Death and rationality

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Ein Brüsseler Attentäter soll befürchtet haben, seine Tage im Gefängnis zu beenden, womit für ihn klar war, utilitaristisch zu handeln, wenn er wenigstens ein paar Bürger Brüssels mit in den Tod reißen würde. Dabei verzichtete er auf einen Nutzen, der in seinen Augen offenbar weniger wert war, als der Gesamtnutzen davon, Europäer umzubringen: auf die Verlängerung seiner eigenen Existenz.

Ich halte Selbstmordattentäter sowieso für buchstäblich seelisch Kranke. Durch den Umstand, dass sie utilitaristisch argumentieren können, fühle ich mich nicht veranlasst, meine Meinung zu ändern. Denn ein Kosten-Nutzen-Argument in diesem Kontext („Wenn ich sowieso irgendwann sterbe, bevor ich dem Feind schade, soll ich lieber gleich sterben, indem ich immerhin dem Feind etwas schade“) setzt voraus, dass die eigene Existenz auf die utilitaristische Waagschale des Abwägens von Nutzen und Kosten gesetzt wird, um sich als akzeptabler Verlust zu erweisen. Der plumpe Utilitarismus erinnert mich an diese billige nordvietnamesische Kriegspropaganda, die besagte, dass es einen Vietcong-Soldaten gab, der eine Kanone der Gebirgsartillerie den Hang hinunter rollen sah und in das Achsenwerk sprang, um das Gerät mit seinem sich zerquetschenden Körper zu bremsen – und zu retten. „Billig“ nenne ich so etwas nicht, weil ich etwa nicht daran glaube, sondern weil der Akt allein jeden Grund obsolet macht, um für eine Sache zu kämpfen. Ein Kampf um – angenommen – Gutes, soll für das höchste Gut Sinn ergeben: für die eigene eudaimonia, das gottgefällige Leben in Würde, Kontemplation und Harmonie. Wenn ausgerechnet dieses Leben ein Mittel zu einem anderen Zweck ist, kann es selbstverständlich nicht der Zweck meines Handelns sein.

Das Gebot, jeden Menschen gleichzeitig als Selbstzweck („Zweck an sich selbst“) zu behandeln, bildet einen wichtigen Pfeiler der kantischen Ethik. Kant selber meinte, das gehe aus Konsistenzüberlegungen hervor: Sobald angenommen wird, dass ethische Maximen nach dem Vorbild von logischen Gesetzen allgemeingültig sein sollen, ginge das Selbstzweckgebot hervor. Es gibt viele Punkte, in denen ich Kant folgen kann, dieser ist kein solcher. Gewiss kann ein Selbstmordattentäter konsistenterweise jede Menschenexistenz dem Willen Gottes als weit unterlegen betrachten.

Vielmehr sehe ich die Forderung, in sich selber und in jedem Menschen einen Selbstzweck zu betrachten, in der aristotelischen eudaimonia verankert und in der imago-Dei-Theologie bekräftigt. Man darf die eigene Existenz gar nicht in die Waagschale der Kosten zum Gesamtnutzen der Menschheit oder einer Gruppe werfen, da gerade diese Existenz göttlich ist. Weniger christlich ausgedrückt: Sie ist das höchste Gut. Mehr aus einem richtigen Instinkt als Christen denn aus Vernunftgründen haben die Kreuzritter Selbstmordattentäter, die den eigenen Tod als unterm Strich geringen Verlust ansahen, wenn sie mindestens zwei Kreuzritter getötet hatten, „Assassinen“ genannt, was zwar heute in einigen europäischen Sprachen „Mörder“ bedeutet, ursprünglich aber „Haschischbesessene“ heißt. Wenn der Nutzen immer ein persönlicher und körperlich zu empfindender Nutzen ist (das ist aber eine christliche Prämisse), dann ist die Kosten-Nutzen-Rechnung unter der Annahme des Todes des Nutznießers Humbug und wohl nur unter Drogeneinfluss als OK empfunden – so ein sehr wahrscheinlicher Gedankengang hinter der sonderbaren Namensgebung.

Gerade feiern die Westkirchen Ostern und er ist nicht von der Hand zu weisen der Gedanke, dass Jesus auch sein irdisches Leben in eine Waagschale geworfen hat, „damit wir leben können“. Nun, es ist so: Jesus, der Mensch, hat gar nicht sterben wollen („Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“). Und Jesus die göttliche Person war nie tot. Wäre Jesus nicht Gott gewesen und trotzdem den eigenen Tod am Kreuz bejahend, dann wäre er nicht nur kein Heiland mehr, sondern sogar ein fanatischer Selbstmörder und damit denjenigen Söhnen seiner südsyrischen Heimat ähnlich, die ich heute als Kranke betrachte. Unter der Bedingung, dass er nicht Gott wäre, könnte man Jesus nicht mehr achten. Denn es ist moralisch unstatthaft, nach dem Märtyrertod zu lechzen.

Nach den aristotelischen und thomistischen Grundlagen unserer Ethik jedenfalls.

Mein aufbauender Lektürevorschag angesichts der Brüsseler Anschläge und des Osterfestes ist kein religiöses Buch: Hans Joas, Die Sakralität der Person. Nehmt’s wahr im neuen Kontext! Lest es im neuen Kontext! Verbreitet es!

Assassin

Enough with scrolling 

One of the Brussels suicide bombers is reported to have had worries about serving a life sentence, which made him conclude that killing others and himself would be preferable than dying some decades later without killing anyone. This is obviously a blunt utilitarian conclusion and one that evaluates the continuation of one’s own life as inferior compared to suicidally killing others.

I believe that suicide bombers are mentally ill – I mean literally mentally ill. The fact that they can support suicide bombings by means of a cost-benefit analysis doesn’t make them less ill. Utilitarian arguments to the effect of dying in order to cause damage to an enemy take for granted that one’s own existence is an acceptable toll to pay for achieving a desirable goal. However, who achieves the goal of you’re dead? Not yourself… This reminds me of that cheap Vietnamese propaganda about this Viet Cong soldier who is said to have stopped and rescued a large-calibre gun that rolled uncontrolled down the hill with his body – or with what remained of it… I call this „cheap“ not because I believe that the story isn’t true. I call it „cheap“ because I think that actions of this kind during fighting make fighting for any cause pointless and obsolete. If you fight to achieve a goal, this goal has to be compatible with your own eudaimonia, life in dignity, contemplation and harmony that God would have liked you to have. If of all things this life is only a means to achieve another goal, then your life is not the final end of your actions.

There is this Kantian commandment to never refrain from treating human beings as ends in themselves. Kant thought that since moral maxims are supposed to have the general validity of the laws of logic, this commandment follows straightforwardly. I endorse Kant’s views in quite a few cases but this is not such a case. A suicide bomber can consistently consider God’s will to be superior to his own existence.

I’d rather locate the desiderate to see in every person an end in itself as akin to Aristotle’s eudaimonia and as corroborated by the imago-Dei theology. Thou shalt not calculate benefits when your existence is one of the costs, because your existence is of divine origin. To express this idea in a less Christian way: your existence is the highest good.

It’s true, the crusaders were no Aristotelian intellectuals but it was a correct instinct that led them to name suicide murderers „assassins“, originally meaning: „hashish addicts“. An assassin thought that killing two of the enemies by getting killed yourself makes the loss of your own life acceptable. The benefit, however, that you get from your actions is a benefit you have to enjoy yourself (this being a Christian premise), which makes your cost-benefit analysis if your death is the cost, a stultifying contradiction, and one that could be the case only if you’re on drugs. This is a very likely story behind the name „assassin“.

Since the Western Churches celebrate Easter today, you probably can’t help thinking that Jesus was a person who calculated the benefits of our being able to live if He offered atonement – if He sacrificed Himself. But, of course, it is indisputable that Jesus, the man, wanted to avoid being sacrificed („Father, if it is possible, may this cup be taken from me“). And Jesus, the godly person, was never dead. If Jesus had been only a prophet who looked forward to being sacrificed, not only wouldn’t He have been our Saviour but He would have also been very similar to these people from His homeland in Southern Syria whom I take to be mad. If He were no God, Jesus wouldn’t be worthy to be admired because it’s morally wrong to crave for suffering martyrdom.

At least if you’re an Aristotelian or a Thomist.

My book recommendation after the Brussels bombings and the Easter day is not a religious reading: Hans Joas, The Sacredness of the Person. It has to be noticed in the new context. It has to be read under the new premises. It has to be propagated.

Entbehrung – on the ontology of privations

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Humor zu entbehren, heißt eindeutig, man ist irgendwo ganz falsch gelandet. Miesmuscheln zu entbehren ist weniger tragisch. Warum wohl? Weil Humor offensichtlich ein wichtigeres Merkmal unserer Natur ist als Miesmuschelnessen. Das muss ich als notorischer Miesmuschelnesser sagen. Einerseits hat also die Entbehrung mit unserer Natur zu tun. Wenn wir etwas nicht haben, was wir für zu unserer Natur gehörig halten, dann ist die Entbehrung größer, als wenn wir das für weniger zu unserer Natur gehörig halten.

Einerseits hat also die Entbehrung mit unserer Natur zu tun, andererseits hat sie nichts mit unserer Essenz zu tun. Denn wenn ich etwas entbehre, was zu meiner Essenz gehört, dann bin ich bereits nicht mehr derselbe – oder dasselbe.

Am Mittwoch hatte ich die Gelegenheit, die mir Professor Psarros von der Uni Leipzig dankenswerterweise gegeben hat, diesen und anderen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Noch bemerkenswerter finde ich den Gedanken, dass die Entbehrung nur eine individuelle Natur, kein Genus betrifft. Denn die Entbehrung impliziert stets ein Nichtvorhandensein: Wenn Stevie Wonder blind ist, dann ist es nicht der Fall, dass Stevie Wonder die Fähigkeit zum Sehen hat. Das Satzsubjekt ist hier wohlgemerkt ein Individualausdruck. Dass es nicht der Fall wäre, dass einige Sänger die Fähigkeit zum Sehen hätten, wenn einige Sänger blind sind, gilt allerdings nicht. Was mir fehlt, fehlt in Folge dessen nur mir – und zwar aus logischen Gründen.

Es kann daher sein, dass der Humor meinen Artgenossen nicht fehlt. Das macht das Leben in Entbehrung schwieriger. Man ist allein in dem, was einem fehlt. Ein Leben in der Umgebung von Menschen, denen es nicht mal auffällt, dass anderen Menschen andere Sachen fehlen, ist – na ja…

Egal! Zurück zur seriösen Philosophie. Ein schöner Leichenschmaus war’s gestern in den Ammergauer Alpen. Humorvolle, tolle Leute haben ihren Lehrer und Freund auf seiner letzten Reise verabschiedet. Nur einer fehlte. Man kann zwar nicht im Ernst behaupten, dass einer in seiner eigenen Beerdigung fehlte und zwar aus verschiedenen Gründen: Einerseits war er körperlich da, andererseits setzt eine Beerdigung voraus, dass einer in einem Sinn nicht da ist.

Aber das sind keine logischen Gründe.

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When you miss humour you know that you’re definitely in the wrong place. When you miss mussels the suffering is not that big. Why is this? Well, humour is obviously more important to your being human than eating mussels. And I do like mussels. Very much indeed!

Privation, obviously, is akin to our nature. When we miss something of which we think it’s more relevant to our nature, we suffer more than when we miss something of which we think it’s less relevant to our nature. At the same time, privation has nothing to do with our essence. When I miss something which is a part of my essence, I’m somebody else altogether!

Last Wednesday I had the opportunity given to me by professor Psarros of the University of Leipzig to express these and more thoughts on privation. I’m grateful to him for this. One of the thoughts which stroke me most was that, obviously, privation is a characteristic of individuals but not of entities which can be described by generic terms. The reason for this – and a purely logical one – is that privation implies that something is not the case. If Stevie Wonder is blind, then it is not the case that Stevie Wonder can see. However, if I fail to use the individual term and say that some singers are blind, then the subsequent that it is not the case that some singers cannot see is not the case. Privation is always individual.

Of course, this would make life in privation more difficult. Your fellow humans can be unable to miss humour and a life among people who are not used to think that different people miss different things is – well…

Forget it! Back to serious philosophy:

It was a nice funeral yesterday in the Ammergau mountains. Humorous, great people gave their teacher and friend the last farewell. We missed one. Of course, in a way, you cannot say that someone was missing in his own funeral – for several reasons. First of all, he was there. And, secondly, a funeral presupposes the fact that someone’s missing.

Now, these reasons are not logical.

The lonely professor’s nachlass as a problem of multimodal logic

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Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass mein langjähriger Freund und Mentor Hans Burkhardt vor ein paar Wochen verstarb. Zur schnellen Orientierung in der Thematik: Sein Leichnam ist von der Polizeit im Appartment entdeckt worden, wo er allein wohnte; keine Erben; kein Testament.

Der Verstorbene war ein Freund und Schüler Joseph Bocheńskis, des legendären polnischen Philosophen, der im schweizerischen Friburg wirkte und zwei sehr ungleiche Spezialgebiete hatte: Logik und Sowjetmarxismus. Erstere hat er geliebt, letzteren gehasst, was die Motivation hinter Bocheńskis Gutachten gewiss erklärt, das Bundeskanzler Adenauer sehr nützlich für das KPD-Verbot fand.

Das ist alles Geschichte natürlich – eine Geschichte, deren unbekannte Seiten vielleicht in Hans Burkhardts Nachlass schlummern, in einem versiegelten Appartment voller Papierkram, der vielleicht bald zerstört werden wird.

Hans war außerdem jahrelanges Mitglied des Lorenzen-Instituts in Erlangen und anschließend an der LMU. Das macht ihn zum meines Erachtens einzigen Wissenschaftler, der beiden antagonistischen Instituten der deutschen Wissenschaftstheorie angehörte.

Also schrieb ich an Leute, die vielleicht etwas unternehmen können, um den Nachlass meines Freundes vor der Zerstörung zu retten. Was kann ich sonst noch tun als jemand, der nicht in München, sondern in Erfurt lehrt, der auch keinen Rechtsanspruch hat? Ein Freund behauptet, dass ich mehr tun kann, als Emails aus dem Bauch heraus zu schreiben: die Münchener Professorenschaft anders kontaktieren, mit Journalisten sprechen, Leute mobilisieren usw.

Das kann ich alles nur theoretisch. Ich habe eine Familie zu ernähren; eine Karriere zu unterstützen. Dass meine Zuflucht aus dem Land, in dem die Unis klientelistische Zoos sind, ausgerechnet ein anderes Land war, in dem der Träger des exotischen Nachnamens dreimal (nicht zweimal!) besser als ein Einheimischer sein muss, um zu überleben, war nicht meine Wahl. Es hat sich ergeben. Ich meine, dass mein Leben bereits zu schwer ist, als dass ich mich noch mehr mit der Erretung dieses Kapitels deutscher Geistesgeschichte beschäftigen könnte. Ich habe meine Pflicht getan.

Nachdem das Wort „Pflicht“ gefallen war, sagte der Freund, dass Hans die Kantische Ethik hasste.

Das tat er fürwahr! Hans war ein sehr konsequenter Katholik. Sein moralischer Standard war der Heilige, der Selbstlose – nicht der seine Pflicht erfüllende Kantianer. Allerdings habe ich ein philosophisches Argument dafür, dass die chrlistliche Ethik Heiligkeit und Selbstlosigkeit nicht konsistenterweise fordern kann.

Der Selbstlose ignoriert soziale Konventionen. Er geht ohne großes Nachgrübeln die Gefahr einer Scheidung oder eines sozialen Aus ein. Um es zu ermöglichen, dass eine Gemeinde irgendwo in der Dritten Welt einen besseren Zugang zu Trinwasser hat, verzichtet der Selbstlose auf den Geigeunterricht seiner Kinder – keine Frage! Und die Kinder sollen die Violine auch noch verkaufen.

Wenn das aber und Ähnliches gefordert werden kann, dann gibt es Fälle, in denen „A soll p“ impliziert: „A ist unter Beibehaltung dessen, was aus sozialen Gründen nötig erscheint, unmöglich, so zu handeln, dass p“. A muss mit anderen Worten sich selbst und seine sozialen Bindungen überwinden. Wenn die deontische Logik allerdings eine konservative Erweiterung der Logik des aus sozialen Gründen notwendig Erscheinenden ist, dann impliziert die deontische Logik alle sozialen Notwendigkeiten. Nun ist die Forderung an jemanden, heilig zu werden, damit gleichbedeutend, gerade derartige soziale Notwendigkeiten zu überwinden, was offensichtlich einen Widerspruch nach sich zieht. Daher ist es inkonsistent zu fordern, jemand solle heilig werden.

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ENOUGH WITH SCROLLING

As frequent readers of this blog already know, my long-time friend and mentor Hans Burkhardt died a few weeks ago. A quick orientation: the body was found by the police in the flat in which he lived alone, no heirs are left, likewise no testament.

The deceased was a friend and disciple of Joseph Bocheński, the prolific Polish philosopher of the University of Friburg in Switzerland who was an expert in two very unequal fields: logic and Soviet Marxism. He loved the first, hated the second and this is how Bocheński helped chancellor Adenauer in his struggle to have the Communist Party of Germany banned by the Supreme Constitutional Court of back then West Germany.

This is history, of course, but a history whose traces can probably still be read in Hans Burkhardt’s nachlass, in the sealed flat whose content can be destroyed from time to time to give way to new tenants.

Hans was for years also a member of the Lorenzen institute in Erlangen and a member of the LMU institute of philosophy – to my knowledge the only person who participated in both antagonistic schools of German philosophy of science.

I wrote emails to people who might have the power to rescue the nachlass. What else can I do as someone who’s affiliated to another institute and who has with no legal claim? A friend says that I can do more than writing impulsive emails. I should have tried to approach stakeholders, opinion makers, mobilize more people and, and, and…

However, I have a family to support, I have a career to take care of, and the fact that my only refuge out of the country in which the universities are clientelistic zoos was a country in which you have to be thrice (not twice!) as good as a native in order to survive, wasn’t my choice. What I mean is that I live a life that’s too hard to afford rescuing this piece of German intellectual history all by myself. I did my duty.

My friend heard the word „duty“ and said that Hans hated Kantian ethics.

Certainly he did. Hans was a very devote Catholic. His moral standard was the holy person, the selfless, not the Kantian who simply does his duty. However, if Christian ethics demands people to be selfless and holy, then it is not consistent. I have an argument for this. The following:

The selfless ignores social conventions. The selfless would take the risk of a divorce or of a public outcry without regrets. She would prefer to spend the fees for the violin course of her children in order to finance the improvement of the water supply of a community somewhere in the Third World. And her children would have to sell the violin. This shows holiness, of course. But is it consistent to demand holiness? If yes, then „A ought to p“ implies „It is impossible to A under the condition of certain habits considered to be compulsory by society, to act so that p“. But if deontic logic is a conservative extension of the logic of social necessities, then deontic logic implies all social necessities. However, demanding someone to be holy is to demand her to negate some social necessities. This is an obvious contradiction. Therefore, it is inconsistent to demand someone to be holy.

Opening the black box

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Und schon wieder habe ich den Flugschreiber entdeckt.

Der Flugschreiber heißt „black box“ auf Englisch und Verhaltenspsychologen nennen auch die Seele „black box“, meinend: das Undurchsichtige. Letzteres wäre die falsche Assoziation. Mit dem Titel des heutigen Beitrags meine ich eher das Gegenteil. Erinnerungen an liebe Verstorbene sind bei mir wie das Auffinden des Flugschreibers nach einem Flugzeugabsturz im Sinne, dass mir alles viel durchsichtiger, strukturiert, in seiner rechten Ordnung vorkommt. Hier die Witze, da die Bitterkeit, hier die politischen Überzeugungen, da das Persönliche. Das ist mir ein paarmal passiert – ich sehe nicht ein, warum ich schon jetzt Freunde für immer verlieren soll – und es passiert abermals mit meinen Erinnerungen an Hans Burkhardt, der vor einer Woche plötzlich verstarb.

Doppelpromoviert als Mediziner und Philosoph, an der LMU Modalontologie und Leibniz lehrend, in Mereologie publizistisch tätig, für mich war Hans zunächst fachlich, später auch als Freund unersetzlich.

Medizin hatte er im München der 50er Jahre studiert, Philosophie bei Bocheński im Fribourg der 60er. Später schloss er sich dem Erlanger Institut für Philosophie an und verbrachte lehrreiche (in jedem Sinn des Wortes) Jahre just zu der Zeit, als der Erlanger Konstruktivismus weltweit bekannt und von München aus bekämpft wurde. Menschen, die ich in meinen Studentenjahren als graue Eminenzen und lebende Legenden las, waren seine Lehrer oder seine Kommilitonen oder er selber.

Skurrile Geschichten über diese Menschen erzählte er gern, wenn er mal seine Blackbox öffnete: Es waren die Geschichten mit Bocheński in der Rolle des Helden als schrulliger Dominikaner in seinem VW-Bus vor der NATO-Zentrale oder in seiner Mönschskutte im Gespräch mit sowjetischen Diamat-Philosophen. Dann waren die Geschichten mit Paul Lorenzen in der Hauptrolle eines Umwerters aller Werte. Lorenzen, der von Hans mit den Worten zitiert wurde: „Hier machen wir Geometrie, nicht Philosophie“. Warum das ein Witz war, erforderte Insiderwissen. Aus dem Lorenzen-Deutsch wohlwollend übersetzt hieß nämlich diese Aussage so etwas wie: „Hier machen wir konstruktivistische Grundlagen der Wissenschaft, nicht Mystik“. Aber wer Hans kannte, wusste, wie er das Lorenzen-Deutsch verstand. Etwa so: „Hier machen wir konstruktivistisches Abrakadabra, nicht Grundlagen der Wissenschaft“.

Aus den Erlangern war Hans in den späten Jahren nur Wilhelm Kamlah gegenüber noch wohlgesonnen. Kamlah war Wissenschaftstheoretiker und Religionshistoriker – „ein besserer Religionshistoriker als Wissenschaftstheoretiker“. Wie Kamlah, so lehrte auch Hans bis ins hohe Alter. Und wie Kamlah, so respektierte auch Hans die kritisch überdachte Theologie.

Freilich verbesserte die Sympathie für Kamlah nicht das Urteil des Logizisten und Ontologen für den Erlanger Konstruktivismus. Als ich meinen Artikel „The Byzantine Liar“ publizierte, scherzte er, auf die Idee habe man kommen müssen, konstruktivistische Ansätze zur Logik in „byzantinisch“ umzutaufen, um sie lesenswerter zu machen. Es störte ihn an der konstruktivistischen Wissenschaftstheorie die Vermengung von Epistemischem, Heuristischem und Assertorischem – so wie man so etwas von einem Münchener erwartet.

Münchener Linientreue kann ihm aber ebensowenig attestiert werden. „Schelling-Nachfolger“ nannte er scherzhaft die Leute, die nach den 90ern seine Münchener Kollegen waren, wohl wissend, dass das erstens Sprachanalytiker erzürnt; zweitens Schellingianer ebenso, wenn Sprachanalytiker damit gemeint sind.

Wenn du dein ganzes Leben über den Kausalitätsbegriff schreibst und im Vortrag ganz nebenbei zugibst, du weißt nicht, was die Kausalität ist, dann ist das kein Fall des persönlichen Versagens. Es ist ein Fall der schlechten Philosophie.

Hans erforschte, was Erfolgschancen hatte: Mereologische und ontologische Begrifflichkeiten wie „Grenze“ oder „Essenz“ in ihrer Anwendung auf den Organismus und unser Verständnis davon.

– Weißt du, warum es unzählige körperliche Krankheiten gibt, aber unter den Psychosen nur die Schizophrenie und die Depression?

– …

– Schäm‘ dich! Die wichtigste Literatur dazu hast du bereits gelesen und weißt es trotzdem nicht.

– Freud?

– Ach wo! Thomas von Aquin! Die Seele ist einfacher als alles andere. Im Vergleich zum Körper hat sie eben eine einfachere Struktur.

Ich weiß nichts über die Struktur eines Flugschreibers. Ich vermute ein relativ einfach gebautes Gerät, damit es nach einem Absturz intakt bleibt. Ich meine das im Anschluss an Francisco Suárez, der meinte, die Einfachheit der Seele sei ein Indiz für ihre Unsterblichkeit.

Wenn es nicht Hansens Einfluss gewesen wäre, hätte ich nie Suárez gelesen.

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I recovered the black box once again.

Now, if you have to think of the behaviorists‘ black-box metaphor for the psyche, this is the wrong association. It’s rather the opposite I mean. Like in the black box after a plane crash, whenever I think of a dear person who passed away, my memories are clear, structured, ordered like a documentary – unlike other memories that is. Here the jokes, there some bad feelings, here politics, there private matters. It has happened a couple of times with my memories of friends after their death – I’m not already in an age in which I would be supposed to start losing friends for ever, am I? – and this is the way I think of past moments with Hans Burkhardt who passed away last Saturday.

Hans was a PhD. in medicine and a PhD in in philosophy, taught at the University of Munich (LMU) modal ontology and Leibniz and published on mereology. All this made him indispensable in my eyes – as a scholar intially, as a friend eventually.

He studied medicine in the 50s in Munich and philosophy in the 60s in Fribourg with Bocheński. Later, in a period very crucial for the positon of the Erlangen constructivism worldwide, for its rivalry with Munich, in a period in which he learned a lot – in every sense of the word – he joined the Lorenzen institute. People whom I read as a student as living legends or éminences grises were his teachers or his colleagues or himself.

He loved tellings stories about these eminent people whenever he opened his black box. Stories about Bocheński as the strange Dominican monk in his Volkswagen bus in front of the NATO headquarters in Brussels or discussing in his cassock with Soviet dialectical materialists. Then, there were the stories about Paul Lorenzen as a revaluator of all values, being quoted with the following words: „We’re doing geometry here, not philosophy“. This was meant to be a joke from Hans’s side. In Lorenzen’s usage namely the benevolent translation of these words would be: „We’re doing constructivist grundlagen here, not mysticism“. Knowing Hans, however, you knew how he translated Lorenzen’s dictum: „We’re doing constructivist hocus pocus here, not grundlagen„.

In the late years of his criticism against the Erlangen program, he had some respect for Wilhelm Kamlah. Kamlah was a philosopher of science and a historian of religion – „better in the role of a historian of religion than in the role of a philosopher of science“. Like Kamlah, Hans taught until very late in his life. And, again like Kamlah, he was sympathetic towards a self-critical theology.

But even when he expressed a sympathy for Kamlah, Hans was too much of a logicist and an ontology scholar to have a positive judgment towards the Erlangen program. When I published my paper titled „The Byzantine Liar“ his joke was that it’s a perfidious idea to rename constructivist approaches to logic „Byzantine“ in order to make them worthier to be read. What annoyed him in the constructivist philosophy of science was the mixing of epistemic, heuristic and assertoric elements – just like any scholar from Munich is supposed to be.

It would be the wrong impression, however, to say that he toed the line of the Munich institute, to which he moved only in the 90s. He called his Munich colleagues „successors of Schelling“ – the joke makes analytic philosophers angry; and it also makes idealists angry when they know that you also mean analytic philosophers by it.

When you occupy yourself for your whole life with causality only to say in passing that you don’t know what causality is, then no personal failure is the issue. In that case, only bad philosophy is the issue.

Hans investigated questions which had in his mind chances to be solved. Lately he was obsessed about mereological and ontological notions like „limit“ or „essence“ as applied on living organisms and our understanding thereof.

– Do you know why we have a very large number of infections but only two kinds of a psychosis: schizophrenia and depression?

– …

– Shame on you! You’ve read all the essential literature on the matter and you still don’t know.

– Freud?

– What are you talking about? Thomas Aquinas! The soul is more simple than anything else. It’s simply of a simpler structure than the body.

I know nothing about the structure of a black box. I assume that it’s a rather simply structured instrument in order for it to remain useful after a plane crash. My analogy to this would be Francisco Suárez’s view that the simplicity of the soul makes it reasonable to assume that it is immortal.

If it weren’t for Hans’s influence, I’d never have read Suárez in my life.

Hans Burkhardt (*22. Juni 1936 – +2. Mai 2015)

Er hatte Pläne. Wir hatten Pläne.

Ich bin am Boden zerstört und kann’s nicht fassen.

Ein paar Emails aus jüngster Zeit:

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On 20.04.2015 18:34, Burkhardt, Hans wrote:

Lieber Stamatios,

wir sollten jetzt im Mai mit den Treffen beginnen. Zweimal im Monat würde genügen, wenn wir jedesmal 15 Beiträge abhandeln. Da es bisher 131 Beiträge sind, brauchen wir ca 10 Sitzungen.
Danke noch für die Beigabe. Am nächsten Tag habe ich in meinem Auto 4 rote Plastikhütchen gefunden. Das Fest war sehr schön.

Herzlich, Hans

Am 2015-04-23 02:11, schrieb Stamatios Gerogiorgakis:

Lieber Hans,

auf unsere Treffen freue ich mich sehr.

Die Hütchen kannst Du beim nächsten Mal mitnehmen und mir geben. Ich habe mich danach erkundigt, wie diese in dein Auto haben gelangen können. Ich habe drei verschiedene Geschichten gehört. Das werden wir wohl nie endgültig klären.

Beim Fest wurde nicht getanzt. Nikos, mein Schulfreund und Informatiker, hat sowieso nie griechische Tänze getanzt und Ruth hätte ich alles zeigen müssen. Svetlana hätte was gekonnt, weil die Reigentänze auf dem Balkan trotz erheblicher Unterschiede doch Ähnlichkeiten aufweisen, aber sie musste früh gehen.

Auch mit meiner Gitarre bin ich nicht herausgerückt. Ich war wohl viel zu sehr der Bratenexperte und hatte auch in der ganzen Karwoche zu wenig geschlafen. Ich meine, ich habe nicht einmal daran gedacht!

Sag mir, bitte, Bescheid, wann unser erstes Treffen stattfinden soll.

Dein

S.

On 23.04.2015 13:30, Burkhardt, Hans wrote:

Lieber Stamatios,

Schön, daß Du Sich auf die Treffen freust. Übrigens müssen wir uns nicht jedesmal in München treffen. Ich kann gerne mal einen Tag nach Moosburg kommen. Wir entscheiden das jeweils nach den Sitzungen.

Herzlich, Hans

Die Dialektik der Auferstehungsgeschichten

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Im Johannesevangelium wird die Passionsgeschichte mit der Auferstehung des Lazarus eingeleitet.

Ich kann mit Auferstehungsgeschichten leben. Was soll’s: Auferstehungsgeschichten sind ein bekanntes Muster spätantiker philosophischer Erzählungen: Lukian berichtet vom Glauben einiger seiner Zeitgenossen, dass der Zyniker Peregrinus Proteus sich durch ein göttlich machendes Feuer dem irdischen Leben entzogen hätte. Bei Eunapius findet sich eine Formulierung, die die Interpretation zulässt, Porphyrius wäre von Plotin aus dem Tod erweckt worden.

Was mir allerdings speziell an Lazarus‘ Auferstehungsgeschichte unpassend erscheint, ist, dass Jesus ausgerechnet seinen besten Freund zum Aushängeschild seiner Fähigkeit benutzte, Tote zum neuen Leben zu erwecken, statt irgendeinen ihm Unbekannten aus dem Jenseits zu holen. Es ist, wie wenn meine wichtigste Publikation in einer Zeitschrift erschienen wäre, die von meinem besten Freund herausgegeben würde.

Aber man kann natürlich entgegnen, auch die Tochter des Jairus habe er zum Leben erweckt, die ihm ja unbekannt war.

Trotzdem: Wie konnte nur Jesus – Gottes Sohn! – seinen besten Freund dazu verdonnern, gleich zweimal zu sterben? Das ist doch die schlimmste Strafe, die sich der griechische republikanische Politiker Nikolaos Plastiras denken konnte. Lange, nachdem dieser 1922 die frühere monarchistische politische Führung hatte hinrichten lassen, soll er gefragt worden sein, ob er etwas anders als damals tun würde, wenn er Gottes Macht gehabt hätte. Die Hoffnung einer von einer Läuterung zeugenden Antwort soll der ehemalige General mit der Erklärung zerstreut haben, er wolle die Hingerichteten zum Leben erwecken, damit er sie noch einmal hinrichten lassen könne.

Aber wirklich ad absurdum würden Auferstehungsgeschichten geführt werden, wenn sehr alte Menschen davon betroffen wären. Bei ihrem Alter müssten sie bald wieder sterben. Die Prozedur könnte wiederholt werden…

Die neoorthodoxe Theologie spricht ungern von einer wörtlich zu verstehenden Auferstehung. Aber das soll das Thema eines anderen Eintrags werden.

Hoi hex

In John’s gospel the raising of Lazarus stands immediately before the passion.

I can live with resurrection stories. There are late ancient resurrection stories which belong rather to the history of philosophy than to the history of religion. Lucian witnessed the self-immolation (or rather a failed stunt?) of the Cynic Peregrinus Proteus and reports about the faith of some of his contemporaries that the fire was Peregrinus’s way to deification. Eunapius describes an episode from Porphyry’s life in a way which allows for the interpretation that decades prior to his final death the Neoplatonic died temporarily in Sicily to be raised from the dead by his teacher Plotinus.

However, I’m uncomfortable especially with Lazarus‘ raising. Jesus shows his power by taking advance of his best friend’s death – in fact using his best friend as an instrument. This is as if my best publication had been in a journal edited by my best friend.

Of course there is the counter-argument that Jesus also raised Jairus‘ daughter, a girl with whom he had no acquaintance before.

But this gives me rather one more reason to feel uncomfortable about Lazarus‘ raising. How could Jesus – God’s son! – make his best friend die twice? This is the worst torment which the Greek republican politician Nikolaos Plastiras could imagine! Formerly an army general, Plastiras overthrew monarchy in 1922 and pulled the strings behind the execution of the monarchist political leadership which he thought responsible of a lost war and the expatriation of one-and-a-half million Greeks from Asia Minor. The legend says that many years later Plastiras was asked if he felt sorry about the executions and what he would do if he was given God’s powers. To which he replied that he would gladly raise the executed from the dead only to have the pleasure to sentence them anew to death.

This brings me to the next point: Resurrection stories can be absurd if the resurrected are highly aged. They would have to die soon after resurrection. And the procedure could be repeated…

The new orthodox theology prefers not to speak of a resurrection in the  literal sense. But I’d like to keep this topic for another posting.

 

Euthanasia

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Die etwa 20 Treffer der Datenbank Thesaurus Linguae Graecae, die die verschiedenen Flexionsformen des Terminus „euthanasia“ ergeben, können jeden sprachkundigen Leser überzeugen, dass dieser Begriff in der Ursprungssprache eng mit der eugeria, mit dem würdigen Altern also, eng zusammenhängt und den schmerzlosen natürlichen Tod bezeichnet. Die Archäologie bestätigt inzwischen, dass Platons (Republik 460 c) und Aristoteles‘ (Politik 1335b) Empfehlungen, nicht lebensfähige oder behinderte Kinder dem sicheren Tod zu überlassen, nicht bloß Hirngespinste im Kopf herzloser Philosophen waren. Allerdings wurde dieses Morden im alten Griechisch nicht als Euthanasie verharmlost.

Wir, meine Frau und ich, begannen am 8. November nach einem Artikel in der Süddeutschen über die möglich erscheinende Zulassung der Kinder-Euthanasie in Belgien, über die Euthanasie zu reden. Die Diskussion dauert bis heute an, weil ich lieber über Euthanasie als über meine Stimmung nach meinem abgelehnten Projekt rede – einem Fall der Dysthanasie. Meine Frau meinte, dass unser heutiger Euthanasie-Begriff keine Ähnlichkeit mit dem Euthanasie-Begriff der NS-Diktatur hat. Das sah ich anders. Die Ähnlichkeit ist die zweier eineiiger Zwillinge.

Eine Woche später kam sie aus einer Tagung über die Ermordung von Behinderten durch die Nazis nach Hause und legte mir das Faltblatt mit dem Tagungsprogramm vor. „Euthanasie“ steht dort in Anführungsstrichen. Auf die moralische und archivrechtliche Dimension der Frage, ob die Namen der damals Ermordeten veröffentlicht werden dürfen, oder ob ihre Familien zu Recht einer „Stigmatisierung“vorbeugend sich der Publikation eines Gedenkbuches erwehren dürfen, möchte ich hier nicht ausführlich eingehen. Ich finde solche Gefühle von Familienangehörigen eine bejammernswerte mittelbare Rechtfertigung der Morde. Ich finde den damit zusammenhängenden Intelligenz- und Effizienzkult nicht hinnehmbar.

Es ist wahr, heute sind die Menschen, die von den Nazis im Sinn von deren“Euthanasie“ ermordet wurden, keine Fälle für die Euthanasie. Da gibt es natürlich einen Unterschied zwischen Euthanasie heute und „Euthanasie“ damals. Aber die utilitaristische ultima ratio der Beseitigung einer angeblich entwürdigten Existenz bleibt dieselbe.

Noch schlimmer: Wenn die Euthanasie-Anhänger ihre utilitarischen Argumente gegen das Leben von Menschen vorbringen, die sich nicht verteidigen können, überlegen sie nicht, ob sie in ihren Kosten-Nutzen-Kalkül den Gesamtnutzen aus dem Fortbestehen eines Menschenlebens miteinbeziehen. Ich finde, vielzuoft vergessen sie nämlich das Glück Dritter am Leben der Euthanasie-Kandidaten mitzuberechnen.

Ich meine, dass der Fall Schiavo seinerzeit genau das zeigte: Dass die Kosten-Nutzen-Analyse für die Euthanasie selbst utilitaristischen Kriterien nicht genügt.

Es gibt vielleicht einen Unterschied zwischen Euthanasie und „Euthanasie“; einen winzig kleinen…

Euthanasie

In the entire history of the Greek language from the 8th c. BC to the 15th c. AD, there are no more than 20 occurences of the term“euthanasia“ in different flexion forms. I used the ultimative instrument to discover this, the data bank Thesaurus Linguae Graecae. What is more, is that these occurences very often associate euthanasia with eugeria, with getting older in dignity. Euthanasia means painless dying of a natural death. Archaeologists are today in the position to verify that Plato’s (Republic, 460 c) and Aristotle’s (Politics, 1335b) recommendations to expose newborns who were disabled or with no chances to survive weren’t just considerations in some philosophers‘ heads. This killing, however, didn’t bear the euphemistic name „euthanasia“.

I began talking about euthanasia with my wife on November 8th after an article in a German daily – an article which was sympathetic to a petition of 16 Belgian physicians to the government to allow the euthanasia of minors. The discussion continues until now because I prefer to talk about euthanasia than about my mood after the rejection of my project – which was a case of dysthanasia. My wife said that there is no resemblance between our notion of euthanasia today and the notion of euthanasia under the Nazis. I disagreed. The two notions resemble each other as much as two monozygotic twins.

One week later she came home from a conference on the murdering of disabled people by the Nazis and gave me the leaflet of the conference on which „euthanasia“ was written in quotes. I shall not enter into the details of the moral and legal topic concerning the question whether the names of the victims should be published or not – the latter in order to save the families the stigma of having had a member with the Down syndrom, for example. I find that being sensitive towards the feelings of the families in this respect mediately justifies the killing. To my mind, the cult of intelligence and efficiency which goes with feelings of this kind is not tolerable.

It’s true, today our euthanasia-candidates are not those whom the Nazis had in mind. Does this make a big difference between euthanasia and „euthanasia“? I don’t think so. The utilitarian ultima ratio behind the liquidation of lives which are allegedly deprived of dignity remains the same.

Much worse, when the supporters of euthanasia formulate utilitarian arguments against the life of human beings who cannot defend themselves they fail to calculate the entire utility involved in the continuation of this life. They constantly forget to calculate the happiness of the parents and friends of the euthanasia candidates if these stay alive. Like the Schiavo case demonstrated, the cost-benefit-assessment of euthanasia can fall too short even of the utilitarian moral standards.

Perhaps there is some difference between euthanasia and „euthanasia“; a minimal one…