Performing the inevitable

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So viele Wege nach oben wie nach unten sah Heraklit. Die auf den ersten Blick mutige, weil empirisch während einer nicht zyklischen und nicht rekursiven Fahrt nachzuweisende Mutmaßung, stellt sich erst als wahr heraus, nachdem man reflektiert hat, dass jeder Weg nach oben bei Richtungswechsel automatisch einer nach unten ist – und umgekehrt. Ob du Heidegger oder Otto Mustermann bist: Auf der Rückfahrt vom Schwarzwald an den Rhein sind die früheren Steigungen der Hinfahrt jetzt eher Schanzen. Jede Schanze ist eine Steigung und zwar analytisch so.

Der Eingang (Lateinisch: janua) ins Jahr 2018 ist gleichzeitig der Ausgang aus dem Jahr 2017, das im Wesentlichen dasselbe wie jenes war. Herakliteer können hier einen Fall für die Einheit von Gegensätzen sehen. Ich habe nichts dagegen, solange man klarstellt, dass so verstandene Gegensätze Strukturen der Sprache sind.

Es öffnet sich die Tür. Zwei in ihren Teilen exakt eins zu eins passende Zeitsegmente sind damit vorbei und angebrochen respektive. Man pflegt wie ein Janus in einem Atemzug zu sagen: „Frohes Neues“ und „Gott sei dank ist es vorbei“.

The same procedure wird sich 365 Tage später wiederholen. „The same procedure as every year„.

Warum auch nicht? Wünsche und Grenzen sind performativ: nur dann der Fall, wenn man jene sagt und diese zieht.

Das Neujahr und seine Widersprüche sind eine rein sprachliche Sache.

Enough with scrolling

If you are a Heideggerian who travels from the heights of the Black Forest down to the river Rhine, you might find Heraclitus’s saying that there are as many ways up as down risky. Or contradictory since you’ve been only descending.

However, next time you’ll go to the mountains to celebrate the coming of the new year you’ll be ascending again – and this along the very same slopes. The Heraclitean saying is analytically true. The opposition in it is a matter of language: the simple fact that we have different and opposed words for one and the same trail. „Way up“ and „way down“.

The entrance (which Romans called janua) of the year 2018 is at the same time the exit from the year 2017. If you’re Heraclitean you can see here a case for the unity of opposites. As long as you know that this is only due to opposition in language, this is alright with me.

Behind the door there is a future time segment. In front of it, its mirror in the past. The door opens. You say „Happy new year“ and raise the glasses. „Thank God it’s over“ – glasses haven’t reached the lips yet.

You’ll repeat the procedure in 365 days.

Why not actually? Wishes and limits are performative: only the case if you tell them.

The new year and its contradictions are about language.

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Heraclitus

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„Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen“ schrieb Heraklit wohl meinend, dass das fließende Wasser jeden Fluss beim zweiten Mal zu einem anderen Fluss gemacht hat. Aber dann könne man kein einziges Mal in denselben Fluss steigen, entgegnete Platon ironisch.

Sehr wohl kann man in denselben Fluss steigen – oftmals. Das Wasserwirtschaftsamt München versucht derzeit den Ephesier zu widerlegen, indem es die Schleusen zumacht und den Amper-Isar-Kanal zu einem unheraklitischen Fluss verwandelt.

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„You cannot enter the same river twice“ wrote Heraclitus since he saw in the flowing water a change which makes the river another river when you try to enter it for a second time. Plato replied ironically that this would be an argument for the position that you cannot enter the same river even once.

But yes, you can enter the same river many times! These days the water authority of Munich tries to falsify Heraclitus by closing the canal locks of the canal which ties the rivers Amper and Isar and by making it an unheraclitean river.