Präsupposition in den natürlichen Sprachen


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Präsupposition ist der Grund, aus dem eine Reihe von nichtklassischen Logiken in „Manche Zombis sind gehässig“ nicht die Negation von „Es gibt keine gehässigen Zombis“ erkennen.

Es gibt kein Problem, wenn „Es gibt keine gehässigen Zombis“ als wahr angenommen wird aufgrund dessen, dass keine Zombis existieren, ob gehässige oder nette. Denn das macht „Manche Zombis sind gehässig“ falsch, was in Anbetracht derselben Erkenntnis falsch sein muss – und ein Contradictorium einer als wahr angenommenen Aussage. Alles soweit erwartungsgemäß.

Das Problem taucht auf, sobald „Es gibt keine gehässigen Zombis“ als falsch angenommen wird. Grund hätte man, das anzunehmen, dadurch, dass ja bekannt ist, dass Zombis nicht die angenehmsten Charaktere von Filmen sind. Dann müsste aber die Aussage: „Manche Zombis sind gehässig“, wenn sie die Negation davon wäre, wahr sein. Aber sie wäre dann wahr sowohl, weil Zombis so wie die allgemeine Vorstellung sind, als auch weil Zombis existieren würden: Bejahende Aussagen – und ein paar verneinende, aber das führt jetzt zu weit – präsupponieren; und zwar die Existenz des Gegenstandes, für den das Satzsubjekt steht.

Ulrich Blau, an den wir denken werden, lange nachdem die heutige carnapsche Apologetik des Münchner Instituts vergessen sein wird, hat uns in seinem unter Linguisten legendären Werk Die dreiwertige Logik der Sprache (die Logiker tun sich etwas schwer, Qualität anzuerkennen) die Präsupposition natürlicher Sprachen erklärt.

Vergessen hat er allerdings zu sagen, dass jeder Zusatz zum Prädikativ genauso präsupponiert.

Oder würde jemand im Ernst behaupten, selbst wenn zwischen Büro und Warteraum Fische sind, Fische würden zwischen Büro und Warteraum schwimmen?

Wohl nicht, denn „schwimmen“ würde die Existenz von Wasser vom Büro bis zum Warteraum präsupponieren.

Es ist wohl so: Gegenprädikationen präsupponieren nichts; Prädikationen präsupponieren etwas; und je mehr das Prädikat sagt außer „… ist x“, desto mehr präsupponiert es.

Enough with scrolling

Presupposition is the reason why, in a series of nonclassical logics, „Some zombies are unfriendly“ is not the negation of „No zombies are unfriendly“. There’s no problem in taking „No zombies are unfriendly“ to be true based on evidence against the existence of zombies, since this makes „Some zombies are unfriendly“ false – and you know there are no zombies, friendly or unfriendly ones. But there’s a huge problem if you take „No zombies are unfriendly“ to be false because zombies are unfriendly nonexistents. This would make „Some zombies are unfriendly“ true not only in terms of their being unfriendly but also in terms of their existence. Affirmative sentences (and so-called „inner negations“) presuppose the existence of the thing for which the grammatical subject stands.

Ulrich Blau, a man whose work in logic at the LMU will be remembered long after we’ll have completely forgotten the revisionist Carnapian apologetics of today’s institute, failed to notice in his legendary Die dreiwertige Logik der Sprache that other things can be also presupposed. You wouldn’t say that fish swims between the office and the waiting room, although there is fish between the office and the waiting room. The verb „swims“ presupposes the existence of water all over the place.

A counterpredication presupposes nothing, a predication and some forms of negation and privation presuppose being, every addition to the predicate presupposes extra things.

Um Gott’s Wui’n

 

🇩🇪🇦🇹🇨🇭 Es ist so diskriminierend. Es ist so deprimierend. Um Gottes Willen…
🇬🇧🇺🇸🇨🇦🇮🇪🇳🇿🇦🇺 It’s so discriminating. It’s so degrading and sad. For God’s sake…

Mapping, classes, functions, icons 78 years after

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Gestern vor 78 Jahren wurde der Mathematiker und Theologe Pawel Florenskij nach einem Schauprozess bei Sankt Petersburg hingerichtet. In diesem Semester leite ich ein Seminar zu seinem Werk und in der gestrigen Sitzung ging es um seine Ansichten zur Malerei, insbesondere zu den byzantinischen und altrussischen Ikonen.

Eine Ikone ist für Florenskij eine Abbildung einer erlebten Realität. Bei der Abbildung kommt es nicht auf Realitätstreue an, sondern es kommt einzig und allein darauf an, welche Funktion mit der Abbildung Ausdruck findet. Der Naturalismus ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten.

Das Thema passte zum Gedenktag. Florenskij ist mittlerweile selber eine Ikone geworden.

In der Quellsprache, dem Griechischen, benutzt man allerdings das Wort „Ikone“ niemals metaphorisch, bezogen auf eine Person. Ikonen sind im griechischen (und im altrussischen) Sinn Darstellungen, die niemals mit dem Abgebildeten zusammenfallen.

Schon wieder ist es spät geworden und ich muss die morgige Vorlesung zu Theodor von Studion und seinen sic-et-non Argumenten gegen die Ikonoklasten vorbereiten – so ein Zufall aber…

Deshalb höre ich jetzt mit diesem Beitrag auf und klicke ein anderes Icon an.

orththeol

78 years before yesterday, Pavel Florensky, the Russian mathematician and theologian was executed near Saint Petersburg after a show trial. Yesterday, my Florensky class was dedicated to Florensky’s views on painting, particularly to Byzantine and Old Russian  icons. For Florensky, an icon is a map of a perceived reality. A map is not supposed to be faithful to the original. The mapping is only supposed to represent a certain function. Naturalism is only one of many options.

The topic was very suitable for the anniversary. Florensky himself has become an iconic figure.

In the language, however, from which the word „icon“ originates, i.e. in Greek, „icon“ never refers metaphorically to a person. An icon in the Greek (and the Old Russian) sense of the word is a map which never coincides with the mapped thing.

But now it’s late and I have to prepare tomorrow’s lecture on Theodore Studite’s sic-and-non arguments against the iconoclasts – an unbelievable coincidence. I’m hurrying up to post this and to click on another icon.

There’s only love at first sight

Maxvorstadt

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Die von mir geliebten Ensembles in der Maxvorstadt sind immer noch dieselben, die ich vor 21 Jahren geliebt habe: Zum Beispiel das Institut für Logik neben dem Institut für Orthodoxe Theologie hinter einem halbzerstörten Tor – genau mein Lieblingsmotiv damals, als ich meinen Eltern die erste Postkarte aus München schickte.

Die Dinge allerdings, die mir von Anfang an Wurscht waren, sind mir immer noch Wurscht.

ENOUGH WITH SCROLLING

Those glimpses which I still love in the life of the Munich neighbourhood where the university institutes are situated, are still the same during the last 21 years: the Logic Institute and the Institue of Orthodox Theology side by side, just next to the half-destroyed arch – these were exactly my favourite motives 21 years ago, when I sent my parents the first postcard from Munich.

By contrast, all those things towards which I was indifferent back then – well, I still don’t love them.

PS: Thanks to Max Goncharov for the picture.

Ein Blick auf den Südhof, ein Rückblick und ein Philosoph

Wann ich zum vorletzten Mal – d.h. zum letzten Mal vor dem gestrigen – in einem Seminarraum des LMU-Hauptgebäudes war, weiß ich nicht mehr. Vielleicht vor einem Jahr, vielleicht vor zwei. Genauso im Dunkeln bleibt in meinem Gedächtnis der Anlass meines vorletzten Besuchs dort. Eine Konferenz? Ein Kolloquium? So was jedenfalls…

Ganz hell erinnere ich mich dagegen an meinen allerersten Besuch eines dieser Räume mit Blick auf den Südhof. Es war vor fast genau 20 Jahren. Es war ein warmer Tag im Gegensatz zu gestern. Mich hatte die Bahnfahrt von Bonn nach München ganz schön geschlaucht. Während ich schlief, hatte jemand zwischen Frankfurt und Stuttgart einen Hundert-Mark-Schein aus meinem Portemonnaie genommen und dieses dann netterweise mit dem restlichen Inhalt ins Eck des IC-Abteils wieder hingeschmissen. In München angekommen hatte ich also zuerst Geld abheben und mich zur ersten Sitzung von Davidsons Davidson-Seminar beeilen müssen.

Ein Davidson-Seminar (mit Bindestrich) ist ein Seminar über die Philosophie Donald Davidsons. Davidsons Seminar (mit einem Genitiv) ist ein Seminar, das von Donald Davidson geleitet worden ist. Und das war Davidsons Davidson-Seminar.

Die Fenster mit Blick auf den Südhof waren mir damals vor 20 Jahren riesengroß erschienen. Ebenso gestern. Sie waren damals nicht nur eine großzügige Lichtquelle, sondern auch eine erfrischende Ablenkung in den langweiligeren Momenten – ja auch solche konnte es in Davidsons Davidson-Seminar geben. Im Gegensatz dazu leiteten sie gestern nicht nur ein spärliches Regentagslicht in den Raum, sondern vor allem viel Melancholie.

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Es ist allerdings nur Melancholie und nicht etwa Niedergeschlagenheit, wenn man die verlorenen Jahre, die verpassten Chancen, die vergangenen Freunde trotz allem nicht beweint.

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Warum denn auch? Der Sommer wird genauso heuer wie vor 20 Jahren wieder einkehren.

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In der Maxvorstadt werden die jungen Paare und die alten Freunde wie damals nach irgendeinem Seminar in ihre Autos steigen, um am frühen Abend am Ufer des Starnberger Sees ein Feuer zu machen. Sie werden Kartoffeln in Alufolie in die Glut verbergen und hoffentlich dafür Entdeckungen aneinander machen.

Und alles wird irgendwie – genauso wie damals – ganz super sein.