Mein Verleger über mich und andere Familienmitglieder

Well, I’m afraid, that has to remain in German: my publisher’s interview with the Börsenblatt des deutschen Buchhandels on the house, the concept, the plan…

…and the clan:

Uli Mai 2017

A peer reviewer’s algorithm

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Wer meint, etwas Neues sagen zu können, bejammert die Situation. Der Rest versucht nach Krämerseelenart kleine Karrierebausteine in Form von nichtssagenden und innerhalb von Wochen in Vergessenheit zu geratenden Aufsätzen aufeinander zu legen. Denn das ist das Einzige, was man bei diesem degenerierten Peer-Review-System machen kann. Jaakko Hintikka hat die meines Erachtens schönste Beschreibung der hässlichen Realität vor fast genau fünf Jahren in einer Email an den guten Freund und wichtigen Logiker Jean-Yves Beziau geliefert.

Meine Bücher lagern in Kisten, die Nächte vor einem Umzug sind öde. Denn wo notiere ich was mit dem Bleistift auf dem e-book? Auf dem Bildschirm etwa?

Da nun unsere Bleistifte bekanntlich klüger sind als wir, habe ich einen genommen und den Algorithmus des durchschnittlichen Zeitschriftengutachters formuliert. Gleich nach dem englischen Text ist er zu finden. Viel Spaß bei der Entdeckung eines Stücks einflussreicher Wissenschaftspolitik…

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It’s much deplored by at least those scholars who have something new to say: the peer-review system is degenerate. The soberest description of the sad situation was given to my mind almost exactly 5 years ago by Jaakko Hintikka as quoted by Jean-Yves Beziau – an important logician and a good friend – here following a personal communication between them.

Since my books are all in boxes and, until we arrive at our new home, I have only e-books to read (not really an option since I can’t use my pencil on the screen…) I spent my time last evening with formulating what apparently is the algorithm of a peer reviewer. Enjoy!

Peer reviewer's algorithm

1966

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Die Beatles brachten Revolver heraus und zwei Entitäten, mit denen ich mich identifiziere, erblickten das Licht der Welt. Die eine bin ich. Die andere ist diese:

http://www.buchmarkt.de/content/65517-philosophia-verlag-50-.htm

It was in 1966 when the Beatles released the album Revolver and when I was born. And when the publishing house Philosophia, was founded.

I spent a lot of time in my life enjoying orchestral parts of pop compositions, all the time of my life with myself, and I published on time at Philosophia; among other things I’ve done with them, much more forthcoming…

It was about time

Scroll for English until just after the German word: „Einzelbeiträge“

Dem von mir herausgegebenen Band Time and Tense, der seit dem 15. Mai im Handel erhältlich ist, ist eine lange Vorbereitungszeit vorausgegangen. Es war höchste Zeit, dass er herauskommt. Meine Leser werden natürlich keine Rezension hier erwarten – vom Herausgeber selber, Gott behüte! Ich verrate hier nur meine persönliche Perspektive und eine Liste der Einzelbeiträge.

Hans Burkhardt wollte mich einen Band herausgeben lassen, der einen eher klassischen Schwerpunkt der Philosophie der Zeit haben würde. Bas van Fraassen hatte sich 1970 in seinem mittlerweile legendären Buch An Introduction to the Philosophy of Time and Space den klassischen Fragen der Zeitphilosophie gestellt. Das wollte ich auch – das machte ich ja bereits in meiner Habilitationsschrift. Ich nahm mir ein modernisiertes, vierhundert Seiten langes Remake des Formats von van Fraassens Buch vor, wenigstens zur Hälfte, d.h. minus die Philosophie des Raumes, und bat Bas darum, die Einleitung zu schreiben und unsere Texte zu kommentieren. Das hat er ausgiebig getan und ich bin ihm unendlich dankbar dafür. Man könnte sagen, dass die Zeitreisenproblematik und die Zeitmereologie im Band zu kurz kommen, aber die Zeitreise gehört nicht zum klassischen Rahmen der Zeitphilosophie und zur Zeitmereologie wird mehr als genug, auch aus meiner Feder, im Handbook of Mereology stehen, das ich beim selben Verlag mitherausgebe. In der Managementsprache heißt es „Kannibalismus“, wenn der Verkauf eines eigenen Produkts den Verkauf eines anderen eigenen Produkts beeinträchtigt. Dass es zu so etwas nicht kommt, darauf achte ich. Ein Fabrikantensohn bleibt Fabrikantensohn auch am Ende seines siebten Jahrsiebts. Abgesehen davon halte ich das „Salamipublizieren“ für den typischen Ausdruck einer kleinbürgerlichen Einstellung in der Wissenschaft und verachte es entsprechend.

Zwischen dem vorderen Deckblatt und den Abstracts, den Kurzbios der Autoren und einem Index stehen folgende

Einzelbeiträge:

  • Bas C. van Fraassen, Introduction
  • Miloš Arsenijević, Avoiding Logical Determinism and Retaining the Principle of Bivalence within Temporal Modal Logic: Time as a Line-in-Drawing
  • Allan Bäck, The Reality of the Statement and the Now in Aristotle
  • Hans Burkhardt, Aristotle on Memory and Remembering and McTaggart’s A-Time and B-Time Series
  • Stamatios Gerogiorgakis, Late Ancient Paradoxes concerning Tense Revisited
  • Sonja Schierbaum, Ockham on Tense and Truth
  • Hylarie Kochiras, Newton’s Absolute Time
  • Christina Schneider, Monads, Perceptions, Phenomena – Leibniz on Space-Time
  • Oliver Thorndike, Kant’s Philosophy of Time in the Transcendental Aesthetic
  • William Lane Craig, Bergson Was Right about Relativity (well, partly)!
  • Brigitte Falkenburg & Gregor Schiemann, Too Many Conceptions of Time? McTaggart’s Views Revisited
  • Nikos Psarros, The Ontology of Time – A Phenomenological Approach

This is a list of the contributions for the volume Time and Tense, edited by myself and available since May 15th. For years I’ve been preparing it and it was about time for it to be released and it’s about time – period! Of course I’ll not discuss the volume here since I am – for God’s sake – the editor. I’ll just give you a personal note.

Hans Burkhardt said back in 2010 or something that the volume should have a classical setting. I liked this and, as a matter of fact. my habilitation thesis is a discussion of the classical problems of the philosophy and logic of time as conceived by the medievals. In 1970, Bas van Fraassen had addressed the classical problems of the philosophy of time in his legendary Introduction to the Philosophy of Time and Space and so I thought that it would be a good idea to have scholars collectively remake van Fraassen’s attempt, at least the half of it, i.e. minus the philosophy of space, and to ask Bas to comment on our texts, a wish he abundantly fulfilled. God bless him for this, I’m really grateful to him. Time travel and the mereology of time are not very widely discussed in the book, that’s true; but: time travel is not a classical problem and the mereology of time is discussed – also in texts written by me – in the Handbook of Mereology I’m co-editing for the same publishing house. In the language of management it’s called „cannibalism“ when you launch a product that sells well but diminishes the demand of another product of you. A son of a factory owner, I had to remain faithful to the values of my family at the eve of my seventh septennial, when I delivered the manuscript. OK, there are many folks out there who make salami publications because they realise that academic publishing is different than other business. I consider salami publications to be petty-bourgeois. Not my cup of tea…

 

Nothingness does exist

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An der endgültigen Fassung dieses Artikels zur „Landschaft“ einer möglichen Welt arbeite ich, die nichts Konkretes enthält. Es ist unvorstellbar, wie viele Dinge in dieser Welt müssen definiert werden können (Mengen, Zahlen, semiotische Systeme), selbst wenn sie keine konkreten Individuen „beherbergt“.

Wie immer, wenn ich an einem Artikel arbeite oder darüber nachdenke, fragt die Familie „Was ist das, worüber du gerade nachdenkst?“ und ich antworte „Nichts“.

Diesmal ist diese Antwort sogar wahr!

Ich habe leider kein Bild für diesen Beitrag anzubieten. Die Aufgabe, das reine Nichts zu fotografieren, reizt mich zwar, aber wirklich gewachsen bin ich ihr doch nicht…

ENOUGH WITH SCROLLING

I’m working on the final draft of this article on the „landscape“ of a possible world which doesn’t contain anything concrete. One cannot imagine how many things can be defined in it (sets, numbers, semiotic systems) even if it is devoid of concrete individuals.

Like always when I think or work on an article, my family asks: „What’s going through your mind right now?“ and I answer „Nothing“.

Which – this time – is true…

There’s no picture for this post, I’m afraid. I find the task of taking a picture of nothingness demanding, but it beats me.

Esse et videri

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Wer seine Dissertation bei Kluwer, de Gruyter, Oxford University Press oder Routledge untergebracht hat, der ist wer; wer nicht, der gilt bestenfalls als nicht professorabler Typ mit interessanten Gedanken – so der neue Trend.

Die Markenverlage – mit ihrer von der Wissenschaft unabhängigen Programmpolitik – fungieren als Gütezeichen für faule Gutachter. Denn, wenn das Buch bei den genannten Verlagen erschien, muss es gut sein, und da braucht der Gutachter nicht gründlich zu lesen – so jedenfalls der Mainstream.

Einerseits ist das kein Grund zum Ärgernis, wenn man bedenkt, dass Klamotten mit Krokodils-, Medusenkopf- und Pferd-mit-Jockey-Signet ähnlich beurteilt werden.

Nur: Hinter dem Wissenschaftsbetrieb sollte man eine andere Denkungsart vermuten dürfen als hinter dem Konsum von Modeklamotten.

Zum Vergleich: Karl Poppers Diss (Zur Methodenfrage der Denkpsychologie, Uni Wien, 1928) ist immer noch unveröffentlicht und Quines und Davidsons Dissertationen (The Logic of Sequences, Uni Harvard, 1932; Plato’s Philebus, Uni Harvard, 1949) erschienen erst 1990 bei einem Verlag, als die Autoren bereits weltweit berühmt waren.

Verlage und Klamotten

The new trend is that the ones whose PhD theses get published in Kluwer, de Gruyter, Oxford University Press and Routledge are on the route to a tenured position before they even thought of staying in academia. The others are guys with interesting thoughts.

The agenda of topbrand publishers is not controlled by a quality-assurance procedure which would be worthy of science’s dignity. However, lazy members of appointment committees see the publisher’s logo as a sign of scientific probity – and as something which spares them the pain of reading carefully.

When I think that this is exactly the way in which the consumer behaves towards clothing items with crocodiles, Medusa heads and horses with jockeys on them, I fail to find a reason to wrangle over appointment committees.

However, scientific probity should be a realm with standards different than those which are predominant in shopping malls.

A comparison with good old times: Karl Popper’s PhD thesis (Zur Methodenfrage der Denkpsychologie, University of Vienna, 1928) is still unpublished today. Quine’s und Davidson’s PhD theses (The Logic of Sequences, Harvard, 1932; Plato’s Philebus, Harvard, 1949) were published only in 1990 after both authors had long become worldwide celebrated philosophers.