Griechische Staatsphilosophen 2015 bis 2019

Scroll for English

Ein Großteil der Probleme Griechenlands seit 2015 ist der Umstand, dass die ultralinke Partei, die bis übermorgen regiert (es sind da die Wahlen und mehr ist nicht drin), eine bestimmte Staatsphilosophie verfolgt (und die ist nicht der Marxismus): Aristides Baltas (Wissenschaftsphilosophie, NTUA), vormals Minister im Kabinett, hält wissenschaftliche Gesetze für durch-und-durch sozial bestimmte Konstrukte; als seine große Inspiration dazu nennt er Friedrich Nietzsche in der Auslegung von Alexander Nehamas. Yanis Varoufakis (Volkswirtschaftslehre, NKUA) hält die Spieltheorie für paradox, was aber (er hat kontinentalphilosophische Präferenzen) keine schlechte Sache sein solle.

Ohne die voluntaristische, postmoderne Philosophie der beiden wäre es nicht möglich gewesen, dass eine Regierung fordert, ein ganzer Kontinent würde von heute auf morgen einen Geldverlust nicht mehr als solchen betrachten, bzw. dass sie erwägt, ob das “Chickenspiel” eine solidarische Lösung hätte.

Überall auf der Welt gilt Stathis Psillos (NKUA) als der führende griechische Wissenschaftstheoretiker (OK, schlimm genug, aber wenigstens einer vom Fach), Konstantin Daskalakis (MIT) als der führende griechische Spieltheoretiker. Ein Grieche in Griechenland würde in diesen Rollen stattdessen Aristides und Yanis sehen, zwei Leute also, die die klassische Disziplin in Frage stellen.

Das ist bezeichnend und zwar nicht nur für die beiden, sondern für das ganze Land.

Enough with scrolling

A considerable part of Greece’s problems since 2015 is the fact that the far-left party which will have to leave power after Sunday’s elections, has a state philosophy – this not being Marxism – whose main representatives are Aristides Baltas (philosophy of science, NTUA) and Yanis Varoufakis (economics, NKUA). The former of the two ex ministers holds scientific laws to be social constructs and mentions Friedrich Nietzsche in Alexander Nehamas’s interpretation as his main inspiration. The latter thinks that game theory is a source of paradox which (philosophically a continental) is allegedly not a bad thing.

Without both academics’ voluntaristic, postmodern philosophy it would be impossible for a government to demand a whole continent to rechristen overnight an unpaid debt in another name or to urge for an optimal solution when at the same time intending to play the “chicken game“.

If you ask who is the leading Greek philosopher of science and who the leading Greek game theoretician, everywhere in the world you will hear the names Stathis Psillos (NKUA – OK, I know, but he’s at least an expert whose books are read worldwide) and Constantinos Daskalakis (MIT) respectively. In Greece, they will mention Aristides and Yanis instead, two academics who question their own disciplines.

This is characteristic- not only for the character of these two but for the whole country.

 

Advertisements

Alles antihabermäßig

Scroll for English

Über den großen Erfolg der politischen Mitte in der gestrigen Europawahl habe ich mich gefreut. Ich bin weder der Meinung, dass die Kompromisse immer in der Mitte stattfinden sollen, noch nicht einmal der Meinung, dass Kompromisse das Wesentliche in der Politik sein sollen. Ich freute mich wegen der Inhalte, insbesondere wegen Präsident Macrons Manifest zur Wiedergeburt der EU, nicht weil die Mitte etwa privilegiert wäre.

Wenn die Erreichung des größtmöglichen Kompromisses wesentlich für die Politik sein sollte, dann wäre es tatsächlich am vernünftigsten, zentristische Parteien zu wählen, weil ein Kompromiss am leichtesten ist, wenn diejenige Position am stärksten ist, wo der Kompromiss höchstwahrscheinlich stattfindet. Aber dann gäbe es keinen Kompromiss, sondern eine Vorherrschaft der Mitte. Da diese Vorherrschaft die eigene Ausgangslage, die Idee des Kompromisses, ad absurdum führen würde, muss, falls ich keinen Fehler beim Schlussfolgern beging, die Prämisse falsch sein, dass der Kompromiss das Wesentliche in der Politik sein soll.

In der Politik geht es um etwas anderes, was auch an den Institutionen des antiken Athen zu erkennen ist. Dort wurde es als demokratisch empfunden, wenn Ämter ausgelost wurden. Da hatte man keine Pattsituationen, keinen Kuhhandel danach, das politische Geschäft konnte direkt nach der Wahl in Angriff genommen werden.

Randomisieren ist wohl keine vernünftige Idee, aber Externalisieren ist den Pattsituationen mit Sicherheit vorzuziehen. Ein Mehrheitswahlrecht und vor allem eine Regierung für Europa, die den Namen verdient, wären demokratisch und dem Wesen der Politik gemäß.

Enough with scrolling

The centrist platform celebrated a great success in yesterday’s European elections and I found this pleasant. My main reason for this is the manifest of president Macron towards a European renaissance. In other words, I do not believe that political compromise has to tend to the middle of the political spectrum. I do not even believe that compromise is substantial in politics.

Because if it were, the only rational decision would be to vote for centrist parties. But what you would have then, would be a domination of the political centrism rather than a compromise. The concept of compromise would be led ad absurdum. Whenever you have an absurd conclusion but no mistakes in reasoning, a premise must be false. Here, this is probably the premise that compromise is substantial to politics.

In ancient Athens, the offices thought to be democratically manned were the ones for which lots were drawn. No compromise, no horse trades, this is the legislative period, do your job!

Randomising is probably a bad idea, externalising however could be, with the help of first-past-the-post, a way out of horse-trade-like negotiations and a way to a European government after all.

Eurovisionaries

Scroll for English

Am Sonntagmorgen hat Marta festgestellt, wir haben am Samstagabend die Eurovision verpasst. Ach, tat das weh!

Jedes Jahr lästere ich nämlich auf Twitter mit Fachkollegen aus ganz Europa und Australien – komischerweise meist Wissenschaftstheoretiker – über den Abend, an dem Europa den Rest der Welt volltrollt. Die erfolgreichsten Sprüche vom letzten Jahr:

“- Ein paar Millimeter weiter unten und wir hätten die Schamhaare jetzt gesehen.

– Oder eben nicht.”

“- O, die haben jemanden geschickt, der echt singen kann.

– Voll geschummelt eigentlich.”

“- Endlich, das griechische Votum jetzt!

– Du meinst wegen der Pinkelpause.” (Es ist nämlich klar, welche Noten an welche Länder gehen)

Wie kann ich nicht traurig sein, wenn ich den europäischen Abend verpasste, der als gesamteuropäisch gilt? Den (ich paraphrasiere)

Seufzer der bedrängten Visionen, das Gemüth einer herzlosen Bürokratie, … das Feigenblatt des Volkes!

Ein Beispiel, das die Marx-Paraphrase rechtfertigt: Versuchen Sie mal als außerhalb Bayerns (aber innerhalb der EU) Staatsexaminierter irgendwo in Bayern Ihr Staatsexamen geltend zu machen, und dann werden Sie feststellen, wie groß die Heuchelei des “d” nach dem “m” und dem “w” in der Ausschreibung Ihres Traumjobs war. Europa ist der Kontinent, wo ein Lehramtskandidat, der ein Bisschen andere Seminare besucht hat, eine unüberwindbare Barriere vor sich sieht, von der aber eine Teilbarriere abgezogen wurde, sollte unser Kandidat dieses Millionstel der Hermaphroditen darstellen.

Die Eurovision ist dagegen gelebte Diversität. Da sind die Chancen reell und zwar nicht nur für Kranke an ovotestikulärer DSD, sondern auch für Untalentierte, sogar für Australier. Wer die Eurovision verpasst, verpasst den großen europäischen Abend der Feigenblätter!

Aber ich will heute mit einer positiven Nuance abschließen: Am kommenden Sonntag kommt die Folgeveranstaltung, die denselben Trosteffekt wie die Eurovision hat! Die verpassen wir nicht!

Enough with scrolling

Last Sunday, Marta realised very early in the morning that we had forgotten the Eurovision Song Contest. That hurt!

The EST has been for years now our sarcasm Saturday evening. “Our” means of philosophers on twitter. Last year’s best comments were the following:

“- If this had been an inch lower, we would have seen the singer’s pubic hair!

– Or not…”

“- Oh, they sent somebody who can sing!

– This is what I call cheating.”

“- A very good invention, the results of the Greek vote: They give everyone the opportunity to have a toilet break.”

The only Paneuropean evening of the year is not only about the jokes. It is also a symbolism of (I paraphrase)

the sigh of the oppressed visions, the heart of a heartless bureaucracy … It is the fig leaf of the people.

A motivation to paraphrase Marx here comes from the following example: imagine that you are a teacher with a teacher’s degree earned somewhere in the EU. Imagine still that your German is perfect. In fact, you can imagine that you are German. Imagine, moreover that, for some reason, you want to live in Bavaria although you did not earn your degree in Bavaria. Imagine, finally, that there is this advertisement for the position, the position of your dreams, at a Bavarian lake: “Teacher (male/female/diverse)” as the German standard for diversity affirming policies prescribes. Of course, under the above conditions you will never be hired since your classes at, say, Bristol were insignificantly different from the description of subjects required from alumni of Munich or Augsburg but – rejoice – if you had been one of the 500 individuals in this world with ovotesticular disorder this wouldn’t have been the problem. What a hypocrisy!

Do you know any better consolation for this hypocrisy than the Eurovision? In this contest you are given a chance to win a European prize not only if you lack an identifiable sex. You also get a chance if you lack talent, and you even get one if you are Australian. Failing to watch the Eurovision is failing to celebrate the top fig-leaf event of the continent.

If you missed the Eurovision anyway and you are a European citizen, at least don’t miss the sequel next Sunday, one with almost the same consolation effect: the European Parliament elections take place on May 26.

The German crisis

Scroll for English

Die CSU sollte damit zufrieden sein, was die Bundeskanzlerin zur Flüchtlingskrise auf europäischem Niveau erreicht hat.

Da das Thema von geringem finanziellem und juristischem Gewicht ist, würde jede Verlängerung der politischen Krise wegen der Flüchtlinge einen einzigen Grund haben: anders als Merkels CDU sehen die CSU und die AfD in der Stammtischrhetorik ein politisches Kapital von ausschließlich symbolischem Stellenwert, das sie beide für sich verbuchen wollen.

Fast ist es ungerecht, intellektuell Minderbemittelte des Schlamassels zu bezichtigen. Eher ist die Zeit gekommen, da die Idee, ausgerechnet den Kontinent mit der grausamsten Rassismusvorgeschichte auf dieser Erde zu vereinen, gegen eine Mauer prallt; diejenige Mauer, die von dieser Vorgeschichte errichtet worden ist; keine Mauer wie die Berliner, mit Stacheldraht und Schützen, sondern eine in den Köpfen; keine Mauer, gegen die wir mit Demos etwas erreichen können.

Enough with scrolling

Chancellor Merkel’s Bavarian allies should be pleased with what she has achieved on European level concerning illegal migration. Given the little economical or juridical impact of the issue, every prolonged political chess on the backs of hopeless victims will have only one reason: a series of conservative parties – from which Merkel’s party tries to keep distance – have made the migrants a symbolic matter and the pub’s after-three-beers racism their political investment.

To blame the majority of the simple minded is almost unjust. It’s the time in which the idea to unite – of all things – the continent with the fiercest racist tradition of history on this globe, reaches its limits…

A topos refuted: having (and failing) to divorce without being married

Scroll for English

Wenn die Hälfte davon, was Yanis Varoufakis in seinem neuesten Buch Adults in the Room beschreibt, stimmt – mehr oder weniger, dass alle einschließlich der Griechen in den Eurogroup-Sitzungen vor zwei Jahren eingesehen haben, dass Griechenland in einer unentrinnbaren Schuldenfalle ist, aber alle (wieder einschließlich usw.) den Staatsbankrott lediglich aus Angst vor einer irrationalen Panik der Märkte vermeiden wollen, d.h. nicht etwa aus Europatriotismus – dann ist Europa etwas Groteskes: Eine Gemeinschaft, die keine Ehe darstellt, von der du dich aber nicht verabschieden kannst, weil die Scheidung noch nicht geregelt ist.

Europa ohne GR
Enough with scrolling

Let only the half of what Yanis Varoufakis describes in his newest book on the Eurogroup meetings two years ago be true: the European establishment and the Greeks as well, all recognise that Greece is trapped in a huge debt not to be paid back until the Second Coming of the Lord, that the only rational way to solve the problem is some kind of payments’ default, but are reluctant to say it openly because they fear an irrational panic of the markets, and NOT out of loyalty towards the European idea. If half of this is true then…

… well, then, Europe is a state of non-marriage that you can’t quit because the legal formalities of divorce are not settled.

Ristrexit

Scroll for English

Die Frage lautet: Wenn die EU beweist, dass ein Binnenmarkt zu protektionistischen Betrügereien hinter der Fassade führt, wo hat man keine protektionistischen Betrügereien? (Kleine Hilfe: logische Kontraposition!)

Vor der Beantwortung der Frage möchte ich allerdings einem Missverständnis vorbeugen: Trotz des Titels dieses Beitrags bleiben die Philosophischen Ristretti, wo sie gerade sind: unter http://www.philori.de mit einem “.de” am Ende und bei WordPress. Meine Leser brauchen keine Lesezeichen zu ändern oder Ähnliches. Und es wird sogar meistens in Deutschland gepostet werden. Untertags wird aber der Autor dieser Beiträge in der Schweiz lehren – nach wie vor Grundlagen der Mathematik und Ethik und Religion.

Das ist natürlich keine politische Entscheidung – keine jedenfalls im herkömmlichen Sinn von “politisch”.

Und trotzdem…

In den letzten Jahrzehnten erlebte ich die EU aus meiner Berufsperspektive des Uni- und Gymnasiallehrers als eine Kulturlandschaft, die zwar bunt ist, deren Bewohner aber am liebsten eine Monokultur einrichten würden. Das Englisch meiner Aufsätze war immer stilistisch und grammatikalisch richtig, fanden die britischen Peers, bloß auf dem Flur eines britischen Philosophiedepartments habe man idiomatische (Mode-) Ausdrücke, die ich nicht verwende. Oder der Kandidat aus Oxford, den ich präferierte, hatte – wie schrecklich! – keine Note auf der Doktorurkunde, sagte der Erfurter Kollege. Es gab auch die besonders Kranken: den Kontinentalphilosophen der Fernuni Hagen etwa und das bayerische Schulamt: ersterer attestiert analytischen Philosophen – eigentlich mir – ein “korruptes Deutsch”, letzteres wollte feststellen, ob meine Semesterwochenstunden an der Uni Athen genau mit denen in München übereinstimmen, sonst keine Lehrgenehmigung in Bayern. Der bisherige Französischlehrer meiner Töchter darf in Mittel- und Oberstufe bayerischer Staats- oder Privatschulen nicht unterrichten, weil er kein bayerisches Staatsexamen im Fach Französisch hat. Da könnte ja jeder französische Französischlehrer mit Staatsexamen in Marseille nach Bayern kommen und bayerischen Kindern ein unbayerisches Französisch beibringen, oder? Ich muss zugeben, dass meine Karten mit griechischer Lehrgenehmigung und zwei Erfurter veniae natürlich schlechter als seine waren. In den bayerischen Behörden weiß man wenigstens, wo Marseille liegt. Aber Athen… Oder – noch schlimmer- Erfurt! In diesem Blog habe ich auch von meinen Erfahrungen in Griechenland berichtet.

Fazit: wo die Bauernschläue zum Staatsprinzip erhoben wird, da ist es nur heuchlerisch, von “Europa als Friedensprojekt” zu reden.

Wir erleben den Untergang eines Transvestiten: einer als Friedensprojekt verkleideten Werbemaßnahme auf einer Party von Marktprotektionisten.

Auch deshalb trinke ich in der Früh meinen Ristretto woanders und zwar sehr gern.


Enough with scrolling

The question is: when the EU is the living example that the common market implies fraudulent protectionism behind the curtain, what’s the case when you have no fraudulent protectionism? (I’m giving you a hint: I just negated the consequent)

But first, I’d like to avoid a misunderstanding: despite the title of this post, Philosophische Ristretti, the blog, will remain at http://www.philori.de (with a “.de” at the end) and at WordPress. Don’t change your bookmarks or anything else.

However, while you’ll be reading my posts, I’ll be in Switzerland- at least if you read during the day. Teaching maths and ethics and religion there, instead of Germany is not a political decision – not in the usual sense of “political”. But it’s also not out of the blue. In fact, it is due to the political culture in the EU.

In the last two decades, my impression of the EU vis-à-vis my profession is that of a big place where people pretend to affirm diversity but have a hidden agenda to promote their microinterests in the name of big ideas. The two things are complementary: affirming diversity is a big idea and pretending to do so serves the hidden agenda. Oxford is a great place to study, so I learned in Erfurt, but Erfurt PhDs are better because they’re graded on a scale from 1 to 4. And papers written by non British scholars can be inspiring – so you can see peers of English philosophy journals write – but the language should be more idiomatic for them to be publishable. And there are also the cases of sick provinciality: the continental philosopher from Hagen who calls analytic style “corrupted language” or the Bavarian Ministry of Education that prohibits French teachers of French to teach French at Bavarian schools because they took one didactics module less than the Bavarian norm when they studied for their teacher’s degree in France. Try to persuade Bavarian ministries that the common market was established for things other than the BMWs…

The chancellor talked today about Europe as a “peace-making project”. This is inflationary language. Call it a marketing policy for industrial products in a party held by market protectionists but don’t call it a “peace-making project”… Not the EU… OK, call it what you like, but you can’t make it resemble what you call it.

You can call my morning espresso a poison. I’ll still enjoy it. Every morning. On the other side of the border.

The meaning of allegories

SCROLL FOR ENGLISH

Yanis, ein weltweit bekannter Spieltheoretiker und Freund, mit dem mich unvergessliche Zeiten verbinden, geht ins Rennen als Abgeordneter für die Vouli am kommenden Sonntag, an dem ganz Europa vor dem Gespenst einer Regierung in Griechenland bangt, deren politische Plattform in der Autonomenszene und bei ehemaligen Kommunisten ihren Ursprung hat.

Und ja, er kandidiert mit SyRizA – der postkommunistischen Partei.

Ich war vor ein paar Wochen nicht überrascht, als ich es erfuhr – was aber hier nicht das Thema ist.

In dieser neuen Eigenschaft, als Kandidat – und eventuell künftiger Verhandlungsführer der neuen griechischen Regierung – wurde er von der französischen La Tribune interviewt. Folgende war seine Antwort auf die Frage, was er sich denn vorstellen kann, falls der Versuch der linken Regierung nicht vom Erfolg gekrönt wird, einen neuen Schuldenschnitt zu erwirken:

So I say this clearly: Death is preferable.

Was denn die Allegorie des Todes konkret bedeute, wollte fortan der Journalist wissen, um die Antwort zu erhalten:

The term “death” was allegorical. And like any allegory, the less said the better, and this is understandable.

In den 70er Jahren gab es in der analytischen Philosophie ein großes Gespräch über die Bedeutung von Metaphern. Max Black hatte die überkommene Weisheit verteidigt, dass Metaphern durchaus bedeutungsvoll und wahr sein können. Das tat er allerdings, so wie übrigens kontinentale Philosophen auch, an der Wahrheitstheorie vorbei. Donald Davidson mahnte, Metaphern seien stets falsch, denn sie beschreiben per definitionem nicht den eigentlichen Sachverhalt, sondern einen anderen. Z.B. wurde der Wuidschütz Jennerwein – „Ein stolzer Schütz in seinen besten Jahren wurde von dieser Erde weggefegt“ – anders als im Vers angegeben nicht mit einem Besen ermordet.

Donald Davidsons These hat was: Sie ist trocken und bitter, was nach Wahrheit schmeckt – um es metaphorisch zu sagen… Wenn sie stimmt, dann sind Allegorien oft Kategorienfehler: Delacroix’ halbnackte Frauen als allegorische Bilder der Freiheit, die Taiga als allegorische Darstellung der seelischen Leere in Tarkowskij-Filmen, der Tod als Allegorie des nächsten Tages der Greeconomics, nachdem Wolfgang Schäuble gesagt hat: “Herr Ich-kann-Ihren-Namen-nicht-aussprechen, ich möchte Ihnen nur eines sagen: Einen Schuldenschnitt gibt es nicht und Sie machen jetzt was Sie wollen“: alles eine Vermengung von gegenständlichen Bildern und abstrakten Begriffen. Kategorienfehler!

Vielleicht ist es – wie Yanis andeutet – plump, à la Davidson darauf hinzuweisen, dass Allegorien Kategorienfehler sind. Das heißt allerdings nicht, dass Allegorien ohne Erklärung bleiben sollen. Der Dichter erklärt z.B. die Todesallegorie folgendermaßen:

Der Tod sind die Dohlen, die zappeln
An den schwarzen Mauern und auf den Ziegeln,
Der Tod sind die Frauen, die sich lieben lassen,
So nebenbei wie beim Schälen der Zwiebeln.

Der Tod sind die dreckigen, schäbigen Straßen
Mit ihren großen, illustren Namen.
Der Olivenhain, das Meer und auch
Die Sonne, ein Tod jenseits von des Todes Rahmen.

Stützpunkt der Prevesa-Wache – sechzig Mann,
Am Sonntag spielt die Militärkapelle schön gereiht.
Ein Sparbuch habe ich mir zugelegt
Und es mit dreißig Drachmen eingeweiht.

Kostas Karyotakis, Prevesa, 1928.

 Griechische Fahne

Yanis is an internationally renowned game theorist and a friend with whom I’ve had unforgettable times. And he runs for MP. He wants to be a member of the Vouli in next Sunday’s general elections in Greece.

And, yes, he’s a candidate of SyRizA, the leftist party which evolved out of the reformist Communist Party of Greece to become the favourite of the anarchist communities of Athens and to promise the middle class to reset Greece and the whole of Europe to the status quo anteviz. ante crisin!!!

I wasn’t surprized when I learned it a few weeks ago – but this is here not the issue.

As a candidate and probably the future chief-negotiator of the new Greek government he was asked in an interview with the French daily La Tribune what will happen if no (new) agreement between Greece and the troika is reached. Yanis replied:

So I say this clearly: Death is preferable.

The journalist wanted to know what the death allegory means, to receive the following answer:

The term “death” was allegorical. And like any allegory, the less said the better, and this is understandable.

In the 70s there was in analytic philosophy a huge debate on the meaning of metaphor. Max Black supported the received wisdom according to which metaphors are meaningful and can be true. Like this of Continental philosophers Black’s position was with no reference to the theory of truth. Donald Davidson tried to change this. He urged that metaphors are always false since they describe by definition something which should not be properly described thus. Bob Dylan never felt really like a rolling stone: he’s not a stone even when he rolls!

I do like Davidson’s approach. To say it metaphorically, it’s dry and bitter and I suppose that this is exactly the aftertaste of true words. If Davidson’s view is correct, allegories are often category mistakes. The half-naked women who stand (up) for freedom in Delacroix’s paintings, the taiga as an allegory for emotional emptiness in Tarkovsky’s movies, death as an allegory of the no-agreement’s next day in Greeconomics – all of them are category mistakes which consist in mixing up abstract universals with concrete individuals.

But even if it’s dull as Yanis insinuates to take them to be all mistaken, allegories are by no means to remain unexplained. I’m thinking of the poet’s explanation of the death allegory:

Death are the jackdaws bashing
against the black walls and roof tiling,
death are the women being loved
in the course of onion peeling.

Death the squalid, unimportant streets
with their glamorous and pompous names,
the olive-grove, the surrounding sea, and even
the sun, death among all other deaths.


Base, Guard, Sixty-man Prevezian Rule.
On Sunday we’ll listen to the band.
I’ve taken out a savings booklet,
my first deposit drachmas thirty one.

Kostas Karyotakis, Preveza, 1928.