowers of a bouquet do.

The reason for this appears to be an intended structure of flowers and greenery in the case of the bouquet, a lack thereof in the case of individual flowers.

From this I conclude that the intended structure is a part of a bouquet. If I’m right in this, a bouquet has as its parts not only flowers and greenery but also an intended structure. Thereby it has metaparts as parts.

Our elder daughter was on stage – four inspiring performances. Now we return to normal.

Ethics as commodity

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Am sogenannten WOW-day („WOW“ steht für Waldorf One World) findet an Steiner-Schulen rund um die Welt kein Oberstufe-Unterricht statt. Stattdessen gehen die Schüler Rasen mähen, Fenster putzen, mit dem Nachbarshund spazieren, um das, was sie als Dankeschön dafür bekommen, für das Wohl von Menschen aus der Dritten Welt zu spenden: ob’s ein Flüchtlingslager in Griechenland, ein Brunnen in Burundi, ein Kindergarten in Bolivien ist. Der Auftraggeber – ob Garten-, Fenster- oder Hundbesitzer – kauft Sauberkeit, Rasenschnitt, Hundeglück. Der Schüler wiederum kauft mit dem verdienten Geld Moralität, da er es spendet. Auch der Garten-, Fenster-, Hundbesitzer kauft Moralität insofern, als er die Dienstleistung wegen der voraussichtlichen Spende präferiert.

Ethik in welchem Wert? Klassisch gesehen, ist der Tauschwert für moralisch Gutes gleich tatsächlicher Preis minus Normalpreis. In einem Fair-Trade-Laden bezahlt der Kunde den Kaffee teurer, um Wohltaten in Afrika und Lateinamerika mit der Differenz zu finanzieren. Kostet ein vergleichbarer Kaffee bei Aldi neun Euro und im Fair-Trade-Laden zehn, dann ist der eine Euro der Preis der moralischen Handlung, die der Kunde konsumiert. Der spendende Schüler konsumiert also, hat er etwa 40 Schweizer Franken für das Rasenmähen verdient, Moralität im Wert von 40 Franken, da er sein ganzes Verdienst spendet, der Hausbesitzer mit dem Rasen konsumiert aber Moralität im Wert von nur 20 Franken, falls er seinen Rasen normalerweise zu 20 Franken mähen lässt.

Diese Berechnung des Nutzens und Preises beim Produkt: Moralität ist allerdings, wie ich finde, defizient. Nach dem WOW-day sagten mir ein paar Schüler, sie waren gar nicht „schaffe“. Stattdessen spenden sie 40 Franken aus ihrem Taschengeld dafür, dass sie den 1. November auf der Basler Herbstmess‘ (einer Art Oktoberfest auf dem ganzen Stadtgebiet sag‘ ich mal) statt in der Schule verbringen durften.

Einerseits sind die 40 Franken weiterhin eine Spende für einen guten Zweck, andererseits ist die Differenz gleich null. Denn die Schüler haben damit etwas gekauft: Freizeit.

Sie tun etwas Gutes, gewiss, so wie es der Katze Gutes getan wird, wenn jemand mit einem Fischkopf wirft, um sie zu treffen. Aber dankbar muss die Katze nicht sein.

Lange behaupte ich, dass der klassische Ansatz nicht in der Lage ist, den Wert und damit die Preisbildung der Ware Ethik zu erfassen. Ein ehemaliger Freund, heute weltweit bekannter Ökonom postmoderner Gesinnung, hatte mir in diesem Kaffeehaus in der Nähe vom Syntagma-Platz gesagt – mein damaliges Büro war an der Lekka-Straße, seines Ecke Evripidou und Aiolou, erst viele Jahre später sollte er für sechs verheerende Monate das Büro des Finanzministers direkt am Platz beziehen – „Die klassische Theorie hat keinen Defekt. Du musst sie einfach so ablehnen. Lies aber Amartya Sen“.

Er ist zwischenzeitlich recht berühmt. Ich habe immerhin bessere Beispiele als damals. Und zwar solche auf der Basis des klassischen Ansatzes. Übrigens kalkuliert sogar Marx den Mehrwert auf der Basis der klassischen Nationalökonomie. Wäre er nur ein weiterer Linkshegelianer, würde sich kein rationaler Mensch mit dem Marxismus beschäftigen. Auch Marxens Verständnis von Rationalität setzt das klassische Denken voraus. Es gibt keine postmoderne Nationalökonomie.

Nicht dass der klassische Ansatz deshalb keine Rationalitätslücken und Paradoxien ergäbe! Im Gegenteil. Bloß, dass sie als solche wahrzunehmen sind, setzt den klassischen Ansatz voraus.

Dass die Ethik die Ursache solcher Paradoxien ist, wird eine ethische Intuition vieler Menschen wohl bestätigen.

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On the so-called WOW-day („WOW“ stands for Waldorf One World) instead of having lessons, Waldorf-Steiner students all over the world from sophomore to graduate level clean your windows, make your garden, walk your dog etc. to donate what they earn on this day for a developmental project chosen by the school: a kindergarten in Peru, a shelter for refugees in Greece, medical equipment for Eritrea. You, as the one who hires the student, „buy“ clean windows, subsequently the student „buys“ ethics by donating the money she earned. And if your motive to hire the student was your certainty that she would donate the money, some amount of it „buys“ ethics too. How much? Classically, an ethical action is worth the price you pay minus the normal price of the commodity in question. This is how the slightly higher price of fair-trade shops is perceived. Your pure conscience is worth the coffee price in the fair-trade shop minus the normal coffee price. However, when the student donates the earned money then it’s the whole donation that makes up the value of ethics as a commodity since the student gets no coffee for this – or anything else.

This classical approach is flawed. Just after this year’s WOW-day, I heard some students saying that they didn’t make anyone’s garden to earn the money they would donate. Instead, they would donate their own savings, say, 40 Swiss Francs, to pay for a very enjoyable 1st of November where they had visited Basel’s Herbstmess – a shiny fair with carousels, things to eat, stuff to drink. One intuition is that they’d still donate the amount of 40 Francs. Another is that, by doing so, they’d buy something for 40 Francs – free time – which makes the difference between this commodity and the value of their ethical act equal zero. Again, if you throw a bone to hit a dog and he finds something to eat in it, are you the dog’s benefactor?

For a long time, I’ve been claiming that classical economics does not grasp the price mechanism of ethics as a commodity. In the beginning of my journey in the philosophy of economics someone, back then a friend, in the meanwhile a worldwide famous economist and one of postmodernist spirit, told me – it was in a café in downtown Athens; my office was near, his too – „The classical school is not flawed, you have to reject it in advance! But read Amartya Sen“.

In the meanwhile he’s famous, as I said. But in the meanwhile I have better examples than back then. Examples that don’t change the subject but ones on the basis of calculations. If Marx hadn’t taken the pains to calculate surplus value, no rational individual would be interested in his work. Apparently he also thought that there’s no way you can make sense of economy and rationality going past the classical approach. There’s no such a thing like postmodern economics.

But this is not to say that there are no gaps, flaws, paradoxes in our classical way of thinking. On the contrary, finding out the flaws presupposes the acceptance of the classical approach.

Is ethics the source of many flaws in classical economics? Well, at least many of us have this intuition.

The teacher and the detached

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Die nicht abgetrennten Teile eines Ganzen unterscheidet von den abgetrennten der Umstand, dass die Grenze der ersteren zum Rest entweder scharf ist, oder soritische Probleme erzeugt. Bei abgetrennten Teilen ist der Grenzverlauf dagegen irrelevant. Nie stellt sich bei der Präsentation abgetrennter Teile eines Ganzen die Frage, wie weit weg die Teile voneinander zu stellen sind. Bei integren Ganzen ist es dagegen immer wichtig zu wissen, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Wie fein die Grenze ist. Gibt es eine Pufferzone? Wie breit ist diese? Sind Abweichungen in der Pufferzone tolerabel? Ähnlich damit entspringen die soritischen Probleme der Art eines Slippery Slopes, eines Präzedenzfalls, einer Versicherungspolice mit unscharfen Begriffen aus dem Umstand, dass die Unterscheidung zwischen verschiedenen Geltungsbereichen nicht scharf vorgenommen wurde.

Juristen ist es wie Ärzten und Politikern wichtig, wo eine Grenze verläuft – gleich Landvermessern, die wissen müssen, wo sie einen Pflock in die Erde stecken.

Für den Museumspädagogen des Athener Nationalen Archäologischen Museums ist dagegen die Frage, wie weit weg er einen Arm der Zeusstatue von deren Kopf platziert, zweitrangig. Wie Museumspädagogen ignorieren Lehrer oft das Angrenzende, um in das Nächste überzugehen. Das pflegen sie, wenn es das Angrenzende nicht gibt, oder wenn es als Erkenntnisgegenstand nicht zweckmäßig ist.

Disjecta membra sind des Lehrers. Dass er in ihnen Ordnung schafft, ist mehr eine Sache seiner Poesie als seines Fachwissens.Enough with scrolling

The museologist of the National Archeological Museum of Athens doesn’t care much about how far away from Zeus’s head the arm is to be placed. When the statue was intact, there was an invisible, yet clear borderline between the limbs and the torso, the torso and the head. But after the destruction, it is pointless to try to put the arm to its exact place compared to the head. If the parts are detached, exactness is not the issue.

But if the parts are undetached, exactness is the issue. In case it fails to be, this happens at the price of soritic problems. Imagine state borders without exactness. Where does your state begin? Here? Two yards further? Two hundred yards further? Two hundred yards which way? Already two yards, let alone two hundred,  are too large a deviation? But two inches we wouldn’t mind, would we? Three inches? Four? Five? Where is the limit after which we would mind?

I see the difference between detached (body) parts (say, of statues) and undetached parts (say, of a continent) in the fact that, once you don’t clearly determine the border between the undetached parts, you have soritic problems, which you don’t have if you have detached parts.

Slippery slopes, precedents that give rise to counter-intuitive jurisdiction, fuzzy insurance policies have this one thing in common: they don’t clearly determine where the norm becomes invalid. Lawyers, politicians, physicians should be like topographers: they should be able to draw exact limits.

Teachers shouldn’t bother to be the same. By contrast, they try to present detached parts, scattered pieces of knowledge, in an ordered way. When they succeed in doing so, it is art rather than expertise they demonstrate.

It is the museologist’s job.