A bit of poetry to express what cannot be clearly said

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Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Rilke und Rodin

Autumn Day

Lord: it is time. The summer was immense.
Lay your long shadows on the sundials,
and on the meadows let the winds go free.

Command the last fruits to be full;
give them just two more southern days,
urge them on to completion and chase
the last sweetness into the heavy wine.

Who has no house now, builds no more.
Who is alone now, will long remain so,
will stay awake, read, write long letters
and will wander restlessly up and down
the tree-lines streets, when the leaves are drifting.

Rainer Maria Rilke in Edward Snow’s translation with one small correction

Tsarouchi Phthinoporo

Φθινοπωρινὴ μέρα

 

Κύριε καιρὸς ἦταν καὶ τὸ θέρος μέγα πολύ.

Ρίξε τὸν ἴσκιο σου στὰ ἡλιακὰ ρολόγια,

στὰ χέρσα ἂς τὸν ἄνεμο νὰ ξεχυθῇ.

 

Πὲς νὰ μεστώσουν οἱ ὄψιμοι καρποὶ,

δώσ’ τους δύο ἀκόμη μέρες νότου,

κάν’ τους να ὡριμάσουν πιὰ ἀφ’ ὅτου

θέσῃς τὴν τελευταία γλύκα μὲς στὸ βαρὺ κρασί.

 

Σπίτι ὅποιος δὲν ἔφτιαξε δὲν θὰ τὸ χτίσῃ πιά.

Μονάχος ὅποιος ἔμεινε θὰ μείνῃ γιὰ πολύ,

θὰ ξαγρυπνᾷ, θὰ μελετᾷ ἢ θὰ γράφῃ καμμιὰ μεγάλη ἐπιστολὴ

καὶ στὶς ἀλέες θὰ περπατῇ

ἀνήσυχος μὲς στὴν φυλλοροή.

 

Ράινερ Μαρία Ρίλκε σὲ δική μου μετάφραση

 

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Overlapping holes and shadows

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Der Sommer ist vorbei und mit ihm die schön konturierten Schatten.

Schatten werden von Casati als “Löcher im Licht” bezeichnet. Dabei unterscheiden sich die Schatten von den Löchern in einem wichtigen Punkt: Es gibt sich überschneidende LÖCHER, deren Schnitt natürlich die Stelle oder Stellen ihrer Überschneidung ist. Wenn aber nur eine Lichtquelle vorhanden ist, können sich die SCHATTEN zweier Gegenstände nicht überschneiden.

Nehmen wir z.B. zwei Personen, einen Erwachsenen und ein Kind, die nebeneinander auf einem Bahnsteig stehen. Wenn die Lichtquelle, der Erwachsene und das Kind IN DIESER ANORDNUNG auf derselben Geraden liegen, so dass das Kind voll im Schatten des Erwachsenen steht, wirft das Kind keinen Schatten.

Wenn das Kind nun einen Arm seitlich ausstrecken würde, dann würde es sich freilich auf dem Gesamtschatten bemerkbar machen, es gäbe allerdings KEINE zwei sich überschneidenden Schatten, etwa des Kindes und des Erwachsenen, dessen Schnitt der Kindesschatten minus den Kindesarmschatten gewesen wäre. Was es gäbe, wäre eine Vereinigung aus Kindesarmschatten und Erwachsenenschatten, denn das sich voll im Schatten des Erwachsenen befindende Kind-minus-Arm wieder keinen Schatten werfen würde.

Das heißt, dass zwei oder mehrere Löcher in einem Gegenstand sich sehr wohl überschneiden können, aber es ist Unsinn, von zwei oder mehreren sich überschneidenden Schatten bei einer Lichtquelle zu sprechen.

Schatten

The summer is gone. And the beautifully contoured shadows went with it.

Casati calls shadows “holes in the light”. I don’t find his terminology fitting. Shadows differ from holes in a very crucial point. There is a possibility for two or more holes to overlap. The overlapping parts of two holes are the cut of the same holes. But there are no overlapping shadows of you have only one light source.

Take for example two persons, an adult and a child, standing beside each other on a platform at the railway station. When the light source, the adult and the child are on the same line and the child is wholly in the shadow of the adult, then the child has no shadow.

When the child, now, raises one arm to her shoulder’s height, of course she makes herself seen in the shadow. But the shadow to be seen, then, is not the shadow of, say, one adult and one child with a cut which would be the child minus her arm. No! What you see then, is the union of the adult’s shadow and the child’s arm’s shadow. The child-minus-her-arm remains in the shadow of the adult.

This shows that, while there are overlapping holes in one thing, it’s nonsense to speak of overlapping shadows as holes in the light, when you have only one light source.

Self-Reference Blues

(Scroll for English)

Ich habe drei Nächte hintereinander an einem Artikel gearbeitet – an einem, in dem Selbstreferenz ausnahmsweise keine Rolle spielt – habe deswegen kurz geschlafen, putschte mich dann ganz in der Früh mit kalter Dusche und starkem Kaffee auf, um die Kinder mit etwas klarerem Kopf zur Schule zu bringen, und fühle mich deshalb in der letzten Zeit wie dieser Masochist aus dem bekannten Witz, der es angenehm fand, frühmorgens um fünf eine kalte Dusche zu nehmen.

Mit dem Unterschied, dass der Masochist diesen Wunsch nie verwirklichte, weil er sich eben als Masochist nichts Angenehmes gönnen wollte. Der Witz gefällt mir immer noch nach Jahrzehnten. All diese Fälle der Selbstreferenz, die etwas ad absurdum führt, wovon man sowieso ahnte, dass es absurd ist, wie die Wahrheit simpliciter, der Masochismus und eben die Melancholie, insbesondere die Herbstmelancholie – ja, all diese Fälle gefallen mir.

Ein großes Aber: Die Herbstmelancholie ist zwar schön, allerdings nichts gegenüber der Herbstmelancholie zwischen dem zwanzigsten und dem dreißigsten Lebensjahr, der ich richtig nachtrauere…

Ich bin nicht gut darauf heute. Selbst die Herbstmelancholie macht mich nicht glücklich, selbst die Selbstreferenz macht mich nicht schwindlig. Dringend eine musikalische Pause!

If you start listening to Manos’s music now and start reading today’s posting (slowly!), the crescendo will come at the “good-morning-everybody”-point .

October weather accompanied by melancholy is a Central European must and can be refreshing. However it’s nothing compared to October weather accompanied by melancholy when I was between twenty and thirty. Wouldn’t you get melancholic if you missed a certain sort of melancholy?

I like all these cases of self-reference which lead ad absurdum things which appeared to be absurd already in the first place. Things like melancholy, truth simpliciter and masochism. Some of the readers must know the joke about this masochist who would enjoy to wake up at five o’clock in the morning and to have a cold shower – but never did so, because as a masochist he refrained to do things he would enjoy.

I remembered the joke during my work on this paper – one which has nothing to do with self-reference – for the last three nights now. I worked until very late (or early – it’s a matter of perspective…), then had to take a cold shower and drink a strong coffee before I brought the children to school in the Bavarian October rain.