Die Farbe Weiß und die Weisheit

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Folgende Stelle aus dem Klagelied des gerösteten Schwans aus dem Codex Latinus Monacensis 4660, 53v-54r (d.h. Carmina Burana, Nr. 130) ist dem Publikum aus Carl Orffs Komposition bekannt:

Olim lacus colueram,             Einst bewohnte ich die Seen,

olim pulcher exsisteram,       einst war ich schön,

dum cygnus ego fueram.       als ich ein Schwan war.

Miser! Miser!                           Wie unglücklich bin ich

Modo niger                              jetzt, da ich schwarz

Et ustus fortiter!                       und stark geröstet wurde!

 

Eram nive candidior,               Heller war ich als der Schnee,

quavis ave formosior;               feiner als jedweder Vogel;

modo sum corvo nigrior.           nun bin ich dunkler als eine Krähe.

Lehtonen (Fortuna, Money and the Sublunear World, Helsinki 1995, p. 19) meint, dass das Klagelied des gerösteten Schwans eine Parodie darstellt. Aber eine Parodie von was? Das einzige, woran ich denken kann, ist ein Paradebeispiel der traditionellen Logik: „Alle Schwäne sind weiß“. Dieser als allgemeine Prämisse oft benutzte Satz hat eine interessante Vorgeschichte. In der Topik 120b39-40 schreibt Aristoteles, dass die weiße Farbe Schwänen zwar notwendig zukommt, dass die Schwäne allerdings nicht ihrem innersten Wesen nach weiß sind. In der Ersten Analytik 38a32, sagt Aristoteles, dass ein Schwan zwingend (“ex anankes”) weiß ist, während ein weißer Mensch dagegen nur kontingenterweise weiß ist (“endechetai einai leukon”). Aristoteles denkt hier wohl an “Aithiopes” und “Indoi”, Beispiele, die auch sonst im corpus Aristotelicum vorkommen, während er natürlich nie einen australischen schwarzen Schwan gesehen hatte. Ich denke, dass wir es hier mit zwei verschiedenen Notwendigkeitsbegriffen bei Aristoteles zu tun haben. Es gibt die Notwendigkeit, die wahren allgemeinen Urteilen zukommt, die Notwendigkeit von empirischen Fakten ohne Ausnahmen etwa, und eine, die in einer Definition berücksichtigt wird. Menschen sind weder nach dem ersten noch nach dem zweiten Sinn von Notwendigkeit weiß. Schwäne aber, so behauptet jedenfalls Aristoteles, seien im ersten, nicht allerdings im zweiten Sinne weiß.

Der mittelalterliche Autor des Klagelieds des gerösteten Schwans verstand allerdings Aristoteles anders – d.h. wenn es überhaupt stimmt, dass er eine Parodie zum Paradebeispiel der traditionellen Logik „Alle Schwäne sind weiß“ schrieb, den er unzählige Male gehört haben muss, als er das Trivium studierte. Der Dichter versteht die Notwendigkeit im ersten und im zweiten Sinn als ein-und-dasselbe und zieht aus dem notwendigen Zukommen von weißer Farbe die Konsequenz, der Schwan müsste per definitionem weiß sein. Ergo, ein gerösteter Schwan ist kein Schwan mehr, sondern er war ein Schwan („cygnus fuerat“). Das erinnert an den Trugschluss, der heute als “No true Scotsman” bekannt ist: Schmecke einem kein Scotch, so sei man kein Schotte, sagt der eingefleischte schottische Patriot. Und wenn doch derjenige, dem kein Scotch schmeckt, Angus McManus heißt und in Edinburgh wohnt? Dann sei er kein echter Schotte. „Schotte“ wird umdefiniert, damit sich die Äußerung des eingefleischten schottischen Patrioten stets bestätigt. Ähnlich soll gelten: Ist der Vogel schwarz, dann ist er kein Schwan – jedenfalls kein echter. „Alle Schotten lieben Scotch“ und „Alle Schwäne sind weiß“ werden als analytische Wahrheiten genommen – von Aristoteles, so jedenfalls unser Dichter.

Zusätzlich deutet der Dichter an, Aristoteles würde keinen lebendigen schwarzen Schwan brauchen, um Weiß nicht als notwendige Eigenschaft von Schwänen zu betrachten. Ein gerösteter Schwan hätte genügt.

An das Klagelied des Schwanes dachte ich letztlich, als ich das Wochenende nicht sehr weit weg von Benediktbeuren verbrachte, wo der Codex Buranus wiederentdeckt wurde. Es hat geschneit und geschneit und geschneit. Schnee ist weiß und Weiß ist keine notwendige Eigenschaft von Schnee. Das liegt nicht daran, dass Weiß eine Farbe ist. Rot kommt dem Purpurfarbstoff notwendig zu. Im Gegensatz dazu ist es nun mal eine Tatsache, dass es nichtweißen Schnee gibt

Gibt es ihn wirklich? Das Alltagsdeutsch geht von einer anderen Vorstellung aus, wenn es für den verdreckten Schnee von “Matsch”, nicht von „Schnee“ spricht. Und doch spricht es von „gelbem Schnee“. Inkonsequent das Ganze, aber es scheint wenigstens im Deutschen zu gelten, dass schwarzer Schnee kein echter Schnee ist.

Das Klagelied des gerösteten Schwans ist, wie man sieht, sehr interessant für experimentalphilosophische Gedanken, insbesondere wenn es im Zusammenhang mit „No true Scotsman“ interpretiert wird.

Stimmt es zudem, dass der Dichter des Klagelieds Aristoteles, wie ich meine, auf eine bestimmte Art verstanden hat, dann hat diese Art, Aristoteles zu verstehen, interessante metaphysische Implikationen. Wenn sich etwas nicht ändert, dann sind alle seine Eigenschaften notwendige Eigenschaften. Notwendige Eigenschaften kommen allerdings per definitionem zu, so jedenfalls wenn die Aristoteles-Interpretation des Dichters stimmt. Aber wenn der Perdurantismus Recht hat, hat eine mereochronologische „Scheibe“ von mir unveränderte Eigenschaften, ja nur unveränderte Eigenschaften, die mir dann alle per definitionem zukommen.

Da aber laut thomistischer Theologie nur Gott das Wesen mit nur notwendigen Eigenschaften ist, das Wesen, das nur seine Essenz ist, muss der Perdurantismus falsch sein.

Ich habe keine mereochronologischen Scheiben. Vielleicht die Schneeflocken. Ich jedenfalls nicht.

Schnee

Enough with scrolling

The following citation from the Codex Latinus Monacensis 4660, 53v-54r (i.e. Carmina Burana, Nr. 130), belongs to the short list of the Carmina put in music by Carl Orff. My translation is rather free:

Olim lacus colueram,             Once upon a time I dwelt the lakes,

olim pulcher exsisteram,       once upon a time a handsome mate,

dum cygnus ego fueram.       at the time when I was a swan.

Miser! Miser!                           Alas, unlucky me!

Modo niger                              Now I am black

Et ustus fortiter!                       and strongly roasted!

 

Eram nive candidior,               I was brighter than snow,

quavis ave formosior;               nicer than any other bird;

modo sum corvo nigrior.           now I am darker than a raven.

Lehtonen (Fortuna, Money and the Sublunear World, Helsinki 1995, p. 19) understands the lament of the swan as an ironic parody. But a parody of what? The only thing I can think of is the very common example of traditional logic: „All swans are white“, often taken to be a general premise of a syllogism. The statement has a famous prehistory. In the Topics 120b39-40 Aristotle thought that whiteness, though a necessary quality of swans, does not belong to the essence of a swan. In Prior Analytics 38a32, Aristotle says that a swan is white necessarily (“ex anankes”), contrasting this to a human being who is contingently white (“endechetai einai leukon”), obviously with respect to the fact that there are human beings who are “Aithiopes” and “Indoi” – examples that occur here and there in the Aristotelian corpus. I believe that Aristotle has two different concepts of necessity in mind. The one is a concept of necessity that has the power of true general statements, the other is the necessity of the essential properties of an organism. For human beings it is neither in the first nor in the second sense necessary to be white. For swans, it is necessary to be white in the first sense, so Aristotle thought since he had never seen an Australian black swan, not however in the second.

The medieval author of the poem of the roasted swan, however, did not understand Aristotle in this manner – that is, if I’m correct to think that he is parodising the sentence “All swans are white” known to him from his time as a student of the trivium. The poet makes fun of Aristotle as insinuating that a roasted swan would not be a swan any more („cygnus fuerat“), in virtue of having lost its whiteness. An anti-Aristotelian joker, the poet uses an instance of the modern “No true Scotsman” fallacy: if you don’t like Scotch you’re not a true Scotsman even if your name is Angus McManus and you live in Edinburgh. And if the bird is black, it’s not a true swan. In other words he understands Aristotle to say that not only it’s necessary for a swan to be white but it’s also essential to it. He understands Aristotle as employing the „No true Scotsman“ fallacy and as saying in effect that „All swans are white“ is analytically true – anachronistically speaking.

Of course, Aristotle didn’t have to see a living nonwhite swan to be persuaded that whiteness is not a necessary property of swans. A roasted swan would be enough for this. And this is, I think, a further innuendo of the poem.

I thought about this old story since I spent the weekend in Bavaria, not far from the Benediktbeuren Abbey where the Codex Buranus was rediscovered, and it was snowing and snowing and snowing all these days. Snow is white and white is not essential to snow – or so I think. I mean, red is essential to red nail polish. But white is not essential to swans or snow.

However, colloquial German tends to use the word “Matsch” (≈ mud) for stained or tainted snow instead of the standard term “Schnee”. It does use the equivalent of „yellow snow“ though when it’s about the spot where a dog urinated on the snow. Not very consistent but it does entail that black snow is not snow.

But apart of being interesting as a starting point for experimental philosophy vis-à-vis the „No true Scotsman“ fallacy, the poem has interesting metaphysical implications also. During the time something doesn’t change, if perdurantism is true and every mereochronological slice of this something is an entity, all the properties of this entity are necessary. And if the poet’s joke is more than only a joke, every necessary property is essential to its bearer. But according to scholastic theology, it’s God who has only essential properties.

Which means that either this cannot be an accurate definition of God or perdurantism is false.

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Against the decline of historical knowledge in philosophy

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Bei einem Routinebesuch in der Kaserne der Engelscharen musste Gott feststellen, dass seine Botschafter ein vernachlässigbares Theologiewissen haben. Er hat sofort die nötigen Schritte eingeleitet, dass sich das ändert. Ein paar Theologieprofessoren aus dem Paradies haben schnell einen Studienplan erarbeitet. Die Fächer waren zwar nicht modularisiert – keine Zeit und der Bologna-Prozess war sowieso nach ihrer Zeit – aber die Kurse begannen schnell.

Unter den Dozenten war ein altmodischer Dogmatikprofessor, der seine ersten Sitzungen den traditionellen Gottesbeweisen widmete: von Anselm, von Thomas von Aquin, von Descartes… Nach ein paar Wochen gab er seinen Studenten die Hausaufgabe, selber einen Beweis des Daseins Gottes zu erarbeiten. Am nächsten Tag kamen alle mit Fotos.

Im Gegensatz zum alten Professor wäre David Lewis eher begeistert, wenn ihm jemand eine voll funktionsfähige Zeitmaschine präsentieren würde statt über die Möglichkeit der Zeitreise zu argumentieren. Eine Zeitmaschine wäre nicht nur für Lewis, sondern auch für jeden Philosophiehistoriker eine höchst erfreuliche Errungenschaft. Denn die Disziplin befindet sich unverdient in einer bedrückenden Lage. Immer mehr Philosophen erklären seit anfang des 20. Jahrhunderts, als dieser Trend begann, stolz zu sein, wenn sie keine zwei Brocken Philosophiegeschichte nacheinander reimen können. Sie ignorieren die Vorgeschichte der Themen, die sie untersuchen, sie erfinden aufs neue das Rad oder sie haben keine Chance festzustellen, dass es längst ein Gegenbeispiel zu ihrer Hauptaussage gibt.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, konstruierte ich einen Zeittransporter. Es funktioniert wie jeder stinknormale Star-Trek-Transporter mit dem Unterschied, dass er auch Zeitreisen ermöglicht.

Mit meinem Transporter besuchte ich Bertrand Russell, eine dieser Autoritäten, die von den Leuten hochgehalten werden, die stolz darauf sind, die Philosophiegeschichte zu ignorieren. Russell selber hatte bemerkenswerte philosophiehistorische Kenntnisse und einige sehr interessante Seiten seines Gesamtwerks sind der Philosophiegeschichte gewidmet. Er gab mir eine Nachricht für all diejenigen, die die Worte „Great Dead Philosophers“ mit Verachtung aussprechen. Die Nachricht besagt: „Ich bin genauso wenig tot wie Kant oder Aristoteles“.

– Das kann aber so interpretiert werden, dass ihr alle tot seid! entgegnete ich.

– Selbst in diesem Fall ist es ein Trugschluss ad hominem, unsere Argumente als weniger wertvoll zu betrachten, nur weil wir tot sind! sagte er.

Bertrand and Stamatios

The joke goes like this: during a routine visit in the angels‘ headquarters, God found out that his personell has poor knowledge of theology. Embarassed over this fact, he commanded them to take some theology classes. He mobilized some old theologians who happened to be in paradise and the lessons began.

Among the instructors, there was this old-fashioned professor of dogmatics who started his lectures with the traditional proofs of God’s existence: Anselm’s, Aquinas’s, Descartes’… After a couple of weeks he gave his students as a homework to attempt to give a proof of God’s existence on their own. To his great disappointment, on the next day the students supplied him with photos.

Unlike the old professor, David Lewis would be rather excited if someone would present him a full functioning time machine instead of arguing for the possibility of time travel. Constructing a time machine would be a rewarding task not only to enchant Lewis. It would be the right thing to do in order to make a trend in philosophy undone – one which the discipline doesn’t deserve. The trend began in the early 20th century when more and more philosophers declared to be proud of ignoring the prehistory of the issues they were investigating – with the result that, sometimes, they reinvented the wheel, some other times they didn’t realize that the history of philosophy had already provided a counter-example for their thing.

To make this deplorable trend undone I constructed a time transporter. It works just like a normal spaceship-Enterprise transporter with the difference that it beams you not only across space but also across time.

With the help of my transporter, I visited Bertrand Russell, one of the thinkers considered to be a great authority to most people who are proud of ignoring the history of philosophy today. Russell himself had a remarkable knowledge of the history of philosophy and dedicated some quite interesting pages of his oeuvre to the subject. He gave me a message for all those who utter the words „Great Dead Philosophers“ with contempt. The message reads: „I’m not dead any more than Kant or Aristotle“.

– This could be interpreted to say that you’re all dead after all! I replied.

– But even in this case, it’s a fallacy ad hominem to think that our arguments are less valuable because we’re dead, said he.

In need of a justification to believe

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Es gibt Fideisten, die behaupten, für ihren Glauben an Gott keine vernünftigen Gründe angeben zu müssen. Sie haben ihre vernünftigen Gründe dazu! Denn ein Fideist braucht zwar keine vernünftigen Gründe für seinen Glauben anzugeben aber er nennt in der Regel immerhin ein paar vernünftige Gründe für seinen Glauben daran, dass er keine vernünftigen Gründe für seinen sonstigen Glauben anzugeben braucht.

Es gibt aber auch Kulturen, die vernünftigen Gründen im allgemeinen misstrauen – so wenigstens eine verbreitete Meinung. Ist diese Meinung wahr? So scheint es auf den ersten Blick! Griechisch-orthodoxe kommen z.B., so eine ebenfalls verbreitete Meinung, traditionell ohne Gottesbeweise aus. Was sage ich da? Sie halten Gottesbeweise für des Teufels Zeug – na ja, vom Gottesbeweis des Johannes von Damaskus abgesehen…

Es war ein Mainachmittag in meinem Erfurter Appartment im Amplonius-Haus. Sonnenschein, mittelalterliches Ambiente, Frühlingsmüdigkeit, ein historischer Anthropologe, ein Historiker und ich, über Kaffeetassen und DIN-A4-Blättern gebückt, versuchten einem dicken gemeinsamen Aufsatz eine endgültige Form zu verleihen, als Dittmar, der historische Anthropologe zu mir meinte:

Du kannst nicht von der Verwendung von Gottesbeweisen in verschiedenen Kulturen in einem Aufsatz über Kulturanthropologie schreiben, mein Lieber! Denn, wenn die Logik so etwas ist, wie du behauptest, dann ist sie eine natürliche Kapazität wie das mathematische Denken. Und die Verwendung von ähnlichen natürlichen Kapazitäten ist in verschiedenen Kulturen ungefähr gleich, sobald sie sich entwickelt haben. Es gibt keine russische und keine deutsche Mathematik und deshalb wird es auch keine griechischen und keine lateinischen Gottesbeweise geben.

In einer Weise gibt Dittmars Schilderung tatsächlich das wieder, was ich über Logik denke. Tatsächlich sind Gottesbeweise im griechischen, arabischen und lateinischen Sprachraum des Mittelalters bekannt, so wie es den Satz des Pythagoras in verschiedenen Kulturkreisen gab. Aber dann, warum sind Gottesbeweise nur im früher lateinischen Sprachraum verbreiteter, ausgeklügelter, wichtiger?

Um es allgemeiner auszudrücken: Warum lebt derjenige, der vernünftige Gründe zum Glauben braucht, mit größerer Wahrscheinlichkeit westlich der Adria?

Gottesbeweis

There are fideists who maintain that they don’t need to justify their believing in God. Of course, they have their reasons to think so. I mean, since they are fideists they don’t think that they have to give a rational account for what they believe, however they do occasionally give a rational account for believing that they don’t need to give a rational account for believing something else.

And there are whole cultures which mistrust rational accounts in general. At least this is a widespread opinion. Is this opinion true? So it seems! The Greek Orthodox, all of them or the mainstream, manage to believe in God without proofs for the existence of God – well, except for the proof authored by John of Damascus… In fact, they think that sophisticated proofs are a sign of disbelief.

It was a May afternoon in my appartment in downtown Erfurt. A bright sunlight, a medieval interior, drowsiness, a historical anthropologist, a historian and me, tried all together to give our common publication a final form without spilling the coffee or mixing the papers, when Dittmar, the historical anthropologist, told me:

You cannot discuss the use of proofs of the existence of God in a paper on cultural anthropology, dude! Because if logic is the thing you claim it to be, it is a natural capacity like mathematical thinking. And the use of mathematical thinking, once you develop it, is the same in every culture. There is no Russian and no German way to mathematics and this is why there’ll be no Greek and no Latin way to prove the existence of God.

In a way, what Dittmar said reflects exactly what I think about logic. Indeed, there are proofs for the existence of God in Greek, Arabic and Latin medieval sources, like the Pythagorean theorem is to be found in many cultures. But then why are proofs for the existence of God in the previously Latin part of Europe – and in what emerged out of it – more usual, more sophisticated, more important?

Generally: if those who need a rational account for what they believe in are more probably to be found from the Adriatic westwards, why is this so?

Just released!

Greta und Gott

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Wir haben schon Kinderbücher zu Hause. Aber ich finde es toll, wenn sie versucht, den Namen ihres Vaters herauszulesen.

Das Inhaltsverzeichnis des Sammelbandes können interessierte Leser dem englischen Teil dieses Beitrags entnehmen.

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Not quite the kind of book I normally give my children to read. But it’s nice when she tries to spell out her dad’s name.

The contents:

Robert Sokolowski, „Foreword: The Name of God“, pp. 9-16.

Robert Spaemann, „What Do We Mean when We Say „God“?“, pp. 17-36.

Fr. Thomas Joseph White, OP, „Monotheistic Rationality and Divine Names: Why Aquinas‘ Analogy Theory Transcends both Theoretical Agnosticism and Conceptual Anthropomorphism“, pp. 37-79.

Lawrence Dewan, „Thomas Aquinas and Knowledge of a God as the Goal of Philosophy“, pp. 81-126.

Stamatios Gerogiorgakis, „Bayesian Theism and the Interpretation of Bayesian Probabilities“, pp. 127-145.

John F.X. Knasas, „The „Suppositio“ of Motion’s Eternity and the Interpretation of Aquinas‘ Motion Proofs for God“, pp. 147-178.

Paul Thom, „Shades of Simplicity“, pp. 179-196.

Michael J. Dodds, „The God of Life, the Science of Life, and the Problem of Language“, pp. 197-231.

William J. Wainwright, „Divine Impassibility“, pp. 233-274.

Linda Zagzebski, „Divine Foreknowledge and the Metaphysics of Time“, pp. 274-302.

Anselm Ramelow, „The God of Miracles“, pp. 303-364.

Big Bang

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Dem Kreationismus bin ich alles andere als zugeneigt. Zudem halte ich die Revision religiöser Überzeugungen manchmal für segensreich.

Trotzdem bin ich nicht bereit, auf rhetorischer oder visueller Ebene ein Schritthalten des Glaubens mit der Wissenschaft hinzunehmen. Die Theologie ist eine Art Poesie und muss mit Texten und Bildern arbeiten, die vielen Interpretationen offen sind – nicht zuletzt, damit sich kein Gläubiger die Rolle Gottes und seiner Engel kurz vor dem Urknall so vorstellen soll, wie der griechische Kultkarikaturist Arkas…

Big Bang

Athough I’m not sympathetic to creationism and I consider the revision of religious beliefs sometimes a good thing, I wouldn’t like the pious Christians to imagine God’s and the angels‘ role shortly before the Big Bang like Arkas, the Greek star cartoonist.

Theology is a kind of poetry. It has to work on the textual and the visual level with messages which are open to many interpretations. A theology which follows every scientific development would be as purposeless as a poetry which follows every scientific development.

Matrimonium et pandaemonium

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Ich publiziere das trotz der reellen Gefahr, dass meine Frau es liest:

Descartes und Leibniz und Gödel – ich nenne nur die wichtigsten Vertreter dieser Denkrichtung – analysieren den Gottesbegriff so: Gott ist das Wesen, das alle positiven Eigenschaften und keine negative Eigenschaft verkörpert.

D.h. wenn Gott eine Eigenschaft hat, dann ist diese positiv, und wenn eine Eigenschaft positiv ist, dann hat sie auch Gott.

Ich dachte während meiner jahrelangen Beschäftigung mit Descartes und Leibniz und Gödel, dass das eine Begriffsbestimmung ohne einen für mein Leben praktischen Wert wäre. Aber so sind die plötzlichen Einsichten: Sie verblüffen unverhofft. Vor Kurzem ist mir nämlich eingefallen: Gott ist nicht verheiratet!

Wem wiederum nicht nur positive Eigenschaften zugeschrieben werden, der kann wohl wie die alten Götter verheiratet sein. Lassen wir überdem Annibale Carracci über Heras Gestalt annähernd richtig gelegen haben (annähernd, sage ich…), dann besaß Zeus mit seinen großen Momenten samt Gattin sicherlich eine weniger negative Eigenschaft als bei seinen Eskapaden mit in Kühe verwandelten Frauen!

Unter’m Strich muss ich wohl den Ehestand doch noch bejahen…

Annibale Carracci - Jupiter et Juno

I’m posting this notwithstanding the risk that my wife reads it:

Descartes and Leibniz and Gödel – to mention only the few most important representatives of this line of thought – analyse the concept of God in the following way: God is the entity who possesses all positive properties and no negative property is possessed by God.

In other words, if God has a property then this is a positive property, and if a property is positive then God has it.

I thought during my long occupation with Descartes and Leibniz and Gödel that this is an analysis withouth a practical value for my life until I realised only today that there must be some connection between this analysis and the fact that God is not married!

Those to whom not only positive properties are attributed, like the old Gods, may be married of course. And if Annibale Carracci was right in his depiction of Hera’s body (to some extent, she didn’t need to be that gorgeous…), then having great moments with his spouse was to Zeus a property definitely not as negative as having these other moments with women turned to cows!

So, I suppose that I’m affirming marriage after all…

Disappointing Mary

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Atheisten führen sich manchmal wie betrogene, enttäuschte Lebenspartner auf. Sie drücken z.B. ihren Unmut darüber aus, dass Gott, die Mutter Gottes, die heilige Afra usw. gar nicht existieren würden, um zu erfüllen, was sie versprechen.

Bei Lebenspartnern ist Enttäuschung verständlich, wenn die andere Person

A. wirklich existiert;

B. sie betrogen hat;

C. tatsächlich nicht erfüllt hat, was sie versprach.

Können aber Menschen, die an die Existenz Gottes nicht glauben, irgendeine der Bedingungen A, B und C als zutreffend bei ihrem Verhältnis zu Gott, der Mutter Gottes usw. betrachten, ohne sich in einen Widerspruch zu verwickeln? Wohl kaum…

Fazit: Atheisten, die ihre Enttäuschung von Gott, der Mutter Gottes usw. ausdrücken, sind keine echten Atheisten, sondern Möchtegerngläubige.

Mutter Gottes

Atheists behave sometimes like disappointed partners of an unfaithful man or woman. They are embarassed for God’s, Virgin Mary’s or St. Afra’s failing to exist – which leads to God’s, Virgin Mary’s etc. failing to fulfil what they promise.

In the case of partners disappointment is understandable if the other person

A) really exists;

B) has been unfaithful; and finally

C) has failed to fulfil the promise to be faithful.

Could any real atheist say that any of the conditions A, B and C applies to his or her relationship with God, Virgin Mary etc. without contradicting his or her own belief that God doesn’t exist? Of course not!

I conclude from this that an atheist who expresses disappointment towards God, Virgin Mary etc. is rather wannabe religious than a real atheist.