Similia non similibus explicantur

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Am Rande einer Diskussion über Homöopathie wurde mir heute klar, wie oft im Netz Hahnemanns Ähnlichkeitsprinzip Similia similibus curentur als die Erklärung für erfolgte Heilung angeboten wird.

Das Ähnlichkeitsprinzip ist jedoch kein erklärendes Gesetz, sondern eine im lateinischen Hortativ ausgedrückte Forderung. Forderungen erklären nicht von selbst, dass es gut wäre, ihnen zu folgen. Wenn es so wäre, dann wäre es gut, Phishing-Forderungen nachzugehen.

Warum hat Hahnemann kein Gesetz formuliert dann? Ich vermute von dem, was ich bei ihm lese, dass er im Ähnlichkeitsprinzip keine Gesetzmäßigkeit sah. Zurecht so. Ein Ähnlichkeitsprinzip im Sinn eines allgemeinen Gesetzes würde im Endeffekt die Inversion von Kausalbeziehungen behaupten. Das wäre, wie wenn ich auf den Gedanken käme, das Tourette-Syndrom, bei dem der Patient schreien muss, mit Bungeespringen zu heilen, und zwar aus der Erfahrung heraus, dass die Bungeespringer beim Absprung meistens schreien.

Es ist keine Schande zuzugeben, einer gewissen Praxis ohne Erklärung nachzugehen. Es ist sogar das Gegenteil manchmal unbeholfen. In katholischen Kirchen werden z.B. am Ostertag bei der Segnung der mitgebrachten Speisen letztere vom Fußboden auf die Bank gehoben, damit der Segen direkter wirkt, als wäre der Segen der klassischen Mechanik unterzuordnen. So etwas tue ich nie. Spielraum für das Unerklärliche kann im Kirchenraum durchaus gelassen werden.

Es ist in vielen Fällen pädagogisch besser, keine Erklärung für die eigene Praxis zu geben. Solange das Erklärbare gegenüber dem Unerklärlichen ein Übergewicht behält, kann man damit philosophisch bleiben: Jemand, der über das eigene Handeln gerne Rechenschaft ablegt.

Dass ein Ristretto etwas Scheinreligiöses sein kann, das ist Alltag. Dass gerade dieser Ristretto aber die einzige begründete Lebenseinstellung darstellen würde, das glaubt kein vernünftiger Mensch.

Enough with English

Following a discussion on homeopathy, I realised today how often one can find in the internet justifications of homeopathy due to Hahnemann’s, a German 18th-century physician’s, principle of similars: „Let like cure like“.

To my mind, this is not homeopathetic but simply pathetic. The Principle of Similars doesn’t explain cure since it’s a demand.

Moreover, if you formulated it in terms of a general law, say of one having the power of „Like cures like“ it would claim the inversion of every causal relation in therapy, which is absurd. Bungee jumping causes a screaming reminiscent to Tourette syndrome, but it wouldn’t be promising to try to cure the Tourette syndrome with bungee jumping…

It’s not disgraceful to confess to have no explanation for a certain practice. But it is a disgrace to pretend that you had one when you had none. I never liked the habit in Roman-Catholic Easter masses, to lift the edibles to be blessed from the floor and to put them on the bench. As if blessing were subject to classical mechanics. I never do such things. In the church, there must be room for the ineffable.

As long as the explainable practices you follow in your life keep a balance between rationality and the ineffable, you can remain a philosopher: someone who does bother to give an account of one’s own way of living.

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