Logic and pics for kids

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Die jeweils neue Folge von existentialcomics.com lese ich jede Woche. Zeichnerisch ist es etwas stümperhaft, aber der Macher versäumt nie die Chance, einen Witz zu machen, selbst wenn dieser zu Lasten der Akkuratheit ist. Das verwässert die philosophische Pointe, aber die meisten Leute würden den Witz sowieso nicht verstehen und diejenigen, die ihn verstehen, wissen, dass die philosophische Pointe anders gemeint ist.

Das Primat des Jokes gegenüber der philosophischen Lehre war auch Doxiadis’ Anliegen in Logicomix. Was Doxiadis z.B. als Freges Garten in Jena darstellt, ist mit Sicherheit nicht Freges Garten in Jena, weil dieser gar nicht existierte.

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Solche Ungenauigkeiten, Übersteigerungen, Verwechslungen brachten Doxiadis eine unwohlwollende Rezension von Paolo Mancosu ein. Durch diese Rezension wurde mir klar: Würde Mancosu Comics schreiben, dann wären alle Sätze darin wahr und es gäbe in ihnen nichts zum Lachen.

À propos Wahrheit und Gelächter: Wie mein Landsmann Doxiadis habe ich vor Jahren eine Kindergeschichte über solche Fälle des Vernunftgebrauchs geschrieben, in denen die Wahrheit lächerlich ist. Das ist natürlich in den semantischen Paradoxien der Fall und gerade eine von ihnen habe ich ausgesucht und in eine Geschichte für etwa Siebenjährige eingebettet.

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Dass ich ein logisches Paradox für Kinder aufbereitete, klingt vielleicht zunächst skurril. Mein ursprüngliches Motiv war’s gar nicht, Kinder zu erreichen. Das Manuskript war ein Geschenk für meine Frau in der Zeit, als wir einander mit Diminutivformen anredeten.

Wir haben uns geändert, das Manuskript blieb. Es blieb auch unveröffentlicht. Die Geschichte eines Raben, der so sein will wie die anderen Raben – ohne Erfolg. Die anderen, muss er feststellen, sind Individualisten. Unser Rabe ist kein Individualist, indem er so sein will wie die Restlichen. Gleichzeitig ist er einzigartig in seinem so-wie-die-anderen-sein-Wollen. Das ist natürlich widersprüchlich und paradox, da es sich auf den ersten Blick nicht widerspricht, so sein zu wollen, wie die restlichen Egoisten.

Meine Frau meint, dass das Manuskript etwas weniger für sie gewesen sein wird, wenn es einmal veröffentlicht wird. Nun ist das, was mich mit meiner Frau verbindet, natürlich das Wahre. Aber das Manuskript behandelt die Fälle, in denen das Wahre ein Grund zum Lachen wird.

Was soll ich tun? Publizieren oder in der Schublade lassen?

ENOUGH WITH SCROLLING

I read the new release in existentialcomics.com every couple of days. The lines are amateurish but the comic never misses the chance to make a joke. The philosophical point is compromised by this but most people wouldn’t get the joke anyway and those who do get it, know it already from another context.

Not letting accuracy destroy the joke was also Doxiadis’s main principle in Logicomix.

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Paolo Mancosu wrote a malevolent discussion of Doxiadis’s comic because of this. I take it that if Mancosu wrote comics, all sentences in them would be true and there would be no jokes.

Talking about jokes and logic: Like my compatriot Doxiadis, a couple of years ago I was also working on an illustrated story on logic; a story on truth becoming the joke.

Truth becomes a joke in the semantic paradoxes and, in fact, I only picked out one semantic paradox to embed it into a story for, say, seven-year-olds.

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It might seem awkward to tell little kids a story about logical paradoxes. To be honest, initially the story wasn’t for them. It was for my wife back in the time when we said “baby” to each other.

We changed since then but the manuscript remained the same. And unpublished. A story of a raven who simply wants to be like the other ravens – and fails in this while realising that the others are individualists. In fact, our raven is unique in wanting to be like other ravens, i.e. not unique. OK, you get the paradox.

If the manuscript gets published, it’ll be less the case that I wrote it for my wife. However, one must consider that truthfulness is important for my relationship with my wife. And the story is on truths becoming jokes.

What should I do? Publish it or not?

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Der Beweis

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Vor wenigen Jahren klopfte ich an der Bürotür eines Kollegen, um ihm stolz zu verkünden, den Beweis geführt zu haben, dass gesetzt, man habe genügend Ressourcen, Nichtstun rational, Etwastun irrational ist.

Er fragte, was ich damit meinte.

– Ich meine, dass ich ein Argument dafür formuliert habe – vergiss das mit dem “Beweis” – dass rationale Wesen die Verlustminimierung der Gewinnmaximierung vorziehen. Und das, während Verlustminimierung Rationalitätslücken wie wahre Kontradiktionen mit einbeziehen kann.

Sein Gesicht verzog sich.

– Ich denke, Du müsstest lieber an deiner Habilschrift arbeiten: Denker des Mittelalters, Determinismus, Religionsphilosophie – so Sachen…

Mein Enthusiasmus ebbte plötzlich ab…

– Ich gehe sofort zurück in mein Büro.

– Würde ich an deiner Stelle auch tun…

Die Arbeit an meiner Habilschrift ging weiter, ich habe mich habilitiert, aber je mehr ich die Nachrichten über die Eurokrise verfolgte – Nachrichten über die Ergebnisse dieser Politik seit den 80ern, die griechische Bauern eine “effizientere” Arbeitsweise beibringen wollten, desto mehr wurde ich überzeugt, dass ich mit meiner Pointe bei jenem “Beweis” richtig lag, der mich ein paar Tage des Studiums einer lateinischen Handschrift aus der Prager Nationalbibliothek gekostet hatte. Ich fing an, meine Reflexionen zu Rationalität und Rationalitätslücken bei Zeitschriften vom Fach Entscheidungs- und Spieltheorie einzureichen. Wozu habe ich denn damals überhaupt  dieses Wirtschaftsstudium draufgelegt? Und wozu bin ich jetzt Privatdozent? Zwar nicht in Wirtschaft, aber diese Zeitschriften beteuern doch ihren interdisziplinären Charakter, wie wichtig ihnen die Philosophie wäre – bla-bla-bla…

Die Rezeption war meist negativ. Interdisziplinarität ist ein schönes, langes Wort, von denen, die man gern bei Habermas oder Derrida liest, aber unter uns – keine Chance… Mein Eindruck war, dass die Gutachter enttäuscht sind, keine Aufsätze ihrer eigenen Studenten zur Begutachtung zu erhalten: Solide, empirische Feldforschung, formalisiert im Sinn von zehn bis zwölf alternativen spieltheoretischen Szenarien, der Studi absolviert die Rechenaufgaben, beweist zwar nichts Originelles, Interessantes oder wenigstens auf künftige Forschung Hinweisendes, aber der Gutachter braucht nicht um die Ecke zu denken – darauf kommt es an, oder?

Apostolos Doxiadis, ein echter Philosoph unter den Mathematikern, nennt diesen Gebrauch des Formalismus: “höhere Tante-Emma-Lehre”.

Was ich allerdings gestern bekam, stellt ein neues Niveau der tiefen Verachtung jeder philosophischen Fragestellung dar. Ein anonymer Ökonom schreibt mir:

In den Wirtschaftswissenschaften beziehen sich die Termini “rational” und “irrational” auf einzelne ökonomisch handelnde Individuen…  Die Ergebnisse sind “effizient” oder “ineffizient” im Sinn von Marshall oder Pareto… Oft stellen die Situationen, in denen sich die Rationalität der ökonomischen Subjekte äußert, Selbstreferenz und unendlichen Regress dar… Deshalb ist es aus dem Standpunkt eines Ökonomen nicht klar, worin die “Rationalitätslücke” liegt, die der Aufsatz thematisiert.

Was der anonyme Gutachter mir sagte, ist im Klartext Folgendes: “Das ist eine Zeitschrift, in der Ökonomen das Sagen haben, auch wenn wir uns nach außen interdisziplinär geben. Du hast meine Zeit mit Widersprüchen und logischer Konsistenz und Rationalitätslücken und dem ganzen Müll verplempert und jetzt hast du das davon”. Das kann man freilich nur in diesem pragmatischen Kontext sagen. Wer von der Wahrheit der Sache etwas hält, müsste einsehen, dass es keine Sachverhalte gibt, die sich adäquaterweise von formalen Kontradiktionen beschreiben ließen aber paretooptimal wären. Wo sollten solche Sachverhalte der Fall sein? In unmöglichen Welten etwa?

Wie ich oft sage, sind die philosophischen und mathematischen Fakultäten selber schuld daran, das Logikstudium nur für Logik- und Mathematik-Studenten zu bestimmen. Denn sie machen aus den restlichen intelligenten Leuten, die ein anderes Fach studieren, ihr Studium abschließen, ja selber irgendwann Profs werden, logische Analphabeten.

peerreview

It was a few years ago: I knocked on the colleague’s door to tell him that I had just found a proof that, provided you have enough ressources, doing nothing is rational and doing something irrational. He asked me what I meant.

– I mean that I have an argument – OK, let’s forget “proof” – that rational beings prefer to be loss minimizers than utility maximizers. But at the same time, I have an argument that this can invite a rationality gap: a true contradiction.

He had an expression of pain in his face:

– I believe that you should be working on your habilitation thesis: medieval thinkers, determinism, philosophy of religion ‘n’ stuff.

Suddenly, my enthusiasm died away…

– I’m going back to my office now.

– That’s what I would also do…

The work on my habilitation thesis went on, I became a doctor habilitatus after all, but the more I was following the news, the euro crisis, the results of all these policies since the 80s which tried to make Greek farmers work more “efficiently”, the more I was persuaded of the main point of my “proof” which had cost me some days of work on Latin manuscripts from the Prague National Library. I started submitting my reflections to journals on decision theory and game theory. After all I do have a degree in economics, don’t I? And I’m a faculty member – not in economics, of course, but these journals constantly maintain their interdisciplinary character and how seriously they take philosophy and bla-bla-bla…

The replies were mostly negative. Interdisciplinarity is a nice long word of the kind of words which Habermas or Derrida would use, but forget it… I had the impression that the referees were disappointed not to receive papers written by their own students with a solid, empirical case study in the background, formalized in terms of ten or twelve alternative game theoretical plots. The student does the math, she proves nothing original, interesting or even promising, but the formal homework is as consistent as the student’s exams were and – the most important feature! – the referee doesn’t need to think outside the box.

Apostolos Doxiadis, a real philosophical mathematician, has called this use of formalism “mere calculation of the grocery-bill variety”.

But until yesterday, in the reports I received on my paper, I wasn’t confronted with a contempt towards philosophical concerns as blatant as this anonymous economist’s:

In economics, the terms “rational” and “irrational” are related to the single economic agent … [T]he outcomes may be “efficient” or “inefficient” in a Marshallian or a Paretian sense … [I]t is often the case that the rationality of the economic agents originates self-referential [sic], infinite regress situations. … Therefore, from the economist’s viewpoint it’s not that clear where the “rationality gap” discussed in the paper is.

Now, in a way, the anonymous economist said to me: “Get lost because this is a journal run by economists even if we, nominally, affirm interdisciplinarity. So, don’t waste my time with contradiction and logical consistency and rationality gaps and all this crap”. But to say this is easy only in a pragmatical context. If you’re dedicated to truth you must be able to see that states of affairs adequately described by logical falsehoods cannot be Pareto optimal. Where should this be the case? In an impossible world?

As I usually say, the humanities and mathematics are to blame for determining logic to be only for students who major in mathematics and philosophy. As for the rest of the intelligent young people who visit the university, get their degrees, become themselves professors, they produce logical illiterates.