« Aujourd’hui, avec nous ce sont les gilets jaunes oranges »

Readers of English may skip this and continue after the police blockade

Die Phrase im Titel, laut skandiert aus einem Sprachrohr, sorgte für Gelächter in der Familie vor einer Woche. Wir standen am Rande dieser Demo und ich hatte alles andere als Lust für Witze. Ich war eher beunruhigt, weil ich aus Athen weiß, wie schnell eine friedliche Kundgebung umschwingen kann, wenn ein einziger auf den dummen Gedanken kommt, tätlich zu werden, und wusste nicht, wie ich in einem solchen Fall mit den Kindern unterwegs hätte reagieren sollen. Meine Frau schoss Fotos. Die Gelben Westen hatten die Abriegelung wegen des Élysée-Palastes erreicht, haben die Champs-Élysées nach rechts Richtung Seine zu verlassen begonnen, als ihr Anführer die Präsenz „orangefarbener Gelber Westen“ begrüßte.

Alle haben gelacht, die Demonstranten, die Polizisten, die Zuschauer. Sogar ich, der ich ja besorgt war. Es war ein Witz, weil ein Widerspruch angedeutet wurde. Nur „angedeutet“, nicht etwa begangen, weil Widersprüche kein Modell haben, wobei hier zwei Individuen tatsächlich das Modell ausmachten!

Was heißt es für die Termini, wenn das kein Widerspruch war? Erstens, dass „gelbe“ kein Adjektiv zu „Westen“ ist. Zweitens, dass „orangefarbene“ ein Adjektiv zu „Gelbe Westen“ ist, das seinerseits als Eigenname fungiert.

Aber ist dann „Gelbe Westen“ ein rigid designator? Offensichtlich nicht, denn sonst wäre der Ausdruck „gilets jaunes oranges“ nicht lustig! Lustig bleibt er, weil er bloß die Abkürzung einer Kennzeichnung ist, einer, die sich ursprünglich auf nur gelbe Westen bezog. Dass die Eigennamen Abkürzungen von Kennzeichnungen sind, entspricht Bertrand Russells Auffassung der Eigennamen.

Was ich von Kripkes und Kaplans Theorie der Eigennamen halte, die ja Russells Theorie seit ein paar Jahrzehnten in den Schatten stellte, brauche ich demach nicht auszuführen. Vielleicht ist sie gut für formale Sprachen. Aber da ist die Verwendung von Eigennamen nie problematisch. Es war die Anwendbarkeit auf die natürliche Sprache, was Kripke und Kaplan wichtig erscheinen ließ. Die natürliche Sprache erweist diese Theorie jedoch als inadäquat.

Kaum zwei Tage in Paris mit Parisern unterwegs und da sieht man, was aus der ganzen analytischen Philosophie übrig bleibt…

PS: Die Fotos hat meine Frau geschossen. Ich musste ja besorgt sein. Und nachdenken…

Enough with scrolling

Suddenly we had to laugh. As far as I’m concerned unwillingly, the reason being that I was just that: concerned.

After all I know from Athens how quickly a peaceful demonstration can turn to hell if only one blockhead would get violent. And it’s unpleasant to think how unpleasant such situations were in the past when – on top of everything – the kids weren’t around.

But, you know, the yellow vests had reached the police blockade at lower part of the Avenue des Champs Élysées, some hundred yards from the presidential palace and were taking a right turn to reach the Seine when the one who gave the slogans realised that there were these two persons with orange instead of yellow vests among the protesters, so he thought it funny to greet the presence of the „orange Yellow Vests“.

The protesters laughed, the policemen laughed, even me myself I laughed. My wife took pictures. It was a joke because there was an allusion of an obvious contradiction. But it would also be naive to take it to be a contradiction. Contradictions have no models. But obviously, these two persons were the speaker’s intended model.

No contradiction means in this case that „yellow“ is not an adjective determining the noun „vests“. Further, it means that the noun is the expression „Yellow Vests“ and „orange“ is an adjective determining this. But in order for „Yellow“ not to contradict with „orange“, „Yellow Vests“ has to be taken to be a proper name as well.

Does this mean that „Yellow Vests“ is a rigid designator? Obviously not because in this case there would be no joke! The joke consists in the expression’s „Yellow Vests“ being an abbreviation of a definite description of people who, originally, had only yellow, not orange vests. Proper names as abbreviations of definite descriptions: this is Russell’s theory on proper names, one that lately has been neglected overshadowed by the mainstream view launched by Saul Kripke and David Kaplan and adhered by thousands of young boys and girls out there who never read what is more than five years old.

I don’t need to tell you what my opinion of Kripke’s and Kaplan’s proper-names theory is after a couple of days in Paris. But let’s not be unjust. Maybe it’s a good theory for formal languages. However, the usage of proper names was never the problem in formal languages. It was an alleged applicability in ordinary language that made Kripke’s and Kaplan’s account what it is. But, as my example shows, the theory is inadequate to capture how proper names function in ordinary language.

And, I mean, come on, Kripke and Kaplan would have no chance to overshadow Russell on proper names if there weren’t this barbarian custom of writing articles about the colleague next door, articles that he will read and his PhD candidate will read – and no one else will read. However, this is another big story. And one in which Parisian publishing appears much better than Oxford publishing, to say the least…

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Dialectique négative

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Paris ist eine Stadt, deren Geistesgeschichte mehr als die von jeder der mir wenigstens bekannten Städte multikulturell ist. Die Geistesgeschichte des Orthodoxen Christentums wäre im 20. Jh. ohne die russischen Émigrés von Paris, vor allem Sergej Bulgakov und Nikolaj Berdjajew, ein Herumtaktieren von ungebildeten Bischöfen. Ohne Levinas wäre der Talmud eine für Außenstehende uninteressante Erscheinung jüdischen Lebens. Der Islamismus ist tragischerweise auch das Kind der Pariser Toleranz – man denke an Homeinis Pariser Jahre – und ohne Sartre wäre Heidegger ein von Cassirer in Davos bereits auseinandergenommener Altnazi. Ich wage auch zu sagen: Ohne den Mai 68 und seine Vorstöße in Unipolitik (mit Bologna längst zurückgenommen) sowie in der Wissenschaftsmethodik (ich meine den Bourbakismus – im Grunde richtig, aber leider didaktisch falsch) wären die Kritische Theorie als eine Frankfurter Provinzerscheinung und David Hilbert als ein Phantast im Gedächtnis geblieben.

Paris kann es sich leisten, das Andere als Eigenes darzustellen. Keine andere Stadt in Europa kann ein Hundertstel davon an Akzeptanz für Neues aufbringen, was in Paris selbstverständlich ist – wenn’s reicht…

Paris lässt sich als seine eigene Verdrehung feiern. Das ist der Fall, wenn der Lamborghini-Fahrer den Wagen inmitten einer Kundgebung der „gilets jaunes“ parkt, um selber mit einem gelben Oberteil auszusteigen;

Das ist der Fall, wenn Plätze auf dem Eiffelturm, die zum Küssen geeignet sind, von Amts wegen ausgewiesen werden.

Der Vermieter meines Airbnb-Appartements entpuppte sich als Philosoph. Er hatte eine Wand voll mit Kontinentalphilosophie plus Aristoteles (eigenartig, aber so sieht er wohl Aristoteles) und zwei Wände mit analytischer Philosophie samt analytischer Psychologie, Zahlentheorie und Analysis. Kontinent hier, Analyse da (Bilder nachstehend).

In einem Sinn geordnet. Es ist die Ordnung einer anderen philosophischen Kultur, ja Stadtkultur, die jeden versteht und von uns, Nichtparisern und Nichtfranzosen, unverstanden bleibt. Obwohl sie die wichtigste in Europa seit dem 13. Jh. ist.

PS: Es gibt Wege, auch in Paris, sich mit plumpem „Mir-san-mir“ bzw. „Mымы“ unbeliebt zu machen. Dass der Gastgeber den Gast akzeptiert, heißt nicht, dass der Gast die Sau rauslassen darf. Ich meine, dass die russische Dreifaltigkeitskirche respektlos gegenüber dem Stadtbild ist.

Anders kann ich es nicht nennen. Jedenfalls zündete ich eine Kerze vor der Mutter-Gottes-Ikone an, die Patriarch Alexius II. der Notre Dame seinerzeit geschenkt hatte, und betete, dass der russische Maximalismus in unserer Kirche, auch seine Ablehnung der ökumenischen Bewegung ein Ende nimmt. Meine Sympathie ist zwar sowieso für die Auslandskirche, aber es trifft mich schon, wenn Moskau sich blamiert.

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By accident, the Airbnb flat in Paris turned out to be a philosophical nest. There was a wall full of continental philosophy plus Aristotle and two walls with everything you could coin as „analysis“ in every possible meaning: analytic philosophy, psychoanalysis, number theory and functions. An order of some kind… An order of a philosophical culture that’s theirs, not ours. However, this is not easily said. Paris, you see…

… has been attempting for ages now to see itself through your eyes as a foreigner. Aquinas was a foreigner there, Duns Scotus also. Berdyayev too, like Ionesco and Koyré. And Homeini… Also the Greek left-wing terrorism wouldn’t be what it is without Paris. In 1974, it was Sartre who brought the claim of responsibility for the first murdered junta officer to the Humanité – which refused to publish it.

Talking about Sartre: Would Heidegger be something more than a stubborn nazi with a strange reading of Kant ultimately defeated by Ernst Cassirer in Davos in 1929, if Sartre hadn’t made him interesting? And would the Orthodox Church be something more than a relict if Paris and Gabriel Marcel personally hadn’t given Berdyayev and Bulgakov (and Florovsky – a Homeini always lurks) the chance to change it? Would Hilbert be more than a failed futurologist without the Bourbaki group? I conclude from all these rhetorical questions that Paris is a model for Homi Baba’s postcolonialism. By appropriating what is yours, it makes it what it is.

Paris is also a model for negative dialectics. Not only because – according to the aforementioned line of argument – the Frankfurt School would not be what it is without the Paris students‘ uprising in 1968. Today also, Paris celebrates its being its own opposition. The lamborghini owner who parks the car among the yellow vests and poses in front of it wearing a yellow shirt…

… as well as the places on the Eiffel Tower suitable to kiss are my witnesses for this.

Paris has so much culture that it can afford your being there as an exotic intellectual. No other city in Europe can afford this.

PS: This does not include the Russian Orthodox Church of the Holy Trinity.

Even in Paris you can ridicule your own otherness by using architectural forms you would find passé, outdated and militant at home. I’m more sympathetic to the Russian Church Abroad anyway, but this does not mean that I’m happy when the Moscovites turn disconcerting. I lit a candle in front of the icon of the Holy Mary that Aleksey II. of Moscow had brought as a gift to the Notre Dame and prayed for today’s Russian maximalism and isolationism to come to an end. At least in matters ecclesiastical and spiritual.

 

Peer-reviewed misery #1, or: never mind the “OX” in the postcode

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Mind ist das Flaggschiff dessen, was Barry Smith, Peter Simons und Kevin Mulligan „anglosaxophone philosophy“ genannt haben. Eine Publikation in Mind ist der endgültige Beweis, weltweit in der Philosophie etwas zu sagen zu haben. Allerdings erweckt Mind trotz globaler Reichweite ernsthafte Bedenken, wenn man die Ausbildungs- und Arbeitsstätten der Beitragsleistenden näher untersucht.

Es war meine Vermutung, dass in einer Zeitschrift, in der die erste Fußnote manch eines Aufsatzes drei und vier Vorträge des Autors in St. Andrews, Cambridge und CUNY oder was weiß ich aufzählt, es sehr wahrscheinlich macht, dass einer der Gutachter – Anonymisierung hin oder her – ein Zuhörer dieser Vorträge war. Es war meine Vermutung, dass eine Zeitschrift, die seit 1959 keinen Aufsatz eines Deutschen ohne Affiliation in einem englischsprachigen Land gebracht hat (das war Günter Patzigs Aufsatz über Schlüsse mit falschen Prämissen und wahrer Schlussfolgerung – Volker Halbach publizierte seine beiden Aufsätze 1999 und 2009 in seiner Oxforder Zeit und nicht als Münchner Kindl); wo der letzte Aufsatz eines Griechen 1967 erschien (Raphael Demos, immerhin eines Harvard-Profs) Binnenkreise, Jargons, Moden bevorzugt.

Hier ist mein Befund: In den letzten 5 Jahren waren 46 von 51 Autoren der Mind-Artikel (ausgenommen Rezensionen) Menschen, die in angelsächsischen Ländern studierten oder gegenwärtig lehren (90,19%).

Die 41 haben auch jetzt eine britische, nordamerikanische, singapurische oder australische Affiliation (80,39%). Die restlichen 5 angelsächsischen Bildungsinländer lehren in Frankfurt am Main (Wheeler, vormals in Rochester – einen deutschen Philosophieprofessor kann man ihn nicht nennen), Hong Kong (David McCarthy, vormals in Oxford und Southern California) Göteborg (Graham Leigh, vormals in Oxford, gemeinsamer Artikel mit Horsten aus Bristol), Tel Aviv (Dresner and Kovacs – vormals in Berkeley und Cornell respektive) – alles Leute, die durch und durch Briten oder US-Amerikaner sind. Von den fünf Übrigbleibenden ist der eine Manuel Garcia-Carpintero (Barcelona, er verbrachte aber lange Zeit in Oxford als Gast) und der mir unbekannte Davide Carguello mit einem Artikel über Hegel (wegen der absoluten Ablehnung der Hegel-Forschung durch Mind ist es erstens sensationell, dass sich ein Mind-Gutachter Hegel zutraute, zweitens wohl der Grund für die Entscheidung für einen Außenseiter).

Es bleiben übrig alles in allem drei Bildungsausländer: Luc Lauwers (Löwen), Kjell Johan Saebø (Oslo) und Chunghyong Lee (Südkorea) bzw. 5,88% aller Autoren. Beide ersteren internationale Kapazitäten, die wenig gemeinsam mit den albionischen Doktoranden haben, die schon jetzt ihre Karriere durch ihre zehn Mind-Seiten gerettet wissen.

Wohlgemerkt lohnt sich die Einreichung eines Artikels von vornherein nicht, wenn Sie, lieber Leser, deutscher, französischer, italienischer, schweizerischer, österreichischer Philosoph sind und in Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz oder Österreich leben und arbeiten. Bei einer Zeitschrift, die 95% aller Artikel ablehnt, betragen Ihre Chancen als Bildungsausländer zur Publikation 0,3% – optimistisch berechnet, wenn etwa der Artikel ein Luc-Lauwers- oder Kjell-Johan-Saebø-Niveau hat.

Bei einer Zeitschrift mit dem Peer-Review-System und doppelter Anonymisierung will ich wohlwollenderweise ausschließen, dass das Paper absichtlich zur Begutachtung gerade an den Fachbereich gesandt wird, wo der Autor zuletzt vorgetragen hat. Aber die Annahme, dass die Anonymisierung nicht untergraben wird, stellt Mind in ein noch schlechteres Licht. Bei der Auswahl der Artikel aus einem sehr beschränkten Kreis, wo doch die analytische Philosophie heute den philosophischen Mainstream in Deutschland, Frankreich, Italien, Lateinamerika ausmacht, zeugt davon, dass Oberflächlichkeiten wie Jargon und britische Modethemen die Aufnahme des Artikels beeinflussen.

Als jemand, der ich Griechenland verließ, weil ich feststellte: „Entweder sind an dieser Uni nur verbeamtete Philosophen Mitglieder des SYRIZA – aber dann, warum nur die? – oder nur SYRIZA-Mitglieder werden an dieser Uni verbeamtet“, finde ich Mind unerhört für die Disziplin. Das, was Mind propagiert, finde ich im Grunde als nichts anderes denn kulturchauvinistischen Tribalismus. Denn analog zur Situation in meinem Heimatland gilt für Mind, dass entweder alle klugen Leute an einer Handvoll Unis herangezogen wurden, oder, dass nur Oxbridge- bzw. Ivy-League-Leute als klug gelten sollen. Ersteres wäre wahrscheinlichkeitstheoretisch sonderbar, außerdem gebäude- und unterrichtstechnisch unmöglich. Letzteres… – hm, naja…

Die höhere Legitimation einer Institution erhöht natürlich die Versuchung, die Institution zu missbrauchen. Aber der Missbrauch vermindert die Legitimation. Die Institution davor zu bewahren, ist etwas, was Mind und das Peer-Review-System vor Jahrzehnten hätten machen müssen. Ich bezweifle, dass die Anglosaxophones noch lang genug werden spielen dürfen, um ein vermasseltes Konzert retten zu können.

Denn die sehr vielen Leute ohne eine affiliation an Oxbridge oder in der Ivy League, die den Großteil der Lehre und Forschung weltweit tragen, werden bald über ihre Publikationspolitik umdenken und die Kulturkolonialisten isolieren.

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Mind is the flagship of – to quote the triumvirate Barry Smith, Peter Simons and Kevin Mulligan – „anglosaxophone philosophy„. An article in Mind is the ultimate proof that you have something to say in philosophy. Internationally…

However, the affiliations of the authors of the papers in Mind in the last five years – no time to search further back – nourish huge concerns concerning Mind’s integrity.

Here are my findings: 46 out of 51 authors of original research articles and discussions (reviews not included) presently teach or have an alma mater in GB, the USA, Australia or Singapore (90,19%).

Of these 46, only five have presently an affiliation that is not British, US, Australian or in Singapore. Which means that 80,39% of the entire sample have a British, US, Australian or Singapore affiliation. Now, these five who haven’t one presently teach in Frankfurt – but you don’t call Wheeler of Rochester a German philosopher – in Hong Kong – but you don’t call David McCarthy of Oxford and Southern California a Chinese – Göteborg – but you don’t call Graham Leigh of Oxford who submitted a common article with Bristol’s Horsten, a Norwegian philosopher – finally Tel Aviv – but the fact that Dresner and Kovacs are Israelis due to being Jewish makes them no less Americans who studied at Berkeley and Cornell respectively…

That leaves five people who have neither an Anglosaxon ancestry and alma mater nor an Anglosaxon affiliation. These are Manuel Garcia-Carpintero of Barcelona who has spent long periods as guest around the world, among others at Oxford, further a completely unknown guy named Davide Carguello who published on Hegel (for ages Mind’s guidelines for authors explicitly made fun of people who write articles on „GDP“ or „Great Dead Philosophers“ which could give us a clue on why they chose an outsider here) and three more: Luc Lauwers of Leuven, Kjell Johan Saebø of Oslo, and, finally, Chunghyong Lee of South Korea. These three (5,88% of the entire sample) are the only ones who deserve the predicate: of no Anglosaxon affiliation.

In a journal like Mind, whose rejection rate is 95%, this 5,88% of the published papers is less than 0,3% of all submitted papers. So, if you’re French, German or Italian and live in France, Germany or Italy and think that Mind could be a platform for your scholarly work, keep that in mind or never mind – it’s one and the same. Keep also in mind that Lauwers, Saebø and Garcia-Carpintero are absolute leaders in their countries who have little in common with the Oxbridge PhD candidates who get their career settled with a paper in Mind. Take me for example. I’m Greek by ancestry and a German citizen. My alma mater is Munich and my affiliation is to the University of Erfurt in East Germany. The last Mind paper of a German without a British affiliation was in 1959 (Günter Patzig’s article on true conclusions out of false premises – Volker Halbach published his two Mind papers in 1999 and 2009 while at Oxford, not while at the LMU Munich). And the last Mind paper of a Greek was in 1967 (Raphael Demos, a Harvard professor, which I’m not).

Since the articles that are submitted to Mind are peer-reviewed and anonymised, I have to be benevolent and not to think of the chances John Smith’s article comes to be reviewed at, say, Edinbourgh, after he accidentally had taken the train from Glasgow to present exactly this paper in Edinbourgh last month. However, it’s this benevolence that undermines Mind’s reputation even more. Think how fixed in their own jargon, their own fashion, their own mind set people are who eventually appear to understand (or to pretend to understand) only things that are discussed in their vicinity. Of course, it is possible (in terms of modal logic) that there are no intelligent people away from Oxbridge and the Ivy League. How likely is this?

Many years ago, I left Greece when I realised that one of two things had to be true: Either only tenured colleagues were members of the Eurocommunists (a fact that would provoke our understanding of statistics) or only Eurocommunists were eligible to be tenured. It’s up to my readers to guess what is more likely when it turns out that I have in fact been friends with three of Tsipras’s cabinet members. Mind changes this dictum into: either the intelligent people of our discipline are all of a sudden with very minor exceptions Oxbridge or Ivy-League alumni and employees (probability theory is alive and watching you!) or Oxbridge or Ivy-League alumni and employees are intelligent by default. The second is an attitude very close to cultural chauvinism and tribalism – and I didn’t say it’s the only interpretation…

If you run a highly legitimate institution, the temptation to misuse it in order to put forth your own agenda is huge. Misuse, of course, reduces legitimacy, and this might make you think of ways to repair the short-circuit. My feeling is that Mind and the peer-review system should have done this decades ago. A concert in which the anglosaxophones have been playing out of tune for some time now, is a failed concert even if they would be starting to play music from now on. The huge majority of scholars over the world apart of Oxbridge and the Ivy League, those who make the pioneering job, don’t write articles about articles of close friends, but address the real problems and educate the vast majority of the humanities students all over the world must find ways to publish that would isolate colonialists.

Totgesagtes lebt länger #1

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Wer aus den Geisteswissenschaften kommt und Griechenland oder die Türkei besucht, merkt schnell, dass die Region voll mit Überbleibseln ist: Säulen von Vorgängerbauten, lexikalischen Fossilien und schließlich auch Elementen der antiken und byzantinischen Küche. Letztere habe ich recht spät wahrgenommen. Genau genommen habe ich erst durch die Lektüre von Andrew Dalbys Essen und Trinken im antiken Griechenland (übersetzt ins Deutsche von Kai Brodersen, eine Zeitlang unserem Präsidenten an der Erfurter Uni), später durch die Fortsetzung Tastes of Byzantium gelernt, die antike und mittelalterliche Küche in der heutigen nahöstlichen Küche zu erkennen. In letzterem Buch stellt Dalby die These auf, im 10. Jh. sei das Garum, die Sauce aus fermentierten Fischeingeweiden, im Westen vergessen worden, bis zum 16. Jh. sei es allerdings noch in Konstantinopel verkauft worden. Die Fortsetzung kenne ich von meiner Heimatinsel Euböa. Die Dorffrauen sagen dort „Garos“ zur Feta-Salzlake, aus der sie einen Löffelvoll nehmen, um hier und da zu würzen. Das ist freilich ein nur lexikalisches Überbleibsel, da der alte Garos aus Fisch bestand. Die kulinarische mediterrane longue durée ging in Griechenland nach dem 16. Jh. offenbar zu Ende wie Dalby nahelegt. Übrig blieb eine Bedeutungsverschiebung.

Aber ist das Garum im Westen tatsächlich im 10. Jh. vergessen worden? Ausgerechnet aus dem norditalienischen Piedmont kommt Bagna cauda, die Fischsauce, die ich in einem Buch des legendären Antonio Carluccio fand – im Bild unten in einer den Kindern zuliebe abgewandelten Form.

Das Römische lebt vielerorts und unerahnt fort. Auch am Beispiel des Trachanas/Tarhana/Tarhonya kann man das sehen. Aber das ist das Thema für ein anderes Posting zu meinen alten winterlichen Gerichten.

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The unattractively coloured sauce is called bagna cauda. This is Piedmontese dialect and a surprise. The reasons:

If you’ve studied humanities, it’s Greece and Turkey where you find things reminiscent to the antiquity and the Middle Age: columns of a Hermes temple that stood there before the place was dedicated to St John, words you thought were new but in reality have survived the centuries, odours of ancient or medieval food coming out of people’s kitchens.

It lasted long until I learned to identify these last ones. It took me years of cooking and, the most important factor, finally reading Andrew Dalby’s Tastes of Byzantium. Here, Dalby claims that garum, the ancient Greek and Roman fish sauce made of fermented fish intestines, disappeared from west Mediterranean tables in the 10th century but in Constantinople remained in use until at least the 16th century. Now, as a child, I heard old Euboeans referring to the feta-cheese brine as „garos„. They used it is as garum alright, i.e. they seasoned every possible dish with it, but the fact is that the way from fish intestines to goat-cheese brine is one that you can’t fail to call a semantic shift.

Since recently though, I have had reasons to believe that the part of Dalby’s claim concerning the west Mediterranean is not accurate – at least not quite.

I found a recipe of the aforementioned and photographed bagna cauda in one of Antonio Carluccio’s books. For the sake of the kids I cooked it in a somehow finer version.

Roman kitchen survived longer than we think. This is also the case with trachanas/tarhana/tarhonya – and a topic of another posting about ancient and medieval winter dishes.

What’s in a name

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Seit Jahrzehnten behaupte ich, dass die griechischen Reaktionen auf die Gründung der Republik Makedonien an der griechischen Nordgrenze keiner Kritik standhalten. Ich bleibe dabei. Hätte der griechische Staat konsequent „Südliches“ oder „Griechisches Makedonien“ zur eigenen Region Makedonien gesagt, gäbe es keine Verwechslung und vor allem keine Kränkung des Volkes zwischen Gevgelija und Kumanovo, das sich selbstverständlich „makedonisch“ nennen würde.

Dazu eine Geschichte. Den Anfang dazu erzählte mir vor nicht langer Zeit Miša Arsenijević, weltweit bekannter analytischer Philosoph und Logiker und ehemals Dekan der Belgrader philosophischen Fakultät.

Während der deutschen Besatzung Belgrads kam eines Tages ein deutscher Soldat in Georg Ostrogorskis Büro. Der Byzantinologe will den Grund des Besuchs wissen, worauf der Soldat den Professor bittet, zur Kommandantur mitzukommen. Ostrogorski fängt natürlich an, Szenarien im Kopf zu spinnen, wie das sich abzeichnende Verhör wird wohl aussehen können. Mittlerweile kommen er und sein Begleiter in der Kommandantur an, wo sich ein Wehrmachtoffizier vorstellt, der sagt, während seines letzten Heimaturlaubs habe er an einem Tisch mit einem ihm unbekannten Herren gesessen, der, als er erfahren habe, dass der Offizier in Belgrad stationiert sei, darum gebeten habe, dem berühmten Kollegen Ostrogorski einen Sonderdruck seines letzten Artikels zu übergeben.

Erleichtert und mit interessanter Lektüre beschenkt kam der gebürtige Russe in sein Büro zurück. Hier hört Mišas Geschichte auf.

Für einen, der Russland auf der Flucht vor den Bolschewisten verließ, war es nicht das Nächstgelegene, in der Wahlheimat Jugoslawien Kommunist zu werden. Gerade das hat Ostrogorski wider Erwarten getan, gewiss mit einem Überbleibsel der Angst dieses Tages in der Belgrader Wehrmachtzentrale in den Knochen. Regimetreu sein. Er heiratet eine Doktorandin – ein ethisches Thema hier, ohne Zweifel, aber nicht heute – und ehemalige Partisanin, eine Makedonierin. Er macht Karriere. Seine Schriften werden instrumentalisiert in der Propaganda des jugoslawischen Bundes der Kommunisten und der griechischen KP für ein unabhängiges Makedonien. Makedonien sei in Byzanz einig gewesen, so müsse es heute werden. Über die Grenze liegt allerdings ein monarchistisches Griechenland. Das NATO-Mitglied will kein vereintes Makedonien. Byzanz war einmal. Es war das Land der Oströmer. Jetzt gibt’s jedoch Nationalstaaten. Wer im griechischen Makedonien Griechisch als Zweitsprache benutzt, wandert aus. Ins jugoslawische Makedonien.

Die Ostrogorskis bekommen von Belgrad aus diesen Exodus nur über die Medien mit. Und sie bekommen Kinder. Die Tochter Tatjana wird Mathematikerin. Und Polyglottin: Serbokroatisch, Russisch, Englisch, Französisch. Am klassischen Gymnasium lernt sie Altgriechisch und Latein (fast ein Wunder, dass sie Mathematikerin wurde…) und leicht wird es ihr dort auch noch gefallen sein, weil die Mutter, Fanula Papazoglu, mit der Tochter Neugriechisch spricht. Kein Makedonisch, kein Aromunisch…

Die (republik-) makedonische Identität Mitte des 20. Jh. beruhte auf der bewussten Entscheidung, nicht Grieche, Serbe, Bulgare zu sein, obwohl man auch das hätte geltend machen können, wenn man wollte. Ganz unabhängig von der ruppigen Gangart Griechenlands gegenüber den Bilangues war das nicht…

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The Greek Republic’s reaction to the establishment of the Republic of Macedonia to its north I have found ridiculous since decades. If the Greek Republic consistently called „Greek“ or „Southern Macedonia“ its part of the region, there would be no confusion and the people between Gevgelija and Kumanovo wouldn’t be humiliated by being asked to chose another ethnonym.

Instead of a theoretical analysis, I have a story that Miša Arsenijević told me, a world known analytic philosopher and logician and a former dean of the Faculty of Philosophy at the University of Belgrade.

During the German occupation of Belgrade, a German soldier came to visit George Ostrogorski in his office. An expert on the Byzantine state and economy, Ostrogorski was very anxious to know more about the reason of this visit. The soldier himself knew not more than that he had been ordered to accompany the professor to the headquarters of the Wehrmacht. While the two were walking through downtown Belgrade, the professor tried to think of different scenarios of what he predicted to be an interrogation, when, at the destination, a German officer introduced himself to start talking about his last days off duty in Germany where he had met someone who, hearing where the officer was stationed, gave him an offprint of his last article for the famous Ostrogorski to read.

Relieved and with a gift, the Russian born intellectual was happy to return to his office immediately after. This is the end of Miša’s story.

For someone who had left Russia fleeing the Bolsheviks‘ rule, it wasn’t the most likely thing to do to join the communists in the adopted country. But this is what Ostrogorski did after the war, surely not without a second thought on what anxiety does with you if you are thought to be not loyal in an authoritarian state. He married a Macedonian PhD candidate – an ethical issue here, of course, but not today’s topic – who had been a member of Tito’s partisans. He made a gorgeous career notwithstanding the instrumentalisation of his works for the cause of one and undivided Macedonia – a Titoist and a Greek communists‘ goal back then. I don’t need to mention how fierce the Kingdom of Greece was being against this slogan by, say, 1950. Eventually, those who spoke Greek as their second, not as their first language, left the Greek part of Macedonia to the northern part, the Yugoslav federate state by the same name.

In Belgrade, these were things to sadden the Ostrogorskis. But life went on, and kids were born to them, talented kids on top of everything. Their daughter Tatjana learned many languages: Serbocroatian with friends, Russian with dad, English and French at school. At the high school she learned Ancient Greek and Latin (it was a miracle after all that this woman became an important mathematician!) with which she had not major problems since the language she spoke with her mother, her father’s former PhD candidate Fotula Papazoglu, was Modern Greek. No Macedonian, no Aromanian…

Macedonian (meaning the Republic’s, not the Greek region’s) identity in the mid-20th century has been subsequent to a choice many people made to be no Greeks, no Serbs, no Bulgarians, although they could have been counted anything between the three. This choice wasn’t always independent of the Greek treatment of bilinguals…

Proud of her

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Ich weiß, dass ich meiner Tochter eine christliche Zuversicht nahelegen soll. Aber gleichzeitig bin ich Grieche. Deshalb bin ich auch auf Nichtchristliches stolz.

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My daughter says that life’s not just. I know that I have to give her a Christian education. But I’m also happy for every piece of Greekness in her…