Epopopöe

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„Germany’s next topmodel“ kann ich nicht sehen, da ich seit Jahren nicht mehr Fernsehen gucke. Ich habe nicht einmal eine Antenne auf dem Dach.

Zu Hause…

Seit einem Aufenthalt bei der Großfamilie weiß ich allerdings viel mehr darüber, als ich wusste. Die Erfahrung war schmerzhaft: sowieso wegen „megamäßig sauer“ und „Megabody“; wegen sämtlicher Ausdrücke, die gleichzeitig das Deutsche, das Englische und das Griechische verschandeln.

Am allerschlechtesten konnte ich allerdings Frau Klums Gewohnheit aushalten (auf Griechisch heißt die Gewohnheit „ethos„), ihre Ablehnung oder Annahme von Kandidatinnen mit Kriterien zu begründen, die sie willkürlich und situativ zu Grunde legt; eigentlich mit Kriterien, die sie gerade erfindet, weil sie ihr lustig oder gerade angemessen erscheinen. Hier muss die eine Dame wegen fehlender „Wandelbarkeit“ (was das auch immer heißen mag) nach Deutschland zurückfliegen, da muss die „Aussstrahlung“ des Mädels für eine Entscheidung herhalten.

Es gibt eine Richterin: sie; keine höhere Instanz; und die Kriterien sind Makulatur nach Gusto. Alles in allem ein Abbild unserer Welt in etwas nackter…

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„Germany’s next topmodel“ is the favourite show of German, Austrian and Swiss teenage girls. The show host, Heidi Klum, is an obviously internationally celebrated former model – don’t ask me for more information, this is what I was told, and even with my ignorance I know more about the TV-celebrities‘ world than they know about mine.

My daughters didn’t want to lose the opportunity to see me watch the show on their German grandpa’s TV. Too often, I do what my daughters want me to do.

The first annoying thing was the language. Every fifth adjective was a superlative. As if this weren’t enough, the superlative was a sociolectic one that wasn’t formed with the German infix -st- for superlatives but with a Greek prefix that – in a quite Greekless way – was „mega-„. You also had anglicisms with „mega-“ – anything goes. A show for the cultural megadeath…

This, however, was nothing compared with Mrs Klum’s arbitrary making up ad-hoc rules for the game during the procedure. At once the spectator and the players learn that there is a non-further definable criterion called „alterability“ and girls without this are disqualified but only Mrs Klum knows what this is. To minimise the damage to the public’s judicial intuitions, she’s also the only juror. As she stands beyond legitimacy and responsibility, she’s a Machiavellistic and Schmittian leader – but without the charisma.

Having someone who does the rules during playing reminds you, I know, of many situations in your everyday life. Perhaps it’s blatant arbitrariness that led the show to success. I don’t know.

And nakedness of course. Also Greeklesness. But this is, as I said, the lesser evil compared with the others.

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Der Unterschied zwischen „Recht“ und „recht“


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Wie eine Tautologie mutet sich der Schriftzug über dem Haupteingang des Amtsgerichts in Halle an der Saale an, der vorschreibt, die Rechtsprechung solle der Rechtsintuition entsprechen. Der Eindruck, dass es sich dabei um eine Tautologie handeln würde, ist natürlich bloß im Sinne eines Trugschlusses in dictione zu gewinnen. Ha! Als ob wir nicht wüssten, wie leicht es passieren kann, dass die Legalität nur dem Angreifer recht ist… Der Trugschluss entsteht im gesprochenen Deutsch wegen der Homophonie von „recht“ und „Recht“  bzw. ist im geschriebenen Deutsch nur in kapitalisierten Schriftzügen möglich. Die Äußerung „Das Recht muss recht bleiben“ – und zwar nicht kapitalisiert, so dass das zweite „recht“ nur mit Minuskeln geschrieben wird –  wäre differenzierter, nüchterner.

Dass das Hallenser Motto einerseits und die tautologische Äußerung: „Recht muss Recht bleiben“ andererseits homophon sind, behält immerhin die Funktion eines Augenzwinkers bei, was beweist, dass die juristische Sprache spielerisch sein kann.

εзεзεзεзεзεзεзεзεзε

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I believe that the English translation of the German inscription seen in Halle near Leipzig is „Justice must remain just“. The alternative translation „Justice must remain justice“ would insinuate that the appeal to nomology to correspond to prescriptions that are intuitively just, is tautological. This would be a German fallacy in dictione. Justice can be intuitively unjust.

Of course, there is a rhetorical point you make when you fallaciously insinuate that justice is a priori intuitively just. This shows that juridical language can be playful.

One vote, two flags, three philosophers: a European riddle

Under two flags

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Der Grundsatz „one man one vote“ spiegelt einen Gleichheitsgedanken wider. In seiner Dissertation on the First Principles of Government (1795) dachte Thomas Paine, dass er ohne Ausnahmen gelten sollte.

In jener revolutionären Zeit erhoffte Kant (Kritik der reinen Vernunft A 752/B 780) von diesem Grundsatz selbst die Entscheidung von philosophischen Fragen:

[Die menschliche Vernunft erkennt] keinen anderen Richter […] als selbst wiederum die allgemeine Menschenvernunft, worin ein jeder seine Stimme hat.

Wenn dieser Grundsatz richtig ist – also moralisch und politisch richtig meine ich – dann bangt Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit und (Doppel-) Wähler sowohl für die deutsche als auch für die italienische Vertretung im Europaparlament, zu Recht um seine Verteidigung im gegen ihn eingeleiteten Strafverfahren wegen Wahlfälschung.

Aber Moment! Wenn binneneuropäische Zweistaatler laut § 6 Abs. 4 EuWG nach eigenem Ermessen auf eines von zwei aktiven Wahlrechten, die sie besitzen, verzichten müssen, dann entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Rechten und Pflichten dieser Bürger. Von ihren Pflichten gegenüber demjenigen Staat, für dessen Europaparlament-Vertretung die Zweistaatler nicht wählen, können sich nämlich diese nicht selektiv befreien. Ich erinnere dabei an die griffige Feststellung Hegels aus der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, § 486:

Aber wesentlich gilt es, dass wer keine Rechte hat, keine Pflichten hat, und umgekehrt.

Das Gegenargument, die Zweistaatler besäßen zwei aktive Wahlrechte, selbst wenn sie das eine nicht ausüben, kann man, denke ich, nicht gelten lassen. Besäßen nämlich Zweistaatler zwei aktive Wahlrechte unbeschadet der Bestimmungen von § 6 Abs. 4 EuWG („One man one vote“), dann würde aus:

1. „Di Lorenzo hat das Recht, für die italienischen Europaabgeordneten abzustimmen“

und

2. „Di Lorenzo hat das Recht, für die deutschen Europaabgeordneten abzustimmen“

folgen:

3. „Di Lorenzo hat das Recht, für die italienischen UND die deutschen Europaabgeordneten abzustimmen“

Das ist jedoch eindeutig nicht der Fall.

Als Philosoph würde ich di Lorenzo raten, folgendermaßen zu argumentieren: „Wenn meine Pflichten als deutscher Bürger weniger werden, kann ich mir eine Selbstbeschneidung eines meiner aktiven Rechte vorstellen“. Damit führt er die Argumentation der Anklage ad absurdum.

Der Haken dabei: Sein Richter wird nicht Kants „allgemeine Menschenvernunft“ sein.

The principle „one man one vote“ has been historically a slogan for equality. In his Dissertation on the First Principles of Government (1795) Thomas Paine thought that it should be valid without exception. Undoubtedly, the late 18th century was a revolutionary time in which Kant (Critique of Pure Reason A 752/B 780) hoped that this principle should decide philosophical questions:

Human  reason […] recognizes no other judge  than universal human reason itself,  in which everyone has his own voice.

If this principle is correct – I mean morally and politically correct – then Giovanni di Lorenzo, editor-in-chief of the German weekly Die Zeit and voter (twice!) for the German as well for the Italian representatives in the European Parliament, has every reason in the world to be concerned about the criminal proceedings against him for fraudulent voting.

But wait a moment! If according to § 6 Nr. 4 of the European Elections Act of the Federal Republic of Germany European double citizens must suspend one of their rights to vote at their own discretion, the equilibrium of the rights of these citizens to their duties is infringed, since, obviously, they cannot free themselves selectively from a duty like they can from their right. I remind the reader Hegel’s brief statement in the Encyclopedia of Philosophical Sciences, § 486:

In essence, it is valid that those who have no rights have no duties and vice versa.

The counter-argument that double citizens do possess the right to vote in both countries even if they do not vote in one of the two is in my mind not sound. If the right of double citizens to vote in two countries would remain irrespectively of EEA § 6 Nr. 4 („One man one vote“), then from the two propositions:

1. „Di Lorenzo has the right to vote for the Italian members of the European Parliament“

and

2. „Di Lorenzo has the right to vote for the German members of the European Parliament“

a third would follow:

3. „Di Lorenzo has the right to vote for the Italian AND the German members of the European Parliament“

which is definitely not the case!

As a philosopher I would recommend di Lorenzo to argue that he would suspend his own right to vote as a German citizen if he would be free to choose a duty which he wouldn’t have to fulfil. This would lead the argumentation of the prosecution ad absurdum.

The problem with this tactic of defence, of course, is that his judge will not be Kant’s „universal human reason“.

Von Kants zu Fichtes Rechtslehre

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Ein großartiges Beispiel für die Unterschiede zwischen Kants und Fichtes Rechtslehre in einem (sehr kurzen) philosophischen Dialog zwischen meiner Jüngsten und mir:

– Lass den Biberbau in Ruhe, Greta! Gefällt es dir, wenn der Biber unseren Zaun verunstaltet?

– Das tut er sowieso. Und das hat er davon.

Greta und der Biber

A great example for the differences between Kant’s and Fichte’s conception of justice in a (very short) philosophical dialogue between my younger daughter Greta and myself:

– Don’t destroy the beaver lodge, Greta! Do you like it when the beaver destroys our fence?

– He does it anyway. He should expect me to do so.