Logical playboyism

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Es gab eine Zeit, da hatte Theoriebildung mit dem Eingehen eines Risikos zu tun. Wer eine neue Lehre lanciert, publiziert, verteidigt hat, argumentierte nach dem Motto: “Das ist eine korrekte Beschreibung der Welt. So denke ich jedenfalls. Sollte dem nicht so sein, könnt ihr mich auseinandernehmen. Das werde ich mit Bravour ertragen. Aber bis dahin stehe ich da und bin meiner Sache treu”.

Das galt auch für die Logik. Łukasiewicz’ Dreiwertigkeit, van Fraassens Supervaluationen, Lorenzens und Hintikkas dialogische Verfahren, überall wurde eine Entscheidung getroffen – eine richtige, falsche, wer weiß – und heldenhaft verteidigt. Bis Restall seine Unentschlossenheit auf den Namen “Pluralismus” taufte:

The Logical Pluralist

3:am had this interview the other day. It’s about Greg Restall’s logical pluralism.

Once upon a time, launching a new theory was connected with risk: the risk to make a mistake while offering what you thought to be a new description of the world. Łukasiewicz’s decision for a third truth value, van Fraassen’s decision for supervaluations, Lorenzen’s and Hintikka’s decision for game semantics or you name it, all developments in logic involved the risk to fail defending your decisions and fall like heroes do.

Until Restall baptised indecisiveness to be called “pluralism”.

Immer fehlt jemand

Mit der Begründung, man könne vielleicht feststellen, was wo existiert, aber nie, was wo fehlt (denn wie lässt sich Nichtsein feststellen?), wurde die Privation, der Mangel an etwas, aus dem Wissenschaftsvokabular in der Neuzeit verbannt.

Das ist unvernünftig, meine ich. Denn Privation lässt sich ohne Schwierigkeiten in einem Fragment der n-wertigen Prädikatenlogik erster Stufe von Łukasiewicz formalisieren (vgl. meinen Entwurf in: Beziau/Jacquette, Around and beyond the Square of Opposition, Basel: Birkhäuser, 2012, 229-239). Aber vor allem habe ich immer besser gewusst, was mir fehlt, als was ich habe.

Das Wetter kann nochmal so sonnig, die Kinder nochmal so glücklich und die Ehefrau nochmal so unbesorgt sein: Übers Wochenende fehlen mir meine Studenten. Es gibt da Abstufungen – also mehrere Privationsstärken. Meine Studenten würden mir anders fehlen, wenn ich vor Ort in Erfurt wohnen würde, wo ich die Hoffnung hätte, ihnen zufällig über den Weg zu laufen, anders, wenn ich in Weimar wohnen würde, wo ich immerhin die Hoffnung hätte, ihren Weimarer Freunden über den Weg zu laufen, und anders in der Münchener Peripherie, wo das Durchschnittsalter – gefühlt jedenfalls – 60 ist. Anders fehlen sie mir jetzt, wenn ich weiß, dass nur ein paar Stunden bis zum nächsten Seminar sind, und anders im Juli…

Im Juli wiederum fehle ich wenigstens hier nicht:

Bild

Im Moment aber schon. Ich frage mich, wie es mein Strand ohne mich, ohne meine Fischernetze, ohne mein Tauchen aushält. Gerade an solchen Wochenenden wie das jetzige.