Classical and bounded rationality in one and the same action

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Für heute habe ich ein kleines Beispiel für die unsichtbare Hand. Auch dafür, dass es zwei unsichtbare Hände gibt, von denen die eine nicht weiß, was die andere tut.

Wer in der Nordwestschweiz lebt und arbeitet, wird gut beraten sein, viele Waren in Deutschland und Frankreich einzukaufen. Fisch, Wein und Käse vom französischen Supermarkt sind in Preis und Qualität unerreichbar für die schweizerische und deutsche Konkurrenz. Die Franzosen sind bei solchen Produkten ein Kennerpublikum und die Ware ist entsprechend.

Für Elektronik und Baumaterialien gibt es keine Alternative zu Deutschland.

Verhalten sich aber die Nordwestschweizer so, dann sind sie oft in Läden, wo die schweizerischen Sachen, die sie brauchen, viel teurer sind als zu Hause. Sie trotz allem dort, im Ausland um die Ecke, wo sie teurer sind, zu kaufen, nur weil die Lust fehlt, noch einen Halt nach dem Zoll einzulegen, zeugt von eingeschränkter Rationalität – während die Nordwestschweizer wohlgemerkt nur deshalb im ausländischen Laden sind, da sie klassisch rational sind. Welcher Volkswirt würde denn ahnen, dass sich schweizerische Produkte in Deutschland von Schweizern gekauft werden?

Spätestens wenn der Volkswirt die schweizerische Abteilung des Baumarktes auf deutschem Boden besucht, weiß er, warum die Wirtschaftswissenschaft kein Zweig der Mathematik ist, sondern empirische Sozialwissenschaft. Rationalitätslücken sind mathematisch schwer zu erschließen.

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This is an example for the invisible hand. Or, rather, for two invisible hands neither of which knows what the other does.

If you work and live in the northwest of Switzerland, it is classically rational to go to Germany or France for shopping. In France you get fish and wine and cheese in a quality and prices that German and Swiss discounters can’t (and will never have the know-how to) compete. In Germany it’s electronics and construction materials that no neighbour will offer.

But by doing so, you go to a place where Swiss products are more expensive than at home. Buying them there because you don’t have the nerve to make one more stop on your way home after the state borders is boundedly, restrictedly rational if not irrational. Who would imagine that this would happen to individuals in a context that demonstrates classical rationality? There’s no way an economist would predict this.

Well, just visit the Swiss section of German shops at the border. I’d say they know better.

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Brian Eno as a philosopher

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Nachdem der einflussreiche und militante ultralinke Kosmas Psychopedis verstorben war und der Fachbereich Wirtschaft des Athener Juridikums mich für seine Nachfolge ausgeschlossen hatte, lehrte Yanis Varoufakis auch das Fach Philosophie dort. Trotzdem überließ er jetzt in der Gründungsveranstaltung seiner postmodernen Partei („linken“ werden diejenigen sagen, die nicht so genau wissen) Brian Eno die Rolle des Chefphilosophen.

Enos Stellungnahme war philosophisch anregend! Er polemisierte gegen Smiths „unsichtbare Hand“ mit dem Argument, die Vorstellung, es sei zum Besten der Wirtschaft, wenn wir uns in diese nicht einmischen, sei religiös. Und  mit einem Zitat Margaret Thatchers brachte er Hayeks (und Poppers und Schumpeters) methodologischen Individualismus sehr treffend auf den Punkt: „So etwas wie die Gesellschaft gibt es gar nicht“.

Ich behaupte, dass Eno keinen Fehler beging, als er die unsichtbare Hand mit Religion gleichsetzte; ebenfalls keinen, als er Thatchers Spruch für Hayek sprechen ließ. Allerdings behaupte ich, dass er damit keine Mängel des „Systems“ aufzeigte, gegen das er polemisieren wollte.

Dass die freie Ökonomie nicht nur moralisch, sondern auch konzeptuell religiös geprägt ist, kann mindestens seit Weber und Sombart und Knoll und vielen anderen an sich als kein Vorwurf gelten. Und ist Marxens Entfremdungslehre etwa weniger ideologisch und ganzheitlich und weltanschaulich? Außerdem braucht die unsichtbare Hand gar nicht zu bedeuten, dass diese Hand wirklich eingreift. Es kann auch heißen, dass die Ökonomie angesichts menschlicher Unzulänglichkeit besser funktioniert, wenn man an die unsichtbare Hand denkt, als wenn konkrete Hände am Werk sind.

Thatcher nun… Die Frage für Thatcher und Hayek und Schumpeter etc. war nicht, ob es die Gesellschaft gibt, so wie es die Gruppe aller in zweiter Ehe Lebenden gibt, deren einzige Basilikumpfanze beim Discounter gekauft wurde. Beides gibt’s natürlich. Sondern es geht darum, ob die Gesellschaft einen Willen hat, der über das hinausgeht, was die Summe aller Individuen jedes für sich will. Thatcher und Co haben die letzte Frage verneint und ergo in der Gesellschaft so etwas wie die farblose, zusammenhanglose Gruppe aller in zweiter Ehe Lebenden gesehen haben, deren einzige Basilikumpfanze beim Discounter gekauft wurde.

Enos Partei wird kollektivistische Züge tragen. Als einer, der individualistische Songs produzierte, darf er das. Mal was anderes!

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It’s been unknown to many that Yanis Varoufakis has been also teaching philosophy at the Department of Economics at the Faculty of Law of the University of Athens: at least since the death of the militant Critical-School adherent Kosmas Psychopedis and the failure of the department to hire me in his stead – and this is not a joke.

In spite of his philosophical past, Yanis left Brian Eno the floor to play the role of the chief philosopher in the founding session of his postmodernist party (less informed followers of the political events would speak of a „leftist“ platform – I won’t).

Eno’s speech was philosophically intriguing! His argument against Adam Smith’s „invisible hand“ was that if you think that the best thing to do in economy is not to interfere with it, then you must be religious to think that something (the invisible hand) will turn things to the best. Eno also formulated Hayek’s (and Popper’s and Schumpeter’s) methodological individualism by Margaret Thatcher’s dictum: „There is no such thing as society“.

I don’t think that Eno made any mistake by equating the invisible hand with religion. And I also see no mistake in his regarding Thatcher as a female metempsychosis of Hayek. But I do think that it’s flawed to see deficits of the „system“ in this.

Already Weber, Sombart and Knoll, among others, saw free economy as not only morally but also as conceptually connected with religion – without any criticism because of this. Marx’s theory of alienation is not less ideological and holistic and quasi religious. Besides, an invisible hand does not necessarily mean an efficiently intervening hand. It can also mean that economy functions better if you don’t interfere with it only because you’re too clumsy.

And, finally, the bit about Thatcher… For Thatcher and Hayek and Schumpeter etc. the main point wasn’t whether society exists in the same way in which those divorced and remarried people exist, whose only basil was bought at a discounter. Of course it does! The point for them was only whether society has a will beyond the individual volitions of the sum of the individuals that make it up. Thatcher and the rest had a negative answer to this and, therefore, they regarded society to be a group as colourless as the group of the divorced and remarried people whose only basil was bought at a discounter.

Eno’s party will affirm collectivism, at least to some extent. Eno has produced so many individualistic songs that he can try this for a change…