Prophetae post Christum

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Große Krisen gibt es anscheinend alle acht bis elf Jahre: 1962 Kuba, 1973 Ölkrise, 1983 AIDS, 1992 Bosnienkrieg, 2001 11. September, 2009 Eurokrise, 2020 Coronakrise. Wenn eine zwischen 2028 und 2031 kommt, werde ich behaupten können, es gewusst zu haben? Vor Ewigkeiten meinte mein alter Diplomarbeitsbetreuer – Theophilos Veikos hieß er, aus Nordgriechenland, Spezialgebiet Geschichtsphilosophie – man brauche wohl nur Zeit und Nerv zum Bezügeherstellen, damit alle Geschichte im Nachhinein als irgendeiner mathematischen Funktion unterliegend erscheint. “Funktion”… Eine Funktion ist eine Abbildung mit bestimmten Eigenschaften, die aber so billig zu haben sind, dass das Präfix “irgend” der springende Punkt ist. Das Hauptproblem, das Veikos – Gott möge ihn selig haben – ansprach, war die Beliebigkeit der Argumente, die “irgendeine” Funktion erfüllen. Warum habe ich oben nicht etwa den Zweiten Golfkrieg oder die Verstaatlichung von Renault durch Mitterand hinzugefügt? Dann wäre wohlgemerkt die Funktion auch eine andere.

Aber zurück zur Krise zwischen 2028 und 2031: Dem Hang zum “Ich habe es doch immer gewusst” im Nachhinein verdient nicht nur die kognitive Psychologie eine wichtige Einsicht, sondern auf ihn lässt sich der Erfolg mindestens zweier der wichtigsten Romane des 20. Jh. zurückführen. Ich meine damit Umberto Ecos Namen der Rose

und Foucaultsches Pendel.

Romane sind immer kohärent. Die Realität wohl auch. Wer allerdings ein kohärentes Narrativ für die heutige Situation findet, hat noch lange kein adäquates. Vielleicht ist das lediglich Romanstoff.

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Every eight to eleven years there is a big crisis – or so it seems: 1962 Cuba, 1973 the Oil Crisis, 1983 AIDS, 1992 war in Bosnia, 2001 9/11, 2009 Eurocrisis, 2020 Covid19. If there is, now, a crisis between 2028 and 2032, will I be able to say that I predicted it?

Ages ago, the professor who graded my teacher’s degree thesis – a Greek Macedonian, his name was Theophilos Veikos and his specialisation philosophy of history – wrote somewhere that with a little time and patience everyone can manage to make history appear like a case of a certain mathematical function.

A function is a mapping of a certain kind, and the big question, if any function would do, is what you choose to map into what. In my list above e.g. I did not include events like the Second Gulf War or Mitterand’s policies towards Renault. You may say: “Plausibly so”. But others could be of another opinion, obviously preferring eo ipso a different function.

Let me return to the future crisis between 2028 and 2031. The idea “Actually I knew that this would happen” in retrospect is a topic of psychology as much as it is an element of two of the most read novels of the 20th century: Umberto Eco’s Name of the Rose

and Foucault’s Pendulum.

Novels are always coherent. The reality is also arguably so. But if you happen to have a coherent narrative for the situation we are currently thrown in, this doesn’t need to be adequate. Chances are that you only have the material for a novel.

Being the others

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Das Abtun zyklischer und selbstbezüglicher Entscheidungen als Unsinn ist erleichternd. Einerseits… Andererseits ist es nicht gerade eine elegante Lösung, das Schwert zu ziehen – tja, was soll der Unsinn! – und den Knoten aufzuschneiden. Solange keine Berichte aus der Antike auftauchen, wonach Aristoteles seinem Schüler zu gordischen Lösungen riet, muss der Logiker um elegante Lösungen bemüht sein. Klar, man kann ad libitum eine Regel einführen nach dem Motto: Errichte nie eine Mautstation, die nur den Zweck hat, das Geld für ihre eigene Errichtung aufzutreiben,

und das Problem erscheint gelöst. Da kann zyklische Selbstbezüglichkeit nur in Comics passieren. Das ist im Grunde die Lösung entscheidungstheoretischer Paradoxien bei Quine, Spohn und Gaifman. Auf Verweise verzichte ich hier. Wer alles lesen will, der lese meinen Aufsatz in History and Philosophy of Logic 37 (2016), 101-113, wo ich aber auch zeige, dass die zyklische und selbstbezügliche Lösung nicht immer “Unsinn” ist.

Einen weiteren Beleg für die sehr gute Anwendbarkeit zyklischer und selbstbezüglicher Entscheidungsregeln möchte ich heute aus gegebenem Anlass politischer Natur bringen. Angenommen, ich bin ein Ministerpräsident und der Meinung – ich habe Epidemiologen und andere Experten konsultiert, ich habe eine empirische Evidenz – dass die Corona-Maßnahmen gelockert werden können. Aber ich weiß – bzw. meine zu wissen – dass alle meine Kollegen das anders handhaben und deshalb äußere ich mich gegen die Lockerung und gegen meine eigene Überzeugung. Das zeigt natürlich, dass ich besonnen bin und meinen Job als Ministerpräsident höchstwahrscheinlich behalten werde. Tun, was die anderen tun, ist eine Regel, die sich in diesem Fall bewährt.

Aber ist wirklich das die Regel? Wie ist es z.B., wenn die anderen sich ebenfalls gegen ihre Überzeugung ausdrücken, weil sie meinen, die aus ihrer Sicht anderen (deren einer ich wohlgemerkt bin!) würden die Corona-Maßnahmen verschärfen statt lockern? Die Regel ist in diesem Fall selbstbezüglich und zyklisch: Tue, was die anderen tun, bedeutet im Endeffekt: Tue, was du vorwegnimmst, dass die anderen vorwegnehmen, dass du vorwegnimmst, dass die anderen vorwegnehmen, dass du… usw.

Ein ähnliches Beispiel ist das des Aktienkäufers, dessen Gewinnstrategie darin besteht, stets rechtzeitig zu verkaufen, was die anderen verkaufen, und rechtzeitig zu kaufen, was die anderen kaufen. Wenn das die Regel auch der anderen ist, ist der Aktienkurs durch die Erwartung der Anleger von der Erwartung der Anleger bestimmt; nicht jedenfalls von Produktion und Effizienz. Sieht irgendjemand die Möglichkeit, solche Regeln rechtskräftig zu verbieten? Vielleicht mit dem Schwert? Dazu muss das geeignete Schwert erst erfunden werden.

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Cyclical self-reference generates decision-theoretical paradoxes. You can declare it to be nonsense and you finished. But do you really want this?

Since it’s extremely unlikely that long forgotten sources from antiquity will ever suggest that Alexander’s cutting the Gordian knot was due to Aristotle’s instructions, I feel justified thinking that logicians should prefer elegant solutions. No doubt, one can introduce a rule ad libitum to prohibit, say, tolls to pay off the installation of the tollbooth as their sole target.

Such rules are Quine’s, Spohn’s and Gaifman’s recommendation to get rid of paradox. (No references here, I’m afraid; read my article in History and Philosophy of Logic 37 (2016), 101-113 if you’re interested). But even if one introduces thousands of such rules, one is not justified to believe that cyclical self-reference will only happen in comics. Take the following thought experiment:

You are a politician. Say, a local prime minister of some German federal state. You’ve had consultations with epidemiologists, public health experts – in short: you have empirical evidence – to the effect of a new persuasion that the Corona measures must be gradually relaxed. At the same time, you know that your colleagues would rather sharpen the measures to conform with the very timid attitude of the wide public. Since you want to keep your post as a prime minister, you make claims towards sharpening the measures, NB against your inner conviction for the opposite. I.e. your rule to keep your job is to do what the others do.

Second thoughts, however, may exist as to whether this is really the rule you follow. What if the others follow (rather: think they follow – continue reading for the reasons I make this distinction) the same rule? Then, it is not their conviction to sharpen measures. Rather, they think it’s the others’ conviction – that includes you, of course – and this is why they make claims against the relaxing of measures against their own opinion. Just like you.

In other words, a generalised rule to do what others do, results to the rule: do what the others anticipate you to anticipate them to anticipate you to anticipate them … to do.

A similar example is that of the investor whose winning strategy is to timely buy what “the others” buy and to timely sell what “the others” sell. The more people act according to this rule, the more you have stock prices depending on the investors’ expectations of investors’ expectations instead of the the investors’ expectations of production and efficiency. And now draw the sword and prohibit such rules – ha, ha, ha…

Corpus sacrum

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Susanne war gerade mit ihrem Studium, ich mit der Promotion fertig, als sie mich in die Münchner Kunstakademie zur Vorstellung ihrer Abschlussarbeit eingeladen hat. Inmitten einer Umgebung von Installationen, wo die Hauptaussage war: “Habe ich dich jetzt genug schockiert?” stand Susannes (wie ich damals dachte) Ausdruck von Philhellenismus und Demut (ich muss vorweg sagen, dass ich ihre Absichten damals monströs missinterpretierte) in Form von Ikonenhäusern, wie man sie am Straßenrand in Griechenland immer wieder findet. Um den Unterschied zwischen griechischer Spenglerarbeit und Susannes Kunst festzustellen, musste ich das Türchen des Ikonenhauses aufmachen. Da betrachtete mich aus dem Gehäuse statt der Mutter Gottes mein Ebenbild aus einem an der Rückwand befestigten Spiegel. Ich habe mir keine Kerze angezündet. Erstens war ich überzeugt, dass sie es mir übel nehmen würde, andererseits wäre es eine Kerze zu Ehren jedes Besuchers, der reingucken würde.

14 Jahre später war ich gerade mit der Habilitation fertig, als Hans Joas in seinem gleichnamigen Werk die Sakralität der Person als einen Trend der Moderne entdeckte: Die Vergöttlichung, Unsterblichmachung jedes Einzelnen begann in der frühen Neuzeit, politisches Handeln zu legitimieren.

Da nun Joas damals im Begriff war, Erfurt zu verlassen, bot ich den Buchtitel als Hauptseminar an. Ich war und bleibe sehr überzeugt von der Hauptthese und den Argumenten im Buch.

An beide Bekannten musste ich in der Corona-Krise denken. Eine Verdeutlichung der Sakralität der Oma im Altenheim, die trotz ihrer Sünden, Vorerkrankungen und ihrer 95 Jahre nicht an Corona sterben soll, die besser wäre als die gegenwärtigen Maßnahmen, kenne ich nicht. Erst lange danach musste ich an der lieben Freundin von damals sowie am berühmten Kollegen Vordenker dessen erkennen, was jetzt um uns passiert.

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When Susanne finished her studies in art – it was the time I had finished my PhD thesis – she invited me to the presentation. The Munich Art Academy is an awkward place when the installations of the graduates are exhibited to ask you if you are enough shocked. Susanne’s work was an exception. Back then I thought that one point she made was philhellenism and that an attitude she expressed was humility. I was wrong in both interpretations. Susanne had manufactured a roadside ikonostasio as found everywhere in Greece. The difference of Susanne’s art from the usual sacral object was that, in her version, when you opened the small window, you found no icons but a mirror in it. The saint to venerate was yourself.

Fourteen years later – the book I had finished this time was my habilitation thesis – I was thinking about the issues to deal with in my social-philosophy class when I came across the work of my famous colleague, at the same time the person downstairs in the university’s guest house. I dedicated Hans Joas’s Sacredness of the Person the whole term for two reasons: the first was one of tactics: Joas was about to leave Erfurt and I wanted to give a signal, however small, that Weberian analysis rulez! The other was one of beliefs; my deep persuasion of Joas’s main thesis: the early modern period began to see a saint in every individual and this trend has become a tenet of the modern conception of humanity.

I have thought a lot on the two unequal but similarly pioneering works, Susanne’s shrine and Joas’s book, during the Corona Crisis. In the apprehension of each individual as sacred, I see established the policies of the last ten months – policies to ensure that in spite of his sins, his 95 years and his prehistory, John Doe will survive Corona as much as this depends on us.

Ulrich Staudinger (*1935-+2021)

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Wenn ich ein drei Jahre altes Interview des Verlegers, Freundes, guten Beraters reposte – eigenartig oder? Bei “Verleger” denkt der Leser an eine einstellige Eigenschaft. Nach “Freund” und “Berater” wurde aber aus “Verleger” eine Relation – dann aus gutem Grund. In der Nacht zum Freitag hat uns Ulrich Staudinger verlassen. Wenn ich von alten Projekten gesprochen habe, hat er mich zu unterbrechen gepflegt: “Gut, reden wir aber jetzt über die Zukunft”.

Uli Mai 2017

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Ulrich Staudinger, the publisher, friend, good advisor (admit it: you thought that “publisher” is a one-place predicate until you read “friend” and “advisor” and only then you realised that also publishing implies a very personal and close relationship) left us in the late hours of last Thursday. This is a reason for me to repost a three-and-a-half-years-old interview of his, where he talks about the future of the publishing house. Whenever I addressed old projects and why they had, eventually, success or were doomed, he used to interrupt me: “Good, but tell me about future projects now”.

Se tutto deve rimanere com’è, è necessario che tutto cambi

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Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss es sich ändern…

… gibt Graf Salina, der Hauptcharakter von Giuseppe Tommasi di Lampedusas Gattopardo, zu bedenken, wenn er erklärt, wieso ausgerechnet er, ein Adliger, für Garibaldi eintritt und die Ehe seines Neffen mit der niveaulosen Neureichentochter will.

Drei Pinien habe ich auf dem väterlichen Garten am Meer am Wochenende fällen lassen. Das tat weh. Die Pinienkerne dieser Bäume waren – mit Honig geträufelt – mein Frühstück mit zwölf, mein Snack zum Tsipuro mit achtzehn. Mein Garten auf Euböa ist kleiner als Conte Salinas Gut auf Sizilien, aber was ist daraus zu schließen? Soll der Verlust jetzt mehr oder weniger wehtun? Salina sagt, gar nicht solle er wehtun. Was sich ändert, bleibt uns erhalten.

Tatsächlich kommt das Meer langsam zur selben Zeit an den Zaun heran. Die Ägäis eroberte die Straße vor meinem Land. Deshalb war es wohl den Bäumen zu salzig und giftig unter den Wurzeln. Wie soll es kein Gewinn sein, wenn nun in Ermangelung der Straße die Küste so sein wird wie in vortouristischen Zeiten?

Ja, die Welt wird immer besser, indem sie eine reformierte alte bleibt. BBC 6, mein Lieblingssender, spielt Flying Microtonal Banana und Automation von King Gizzard and the Lizard Wizard, einer Band von australischen Kunsthistorikern und Politologen, die junge westliche Menschen für Lieder geschrieben in altertümlich orientalischen Hijaz- und Bayati-Tonleiter gewinnt.

Giuseppe Tommasi di Lampedusa ist mein Leuchtturm zum Ästhetikverständnis. Auch zum Politikverständnis. Alles bleibt wie es war, während es sich verändert. Vor dem Hintergrund der Ideengeschichte des 18. Jh. ist Emmanuel Macron Friedrich der Große, QAnon wiederum Emanuel Swedenborg. Nicht dass Emmanuel keine Fehler macht (wie jetzt PCR-Tests für EU-Bürger- wie unnötig!) und Emanuel seine inkohärenten Piepser nicht schreiben sollte. Aber das ist in etwa der schwindelerregende Abstand. Alles in allem bin ich voller Optimismus über die Prospekte des Mainstreams.

Die Pinien? Ich werde neue an ihrer Stelle wachsen lassen. Meinen Töchtern und den Leuten in meiner Nähe werden die Pinienkerne jedenfalls nicht fehlen. Die Krise geht vorbei. Was sage ich da? Sie ist vorbei; an uns vorbeigegangen, sobald wir sie akzeptierten.

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If all has to remain the way it is, then it has to change…

… maintains count Salina, the main character of Giuseppe Tommasi di Lampedusa’s Gattopardo, when he explains why he of all Sicilians, an aristocrat, supports Garibaldi as well as his nephew’s marriage with a new rich and unfortunately beautiful philistine.

Last weekend I succumbed to the felling of three of the pines of our property which is directly adjacent to the coast. Our land in Euboea is much smaller than count Salina’s property in Sicily, even much smaller that the relative size of the two islands makes you think. This doesn’t mean that Salina had more to lose. The pine nuts of these trees, sprinkled with honey, were my breakfast at the age of twelve and began to accompany my whisky some time later. Salina’s advice however is not to perceive changes as a loss.

And when I give it some thought, he is right. While salty water was slowly contaminating the roots of my poor pines from below, eo ipso the sea won the battle against the street in front of the garden and reached the fence. You might think that I might see the fence endangered. What count Salina’s eyes in me see, however, is a coast returned to its natural state before the arrival of tourism, of lanterns, of seaside promenades.

The world gets better and better remaining as it was through reform. BBC 6 has always been my favourite station but now they also play scales like hijaz and bayati with which my grandfather’s ears have been familiar but were thought to be out in western music. Well, Automation and Flying Microtonal Banana by King Gizzard and the Lizard Wizard are exactly bayati and hijaz without being out.

Giuseppe Tommasi di Lampedusa is my lighthouse when I sail out in aesthetics. Or politics. Everything remains existing as it changes. With the history of ideas of the 18th century in the background, Emmanuel Macron is Frederick the Great and QAnon is Emanuel Swedenborg. I am not contending that Emmanuel makes no mistakes (the obligatory PCR test for EU citizens – how unnecessary!) and Emanuel should not write his incoherent things. I am just saying that this is the gap. Oh yes, I am very optimistic about the prospects of the mainstream.

Well, the pine trees… I shall plant new ones. My daughters, generally people at my side, should understand “Get some pine nuts” as a suggestion to collect them, not to buy them. The crisis will be over. What am I saying? It is over. It was over as soon as we affirmed it.

Presenting presents

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Die Nachweihnachtszeit ist eine Bewältigung der durch die Geschenke ausgedrückten Liebe, des Erratens oder Missratens, schließlich der “Friss oder stirb”-Indifferenz. Vergessen wir den letzten Fall.

Es gibt Geschenke mit einer bedeutungsschwangeren Verpackung. “Du musst mich mögen”. Andere sind ohne Hülle: “Auch ohne Weihnachten hättest du mich, denn ich gehöre zu dir”. Vergessen wir auch diesen letzten Fall.

Es ist einfach, sich nach dem Auspacken beim Stifter eines geglückten Geschenks zu bedanken. Es ist dagegen eine schwere Last, sich nicht anmerken zu lassen, dass das Geschenk missglückt war. Deshalb war wohl die Verpackung da: “Vorsichtshalber mache ich es später auf”. In Griechenland ist es ein Zeichen sehr schlechter Manieren, ein Geschenk vor dem Stifter auszupacken.

Riskanter ist das Vorstellen des (unverpackten) Geschenks in Tarkowskis Opfer. Unten finden meine Leser den Clip. Wer den ganzen Film sieht, wird feststellen: In ihm geht es um verpackte, heimliche Opfer für die Geliebten, die es nicht verdienen, geliebt zu werden.

Dabei geht es beim Schenken nicht um Verdienste. Schenken ist nicht die Auszahlung eines Gehalts.

Eine tiefere Übereinstimmung zwischen Tarkowski und der griechischen Sitte sehe ich doch noch. Die Spender werden wir so viel mögen, um ihnen wenigstens die Einsicht zu ersparen, wir hätten die Spende nicht verdient, oder?

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The time after Christmas is one in which you have to deal with other people’s love, correct or false guesses about your taste, finally their indifference, everything expressed in their gifts. Let’s forget the last case.

Some gifts come with a question-begging packaging. “You have to like me”. Others are given unwrapped. “I knew you needed me and I would be here even if there was no Christmas”. Let’s forget also this last case.

After you unpack a gift, it is an easy task to thank givers if they wanted you to be happy and you are happy. But it is a huge burden to know that they wanted you to be happy and you are not. This case is probably what the packaging was for. In Greece it’s bad manners to open a present in front of the donor. A more risky move is presented by Andrei Tarkovsky in the Sacrifice. Watch the clip above. And then watch the whole movie. It’s about gifts and secret sacrifices for people who are undeservedly important to you. I could have omitted “undeservedly”. Donating has nothing to do with deserving or not deserving. A donation is not a salary.

After all, you see, Tarkovsky does agree with the Greek custom. Do not open your presents before the donors disappear. You don’t want them to notice that you didn’t deserve the donation. At least you like them that much, don’t you?

Of ordinary and of formal things – and of extraordinary as well

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Als ich noch dieses Erfurter Seminar zu Anwendungen der nichtklassischen Logik in der Religionsphilosophie anbot, machte ich in den ersten Wochen stets einen Logik-Crash-Kurs (die Beweise schnelligkeitshalber mit Beths Baumkalkül bzw. à la Hodges), in dem ich, selbst wenn die LV in deutscher Sprache angeboten war (manchmal war das sowieso eine von Asiaten besuchte, englischsprachige Lehrveranstaltung) kurz darauf hinwies, dass das Englische ein natürliches Verständnis der Unterscheidung zwischen freien und gebundenen Variablen ermöglicht: “Some” gibt die Grundintuition für die gebundenen, “any” für die freien Variablen. Soviel zu Englisch als didaktischer Metasprache der Prädikatenlogik. Neuerdings habe ich an folgender Unterscheidung des Englischen eine gewisse Freude: Wenn die Besatzung der Pequod als mereologische Summe jagt (d.h. jeder in Ahabs Crew sucht den Wal), dann hat das britische Englisch den Ausdruck parat: “The crew chase the whale”. Aber wenn es nur das Ziel der Gruppe als Gruppe ist, den Wal zu fangen – manche in der Gruppe haben aber aktiv nichts damit zu tun, sondern nur kochen, putzen usw. – wird die Besatzung eher als Menge denn als mereologische Summe kenntlich gemacht und zwar folgendermaßen: “The crew chases the whale” Der Numerus des Verbs ist bezeichnend.

Die natürlichen Sprachen können offenbar Elemente des Instrumentariums von formalen Sprachen ausdrücken. Englisch ist dabei ein Königsweg zum Logischen. Nun will ich nicht wie ein Wittgenstein-Enthusiast klingen oder die Geltung der Logik relativierten, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie wir sonst formale Begriffe “adäquat” nennen würden, wenn wir sie nicht aus unserer informellen Sprache kennten. Zu was wären die formalen Begriffe etwa adäquat?

Es ist nicht die Freude am Advent, die den Dezember dezembermäßig macht, sondern der Dezember, der Freude am Advent haben lässt. Heute dachte ich an ein Zitat – vermutlich ist es ein Zitat… – das ich von einem griechischen Kirchenvater haben müsste: Nicht das Trachten nach etwas macht es etwa wahr, sondern es ist umgekehrt die Wahrheit, die uns nach ihr trachten lässt. Von wem ist das? Der Name ist weg. Ich muss wohl im TLG recherchieren.

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In an English-speaking instruction in predicate logic, it is a common place to say: “You can understand bounded variables as the pronoun “some” and free variables as the pronoun “any””. If this is an old advantage of English as the didactic metalanguage of predicate logic, I recently found a new one: the difference between captain Ahab’s crew as a mereological sum (i.e. as a grammatical subject of a general statement) from the same crew in the sense of a set (i.e. as a grammatical subject of a singular statement) is expressed by the numerus of the verb. Cf. “The crew chase the whale” (homogeneous mereological sum – every individual in the group chases the whale) vs “The crew chases the whale” (set – even if some do nothing, the arbitrarily constructed set has a property as a whole).

Ordinary language can express formal notions for which prima facie one would need a formal device. Now, English is probably a predominant case and I don’t wish to sound relativistic or late Wittgensteinian, but unless it were so, I cannot see else how we would have the intuition that a formal notion is adequate.

It’s not the Christmassy atmosphere that makes December; it’s December that makes the Christmassy atmosphere. There is this citation in my mind today: “It is not the quest that makes its object true. It is truth itself that makes you seek it”. By some Greek father probably but I can’t remember by whom. A good reason to start TLG and make a full-text search.

Applied spooky metaphysics

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Zweige der analytischen Philosophie wie die angewandte Ethik oder die Experimentalphilosophie werden als modern und zukunftsweisend wahrgenommen. Dass eine Art Magie aber noch lieber angewandt wird als die philosophische Reflexion, daran denkt der Analytiker nicht. Es sei denn, er ist ein orthodoxer Christ und hat viel Philosophiegeschichte studiert.

Jeden Sonntag bekräftigen viele Christen durch ihre Teilnahme am Sakrament der Kommunion ihren Glauben daran, dass durch ein Wunder Wein in Blut Christi verwandelt wird. Dass der echte Christus mit Fleisch und Blut in der Messe präsent ist, um dort verzehrt zu werden, wurde bereits im frühen Christentum zunächst unreflektiert geglaubt. Johannes von Damaskus, Mönch und Aristoteliker des 8. Jh., meinte, die Wandlung entziehe sich als Wunder jeder Reflexion. Die gängige theologische Meinung war aber, dass die Wandlung im Rahmen einer aristotelischen Metaphysik der Substanz des Weins, nicht etwa seinen Akzidenzien gilt. Kommunionswein schmeckt nach Wein auch nach der Wandlung. Jahrhunderte später deutete Wilhelm von Ockham die Wandlung als Akt der Namensgebung um. Man nennt diesen Wein eben Blut – so Ockham. Die Traditionellen blieben auch nach Ockham stark. Als Petrus von Ailly im 15. Jh. Jan Hus auf den Scheiterhaufen steigen ließ, war Hussens Lehre, gewandelt in Blut werde der Wein in seiner Substanz, mit ein Grund für die Verurteilung.

Eine Zuspitzung der traditionellen Lehre ist die Praxis der orthodoxen Kleriker, die in Corona-Zeiten weiterhin die Kommunion aus einem Kelch, mit einem einzigen Kelchlöffel erteilen, da – so die Behauptung – Speichelreste des Vortrinkers im Blut Christi nicht viral wären. Speichelreste in einer Flüssigkeit, die nicht Speichel ist, sind Akzidenzien. Es ist insofern fast ein Wunder, dass sich die Traditionellen in einer zu starken These verfingen, die sie gar nicht brauchen, um das Dogma zu verteidigen.

Innerhalb von ein paar Wochen waren nun der Tod des Metropoliten von Montenegro und des Belgrader Patriarchen infolge des Corona-Virus die pressewirksamen Indizien, dass magisches Denken des 1. Jh. nicht dazu geeignet ist, biochemische Eigenschaften zu beschreiben. Sonderbar ist das weitere Faktum, dass beide betagten Männer heute höchstwahrscheinlich das politische Leben Montenegros und Serbiens weiter mitbestimmen würden, hätten sie Aristoteles oder Ockham als ihre angewandten Metaphysiker ausgewählt. Aristoteles und Ockham kannten zwar das Fach Biochemie nicht, aber ihre Ontologie widerspricht nicht der empirischen Wissenschaft. Auch das ist ein kleines Wunder. Aristotelische und nominalistische Ontologie sind dermaßen alt…

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Applied ethics and experimental philosophy are considered new and shiny in analytic philosophy. Most analytics are however not aware of the fact that the first applied branch of the discipline was spooky metaphysics ages ago – and nowadays too. Well, maybe they guess so, if they’re orthodox Christians and have studied some history of philosophy.

The historical fact is that many Christians receive the Holy Communion on Sunday thinking that, miraculously, Jesus Christ is present at this moment in their church to be ingested in form of bread and wine – or rather not-anymore-bread-and-wine. The dogma of the rendering of bread and wine into Christ’s flesh and blood was launched already in early Christianity, unreflectedly in the beginning. Once more reflected and erudite believers turned their attention to it, they had to admit that it escaped reflection. Typically this is the case with John of Damaskus, a monk and Aristotelian of the 8th century. In an Aristotelian setting, it turned out that what the Latins called “transsubstantiatio” would work only if the miracle was supposed to concern only the essence of bread and wine leaving the accidental properties uninfluenced: Communion wine tastes always of wine. In the 14th century, William of Ockham proposed to understand the change of the material as an act of renaming: we call this specific wine from now on blood. Traditionalists remained solid also after Ockham. In the 15th century Peter of Ailly accused Jan Hus of taking the “thingy” substance of bread to be literally changed – and opened the way to Jan Hus’s burning at the stake.

The Holy Communion, as practised today by many orthodox, from one cup and with one spoon (i.e. cochlear) is at the pinnacle of the traditional doctrine. It presupposes that no viral rests of the saliva of the others can endanger your health when you take the Communion. Considering that the presence of viral saliva in a liquid which is per se not saliva is an accident, the traditionalists needn’t get entangled in a thesis that is too strong and not even necessary to defend dogma – but they do nevertheless.

In only few weeks, two deaths, Amphilochius’s, the metropolitan’s of Montenegro, and Irenaeus’s, the patriarch’s of Serbia, following a Covid-19 infection, shows the broad public that 1st-century spooky metaphysics is inadequate. Aristotelian and nominalistic, Ockhamian, ontology, would be, which is a little miracle. Just imagine how old these theories are…

Corona martyrii

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Jeden 17. November trauert Griechenland um die Opfer der Studentenunruhen des Jahres 1973. Der 17. November 1973 war ein Freitag, was sich auf die spätere Erinnerungskultur sonderbar auswirkte. “Sonderbar”, weil die Trauerfeier trotz ihrer allgemein linken Ausrichtung an die Karfreitagsprozession erinnert. Während nun die Karfreitagsprozessionen von Nikosia bis Malaga mit dem Schrein des aufgebahrten Jesus in der Kirche ihren Ausgang nehmen, um ebendaselbst zu enden, beginnt der Trauermarsch des 17. November an der Athener Technischen Universität – um den Stadtcampus herum lagen die meisten Toten der 73er Unruhen – um zum Schluss die US-amerikanische Botschaft zu erreichen, eine Bauhaus-Version des Parthenons und Werk keines geringeren als Walter Gropius.

An jene Novembertage erinnere ich mich gut, obwohl ich erst sieben Jahre alt war. Meine Eltern hatten die unglückliche Idee, am Sonntag nach den blutigen Ereignissen einen Spaziergang in Athen zu machen. Wie viele andere haben sie nicht geahnt, dass die Polizei Demonstranten erschossen hatte. Als Schüsse zu hören waren, rannten wir. Vor allem erschreckten mich die Gesichtsausdrücke der Erwachsenen.

Dass niemals ein amerikanischer Soldat die Waffe gegen einen griechischen Bürger gerichtet hat, daran zweifelt wohl niemand. Aber die Linke hatte bereits Jahre zuvor den USA die Schuld für die Diktatur zugeschoben. Der Gropius-Bau wurde in der Wahrnehmung vieler das Tor zum Hades für den politischen Karfreitag.

Heuer findet die Prozession zum ersten Mal seit 1974 nicht statt. Das ist nur konsequent. Das Coronavirus ließ uns Sonntags- und Ostermessen absagen. Auf solche Einschränkungen reagierten die Religiösen mehr oder weniger rational trotz der wenigen Vorfälle, die jedes besonnene Handeln in Frage stellten. Es gab etwa Gemeinden, die vor der Kirche Distanz hielten, bis der Pfarrer kam, um die Heilige Kommunion mit einem einzigen Löffel zu erteilen. Ich nenne es nicht irrational, nur unbesonnen, wegen der – tja… – Rationalisierung: “Gewandeltes Blut Christi überträgt keine Krankheiten”.

Die Kommunistische Partei – keine Assoziation mit der Kommunion: Sie ist ein echter politischer Faktor in Griechenland, deshalb die Erwähnung – protestiert wegen der Absage des Trauermarsches, will aber, dass die Kirchen geschlossen bleiben.

Der Antagonismus zwischen orthodoxen Marxisten und orthodoxen Christen ist allerdings nicht nur Entgegnung. Es ist gleichzeitig Appropriation: Prozessionen hier, Prozessionen da, Heilige hier, Heilige da.

Vor Tagen hörte ich mir wieder Mikis Theodorakis’ “Tragudia tu agona” (Chansons de lutte) an. Ein Beispiel von vielen Anlehnungen an das Religiöse:

“Morgen soll die eine Hälfte irgendwohin transportiert werden,

wir müssen auch gehen, aber woandershin:

Vielleicht ans Festland, vielleicht auf eine Insel.

Es möge der Wille Gottes geschehen.”

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Every 17th of November, Greece mourns for the victims of the students unrest of 1973. November 17, 1973 was a Friday, a fact which, peculiarly enough, left some traces on the symbolism of the mourning. “Peculiarly” because, in spite of the generally leftist context, the main event of the mourning is reminiscent to the epitaphios procession on Good Friday. The standard Good Friday procession begins in the church with the shrine of the lying Jesus at its head, and ends there too. There are local varieties throughout the northern Mediterranean coast from Nicosia to Malaga, but this is the essence.

The Nov 17 procession of the various left-wing parties of Greece, however, starts at the Technical University of Athens, around which the most bodies of mostly young people were discovered after the revolt, and heads to the American Embassy of Athens, a Bauhaus version of the Parthenon and a work of Walter Gropius.

I have personal memories from the revolt, although I was only seven. My parents had the unfortunate idea to have a walk in downtown Athens on the subsequent Sunday, Nov 19, 1973 – most people thought that revolting students were being rather arrested than shot dead – when the shooting started. I was mostly terrified from adults around me looking terrified. Gunshots per se are not scary. We ran…

There was never doubt about the fact that no American soldier has ever shot one single bullet in Greece to kill a Greek. But the left considered the Americans responsible for the dictatorship – and treated the Gropius building as the gates of Hades of their Good Friday.

This year, the procession will not take place for the first time since 1974. Covid-19 made us abolish rituals like the Sunday service and Easter, so why not Nov 17? The religious were generally rational in spite of reactions that – I wouldn’t call them completely irrational since they employed rationalisation – challenged every intuition of phronesis. People in the church yard, for example, kept the recommended distance, but partook in the holy communion with one single spoon for the whole parish. “It’s the blood of our saviour – immune to Covid” you hear them saying.

The Communist Party of Greece – I do not mention them because of an association with the word “communion”, they are really a political factor in Greece – demands the procession to take place but the churches to remain closed. Antagonistic religions, you can say. Which is not far from truth. But the antagonism goes further: some the symbols are common. I was listening the other day after many years “Tragoudia tou agona” (“Songs of the Struggle”) by Mikis Theodorakis: the religious element in them is striking: “I talk to out Lady and to your Judge in heavens. I reckon your age by the bitterness. But tell: is your torturer a creature with eyes, lips and a neck?”

We used to play this with the guitar at school. The girl who gladly sang it, I think her name was Sophia. From Crete. After school she joined the Communist Party. I’ve never heard anything about her since then.

She had a nice voice. I hope that she remains healthy.

Icons of the evil

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Der Ikonoklasmus tauchte im Oströmischen Reich gleichzeitig mit dem Aufkommen des jungen Islam auf. Johannes von Damaskus und Theodor von Studion, die wichtigsten Stimmen für die Sache der Ikonenanbetung, polemisierten zwar gegen christliche, nicht moslemische Bilderstürmer, aber was sie sagen, ist im Endeffekt, dass die Bilderstürmer cultural renegades sind. Sie würden nicht zu “uns” gehören. Das schreibe ich mit der Ermordung Samuel Patys, den Nizzaer Morden, den jüngsten Ereignissen in Wien im Hintergrund.

Vergangenes Wochenende – ein Kollege bestand darauf, ich solle es sehen, die Kinder hatten nichts dagegen – guckte ich mir “Er ist wieder da” an. Der Plot: Gott beschließt im Jahr 2014, Hitler noch einmal auf die Erde zu schicken. Der Film bewegt sich über lustige Missverständnisse der Jugendsprache und der heutigen Alltagskultur durch Adolf einerseits, über Gespräche mit Passanten à la Borat andererseits auf das Ziel zu: Der wiederauferstandene Führer wäre heute mit seiner Rhetorik eine TV-Prominenz und begeisterter Anhänger der Bündnisgrünen, gerade weil die CSU so “eine erbärmliche Kopie” wäre.

Es sind die boratartigen Gespräche mit Passanten, die der Regisseur ausschlachtet; die Ehrerbietungen gegenüber dem “Führer” mit ausgestrecktem Arm mitten im Berlin des Jahres 2014, womit David Wnendt vergisst, dass die Zuschauer vor der Ikone des Bösen auch mitspielen wollen, glauben machen wollen – Mimesis als “make-believe” ist Kendall Waltons griffiger Spruch – sie wären ein Teil des Fiktiven, nicht des Realen.

Das Böse wollen die Akteure bewältigen und das Gute verstehen. Stellvertretend für das Böse wie für das Gute sind Bilder: Ikonen. Ikonen wie Hitler-Darsteller in Berlin. Timur Vermes’ Idee eines wiederauferstandenen Hitler, der durch das heutige Deutschland spaziert, hatte übrigens bereits 1993 Želimir Žilnik, als er einen Tito-Darsteller durch Belgrad schickte. Um beim ehemaligen Jugoslawien zu bleiben: Tito, Marx und Engels wurden unlängst von einem montenegrinischen Freskenmaler in der Hölle platziert (s.o.)

Europa scheut sich nicht vor Ikonen des Bösen, geschweige denn des Guten. Der Ikonoklast duldet nicht einmal letztere.

Weit davon entfernt, ganzen Kulturen und Nationen die Schuld zuzuweisen für Ideologien, die Mentalkranke als Killer nutzen, finde ich, dass der Umgang mit Bildern und mit der Mimesis ein beständiges Element europäischer Identität ausmacht.

Enough with scrolling

The emergence of iconoclasm in the Eastern Roman Empire coincided with the rise of Islam. John of Damascus and Theodore of Studion, the most important authors of the icon-venerating party, attacked the Christian, not the Islamic iconoclasm. Even thus, basically they emphasised that the iconoclasts are cultural renegades. I am writing this having Samuel Paty’s assassination in mind, also the subsequent crimes of the same nature in Nice and Vienna.

Last weekend – a colleague urged me to do so, our daughters said also yes – we watched “Look who’s back”. The plot: AD 2014, God decides to send Hitler back to earth. The fuehrer happens to funnily misunderstand today’s slang and everyday culture, there are also some Borat-like passages and scenes where the protagonist mixes and mingles with the crowd off-script, until the movie returns to its real scenario: the resurrected monster succeeds in becoming a celebrity of the present-day liberal media landscape of Berlin – the end…

The Borat-like scenes of “Look who’s back” offended many in Germany. They were mostly understood as playing down the worst crimes in the history of mankind. People joking about concentration camps after the second beer are probably not as rare as one would wish them to be, but when they do so indulging in a make-believe game with someone who pretends to be Hitler, the mixture becomes utterly tasteless. Otherwise, a committing into this game needn’t be out of an extreme right motive. Kendall Walton defined mimesis as make believe. Mimesis is interesting. Once you render yourself to a part of fiction rather than to one of reality, you can pretend that you are Jesus, Virgin Mary or marshal Tito. Or someone who talks with Hitler. It is by means of mimesis that you can feel the good things in the first two and cope with the monstrosities of the two others. Icons – of the good or of the evil – have proven useful for mimicking already before Timur Vermes had the idea to send a resurrected Hitler to a trip around Germany. Želimir Žilnik’s documentary of the year 1993 around an enactment of Tito had the same results with “Look who’s back”. Recently, a Montenegrin icon painter depicted Marx, Engels and Tito in hell (vide supra).

Europe has no issues in dealing with icons of the good or of the evil. The iconoclast would not even accept the former, let alone the latter.

Far from blaming whole cultures and nations for some ideologies in their midst, ones that employ the mentally ill as killers, I find that, in our search for a European identity, mimesis and icons are seriously to be taken as a constant.