The self I once was and the stuff he believed in


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Es war noch ein folgenschweres Argument von Quine, gleichzeitig die Pointe seines Kampfes gegen den Propositionalismus: Du sollst nicht über ganze Sätze quantifizieren, denn Ereignisse sind keine DINGE, die Sätze als NAMEN hätten.

Es war eine Art Erziehung in unserem Verständnis des T-Schemas: Mit dem T-Schema sei keine allgemeine Wahrheit über Sätze, sondern eine Abkürzung immer eines bestimmten Satzes der Metasprache zu verstehen. Nun lässt bekanntlich Erziehung nicht auf die Wahrheit dessen zurückschließen, zu deren Annahme man erzogen wurde.

Sätze sind Dinge, eben Funktionen, mit einem Wert und mit allem drum und dran. Wie die Waren mit ihrem Preis, so werden Sätze gehandelt entsprechend ihrem Wahrheitswert. Zwar macht das die Ereignisse nicht zu Dingen, aber dadurch, dass die Sätze Dinge sind, haben sie Namen. Geschriebene Sätze sind etwa Namen von Lauten (unsere Buchstaben bezeichnen ja Laute, keine Gedanken). Dass diese Namen nicht Namen der entsprechenden Ereignisse sind, würde nur gehen, wenn die Transitivität nicht gilt. Aber warum sollte sie nicht gelten?

Davidson pflegte die Nutzung von Quantoren mit Sätzen als Anwendungsgebiet „fraud“ zu nennen. Es stört mich, dass ich dieselbe Person bin wie dieser Student in München, der des Meisters Standpunkt durch und durch einsah.


Enough with scrolling

If Quine’s argument against propositionalism is correct (ergo quantification of sentences is a fraud), events aren’t THINGS with sentences as NAMES.

We were brought up like this – a whole generation of logicians and philosophers. We learned to understand the T-schema as bringing individual sentences and their truth conditions together, not as a general truth on language and it’s sentences.

However, being  brought up in a certain way is not evidence for truth. Even if events aren’t things, sentences, like all functions, surely are. And, like all functions or commodities, they have values: truth values. Further, like many things, spoken sentences have names, i.e. graphical depictions in scripture – letters are names of sounds! I can’t help myself thinking that unless transitivity doesn’t hold (but why shouldn’t it?) these graphic depictions are names of events.

I just fail to see, then, why quantifying over variables that can be satisfied by denotates of such names, is, to use the word Donald Davidson used, a fraud.

It annoys me that my previous self thought he saw the point.

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Nubes Aristophanicae


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Per Facebook verkündete der Leipziger Kollege, er sei im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, trete gleich einen Flug nach Athen an.

Was er nicht wusste: Gerade eben war meine Maschine von Basel-Mülhausen in Frankfurt gelandet, sein Flug war mein Anschlussflug. Das zufällige Treffen beider wichtigsten analytischen aber antipositivistischen, ursprünglich Athener Philosophen aus den Neuen Bundesländern (je mehr unsere Attribute, desto mehr unsere Chancen, die besten zu sein) fand über den Wolken statt.

Die Disputationsthemen:

Ist die Intelligenz unabhängig von der Tugend? (alias: Gibt es einen Politiker namens Ioannis Varoufakis?)

Kann jemand autoritär aber lächerlich sein? (alias: Gibt es einen Politiker namens Alexios Tsipras?)

Kann der Philosoph naiv sein? (alias: Gibt es griechische Philosophen heute?)

Auf einmal lautete es im Flieger: „Ladies and gentlemen, this is the captain speaking, welcome to Venizelos-Airport Athens“.

Das Ende der philosophischen Reflexion war buchstäblich und metaphorisch eine Landung. Das kann natürlich laut Davidsons Metapher-Lehre nicht sein: Keiner Sache kann gleichzeitig buchstäblich und metaphorisch ein-und-dasselbe Prädikat zugeschrieben werden. Vielleicht hatten wir ein Gegenbeispiel da.


Enough with scrolling

I liked a colleague’s post in facebook: Nikos Psarros flies from Frankfurt Airport to Athens. He liked the fact that I liked the fact that he was about to fly but he didn’t know why I liked the fact etc.

I had just landed in Frankfurt myself coming from Basel and heading to Athens. His flight was my connecting flight. The two most important analytic but anti-positivist philosophers of Greek origin and faculty members in the former GDR (the more our attributes, the greater our chances to be number one) met above the clouds.

We had brainstormings on the following topics:

Can an intelligent person lack virtue? (alias: Is there a politician named Ioannis Varoufakis?)

Can a ridiculous person be authoritarian? (alias: Is there a politician named Alexios Tsipras?)

Can a philosopher be naïve? (alias: Is there a thing like a philosophy authored by Greeks today?)

Suddenly, we heard the captain speaking, welcoming us to Venizelos-Airport Athens etc.

We called the end of our philosophical reflection a landing. Literally and metaphorically. Perhaps this is a counter-example to Davidson’s theory of metaphor. If Davidson is right, nothing can have literally AND metaphorically the same predicate.

Spooky minds

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Die Philosophie des Geistes ist nicht mein Metier und ich hatte auch nie die Ambition, irgendwas richtig Originelles dazu beizutragen. Im Gegensatz zur philosophischen Logik oder auch zur Religionsphilosophie ist sie ein für meinen Geschmack zu spekulativer Gegenstand mit mafiaähnlichen, polemisch argumentierenden Lobbys.

Das bedeutet nicht, dass ich keine Meinung zu den Problemen der Philosophie des Geistes hätte. Ich behaupte zwar, dass sie nicht besonders beeindruckend oder durch und durch fundiert ist, meine Meinung, aber sie ist wenigstens reflektiert und im Einklang mit meinem Leben.

Sie ist eine Art Monismus soft. Wir sind im Großen und Ganzen unser Leib, aber nicht alles Mentale ist auf den Leib reduzierbar. Wer wissen möchte, warum ich so denke, sollte am besten Aristoteles, Donald Davidson und Martha Nussbaum lesen.

Damit stelle ich meine orientalische Rechtgläubigkeit auf den Prüfstand. Nun bin ich orthodoxer Christ lediglich kurz vor und nach Ostern, aber in ein paar Sachen bin ich orthodox das ganze Jahr. Starke Formen des Dualismus wie etwa den von der Fegefeuerlehre vorausgesetzten halte ich für dubiose scholastische theologumena. Das Ende des Lebens von x ist das Ende der mentalen Prozesse von x.

Trotzdem denke ich, dass es dualistische Rechenschaften über unseren Geist gibt, die kohärent und vielleicht auch adäquat sind.

Pädagogische Maßnahmen vom Schulbesuch bis zur Theatervorstellung basieren etwa auf der Grundannahme, dass die Menschen zur Freiheit herangeführt werden können und zwar durch ihre Fähigkeit, sich selbst zu bilden, zu verändern, zu formen, zu finden – hier lasse ich den performativen Widerspruch des Lehrers als Anführers zur Freiheit außer Acht.

Mich selbst formen kann ich nur wenn ich ein Ich besitze oder wenigstens die Anlage dazu. Analytische Psychologen nennen diese „Es“ und zeichnen ein Bild davon, das weniger chiaro und mehr scuro ist.

Wer nicht als der Caravaggio, sondern als der Giotto der Psychopädagogik gelten will, der erzählt in platonischer oder steinerscher Manier, woher die von der Umgebung unabhängige Seele kommt. Die Ideen- oder die Reinkarnationslehre sind in dieser Hinsicht Säulen, die einen konsistenten pädagogischen Ansatz stützen.

Seit ein paar Wochen stelle ich in meiner waldorfpädagogischen Lektüre fest, wie nebensächlich die wissenschaftstheoretischen Probleme in diesem Kontext sind.


Enough with scrolling

Philosophy of mind has never been my cup of tea: too speculative, too many variables, and too mafia if you have something that you think is publishable…

The unpleasant sides of academic publishing notwithstanding, I do have my own views on the subject and they simmer down to a preference for a soft monism: matter matters but the mind is not wholly reducible. I mean, even in times I don’t necessarily affirm Eastern Orthodoxy – I’m Greek Orthodox mostly before and after Easter – I take death – Orthodox style – to be the end also of mental processes, the purgatory to be a dubious Roman-Catholic theologumenon. Nevertheless, I still think that the contents of our minds, even our emotions, can get independent of the consciousness that monitors them – Aristotle, Donald Davidson and Martha Nussbaum being here my heroes.

But as I read more and more Steiner’s pedagogical and anthropological writings – which I do on Mondays in the last weeks – I find that even spooky dualism has a point.

For, let’s say that your anthropology and understanding of education contains the quite reasonable premise that you can teach young people to be free, i.e. to be different than their parents (since you determine them to be free there’s a logical issue here, but let’s not get into it – at least not now). Freedom implies a nondeterministic description of the behaviour of the free – focusing on chance or on something the free curry with them independently of any environmental influences they receive. Psychoanalysts call this thing your subconscious and give a very dark picture of it.

Of course, you can avoid giving the psychoanalytic Caravaggio and try to brush some bright colours into the darkness. If you do so and find yourself speaking about the origin of what this nondeterminate thing in you is, you’ll be tempted to use a Platonic or a Hindu picture.

I don’t say that this picture has to be true. I just claim that incarnation or reincarnation can imply consistent stories under certain premises.

On the very idea of militant provincialism

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An ein Jubiläum möchte ich erinnern: Donald Davidsons Aufsatz „On the Very Idea of a Conceptual Scheme“ war ein großer Meilenstein in der von Davidson und Quine bereits einige Zeit davor ins Rollen gebrachten Diskussion über Wahrheit, Interpretation und Übersetzung.

Davidson argumentiert, dass es keinen Sinn ergibt, zwei verschiedenen Sprechern unterschiedliche Verwendungen von Begriffen zu unterstellen. Denn entweder kommunizieren diese erfolgreich, oder, selbst wenn sie aus der Sicht eines Dritten nicht erfolgreich kommunizieren, kommunizieren diese wenigstens nach ihrem eigenen Dafürhalten erfolgreich, solange sie einander als Diskussionspartner akzeptieren – und zwar selbst im Streit.

Leser dieses Blogs wissen, dass ich ein Semester lang in Davidsons Oberseminar in München staunen musste, wie klug dieser Mensch war. Damals konvertierte ich zum Pragmatisten. Es war keine Offenbarung, denn alles hatte ich schon vorher gelesen und Quine und Davidson hatte ich bereits als Student reden gehört. Aber sagen wir, dass ich mit 27 soweit war, den Sprung von meinem bisher heldenverehrenden Kantianismus zum logischen Pragmatismus zu wagen.

Zwanzig Jahre später und vierzig Jahre nach Davidsons Artikel habe ich eine sommerliche griechische Geschichte, die meine damalige Konversion als etwas Naives vorkommen lässt:

Ein paar deutsche Touristinnen haben sich irgendwo an der Ägäis verlaufen und wollen sich nach dem Weg bei einem Einheimischen erkundigen. Sagen wir, dass der erste, den sie treffen, Savvas heißt. Sie stellen ihm die Frage nach dem Weg ins Nachbardorf auf Deutsch aber Savvas versteht sie nicht, da er kein Deutsch versteht. Sie stellen dieselbe Frage auf Englisch, aber Savvas versteht auch kein Englisch. Sie stellen schließlich die Frage auf Französisch, aber Savvas spricht auch kein Französisch. Syros, ein guter Freund von Savvas, betrachtet die Szene aus der Nähe und nachdem die polyglotte Clique in Ratlosigkeit und geknickter Hoffnung weggezogen ist, sagt er:

– Du Savva, wir sollten vielleicht eine Fremdsprache lernen.

Worauf Savvas antwortet:

– Was hätten wir davon? Haben die etwa mit ihren drei Sprachen mit uns kommunizieren können?

Aus der Geschichte ziehe ich in bezug auf Davidsons legendäres Argument eine Lehre. Ja, Davidson zeigt, dass es ein pragmatisches Argument dafür gibt, dass die Sprecher einer Sprache stets kommunikativ bleiben. Aber es gibt folgendes, ebenfalls pragmatisches Argument dagegen. Was Savvas meint ist: „Weder verstehe ich, was ihr sagt, noch bin ich bereit, mich an eure Verwendung von Begriffen anzupassen. Ich bewege mich keinen Millimeter von meinem Kommunikationssystem und ihr müsst euch voll anpassen“. Noch ist es natürlich möglich, dass die Sprecherinnen, die mit Savvas interagieren, das als Herausforderung annehmen. Aber das ist nur unter bestimmten pragmatischen Voraussetzungen möglich, zu denen eine Vorliebe zum Dominiertwerden gehört.

Nicht jeder erfüllt diese Voraussetzung und es ist sogar moralisch unstatthaft, diese Voraussetzung zu erfüllen.

Die Diskussion um das Begriffsschema vor vier Jahrzehnten ließ die Herrschaftsstrukturen der Kommunikation völlig außer Acht. Dass ihre Resultate über den Austausch von Gedanken unter Menschen maßlos optimistisch sind, ist wohl auch davon abhängig. Die Feststellung: „Wir können doch nur reden, wenn ich mich voll aufgebe“ ist ein sehr gewöhnlicher Hintergrund misslungener Kommunikation. Kein Savvas motiviert eine polyglotte Clique dazu, sich anzupassen. Im Gegensatz bringt er sie dazu, sich der Kommunikation zu verschließen und woanders ihr Glück zu suchen.

Wenn die Menschen der Meinung sind, jeder Versuch zu kommunizieren sei schade um die Wörter, dann haben sie im Endeffekt verschiedene, weil die Kommunikation schließlich nicht ermöglichende Begriffsschemata.

Conceptual scheme

The year 2014 marks the 40th anniversary since the publication of Donald Davidson’s article „On the Very Idea of a Conceptual Scheme“ -a great milestone in the discussion on truth, interpretation and translation which the author together with Quine had launched earlier.

Davidson’s argument was that it doesn’t make sense to assume that any two speakers of any language have two different conceptual schemes as long as they communicate. Either they communicate efficiently or, even if they don’t on your opinion, they must communicate with some efficiency after all, since they consider each other to be a communication partner – and this even if they are in dissent.

Readers of this blog would remember that, for a couple of months, I visited Davidson’s courses in Munich. I was and remain persuaded that he was a very bright person who converted me to pragmatism. No revelation, actually – I had already read a lot and it wasn’t even the first time that I attended some lecture of Quine or Davidson live. Let’s say that in the age of 27 it was about time for me to see the worshipping of heroes as something alien to philosophy. I found logical pragmatism a quite reasonable alternative to Kantianism.

Twenty years later and forty years after the publication of Davidson’s paper I have a Greek summer tale which makes my back-then conversion seem naive:

A couple of German tourists lose their way somewhere in the Aegean. The first native who comes by happens to be a person, let’s call him Savvas, who understands only his mother tongue. The tourists ask for the way in German to receive, of course, no answer. Their question in English remains also unanswered. Finally, they ask in French – with the same result. Syros, Savvas’s good friend, observes the scene and, after the tourists go on their way of which they don’t know if it gets them where they want to get, he remarks:

– Savva, we should learn a foreign language.

To which Savvas replies:

– What would be the benefit of doing so? Did their three languages enable them to communicate with us?

The lesson to be learned from the story – a lesson pertaining to Davidson’s legendary argument – is the following: Yes, Davidson shows that there is an argument from pragmatics for the conclusion that there are no speakers of any language who would be divided into different conceptual schemes. At the same time, there is, however, an argument from pragmatics against this. Let’s dwell on what Savvas means in plain text: „I don’t understand what you say and I’m not willing to adapt to your usage of concepts. I won’t budge an inch from my stance and you have to fully adapt to my standard“. This leaves the possibility open that the speakers who interact with Savvas take the challenge. However, this is only possible on a series of pragmatic conditions one of which is a preference in being dominated.

Not everyone fulfils this condition. Besides, fulfilling it, is generally held to be morally false.

The conceptual-scheme debate has left issues concerning communication as a power structure unaddressed. I think that this is to blame for the overoptimistic results of the debate. Against these results, realizing that „We can only talk if I totally deny myself“ lies on the basis of failed communication. The Savvas’s of this world wouldn’t motivate anyone to adjust. Rather they would make them quit and try to get happy somewhere else.

Finding the attempt to communicate pointless is, after all, having different, because effectively not communication enabling conceptual schemes.

Esse et videri

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Wer seine Dissertation bei Kluwer, de Gruyter, Oxford University Press oder Routledge untergebracht hat, der ist wer; wer nicht, der gilt bestenfalls als nicht professorabler Typ mit interessanten Gedanken – so der neue Trend.

Die Markenverlage – mit ihrer von der Wissenschaft unabhängigen Programmpolitik – fungieren als Gütezeichen für faule Gutachter. Denn, wenn das Buch bei den genannten Verlagen erschien, muss es gut sein, und da braucht der Gutachter nicht gründlich zu lesen – so jedenfalls der Mainstream.

Einerseits ist das kein Grund zum Ärgernis, wenn man bedenkt, dass Klamotten mit Krokodils-, Medusenkopf- und Pferd-mit-Jockey-Signet ähnlich beurteilt werden.

Nur: Hinter dem Wissenschaftsbetrieb sollte man eine andere Denkungsart vermuten dürfen als hinter dem Konsum von Modeklamotten.

Zum Vergleich: Karl Poppers Diss (Zur Methodenfrage der Denkpsychologie, Uni Wien, 1928) ist immer noch unveröffentlicht und Quines und Davidsons Dissertationen (The Logic of Sequences, Uni Harvard, 1932; Plato’s Philebus, Uni Harvard, 1949) erschienen erst 1990 bei einem Verlag, als die Autoren bereits weltweit berühmt waren.

Verlage und Klamotten

The new trend is that the ones whose PhD theses get published in Kluwer, de Gruyter, Oxford University Press and Routledge are on the route to a tenured position before they even thought of staying in academia. The others are guys with interesting thoughts.

The agenda of topbrand publishers is not controlled by a quality-assurance procedure which would be worthy of science’s dignity. However, lazy members of appointment committees see the publisher’s logo as a sign of scientific probity – and as something which spares them the pain of reading carefully.

When I think that this is exactly the way in which the consumer behaves towards clothing items with crocodiles, Medusa heads and horses with jockeys on them, I fail to find a reason to wrangle over appointment committees.

However, scientific probity should be a realm with standards different than those which are predominant in shopping malls.

A comparison with good old times: Karl Popper’s PhD thesis (Zur Methodenfrage der Denkpsychologie, University of Vienna, 1928) is still unpublished today. Quine’s und Davidson’s PhD theses (The Logic of Sequences, Harvard, 1932; Plato’s Philebus, Harvard, 1949) were published only in 1990 after both authors had long become worldwide celebrated philosophers.

Ein Blick auf den Südhof, ein Rückblick und ein Philosoph

Wann ich zum vorletzten Mal – d.h. zum letzten Mal vor dem gestrigen – in einem Seminarraum des LMU-Hauptgebäudes war, weiß ich nicht mehr. Vielleicht vor einem Jahr, vielleicht vor zwei. Genauso im Dunkeln bleibt in meinem Gedächtnis der Anlass meines vorletzten Besuchs dort. Eine Konferenz? Ein Kolloquium? So was jedenfalls…

Ganz hell erinnere ich mich dagegen an meinen allerersten Besuch eines dieser Räume mit Blick auf den Südhof. Es war vor fast genau 20 Jahren. Es war ein warmer Tag im Gegensatz zu gestern. Mich hatte die Bahnfahrt von Bonn nach München ganz schön geschlaucht. Während ich schlief, hatte jemand zwischen Frankfurt und Stuttgart einen Hundert-Mark-Schein aus meinem Portemonnaie genommen und dieses dann netterweise mit dem restlichen Inhalt ins Eck des IC-Abteils wieder hingeschmissen. In München angekommen hatte ich also zuerst Geld abheben und mich zur ersten Sitzung von Davidsons Davidson-Seminar beeilen müssen.

Ein Davidson-Seminar (mit Bindestrich) ist ein Seminar über die Philosophie Donald Davidsons. Davidsons Seminar (mit einem Genitiv) ist ein Seminar, das von Donald Davidson geleitet worden ist. Und das war Davidsons Davidson-Seminar.

Die Fenster mit Blick auf den Südhof waren mir damals vor 20 Jahren riesengroß erschienen. Ebenso gestern. Sie waren damals nicht nur eine großzügige Lichtquelle, sondern auch eine erfrischende Ablenkung in den langweiligeren Momenten – ja auch solche konnte es in Davidsons Davidson-Seminar geben. Im Gegensatz dazu leiteten sie gestern nicht nur ein spärliches Regentagslicht in den Raum, sondern vor allem viel Melancholie.

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Es ist allerdings nur Melancholie und nicht etwa Niedergeschlagenheit, wenn man die verlorenen Jahre, die verpassten Chancen, die vergangenen Freunde trotz allem nicht beweint.

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Warum denn auch? Der Sommer wird genauso heuer wie vor 20 Jahren wieder einkehren.

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In der Maxvorstadt werden die jungen Paare und die alten Freunde wie damals nach irgendeinem Seminar in ihre Autos steigen, um am frühen Abend am Ufer des Starnberger Sees ein Feuer zu machen. Sie werden Kartoffeln in Alufolie in die Glut verbergen und hoffentlich dafür Entdeckungen aneinander machen.

Und alles wird irgendwie – genauso wie damals – ganz super sein.