Ja, wie schafft man’s bloß?

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Leser des Deutschen sollen direkt zum unten stehenden Screenshot aus der Facebook-Präsenz von schirnmag.de scrollen und bedenken, dass ich subkulturbedingt an altgriechische Texte denke, wenn ich das Wort “Logos” lese.

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Enough with scrolling

How do you manage to make logos affect emotionally, asks schirnmag.de Burkhart von Scheven of the Bauhaus University Weimar. Von Scheven proceeds to deliver an answer and I totally lose him because I have to ask myself: “Is it Heraclitean logos or Christian logos they’re talking about? And why ask a professor of visual communication on this?”


Tja, der Logos und die Logos haben nicht wirklich viel miteinander zu tun…

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Contra argumenta ad baculum

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Johann Gottlieb Fichte kannte gegen sture Skeptiker, Relativisten, Perspektivisten usw. nur ein effizientes Gegenmittel: die soziale Sanktionierung – so eine Stelle in der Bestimmung des Menschen. Behandle sie so willkürlich, wie ihre Theorie verlangt, und der ganze Werterelativismus wird ihnen sofort vergehen.

Argumente ad baculum sind natürlich immer falsch, aber seit folgender Diskussion mit meiner Tochter finde ich, dass sie auch unwirksam sind: Unlängst fragte mich unsere Kleine in einer orthodoxen Synagoge: “Papa, warum seid ihr, Männer, hinter (eben nicht VOR!) dem Vorhang?” Sie glaubte es mir nicht, als ich ihr sagte, dass es anders herum war.

Da jegliche Orthodoxie dazu tendiert, Frauen regelnbewusster zu machen als Männer – und stolz darauf! – erinnerte mich das an diese orthodox-christlichen Frömmlerinnen, die denken, ihr Bravsein wäre durch ihr Anderssein bedingt.

Ist das überhaupt ein Problem? Ich finde schon. Fichtes argumentum ad baculum garantiert nicht, dass soziale Sanktionierung als solche wahrgenommen wird. Solange die Opfer sozialer Sanktionierung (oder auch von Diskriminierung) diese perspektivisch als Äußerung ihres Andersseins auffassen, haben sie ein verzerrtes Bild der Realität.

Synagoge

My daughter looked at me during our visit in the orthodox synagogue of Munich and asked: “Dad, why are you, men, behind the curtain?” She was behind the curtain, of course, and I told her so, but she didn’t believe me.

She reminded me of these very pious women in orthodox Christianity who think it a feature of their otherness to be obedient. Orthodoxy of any kind makes women more obedient than men for some reason…

Johann Gottlieb Fichte says in the Vocation of Man that there is just one measure against stubborn sceptics, relativists, perspectivists etc.: social sanctions. Treat them as arbitrarily as their theory demands and you’ll see how quickly their whole scepticism will vanish.

This is an argumentum ad baculum. Argumenta ad baculum are always hollow, of course, but my aforementioned discussion with my daughter shows that they’re also inefficient. As soon as sanctions (or discrimination) are perceived simply as expressions of otherness, the relativist is unlikely to view discrimination as discrimination and sanctions as sanctions. And this is a distorted view on society.

Nasreddin Endoxodja

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Hier und hier und hier habe ich meine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass die Geschichten des Nasreddin Hodscha von einer mittelalterlichen turksprachigen Logiktradition zeugen. Oft sind Tricks mit endoxa – plausiblen Meinungen, die in Ermangelung von ersten Prinzipien als Prämissen von Argumenten gelten können – die Pointe von ein paar eher gesellschaftskritischen Geschichten Nasreddins.

Der mobile Backofen ist eine solche Geschichte: Nasreddin baute einen Holzofen in seinem Garten, als ein Passant seine Verwunderung darüber ausdrückte, dass die Öffnung gegen Osten war. “Die Nachmittagssonne wird dich blenden, wenn du am Ofen bäckst”.

Nasreddin erschien das überzeugend. Er riss also den Ofen nieder und fing aufs Neue an, als der nächste Passant zu ihm rief: “Bist du von Sinnen, die Öffnung nach Norden zu bauen? Der kalte Nordwind im Rücken wird dir gerade bei der Hitze an Brust und Gesicht unglaublich unangenehm”. Also baute Nasreddin zum dritten Mal den Ofen auf, als dem nächsten Passanten die Öffnung nach Westen nicht gefiel. Habe denn Nasreddin nicht daran gedacht, dass die Morgenbrote just zur Zeit aus dem Ofen kommen, wenn die blendende Sonne aufgeht?

Nasreddin blieb nur eines übrig: Die Öffnung nach Süden zu bauen. Das tat er auch, als der nächste Passant ihn darauf aufmerksam machte, dass der Nordwind den Rauch ins Haus wehen wird.

Also fing Nasreddin zum fünften Mal an, den Ofen zu bauen – auf seiner Schubkarre…

Einander bekämpfende endoxa thematisiert Aristoteles in den Sophistischen Widerlegungen 183 b 1-6. Er sieht die Lösung in der Entscheidung für das endoxotaton unter den endoxa, d.h. für die plausibelste unter den plausiblen Meinungen. Selbst Aristoteles hatte aber keine feste Meinung über die plausiblen Meinungen. In der Topik 159 b 4-6 scheint er anzunehmen, dass die Negation eines endoxon (einer plausiblen Meinung) ein adoxon (eine unplausible Meinung) sein muss. Nasreddin entscheidet sich (fast hätte ich hier “deshalb” geschrieben), die Lehre, die den Umgang mit endoxa behandelt, die Dialektik also, ad absurdum zu führen.

Einen Sonderfall bilden unerschütterliche Topoi. Das schildert die Geschichte des versteckten Esels:

Ein Nachbar bittet Nasreddin darum, ihm seinen Esel zu leihen. Da Nasreddin seinen Esel nicht leihen will, gibt er an, er hätte seinen Esel bereits geliehen, als der Esel im ungünstigsten Moment aus dem Stall zu schreien anfängt. Den erbosten Nachbarn versucht Nasreddin mit der Frage umzustimmen: “Glaubst du meinem Esel oder mir?” Der Umstand, dass “Eselsgeschrei aus dem Stall, also Esel im Stall” ein unerschütterlicher Topos ist, macht jede Überlegung über die Glaubwürdigkeit des Behauptenden obsolet. Im dargelegten Fall wird der Nachbar keine Schwierigkeiten damit gehabt haben, die Negation des Topos als ein adoxon zu erkennen.

Plaristotleddin

Here and here and here, I’ve expressed my thought that the Nasreddin-Hodja stories are witnesses to a turkic medieval tradition of logic. Tricks with endoxa – plausible opinions which can be useful as premises of arguments if no first principles are available – are the point of a couple of Nasreddin stories that pertain to social criticism.

The mobile oven is a story of this kind: Nasreddin built a wood-fired oven in his yard to be criticized by a passer-by that the oven’s frontside being towards the east he would be blinded every afternoon by the setting sun.

The argument persuaded Nasreddin. He destroyed the oven and constructed another one whose frontside looked to the north. The next passer-by wondered how Nasreddin failed to realize that everyone who would work at the oven in the winter, would feel the cold from the northwind on her back in an exceptionally unpleasant manner because of the heat on her face. There was an argument also against the new oven whose frontside was to the west. Baking bread rolls on a holiday morning would be a torture at sunrise.

Only one option remained: an oven with a frontside to the south – and Nasreddin took it. But of course – the next passer-by was quite sure about it – the northwind would carry the smoke into the house.

Subsequently, Nasreddin started his fifth attempt to construct his oven – this time on his wheelbarrow…

Conflicting endoxa are an issue already since Aristotle. In the Sophistical Refutations 183 b 1-6 Aristotle saw a solution in deciding for the endoxotaton among the endoxa, i.e. for the most plausible opinion among the plausible opinions. But he doesn’t appear to be quite certain about his solution since in the Topics 159 b 4-6 he maintains that the negation of an endoxon is an adoxon – viz. unacceptable. Nasreddin’s way out of the riddle is to lead ad absurdum the whole dialectic, the doctrine supposed to teach us how to deal with endoxa.

Topoi form a special case as one can see in the story of the hidden donkey:

A neighbour asks Nasreddin to lend him his donkey. Nasreddin prefers to lie to him: “I’m terribly sorry, dear friend, my brother-in-law has borrowed the donkey”. In this moment the donkey that was all the time in the stable a few feet away, starts to bray, the neighbour gets angry over Nasreddin’s lie, and Nasreddin protests: “You’d rather believe my donkey than me?” Of course, since “If a donkey brays in the stable then a donkey’s in the stable” is a topos, every thought on Nasreddin’s reliability compared to the donkey ‘s is obsolete. In this case, the neighbour shouldn’t have any problems to realize that the negation of a topos is an adoxon.

Gender, shopping, reasoning

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Bei alltäglichen Schlussfolgerungen haben wir bereits als Kinder gelernt, die Monotonie einer Ableitung vorauszusetzen. “Da die Mama sauer wird”, so haben wir räsonniert, “wenn ich das Parkett unter Wasser setze, und da sie auch noch sauer wird, wenn ich das Sofa bemale, dann wird sie ebenfalls sauer, wenn ich gleichzeitig das Parkett unter Wasser setze UND das Sofa bemale”. Später lernten wir, dass wir solche Gedankengänge mit einem “erst recht” begleiten können: “… dann wird sie ERST RECHT sauer, wenn ich gleichzeitig…” usw.

Solche Gedankengänge sind nützlich aber altmodisch. Die Wissenschaft lebt von der Entdeckung des Neuen. Man denke an die Mathematik: Die alten Kulturen kannten nur die rationalen Zahlen, bis die Pythagoreer die irrationalen Zahlen entdeckten. So blieb es auch lange Zeit, nicht allerdings ewig. Seit dem 16. Jh. kennen wir die komplexen Zahlen.

Ähnlich verhält es sich in der Logik. Lange waren alle Logiker Aristoteliker. Erst Anfang des 20. Jh. erkannten sie, dass die Logik des Aristoteles nur unter bestimmten Bedingungen gilt. Jüngst sind sogar bestimmte Widersprüche in der Logik zulässig. Das Umstoßen der Monotonie ließ auch nicht auf sich warten.

Nehmen wir das Beispiel eines Mannes, der mit Frauen gewissermaßen kein Glück hatte – und zwar in dem Sinn, dass er zuerst mit einer befreundet war, der er peinlich war. Sie verbrachte die Nacht bei ihm, tagsüber wollte sie sich aber neben ihm niemals blicken lassen. Er trennte sich von ihr und verliebte sich in eine verheiratete Frau, die ihn bei Tageslicht traf, nachts aber zu ihrer Familie wollte. Von diesem Mann kann man sagen, dass er unglücklich war, als er am Tag auf die Präsenz einer Frau verzichten musste; ebenfalls unglücklich, als er nachts auf die Präsenz einer Frau verzichten musste. Gälte hier die Monotonie, dann würde folgen, dass der Mann erst recht unglücklich würde, wenn er Tag UND Nacht auf die Präsenz einer Frau verzichten müsste. Nehmen wir jedoch an, dass unser Freund – seiner Eskapaden mit komplizierten Fällen überdrüssig – Mönch und damit endlich glücklich wird, obwohl er tags UND nachts auf die Präsenz einer Frau verzichten muss! Modebewusste Logiker sagen, dass dieses Beispiel den Fall eines nichtmonotonen Schließens darstellt.

Eine kleine aber feine Gruppe eingeschworener Forscher der Nichtmonotonie sucht nach ähnlichen Beispielen und versucht diese zu formalisieren. Es ist in der Gruppe Konsens, dass nichtmonotones Schließen bestimmten Fällen der Überzeugungsrevision, des Gesinnungswandels, des Umdenkens zu Grunde liegt. Das Paradebeispiel hierzu ist politisch unkorrekt. Eine Frau geht in einen Schuhladen zum Shoppen und hat wie üblich viele Paare ausprobiert (man kann zwar auch von einem Mann sprechen, aber man muss glaubhaft machen, dass ein Mann tatsächlich im Schuhladen shoppt, d.h. sich dort länger als zehn Minuten aufhält). Auf einmal fasst sie folgenden Gedanken: “Ich werde in diesem Laden Schuhe kaufen, wenn es diese rotfarbenen im Schaufenster in einer dezenten Farbe gibt. Ich mag keine Schuhe in grellen Farben”. Also fragt sie die Verkäuferin, ob es diese Schuhe in anderen Farben gibt. “Selbstverständlich” antwortet die Verkäuferin, “in Türkis”.

Unsere Shopping-Heldin hasst türkisfarbene Schuhe mehr als rote. Also lehnt sie ab. Genauso die gelben, da Gelb eine Farbe ist, die sie sogar mehr als Türkis hasst. Ob es diese Schuhe in einer dezenten Farbe gibt? Wenn nicht, muss die Kundin weiter suchen. Leider sind das alle Farben gewesen. Die Kundin überlegt kurz und sagt: “Ach, was soll’s… Ich kaufe die roten!” – statt monoton zu schlussfolgern: “ERST RECHT kaufe ich hier nicht ein, wenn sie außer Rot, nur noch Türkis und Gelb haben”.

Ähnliche Gedankengänge beim Überzeugungswandel sollen experimentell reichlich belegt sein, was gern als Ansporn verstanden wird, nichtmonotones Denken als Bestandteil einer rationalen Überzeugungsrevision anzusehen.

Zudem können Beispiele wie die vorgenannten emanzipierten Frauen wie Andrea Nye oder meiner eigenen Ehefrau als Evidenz dazu dienen, von einer “Frauenlogik” zu sprechen. Der Mönch und die Kundin im Schuhgeschäft würden nichtmonoton schlussfolgern, weil sie – um es mit Nye auszudrücken – die “maskuline Logik” abgelehnt hätten.

Ich glaube nicht, dass es eine originäre Frauenlogik gibt. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass alle Beispiele “nichtmonotonen Schließens”, die man anbieten kann, nichts als banale Fälle monotonen Schließens unter gewissen Bedingungen darstellen. Nehmen wir z.B. unseren Mönch. Wenn er eine Freundin hatte, dann war er unglücklich, als er diese tagsüber oder in der Nacht nicht traf. Als Mönch ist er nun glücklich, nicht weil sich sein Fall etwa nichtmonoton beschreiben lässt, sondern weil die erste Bedingung wegfällt: Nach dem Zölibat hat er ja keine Freundin mehr. Unglücklich war er aber unter der Bedingung, dass er eine hatte – und vermisste. Als Mönch kann er keine Frau vermissen, die er nicht hat. Der Fall lässt sich durchaus als monotones Schließen beschreiben.

Ebenso die Kundin. Ihrer Entscheidung für die roten Schuhe liegt nicht Nichtmonotonie, sondern eine stillschweigende Bedingung zu Grunde: “Wenn ich keine dezente Farbe finde, muss ich wohl (unter der Bedingung, dass ich nicht müde bin) weiter suchen”. Anscheinend traf die stillschweigende Bedingung nicht zu: Sie wurde langsam müde.

Kant (“Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?”, A 482) geißelte die selbst gewollte Unemanzipiertheit der Frauen. Im Grundtenor stimme ich mit ihm überein. Ich bejahe ja das Anderssein, sehe allerdings nicht ein, wie Mönchen und Laien, Frauen und Männern eine intellektuelle Andersheit zugeschrieben werden könnte.

Shopping

Since we were children we learned to presuppose the correctness of monotonic reasoning.  “I know that mom gets angry when I damage the parquet floor and I know that she gets angry when I paint the sofa. And this is why I know that, if I damage the parquet floor and paint the sofa at the same time she will get angry again”. Later, we learned that this reasoning can be accompanied by a “let alone”: “She gets angry when I do this and she gets angry when I do that, LET ALONE when I do both”.

These were the useful inferences of the time when we were still young and naive. But they’re out of fashion. Science strives for the new, the sensational. Mathematics, for example: the old cultures knew the rational numbers until the Pythagoreans discoverd the irrational numbers. Long time we rested on this discovery until at once, in the 16th century, the imaginary numbers emerged.

The situation in logic is similar. Logicians were Aristotelians for a very long time until they discovered that Aristotelian logic is only correct because it presupposes some semantic restrictions. As of today, even contradiction, of course under some restrictions, is allowed. It would be simple-minded to expect monotonicity to escape the trend.

Imagine, for example, a man who had no luck in his sexual life in the following sense: he had a girlfriend who contempted him. She would spend the night with him but kept it secret that she had an a affair with him – and never met him during the day. He left her for a married woman who would meet him during the day but spent every evening with her family. He was unhappy with the first as much as he was with the second. Since we know that he was unhappy without a woman during the day and unhappy without a woman during the night, we would be justified to conclude that he would be unhappy without a woman day-and-night. Let’s assume now that our friend, weary of adventures with complicated persons, goes to a monastery and swears celibacy to feel at last happy. Fashionable logicians would say that his happiness is a case of nonmonotonic reasoning.

A small but dedicated group of nonmonotonicity experts investigates similar examples and tries to analyze them adequately. They agree that belief revision is in many cases combined with nonmonotonic reasoning. A very usual example is the following (be warned, it’s not politically correct): A woman walks into a shoes shop  (of course, you can also say “a man walks into a shoes shop” but since the example demands that the person who does so stays in the shop for more than ten minutes, it’s better to begin with a woman). After many-many shoes she focuses on a pair of red ballet pumps and makes up her mind to buy them in a less intense colour. To her great disappointment, however, she learns that these shoes are produced also in turquoise. She’s already at the door leaving the shop when the seller shouts “Just a moment! We have them also in yellow”. She hates yellow more than even turquoise. She thinks for one moment and says “I’ll buy the red ones, alright”.

Surely, if the lady’s rules of reasoning involved monotonicity she would say to herself: “I don’t buy here if they have shoes I don’t like, LET ALONE if they have shoes I don’t like and more shoes I don’t like”. But the thought of herself wearing yellow ballet pumps obviously made her change her mind on behalf of the thought of herself wearing red ballet pumps.

According to experimental evidence, similar cases are very usual and probable. Belief revision, so it seems, presupposes nonmonotonicity as a norm, not as an irrational deficiency. Emancipated women like Andrea Nye and my own wife would speak in this context of a “female logic”. The monk and the customer of the aforementioned examples do nothing but reject the “masculine logic” – to use Nye’s terminology.

My opinion is that there is no logic which is characteristic of women alone. In fact, I think that all examples of nonmonotonic reasoning which are mentionend from guest lecture to guest lecture and from conference to conference appear to be trivial examples of monotonic reasoning with at least one tacit condition. Let’s revisit our monk. He was unhappy when he missed his girlfriend during the day or during the night – NB, under the tacit condition that he had a girlfriend. As a monk, he disallowed this condition! With the help of celibacy, he cannot miss a girlfriend he does not allow himself to have. Therefore, having no girlfriend day-and-night is not an annoyance to him, although it was an annoyance to him not to have his girlfriend during the day alone or during the nicht alone. The peculiar thing in his case is not nonmonotonicity but the tacit condition.

Similar is the case with the customer. With the addition of a tacit condition, her decision on behalf of the red shoes can be analyzed better than it can be analyzed with nonmonotonicity: “(Unless I feel too tired to look further) if they don’t have the ballet pumps in a less intense colour, I’ll go to the next shop”. Obviously, it’s the tacit condition (here in brackets) which did not hold. Women get tired of shopping as much as men do.

Kant (“What is Enlightenment”, A 482) reprimanded especially women of self-imposed nonage. I find the main tenor of his thought fruitful. Saying that monks and laymen, women and men are not different in terms of their intellect is not to negate that they can be different in other respects.

Logik für die Schule

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Wenn wir die Einführung in die Logik an den Instituten für Philosophie nicht auf die symbolische Logik eingeschränkt hätten, dann hätte der eine oder andere Lehramtsstudent Elemente der Syllogistik oder der Argumentationstheorie später in den Philosophie- oder in den Deutschunterricht einbauen können.

Was wir jetzt produzieren, das sind ein paar mathematisch begabte Masterstudenten und viele Logik-Analphabeten.

Das tut weh.

ENOUGH WITH SCROLLING

If we hadn’t restricted logic to symbolic logic at the philosophy departments all over Germany, then those without academic ambitions would have enough training in logic in order to teach critical thinking at school.

The way things are we produce a couple of mathematically informed philosophers and an army of school teachers who hate logic.

And this hurts.

Nasreddin, das Jain und ich

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Die Verwendung des Jains, der Antwort also zwischen “ja” und “nein”, wird oft belächelt. Klare Worte werden in der Regel bevorzugt. Aber klare Worte bringen manchmal niemanden weiter – stattdessen das Jain! Dazu eine Kurzgeschichte aus dem Orient, die diejenigen zum Umdenken anregen soll, die noch der Zweiwertigkeit verhaftet sind:

Nasreddin, der legendäre Mullah aus Samarkand (manche sagen aus Konya oder aus irgendwo sonst) soll keine Lust gehabt haben, die Koransure, die er gerade den Gläubigen vorlas, auch noch zu interpretieren. Die Aufgabe war ihm zuwider. Also dachte er folgenden Streich aus, mit dem er früher Feierabend haben sollte:

“Habt ihr alles vestanden?” fragte er die Versammelten, nachdem er mit dem Vorlesen der Sure fertig war. “Jaaaaa!” antworteten diese brav.

– Alles-alles?

– Jaaaaa!

– Dann brauche ich euch ja nichts mehr zu erklären. Geht nach Hause! Einen schönen Tag noch!

Die Bevölkerung hat das nicht als schön empfunden. Es ist letztendlich die Aufgabe eines guten Mullahs, etwas zur Sure zu erklären; irgendwas Aufbauendes zu sagen! Also beschlossen sie, am nächsten Tag sich anders zu verhalten.

“Habt ihr alles verstanden?” fragte Nasreddin erneut am nächsten Tag, nachdem er mit dem Vorlesen fertig gewesen war. “Nöööö!” antwortete das Publikum.

– Was habt ihr denn nicht verstanden?

– Niiiiiiiiix!

– Solchen Rindviechern, die gar nichts, aber gar nichts verstehen, wird auch meine Auslegung nichts bringen. Geht nach Hause und macht euch Gedanken, wie ihr euch fortbilden könnt. Ich bin von euch enttäuscht!

Unfassbar! – dachten die Gläubigen…

Für den nächsten Tag haben sie sich also abgesprochen, dass eine Gruppe rufen sollte, sie hätte verstanden, die andere, sie hätte nicht verstanden, um was es in der Sure ging.

“Habt ihr verstanden?” fragte Nasreddin am nächsten Tag . “Jaaaaa!” riefen die einen; “neiiiiiiinn!” riefen die anderen.

“Sehr gut” sagte Nasreddin. “Diejenigen, die das verstanden haben, sollen es denjenigen erklären, die es nicht verstanden haben. Einen schönen Tag noch!”

Ein Jain seitens der Gläubigen hätte Nasreddin von Anfang an seiner Argumente beraubt.

Das soll nicht den Wert der klaren Worte vermindern, wenn solche gesagt werden können. In meinem Interview bei Christoph Wagenseil, das jetzt online ist, war ich sehr um klare Worte bemüht.

Nasreddin

Germans have a word for answers in which they neither affirm nor negate the question: “jain”. “Jain” is a portmanteau word consisting of “ja” and “nein” – “yes” and “no”. What they mean though, is not “yes-and-no”. They rather mean something between “yes” and “no”; something which is neither yes nor no.

In German, you can say “jain” when you want to show – not without a self-ironical undertone – that you are indecisive. But apart of irony, “jain” could be very useful in cases where yes and no are both inadequate to give the full information. Here’s a short story from the orient to liberate those who are still framed by bivalence.

Nasreddin, the legendary mullah from Samarkand (or from Konya or from somewhere else…) is said to have lost his motivation to explain the fidels the passage of the Quran which he just read. He developped the following trick in order to be able to go home earlier:

“Did you understand everything?” asked he his public after he had finished reading. “Yeeeeah!” was their nerdy reply.

– Really everything?

– Yeeeeah!

– There’s no need for the passage to be explained then. Go to your homes and have a nice day!

The public didn’t like the innovation. It’s the task of a good mullah to say something in order to make you understand! They decided to change their tactics on the next day.

“Did you understand everything?” asked Nasreddin again, after he finished reading the day after. “Nooooo!” was the reply.

– What didn’t you understand?

– Anythiiiiing!

– You uneducated brutes, you! If you didn’t understand anything, on which grounds can I attempt to explain? Go to your homes and make thoughts about improving your understanding of the Quran. I’m so disappointed!

That’s incredible! – thought Nasreddin’s attendants.

They decided to split into two groups on the next day. When Nasreddin was about to ask his question, the one group would have to give an affirmative, the other group would have to give a negative answer.

“Did you understand?” asked Nasreddin on the third day. “Yeeeeah!” said the ones; “nooooo!” shouted the others.

“Excellent!” said Nasreddin. “Those who understood have to explain it to those who didn’t. Have a nice day!”

If Nasreddin’s attendants had an answer between yes and no, Nasreddin wouldn’t have a chance to apply his trick.

This is not to relativize the value of forthright statements. In my interview with Christoph Wagenseil (online but – sorry! – in German) I made efforts to be strict and to the point. But I cannot make the whole job to translate it. I would be so delighted if I could ask those who can read it to translate it to those who cannot… I’m afraid though that Nasreddin’s trick cannot be recasted in the internet.

Antiaristotelians in my family…

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Personen:

Vater (V)
Tochter (T)
Mutter (M)

V: Das war eine wunderschöne Geschichte, Schatz! Wer hat sie dir erzählt?
T: Damals war sie in der Zwölften und…
V: Entschuldigung: WER hat sie dir erzählt!?
T: Ja! Damals war sie in der Zwölften und…
V: “Damals” ist keine gute Art, um eine Antwort auf eine Frage nach dem “Wer” einzuleiten.
M: Hey, sie ist ein Kind und kein Logiker!

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Persons

Father (F)
Daughter (D)
Mother (M)

F: A gorgeous story, love! Who do you have it from?
D: Back then she was in the twelfth class and…
F: Excuse me, WHO told you the story?
D: Yes, back then she was in the twelfth class and…
F: Don’t you think that “back then” is a bad way to start answering a question about who did something?
M: Hey, she’s a child, not a logician!