A peer reviewer’s algorithm

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Wer meint, etwas Neues sagen zu können, bejammert die Situation. Der Rest versucht nach Krämerseelenart kleine Karrierebausteine in Form von nichtssagenden und innerhalb von Wochen in Vergessenheit zu geratenden Aufsätzen aufeinander zu legen. Denn das ist das Einzige, was man bei diesem degenerierten Peer-Review-System machen kann. Jaakko Hintikka hat die meines Erachtens schönste Beschreibung der hässlichen Realität vor fast genau fünf Jahren in einer Email an den guten Freund und wichtigen Logiker Jean-Yves Beziau geliefert.

Meine Bücher lagern in Kisten, die Nächte vor einem Umzug sind öde. Denn wo notiere ich was mit dem Bleistift auf dem e-book? Auf dem Bildschirm etwa?

Da nun unsere Bleistifte bekanntlich klüger sind als wir, habe ich einen genommen und den Algorithmus des durchschnittlichen Zeitschriftengutachters formuliert. Gleich nach dem englischen Text ist er zu finden. Viel Spaß bei der Entdeckung eines Stücks einflussreicher Wissenschaftspolitik…

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It’s much deplored by at least those scholars who have something new to say: the peer-review system is degenerate. The soberest description of the sad situation was given to my mind almost exactly 5 years ago by Jaakko Hintikka as quoted by Jean-Yves Beziau – an important logician and a good friend – here following a personal communication between them.

Since my books are all in boxes and, until we arrive at our new home, I have only e-books to read (not really an option since I can’t use my pencil on the screen…) I spent my time last evening with formulating what apparently is the algorithm of a peer reviewer. Enjoy!

Peer reviewer's algorithm

Logical playboyism

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Es gab eine Zeit, da hatte Theoriebildung mit dem Eingehen eines Risikos zu tun. Wer eine neue Lehre lanciert, publiziert, verteidigt hat, argumentierte nach dem Motto: “Das ist eine korrekte Beschreibung der Welt. So denke ich jedenfalls. Sollte dem nicht so sein, könnt ihr mich auseinandernehmen. Das werde ich mit Bravour ertragen. Aber bis dahin stehe ich da und bin meiner Sache treu”.

Das galt auch für die Logik. Łukasiewicz’ Dreiwertigkeit, van Fraassens Supervaluationen, Lorenzens und Hintikkas dialogische Verfahren, überall wurde eine Entscheidung getroffen – eine richtige, falsche, wer weiß – und heldenhaft verteidigt. Bis Restall seine Unentschlossenheit auf den Namen “Pluralismus” taufte:

The Logical Pluralist

3:am had this interview the other day. It’s about Greg Restall’s logical pluralism.

Once upon a time, launching a new theory was connected with risk: the risk to make a mistake while offering what you thought to be a new description of the world. Łukasiewicz’s decision for a third truth value, van Fraassen’s decision for supervaluations, Lorenzen’s and Hintikka’s decision for game semantics or you name it, all developments in logic involved the risk to fail defending your decisions and fall like heroes do.

Until Restall baptised indecisiveness to be called “pluralism”.