Nasreddin Gero

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Am 25. September, meinem Geburtstag, beglückwünschen mich viele mit dem Zusatz, alle meine Träume oder Wünsche mögen in Erfüllung gehen. Ich pflege zu antworten, auch die Hälfte meiner Träume würde mich zum glücklichsten Menschen auf dem Planeten machen.

Das ist nicht ohne eine stillschweigende Bezugnahme auf den bekannten Nasreddin-Hodscha-Witz, wonach dieser geträumt haben soll, einen Käufer für seinen dahinsiechenden Esel gefunden zu haben, einen noch dazu, der ganze fünf Goldstücke dafür anbot, woraufhin aber Nasreddin Hodscha in dreister Überschätzung zehn verlangte.

– Fünf gebe ich dir!

– Zehn will ich aber!

Plötzlich wacht der ehrwürdige Nasreddin auf, um festzustellen, dass er nur geträumt hat. Das Gesicht auf das Kissen nochmal drückend, schließt er die Augen nochmal und sagt: “Was soll’s, gib mir fünf…”

Dem Witz geht wahrscheinlich wie sehr vielen anderen Nasreddin-Hodscha-Witzen eine Vorlage in der altgriechischen Witze-Sammlung Philogelos voraus. Das kann leicht nachgewiesen werden, aber ich habe im Moment nicht die Zeit, im Philogelos zu suchen.

Dieselbe Pointe sehe ich in Kants Witz über den ontologischen Gottesbeweis: Der Begriff von hundert wirklichen Talern ist genau derselbe, wie dieser von hundert möglichen Talern (KrV, AA III, S. 401, 22-3). Bloß machen die hundert möglichen nicht reicher.

Andererseits trachte ich in meinen Träumen nicht nach Geld, sondern nach Sachen, die realisiert sind, sobald man an sie glaubt. Ich wünsche mir etwa Ausgewogenheit. Warum wird das nicht verwirklicht?

Offenbar, weil auch Gefühle, Gedanken usw. nicht durch-und-durch intentional sind, sondern eine äußerliche Komponente besitzen. Man kann sich nicht alles einreden. Das wäre ja ein Witz: sich Ausgewogenheit einzureden, um sofort ausgewogen zu sein; sich einen Affekt einzureden, um diesen zu haben. Im Endeffekt zählen auch in der Gefühlswelt nur die echten Taler. Gerade in der Gefühlswelt kann man die unechten zwar ausgeben, aber machen wir uns nichts vor: Es gibt so etwas wie die echte Liebe, um nur ein Beispiel zu nennen.

In der analytischen Philosophie wird zu wenig über die Liebe geschrieben. Ich bin froh, in Ruben Schneider den Herausgeber eines Sammelbandes bei Philosophia Verlag (München) gefunden zu haben. Wenn er den Band zu einem meiner nächsten Geburtstage vorlegt, wird das auch einer der fünf Taler sein.

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On September 25, my birthday, many think that they have to wish that all my dreams may come true. Normally I thank them but add that even half of my dreams would make me the happiest man on this planet – and most probably on other planets too.

In the background of my joke there is the following Nasreddin Hodja story: the wittiest of all imams dreams of arguing with a man who wants to buy his old, ill donkey. Absurdly – but it’s a dream in the middle of the night – the man offers five gold liras for the useless animal – an offer which Nasreddin rejects to audaciously bargain:

– I want ten!

– I’m giving you five!

In the middle of the argument, Nasreddin wakes up to realise that it was just a dream. Disappointed, he presses his face against the pillow, closes his eyes and compromises: “OK, OK, I’ll take five”.

Very probably, the oriental joke is owed to one contained in the late ancient Greek humour anthology Philogelos. Although I could easily offer evidence for this, I won’t. I have no time, I don’t feel like it… Not for a blog posting.

Nasreddin’s gimmick is a famous one in the history of philosophy. Kant ridiculed the ontological argument by pointing out that the concept of one hundred real thalers is exactly the same as the concept of one hundred possible ones (Critique of Pure Reason, AA III, p. 401, 22-3). The obvious disadvantage of the possible thalers is that they won’t make you any richer.

Being a philosopher, I always thought that it’s easier to fulfil dreams concerning intentionality as opposed to such about material goods. Consequently, my dreams are not about thalers but about things you have, if you persuade yourself that you have them. If you think you are balanced, you are balanced. If you think you’re full of love, then you are full of love.

However, the intentionality trick doesn’t work when you want to fulfil the most important wishes in life. Why not, you may ask. I suppose that the reason is because thoughts, emotions etc. are more external and material than we think. One cannot invent one’s own emotions. If you’re honest, you can’t persuade yourself to be balanced or loving. At least not if by this you mean what folk psychology would tag as really balanced or really loving.

In analytic philosophy, love is a surprisingly unloved subject. I did something against this: I found in Ruben Schneider the volume editor of a collection of original articles on every aspect of love to be published in Philosophia Munich’s series Basic Philosophical Concepts, of which I am the editor-in-chief. If Ruben manages to submit the volume on one of my birthdays in the next couple of years, it will be one of these five thalers.

https://youtu.be/PHdU5sHigYQ

La teoria dei giochi sotto le stelle del jazz

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Es ist verblüffend, wie beständig die Aktienmärkte das Geschehen dort als Glücksspiel statt als Gesellschaftsspiel modellieren, um die Anleger und uns, den Rest, immer wieder auf die Nase fallen zu lassen.

Statt hinter Kursschwankungen die Erwartung zu sehen, durch Voraussicht des Verhaltens der anderen, eigene Gewinne zu maximieren, sehen sie ein russisches Roulette. Sie prädestinieren damit das Anlegen von Geld dazu, tatsächlich ein russisches Roulette zu sein.

Paolo Conte umschreibt in Gioco d’azzardo umgekehrt ein typisches Spiel des Verhaltensrisikos (“Was wird sie tun, wenn ich das tue, falls sie etwas anderes tut?”) als Glücksspiel. Immerhin: Er sieht beide Elemente vorhanden.

Conte hat seinerzeit Jura studiert, weshalb ihm ein spieltheoretisches Grundverständnis zugetraut werden kann. Auch so ist es nicht ungerecht, wenn Mourad Mekhail, Hellmuth Milde und ich die Einsicht des Liedermachers bei den Ökonomen vermissen.

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Surprisingly, for decades, economists model what happens in stock markets as a lucky game rather than as a parlour game. “Surprisingly” because in stock markets the expectation is to achieve higher revenues due to prediction of other players’ behaviour.

However, what economists see in stock markets is Russian roulette. This could be the reason why stock markets are really a Russian roulette.

In Gioco d’azzardo, Paolo Conte describes love, a typical game of behavioural risk (What will she do if I do something knowing what she’ll do) as a game of luck. Which shows that, much more wisely than mainstream risk management, he sees some games as having both elements: chance and behavioural risk.

Conte was a barrister before he became a jazz composer. He must have a certain understanding of game theory. Even so, it is not unjust of Mourad Mekhail, Hellmuth Milde and myself (sorry, only in German) to deplore the failure of economists to have the grasp of games which the musician has.

A natural thing: failing to draw conclusions

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Vor vielen Jahren verblüffte Paul Grice mit einem Beispiel eines Sprechakts, das zu kompliziert daherging, um mit Mitteln der Analyse formaler Sprachen angegangen zu werden, gleichzeitig sehr alltäglich war. Ich gebe es in vereinfachter Form wieder: Es ist spät abends, Grice liest etwas Spannendes, als seine Frau plötzlich aus dem Schlafzimmer hustet, so wie sie immer hustet, wenn sie ihn glauben lassen will: “Ich weiß, mein teurer Paul, dass du weißt, dass das nicht der Husten einer Kranken ist, aber gerade deswegen setze ich ihn ein, damit du gleich einsiehst, dass ich so tue, als ob, weil ich mir vernachlässigt vorkomme”.

Was Grice weiß, ist, dass seine Frau nicht krank ist. Was Frau Grice weiß, ist, dass Grice weiß, dass sie nicht krank ist. Was Grice weiß, ist, dass seine Frau weiß, dass er weiß, dass sie nicht krank ist – usw. usf.

In Anbetracht dessen ist es erstaunlich, dass Grice trotz allem zu ihr läuft und so tut, als wüsste er nicht, was dieser Husten ist. Das ist albern! Wieso passiert es?

Grices Erklärung für diese erstaunliche Wendung lautet, dass seine Frau letztendlich trotz allem ihre Meinung klar mitteilte, weil “meinen” in den natürlichen Sprachen eine sehr komplexe Situation darstellt.

Das Thema war sehr modisch in den 70ern und 80ern. Andreas Kemmerling, der die nicht seltene Eigenschaft hatte, eine Zeit lang mein Doktorvater zu sein (ich wechselte vier Stück, bevor ich meine Diss schließlich einreichte), bestritt, wenn nicht eine ganze, so mindestens eine halbe Karriere mit einem Aufsatz, in dem er zu der Einsicht gelangte, nach der vierten Iteration sei es unklar, was Grice und seine Frau wissen würden.

Kemmerling ist natürlich ein cooler Typ und man konnte ihm allein deshalb fast alles lassen. Aber ich denke, dass “Meinen” trotzdem eine viel einfachere Bedeutung hat. Hier ist ein Gedankenexperiment, das ich zur Bekräftigung meiner Behauptung anführen möchte:

Einem ehrlichen, moralisch integren jungen Mann (nennen wir ihn Jack) ist eine junge Frau (nennen wir sie Jenny) sympathisch, die er aber nicht belagert, weil sie, sagen wir, die Freundin eines Freundes ist. Immerhin zeigt er ihr, ehrlich wie er ist, seine Sympathie. Die ahnungslose Jenny fragt Jack in einem Moment, in dem die beiden allein unterwegs sind, warum er nervös ist. Jack ist, wie gesagt, ehrlich; grundsätzlich jedenfalls.

Opfert nun Jack seine Ehrlichkeit seiner Integrität oder umgekehrt seine Integrität seiner Ehrlichkeit? Die moralische Intuition spricht für Ersteres. D.h. er wird stets behaupten, er sei gar nicht nervös. Er wird lieber als Lügner erscheinen wollen! Das wird peinlich für ihn. Als ein Hypokrit wird er da stehen.

Trotzdem wird er bestreiten, nervös zu sein. Jenny wird das nicht hinterfragen. Wenn Jenny – angenommen – weiß, dass Jack seine Nervosität nie geleugnet hätte, wäre diese nicht suspekt, und auch weiß, dass er nervös ist, wird sie wohl denken müssen, dass etwas Suspektes vorliegt. Trotzdem weiß Jenny nicht alle Implikationen ihres Wissens. Sagt Jack: “Ich bin gar nicht nervös”, so steht sie auf der Leitung. Wissen ist nicht geschlossen unter Implikation. Das erscheint paradox, denn Wissen standardweise geschlossen unter Implikation ist. Aber im Alltag gibt’s kein logisches Allwissen.

Dieser Umstand allein lässt das Gricesche Beispiel auch als kein Wunder erscheinen. Paul geht zu ihr, bevor er nachgedacht hat, ob das für beide albern ist.

Zum Glück! Sonst wäre jeder Versuch, Bedürfnis zu signalisieren, ohne Schwäche zu signalisieren, albern. Mit schlimmen Erfolgen für Paare.


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Quite a few years ago, Paul Grice launched a new way to understand “meaning” with a thought experiment that was too complicated to be analysed with formal tools of analysis, at the same time depicting an everyday communication. It’s late in the evening. Grice is reading something exciting when his wife coughs in the typical way she coughs when she insinuates: “I know, dear Paul, that it is clear to you that this is not the coughing of an ill person but what else can I do to make you see that I feel neglected, without making you believe that I’m ill and also without losing my pride?“

By assumption then, Grice knows that his wife is not ill and Mrs. Grice knows that Mr. Grice knows that she is not ill. And since he knows his wife well enough, Mr. Grice knows that Mrs. Grice knows that he knows that she’s not ill. Because – come on now! – the point is to make him stop reading this book. Etc…

Putting all this together, it is surprising that Paul interrupts his reading to go to the bedroom.

Grice’s explanation of this, was that in spite of regress his wife manages to send a meaningful message he understands. After all, in ordinary language, meaning corresponds to a very complex state of mind.

This is in the meanwhile old stuff. Not as old as Plato but, at least to analytic philosophers, so mainstream that it gets boring. And, I think, false. I’m inclined to analyse “meaning” – also “meaning” in a loop – in a much simpler manner.

Take this young and honest man of moral integrity (call him Jack) who’s in love with his best friend’s wife (call her Jenny). Since he’s honest, he’ll show her his admiration. But since he has a sense of moral integrity he will refrain from making any advances towards her. At a lonely moment, however, Jenny asks Jack why he seems to be nervous. Will Jack sacrifice his integrity for his honesty or vice versa his honesty for his integrity? There is a moral intuition for the latter. But how can the answer “I’m not nervous” not sound hypocritical?

Yet, even if Jenny knows that if Jack didn’t like her he wouldn’t deny his obvious nervousness and she also knows that he’s nervous, she does not necessarily reflect to know that ergo he likes her.

Therefore, of course, Jack will say that he’s not nervous and Jenny will not question this. Knowledge (at least her knowledge) is not closed under implication. Of course, the standard view in epistemic logic is that knowledge is closed under implication. But this does not mean that Jenny is constantly reflecting on what she knows. Therefore she is not aware of all the implications of her knowledge.

This is also why Grice goes to his wife. He doesn’t have the nerve to draw all the conclusions from the regress to decide that going to her would be silly.

Fortunately so. Otherwise every attempt to show need without showing weakness would appear silly with fatal consequences for couples.

Presenting presents

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Die Nachweihnachtszeit ist eine Bewältigung der durch die Geschenke ausgedrückten Liebe, des Erratens oder Missratens, schließlich der “Friss oder stirb”-Indifferenz. Vergessen wir den letzten Fall.

Es gibt Geschenke mit einer bedeutungsschwangeren Verpackung. “Du musst mich mögen”. Andere sind ohne Hülle: “Auch ohne Weihnachten hättest du mich, denn ich gehöre zu dir”. Vergessen wir auch diesen letzten Fall.

Es ist einfach, sich nach dem Auspacken beim Stifter eines geglückten Geschenks zu bedanken. Es ist dagegen eine schwere Last, sich nicht anmerken zu lassen, dass das Geschenk missglückt war. Deshalb war wohl die Verpackung da: “Vorsichtshalber mache ich es später auf”. In Griechenland ist es ein Zeichen sehr schlechter Manieren, ein Geschenk vor dem Stifter auszupacken.

Riskanter ist das Vorstellen des (unverpackten) Geschenks in Tarkowskis Opfer. Unten finden meine Leser den Clip. Wer den ganzen Film sieht, wird feststellen: In ihm geht es um verpackte, heimliche Opfer für die Geliebten, die es nicht verdienen, geliebt zu werden.

Dabei geht es beim Schenken nicht um Verdienste. Schenken ist nicht die Auszahlung eines Gehalts.

Eine tiefere Übereinstimmung zwischen Tarkowski und der griechischen Sitte sehe ich doch noch. Die Spender werden wir so viel mögen, um ihnen wenigstens die Einsicht zu ersparen, wir hätten die Spende nicht verdient, oder?

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The time after Christmas is one in which you have to deal with other people’s love, correct or false guesses about your taste, finally their indifference, everything expressed in their gifts. Let’s forget the last case.

Some gifts come with a question-begging packaging. “You have to like me”. Others are given unwrapped. “I knew you needed me and I would be here even if there was no Christmas”. Let’s forget also this last case.

After you unpack a gift, it is an easy task to thank givers if they wanted you to be happy and you are happy. But it is a huge burden to know that they wanted you to be happy and you are not. This case is probably what the packaging was for. In Greece it’s bad manners to open a present in front of the donor. A more risky move is presented by Andrei Tarkovsky in the Sacrifice. Watch the clip above. And then watch the whole movie. It’s about gifts and secret sacrifices for people who are undeservedly important to you. I could have omitted “undeservedly”. Donating has nothing to do with deserving or not deserving. A donation is not a salary.

After all, you see, Tarkovsky does agree with the Greek custom. Do not open your presents before the donors disappear. You don’t want them to notice that you didn’t deserve the donation. At least you like them that much, don’t you?

…symbolic of their struggle against reality…

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Das Fach Gender Studies lässt analytische Philosophen kalt. Das ist eine typische und arrogante Reaktion. Wie sie vor 100 Jahren, nach Carnaps Verriss gegen Heidegger eine Antwort auf die fundamentale ontologische Frage zu haben wähnten (lächerlicherweise war diese: “Kapier-ich-nicht”, bis sie sich erst mit den Fortschritten der Modallogik endlich zum Thema stellen konnten), überlassen die analytischen Philosophen heute die Gender Studies sich selber. Das ist aber, wie wenn der (neuwittgensteinische) “Therapeut” Leute mit verschiedenen Sprachspielen aneinander vorbei reden ließe. “If you see something, say something!” Mit welchem Recht sollte sich die analytische Philosophie über dieses Gebot hinwegsetzen dürfen?

Warum ich in den Gender Studies Kategorienfehler sehe, wird hoffentlich aus dem Folgenden klar.

Eine Bedingung für Begierde ist die Körperlichkeit; genauer: die durch Hormone und Neurotransmitter bedingten Einschränkungen des biologischen Organismus Mensch. Solange so etwas wie ein freier Wille – so jedenfalls, wie der freie Wille generell verstanden wird – Teil der eigenen Ontologie ist, kann der Sexualtrieb nicht als Ausdruck des freien Entscheidens gelten. Zu Deutsch: Niemand entscheidet sich, sich so oder anders, in diese oder jene Person zu verlieben. Love is in the air. Die Verliebtheit passiert einfach.

Insofern betrachte ich die in den Gender Studies oft vertretene Befreiung von den äußeren Zwängen der binären Sexualität als einen Kategorienfehler. Es ist unmöglich, sich zu befreien, wenn das Instrument der vermeintlichen Befreiung ausgerechnet ein dem freien Willen fremder Trieb ist. Die Sexualität stellt eine Einschränkung des freien Willens dar, eine ungeheuere Macht, einen schwarz-weißen Kontrast des Ja gegenüber dem Nein, den Triumph des Körpers über einen nivellierten Geist. Gerade in der Sexualität den Triumph der Freiheit über die binäre Logik zu sehen, ist, wie wenn Thomas Mann als Feminist gelten würde. Das wäre so offensichtlich falsch, dass es unehrlich wirken würde. Aber ich will hier nicht moralisieren, sondern lediglich feststellen, dass die für die Gender Studies typische Forderung einer nichtbinären Sexualität aus moralischen Überlegungen einen Kategorienfehler darstellt.

In der legendären Arena-Episode aus Life of Brian deutet John Cleese an, dass die Politisierung des Sexualtriebs eine Sublimation homosexueller Menschen darstellt, die selber mit ihrer Sexualität nicht klarkommen. Kein Problem, wenn’s den Leuten so gefällt. Ob dies die Vergabe von Mitteln aus Forschungsfonds legitimiert, ist eine andere Frage.

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Gender Studies belong to the branches of the social studies which most analytical philosophers arrogantly ignore. Like Carnap was proud to say that the question why there is something instead of nothing in not analysable – until the progress of modal logic could show how narrow-minded this was – his epigones today would rather let women and transgender persons talk about gender, maintaining indeed a traditional masculinity.

Alas, if you are an analytic philosopher there is no way out of masculinity. Even my following criticism of the category mistakes of gender studies may be tagged as an expression of masculinity. Nevertheless, I would be happier if analytic philosophers preferred this masculinity to blunt arrogance. If you see something, say something… And, what’s more, if you profess being a Neowittensteinian “therapist” and you know that these two clients play different language games, you don’t make an appointment for them to come at the same time, while you go to order tapas around the corner and leave them alone at your office.

What follows now is not a metaphor anymore but my argument for the claim that gender studies is based on a category mistake:

Having a body is a condition for passion – neurotransmitters and hormones being responsible for the operational details. This makes sexuality a behaviour independent from decision. As long as free will is a part of your ontology, you cannot reduce nondeliberate body functions to decision. This means, in plain English, that you do not decide with whom you fall in love.

Considering all this, the emancipation from binary sexuality, one that gender studies propagate as a liberation from social conventions that allegedly violate free will, is a category mistake. Sexuality cannot liberate from anything. Rather, it restricts free will to an extent that only very few other things do. It is an invincible power, a black-and-white, yes-or-no dichotomy of a spirit slavishly subjected to desire. Expecting sexuality to liberate you is as if you perceived Rudyard Kipling as a feminist. It is not only false. It is hypocritical. But I’m not supposed to preach here.

In the legendary scene of the arena, John Cleese insinuates that the main motivation of the ideology of a politically motivated non binary sexuality is this of homosexuals unable to cope with their own sexuality. Unlike Cleese I wouldn’t be deprecating towards anyone. I still find funds raised to legitimise preferences in and around bed in terms of an ontology or politics squandered.

 

 

Scrutinised

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Sir Roger Scruton ist tot. Meine mitteleuropäischen Leser – ehemalige Studenten, auch von meinem Scruton-Anscombe-Nagel-Sherrard-Seminar vor Jahren – werden sich die Augen reiben. Kann es sein, dass ich jemandes Tod trauere, der den akademischen Philosophiebetrieb aufgab, um sich der Fuchsjagd zu widmen? Der am Londoner Birkbeck College einzig und allein – und ausgerechnet – mit der italienischen Dame in der Mensa über Politik redete, da sie die einzige Konservative dort war? Der Ende des 20. Jh. – Hilfe! – Kantianer war?

Sagt, was ihr wollt! Für mich ist er der Autor von Sexual Desire und Ich trinke, also bin ich. Lebensbejahend wird er bleiben auch als toter Mann,

PS: Nicht, dass ich wirklich glauben würde, Begierde ließe sich zivilisieren. Bewundernswert sind allenfalls schon diejenigen, denen es gelingt, in der begehrten Person stets einen Selbstzweck zu sehen.

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I know what you will say about his quitting philosophy and going fox hunting instead, about his being unwilling to talk politics with any other person at Birkbeck but the Italian lady at the refectory – the only conservative person there if you excluded him – about Kantianism in late 20th century…

I know the leftist line of argument. For me, he is the author of Sexual Desire and of I drink therefore I am and stands for getting a life. You can still stand for getting a life after losing yours.

PS: To sort things out: I don’t really believe that there is some sort of ethical desire. But I do admire people who happen to desire without losing their Kantian character.

What givers do

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In Griechenland heißt die rotgewandete Popkultur-Heiligengestalt “Ay-Vassilis”. Das ergänzt sich gut, da Basilius, der legendäre Autor und Bischof von Cäsaria im 4. Jh., nach orthodoxer Tradition der Geschenkebringer ist. Da sein Namenstag der 1. Januar ist, werden die Kinder in den ersten Neujahrsmorgenstunden beschenkt. Allerdings erst wenn der nach ihm genannte Kuchen aufgeschnitten ist. Der Basilius-Kuchen ist heute einer mit einer einzigen Münze. Wer die Münze findet, kann sich als einziger freuen. Sehr ähnlich ist der schweizerische Brauch um den Dreikönigskuchen. Aber der ursprüngliche Sinn des Basiliuskuchens ist, dass jeder als Belohnung das bekommt, was er investiert hat – investiert in die Gemeinschaft, in die Liebe, egal wie: investiert. Deshalb – bei besonders wohlwollender Interpretation des Investitionswillens – gibt es die Bescherung für alle am 1. Januar.

Es hatte sich nämlich zugetragen, dass Basilius Wertgegenstände einer nicht genutzten Kollektivsteuerabgabe an die Spender zurückzugeben musste, allerdings keine Ahnung hatte, wer was gespendet hatte. Deshalb ließ er den gespendeten Schmuck in Brote stecken, die er an die Spender verteilen ließ. Da jeder idealerweise das zurückerhalten sollte, was er eingebracht hat, beträgt die Wahrscheinlichkeit des idealen Ausgangs bei n Spendern: 1/(n·(n-1)·(n-2)·…·2).

Das hat mein Leser wohl erraten: Durch Wunder bekam jeder Spender genau das Brot mit dem Gegenstand, den er gespendet hatte.

Erraten. Aber gut beraten werden keines Autors Leser sein, genau das aus einer Beziehung zu erwarten, was sie in dieselbe investierten. Einerseits weil das Investierte bei Liebenden mehr werden sollte; andererseits weil die Liebe nicht nach Gegenleistung verlangt, wie 300 Jahre vor Basilius von Cäsaria schon Paulus (1Kor13, 5) behauptete.

Ich kann meinen Lesern den Zins ihrer Investitionen für das Jahr 2020 wünschen. Es steht ihnen zu. Aber ermutigen, es zu verlangen, möchte ich sie nicht. Eine Ausnahme ist das, in der es nicht gut ist, das zu verlangen, was einem zusteht. Allerdings eine gut begründete: Wer nicht eingesehen hat, etwas zu schulden, wird zur Begleichung der Schulden bunte Papierstücke vorlegen.

Und der Basiliuskuchenbrauch? Soll er nicht symbolisieren, was dem Investor zurückgegeben werden muss? Soll diese Geste folgenlos bleiben?

Ach, der Basiliuskuchenbrauch! Dazu fällt mir ein Spruch eines Propheten ein, der ebenfalls vollbärtig und rotgewandet dargestellt wird. Ich zitiere den Anfang des Spruchs statt des häufig zitierten Endes:

Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.

In der Folge schließt der Autor (Karl Marx, Werke, Bd. 1, Dietz-Verlag, Berlin, 1976, S. 378) seinen Gedanken mit der bekannten Metapher ab, wonach Religion wie ein billiges Schmerzmittel sei. Der Leser möge nach dem unglücklichen Wortlaut, der immer noch zu ständigen Missverständnissen durch in der Exegese Ungeübte führt, selber recherchieren.

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Greeks call Santa “Ay-Vassilis”. St Basil’s name day is on January 1st and this is why Greek kids wouldn’t expect presents before that. Like almost always, the reason for a Greek special lies in late antiquity. Saint Basil the Great’s high time as a legendary author and orator and bishop of Caesarea (today’s Kayseri in Turkey) was 17 centuries ago. Every Greek family around the world will commemorate him in the first hours of the new year when they’ll cut down the pieces of the vassilopitta. The “Basil-pie” (only accidentally reminiscent to piety) contains one coin. The one who happens to have it in her piece can reckon the rest of the year to be favourable towards oneself.

The beginning of the custom, however, was different. St Basil had to pay a collective tax for his city. And since he had no cash, he asked his flock to contribute with jewelleries. But for some irrelevant reason the taxmen did not appear, which left him possessing thousands of valuables which he had to return to the owners. But he had no idea who had contributed what! His idea – and one that definitely sounds crazy – was to put each piece of jewellery into exactly one bread roll and to deliver the bread to the citizens as a gift. Ideally, every citizen would have one bread roll with exactly her donation in, neither more nor less. For n donors who donate n items, the probability for each donor to be returned by chance her valuable item is 1/(n·(n-1)·(n-2)·…·2), which gets extremely low the higher the value for n becomes. This shows why the ideal fall, being the outcome of the story, is perceived to be a miracle.

Of course you guessed the end of the story as much as I enjoy telling it… However, it would not be very wise of you to expect the revenue of your investment to be equal with the latter. In fact, it is never so. If a lover gives to another lover (I use a Platonic terminology and consciously so) the sum of the given goods becomes more. You give them your presents, they give you their happiness by which they receive your presents, you give them your joy for their happiness… And then they give you their presents etc.

But not all givers and takers are lovers. Which is a situation Paul (1Co13, 5) describes by saying that love “seeketh not her own”. You will not receive your investment back and you must not have a problem with this.

It is, perhaps, an exception when you are not supposed to demand something you can rightfully call your own – the revenue of your love. An exception but a well justified one: those who would not notice that they have to give something in return unless you remind them, would rather repay with coloured paper. Do you really need this?

You may ask whether the vassilopitta is such a reminder though. To this, let me just quote the words of another bearded prophet who, like Santa and Ay-Vassilis, is also typically imagined in a red cassock. I am quoting the beginning of the very well known passage and omit the end that has invited so many misunderstandings by the unlearned public since it was written:

Religion is the sigh of the oppressed creature, the heart of a heartless world, and the soul of soulless conditions.

Yes, at least the Introduction of Marx’s Contribution to a Critique of Hegel’s Philosophy of Right is something one could read in the beginning of 2020.

After the vassilopitta and the presents maybe?

Jesus, Janis, Yanis

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“Notes from the Overfed”, eine von Woody Allens Kurzgeschichten aus der Sammlung Getting Even, soll beim fast gleichzeitigen Lesen von Dostojewskij sowie Weight-Watchers-Magazin entstanden sein und zum Schluss einen grotesken Zusammenhang zwischen Existentialismus und Gewichtabnehmen herstellen. Mir gingen ähnlich groteske Zusammenhänge durch den Kopf beim fast gleichzeitigen Lesen von Dostojewskijs Allegorie des Großinquisitors aus den Brüdern Karamasow – ich meine nämlich, dass es eine Allegorie ist – und dem Blogposting von Yanis Varoufakis mit dem Titel “Are the Best Things in Life Free?” – einem Reposting der Kolumne Opinion aus den New York Times des 10. Dezember zu Coco Chanels bejahender Antwort auf die Titelfrage.

Was die zweite Quelle anbetrifft, stimme ich mit Coco Chanel überein: Die besten Sachen in der Welt sind tatsächlich umsonst oder fast umsonst: die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Liebe, wofür wir gern leben, sind Beispiele, die sofort in den Sinn kommen. Zwar kann man für Liebe zahlen, mit der eigenen Kaufkraft das Jawort eines anderen Menschen vor dem Bürgermeister erleichtern, einen Hund kaufen, aber die Liebe, die wir meinen, wenn wir nicht vulgär sein wollen, ist eine andere. Eindeutig.

Bei Dostojewski, der ersten Quelle, ist die Sache etwas weniger eindeutig. Das Szenario: Im Sevilla der frühen Neuzeit erscheint ein Mensch, der wie Jesus auftritt: charismatisch, wundertätig, gleichzeitig ohne ersichtlichen Grund an seiner göttlichen Kraft Zweifel aufkommend lassend. Da jedenfalls viele glauben, dass er der wiederkehrende Jesus ist, wird er wegen Gotteslästerung verhaftet. Im Kerker – von dem er sich nicht eigenmächtig befreit, um endgültig zu beweisen, dass er Gott ist, ganz so wie Jesus am Kreuz oder auch so wie die meisten Opfer gerichtlicher Fehlentscheidungen – stattet ihm der Großinquisitor einen Besuch ab.

Um ihm mitzuteilen, dass er ihn wegen blasphemischer Anmaßung hinrichten lassen will? Fast, aber nicht ganz. Er will ihn zwar hinrichten lassen, allerdings nicht wegen Blasphemie, sondern weil er, der Großinquisitor, glaubt, dass der Gefangene tatsächlich Christus sein könnte. Als Christus hätte aber dieser den Menschen klare Zeichen seiner Göttlichkeit geben können: etwa Brot, ein Haus – “Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz?” sang ihrerzeit Janis Joplin. Das war freilich ironisch von Janis und wer im Kopf behält, dass sie Kris Kristoffersons “Me and Bobby McGee” interpretierte – “Freedom ain’t worth nothing but it’s free” – kann ahnen, dass es Sachen gibt, die umsonst und ihr wichtiger waren als deutsche Autos.

Anders als Janis in ihren bekanntesten Songs erscheint Yanis im vorgenannten Blogposting vom Projekt einer nachfrageorientierten Volkswirtschaft durch und durch überzeugt. Eine zivilisierte Gesellschaft solle Bürgern ein Dach überm Kopf liefern. Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass letztere erstere ausnutzen, scheint ihm nichts auszumachen. Dostojewskij sieht die Sache anders. Sein Jesus gibt seine Göttlichkeit nicht preis und den Menschen keine verlässlichen Geschenke, da es ihm darum geht, ihnen die Freiheit zum Glauben zu lassen. Jesus geht es um die Liebe der Menschen um der Liebe willen.

Wer schert sich um die Freiheit, wenn sie nicht essbar ist? – entgegnet der Großinquisitor. Die Pointe ist ernstzunehmen. Für mich allerdings, der ich ständig jungen Leuten rate, sich ihren Neigungen hinzugeben, auch wenn sie damit keinen Lohn ernten, erscheint diese Pointe destruktiv. In meiner Haltung und in Dostojewskijs Allegorie des Großinquisitors spiegeln sich die Stellen 5.Mose 8; Mt 4,4; Lk 4,4 wider: “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein”. Für destruktiv halte ich den Großinquisitor, weil die Schenkung von Brot durch einen allmächtigen, oder auch nicht allmächtigen Vater, den Menschen nicht die Freiheit lässt, jenen zu lieben oder nicht. Sie müssen ihn vielmehr lieben. Wer kostspielige Sachen schenkt, verzichtet so gewissermaßen auf kostenlose Sachen wie die Freiheit und die Liebe. Und Coco Chanel hat ja gewusst: die kostenlosen Güter sind die besten.

Nach der Bescherung ist alles so viel schwieriger…

“Notes from the Overfed”, one of Woody Allen’s short stories from the collection Getting Even – the one on an alleged interface between existentialism and obesity – was inspired in a flight in which Woody read almost sychronically Dostoyevsky and the Weight Watchers Magazine. Today I had the opportunity to be inspired in much the same way after reading Dostoyevsky’s allegory of the Grand Inquisitor – I think it is an allegory – from Brothers Karamazov and the New York Times’ Opinion column of December, 10th titled: “Are the Best Things in Life Free?”, as reposted by Yanis Varoufakis in his blog. Like Woody, I discovered a grotesque connection.

As pertains to the second source I agree with Coco Chanel: the best things in life are free or almost free: air to breath, water to drink, love to make life worth the pains, are ready examples.

It’s not quite uncommon to buy love, to make someone say “yes” during your wedding because you’re loaded, to bribe your dog. But it’s one thing to be serious about the meaning of love and another to make sarcastic jokes about it. I believe that most of my readers share this intuition with me.

Dostoyevsky, the first source, is a more difficult case in terms of intuitions. The plot: in early-modern Seville, a charismatic man appearing to be Jesus makes miracles but allows doubts on whether he really is Jesus (why? – we don’t know). Many believe that he is Jesus anyway which is the reason why he gets arrested with the charge of blasphemy. The Grand Inquisitor pays him a visit in his cell.

You may assume that the Grand Inquisitor wants to let him know that he’ll have him executed because of blasphemy. This is close but not quite true. He will have him executed alright… But his rationale is that the detained might be Jesus after all. If so, then, as God, he could have easily forced human beings to accept Him as a divine person by giving them gifts: bread, real estate or what have you. Janis Joplin used to sing “Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz”. This is, of course, ironic and those who can recall that she interpreted Kris Kristofferson’s “Me and Bobby McGee” will remember that she preferred freedom to German cars and this although or because “freedom ain’t worth nothing but it’s free”.

Unlike Janis, Yanis is a scholar very dedicated in demand-oriented financial policies. In the aforementioned posting he claims that a “civilized society” must guarantee a minimum wealth and housing to everone. The rather high probability by which citizens would exploit such a society while maintaining their loyalty and sympathy towards it on the surface doesn’t seem to annoy him.

Dostoyevsky shows a deeper insight into human matters. He suggests that a God wo bribes human beings for their love deprives them of their freedom to believe or not. Would you fail to have faith to someone who organizes a big showdown to give you bread, truffles, cars, real estate? Thus justified love and faith are the unfree love and faith of a prostitute. However, the Grand Inquisitor insists, who bothers to justify better something that can’t feed the hungry? This is a point you cannot easily dismiss.

You cannot easily dismiss it, but as someone who constantly advises young people to take the freedom to study the subject they love even if it’s not lucrative, I take the Grand Inquisitor’s point to be destructive. I believe that Dostoyevsky alludes here to Deuteronomy 8; Mt 4,4; Lk 4,4: “Man shall not live by bread alone” and that he gives a great example of what happens when expensive things are supplied by a mighty or not so mighty father or by the civilized society: things like freedom and love, normally for free, disappear because no options are left if you accepted a present. If like Coco Chanel you believe that the things that are for free are the best, this is bad.

After the Christmas presents are given, everything is so much more complicated…

There’s only love at first sight

Maxvorstadt

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Die von mir geliebten Ensembles in der Maxvorstadt sind immer noch dieselben, die ich vor 21 Jahren geliebt habe: Zum Beispiel das Institut für Logik neben dem Institut für Orthodoxe Theologie hinter einem halbzerstörten Tor – genau mein Lieblingsmotiv damals, als ich meinen Eltern die erste Postkarte aus München schickte.

Die Dinge allerdings, die mir von Anfang an Wurscht waren, sind mir immer noch Wurscht.

ENOUGH WITH SCROLLING

Those glimpses which I still love in the life of the Munich neighbourhood where the university institutes are situated, are still the same during the last 21 years: the Logic Institute and the Institue of Orthodox Theology side by side, just next to the half-destroyed arch – these were exactly my favourite motives 21 years ago, when I sent my parents the first postcard from Munich.

By contrast, all those things towards which I was indifferent back then – well, I still don’t love them.

PS: Thanks to Max Goncharov for the picture.

Zombies cannot fall in love

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Ich fand den Ausdruck “verliebte Zombis” witzig und wollte darüber etwas schreiben. Aber daraus ist etwas über wahre Liebe geworden – was allerdings zum Frühling und zu den Frühlingsgefühlen passt.

Mito bekrijo, den legendären Starogradski-Song aus den 70ern, habe ich unzählige Male gehört. Der interessierte Leser findet nach dem deutschen Text einen youtube-Link dazu. Jedes Mal, wenn ich ihn höre, mache ich mir dieselben Gedanken über die Bedeutung der wahren Liebe – ich muss zugeben, dass ich den Song zuerst hörte, nachdem ich eine philosophische Grundausbildung gehabt hatte.

Im Titel des Songs erfahren wir, dass der Typ trinkt, was das Zeug hält – er ist ein “bekrija”. In der ersten Strophe erfahren wir, dass sie auf ihn wartet. In der dritten Strophe erfahren wir, dass er gerade dann trinkt, was das Zeug hält, wenn er sie ignoriert, indem er mit Freunden ausgeht. Im Refrain erfahren wir, dass sie ihm ihr Herz geben und nach seiner alten Mutter gucken will…

Songtexte beschreiben fiktive Situationen. Aber Fiktionen können informativ sein. Z.B. können wir daraus lernen, wie Durchschnittsmenschen das Wort “Liebe” benutzen. Die Ergebenheit der jungen Frau erhöht ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie ihre Gefühle kundgibt. Statt zu sagen: “Das ist doch lächerlich” (das wäre doch einen Gedanken wert, wenn die Liebe etwas gewesen wäre, was bei Vorliegen bestimmter Bedingungen erklärbar wäre), tendieren wir eher die Äußerung der Gefühle der Dame gerade deshalb als glaubwürdig einzuschätzen, weil sie extrem ist. Offensichtlich erwarten wir dabei, auf keine Erklärung der Liebe der jungen Frau bei Vorliegen bestimmter Bedingungen zu stoßen. Vielmehr denken wir, dass wahre Liebe bedingungslos ist.

Mit anderen Worten behauptet die Dame im Song nicht, ihn zu lieben, weil bla-bla-bla. Im Gegenteil macht sie ihre Gefühle dadurch glaubhaft, dass sie beteuert, dass sie ihn liebt, obwohl bla-bla-bla – obwohl die Bedingungen für eine vernünftige Beziehung also nicht vorliegen.

Wenn der Song die Bedeutung der wahren Liebe aus Sicht des Durchschnittsmenschen widerspiegelt, dann ist die wahre Liebe nicht kausal bestimmt und die kausale Bestimmung (“Ich liebe dich, weil du so reich bist!”; “Ich liebe dich, weil du so nett bist!”; “Ich liebe dich, weil du so ‘ne Barbie bist”) hat nichts mit wahrer Liebe zu tun.

Ich komme endlich zu den Zombis: Philosophische Zombis sind kausal durchgängig bestimmte, physische Handlungssubjekte – Körper ohne Geist. Wenn aber die wahre Liebe nicht kausal bestimmt ist, können sich Zombis nicht verlieben. Dass sie Sex haben können, ist dabei irrelevant.

Das ist kein Argument für den Dualismus, sondern nur ein Argument dafür, dass der Dualismus in unserer sprachlich vermittelten Auffassung von mentalen Zuständen verankert ist – selbst in einem Fall wie die sexuelle Liebe, in der das Mentale vordergründig über eine Körperfunktion zum Ausdruck kommt und sei diese nur das Herzklopfen.

ENOUGH WITH SCROLLING

I wanted to write something about zombies in love because I thought that the topic is fun but I ended up with a piece on the meaning of love – which fits into spring and its fever.

I have listened to Mito bekrijo, the legendary starogradsko song from the 70s, many million times. And every time I hear it I make the same thoughts on the meaning of love – I confess that I heard the song for the first time after I had received a basic training in philosophy.

In the title we learn that the guy drinks like hell – he’s a “bekrija”. In the first stanza we learn that she’s waiting for him to come. In the third stanza we learn that he drinks like hell while hanging out with friends and ignoring her. And in the refrain we learn that she wants to give him her heart and to look after his old mother…

Of course, song lyrics describe only fictions, but these fictions can be informative. For example they can be informative about the meaning of the word “love”. The girl’s dedication to someone who doesn’t deserve it, increases her reliability when she expresses her feelings. Instead of saying: “This is not serious” (which would be justified in a way if love were something which should be explained on the basis of certain conditions), we rather tend to say: “This is very serious”. Obviously, we don’t expect love to be explained on the basis of any conditions. By contrast we appear to think that real love is conditionless.

Back to the song: She doesn’t say that she loves him because bla-bla-bla. Rather, she becomes reliable by saying that she loves him despite bla-bla-bla – that is although the conditions to feel comfortable about him are not fulfilled.

If the song reflects the meaning of real love like real people understand the word, real love is not causally determined and anything causally determined (“I love you because you’re so rich!”; “I love you because you’re so kind!”; “I love you because you’re so Barbie!”) is not real love.

Let’s go to zombies at last: given that love is causally not determined, since zombies are totally causally determined physical agents – bodies without a soul – they cannot feel love – at least in the way in which real people understand the word “love”. They can still make love but this is irrelevant.

Far from being an argument for dualism, this is an argument for how embedded dualism is in our comprehension of the mental – even in a case like sexual love in which the mental is closely connected with a function of the body.

Don’t get me wrong, I mean the heartbeat.