The passion: a thriller

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Es wird eine Zeit gegeben haben, als es sensationell war, dass der Butler der Mörder war. Die Zeiten haben sich geändert und die Suche nach Sensation hat die Krimiautoren dazu geführt, dass gerade derjenige, der über jeden Verdacht erhaben war, den Mord beging; später dazu, dass alle Verdächtigen gemeinsam den Mord begingen (Agatha Christies Mord im Orientexpress); dann bekamen wir es mit Ermittlern zu tun, die gleichzeitig die Mörder waren – aber der Leser erfuhr das am Ende; schliesslich mit Ich-Erzählern, die auf den letzten Seiten ihre Schuld beichteten. Umberto Eco schätzte, dass der einzige Krimi, der nie geschrieben wurde, derjenige ist, in dem der Leser den Mord begangen hat.

So ungefähr sehe ich die Passionsgeschichte im literarischen Sinn: Es gab irgendwann Götter, die sehr mächtig und unsterblich waren. Dann gab es allmächtige und unsterbliche Götter – aber konnten sie dann Schwäche empfinden? Und wenn sie es nicht konnten, was für eine Allmacht ist das überhaupt. Die Spätantike stilisierte Pan als einen sehr mächtigen und sterblichen Gott – wobei der Widerspruch sterblich-und-Gott bereits skandalös war.

In Jesus haben wir einen zwar unsterblichen aber sterbenden, allmächtigen Gott.

Von der einen Sensation zur nächsten…

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Enough with scrolling

There were times when it was sensational to read that the butler commited the murder. Afterwards, thriller writers thought it funny to make the reader believe that the butler was the murderer to disclose finally that it was someone else – say, the wife… Agatha Christie made everyone change tastes in terms of suspects to reveal at the end of Murder on the Orient Express that the murder was commited by all suspects together. The literary trend to pass from one sensation to the next resulted to: narrators who confessed at the end of the book to have killed the victim, detectives who worked on the case and finally outed themselves as revengers, and the only murderer who has never appeared in thrillers is – to cite Umberto Eco – the reader or the spectator herself.

Roughly, this is also my understanding of the literary pattern behind the Passion: once there were gods mighty and immortal. They made place for gods who were almighty and immortal. Late antiquity saw in Pan a god who was mighty but mortal – not just a sensation but a straightforward contradiction, since a god is an „athanatos“, not a „thnetos“ – and, finally, in Jesus Christ an immortal, almighty God who managed to die a horrible death and to remain dead for three days.

You follow the chain from the one sensation to the next until the greatest…

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Last debt to a dead friend

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Gerade eben korrigierte ich Hansens Beitrag in UNILOG 2013 in Rio de Janeiro fertig. Die Kongressakten mit dem wenig bescheidenen aber akkuraten Titel: The Aftermath of the Logical Paradise, hg. von Béziau et al., werden bald erwartet.

Hans wollte noch vor der Publikation des logischen Paradieses lieber schnell das himmlische Paradies erleben.

Enough with scrolling

I just finished the proof-reading of Hans’s contribution in UNILOG 2013 in Rio de Janeiro. The Aftermath of the Logical Paradise, ed. by Béziau et al., is expected to be shortly published and to give a picture of the event.

Hans, unfortunately if you ask me, preferred to see the heavenly paradise before the logical one.

Epopopöe

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„Germany’s next topmodel“ kann ich nicht sehen, da ich seit Jahren nicht mehr Fernsehen gucke. Ich habe nicht einmal eine Antenne auf dem Dach.

Zu Hause…

Seit einem Aufenthalt bei der Großfamilie weiß ich allerdings viel mehr darüber, als ich wusste. Die Erfahrung war schmerzhaft: sowieso wegen „megamäßig sauer“ und „Megabody“; wegen sämtlicher Ausdrücke, die gleichzeitig das Deutsche, das Englische und das Griechische verschandeln.

Am allerschlechtesten konnte ich allerdings Frau Klums Gewohnheit aushalten (auf Griechisch heißt die Gewohnheit „ethos„), ihre Ablehnung oder Annahme von Kandidatinnen mit Kriterien zu begründen, die sie willkürlich und situativ zu Grunde legt; eigentlich mit Kriterien, die sie gerade erfindet, weil sie ihr lustig oder gerade angemessen erscheinen. Hier muss die eine Dame wegen fehlender „Wandelbarkeit“ (was das auch immer heißen mag) nach Deutschland zurückfliegen, da muss die „Aussstrahlung“ des Mädels für eine Entscheidung herhalten.

Es gibt eine Richterin: sie; keine höhere Instanz; und die Kriterien sind Makulatur nach Gusto. Alles in allem ein Abbild unserer Welt in etwas nackter…

Enough with scrolling

„Germany’s next topmodel“ is the favourite show of German, Austrian and Swiss teenage girls. The show host, Heidi Klum, is an obviously internationally celebrated former model – don’t ask me for more information, this is what I was told, and even with my ignorance I know more about the TV-celebrities‘ world than they know about mine.

My daughters didn’t want to lose the opportunity to see me watch the show on their German grandpa’s TV. Too often, I do what my daughters want me to do.

The first annoying thing was the language. Every fifth adjective was a superlative. As if this weren’t enough, the superlative was a sociolectic one that wasn’t formed with the German infix -st- for superlatives but with a Greek prefix that – in a quite Greekless way – was „mega-„. You also had anglicisms with „mega-“ – anything goes. A show for the cultural megadeath…

This, however, was nothing compared with Mrs Klum’s arbitrary making up ad-hoc rules for the game during the procedure. At once the spectator and the players learn that there is a non-further definable criterion called „alterability“ and girls without this are disqualified but only Mrs Klum knows what this is. To minimise the damage to the public’s judicial intuitions, she’s also the only juror. As she stands beyond legitimacy and responsibility, she’s a Machiavellistic and Schmittian leader – but without the charisma.

Having someone who does the rules during playing reminds you, I know, of many situations in your everyday life. Perhaps it’s blatant arbitrariness that led the show to success. I don’t know.

And nakedness of course. Also Greeklesness. But this is, as I said, the lesser evil compared with the others.

Syncretistic hooligans

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Der Wahlspruch der Basler Fans beginnt kantianisch („Autonom im Handeln“), fährt hegelianisch fort („frei im Geist“), aber den Abschluss kann ich philosophisch nicht einordnen. Ich schätze mal, dass er Nietzsches Einfluss widerspiegelt. Er war ja Prof in Basel…

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The slogan of the F.C. Basel fans begins with a Kantian moral credo („Autonomous action“), continues with a Hegelian postulate („free spirit“), and concludes with something that I can’t quite identify in terms of philosophy. I reckon though that „fanatic in the heart“ is a Nietzscheist element. Nietzsche used to teach here.

Today’s category mistakes

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„Wie unverantwortlich! Es schneit!“

„Im Elsass sind die Farben abgeschafft worden“

„Der Schnee ist megaabsurd“

PS: Ich bin mir nicht so sicher, ob Marie Liebys „Είναι γελοίο“ (griechisch für „Es ist lächerlich“) auf den Schnee angewandt ein Kategorienfehler ist. Jedenfalls verdanke ich ihr obiges Foto.

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„Irresponsibly enough, it’s snowing again“

„In Alsace colours are abolished“

„Snow is so absurd“

PS: I don’t know if Marie Lieby’s „Είναι γελοίο“ (Greek for „It’s ridiculous“) is a category mistake if you refer to snow. I just want to say that the credit for the first picture goes to her.

Non longe ante hebdomadam passionis sive alias: „Mei, süß…“

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Ich weiß nicht, ob die Gleichsetzung der Heiterkeit mit der Albernheit zuvörderst einer soziologischen oder einer sozialpsychologischen Erklärung bedarf.

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Is the confusion of cheerfulness with silliness primarily a social or a psychological phenomenon? Just asking…

This natural language whose knowledge operator is not closed under known implication is worth zillions

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Deutschsprachige Nichtlogiker, bitte, bis zur gestrichelten Linie nach dem Fachchinesisch

Das logische Allwissen, d.h. der Umstand, dass sich aus □p und □(p→q) in S5 (genau genommen in jeder kanonischen Modallogik, d.h. in K und jeder konservativen Erweiterung desselben) □q für beliebiges q ableiten lässt, ist ein Problem. Denn es gibt unendlch viele qs bzw. logische Wahrheiten. Da nun die Box (□) in S5 als K, d.h. als Wissensoperator zu interpretieren ist, zieht diese Interpretation nach sich, dass unendlich viele Theoreme (alle K-Theoreme sind S4-Theoreme, da S4 eine konservative Erweiterung von K ist) nicht nur wahr, sondern bekannt sind, wenn nur ein Theorem bekannt ist… Das ist natürlich paradox. Wir alle sind in der Lage, mindestens eine logische Wahrheit (ein p) zu wissen; etwa das aussagenlogische Schema (α→β)→β). Trotzdem ist keiner von uns in der Lage, alle beliebigen Theoreme als bekannt anzugeben.

Ich finde, dass die prima facie Verblüffung aus diesem Resultat sofort entkräftet wird, sobald man bedenkt, dass wir, die wir jedes q als wahr erkennen sollen, durch die Zeit beschränkte Möglichkeiten haben, beliebiges q als wahr zu erkennen. Selbst wenn du das eine oder das andere erkannt hast: irgendwann ist deine Zeit um… Mit anderen Worten ist S5 allein deshalb inadäquat zur Beschreibung unserer Möglichkeiten, logische Wahrheiten als wahr zu erkennen, weil nur eine multimodale zeitepistemische Logik dazu fähig wäre – und S5 ist eben nicht multimodal. Die Modaloperatoren in S5 sind entweder epistemisch oder temporal zu interpretieren aber nicht Beides. Da der angenommene multimodale Kontext stärker als K wäre – ich brauche ihn nicht zu beschreiben, um das zu wissen – würde das logische Allwissen in demselben natürlich wieder hervorgehen, was aber harmlos wäre, da die metrischen Indizes der temporalen Operatoren problemlos gegen unendlich tendieren könnten. S5 ist ungeeignet dazu, natursprachliche epistemische Prädikate wiederzugeben. Nieder mit S5!

Problem also auf gordische Art gelöst. Spitzfindigkeiten, um es anders, in einem monomodalen Kontext zu lösen, sehe ich als karikaturistische Neurosen an. Wenn das logische Allwissen paradox ist, dann ist es das nicht in Anbetracht des Formalismus, sondern in Anbetracht der Möglichkeiten unserer Rechenapparate, Gehirne oder Computer. Die Paradoxie monomodal lösen zu wollen, unter Abstraktion von der Zeit, die diese Apparate brauchen, ist analog damit, ein Fußballspiel ohne seine pragmatischen Bedingungen gewinnen zu wollen. Man kann zwar behaupten, in einer Computersimulation, den FC Barcelona zu besiegen, aber viel mit einer gewonnenen Fußballpartie hat das nicht. Fußball macht mit echten Fußballern auf echtem Rasen Sinn und die Paradoxie des logischen Allwissens macht unter der Voraussetzung Sinn, dass kein Rechner, egal ob Person oder Nichtperson, in der Lage ist, in endlicher Zeit alle Theoreme herzustellen, abzuleiten oder was auch immer.

Meine gordische, ja natürliche Lösung ließe vermuten, dass natürliche Sprachen wie Englisch, Deutsch usw.  anders als die Formalneurotikerlösungen das Wissensprädikat niemals als zeitlos betrachten. Weit verfehlt!

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In vielen natürlichen Sprachen wohnt ein Platonismus inne. In meinen Ohren klingt z.B. die Present-Continuous-Form „I am knowing“ als inkorrekt, obwohl sie grammatikalisch in Ordnung ist. Ebenso die Past-Continuous-Form „I was knowing“. Was wäre damit überhaupt gemeint? Das Englische geht offenbar von einem Wissensbegriff ohne Dauer und Ablaufdatum aus.

Die Zeit, als ich das Schwäbisch des schwäbelnden Teils meiner Bekanntschaft lustig fand, ist, gottlob, vorbei. Es war, wie man naiv-alltagspsychologisch sagt, nur eine Phase. Ich fand wieder zu meinem alten Geschmack zurück. Der Wiener und der Münchener Dialekt, das sind die Mundarten meines Herzens – letztere auch meiner Zunge, wenn ich mich etwas freier fühle.

Trotzdem muss ich anerkennen, dass die Mundart um Augsburg eine Perle der epistemischen, ja der multimodalen Logik in sich birgt.

Wenn sich die Leute dort bei Peter erkundigen, was er gerade mit Otto besprach, fragen sie:

– Was ha’ d’r Otto g’wuscht?

Diese multimodale, durch und durch unplatonische Redewendung bezieht sich nicht auf Ottos Wissensschatz, sondern auf die ihm aktuell vorschwebenden und schließlich geäußerten Überzeugungen während der Besprechung. Das ist sonderbar unplatonisch und antiaristotelisch. Denn daraus, dass Otto gerade gewusst hat, dass Sparsamkeit zu Thesaurierung führt und Thesaurierung die soziale Ungleichheit erhöht, folgt im Schwäbischen nicht, dass Otto weiß, dass seine Sparsamkeit ungleichheitsfördernd ist.

Mit großer Verspätung fing ich an, Thomas Picketty zu lesen. Erfrischenderweise bezieht er Wissensfelder in seine Analyse des modernen Kapitalismus mit ein, die nicht ökonomisch sind. Zu ihnen gehört allerdings nicht die Sprachanalyse.

Schade. Die Sprache dürfte mit unserer Einstellung zu Geld viel zu tun haben.

Enough with scrolling for logicians

Nonlogicians, please continue scrolling until the dashed line

Logical omniscience, i.e. the conclusion □q for any q given □p and □(p→q) in S5 – actually and scandalously in every canonical modal logic, i.e. in K and every conservative extension thereof – becomes a bad pain at the latest when you think of a logical truth as your q. Since there are infinitely many logical truths and logical truths necessarily follow from every formula, infinitely many logical truths must follow if you only know one. To speak of myself: I boast to be in the position to know of quite a few theorems but I don’t see others to follow unless I’ve seen them to follow after hard work.

Paradoxes are often only prima facie paradoxes and I find that logical omniscience does not belong to the few exceptions of this optimistic rule. S5 is not an epistemic logic adequate to express epistemic predicates of natural languages. Α multimodal temporal-epistemic logic could accomplish the task. S5 is both: temporal and epistemic but it’s not multimodal. Which means that one of the two: temporally or epistemically interpreted S5 is not the one we need in natural language.

The most plausible candidate for a failure is the latter.

I don’t mean that there are no contexts in natural language in which the modal operators of S5 expresses the natural epistemic intuitions. In fact…

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Platonism is a feature of many contexts in natural languages, in which epistemic operators occur. E.g. what do you think of the present-continuous form „I am knowing“? My intuition is that it’s incorrect. The same holds of the past continuous „I was knowing“.

Exceptions are there. In the Swabian dialect spoken from the western outskirts of Munich until at least Ulm, they ask „What has he known?“ meaning „What was he talking about“.

Note that if what Otto „knew“ in the above sense, is that money saving makes assets grow but assets for the ones make social disparity more probable, and Otto in principle knows this, Otto didn’t necessarily „know“ that money saving makes social disparity bigger.

It’s a bit late to start reading Thomas Picketty’s Capital but not too late. It’s never too late. Picketty’s analysis involves subjects other than economics, which is very French on one hand, of course, and makes me see how deprived I am, spending an Anglo-Saxon and German life on the other.

On the other hand, linguistic analysis is not one of these subjects, which is a pity.