A man has to do what a man loves to do

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Wenn die Schüler in ihren Graffiti auf einen Zusammenhang zwischen Ethik und Ästhetik hinweisen, dann spricht das wahrscheinlich für ihr außergewöhnliches Interesse am Fach Philosophie in der Schule – dachte ich bei der Entdeckung obigen Schriftzugs. Oder für eine Hannah Arendt und Gottfried Seebaß nahestehende und in jedem Fall Kant und Popper gegenüber feindselige Haltung. Oder für Beides, was aber nicht sein muss. Man kann nämlich Arendt anhimmeln, ohne Philosoph zu sein. Den moralischen Ästhetismus neomarxistischer Couleur (Klassenkampf aus ästhetischen Gründen sozusagen) habe ich über Umwege erst 2000 bis 2003 in Griechenland kennengelernt und – da muss mich der Leser entweder glauben, oder selber recherchieren – er ist philosophisch extrem dünn.

Andererseits spricht „küssen“ von keiner festen Beziehung. Wenn die Ästhetik sozusagen eine flüchtige Affäre der Ethik ist, dann schadet das wohl der kantischen Morallehre nicht.

Jüngst entdeckte ich, dass der Schülerspruch „Ethik küsst Ästhetik“ von einem Laden in Downtown-Basel abgekupfert ist. Seitdem stelle ich mir manchmal die Kunden besagten Ladens als solche vor, die reingehen, ausschließlich um Schönes und Luxuriöses zu kaufen – was jedenfalls auf den ersten Blick untugendhaft erscheint. Nicht nur die Tugendethik erhebt hier einen Einspruch. Es drängt sich auch das kantische Bedenken auf, ob sie pflichtbewusst handeln, falls sie Moralität konsumieren (Fair-Trade-Zeug), weil diese schön aussieht.

Nun ist die Schönheit nicht das Kriterium des moralischen Handelns. Schiller war ungerecht gegenüber Kant, als er ihn so verstand, er würde vorschreiben, nur Unangenehmes könnte man aus Pflicht tun. Es gibt durchaus angenehme Pflichten.

Man kann einwenden, dass der Kunde per definitionem nicht aus Pflicht handelt, falls er Fair-Trade-Produkte nur deshalb kauft, weil sie schön sind.

Andererseits kommt es bei der Erfüllung einer Pflicht nicht auf die Absicht an. Man muss nicht aus Pflicht eine Pflicht erfüllen.

Fazit: Küsse zwischen Ethik und Ästhetik sind OK. Pflichten dürfen angenehm sein. Vielleicht sind sogar unangenehme Pflichten in einer gewissen Hinsicht auch angenehm, wie Workaholics ständig beweisen.

Ich bleibe dabei, den Ästhetismus als philosophisch dünn zu betrachten. So viel Popperianismus darf sein. Aber ich betrachte ihn nicht als das ultimativ Böse. Blutjunge Leute sollen doch ruhig das Gute mehr mit dem Angenehmen verbinden dürfen. Etwas anderes von ihnen zu verlangen, würde nur Neid verraten.

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First I discovered the graffito in the atrium. It said „Ethics kisses aesthetics“, which I saw as witnessing reflection and as reflecting the students‘ engagement for philosophy as a subject. Months later, I discovered this shop in downtown Basel with the same slogan, which made me think that I was wrong about the students‘ engagement. I imagined the customers of the shop: going in, in one of the universe’s most expensive spots, buying overrated commodities with prices saltier than the cheese they make for the aperitif a couple of miles souther, and leaving the shop after having done something good for the world after they bought things they would never have bought if they didn’t appear luxurious to them. Not quite the action you’d call „virtuous“.

Aestheticism makes me button my moral coat. Moralist aestheticism, a Neomarxist one, was a concept I had encountered in Greece between 2000 and 2003. It was something like a state philosophy back then, with direct contacts to the almighty ministry, and it remains very influential today – just as influential as it is philosophically hollow.

Notwithstanding my general Popperian aversion against aestheticism, I would never go as far as to say that duties must be unpleasant. This is how Schiller misinterpreted the Kantian concept of duty and one really doesn’t have to be as good in poetry and as bad in philosophy as Schiller.

The customers of the shop do act morally after all when they buy luxuries there, under the condition that they are benefactors of moral agents and the shop is one such. The kiss between ethics and aesthetics is an acceptable one. Even Kantianly so… Fulfilling duties doesn’t have to be unpleasant. The kiss doesn’t need to be one in an unimportant affair to be forgiven. Let ethics and aesthetics be a couple for good – no moral objection there!

But if this concept becomes the new paradigm in ethics, who will do the unpleasant duties? I’d say to this that even unpleasant duties have pleasant sides. Don’t workaholics demonstrate this constantly?

This is why aestheticist students don’t offend my view on ethics. It’s no good for me – it’s hollow. But it’s alright for them and morally acceptable.

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Syncretistic hooligans

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Der Wahlspruch der Basler Fans beginnt kantianisch („Autonom im Handeln“), fährt hegelianisch fort („frei im Geist“), aber den Abschluss kann ich philosophisch nicht einordnen. Ich schätze mal, dass er Nietzsches Einfluss widerspiegelt. Er war ja Prof in Basel…

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The slogan of the F.C. Basel fans begins with a Kantian moral credo („Autonomous action“), continues with a Hegelian postulate („free spirit“), and concludes with something that I can’t quite identify in terms of philosophy. I reckon though that „fanatic in the heart“ is a Nietzscheist element. Nietzsche used to teach here.

The cultural burn

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Jahrelang kann die Suche nach philosophiebezogener Lektüre im Feuilleton der Süddeutschen unergiebig bleiben, bis dann schließlich die ganze Vorderseite von so etwas eingenommen ist…

Frank Griffels Artikel mit dem Titel „Alles außer Aufruhr“ (SZ 121, S. 17) ist der Horror der kulturwissenschaftlichen Klischees: Der Islam habe niemals eine Aufklärung gebraucht, da er mit Ambiguität umzugehen wisse; T.S. Kuhns Wissenschaftstheorie sei Hegelianismus (ergo Eurozentrismus, Kulturchauvinismus or you name it); eine Aufklärung sei in Landstrichen ohne Hexenprozesse und Unterdrückung der Philosophie nicht nötig.

Ich habe auch in der Vergangenheit Kulturwissenschaftler dabei erwischt, das ABC des folgerichtigen Denkens mit Selbstvertrauen und mit beiden Füßen zu zertreten. 2012 protestierte ich z.B. wegen einer selbstreferentiellen Regelung in der DFG (das Heisenberg-Programm gewährleistet die Berufbarkeit von Habilitierten ohne Professur, aber das Kriterium, um in das Programm aufgenommen zu werden, ist eine nicht weiter definierte oder reduzierbare „Berufbarkeit“ des Kandidaten – das (vermeintliche) Entscheidungskriterium und der Gegenstand der Entscheidung fallen zusammen), um von einer Freiburger Orientalistin die Bemerkung zu kassieren, das sei tatsächlich und explizit die Regelung, wieso ich so ein Theater mache…

Zurück zu Griffel: Ein Ambiguität zulassendes Kategoriensystem setzt ein anderes voraus, in dem die Kategorien klar abgesteckt sind. Griffel beschwert sich, dass Kategorien wie „homosexuell“ und „heterosexuell“ die Bivalenz voraussetzen (er hätte hinzufügen sollen: in einem sinnvoll definierten Anwendungsbereich, in dem keine Steine, Flüsse oder Ideen vorkommen, aber seien wir nicht zu streng…), und übersieht vollends, dass, um festzustellen, dass ein Sexualitätsbegriiff „uneindeutig“ ist – etwa derjenige, der bei Frauen zu beobachten ist, die Frauen lieben, plus bei Frauen zu beobachten ist, die keine Frauen lieben – die Kenntnis der dichotomischen Begriffe vorausgesetzt ist. Ohne Dichotomie im Hinterkopf ist der fragliche Begriff nicht zweideutig, sondern man hat einen klar abgesteckten Begriff aller sexuell aktiven Frauen.

Dass Kuhn und Hegel unter einer Decke stecken würden, ist eine Meinung, die nicht nur ketzerisch ist. Sie ist falsch. Anders kann ich’s nicht nennen! Bei Kuhn ist der Zeitgeist etwas, was durch Cliquen, Lobbys und vergängliche Moden zu Stande kommt. Bei Hegel trägt der Fortschritt den Stempel des absoluten Geistes.

Ob Griffels Behauptung zutrifft, dass Gesellschaften ohne Hexenverbrennung und mit philosophischer Literatur es schaffen, ohne Aufklärung Toleranz zu leben und Glück zu vermehren? Dem kann ich zustimmen. Allerdings sind das wohl Gesellschaften von angenehmen, unmündigen Gläubigen. Ich weiß nicht, ob die Armut im Geiste erstrebenswert ist. Kant definierte die Aufklärung jedenfalls als die Befreiung von unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Die Aufklärung hat weniger mit Hexenschutz als vielmehr mit unserem mentalen Hexenschuss zu tun – und mit Maßnahmen dagegen.


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Years can pass before you can read a piece on a philosophical topic in the arts supplement of the Munich-based daily Süddeutsche Zeitung. You’ll be rewarded for your patience, but, alas, the reward may be something like Frank Griffel’s article titled „Anything but revolt“ (SZ 121, p. 17) of last Saturday – a horrible collection of cultural-studies clichés: knowing how to deal with ambiguity, Islam never needed enlightenment; T.S. Kuhn’s views on scientific revolutions is Hegelianism (in Griffel’s eyes this is a very bad thing, equivalent with Eurocentric cultural chauvinism or you name it); and where neither witches were being prosecuted nor philosophers suppressed, there was nothing enlightenment could do for the public.

In the not so distant past, I’ve had the opportunity to witness that cultural-studies scholars can be proud to contradict the ABC of logic. In 2012 I considered it a must to protest against a self-referential rule of the German Fund of Scientific Research (after habilitation, if not tenured, the Heisenberg program keeps you on track, but to get into the program you must be evaluated to be on track) when this Freiburg orientalist remarked that that’s the rule, how comes that I didn’t know…

Back to Griffel: he pleads for ambiguity instead of dichotomy but, of course, ambiguity presupposes dichotomy. His example is that the dichotomy „homosexual“ vs „heterosexual“ makes ambiguity impossible (in a domain of discourse without stones, rivers and ideas, of course but let’s give him this point) and this is a bad thing in Western civilisation. – so he says… 

But of course, if you don’t have the dichotomy and you do launch the (allegedly „ambiguous“) concept of women who love women plus women who love men, what you have is the unambiguously defined concept of sexually active women.

Griffel’s Kuhn-and-Hegel bit is not just heresy. It is – I have no other word for it – an error! Paradigm changes are due to ingroups, lobbying, fashions. Hegel’s zeitgeist bears the seal of the Absolute.

The only one of Griffel’s statements I can grant is that you don’t need to be enlightened to show tolerance, to not bother to burn witches and books. Four-year-olds, not exactly what you’d call an enlightened citizen – can be very tolerant towards diversity, they don’t prosecute witches even if they’re afraid of people they consider to be such, and very often – however not always – they’re not interested in your volumes of Kant’s collected works and, therefore, it’s unlikely that they would paint in them, tear pages and the like. But they would also believe anything you tell them. Talking about Kant, let me quote his definition of enlightenment:

Enlightenment is man’s emergence from his self-imposed nonage. Nonage is the inability to use one’s own understanding without another’s guidance.

As you see, it’s not only about witches and books.

Death and rationality

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Ein Brüsseler Attentäter soll befürchtet haben, seine Tage im Gefängnis zu beenden, womit für ihn klar war, utilitaristisch zu handeln, wenn er wenigstens ein paar Bürger Brüssels mit in den Tod reißen würde. Dabei verzichtete er auf einen Nutzen, der in seinen Augen offenbar weniger wert war, als der Gesamtnutzen davon, Europäer umzubringen: auf die Verlängerung seiner eigenen Existenz.

Ich halte Selbstmordattentäter sowieso für buchstäblich seelisch Kranke. Durch den Umstand, dass sie utilitaristisch argumentieren können, fühle ich mich nicht veranlasst, meine Meinung zu ändern. Denn ein Kosten-Nutzen-Argument in diesem Kontext („Wenn ich sowieso irgendwann sterbe, bevor ich dem Feind schade, soll ich lieber gleich sterben, indem ich immerhin dem Feind etwas schade“) setzt voraus, dass die eigene Existenz auf die utilitaristische Waagschale des Abwägens von Nutzen und Kosten gesetzt wird, um sich als akzeptabler Verlust zu erweisen. Der plumpe Utilitarismus erinnert mich an diese billige nordvietnamesische Kriegspropaganda, die besagte, dass es einen Vietcong-Soldaten gab, der eine Kanone der Gebirgsartillerie den Hang hinunter rollen sah und in das Achsenwerk sprang, um das Gerät mit seinem sich zerquetschenden Körper zu bremsen – und zu retten. „Billig“ nenne ich so etwas nicht, weil ich etwa nicht daran glaube, sondern weil der Akt allein jeden Grund obsolet macht, um für eine Sache zu kämpfen. Ein Kampf um – angenommen – Gutes, soll für das höchste Gut Sinn ergeben: für die eigene eudaimonia, das gottgefällige Leben in Würde, Kontemplation und Harmonie. Wenn ausgerechnet dieses Leben ein Mittel zu einem anderen Zweck ist, kann es selbstverständlich nicht der Zweck meines Handelns sein.

Das Gebot, jeden Menschen gleichzeitig als Selbstzweck („Zweck an sich selbst“) zu behandeln, bildet einen wichtigen Pfeiler der kantischen Ethik. Kant selber meinte, das gehe aus Konsistenzüberlegungen hervor: Sobald angenommen wird, dass ethische Maximen nach dem Vorbild von logischen Gesetzen allgemeingültig sein sollen, ginge das Selbstzweckgebot hervor. Es gibt viele Punkte, in denen ich Kant folgen kann, dieser ist kein solcher. Gewiss kann ein Selbstmordattentäter konsistenterweise jede Menschenexistenz dem Willen Gottes als weit unterlegen betrachten.

Vielmehr sehe ich die Forderung, in sich selber und in jedem Menschen einen Selbstzweck zu betrachten, in der aristotelischen eudaimonia verankert und in der imago-Dei-Theologie bekräftigt. Man darf die eigene Existenz gar nicht in die Waagschale der Kosten zum Gesamtnutzen der Menschheit oder einer Gruppe werfen, da gerade diese Existenz göttlich ist. Weniger christlich ausgedrückt: Sie ist das höchste Gut. Mehr aus einem richtigen Instinkt als Christen denn aus Vernunftgründen haben die Kreuzritter Selbstmordattentäter, die den eigenen Tod als unterm Strich geringen Verlust ansahen, wenn sie mindestens zwei Kreuzritter getötet hatten, „Assassinen“ genannt, was zwar heute in einigen europäischen Sprachen „Mörder“ bedeutet, ursprünglich aber „Haschischbesessene“ heißt. Wenn der Nutzen immer ein persönlicher und körperlich zu empfindender Nutzen ist (das ist aber eine christliche Prämisse), dann ist die Kosten-Nutzen-Rechnung unter der Annahme des Todes des Nutznießers Humbug und wohl nur unter Drogeneinfluss als OK empfunden – so ein sehr wahrscheinlicher Gedankengang hinter der sonderbaren Namensgebung.

Gerade feiern die Westkirchen Ostern und er ist nicht von der Hand zu weisen der Gedanke, dass Jesus auch sein irdisches Leben in eine Waagschale geworfen hat, „damit wir leben können“. Nun, es ist so: Jesus, der Mensch, hat gar nicht sterben wollen („Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“). Und Jesus die göttliche Person war nie tot. Wäre Jesus nicht Gott gewesen und trotzdem den eigenen Tod am Kreuz bejahend, dann wäre er nicht nur kein Heiland mehr, sondern sogar ein fanatischer Selbstmörder und damit denjenigen Söhnen seiner südsyrischen Heimat ähnlich, die ich heute als Kranke betrachte. Unter der Bedingung, dass er nicht Gott wäre, könnte man Jesus nicht mehr achten. Denn es ist moralisch unstatthaft, nach dem Märtyrertod zu lechzen.

Nach den aristotelischen und thomistischen Grundlagen unserer Ethik jedenfalls.

Mein aufbauender Lektürevorschag angesichts der Brüsseler Anschläge und des Osterfestes ist kein religiöses Buch: Hans Joas, Die Sakralität der Person. Nehmt’s wahr im neuen Kontext! Lest es im neuen Kontext! Verbreitet es!

Assassin

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One of the Brussels suicide bombers is reported to have had worries about serving a life sentence, which made him conclude that killing others and himself would be preferable than dying some decades later without killing anyone. This is obviously a blunt utilitarian conclusion and one that evaluates the continuation of one’s own life as inferior compared to suicidally killing others.

I believe that suicide bombers are mentally ill – I mean literally mentally ill. The fact that they can support suicide bombings by means of a cost-benefit analysis doesn’t make them less ill. Utilitarian arguments to the effect of dying in order to cause damage to an enemy take for granted that one’s own existence is an acceptable toll to pay for achieving a desirable goal. However, who achieves the goal of you’re dead? Not yourself… This reminds me of that cheap Vietnamese propaganda about this Viet Cong soldier who is said to have stopped and rescued a large-calibre gun that rolled uncontrolled down the hill with his body – or with what remained of it… I call this „cheap“ not because I believe that the story isn’t true. I call it „cheap“ because I think that actions of this kind during fighting make fighting for any cause pointless and obsolete. If you fight to achieve a goal, this goal has to be compatible with your own eudaimonia, life in dignity, contemplation and harmony that God would have liked you to have. If of all things this life is only a means to achieve another goal, then your life is not the final end of your actions.

There is this Kantian commandment to never refrain from treating human beings as ends in themselves. Kant thought that since moral maxims are supposed to have the general validity of the laws of logic, this commandment follows straightforwardly. I endorse Kant’s views in quite a few cases but this is not such a case. A suicide bomber can consistently consider God’s will to be superior to his own existence.

I’d rather locate the desiderate to see in every person an end in itself as akin to Aristotle’s eudaimonia and as corroborated by the imago-Dei theology. Thou shalt not calculate benefits when your existence is one of the costs, because your existence is of divine origin. To express this idea in a less Christian way: your existence is the highest good.

It’s true, the crusaders were no Aristotelian intellectuals but it was a correct instinct that led them to name suicide murderers „assassins“, originally meaning: „hashish addicts“. An assassin thought that killing two of the enemies by getting killed yourself makes the loss of your own life acceptable. The benefit, however, that you get from your actions is a benefit you have to enjoy yourself (this being a Christian premise), which makes your cost-benefit analysis if your death is the cost, a stultifying contradiction, and one that could be the case only if you’re on drugs. This is a very likely story behind the name „assassin“.

Since the Western Churches celebrate Easter today, you probably can’t help thinking that Jesus was a person who calculated the benefits of our being able to live if He offered atonement – if He sacrificed Himself. But, of course, it is indisputable that Jesus, the man, wanted to avoid being sacrificed („Father, if it is possible, may this cup be taken from me“). And Jesus, the godly person, was never dead. If Jesus had been only a prophet who looked forward to being sacrificed, not only wouldn’t He have been our Saviour but He would have also been very similar to these people from His homeland in Southern Syria whom I take to be mad. If He were no God, Jesus wouldn’t be worthy to be admired because it’s morally wrong to crave for suffering martyrdom.

At least if you’re an Aristotelian or a Thomist.

My book recommendation after the Brussels bombings and the Easter day is not a religious reading: Hans Joas, The Sacredness of the Person. It has to be noticed in the new context. It has to be read under the new premises. It has to be propagated.

The difference between the saint and the good guy

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Erlingers Kolumne im SZ-Magazin liebe ich als Leser sowie aus beruflichen Gründen – Ersteres, weil er genial schreibt, Letzteres, weil seine Kasuistik-Fälle im Fach Ethik gut zu gebrauchen sind. So hat mich die Gewissensfrage noch vor Weihnachten inspiriert, folgende Frage zur schriftlichen Beantwortung zu stellen:

Ich verpacke Geschenke für ein paar Freunde, darunter für einen Blinden. Ich stelle aber fest, dass das schöne Geschenkpapier nicht ausreicht. Genau genommen habe ich fürs letzte Geschenk kein schönes Geschenkpapier mehr. Was soll ich tun?

Während sich alle darüber einigten erstens, dass der Utilitarist für den blinden Freund irgendein Papier nehmen darf, da dieser dies sowieso nicht als Abwertung seines Gesamtnutzens empfindet, wenn er nicht weiß, dass der Utilitarist Papier aus der Altpapiertonne hernahm; zweitens, dass der Kantianer für Gleichbehandlung für alle sorgen sollte…

… war es niemandem klar außer einer unglaublich spitzfindigen Zeitgenossin, was die christliche Reaktion wäre:

 

Als Christ verpacke ich das Geschenk des blinden Freundes in das schöne Papier und lasse das Geschenk meines besten Freundes unter den anderen unverpackt.

……..

Das müssen Sie erst begründen

entgegnete ich vorgestern bei der Besprechung der Arbeiten.

Das ist, glaube ich, der Unterschied zwischen der Heiligkeit und der moralischen Güte. Der Heilige darf sich nicht scheuen, nur ein Signal zu geben, wenn er nichts Besseres tun kann – und zwar auf Kosten der eigenen Beliebtheit.

Ob das ein gutes Argument in diesem Kontext ist, geschweige denn, ob sie Recht hat, weiß ich nicht. Ich muss darüber nachdenken, habe aber jedes Recht, froh zu sein, wenn sie meiner Stunde beiwohnt.

 

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My question was – it was before Christmas – what the main schools of ethics would say to the following case:

I’m wrapping gifts for friends in glossy, colourful paper when I discover that I haven’t got enough paper for the last gift. One of my friends is blind. What do I do?

Students were unanimous that if I were a utilitarian I would use some rubbish paper for the blind friend not to reduce his utility at all. And they were all pretty sure that as a Kantian I should make sure that I treat all friends according to a universal law – probably the same paper for everyone.

But what would my Christian self do? No hint in any paper except in the one of this very brilliant student:

As a Christian you have to use coloured, luxurious paper for the gift of the blind friend and leave the gift of your best friend among the others unwrapped.

….

You have to justify your solution in terms of an argument

I said the day before yesterday, during the discussion of the papers.

Well, I suppose that this is the difference between sanctity and goodness.

said she. And she continued:

 A saint may not be afraid to become unpopular when the situation is helpless and the only thing he can do is to give a signal.

Was she right? Is this a valid argument in this context anyway? I’m not sure. But I’m happy that she attends my class.

 

The lonely professor’s nachlass as a problem of multimodal logic

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Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass mein langjähriger Freund und Mentor Hans Burkhardt vor ein paar Wochen verstarb. Zur schnellen Orientierung in der Thematik: Sein Leichnam ist von der Polizeit im Appartment entdeckt worden, wo er allein wohnte; keine Erben; kein Testament.

Der Verstorbene war ein Freund und Schüler Joseph Bocheńskis, des legendären polnischen Philosophen, der im schweizerischen Friburg wirkte und zwei sehr ungleiche Spezialgebiete hatte: Logik und Sowjetmarxismus. Erstere hat er geliebt, letzteren gehasst, was die Motivation hinter Bocheńskis Gutachten gewiss erklärt, das Bundeskanzler Adenauer sehr nützlich für das KPD-Verbot fand.

Das ist alles Geschichte natürlich – eine Geschichte, deren unbekannte Seiten vielleicht in Hans Burkhardts Nachlass schlummern, in einem versiegelten Appartment voller Papierkram, der vielleicht bald zerstört werden wird.

Hans war außerdem jahrelanges Mitglied des Lorenzen-Instituts in Erlangen und anschließend an der LMU. Das macht ihn zum meines Erachtens einzigen Wissenschaftler, der beiden antagonistischen Instituten der deutschen Wissenschaftstheorie angehörte.

Also schrieb ich an Leute, die vielleicht etwas unternehmen können, um den Nachlass meines Freundes vor der Zerstörung zu retten. Was kann ich sonst noch tun als jemand, der nicht in München, sondern in Erfurt lehrt, der auch keinen Rechtsanspruch hat? Ein Freund behauptet, dass ich mehr tun kann, als Emails aus dem Bauch heraus zu schreiben: die Münchener Professorenschaft anders kontaktieren, mit Journalisten sprechen, Leute mobilisieren usw.

Das kann ich alles nur theoretisch. Ich habe eine Familie zu ernähren; eine Karriere zu unterstützen. Dass meine Zuflucht aus dem Land, in dem die Unis klientelistische Zoos sind, ausgerechnet ein anderes Land war, in dem der Träger des exotischen Nachnamens dreimal (nicht zweimal!) besser als ein Einheimischer sein muss, um zu überleben, war nicht meine Wahl. Es hat sich ergeben. Ich meine, dass mein Leben bereits zu schwer ist, als dass ich mich noch mehr mit der Erretung dieses Kapitels deutscher Geistesgeschichte beschäftigen könnte. Ich habe meine Pflicht getan.

Nachdem das Wort „Pflicht“ gefallen war, sagte der Freund, dass Hans die Kantische Ethik hasste.

Das tat er fürwahr! Hans war ein sehr konsequenter Katholik. Sein moralischer Standard war der Heilige, der Selbstlose – nicht der seine Pflicht erfüllende Kantianer. Allerdings habe ich ein philosophisches Argument dafür, dass die chrlistliche Ethik Heiligkeit und Selbstlosigkeit nicht konsistenterweise fordern kann.

Der Selbstlose ignoriert soziale Konventionen. Er geht ohne großes Nachgrübeln die Gefahr einer Scheidung oder eines sozialen Aus ein. Um es zu ermöglichen, dass eine Gemeinde irgendwo in der Dritten Welt einen besseren Zugang zu Trinwasser hat, verzichtet der Selbstlose auf den Geigeunterricht seiner Kinder – keine Frage! Und die Kinder sollen die Violine auch noch verkaufen.

Wenn das aber und Ähnliches gefordert werden kann, dann gibt es Fälle, in denen „A soll p“ impliziert: „A ist unter Beibehaltung dessen, was aus sozialen Gründen nötig erscheint, unmöglich, so zu handeln, dass p“. A muss mit anderen Worten sich selbst und seine sozialen Bindungen überwinden. Wenn die deontische Logik allerdings eine konservative Erweiterung der Logik des aus sozialen Gründen notwendig Erscheinenden ist, dann impliziert die deontische Logik alle sozialen Notwendigkeiten. Nun ist die Forderung an jemanden, heilig zu werden, damit gleichbedeutend, gerade derartige soziale Notwendigkeiten zu überwinden, was offensichtlich einen Widerspruch nach sich zieht. Daher ist es inkonsistent zu fordern, jemand solle heilig werden.

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ENOUGH WITH SCROLLING

As frequent readers of this blog already know, my long-time friend and mentor Hans Burkhardt died a few weeks ago. A quick orientation: the body was found by the police in the flat in which he lived alone, no heirs are left, likewise no testament.

The deceased was a friend and disciple of Joseph Bocheński, the prolific Polish philosopher of the University of Friburg in Switzerland who was an expert in two very unequal fields: logic and Soviet Marxism. He loved the first, hated the second and this is how Bocheński helped chancellor Adenauer in his struggle to have the Communist Party of Germany banned by the Supreme Constitutional Court of back then West Germany.

This is history, of course, but a history whose traces can probably still be read in Hans Burkhardt’s nachlass, in the sealed flat whose content can be destroyed from time to time to give way to new tenants.

Hans was for years also a member of the Lorenzen institute in Erlangen and a member of the LMU institute of philosophy – to my knowledge the only person who participated in both antagonistic schools of German philosophy of science.

I wrote emails to people who might have the power to rescue the nachlass. What else can I do as someone who’s affiliated to another institute and who has with no legal claim? A friend says that I can do more than writing impulsive emails. I should have tried to approach stakeholders, opinion makers, mobilize more people and, and, and…

However, I have a family to support, I have a career to take care of, and the fact that my only refuge out of the country in which the universities are clientelistic zoos was a country in which you have to be thrice (not twice!) as good as a native in order to survive, wasn’t my choice. What I mean is that I live a life that’s too hard to afford rescuing this piece of German intellectual history all by myself. I did my duty.

My friend heard the word „duty“ and said that Hans hated Kantian ethics.

Certainly he did. Hans was a very devote Catholic. His moral standard was the holy person, the selfless, not the Kantian who simply does his duty. However, if Christian ethics demands people to be selfless and holy, then it is not consistent. I have an argument for this. The following:

The selfless ignores social conventions. The selfless would take the risk of a divorce or of a public outcry without regrets. She would prefer to spend the fees for the violin course of her children in order to finance the improvement of the water supply of a community somewhere in the Third World. And her children would have to sell the violin. This shows holiness, of course. But is it consistent to demand holiness? If yes, then „A ought to p“ implies „It is impossible to A under the condition of certain habits considered to be compulsory by society, to act so that p“. But if deontic logic is a conservative extension of the logic of social necessities, then deontic logic implies all social necessities. However, demanding someone to be holy is to demand her to negate some social necessities. This is an obvious contradiction. Therefore, it is inconsistent to demand someone to be holy.

I’m not a eurosceptic

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Diejenigen, die meinen Namen als griechisch identifizieren, werden sich gewundert haben, da ich mich nicht zur griechischen Krise äußere. Das tue ich deswegen nicht, weil ich Griechenland bereits 2003 voller Enttäuschung unter dem Eindruck der klientelistischen Personalpolitik an den griechischen Universitäten verließ. Da die Universitäten bereits seit den 80ern mehrheitlich von denen geführt werden, die jetzt als Hoffnungsträger auf nationaler Ebene gelten, sind meine Hoffnungen sehr begrenzt – euphemistisch ausgedrückt…

Danach könnte ich mich leicht verstellen, alles wäre mir egal, was in neun Tagen in Griechenland passiert – wenn es nur nicht um Verwandte, Freunde und Europas Zukunft ginge… Aber auch die Sorge um Europas Zukunft verflüchtigt sich langsam.

Europa: das ist die Freizügigkeit auf einem spannenden Kontinent; auch die demokratischen Entscheidungen weg von alten, verkrusteten nationalen Identitäten, die als eine Art biologischer Unfall verstanden wurden – „in weltbürgerlicher Absicht“ wie der Philosoph sagte, über dessen Werk ich promovierte.

Ein Europa allerdings, in dem Kants Gedankengut als eine fromme Lüge verstanden werden wird, wird zu einem Sieg der Misologie. Der Absturz der hochfliegenden Visionen wird der böse Witz, über den ein militanter Antiintellektualismus triumphieren wird. Die Fahne mit den 12 Sternen, das Europaparlament, das Schengener Abkommen werden sich als eine über viele Jahrzehnte hinausgedehnte, banale Reklame der Industrienationen entpuppt haben, mit der es diesen gelang, Mauern niederreißen zu lassen, die der Schutz kleinerer Volkswirtschaften waren.

Was in Griechenland davon übrig bleiben wird, wird eine Lücke sein: Die Lücke, die der Untergang der griechischen Textilindustrie, der griechischen Kleinboote-Werften, des griechischen Kunststoffmaschinenbaus zurücklässt.

Was in Deutschland davon übrig bleiben wird, werden die griechischen Wortfetzen zwischen Neumigranten am Münchener Hauptbahnhof nach neun Uhr abends während der Müllsammlung sein. So viel zum Plan: „Wir verkaufen euch unsere Maschinen und wir importieren von euch Humankapital“. Humankapital, das gerade gegen die Einkommensschwachen hierzulande Konkurrenz treibt.

Die Bessergestellten können dagegen jubeln: Eine Maschine funktioniert am Mittelmeer genauso wie nördlich der Alpen. Und selbst wenn sie es nicht schaffen würde, würde ihr das zunächst zugetraut… Ein Mensch funktioniert nördlich der Alpen nicht genauso wie am Mittelmeer. Und selbst wenn er es schaffen würde, käme er nie dazu, da es ihm bereits im Vorfeld nicht zugetraut würde…

Werde ich zum Euroskeptiker? Ach wo! Ein Skeptiker ist jemand, der keine Gründe erkennt, die dafür sprächen, dass Gott existiert. Wer zu wissen meint, dass Gott nicht existiert, heißt nicht Skeptiker, sondern Atheist.

Ich bin kein Euroskeptiker. Ich bin ein Aneuropist. Meine Hoffnungen auf Griechenland sind sehr begrenzt, meine Hoffnungen auf Europa existieren nicht.

Aneuropist

Readers who recognize that my name is Greek are probably asking themselves why I never write on the Greek crisis. Well, I left Greece in 2003 after three years of nasty experiences in Greek universities – experiences for which clientelism is to blame. And, you know, Greek universities are led since the 80s by those who are considered to be the hope of the country today. How could I be more pessimistic?

So much the better for me, you can say. I can be indifferent. But being indifferent is not easy if the personal destiny of relatives and friends is at stake. And Europe’s future! But this last concern vanishes…

United Europe is about freedom to seek happiness across a very interesting continent. It’s about democratic decisions regardless of the old national identities which were understood as biological accidents. Kant used to say: „in a cosmopolitan sense“.

Understood as a noble lie, however, a united Europe will be misology’s triumph. The defeated vision will be a bad joke about which only militant anti-intellectuals will laugh. The flag with the 12 stars, the European Parliament, the Schengen Agreement, all these things will turn out to have been a long-term marketing strategy of the North to conquer the small national economies of the South.

In Greece, what will remain from all this will be a gap: the gap which the sunken Greek textile industry, the sunken Greek shipyards, the sunken plastics machinery will leave behind.

In Germany, what will remain from all this will be the scattered Greek words of the sanitary workers at the Munich Main Station after nine o’clock in the evening. Obviously, the plan: „You’ll buy from us machines and we’ll import from you efficient people“ was much to the disadvantage of the working class in the North.

But the middle class and the rich are absolutely secure. A machine functions beyond the Alps as efficiently as it functions here, in Germany. And even if it doesn’t: at first instance everyone will assume so… A human being does not function here, in Germany, as efficiently as it functioned beyond the Alps. But even if she were able to do so, at first instance no one would assume this…

Do I become a eurosceptic? Nonsense! A sceptic is someone who sees no reasons to make him believe that God exists. The ones who maintain that there is no God are not sceptics. They’re atheists.

I’m not a eurosceptic. I’m an aneuropist. Almost zero hopes concerning Greece and certainly zero hopes concerning a united Europe.