Vegetable tropes



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Heute nachmittag dachte ich, mich verlieben zu müssen – in ein Buch. Denn, was gibt’s Interessanteres in der theory of tropes – der Theorie über individuelle Eigenschaften – als die Fragen nach dem Entstehen einer individuellen Qualität und dem Nachweis darüber?

Beim genaueren Hingucken entpuppte sich das Buch als keines über Ontologie, sondern als eines über biologisch-dynamisch produziertes Gemüse; über eine bestimmte Qualität von Kohlrabi etwa.

„Qualität“, habe ich festgestellt, wird in diesem Kontext als eine bestimmte Perfektion verstanden – eben als die Perfektion des biologisch-dynamischen Kohlrabis. Entsprechend kann man von der völlig davon unterschiedlichen Perfektion des konventionellen Kohlrabis oder von was weiß ich reden. Auch die schlechte Qualität wäre die Perfektion eines gelungenen Kohlrabis, den man nicht kaufen sollte.

Das sind Qualitäten, die so speziell sind, dass sie an Tropen erinnern. Ganz falsch war mein erster Eindruck vom Buch also doch nicht. Der erste Blick hat immer eine gewisse Berechtigung. Er hat eine Perfektion.

Die Tropen als Perfektionen bzw. Grade des Erreichens von Perfektion zu verstehen, wäre vielleicht ein Kompromiss zwischen Tropentheorie und traditioneller Ontologie.

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This afternoon it was close: I thought I would fall in love with this book titled: What Is Quality, how It Emerges, how It Is Demonstrated.

At first sight I thought that it was about the theory of tropes – i.e. the individual properties. A more careful look persuaded me that it wasn’t a book on ontology but rather one on organic vegetables.

Further, I realised that in the context of the book, the term „quality“ was used as a kind of perfection. The perfect organic cabbage has a quality that is quite different than the perfect conventional cabbage. And there is also the perfection of bad-quality cabbage: the cabbage no one, really no one, would buy.

There are properties that are too special not to be reminiscent of tropes.

My first perception of the book wasn’t that mistaken after all. The first sight has always a justification.

Seeing tropes as perfections is probably also justified. If nothing else, it’s at least a compromise between the theory of tropes and traditional ontology.

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Die Farbe Weiß und die Weisheit

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Folgende Stelle aus dem Klagelied des gerösteten Schwans aus dem Codex Latinus Monacensis 4660, 53v-54r (d.h. Carmina Burana, Nr. 130) ist dem Publikum aus Carl Orffs Komposition bekannt:

Olim lacus colueram,             Einst bewohnte ich die Seen,

olim pulcher exsisteram,       einst war ich schön,

dum cygnus ego fueram.       als ich ein Schwan war.

Miser! Miser!                           Wie unglücklich bin ich

Modo niger                              jetzt, da ich schwarz

Et ustus fortiter!                       und stark geröstet wurde!

 

Eram nive candidior,               Heller war ich als der Schnee,

quavis ave formosior;               feiner als jedweder Vogel;

modo sum corvo nigrior.           nun bin ich dunkler als eine Krähe.

Lehtonen (Fortuna, Money and the Sublunear World, Helsinki 1995, p. 19) meint, dass das Klagelied des gerösteten Schwans eine Parodie darstellt. Aber eine Parodie von was? Das einzige, woran ich denken kann, ist ein Paradebeispiel der traditionellen Logik: „Alle Schwäne sind weiß“. Dieser als allgemeine Prämisse oft benutzte Satz hat eine interessante Vorgeschichte. In der Topik 120b39-40 schreibt Aristoteles, dass die weiße Farbe Schwänen zwar notwendig zukommt, dass die Schwäne allerdings nicht ihrem innersten Wesen nach weiß sind. In der Ersten Analytik 38a32, sagt Aristoteles, dass ein Schwan zwingend (“ex anankes”) weiß ist, während ein weißer Mensch dagegen nur kontingenterweise weiß ist (“endechetai einai leukon”). Aristoteles denkt hier wohl an “Aithiopes” und “Indoi”, Beispiele, die auch sonst im corpus Aristotelicum vorkommen, während er natürlich nie einen australischen schwarzen Schwan gesehen hatte. Ich denke, dass wir es hier mit zwei verschiedenen Notwendigkeitsbegriffen bei Aristoteles zu tun haben. Es gibt die Notwendigkeit, die wahren allgemeinen Urteilen zukommt, die Notwendigkeit von empirischen Fakten ohne Ausnahmen etwa, und eine, die in einer Definition berücksichtigt wird. Menschen sind weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Sinn von Notwendigkeit weiß. Schwäne aber, so behauptet jedenfalls Aristoteles, seien im ersten, nicht allerdings im zweiten Sinne weiß.

Der mittelalterliche Autor des Klagelieds des gerösteten Schwans verstand allerdings Aristoteles anders – d.h. wenn es überhaupt stimmt, dass er eine Parodie zum Paradebeispiel der traditionellen Logik „Alle Schwäne sind weiß“ schrieb, den er unzählige Male gehört haben muss, als er das Trivium studierte. Der Dichter versteht die Notwendigkeit im ersten und im zweiten Sinn als ein-und-dasselbe und zieht aus dem notwendigen Zukommen von weißer Farbe die Konsequenz, der Schwan müsste per definitionem weiß sein. Ergo, ein gerösteter Schwan ist kein Schwan mehr, sondern er war ein Schwan („cygnus fuerat“). Das erinnert an den Trugschluss, der heute als “No true Scotsman” bekannt ist: Schmecke einem kein Scotch, so sei man kein Schotte, sagt der eingefleischte schottische Patriot. Und wenn doch derjenige, dem kein Scotch schmeckt, Angus McManus heißt und in Edinburgh wohnt? Dann sei er kein echter Schotte. „Schotte“ wird umdefiniert, damit sich die Äußerung des eingefleischten schottischen Patrioten stets bestätigt. Ähnlich soll gelten: Ist der Vogel schwarz, dann ist er kein Schwan – jedenfalls kein echter. „Alle Schotten lieben Scotch“ und „Alle Schwäne sind weiß“ werden als analytische Wahrheiten genommen – von Aristoteles, so jedenfalls unser Dichter.

Zusätzlich deutet der Dichter an, Aristoteles würde keinen lebendigen schwarzen Schwan brauchen, um Weiß nicht als notwendige Eigenschaft von Schwänen zu betrachten. Ein gerösteter Schwan hätte genügt.

An das Klagelied des Schwanes dachte ich letztlich, als ich das Wochenende nicht sehr weit weg von Benediktbeuren verbrachte, wo der Codex Buranus wiederentdeckt wurde. Es hat geschneit und geschneit und geschneit. Schnee ist weiß und Weiß ist keine notwendige Eigenschaft von Schnee. Das liegt nicht daran, dass Weiß eine Farbe ist. Rot kommt dem Purpurfarbstoff notwendig zu. Im Gegensatz dazu ist es nun mal eine Tatsache, dass es nichtweißen Schnee gibt

Gibt es ihn wirklich? Das Alltagsdeutsch geht von einer anderen Vorstellung aus, wenn es für den verdreckten Schnee von “Matsch”, nicht von „Schnee“ spricht. Und doch spricht es von „gelbem Schnee“. Inkonsequent das Ganze, aber es scheint wenigstens im Deutschen zu gelten, dass schwarzer Schnee kein echter Schnee ist.

Das Klagelied des gerösteten Schwans ist, wie man sieht, sehr interessant für experimentalphilosophische Gedanken, insbesondere wenn es im Zusammenhang mit „No true Scotsman“ interpretiert wird.

Stimmt es zudem, dass der Dichter des Klagelieds Aristoteles, wie ich meine, auf eine bestimmte Art verstanden hat, dann hat diese Art, Aristoteles zu verstehen, interessante metaphysische Implikationen. Wenn sich etwas nicht ändert, dann sind alle seine Eigenschaften notwendige Eigenschaften. Notwendige Eigenschaften kommen allerdings per definitionem zu, so jedenfalls wenn die Aristoteles-Interpretation des Dichters stimmt. Aber wenn der Perdurantismus Recht hat, hat eine mereochronologische „Scheibe“ von mir unveränderte Eigenschaften, ja nur unveränderte Eigenschaften, die mir dann alle per definitionem zukommen.

Da aber laut thomistischer Theologie nur Gott das Wesen mit nur notwendigen Eigenschaften ist, das Wesen, das nur seine Essenz ist, muss der Perdurantismus falsch sein.

Ich habe keine mereochronologischen Scheiben. Vielleicht die Schneeflocken. Ich jedenfalls nicht.

Schnee

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The following citation from the Codex Latinus Monacensis 4660, 53v-54r (i.e. Carmina Burana, Nr. 130), belongs to the short list of the Carmina put in music by Carl Orff. My translation is rather free:

Olim lacus colueram,             Once upon a time I dwelt the lakes,

olim pulcher exsisteram,       once upon a time a handsome mate,

dum cygnus ego fueram.       at the time when I was a swan.

Miser! Miser!                           Alas, unlucky me!

Modo niger                              Now I am black

Et ustus fortiter!                       and strongly roasted!

 

Eram nive candidior,               I was brighter than snow,

quavis ave formosior;               nicer than any other bird;

modo sum corvo nigrior.           now I am darker than a raven.

Lehtonen (Fortuna, Money and the Sublunear World, Helsinki 1995, p. 19) understands the lament of the swan as an ironic parody. But a parody of what? The only thing I can think of is the very common example of traditional logic: „All swans are white“, often taken to be a general premise of a syllogism. The statement has a famous prehistory. In the Topics 120b39-40 Aristotle thought that whiteness, though a necessary quality of swans, does not belong to the essence of a swan. In Prior Analytics 38a32, Aristotle says that a swan is white necessarily (“ex anankes”), contrasting this to a human being who is contingently white (“endechetai einai leukon”), obviously with respect to the fact that there are human beings who are “Aithiopes” and “Indoi” – examples that occur here and there in the Aristotelian corpus. I believe that Aristotle has two different concepts of necessity in mind. The one is a concept of necessity that has the power of true general statements, the other is the necessity of the essential properties of an organism. For human beings it is neither in the first nor in the second sense necessary to be white. For swans, it is necessary to be white in the first sense, so Aristotle thought since he had never seen an Australian black swan, not however in the second.

The medieval author of the poem of the roasted swan, however, did not understand Aristotle in this manner – that is, if I’m correct to think that he is parodising the sentence “All swans are white” known to him from his time as a student of the trivium. The poet makes fun of Aristotle as insinuating that a roasted swan would not be a swan any more („cygnus fuerat“), in virtue of having lost its whiteness. An anti-Aristotelian joker, the poet uses an instance of the modern “No true Scotsman” fallacy: if you don’t like Scotch you’re not a true Scotsman even if your name is Angus McManus and you live in Edinburgh. And if the bird is black, it’s not a true swan. In other words he understands Aristotle to say that not only it’s necessary for a swan to be white but it’s also essential to it. He understands Aristotle as employing the „No true Scotsman“ fallacy and as saying in effect that „All swans are white“ is analytically true – anachronistically speaking.

Of course, Aristotle didn’t have to see a living nonwhite swan to be persuaded that whiteness is not a necessary property of swans. A roasted swan would be enough for this. And this is, I think, a further innuendo of the poem.

I thought about this old story since I spent the weekend in Bavaria, not far from the Benediktbeuren Abbey where the Codex Buranus was rediscovered, and it was snowing and snowing and snowing all these days. Snow is white and white is not essential to snow – or so I think. I mean, red is essential to red nail polish. But white is not essential to swans or snow.

However, colloquial German tends to use the word “Matsch” (≈ mud) for stained or tainted snow instead of the standard term “Schnee”. It does use the equivalent of „yellow snow“ though when it’s about the spot where a dog urinated on the snow. Not very consistent but it does entail that black snow is not snow.

But apart of being interesting as a starting point for experimental philosophy vis-à-vis the „No true Scotsman“ fallacy, the poem has interesting metaphysical implications also. During the time something doesn’t change, if perdurantism is true and every mereochronological slice of this something is an entity, all the properties of this entity are necessary. And if the poet’s joke is more than only a joke, every necessary property is essential to its bearer. But according to scholastic theology, it’s God who has only essential properties.

Which means that either this cannot be an accurate definition of God or perdurantism is false.

Sprachphilosophisches zum Thema „Hausberufungen“. Und eine kleine Notiz zum Sinn der Integrität

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Hausberufungen sind erlaubt. Unter gewissen Voraussetzungen. Die Formulierungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland aber eins bleibt konstant: der Wille des Gesetzgebers, Hausberufungen an Universitäten nur dann als gültig anzusehen, wenn brain-drain droht.

Um die Gefahr eines brain-drain im konkreten Fall einzuschätzen, fragt man, ob das Individuum, für das eine Hausberufung in Frage kommt, über herausragende, einzigartige und unersetzliche Kapazitäten in Deutschland verfügt. Oder so etwas Ähnliches…

Nun sind wir alle herausragend im einen oder im anderen Sinn. Denn wir sind so etwas wie der Kirchturm vom Sankt Martin in Landshut: Als der höchste Turm kann er nicht gelten, als der höchste Kirchturm auch nicht; aber als Backsteinkirchturm ist er der höchste der Welt. Jedes zusätzliche Charakteristikum, hier in Form von Wortbestandteilen, grenzt den darunter gehörenden Gegenstandsbereich ein und erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit der der Turm herausragend ist.

Für Hausberufungen ist diese Erkenntnis sehr wichtig. Wenn ich Rektor der Uni X bin und dem Religionsphilosophen Y, der ungünstiger Weise an der Uni X lehrt, einen Lehrstuhl gönne, dann werde ich einsehen müssen, dass eine Ausschreibung für eine Professur für Religionsphilosophie natürlich Bewerbungen von Kandidaten anziehen wird, die mit Y gleichwertig sind und die Bedingung für Y’s Hausberufung hinfällig machen. Als kluger Rektor muss ich also die Ausschreibung so formulieren: „Vom erfolgreichen Kandidaten wird erwartet, einen Schwerpunkt in der Religionsphilosophie mit durch Publikationen dokumentierten fundierten Kenntnissen in der Philosophie der Antike und der Spätantike samt Beherrschung der klassischen Sprachen zu verbinden. Es wird ferner vorausgesetzt, dass der Lehrstuhlinhaber die Module Logik I bis III lehrt und historisch einen zweiten Schwerpunkt in der Philosophiegeschichte hat, vorzugsweise in der Philosophie Kants“. Alles natürlich Kapazitäten, die „zufällig“ Y besitzt – nach dem Motto: Kantianer und Altgriechisch-Experten gibt es viele, aber wer hat all das zusammen?

Y ist damit einzigartig und erfüllt die Bedingungen für eine Hausberufung.

Kluge Rektoren gibt es viele und das verwundert mich nicht. Nicht zuletzt wurde ich in einem Land von Künstlern im Verfassen solcher Ausschreibungstexte geboren. Was mich verwundert, ist das Fehlen eines hämischen Ausdrucks im Deutschen für solche Ausschreibungstexte. Im Griechischen heißen diese im Volksmund: „photographikes prokeryxeis“, weil das Blabla einem Foto des Wunschkandidaten gleichkommen soll, das man allerdings im Ausschreibungstext nicht verwenden darf. Einem Foto nach dem Motto: „So sieht der erfolgreiche Kandidat aus“. Y’s Foto…

Deutsche tendieren zu praktischen Lösungen und nicht zu hämischem Humor. Sie stellen sich Fragen wie: „Was tun? Die Hausberufungen vollends verbieten?“ Dann droht natürlich wieder das brain-drain. Tatsächlich außerordentliche Menschen sollen doch bleiben können.

Ich finde, dass K.R. Popper, der Philosoph, dessen zwanzigster Todestag vor ein paar Tagen fast unbemerkt verlief, die Lösung hatte. Eine Lösung aber, die offenbar nicht praktikabel ist. Popper stellte im 7. Kapitel des ersten Bandes der Offenen Gesellschaft fest, dass Institutionen wie Burgen sind, die sowohl gut angelegt als auch entsprechend mit (integren) Leuten besetzt sein müssen.

PS: Der obige Ausschreibungstext ist frei erfunden. Naja, fast…

Landshut Martinskirche

This is probably a very „German“ posting. Take it as an incentive to learn more about academic philosophy in this remarkable, exotic country!

In Germany, normally professors are not tenured in the very university in which they happened to start teaching. The reason for this is that the procedure to offer a tenured post to someone who’s already a member of the department is allowed only under the condition that otherwise there would be the danger of brain-drain. If you’re good enough someone else apart of your present colleagues will acknowledge your value. And only if you are unique in Germany but some university outside Germany would have the idea to hire you before a German university does, you may stay with your present colleagues – this is the rationale.

Now, who is unique? Obviously this would be an individual with extraordinary capacities which no one else has.

But every one has such capacities in one way or another. We’re all like the tower of the St Martin’s church in Landshut, the capital of Lower Bavaria and home to about seventy thousand inhabitants. It’s not the highest tower in Germany. It’s not even the highest church tower in Germany. But it is a church tower made of bricks, which makes it the world’s highest church tower made of bricks. Every additional property you assign the tower truthfully restricts the domain in which you make the comparison and increases the probability that the tower is extraordinary.

You can use this trick in order to prove that the non-tenured philosopher of religion at your department is unique in Germany, of course. Let’s say that the philosophy department of the German university of which you’re the „Rektor“ (the British would say: „chancellor“) seeks to hire a professor in philosophy of religion. If you advertise a position for a philosopher of religion you’ll receive applications of many individuals with publications and experience similar to your colleague’s. By this, you cannot give the position to your colleague (and eo ipso he won’t be tenured) since the law prescribes that he must be unique in order to be able to be tenured at the university in which he happens to teach. Things change if you publish an advertisement which contains the following: „The successful candidate will combine an AOS in Ancient and late Ancient Philosophy with a mastery of classical languages including Arabic. Further, he will have an AOC in logic and critical thinking as well as in the philosophy of German Idealism“. Now, „accidentally“ these have to be your colleague’s topics in his publications. If these don’t make him unique, what then? Like there are many high church towers out there but not so many high church towers made of bricks, there are many folks who teach Ancient, but how many teach Ancient and Early Modern?

There are many bright university chancellors in Germany and advertisements of this kind do not surprise me. What surprises me is the absence of an offensive expression in colloquial German. Modern Greek has the expression „photographikes prokeryxeis“ for advertisements of the aforementioned kind. „Photographikes“ because the bla-bla is equivalent to the guy’s picture.

But Germans don’t like bitchy humour. They prefer to give practical solutions. A German would rather ask: „What can I do against this? Should it be absolutely prohibited to give someone from the same university a tenured post?“ But then, of course, the brain-drain argument would retain its validity.

K.R. Popper (the 20th anniversary since his death remained almost unnoticed a few days ago) had a solution. Alas, a non practical one. In the 7th chapter of the first volume of the Open Society he stated that institution are like fortresses which must be well designed and manned.

Of tropes and trout

Tropen Gold

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Tropen sind abstrakte individuelle Eigenschaften. Mein Teint ist z.B. nur mir eigen in dem Sinn, dass niemand außer mir genau denselben Teint hat. Othello und Humbert Humbert, Lolitas Liebhaber in Nabokovs gleichnamigem Roman, sind nur scheinbar in Eifersucht vereint, denn nur Othello hat Othellos Eifersucht und nur Humbert Humbert hat Humbert Humberts Eifersucht.

Wenn der Gastwirt seine Gerichte lobpreist, dann grenzt er manchmal den Umfang eines Prädikats ein, um anzudeuten, dass er nur das Beste vom Besten auswählt. Was heißt „Forellen“? Das ist zu wenig! Bachforellen bietet er an. Und zwar frische! Aber auch die Frische hat ihre Abstufungen – was heißt, dass man weiter partikularisieren kann.

Fangfrische Sturzbachforellen sind wie Tropen auf eine ganz besondere Art frisch und selbst auf eine ganz besondere Art Forellen. Dem Sprachgebrauch des Gastwirts liegt wie bei den  Tropen eine Tendenz zu Grunde, etwas Abstraktes als ein Individuum darzustellen. Diese Rhetorik ist albern und manchmal gelingt es ihr nicht, den Kunden davon zu überzeugen, dass alle Eigenschaften der Forellen Tropen sind. In manchen Fällen gelingt es allerdings dem Gastwirt, den Kunden glauben zu lassen, dass wenigstens eine Eigenschaft der Fische, auf die es beim kulinarischen Genuss ankommt, einzigartig ist. Das ist der Fall, wenn der Kunde glaubt, dass die Forellen, Renken usw. die besten in einer bestimmten Hinsicht sind.

Die beste in einer noch zu benennender Hinsicht zu sein, ist wahrscheinlich eine Trope: Sie ist eine abstrakte Eigenschaft, die auf ein einziges Individuum zutreffen muss. Um die beste zu sein, muss allerdings die Forelle einer Art angehören: der Art, deren Perfektion sie besitzt. Aber das von-einer-Art-Sein ist kein Merkmal einer Trope.

So zugeneigt ich auch früher der Tropenontologie war, so bin ich durch dieses Rätsel ernüchtert.

Fangfrische Renken

Tropes are individual abstract properties. My skin colour is characteristic of me in the sense that I’m the only person who has this skin colour even if there are other people who have the same. Othello and Humbert Humbert, Lolita’s lover in Nabokov’s novel, are only apparently united in jealousy. Because no one but Othello has Othello’s and no one but Humbert Humbert hat Humbert Humbert’s jealousy.

When the innkeeper tries to attract customers, he insinuates that he uses only first class ingredients. „Trout“ sounds poor. „Mountain trout“ sounds better. Of course, trout have to be fresh, but freshness has different grades. There is fish which you can call fresh if you consider that you live in Munich and it comes all the way from Marseille. Certainly, this is less fresh than most of the fish you can find at the Rialto market in Venice. Finally, this is less fresh than some fish which has occasionally made my daughters proud of their father.

So, when the innkeeper praises his fish as having just left the water of the mountain stream, what he tries to do is represent something abstract (trout, fresh) as individual. If he fails to show that all properties of his trout which are characteristic for an enjoyable meal are unique for every one of them with the means of rhetoric, he succeeds to show that at least one property of his trout are tropes at the latest when he says that they are best in some respect.

Being the best in some respect is, I think, a trope. It is an abstract and it refers to at most one individual. However, to be the best in some respect, a trout has to be of a certain kind: of the kind, namely, whose perfection it possesses. But to be of a certain kind is not characteristic of tropes.

I used to be fond of tropes ontology but this puzzle made me change my mind.

Ockhamovitch

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Zwei auf den ersten Blick sehr unähnliche Menschen, der mittelalterliche Logiker Wilhelm von Ockham und der sowjetische Komponist Dmitri Schostakowitsch, die für mich, meine Inspiration, meine Orientierung am Leben sehr wichtig sind, teilen zwei komplexe Eigenschaften von besonderem Interesse. Die erste ist eine für die Politik sehr interessante Eigenschaft, die zweite eine sogenannte Cambridge-Eigenschaft: eine, die zu diesen Individuen nichts hinzusetzt – was wohl zeigt, dass Cambridge-Eigenschaften manchmal interessant sind.

Erste Eigenschaft: Beide, Ockham und Schostakowitsch, dienten einer politischen Institution, ersterer einer Kirche, letzterer einem Staat, die sie äußerst kritisch betrachteten und vor der sie Angst hatten. Als etwa 40jähriger wurde der bereits berühmte Scholastiker der Ketzerei beschuldigt und konnte einer bevorstehenden Todesstrafe nur durch seine Flucht nach München an den Hof Ludwigs des Bayern retten. Sechs Jahrhunderte später wurden dem Komponisten in einem Prawda-Artikel elitäre und konterrevolutionäre Tendenzen in seiner Musik unterstellt – was Schostakowitsch gerade in einer Zeit, in der Abertausende von Menschen nach einem Schauprozess abgekarrt und hingerichtet wurden, als genauso unangenehm erschienen haben wird wie die Inquisition.

Ein München hat es für Schostakowitsch nicht gegeben. Er flüchtete in die Musik seiner Fünften Sinfonie: in eine Musik, die das Publikum als heroischen Marsch nach Art des sozialistischen Realismus deuten konnte, bei der er aber viel später darauf hinwies, Tempo und Komposition würden eher einen Marsch niedergeknechteter Zombis andeuten – „Und sie bewegt sich doch!“

Die andere Eigenschaft nun: Die fünfte Sinfonie von Schostakowitsch wurde gestern und wird auch noch heute abend in der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Constantinos Carydis aufgeführt. Was das mit Ockham zu tun hat? Just auf dem Gelände des Bayerischen Nationaltheaters und des Max-Joseph-Platzes stand die Franziskanerabtei, in der Ockham seine 20 Münchener Jahre verbrachte. Hier lag er begraben und hier wird das Orchester heute abend dem Totalitaritarismus wieder die Zunge rausstrecken.

Eine schöne Generalprobe war die gestrige in München und eine gewissermaßen griechische: Constantinos Carydis dirigierte, Leonidas Kavakos spielte Brahms, die Sonne schien über der Maximilianstraße.

Bayerische Staatsoper

Yesterday, I had the opportunity to attend a dress rehearsal of the Bavarian State Opera with works of Brahms and Shostakovitch. It was a Greek day in a certain way: Constantine Carydis was the conductor, Leonidas Kavakos played Brahms, there was a warm sunshine in downtown Munich.

The medieval logician William of Ockham and the Soviet composer Dmitri Shostakovitch don’t seem to be related – at least at first glance. They are important for me, for my inspiration, for my orientation in life – but this is very subjective and a Cambridge property: one which adds nothing to the individuals who have the property. However, there are at least two complex and common properties to add – some of them interesting ones – to the properties they have.

The first is interesting for politics: Both of them, Ockham and Shostakovitch, served a political institution, the church or the state, towards which they had a very critical attitude and felt, indeed, fear. Ockham was accused of heresy to save his life only by finding refuge at the court of Louis IV in Munich. Six centuries later the composer faced accusations of „heresy“ in form of an article in Pravda in which his music was suggested to be elitist and counter-revolutionary – at a time  in which masses of dissidents or just suspects were executed after a show trial…

Shostakovitch’s refuge wasn’t a court or a region without inquisition. It was the music of his Fifth Symphony – a music which the public could perceive as a heroic march in the manner of socialist realism but himself could reinterpret after the terror as a tempo and a composition rather characteristic of a march of zombies – „Still it moves!“

One more Cambridge property which Ockham and Shostakovitch share is the fact that the Fifth Symphony was played yesterday evening and will be played this evening at the Bavarian National Theatre. OK, what could this have to do with Ockham, you may ask. The place where the building of the Bavarian State Theatre stands plus the adjacent Max-Joseph-Square is where the Franciscan monastery stood where Ockham spent the final 20 years of his life. It’s the place where he was buried. And it’s the place where the orchestra will mock totalitarianism once again tonight.

Epiphenomenal epiphany

Epiphanie2

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Wenn ich zum 6. Januar „Epiphanie-Tag“ höre, kann ich nicht umhin, an ein anderes griechisches Wort zu denken: „epiphainomenon“, das Nebenerscheinung bedeutet und mit „Epiphanie“ eng verwandt ist. Mit anderen Worten muss ich denken, dass die „Offenlegung“ der Göttlichkeit Christi lediglich eine Nebenerscheinung ist – eine Nebenerscheinung der körperlichen Existenz des Mannes namens Jesus. „Sich als Gott erkennen zu geben („epiphaneia“), ist für jemanden so etwas wie es für einen Körper ist, nichtphysische Eigenschaften als Nebenerscheinungen („epiphainomena“) zu haben“ – so mein (philosophisches, nicht theologisches) Verständnis der griechischen Wörter.

Ich weiß: Während sie das Wort „epiphaneia“ benutzen, lehren die Theologen etwas anderes. Aber was denn? Theologisch gesehen wollte der Mann von der Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes gestern glauben lassen, er habe den getauften und als Gott erkannten Christus aus dem Fluss Jordan geborgen – so jedenfalls der Gesang, der ertönte, als der Mutige in ein Wasser sprang, in dem Anfang Januar keine hundert Kilometer von den Alpen entfernt völlig andere Temperaturen als in der lyrischen Vorlage herrschen.

Ich glaube, dass die Theologie in diesem Fall – und ansonsten sehr oft – einen Diskurs führt, der im Glaubenlassen besteht.

Every January 6th, when I hear the word „epiphany“ (Greek for something like „superimposed revelation“) my direct association is another Greek word: „epiphainomenon“: „supervenient appearance“ – NB, a word etymologically closely related with „epiphany“. Given this association, my linguistic (and philosophical, definitely not theological) understanding of „epiphany“ is that Jesus’s divine nature is only supervenient upon his body. „Being recognized as God („epiphaneia“), is for a body like having supervenient non-physical properties („epiphainomena“)“.

I know: although they use the word „epiphany“, theologians teach something different. But what do they teach precisely? From a theological point of view, the man from the Bavarian Red Cross on the picture above played in a make-believe game dictated or rather sung by the priests who stood on the bridge above him – a game according to which he retrieved the baptized Jesus from the river Jordan, although, actually, he swam in the river Isar in downtown Munich, not far from the Alps; and this in early January (yesterday)!

In fact, I believe that theology plays make-believe games quite often.