Jesus, Janis, Yanis

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„Notes from the Overfed“, eine von Woody Allens Kurzgeschichten aus der Sammlung Getting Even, soll beim fast gleichzeitigen Lesen von Dostojewskij sowie Weight-Watchers-Magazin entstanden sein und zum Schluss einen grotesken Zusammenhang zwischen Existentialismus und Gewichtabnehmen herstellen. Mir gingen ähnlich groteske Zusammenhänge durch den Kopf beim fast gleichzeitigen Lesen von Dostojewskijs Allegorie des Großinquisitors aus den Brüdern Karamasow – ich meine nämlich, dass es eine Allegorie ist – und dem Blogposting von Yanis Varoufakis mit dem Titel „Are the Best Things in Life Free?“ – einem Reposting der Kolumne Opinion aus den New York Times des 10. Dezember zu Coco Chanels bejahender Antwort auf die Titelfrage.

Was die zweite Quelle anbetrifft, stimme ich mit Coco Chanel überein: Die besten Sachen in der Welt sind tatsächlich umsonst oder fast umsonst: die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Liebe, wofür wir gern leben, sind Beispiele, die sofort in den Sinn kommen. Zwar kann man für Liebe zahlen, mit der eigenen Kaufkraft das Jawort eines anderen Menschen vor dem Bürgermeister erleichtern, einen Hund kaufen, aber die Liebe, die wir meinen, wenn wir nicht vulgär sein wollen, ist eine andere. Eindeutig.

Bei Dostojewski, der ersten Quelle, ist die Sache etwas weniger eindeutig. Das Szenario: Im Sevilla der frühen Neuzeit erscheint ein Mensch, der wie Jesus auftritt: charismatisch, wundertätig, gleichzeitig ohne ersichtlichen Grund an seiner göttlichen Kraft Zweifel aufkommend lassend. Da jedenfalls viele glauben, dass er der wiederkehrende Jesus ist, wird er wegen Gotteslästerung verhaftet. Im Kerker – von dem er sich nicht eigenmächtig befreit, um endgültig zu beweisen, dass er Gott ist, ganz so wie Jesus am Kreuz oder auch so wie die meisten Opfer gerichtlicher Fehlentscheidungen – stattet ihm der Großinquisitor einen Besuch ab.

Um ihm mitzuteilen, dass er ihn wegen blasphemischer Anmaßung hinrichten lassen will? Fast, aber nicht ganz. Er will ihn zwar hinrichten lassen, allerdings nicht wegen Blasphemie, sondern weil er, der Großinquisitor, glaubt, dass der Gefangene tatsächlich Christus sein könnte. Als Christus hätte aber dieser den Menschen klare Zeichen seiner Göttlichkeit geben können: etwa Brot, ein Haus – „Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz?“ sang ihrerzeit Janis Joplin. Das war freilich ironisch von Janis und wer im Kopf behält, dass sie Kris Kristoffersons „Me and Bobby McGee“ interpretierte – „Freedom ain’t worth nothing but it’s free“ – kann ahnen, dass es Sachen gibt, die umsonst und ihr wichtiger waren als deutsche Autos.

Anders als Janis in ihren bekanntesten Songs erscheint Yanis im vorgenannten Blogposting vom Projekt einer nachfrageorientierten Volkswirtschaft durch und durch überzeugt. Eine zivilisierte Gesellschaft solle Bürgern ein Dach überm Kopf liefern. Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass letztere erstere ausnutzen, scheint ihm nichts auszumachen. Dostojewskij sieht die Sache anders. Sein Jesus gibt seine Göttlichkeit nicht preis und den Menschen keine verlässlichen Geschenke, da es ihm darum geht, ihnen die Freiheit zum Glauben zu lassen. Jesus geht es um die Liebe der Menschen um der Liebe willen.

Wer schert sich um die Freiheit, wenn sie nicht essbar ist? – entgegnet der Großinquisitor. Die Pointe ist ernstzunehmen. Für mich allerdings, der ich ständig jungen Leuten rate, sich ihren Neigungen hinzugeben, auch wenn sie damit keinen Lohn ernten, erscheint diese Pointe destruktiv. In meiner Haltung und in Dostojewskijs Allegorie des Großinquisitors spiegeln sich die Stellen 5.Mose 8; Mt 4,4; Lk 4,4 wider: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Für destruktiv halte ich den Großinquisitor, weil die Schenkung von Brot durch einen allmächtigen, oder auch nicht allmächtigen Vater, den Menschen nicht die Freiheit lässt, jenen zu lieben oder nicht. Sie müssen ihn vielmehr lieben. Wer kostspielige Sachen schenkt, verzichtet so gewissermaßen auf kostenlose Sachen wie die Freiheit und die Liebe. Und Coco Chanel hat ja gewusst: die kostenlosen Güter sind die besten.

Nach der Bescherung ist alles so viel schwieriger…

„Notes from the Overfed“, one of Woody Allen’s short stories from the collection Getting Even – the one on an alleged interface between existentialism and obesity – was inspired in a flight in which Woody read almost sychronically Dostoyevsky and the Weight Watchers Magazine. Today I had the opportunity to be inspired in much the same way after reading Dostoyevsky’s allegory of the Grand Inquisitor – I think it is an allegory – from Brothers Karamazov and the New York Times‘ Opinion column of December, 10th titled: „Are the Best Things in Life Free?“, as reposted by Yanis Varoufakis in his blog. Like Woody, I discovered a grotesque connection.

As pertains to the second source I agree with Coco Chanel: the best things in life are free or almost free: air to breath, water to drink, love to make life worth the pains, are ready examples.

It’s not quite uncommon to buy love, to make someone say „yes“ during your wedding because you’re loaded, to bribe your dog. But it’s one thing to be serious about the meaning of love and another to make sarcastic jokes about it. I believe that most of my readers share this intuition with me.

Dostoyevsky, the first source, is a more difficult case in terms of intuitions. The plot: in early-modern Seville, a charismatic man appearing to be Jesus makes miracles but allows doubts on whether he really is Jesus (why? – we don’t know). Many believe that he is Jesus anyway which is the reason why he gets arrested with the charge of blasphemy. The Grand Inquisitor pays him a visit in his cell.

You may assume that the Grand Inquisitor wants to let him know that he’ll have him executed because of blasphemy. This is close but not quite true. He will have him executed alright… But his rationale is that the detained might be Jesus after all. If so, then, as God, he could have easily forced human beings to accept Him as a divine person by giving them gifts: bread, real estate or what have you. Janis Joplin used to sing „Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz“. This is, of course, ironic and those who can recall that she interpreted Kris Kristofferson’s „Me and Bobby McGee“ will remember that she preferred freedom to German cars and this although or because „freedom ain’t worth nothing but it’s free“.

Unlike Janis, Yanis is a scholar very dedicated in demand-oriented financial policies. In the aforementioned posting he claims that a „civilized society“ must guarantee a minimum wealth and housing to everone. The rather high probability by which citizens would exploit such a society while maintaining their loyalty and sympathy towards it on the surface doesn’t seem to annoy him.

Dostoyevsky shows a deeper insight into human matters. He suggests that a God wo bribes human beings for their love deprives them of their freedom to believe or not. Would you fail to have faith to someone who organizes a big showdown to give you bread, truffles, cars, real estate? Thus justified love and faith are the unfree love and faith of a prostitute. However, the Grand Inquisitor insists, who bothers to justify better something that can’t feed the hungry? This is a point you cannot easily dismiss.

You cannot easily dismiss it, but as someone who constantly advises young people to take the freedom to study the subject they love even if it’s not lucrative, I take the Grand Inquisitor’s point to be destructive. I believe that Dostoyevsky alludes here to Deuteronomy 8; Mt 4,4; Lk 4,4: „Man shall not live by bread alone“ and that he gives a great example of what happens when expensive things are supplied by a mighty or not so mighty father or by the civilized society: things like freedom and love, normally for free, disappear because no options are left if you accepted a present. If like Coco Chanel you believe that the things that are for free are the best, this is bad.

After the Christmas presents are given, everything is so much more complicated…

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There’s only love at first sight

Maxvorstadt

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Die von mir geliebten Ensembles in der Maxvorstadt sind immer noch dieselben, die ich vor 21 Jahren geliebt habe: Zum Beispiel das Institut für Logik neben dem Institut für Orthodoxe Theologie hinter einem halbzerstörten Tor – genau mein Lieblingsmotiv damals, als ich meinen Eltern die erste Postkarte aus München schickte.

Die Dinge allerdings, die mir von Anfang an Wurscht waren, sind mir immer noch Wurscht.

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Those glimpses which I still love in the life of the Munich neighbourhood where the university institutes are situated, are still the same during the last 21 years: the Logic Institute and the Institue of Orthodox Theology side by side, just next to the half-destroyed arch – these were exactly my favourite motives 21 years ago, when I sent my parents the first postcard from Munich.

By contrast, all those things towards which I was indifferent back then – well, I still don’t love them.

PS: Thanks to Max Goncharov for the picture.

Zombies cannot fall in love

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Ich fand den Ausdruck „verliebte Zombis“ witzig und wollte darüber etwas schreiben. Aber daraus ist etwas über wahre Liebe geworden – was allerdings zum Frühling und zu den Frühlingsgefühlen passt.

Mito bekrijo, den legendären Starogradski-Song aus den 70ern, habe ich unzählige Male gehört. Der interessierte Leser findet nach dem englischen Text weiter unten einen youtube-Link dazu. Jedes Mal, wenn ich ihn höre, mache ich mir dieselben Gedanken über die Bedeutung der wahren Liebe – ich muss zugeben, dass ich den Song zuerst hörte, nachdem ich eine philosophische Grundausbildung gehabt hatte.

Im Titel des Songs erfahren wir, dass der Typ trinkt, was das Zeug hält – er ist ein „bekrija“. In der ersten Strophe erfahren wir, dass sie auf ihn wartet. In der dritten Strophe erfahren wir, dass er gerade dann trinkt, was das Zeug hält, wenn er sie ignoriert, indem er mit Freunden ausgeht. Im Refrain erfahren wir, dass sie ihm ihr Herz geben und nach seiner alten Mutter gucken will…

Songtexte beschreiben fiktive Situationen. Aber Fiktionen können informativ sein. Z.B. können wir daraus lernen, wie Durchschnittsmenschen das Wort „Liebe“ benutzen. Die Ergebenheit der jungen Frau erhöht ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie ihre Gefühle kundgibt. Statt zu sagen: „Das ist doch lächerlich“ (das wäre doch einen Gedanken wert, wenn die Liebe etwas gewesen wäre, was bei Vorliegen bestimmter Bedingungen erklärbar wäre), tendieren wir eher die Äußerung der Gefühle der Dame gerade deshalb als glaubwürdig einzuschätzen, weil sie extrem ist. Offensichtlich erwarten wir dabei, auf keine Erklärung der Liebe der jungen Frau bei Vorliegen bestimmter Bedingungen zu stoßen. Vielmehr denken wir, dass wahre Liebe bedingungslos ist.

Mit anderen Worten behauptet die Dame im Song nicht, ihn zu lieben, weil bla-bla-bla. Im Gegenteil macht sie ihre Gefühle dadurch glaubhaft, dass sie beteuert, dass sie ihn liebt, obwohl bla-bla-bla – obwohl die Bedingungen für eine vernünftige Beziehung also nicht vorliegen.

Wenn der Song die Bedeutung der wahren Liebe aus Sicht des Durchschnittsmenschen widerspiegelt, dann ist die wahre Liebe nicht kausal bestimmt und die kausale Bestimmung („Ich liebe dich, weil du so reich bist!“; „Ich liebe dich, weil du so nett bist!“; „Ich liebe dich, weil du so ’ne Barbie bist“) hat nichts mit wahrer Liebe zu tun.

Ich komme endlich zu den Zombis: Philosophische Zombis sind kausal durchgängig bestimmte, physische Handlungssubjekte – Körper ohne Geist. Wenn aber die wahre Liebe nicht kausal bestimmt ist, können sich Zombis nicht verlieben. Dass sie Sex haben können, ist dabei irrelevant.

Das ist kein Argument für den Dualismus, sondern nur ein Argument dafür, dass der Dualismus in unserer sprachlich vermittelten Auffassung von mentalen Zuständen verankert ist – selbst in einem Fall wie die sexuelle Liebe, in der das Mentale vordergründig über eine Körperfunktion zum Ausdruck kommt und sei diese nur das Herzklopfen.

 

ENOUGH WITH SCROLLING

 

I wanted to write something about zombies in love because I thought that the topic is fun but I ended up with a piece on the meaning of love – which fits into spring and its fever.

I have listened to Mito bekrijo, the legendary starogradsko song from the 70s, many million times. And every time I hear it I make the same thoughts on the meaning of love – I confess that I heard the song for the first time after I had received a basic training in philosophy.

In the title we learn that the guy drinks like hell – he’s a „bekrija“. In the first stanza we learn that she’s waiting for him to come. In the third stanza we learn that he drinks like hell while hanging out with friends and ignoring her. And in the refrain we learn that she wants to give him her heart and to look after his old mother…

Of course, song lyrics describe only fictions, but these fictions can be informative. For example they can be informative about the meaning of the word „love“. The girl’s dedication to someone who doesn’t deserve it, increases her reliability when she expresses her feelings. Instead of saying: „This is not serious“ (which would be justified in a way if love were something which should be explained on the basis of certain conditions), we rather tend to say: „This is very serious“. Obviously, we don’t expect love to be explained on the basis of any conditions. By contrast we appear to think that real love is conditionless.

Back to the song: She doesn’t say that she loves him because bla-bla-bla. Rather, she becomes reliable by saying that she loves him despite bla-bla-bla – that is although the conditions to feel comfortable about him are not fulfilled.

If the song reflects the meaning of real love like real people understand the word, real love is not causally determined and anything causally determined („I love you because you’re so rich!“; „I love you because you’re so kind!“; „I love you because you’re so Barbie!“) is not real love.

Let’s go to zombies at last: given that love is causally not determined, since zombies are totally causally determined physical agents – bodies without a soul – they cannot feel love – at least in the way in which real people understand the word „love“. They can still make love but this is irrelevant.

Far from being an argument for dualism, this is an argument for how embedded dualism is in our comprehension of the mental – even in a case like sexual love in which the mental is closely connected with a function of the body.

Don’t get me wrong, I mean the heartbeat.

The meaning of life 1.1

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In seinem ersten großen Kino-Auftritt spielt Dustin Hoffman die Rolle eines College-Absolventen, der eine Affäre mit der Ehegattin des Geschäftspartners seines Vaters eingeht. Darauf, ob das biblische Verbot nicht nur für Gattinnen unseres Nächsten, sondern auch für Gattinnen von Geschäftspartnern unserer Familienmitglieder gilt, kommt es mir heute nicht an. Davon gehe ich mal aus… Auch nicht um die spätere große Liebe des jungen Mannes zur Tochter seiner Geliebten geht es mir.

Mein Interesse gilt etwas anderem. In einem sarkastischen Moment des Films fragt der junge Liebhaber seine erfahrenere Sexpartnerin, ob ihre gemeinsamen Betätigungen „zur Abwechslung durch eine Unterhaltung neubelebt werden können“ – mit deprimierenden Ergebnissen. Es ist bereits vor diesem Moment jedem Zuschauer mehr als deutlich geworden, dass die soziale Schicht, die der Film thematisiert, über Symbole ihrer sozialen Zugehörigkeit nachdenkt und spricht, über Sachen wie Häuser, Autos, Geld oder Wege, um Geld zu machen, etwa über Kunststoffprodukte, aber über nichts anderes.

Ich habe nichts gegen Kunststoff. Ohne die Kunststofffabrik meines Vaters wäre ich selber kein Mitglied der oberen Mittelschicht gewesen mit eher unerfreulichen Folgen. Wahrscheinlich wäre mir dann z.B. eine schlechtere Ausbildung zuteil geworden. Abgesehen davon, werden die große Literatur, die großen Gefühle, die großen Ideen nicht von den Statussymbolen der Mittelschicht getragen: nicht von den Einsern ihrer Kinder, nicht von den Gärten ihrer Häuser, nicht von den Ferien in Übersee.

Große Literatur, Gefühle, Ideen werden durch die Liebe und den Tod veranlasst; oder eher durch den Tod und die Liebe. Um es mit Tom Stoppard nach einem Zitat aus Rosencrantz and Guildenstern are Dead auszudrücken:

Wir kommen von der Liebe-Blut-Rhetorik-Schauspielschule: Wir können etwas mit Blut und Liebe ohne Rhetorik vorspielen. Wir können auch etwas mit Blut und Rhetorik ohne Liebe vorspielen. Wir können alle drei Elemente im Widerstreit oder nacheinander vorstellen. Aber Liebe und Rhetorik können wir ohne Blut nicht machen. Blut ist obligatorisch.

Ostern ist ein Fest der großen Literatur, der großen Gefühle, der großen Ideen. Es geht um Schmerz und Tod dabei. Und um einen Sieg gegen den Tod – einen Sieg, der dadurch davongetragen wird, dass jemand stirbt.

Ob das überhaupt Sinn ergibt, darüber scheiden sich die Geister auf eine Weise, die viel heftiger ist, als der Streit der filmischen Liebhaber darüber, ob sie dem Sex eine Unterhaltung vorausgehen lassen sollten oder nicht. Wer über Sinn und Unsinn der Osterbotschaft streitet, hat jedenfalls beiden Liebhabern etwas voraus: ein Diskussionsthema, das sich nicht in den Konventionen einer sozialen Klasse erschöpft. Ostern ist ein ungewöhnliches Fest anlässlich einer ungewöhnlichen Tradition.

Was der Sinn des Lebens genau ist, weiß ich nicht. Aber der Sinn des Lebens besteht mit Sicherheit nicht darin, unsere Zeit totzuschlagen, indem wir uns über Trivialitäten und Konventionelles unterhalten, bis die Zeit irgendwann uns tötet.

In his first big role, Dustin Hoffman is Benjamin, a college graduate and mrs Robinson’s lover – the upper-middle-class alcoholic mother of his future big love. Mrs Robinson’s character in the movie is reminiscent to the fact that the biblical commandment: „Thou shalt not desire thy neighbour’s wife“ also holds of your father’s business-partner’s wife – this is namely what she is to the lad.

But lads can also be emotional and this is why, in a very sarcastic moment of the movie, the youngster asks mrs Robinson to „live [their sex life] up with a little conversation for a change“ – with bad results. The question was meant to be provocative from the very beginning. It is evident to our hero that the people among whom he was socialized have nothing substantial to say. And Benjamin, our hero, is fed up with their hypocrisy, eclipse of emotions, intellect, inspiration. In fact, he rejects their way of having nothing to say or to think apart of the symbols of their social class: houses, cars, money or ways to make money: plastics for example – the main thing someone recommended Benjamin to do in the legendary garden-party scene above.

I have nothing against plastics. Without my father’s plastics factory I wouldn’t be a member of the upper middle class myself – with all the negative results and with some positive among which is an education that could have been worse if my dad didn’t have the factory. But independently of this, the symbols of the middle class, A-grade children, houses, swimming pools or you name it are not what makes big literature, big emotions, big ideas.

The stuff for big literature, emotions, ideas are love and death. Or rather death and love. To quote from Tom Stoppard’s Rosencrantz and Guildenstern are Dead:

We’re more of the love, blood, and rhetoric school. Well, we can do you blood and love without the rhetoric, and we can do you blood and rhetoric without the love, and we can do you all three concurrent or consecutive. But we can’t give you love and rhetoric without the blood. Blood is compulsory.

Easter is about big literature, emotions, ideas. It is about grief. It is about death. It is about a victory over death which can be won in death itself.

Whether this makes any sense is a big discussion; even bigger than the conversation for which Benjamin asked mrs. Robinson before having sex with her. But in order to have this discussion, one has to stop discussing about trivialities like the conventions of a social class. Easter is about unusual things and it is about unusual discussions.

Whatever the meaning of life is, it’s not killing our time discussing about conventions until time kills us.

Philosophische Kinder

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Kinder wollen nicht unbedingt gefördert werden. Sie wollen unbedingt geliebt werden.
Soviel haben sie mit den Erwachsenen gemeinsam.
Ich lese gerade eine Doktorarbeit, in der Platons „ewige Kinder“ (Timaios 22b) eine Rolle spielen.

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Children need new challenges half as badly as they need your love.
This is one of the few things they have in common with grownups.
I’m reading a PhD thesis in which Plato’s „ever staying children“ (Timaeus 22b) play an important role.

Of arguments concerning and images depicting passion

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Vier Bücher würde ich für die Karwoche empfehlen. Richard Swinburnes The Resurrection of God Incarnate, Christos Yannaras‘ Elements of Faith, Philip Sherrards Christianity and Eros und Kallistos Wares The Orthodox Way.

In diesen Empfehlungen gibt es etwas für fast jeden Geschmack: eine empirisch untermauerte Berechnung dessen, wie wahrscheinlich es ist, dass Jesus auferstanden ist (Swinburne); ein liberales Verständnis des Glaubens an die Auferstehung für Leser, die es nicht nötig haben, an eine physische Auferstehung zu glauben (Yannaras); eine ebenso liberale Verknüpfung von christlicher Liebe und Sexualität (Sherrard); schließlich eine allgemeine Einführung in die Orthodoxie vom vielleicht humorvollsten Kirchenmann der heutigen orthodoxen Kirche (Ware).

Meine Empfehlungen haben gemeinsam, dass die Autoren orthodoxe Christen sind; ebenso, dass ihre Werke nicht weihrauchlastig sind. Es überrascht mich selber, dass meine Autoren zu drei Vierteln britische, Oxforder Orthodoxe sind. So bin ich halt…

Andrej Tarkowskis „Opfer“ wäre meine Kino-Empfehlung. Das „Opfer“ ist ein mit Sherrards und Yannaras‘ Denkweise verwandter Film: Die Liebe ist körperlich, Maria braucht nicht Maria zu sein. Sie kann auch die in der Luft schwebende Haushaltshilfe des Nachbarn sein – und das ohne Ironie. Das ist so, weil der Tod und die Auferstehung viel alltäglicher sind, als man denkt.

Filme sind nicht da, um zu argumentieren, sondern um Bilder zu zeigen; gegebenenfalls Bilder schwebender Liebespaare.

Sacrifice10

Andrei Tarkovsky’s „Sacrifice“ would be my DVD recommendation for the Holy Week. It has common elements with something which is a liberal trend in orthodox theology since the 1960s: Christian love is corporeal. Mary doesn’t need to be Mary. She can be the neighbour’s hovering household assistant – and this without irony. This is so because death and resurrection are more everyday phenomena than one thinks.

Movies are not there in order to provide arguments. They are there in order to show images. In this case, these are images of levitating lovers.

But I’m the kind of person who produces arguments rather than images. This is why I would like to recommend my readers who would be willing to take this recommendation four books for the Holy Week: Richard Swinburne’s The Resurrection of God Incarnate, Christos Yannaras’s Elements of Faith, Philip Sherrard’s Christianity and Eros and Kallistos Ware’s The Orthodox Way.

My recommendations meet many tastes: there is something for those who love empirically corroborated calculations of the probability by which Jesus really resurrected (Swinburne); something for those who prefer a liberal understanding of the faith in resurrection and don’t need proofs for Jesus’s physically surviving his own death (Yannaras); something for those who see Christian love and sexuality as very closely connected (Sherrard); finally, something for those who would rather read a general introduction to Orthodoxy written by the perhaps most humorous orthodox metropolitan of our days (Ware).

My recommendations have in common that all authors are orthodox Christians. They also have in common that they’re not „frankincensed“. The fact that three out of four authors are British – orthodox Oxonians – must be a bit of surprise for my readers. It is also for myself, I assure you. But that’s me, I suppose…

Leibnizians love logic

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Das ist die Fortsetzung von „Verliebt aber null Gunstbezeugungen„.

Leibniz definierte die Liebe als Freude am Glück des anderen. So verstanden erbringt die Liebe einen Gewinn für die liebende Person – einen Gewinn auf höherer Ebene als die Ebene des Glücks der geliebten Person. Denn der Gewinn ist eben dieses Glück.

Wer Metaphysik oder Logik oder – von mir aus – Ozeanographie betreibt,  um die Disziplin gedeihen zu sehen, und Freude daran hat, liebt diese Disziplin im Sinn der Definition.

Aber bereits der Umstand, dass man beim Aufblühen eines gerechten Steuerwesens selber finanziell besser steht, macht es unmöglich, das Steuerwesen zu lieben – jedenfalls im Sinn der leibnizschen Definition. Man zieht ja einen direkten Gewinn daraus und keinen auf höherer Ebene.

Freude am Glück des anderen ist Liebe. Freude am anderen ist Konkubinat. Oder ein Zeichen des Hungers.

Leibniz

This is the sequel of the previous posting.

Leibniz defined love as being delighted by the happiness of another. Thus understood, love produces a revenue to the loving – but one of a higher order. The happines of the beloved part is at level one. The satisfaction which the loving part receives from this happiness is at level two.

Doing metaphysics, logic, oceanography – or you name it – with enthusiasm in order to see the discipline flourish is to love the discipline when the only delightment you have from this, is to see metaphysics, logic, oceanography etc. flourish.

But making your tax declaration gladly does not pass Leibniz’s test for love because its benefits are direct.

Being delighted from the happiness of another is love. Being delighted from another is concubinate. Or the satisfaction of hunger.