Diversität

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Je mehr sich die postcolonial studies an den philosophischen Fakultäten etablieren, desto fester lastet der Druck auf den Schultern klassisch gesinnter Universitätslehrer von altehrwürdigen Fächern, ihren Wissensanspruch zu relativieren. Um es mit den Worten des Erfurter Professors für Islamkunde Jamal Malik auszudrücken: “Was ist, wenn ich die Geltung Ihrer westlichen Rationalität anzweifle, Herr Kollege?”

Die Frage ist viel netter als man denkt – selbst wenn sie am Ende meiner Lehrveranstaltung vor einer Tafel voller logischer Symbole gestellt wird. Denn Maliks Nachdruck gilt stets dem Ausdruck “Herr Kollege”.

Trotz humorvollen Umgangs und offener Zuneigung sehe ich etwas Explosives, wenn fachliche Präferenzen als Kulturunterschiede interpretiert werden. Denn die Kultur hat etwas Unzugängliches. Man kann sie schlimmstenfalls nicht mitteilen. Sie ist eine Lebensform, ein “harter Fels, an dem sich mein Spaten zurückbiegt” (Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, § 217). Akademische Debatten sollten dagegen auf Durchsichtigkeit und ausnahmsloser Mitteilbarkeit basieren.

Gewiss wäre es ein performativer Widerspruch von Seiten eines Postkolonialen, den “Westler” zum Umdenken zu bewegen; ihn für sich zu gewinnen. Denn der “Westler” hört nur auf “westliche” Argumente und diese kann ihm der Postkoloniale nicht anbieten, ohne selber “Westler” zu werden. Der Postkolonialismus verlangt Diversität.

Der Westen kommt ihm entgegen. Aber was der Westen mit “Diversität” meint, gleicht eher der Inklusion. Denn der “Westler” sieht keinen performativen Widerspruch im Versuch, Dissens im Sinn “westlicher” Rationalität zu formulieren.

Inklusion entspricht allerdings nicht immer den Wünschen des Inkludierten. Ich habe ein persönliches Beispiel dafür: Teil meines Wehrdienstes verbrachte ich auf Syros, einer griechischen Insel mit römisch-katholischer Bevölkerungsmehrheit. Nach langen Jahren der Unterdrückung der Katholiken durch den griechischen Staat befand ich mich dort zu einer Zeit – der ich Langlebigkeit wünsche – in der Kirchen und Staat bemüht waren, beide Gemeinden zu einem Leben miteinander hinzuführen. Also wurde der Truppe im Sinne einer Inklusionsmaßnahme befohlen, gemeinsam die Messe zu besuchen – die orthodoxe, versteht sich… Es gab katholische Kameraden, die von ihrem Recht auf Diversität sprachen, das durch die Inklusionsmaßnahme verletzt worden sei. Überrascht war ich dadurch nicht.

Unlängst habe ich versucht, ein paar von Maliks Studenten für mein Gottesbeweise-plus-induktive-Logik-Seminar zu gewinnen. Es gibt schließlich auch gute Inklusionsmaßnahmen, die Diversität zulassen. In diesem Kontext lautet die wichtigste Frage nicht, ob wir unterschiedlich sein wollen, sondern wie unterschiedlich wir sein wollen.

Quiz für die Leser: Welcher ist der katholische und welcher der orthodoxe Stadtteil von Syros und was sind die Unterschiede auf den ersten Blick?

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Postcolonial studies have a sting: The more they get established in the humanities, the more they force mainstream teachers of sacrosanct subjects to relativize their positions. Jamal Malik, the Islam expert of the University of Erfurt, says: “Suppose I contest your western rationality, dear colleague!”

Even if the remark is made after my class in front of a blackboard full of logical symbols, I still feel comfortable. The reason is that his emphasis is always on “dear colleague”.

Despite humour and open sympathy I do see something explosive when preferences in theory are interpreted as differences in culture. Culture has an ineffable element like Wittgenstein’s form of life: the “bedrock ” against which “my spade turns”(Philosophical Investigations, § 217). Debates in academia should be transparent and open to communication.

But I’m not sure if a postcolonial scholar would care whether I understand him or not. I even suspect that he would see attempts to persuade “westerners” as performative contradictions. “Westerners” are supposed to listen to “occidental” arguments and arguing in this way would make a postcolonial scholar a “westerner” himself. Postcolonialism demands diversity.

And this is what it gets in the “West”. However, what the “West” calls “diversity” is rather another word for inclusion. It is namely no performative contradiction for the “westerner” to formulate dissent in terms of “western” rationality.

Inclusion is fine if you want to be included. However, this is not always the case. I would like to mention a personal example. I spent some time during my military service in Syros, a Greek island with a Roman-Catholic local majority and an Orthodox local minority. I happened to be there not long after the end of a deplorable era in which the Catholics had been suppressed and exposed to assimilation pressure. But since now the two churches and the Greek state help the communities get over the traditional trenches, we, the troops of the island, were ordered to attend the mass together – of course the Orthodox one… Some Catholic brothers in arms (and in Christo) murmured about their right to diversity which the inclusion policies had offended. I wasn’t surprised.

I’ve tried to convert some of Malik’s students to attend my seminar on inductive logic and proofs on the existence of God. I thought that there are kinds of inclusion which do allow for diversity after all. In our context, the most important question is not whether we want to be different. The most important question is how much different we want to be.

I have a quiz for my readers: which is the catholic and which is the orthodox quarter (see image above) and which are the apparent differences?

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Individualität

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Ich habe nichts gegen Individualität – ich bin z.B. individualpsychologisch vorgeprägt. Es ist mir bloß wichtig, dass die Wähler sich darüber im Klaren sind, dass “Bürgerrechte auf Individualität und Selbstbestimmung im Lebensalltag”, wie sie der neue FDP-Chef fordert, von allein keine Vielfalt im Lebensalltag garantieren. Es gilt vielmehr, die Menschen so zu bilden, dass sie ihr individuelles Glück nicht in einem grauen, von mir aus auch in keinem grau-silbrigen Einerlei suchen.

Autos

I’m the last person who would have something against individuality. Individual psychology was the doctrine which set the basics of my education at the primary and secondary school. At the same time I would feel much more comfortable if I knew that the voters know that the urge of the new leader of the German Free Democrats for more “individuality and self-determination in everyday life” doesn’t automatically imply respect for diversity. What I see as a priority is an education which enables people not to seek their individual comfort in a grey uniformity – or a silver-grey uniformity, I don’t care about the colour itself…

Educating educators

Novemberhimmel

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Der Titel dieses Beitrags ist eine Bezeichnung dessen, was ich fürs Leben mache. Das macht Spaß und es verspricht, dass die schwarzen Novemberwolken der Unbildung über unseren Köpfen sich nicht ausbreiten, vielmehr dem klaren Himmel weichen.

Ohne mit Politik direkt zu tun zu haben, ist es eine politische Arbeit. Denn sie schließt die Zerstreuung zweier Missverständnisse der Öffentlichkeit in puncto Bildung mit ein.

Ich muss darauf bestehen, dass Bildung und Ausbildung zwei verschiedene Sachen sind und auf keinen Fall Synonyme. Guido Westerwelles unerträgliches Unwort: “Bildung-Ausbildung” gehört in den linguistischen Mülleimer.

Ich muss mich ferner, wenn ich meine Tätigkeit nur halbwegs ernstnehme, in den auch politischen Kampf gegen diese verbreitete Barbarei einbringen – ich meine die Vorstellung, dass die heutige Schule eine Institution im Dienst des Survival of the Fittest wäre. Das sage ich ganz besonders mit Hinweis auf die von Thilo Sarrazin aufgerollte Diskussion über völkische IQ-Tests oder wie auch immer er sie nennt. Die Schule ist vielmehr eine Institution in der Tradition der Aufklärung. Die darwinistische Pädagogik, so wie sie von Elsbeth Stern und Henning Scheich vertreten und unterstützt wird, die statt mehr Inklusion ein soziales Apartheid einrichten will, ist kein akademisches Fach, sondern ein Kategorienfehler, dessen Wurzeln im Unwissen über das aufklärerische Wesen der Schule liegen.

Die neue PISA-Studie, die geradezu unter Liberalen und Linken in Deutschland als Gallionsfigur zur Verbreitung dieser beiden Missverständnisse dient, erscheint in ungefähr einem Monat. Ich kann die aufkommende Hetze schon jetzt nicht ertragen und muss die Lehrer bilden.

The title of this posting is a description of what I’m doing for living. It’s fun and it promises that the dark November clouds of ignorance above our heads will give way to clear skies.

It’s a job which doesn’t have directly to do with politics, nevertheless a “political” job. It involves the attempt to dissolve two misconceptions of the public concerning education.

In my job I have to insist that education and qualification are two distinct things and that the two terms are no synonyms. Guido Westerwelle, the German foreign minister, loves to pronounce the two as if they were one single German word which in English would sound like “educationqualification”. I hope that he will find no imitators in this.

Further, if I take my job only a bit seriously I have to be engaged in the struggle against a very barbaric view – I mean the idea that the school today is an institution which serves the survival of the fittest. I’m writing this under the impression of the suggestions of the member of the German Socialdemocrats Thilo Sarrazin for an “education” which helps the German population to “beware” of the minorities of Germany… The school is an institution in the tradition of enlightenment. Darwinist pedagogics in Germany, supported nowadays by Elsbeth Stern and Henning Scheich, scholars who demand less diversity and less inclusion and a kind of social apartheid, is not an academic discipline! Category mistakes cannot be academic disciplines! And when we’re talking about a democratic institution whose roots are in enlightenment, it is a category mistake to argue (explicitly – this is not a façon de parler!) for raising more hurdles in form of IQ-tests for students in the age of 12 and for artificially increasing stress to make the human organism release more dopamine and achieve learning by biological manipulation…

The new results of the Programme for International Student Assessment which are traditionally used in Germany by Liberals and Leftists to back and put forth these misconceptions will be published in about one month. I see it coming, the smear campaign of those who want the German schools to resemble the German highways – speedy, aggressive, dull. And I have to educate the educators.