Wahrnehmung und Erfahrung

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Erfahrung ist das Gemeinsame einer Anzahl von Wahrnehmungen plus Vorkenntnisse. Was das Letzte anbetrifft: Ich gehe davon aus, dass dieser Baum für mich völlig andere Assoziationen hervorruft als für meine Leserschaft.

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You experience the common elements of your perceptions plus your preconceptions. Concerning that last: I take it that this tree bears memories for me that it doesn’t for you.

The summer gave and the summer has taken away

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Noch eine eigene Übersetzung. Es ist Sommer, es ist vorbei. Odysseas Elytis (Literaturnobelpreis 1979), Alles mit dem Sommer hinweggerafft, aus dem Zyklus Die Rhos des Eros (1973):

ALLES MIT DEM SOMMER HINWEGGERAFFT

Alles mit dem Sommer hinweggerafft:

zerzaustes Haar an den Meereswellen;

Termin um eins, uns zu gesellen.

Alles mit dem Sommer hinweggerafft:

die schwarzen Augen, am Hals ein Tuch,

und die Kapelle mit dem Gebetsbuch.

Alles mit dem Sommer hinweggerafft:

die halben Worte, die verschluckten;

die Bootssegel, die missglückten.

In Schaum und Spritzern und Meeresalgen

raffte er alles hinweg und fegte

den Schwur, der im Wind erbebte.

Alles mit dem Sommer hinweggerafft,

auch unsere Hände, einander in Haft.

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One more translation of my own. It’s summer. It’s over. Odysseas Elytis (Nobel prize for literature 1979), The Summer Has Taken It All away, from the poetry collection The Rhos of Eros (1973):

THE SUMMER HAS TAKEN IT ALL AWAY

The summer has taken it all away,

Your windswept hair at the waves of the sea,

Our date at one, you and me.

The summer has taken it all away,

Your black eyes and the scarf to fit,

The little chapel, the candle we lit.

The summer has taken it all away,

Us, hand in hand, going astray.

The summer has taken it all away,

The half words, those which rather faded,

The boat sails, deteriorated.

From the spray of the foam and the algae

It took everything, as it were,

The oaths that trembled in the air.

The summer has taken it all away,

Us, hand in hand, going astray.

Swiss exile

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Die gute Freundin will wissen, wie es mir in meinem “Schweizer Exil” gehe. “Schweizer Exil” klingt in meinen Ohren wie “nordkoreanischer Tourist”. Nicht ganz ein Kategorienfehler, aber fast. Niemand wird in die Schweiz exiliert. Das einzige, mir bekannte historische Gegenbeispiel, Lenin, ist uralt.

Ich sage ihr, dass ich viel schreibe, wenig lese, Waldhimbeeren sammle, lieber wie Johanna Spyris Heidi stundenlang zu Fuß in “die Stadt” laufe, als das “Postauto” zu nehmen.

Letzten Donnerstag benerkte Marta, meine Älteste, dass mein Handy klingelte. “Nicht mein Handy, Marta”, sagte ich, “sondern die Kuhglocken”.

Sehr jung war ich an Lenin interessiert. Den Umstand, dass er ausgerechnet in dem Land exiliert gewesen war, wo der einzige mir bekannte Ausländer Aristoteles Onassis war, hat mich beeindruckt. Onassis mochte auch Glyfada, wo ich aufgewachsen bin. Es gibt Bilder, die ihn zusammen mit Churchill zeigen, wie er auf dem Beiboot Christina, die Yacht, verlässt, um an die Küste zu fahren, wo ich ein paar Jahre später schwimmen sollte.

Während meines Schweizer Exils sendet mir meine Segel-Clique in Glyfada Bilder. Wie unempfindlich die doch sind, meine lieben…

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A good friend wants to know how I get along in my “Swiss exile”. “Swiss exile” sounds in my ears like “North Korean tourist”. Not quite a category mistake but close… No one is exiled in Switzerland. There is one notable historical counter-example to this, however an old one: Lenin.

I want to tell her that I write a lot; read less; collect raspberries in the forest; take rather the hour-long walk from the mountain to the town like Johanna Spyri’s Heidi, instead of taking the bus – the “post car” as locals say.

Last Thursday, during this walk, Marta, my eldest, remarked that my mobile phone was ringing. “It’s not my phone, Marta” I said…

“It’s the cowbells”.

When I was very young, I was interested in Lenin. I thought that it was awkward that, of all places, he had been exiled to a country where the only other foreigner I knew of to spend his time there, was Aristotle Onassis. Onassis was also fond of Glyfada where I grew up. There are pictures of him with Churchill offshore our beach, during yachting.

While I am “exiled” in Switzerland, my Glyfada-based yachting friends send me pictures. More or less from the same spot. How insensitive of them…

Tautology as non fundamental

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Wer “Business is business” als kalt berechnend sarkastisch empfindet, der kann es nicht als tautologisch empfinden. Denn Kälte, Berechnung, Sarkasmus sind Informationen aber Tautologien sind informationsleer.

Es gibt auch andere Beispiele von diesen nicht tautologischen Tautologien. Schönere. “A kiss is a kiss”; “A sigh is a sigh”.

The fundamental things apply.

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If you think that “Business is business” is cold and utilitarian and sarcastic you may spend one thought on the topic that it is, on the face of it, a tautology. But this can’t be, as tautologies are devoid of information. And utilities or sarcasm or cold are pieces of information.

There are many nontautological tautologies. Unlike “Business is business” beautiful ones. “A kiss is a kiss”; “A sigh is a sigh”.

The fundamental things apply.

Cavafy accompanied me yesterday

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K.P. Kavafis

Ebendaselbst

Die Umgebung der Wohnung, der Lokale, der Nachbarschaft,

wo ich seit Jahren schaue und schreite.

Erschaffen habe ich dich in Freude und Trauer,

in so vielen Ereignissen und Sachen.

Du bist als Ganzes mein Gefühl geworden.

(übersetzt durch mich – S.G.)

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C.P. Cavafy

In the Same Space

The setting of houses, cafés, the neighbourhood
that I’ve seen and walked through years on end:
I created you while I was happy, while I was sad,
with so many incidents, so many details.
And, for me, the whole of you has been transformed into feeling.
(Translated by Edmund Keeley)

A unique “ego”

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Alle Becher haben gleich ausgesehen, so dass ich meinen nicht finden konnte. Diese Bekannte, von Beruf Psychiaterin, markierte also einen und gab ihn mir. Ich bemerkte, dass das Wort “Ich” meinen Becher nicht besser markiert als ihren, zumal dieses griechische Wort “Ego” in ihrer Schrift da steht. Sie konterte, dass ich der einzige war, der eine Markierung auf dem Becher wollte und bekam, so dass man leicht identifizieren kann, welches “Ich” gemeint ist.

“Ich” ist ein Indexikalausdruck. Bravo Ria.

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All cups were the same, so I couldn’t find my own. Then, this psychiatrist friend on the boat said: “Wait, I’ll mark yours for you” and wrote simply “Ego” instead of my name. I said that this is not identifying me more than her, let alone if it’s written with her writing character. And then she said “Yes, but it’s the only one that’s marked, so it can be easily identified”.

Well said, Ria. “I” is an indexical.

Cygni

https://youtu.be/1Kj3IPPfayA

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Ich vermute, dass das mittelalterliche Studentenlied Olim lacus colueram, eine Klage des gebratenen, ergo nicht mehr weißen Schwans, nicht nur eine groteske Persiflage fürs Trinkgelage ist, sondern auch ein Logiker-Witz als Gegenbeispiel zum Paradebeispiel eines Majors: “Alle Schwäne sind weiß” – einem schon im Mittelalter jahrhundertealten.

Ich liebe das Thema. Alle Schwäne sind früher oder später nicht weiß. Blasse Abbilder ihrer einst glänzenden Vergangenheit. Nichts ist für immer. Die Studenten des Mittelalters brauchten keine neuseeländischen schwarzen Schwäne zu sehen, um ihren Profs die Grenzen der Logik und des Lebens zu zeigen.

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I suppose that the medieval song Olim lacus colueram, the lament of the roasted swan deploring not being white anymore, is not only a grotesque, humoresque drinking song of students, but also a logicians’s joke and a counterexample to the exemplary major premise “All swans are white”, employed in syllogistic courses throughout the centuries.

I love the topic. All swans are sooner or later not white and lost in darkness. Nothing is forever. Medieval students didn’t need to come across black swans from New Zealand to point out to their professors the limits of logic. And of life.

Kicked out

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Die Schulklasse der älteren Tochter präsentiert Kunstprojekte, hat’s geheißen. Im Kanton Jura, hat’s geheißen. In einer alten Velofabrik, hat’s geheißen, und der Ort heißt Courfaivre und hat nicht nur so geheißen. Viele Objekte, viele Projekte. Kaputte Teile und löchrige Rohre neben den Kunstwerken.

– Nun, ist es immer klar, was hier Kunst und was nicht Kunst ist?

– Arthur Danto würde dir sagen, dass alles, was einen Selbstwert besitzt und nur zum Betrachten in einem Ausstellungsraum steht, Kunst ist. Nun haben wir hier keine ausgewiesenen Ausstellungsräume. Es ist eine alte Fabrik, wo das Alte die “Patina” der Kunstwerke bildet. Das ist ein Problem für die Reflexion, nehme ich an…

– Und die Musik vom Klaus?

– Zweifellos Kunst. Geräusche wären zwar genauso ohne Nutzen, das macht sie aber nicht zu Kunst. Wir achten auf Geräusche wegen der Information, die sie uns vermitteln. Das ist der Nutzen der Geräusche. Auf die Musik achten wir nicht wegen des Nutzens.

– Wenn wir tanzen würden, täten wir das zum Zweck der Annäherung. Tanzmusik wäre keine Kunst dann?

Hat der Tanz einen Nutzwert für einen Zweck außerhalb der Kunst? Ja, bestimmt. Zuneigung, Imponieren. Vor vielen Jahren promovierte diese Frau in London zur Philosophie des Tanzes. Ich weiß noch, dass sie zwei Betreuer gewechselt hatte und wer sie waren. Ja, tanzen würde ich gerne. Zu einer anderen Musik natürlich. Trotzdem mochte ich die Musik von Klaus, gerade weil man nicht dazu tanzen konnte. Wer tanzt schon ohne Crémant?

Rausgeworfen war ich aus der philosophischen Reflexion.

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The headlines: elder daughter’s class presents art projects in old factory in Courfaivre/Switzerland. Many objects, many projects. Broken parts and pipes and, next to them, a student’s work.

– So, is it always clear what’s art here?

– Arthur Danto would tell you that art are those useless objects that are in an exhibition room and are observed for their own sake. But since we’re in an old factory…

– And Klaus’s music isn’t noise?

– It is art, no doubt. A noise would be useless, of course, but this doesn’t make it art. And we carefully listen to the music.

– So, if we used the music to approach each other dancing? Is dancing music not art?

Do we dance for a purpose? I’m sure we sometimes do. Many years ago, at Birkbeck, there was this woman who wanted to write her PhD thesis on philosophy and dance. Scruton was her supervisor, then Janaway. I would have loved to dance with someone if the music had been different, of course. However, I liked Klaus’s music also because one can’t dance to it. Since it was a school event there was no crémant. Who can dance without a crémant?

There are not many things in this world that can kick me out of philosophical reflection. Music is one of them. There are also others. They are very reliable when combined with music.

Realità aperta

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Strauß und Fahrkarte auf Entwerteautomat würde das Bild heißen, wenn es eine Installation wäre.

Da es sich aber dabei um kein Kunstobjekt handelt, entzieht sich die Geschichte dahinter jeder Interpretation ohne Kausalbeziehungen. Wer hat den Blumenstrauß gekauft? Für wen? Warum lässt ihn diese Person samt Karte zurück, dass jeder samt Strauß nach Liestal kann?

Das dürfte eine traurige Geschichte sein. Zum Glück weiß ich nichts darüber.

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If the picture above showed an installation, the title would be Flowers and Ticket on Stamping Machine.

Since it is not a piece of art though, any attempt to understand must be by means of causation. Who bought the flowers? For whom? Why does this person leave the flowers and a ticket to the neighbouring canton behind?

I believe that the story behind this gesture is a sad one. Fortunately, I don’t know more.

Vom Münchner Hauptbahnhof und von Blau: Ulrich Blau

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Kurzbesuch in München. Nach Jahren. Die Zentralhalle des Hauptbahnhofs – abgerissen. Endlich! Diese Fassade erinnerte mich an schlechte Momente meines Lebens.

Privation ist der Fall, wenn etwas vermisst wird. Es ist kein Fall der Privation, wenn etwas einfach nicht da ist. Offenbar vermisse ich die Zentralhalle nicht. Allerdings vermisse ich irgendeine Zentralhalle, denn ohne Zentralhalle gibt es z.B. weniger Geschäfte und einen schlechteren Zugang zu den Gleisen. Nun ist es bei den Negationen so: Wenn keine Zentralhalle da ist, dann ist die alte auch nicht da. Bei den Privationen ist diese Implikation nicht gegeben: wenn ich irgendeine Zentralhalle vermisse, muss ich nicht unbedingt die alte vermissen.

Habe ich gerade ein Gegenbeispiel zu Blaus Dreiwertiger Logik der Sprache entdeckt? Wenn ich Recht hier habe, ist die Privation nicht einfach eine “innere Negation” im Sinne Blaus. Trotzdem halte ich Blau für den wichtigsten Münchner Logiker seit Wilhelm von Ockham natürlich… Keine Frage.

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Paid a flying visit to Munich, years after we left. The main building of the Central Station, iconic in its functional facelessness, torn down. I’m so happy they did this. I associated this facade with bad memories.

You are deprived of something only if you miss it. Not simply if it is not there. Obviously then, I am not deprived of the main building of Munich Central. But I did miss the shops and the easy access to the trains when I entered the station from the side. In negative sentences there is an implication here: if there’s not any main building, then the old one is not there either. In privative sentences things seem different: if I am deprived of a main building, I am not eo ipso deprived of the old one.

Is this a counter-example to Blau’s Three-valued Logic of Language? If so, pace Blau, privation is not simply an “inner negation”. Blau remains the most important logician of Munich since Occam, so he can manage the little scratch.