Unterwegs zur Kampenwand

Scroll for English

Auf einmal kann man nach links oder nach rechts. Links: sehr matschig, fast abenteuerlich. Rechts: für angenehme Gespräche während der Wanderung. Es ist kein Dilemma. Beim Dilemma weißt du, was auf dem Spiel steht: Fitsein etwa. Oder Sich-austauschen. Das Ziel ist bekannt. Hier ist das einzige bekannte Ziel das Wanderziel. Das ist wenig. Du musst fragen. Den abenteuerlichen oder den Diskutantenweg? Wenn das Spiel symmetrisch und gerecht sein soll, sollen die Befragten deine Meinung auch wissen. Bloß: Deine Meinung ist nicht von derjenigen der Befragten unabhängig, erst recht nicht, wenn es sich um die eigene Familie handelt. Ihre Meinung sollte auch nicht von deiner Meinung unabhängig sein. Das ist John von Neumann. Das ist ein Nullsummenspiel.

Eine wenig bekannte Maxime der Eheberatung durch den Privatgeistlichen in der Ostkirche lautet: Du sollst in der Familie nachgeben, besonders dann, wenn die anderen nicht nachgeben. Das sollte auch für die anderen gelten, oder? Gilt aber per Annahme nicht, denn, damit du nachgibst, müssen sie unnachgiebig sein. Diese Maxime, die wohl für die niedrige Scheidungsquote in Südosteuropa im Vergleich zum restlichen Kontinent zuständig ist (https://www.businessinsider.com/map-divorce-rates-around-the-world-2014-5?r=DE&IR=T), ist kein Nullsummenspiel und nur möglich, wenn ein Spieler andere Prioritäten hat, womöglich sich sogar nicht als homo oeconomicus verhält. Es erzeugt unauflösbare Familien aus Egoisten einerseits und Heiligen (oder Opfern) andererseits. Von Neumann (ich lese gerade die Theorie der Gesellschaftsspiele, wenn ich nicht wandere) würde die Situation als ungerecht und asymmetrisch bezeichnen.

Gut, mag sein. Aber wie viel besser ist die Situation bei Familien, die aufgelöst werden, wenn das heilige Opfer in denselben endlich auch ein Nullsummenspiel spielen will?

Enough with scrolling

They do as if there was no option to decide upon. But there is one. The way to the left is adventurous. The one to the right is for continuing discussion. No dilemma of course, because in the dilemma you know the objective and you only deliberate about the means to achieve it. Here you have to ask them and you know that your own opinion will not be independent from what they say. This should be also their maxim: they ask you and your opinion does not only influence the result; it influences their own opinion. The game is symmetrical and just, a John-von-Neumann-like zero-sum game.

Unknown to the wide public is the most common marital advice orthodox priests give: give way to their wish, especially when they would never consider giving way to yours. You will probably assume that this is also a maxim for the others. But it cannot be. By assumption, the others must be unindulging for you to indulge. I suppose this maxim to be one of the reasons of much lower divorce quotes in South-East Europe if you compare them to those of the rest of the continent (https://www.businessinsider.com/map-divorce-rates-around-the-world-2014-5?r=DE&IR=T). Obviously, it results to a non-zero-sum game, surely to one in which at least one of the players (call her the “victim” or the “saint” – it’s the same) has different priorities. Probably, the saint is not a homo oeconomicus.

Von Neumann (when I don’t hike, I read his article titled Theory of Social Games from the distant 1927, when he was still publishing in German), would tag die situation unjust and asymmetrical. I wouldn’t object the tagging. How much better would the situation be though, if the saint suddenly decided to play a zero-sum game?

If I’m not totally wrong, von Neumann’s early article remains still untranslated in English.

The guide

(Scroll for English)

“Erklärliches erklären und Unerklärliches verstehen” ist die Hauptbotschaft von Georg Henrik von Wrights Erklären und Verstehen (1971). Vielleicht ist sie gut als Ansatz für die Sprachphilosophie, vielleicht auch schlecht, da scheiden sich die Geister. Aber als Rat für Ehemänner und Väter ist sie hervorragend.

WP_001023

“Explain what can be explained and understand what cannot” is Georg Henrik von Wright’s main message in his Explanation and Understanding (1971). Well, I believe I should read it again as a husband’s and father’s guide.

Matrimonium et pandaemonium

(Scroll for English)

Ich publiziere das trotz der reellen Gefahr, dass meine Frau es liest:

Descartes und Leibniz und Gödel – ich nenne nur die wichtigsten Vertreter dieser Denkrichtung – analysieren den Gottesbegriff so: Gott ist das Wesen, das alle positiven Eigenschaften und keine negative Eigenschaft verkörpert.

D.h. wenn Gott eine Eigenschaft hat, dann ist diese positiv, und wenn eine Eigenschaft positiv ist, dann hat sie auch Gott.

Ich dachte während meiner jahrelangen Beschäftigung mit Descartes und Leibniz und Gödel, dass das eine Begriffsbestimmung ohne einen für mein Leben praktischen Wert wäre. Aber so sind die plötzlichen Einsichten: Sie verblüffen unverhofft. Vor Kurzem ist mir nämlich eingefallen: Gott ist nicht verheiratet!

Wem wiederum nicht nur positive Eigenschaften zugeschrieben werden, der kann wohl wie die alten Götter verheiratet sein. Lassen wir überdem Annibale Carracci über Heras Gestalt annähernd richtig gelegen haben (annähernd, sage ich…), dann besaß Zeus mit seinen großen Momenten samt Gattin sicherlich eine weniger negative Eigenschaft als bei seinen Eskapaden mit in Kühe verwandelten Frauen!

Unter’m Strich muss ich wohl den Ehestand doch noch bejahen…

Annibale Carracci - Jupiter et Juno

I’m posting this notwithstanding the risk that my wife reads it:

Descartes and Leibniz and Gödel – to mention only the few most important representatives of this line of thought – analyse the concept of God in the following way: God is the entity who possesses all positive properties and no negative property is possessed by God.

In other words, if God has a property then this is a positive property, and if a property is positive then God has it.

I thought during my long occupation with Descartes and Leibniz and Gödel that this is an analysis withouth a practical value for my life until I realised only today that there must be some connection between this analysis and the fact that God is not married!

Those to whom not only positive properties are attributed, like the old Gods, may be married of course. And if Annibale Carracci was right in his depiction of Hera’s body (to some extent, she didn’t need to be that gorgeous…), then having great moments with his spouse was to Zeus a property definitely not as negative as having these other moments with women turned to cows!

So, I suppose that I’m affirming marriage after all…

Ehefrauen

Eine sehr gute Freundin (und Ehefrau eines anderen Mannes) erbat einen Eintrag über Ehefrauen. Ursprünglich dachte ich an eine Kommentierung von Kants Reflexionen und Vorlesungen De matrimonio (Über den Ehestand – gegenwärtig leite ich u.a. ein Kant-Seminar) aber schnell änderte ich meine Meinung. So seriös wollte ich wiederum nicht sein, nicht zuletzt um nicht als jemand dazustehen, der über sein Blog seiner Ehefrau Andeutungen macht.

Lieber schreibe ich zwei Witze über Ehefrauen: einen jüdischen und einen griechischen. In Kants Sinn kann der eine oder andere Leser über den “Nationalcharakter” sinnieren, den diese Witze verraten.

Zunächst der jüdische:

Moses kommt vom Berg Sinai runter und sagt: “Liebe Landsleute, ich habe Gott angetroffen. Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass er mir zwanzig Gebote gegeben hat, die ich auf zehn herunterfeilschen konnte. Die schlechte Nachricht nun:

Ehebruch bleibt verboten”.

(Gut, nicht nur ein Ehefrauen-Witz. Vielleicht ein Ehemänner-Witz auch).

Der griechische Witz nun:

Totos (eine bekannte Witzfigur) fragt seinen Großvater, welche Kriterien er bei der Auswahl einer Ehefrau zugrundelegen soll. Der Großvater antwortet: “Totos, mein Kind, als Ehefrau brauchst du:

1. Eine, die dich liebt;

2. eine, die intelligent ist;

3. eine, die hübsch ist;

4. eine, die kochen kann;

5. eine, die im Bett leidenschaftlich ist.

UND DAS WICHTIGSTE:

Diese fünf dürfen nichts voneinander wissen.”