Tractatus 5.6

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Die Grenzen

seiner Sprache

liegen nicht

bei den Grenzen

seiner Haut

schreibt Wolfram Malte Fues in seiner Gedichtsammlung SkalpeSkalpelle (Allitera: München, 2016). Kathrin Wächter kommentiert mit der unten teilweise abgebildeten Zeichnung.

Unsere Welt ist jedenfalls umfangreicher als der Inhalt unserer Haut. Damit auch unsere Sprache. Es gibt keine Privatsprache.

Nichts ist privat. Alles ist öffentlich. Den Blicken ausgesetzt.

A propos privat: Haben die Wittgensteinianer unter den Lesern das Gefühl, dass der späte Wittgenstein im frühen enthalten ist?

kathrin-wachter

Enough with scrolling

The limits

of his language

are not near

the limits

of his skin

These are Wolfram Malte Fues’s verses from the poetry volume SkalpeSkalpelle (Allitera: Munich, 2016). The drawing above is Kathrin Wächter’s commentary to the obviously Wittgensteinian theme.

Having a capacity much greater than our skin, our language enables also our world to transgress the limits of our bodies. There is no private language.

Nothing is private. Everything is public. Everybody is watching.

Talking about privacy: Don’t Wittgenstein scholars of this post get the impression that the late Wittgenstein is contained into the Tractatus?

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Are pictures informative prior to being interpreted?

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Der sommerliche Stausee gab mir ein Argument gegen die gewöhnliche Lesart des Gemeinplatzes an die Hand, demnach ein Bild mehr als tausend Wörter sagt. Um es vorweg zu sagen, glaube ich, dass der Gemeinplatz wahr ist. Aber ich glaube gleichzeitig, dass Bilder uns nicht klüger machen, gerade weil sie mehr als tausend Wörter sagen.

Das Bild unten vermittelt Information. Viel Information! “Mehr als tausend Wörter”! Aber es deutet von allein nicht darauf hin, welche Fragmente dieser Information nützlich und welche nebensächlich sind.

Die Betrachtung des Bildes allein macht uns also trotz der inflationären Information kaum informierter. Denn auf was soll der Betrachter fokussieren? Auf das, was im Vordergrund steht? Das sind ja nur Mücken, die nicht richtig zu erkennen sind.

Auf das, was im Hintergrund steht? Das ist zu weit entfernt!

Auf alles? Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Unzusammenhängende Information führt einen dazu, die Informationsquelle zu verwerfen.

Bilder sagen mehr als tausend Wörter – das stimmt! Dafür sind diese Wörter ein Durcheinander.

Die Information aus interpretierten Bildern ist dagegen geordnet. Dafür sagt sie viel weniger als tausend Wörter.

Bild und Wort

The early-summer atmosphere at the lake gave me an argument against the usual reading of the proverb “A picture is worth a thousand words”. I think that the proverb is true. However, I also think that pictures make us no more informed exactly because they are worth so many words.

The picture above gives you information. Much information. “A thousand words”! But it does not contain a piece of information to make you know which parts of this information are supposed to be essential and which are supposed to be suppressed.

Observing the picture makes us, thus, not more informed despite the inflatory information. Do you focus on the foreground? On rather blurred mosquitoes?

Do you focus on the background? On a landscape which is only too distant?

On everything? What do these elements have to do with each other? Confusing information would rather make us reject the source altogether.

Pictures say a thousand words – that’s true. But these words are a mess.

The information which we get from interpreted pictures is ordered, of course. But it is worth much less than a thousand words.

Pinocchio meets Macchiavelli

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Ausnahmsweise eine kurze Bemerkung zu den griechischen Finanzen.

Der griechische Premier, so heißt es in bild.de, will keine weiteren Finanzhilfen und ist mit seiner Politik zufrieden, weil Griechenland langsam aus der Krise kommt.

AAAABER er braucht eine Stundung und niedrigere Zinsen.

Seine Behauptung lässt sich auf folgendes Konditional reduzieren:

“Wenn das Land langsam aus der Krise kommt, habe ich jeden Grund, an meiner Politik festzuhalten”.

Und das Land kommt tatsächlich langsam aus der Krise.

Aber wie jeder Logik-Student bereits im ersten Studiensemester weiß, lässt sich die Wahrheit eines Konditionals nicht an der Wahrheit des Antezedens erkennen.

Pinocchio sagt: “Wenn meine Nase wächst, dann heißt das, dass ich die Wahrheit sage”.

Und die Nase wächst…

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I know it’s unusual for me but this is a comment on the Greek financial crisis.

The Greek prime minister said in his interview with the German daily Bild that he feels his politics is effective and he needs no further financial aid for his country.

BUT he needs an extension of payment and lower interest rates.

What he basically claims is the truth of the following conditional:

“If the country is getting out of the crisis, I have every reason to be satisfied with my politics”.

And the country does come out of the crisis.

But as every logic student knows in the first semester the truth of a conditional is never dependent on the truth of the antecendent.

Pinocchio says: “If you see my nose getting longer, this means that I say something true”.

And the nose does get longer…

Repräsentation

Der Bundespräsident repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland. Ein Gemälde von Gauck repräsentiert Gauck. Aber kein Gemälde von Gauck repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland. Das hat einen Grund: Das Gemälde repräsentiert die Person nicht unter demselben Aspekt, unter dem die Person die Institution repräsentiert. Die Repräsentationsbeziehung scheint intransitiv zu sein, weil es eigentlich um verschiedene Repräsentationen geht.

Ein anderes Beispiel ist die lebende Statue: Sie repräsentiert eine Statue. Statuen repräsentieren berühmte Menschen. Aber die lebende Statue repräsentiert keinen berühmten Menschen.

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Anders herum repräsentieren die Körper der vier Kinder unten den Buchstaben E. Der Buchstabe E repräsentiert einen Vokallaut. Und die Kinderkörper repräsentieren einen Vokallaut.

ABC

Eine Jesusikone repräsentiert – was denn sonst? – Jesus. Aber repräsentiert sie das Göttliche? Sollte die Person Jesus eine Repräsentation des Göttlichen sein, dann sicherlich nicht unter dem Aspekt, dass Jesus Haare, Augen, Kleidung usw. hatte. D.h. selbst wenn angenommen würde, dass Jesus Gott ist, repräsentiert eine gegenständliche Jesusikone zwar Jesus, nicht jedoch das Göttliche. Aber wenn die Jesusikone nichtgegenständlich, etwa expressionistisch ist, kann es sein, dass sie Attribute repräsentiert, die wir als göttlich wahrnehmen: Allgüte, Ewigkeit usw.

Das nehme ich am heutigen Sonntag als eine starke Bestätigung meiner Überzeugung, dass eine Kirche keine gegenständlichen Gottesbilder enthalten soll.