Chance et coïncidence ou: Zufall und Zufall

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Vorletzte Woche bestellte ich bei abebooks zwei Bücher von Kostas Papaioannou. Das eine ist sein Buch über orthodoxe Ikonen, denn der griechische, halbgriechische, was-auch-immer Pariser Achtundsechziger muss zu Wort kommen in meinem Philosophie-Beitrag für das Handbook zum Orthodoxen Christentum, das bei Kohlhammer erscheinen soll. Ein Marxist entdeckt die Orthodoxie – ein paar Paragraphen muss ich ihm schon widmen.

Das andere Buch bestellte ich ohne die Absicht, darüber zu schreiben. Es ist Papaioannous Abrechnung mit dem orthodoxen Marxismus. Zweimal Orthodoxie und Papaioannou, Bankdaten eingegeben, abgeschickt… Wann, von wem die Bestellungen haben zugeschickt werden sollen, habe ich nicht behalten.

Dann kam das Wochenende: Faschnachtsferien.

Ferien sind längere Zeiten, die man ohne die Kollegen aushalten soll, was nicht gut ist. Wir, ein paar einheimische und adoptierte Elsässer, beschlossen also, gleich am ersten Feriendienstag essen zu gehen. Genau genommen haben die einheimischen die adoptierten entführt. Bis zur Ankunft wusste ich nicht, wohin die Fahrt ging und bei der Ankunft stellte ich fest, dass ich den Ort nicht kannte.

Rouffach ist einen, ja mehrere Besuche wert wegen der Kirche, wegen der Störche, wegen des Restaurants Caveau de Haxakessel. Der Muskat passte hervorragend zu den Weinbergschnecken, der Spaziergang Richtung Weinberge kam an einem Salon de thé mit Schnecken vorbei… Lange Rede, kurzer Sinn war ich voll des Lobes für dieses Rouffach.

Zu Hause angekommen stelle ich fest, dass Papaioannous Ideologie froide untertags geliefert worden war. Auf der Rückseite der Versandtasche eine Rouffacher Anschrift.

„Welcher Zufall“ sagen die deutschen Freunde, „quelle coïncidence“ die französischen.

Zufälle sind Ereignisse mit kleinen Wahrscheinlichkeitgraden. Es erscheint aber unmöglich, im Fall des Rouffacher Buches diesen Grad zu bestimmen. Das Problem haben ihrerzeit Keynes und Ramsey festgestellt. Die relative Häufigkeit des Ereignisses, zum ersten Mal ein Buch von Papaioannou von Rouffach zu bekommen just am Tag, an dem der Empfänger erstmals dort war, um Weinbergschnecken zu essen, schätze ich als praktisch gleich null. Gesucht werden soll also eher die relative Häufigkeit des Aufeinanderfolgens zweier weiter gefasster Ereignisse. Ist sie diejenige des Ereignisses, von allen Orten Frankreichs (der Welt?) ausgerechnet von dort etwas zu bekommen, wo man zufällig war? Kommt der epistemische Umstand hinzu, am Rande mitbekommen zu haben, es gebe eine Buchhandlung an einem Ort namens Rouffach, egal wo in Frankreich und das vergessen zu haben? Selbst wenn das zu beantworten wäre: Die Tatsache, ausgerechnet dort zu sein, von wo man etwas bekommt, ist eine umgangssprachliche Wendung von der nicht bekannt ist, welcher Zuordnung von Funktionswerten zu welcher Funktion sie am ehesten entspricht – und zwar egal, ob diese Werte Häufigkeiten oder Grade der Bereitschaft sind, etwas zu glauben.

Wie man sieht, ist es nicht leicht, von Zufall zu sprechen, weil sich dann die Frage aufdrängt, wie groß der Zufall ist. Aber man kann von Koinzidenz sprechen. Eine Koinzidenz ist nicht zu erklären und das ist gut so. Dass es etwa eine Koinzidenz gewesen wäre, als Christi Jünger dermaßen stark an die Auferstehung glaubten, dass sie bereit waren, ihr Leben lieber zu verlieren, als sie zu leugnen, würde den ganzen Wind aus dem Segel eines sehr mächtigen Arguments Swinburnes nehmen und das obwohl damit nicht gesagt worden wäre, dass es wahrscheinlich war, dass sie an eine Auferstehung glaubten. Von einem extremen Zufall dagegen zu reden, macht erst auf diese Jünger aufmerksam. Denn Zufälle sind schwer und meistens bayesianisch erklärbar und das ist manchmal nicht gut so, weil kompliziert.

Ich unterstelle Carnap, Chancen als einen wissenschaftlichen, quantitativen Begriff mit einem Wahrscheinlichkeitsgrad beziffern zu wollen, weil er in seinem deutschen Hinterkopf das Wort „Zufall“ hatte, den Latinismus „Koinzidenz“ dagegen als klassifikatorischen, vorwissenschaftlichen Begriff verwarf.

Trotzdem ist der vorwissenschaftliche Begriff im Fall des Rouffacher Buches besser zu gebrauchen. Es bleibt eine Frage, ob er auch im Fall der Einstellung der Jünger die bessere Option ist.

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Two weeks ago, I ordered in abebooks two books by Kostas Papaioannou. The one was his book on orthodox icons. I thought that the Greek-French Marxist should be dedicated a couple of paragraphs in my contribution on philosophy in an orthodox Christian context in the Handbook of Orthodox Christianity to be published by Kohlhammer. Leftist guy in the late-60s Paris discovers the confession of his parents – it does sound appealing. The other book was Papaioannou’s j’accuse of orthodox Marxism. Two books concerning two different meanings of orthodoxy by one author, two bookstores whose names I forgot in the next second, bank data, off we go, what’s next?

Few hours later, I had even forgotten I had ordered the books. The next day was the beginning of the carnival holidays.

Holidays are rather long periods of time to be spent without colleagues and this is not always a good thing. We managed to reduce the damage by having this „colleagues and wine and escargots“ thing: Alsatians by birth take out the faculty’s Alsatians by adoption to a place the former choose and the latter are left in the dark about until arrival.

Rouffach turned out to be worth a visit, or rather many visits because of its cathedral, its storks, the restaurant Caveau de Haxakessel. The muscat was a perfect fit to the escargots, the walk towards the vineyards came by a salon de thé… Long story short, I was enthusiastic about the place named – what’s it’s name again? Oh, yes – Rouffach.

Back home I see an envelope on my desk. I unpack Papaioannou’s Ideologie froide out of it, proceed to dump the envelope when I realise that it had been sent to me from the place I just returned from: Rouffach.

Welcher Zufall“ say the German friends, „quelle coïncidence“ the French.

A „zufall“ (pronounced: „tsu-fall“ with an „all“ like in „alley“) is an unlikely event. Unlikely events have low grades of probability. In the case of the Rouffach book it is impossible though to calculate this grade in a way that is accurate and raises no doubts concerning its adequacy. As Keynes and Ramsey found out ages ago, the relative frequency of the event won’t do. For one thing, if one describes the event to be an individual fact (e.g. the fact of being sent from Rouffach a book by Papaioannou on the day you’ve been there for your first time to eat escargots), the chances equal zero. If the relative frequency is the one of a fact more loosely described (e.g. to receive a book sent to you from all places – of France? of the globe? – to where you unknowingly have been taken), the question arises whether epistemic states enter the calculation, e.g. the fact that I had forgotten about the order when I visited Rouffach.

Having been there on the day you receive a book from there is an expression in ordinary language and you don’t know which formal expression depicts the thought best. You can have relative frequencies or grades of willingness to accept betting odds as values of the function the formal expression expresses but the difficulty remains as long as you understand coincidence as chances.

If you simply understand it as coincidence though, all the humbug vanishes.

Imagine Richard Swinburne’s argument that the disciples as direct witnesses of Jesus’s appearances after His death must have been persuaded that it was Jesus who came to them because otherwise they wouldn’t be sacrificing themselves instead of denying Jesus. Since he understands the chances of the disciples to act in this certain way as odds, he takes them to be very low, from which he, by Bayes’s law, infers that Jesus’s appearances must have been difficult to deny. Now, take „chances“ here to mean „coincidence“. The whole magic disappears. Coincidences are just individual events following other individual events for no reason and no betting odds.

Carnap saw chance as „zufall„: a scientific, quantitative concept. It appears that coincidence, the prescientific classificatory concept, fits better to express events like the Rouffach book. The big question is if it is also good enough for the disciples‘ attitude towards Jesus’s resurrection.

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« Aujourd’hui, avec nous ce sont les gilets jaunes oranges »

Readers of English may skip this and continue after the police blockade

Die Phrase im Titel, laut skandiert aus einem Sprachrohr, sorgte für Gelächter in der Familie vor einer Woche. Wir standen am Rande dieser Demo und ich hatte alles andere als Lust für Witze. Ich war eher beunruhigt, weil ich aus Athen weiß, wie schnell eine friedliche Kundgebung umschwingen kann, wenn ein einziger auf den dummen Gedanken kommt, tätlich zu werden, und wusste nicht, wie ich in einem solchen Fall mit den Kindern unterwegs hätte reagieren sollen. Meine Frau schoss Fotos. Die Gelben Westen hatten die Abriegelung wegen des Élysée-Palastes erreicht, haben die Champs-Élysées nach rechts Richtung Seine zu verlassen begonnen, als ihr Anführer die Präsenz „orangefarbener Gelber Westen“ begrüßte.

Alle haben gelacht, die Demonstranten, die Polizisten, die Zuschauer. Sogar ich, der ich ja besorgt war. Es war ein Witz, weil ein Widerspruch angedeutet wurde. Nur „angedeutet“, nicht etwa begangen, weil Widersprüche kein Modell haben, wobei hier zwei Individuen tatsächlich das Modell ausmachten!

Was heißt es für die Termini, wenn das kein Widerspruch war? Erstens, dass „gelbe“ kein Adjektiv zu „Westen“ ist. Zweitens, dass „orangefarbene“ ein Adjektiv zu „Gelbe Westen“ ist, das seinerseits als Eigenname fungiert.

Aber ist dann „Gelbe Westen“ ein rigid designator? Offensichtlich nicht, denn sonst wäre der Ausdruck „gilets jaunes oranges“ nicht lustig! Lustig bleibt er, weil er bloß die Abkürzung einer Kennzeichnung ist, einer, die sich ursprünglich auf nur gelbe Westen bezog. Dass die Eigennamen Abkürzungen von Kennzeichnungen sind, entspricht Bertrand Russells Auffassung der Eigennamen.

Was ich von Kripkes und Kaplans Theorie der Eigennamen halte, die ja Russells Theorie seit ein paar Jahrzehnten in den Schatten stellte, brauche ich demach nicht auszuführen. Vielleicht ist sie gut für formale Sprachen. Aber da ist die Verwendung von Eigennamen nie problematisch. Es war die Anwendbarkeit auf die natürliche Sprache, was Kripke und Kaplan wichtig erscheinen ließ. Die natürliche Sprache erweist diese Theorie jedoch als inadäquat.

Kaum zwei Tage in Paris mit Parisern unterwegs und da sieht man, was aus der ganzen analytischen Philosophie übrig bleibt…

PS: Die Fotos hat meine Frau geschossen. Ich musste ja besorgt sein. Und nachdenken…

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Suddenly we had to laugh. As far as I’m concerned unwillingly, the reason being that I was just that: concerned.

After all I know from Athens how quickly a peaceful demonstration can turn to hell if only one blockhead would get violent. And it’s unpleasant to think how unpleasant such situations were in the past when – on top of everything – the kids weren’t around.

But, you know, the yellow vests had reached the police blockade at lower part of the Avenue des Champs Élysées, some hundred yards from the presidential palace and were taking a right turn to reach the Seine when the one who gave the slogans realised that there were these two persons with orange instead of yellow vests among the protesters, so he thought it funny to greet the presence of the „orange Yellow Vests“.

The protesters laughed, the policemen laughed, even me myself I laughed. My wife took pictures. It was a joke because there was an allusion of an obvious contradiction. But it would also be naive to take it to be a contradiction. Contradictions have no models. But obviously, these two persons were the speaker’s intended model.

No contradiction means in this case that „yellow“ is not an adjective determining the noun „vests“. Further, it means that the noun is the expression „Yellow Vests“ and „orange“ is an adjective determining this. But in order for „Yellow“ not to contradict with „orange“, „Yellow Vests“ has to be taken to be a proper name as well.

Does this mean that „Yellow Vests“ is a rigid designator? Obviously not because in this case there would be no joke! The joke consists in the expression’s „Yellow Vests“ being an abbreviation of a definite description of people who, originally, had only yellow, not orange vests. Proper names as abbreviations of definite descriptions: this is Russell’s theory on proper names, one that lately has been neglected overshadowed by the mainstream view launched by Saul Kripke and David Kaplan and adhered by thousands of young boys and girls out there who never read what is more than five years old.

I don’t need to tell you what my opinion of Kripke’s and Kaplan’s proper-names theory is after a couple of days in Paris. But let’s not be unjust. Maybe it’s a good theory for formal languages. However, the usage of proper names was never the problem in formal languages. It was an alleged applicability in ordinary language that made Kripke’s and Kaplan’s account what it is. But, as my example shows, the theory is inadequate to capture how proper names function in ordinary language.

And, I mean, come on, Kripke and Kaplan would have no chance to overshadow Russell on proper names if there weren’t this barbarian custom of writing articles about the colleague next door, articles that he will read and his PhD candidate will read – and no one else will read. However, this is another big story. And one in which Parisian publishing appears much better than Oxford publishing, to say the least…

Janus annum circinat

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Dass Janus das Jahr zur Wende bringt, ist nicht ohne Weiteres klar. Normalerweise verbinden wir mit ihm einen Neuanfang. Das ist nicht besonders klug. Auch bei den besten Neujahrsbeschlüssen fangen wir nicht bei Null an. Die Wende ist ein Richtungswechsel, kein Neuanfang.

Punkt, Spiel und Partie also für den Codex Latinus Monacensis 4660, Lied 56: „Janus bringt das Jahr zur Wende“.

Dass wir trotzdem von Neuanfang reden, hat immerhin eine Berechtigung. Janus ist das geeignetste Symbol für die Veränderung des Gleichbleibenden und den Dialetheismus. Bei einer contradictio in terminis kann von mir aus von einem Beginn des Neuen ohne das Ende des Alten die Rede sein. Wer einwendet, dass die Realität frei von Widersprüchen ist, dem würde ich auch Recht geben. Dass es einen ersten Januar gibt, ist ein Teil unserer Sprache, nicht der Realität.

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Janus curves the year. What a strange verse! Not only linguistically. We mostly associate new beginnings with him, not curves.

Otherwise, new beginnings and new year’s resolutions are overestimated. We never begin at point zero. We just (wish to) change. And a change is a turn, a curve, not a beginning.

Game, set and match go to the Codex Latinus Monacensis 4660, carmen 56: „Janus curves the year“.

I would tolerate „new beginning“ talk whatsoever. Janus is a symbol for the change of something that remains the same and for dialetheism. When the symbol itself invites contradiction, there’s not much to prevent you from seeing a beginning of the new even if the old still remains. You can say that reality is free of contradiction, of course, but Janus and January are parts of language, not of reality.

The maths and logic of coming on to somebody, or: Truth values and gender

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Der Spaß ist nur halb (oder viertel) so viel, wenn man den Text nicht oder halb so gut versteht. Lo-&-Leducs „079“ (ausgesprochen: Null-siebä-nüün) ist ein fetziger, lustiger Song sowohl musikalisch als auch vom Text her, gleichzeitig der größte schweizerische Hit aller Zeiten. Er besingt den Versuch eines Mannes, eine attraktive Frau telefonisch zu erreichen. Da letztere allerdings ihm gegenüber nur ihre Handyvorwahl preisgibt – die sehr übliche schweizerische Natel-Vorwahl 079- – grenzt der Songtext an eine absurde Kombinatorik-Anwendung. Zunächst berechnet nämlich der Junge, dass „numma no zah Millione Kombinatione“ übrig bleiben. Daraus erkennt man, dass erstens der Kerl eine Annäherung versucht (in jedem Sinn des Wortes, ob beziehungsmäßig oder mathematisch) und dass zweitens die Telefonnummer ohne die Vorwahl siebenstellig sein muss. Von 0 bis 9.999.999 gibt es nämlich genau zehn Millionen Zahlen, aber man darf nicht so rechnen, denn keine Telefonnummer beginnt mit einer Null nach der Vorwahl. Es liegt vielmehr folgende Berechnung nahe: Bei einer siebenstelligen Telefonnummer ergeben die sechs letzten Stellen eine Million Kombinationen, was mal neun (d.h. mal die Zahlen 1 bis 9) neun statt zehn Millionen Kombinationen macht.

Kleiner Exkurs: Das kommt mit Sicherheit als Übung in meiner Algebra-Nachhilfestunde: „Wie viele Stellen hat die Telefonnummer der tüüt-tüüt-Dame im Song „079“?“. Die Mädels und die Jungs werden das garantiert lieben, weil sie den Song mögen.

Zurück zur Analyse: Der nach der Telefonnummer nachhakende Kerl kalkuliert, dass er, nachdem er die Vorwahl kennt, nur noch maximal sechseinhalb Jahre verschiedene Telefonnummern auszuprobieren hat, um irgendwann auf die Nummer der Dame zu kommen, deren Vorwahl er gerade erfuhr. Vorausgesetzt sind dabei drei abgehende Telefonate pro Minute. Der Typ versucht also auf diese abgefahrene Art, eine Person auf sich aufmerksam zu machen, obwohl diese bereits eine Absage erteilt hat. Ist das nicht der Inbegriff der sexuellen Belästigung?

Jedenfalls ist jetzt der Song durch die Vorsitzende der Schweizer Jusos als sexistisch bezeichnet worden, wodurch eine kleine, lustige Debatte entbrannte.

Es ist einerseits klar, dass sich der Songtext des rhetorischen Mittels der Übertreibung bedient. Andererseits geht es in der Debatte ums Prinzip. Stalking beginnt selbstverständlich mit einem Nein, das einen unbeeindruckt lässt. Wie oft oder wie plakativ dieses Nein ausgesprochen werden muss, damit die Ablehnung als definitiv gilt, ist eine Ermessensfrage – eine, mit der zwar die meisten Individuen vertraut sind, aber eben nicht alle. Man hat durchaus Grund zur Annahme, dass unerfahrene oder psychisch labile Individuen mit diesem Song eine falsche Vorstellung dessen bekommen, was erlaubt ist. Dieses Thema beschäftigt mich allerdings nicht.

Die philosophische Frage, die ich in der Debatte sehe, ist, ob hier, wie in anderen Bereichen des Lebens auch, ein einziges und wie auch immer geartetes Nein reichen soll, um eine Absage definitiv zu machen. Wer einen Posten in einer Firma nicht bekam, fragt nicht etwa nächste Woche noch einmal. Wer ein Einfahrtsverbotsschild sieht, kontrolliert nicht, ob noch ein zweites und ein drittes dahinter stehen, um das Verbot ernst zu nehmen. Ein einziges „Nein“ bedeutet in diesen Lebenslagen etwas, was niemals gegen ein Ja ausgetauscht werden kann. Bivalenz ist die Losung.

Ich vermute allerdings, dass die Zweiwertigkeit beim Sexualverhalten nicht immer der Fall ist. Gerade hier erfüllt ein Nein manchmal den pragmatischen Zweck herauszufinden, wie ernst es dem Anbetenden ist. Ich erinnere mich vage, dass es im 4th Panhellenic Logic Symposium vor 15 Jahren einen Vortrag über ein logisches System gab, wo ein Nein sehr schwach verneinte, zwei Nein etwas stärker, drei Nein noch stärker usw. Indem ich dieses Konzept griechischen Logikern entnehme, bediene ich wohl eine Reihe von Vorurteilen. Das wäre schade! Die mehrwertige Logik mit mehreren Verneinungen ist vielleicht eine südländische Sache, da es viele südeuropäische und lateinamerikanische Beiträge dazu gibt. Sie soll allerdings nicht demnach beurteilt werden, sondern nach ihrer Adäquatheit.

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„079“ is a song in German but it’s not comprehended any better by Germans and Austrians than by Britons, Americans or Australians. The reason for this, is the Swiss dialect in which Lo & Leduc sing it. However incomprehensible in the beginning, it becomes very funny if you have some basic knowledge of Swiss-German phonetics, grammar and syntax. The „greatest Swiss hit of all times“ tells about a man’s attempt to (inductively) dial a telephone number of a lady who has only told him her prefix number 079 – a very common one for Swiss mobile phones.

By considering that the combinations he has to dial are at most ten millions (there are, of course, 10 millions seven-place combinations of numbers if you allow also for small numbers to be written with seven digits and to begin with one or more zeros, which becomes nine millions if you disallow beginning with a zero) the boy calculates that in six-and-a-half years at the latest he will have dialled the girl’s number. The assumption is that he manages to dial three numbers every minute. Now, this is, of course, monomanic but since it’s a song and not the real life, I’ll give my algebra class an exercise to calculate how many digits the girl’s number has. Bet, they’ll love it?

But guess what happened next: the president of the Swiss Social Democratic Party’s youth organisation denounced the song as propagating sexism.

I’m not interested in stalking as a problem of moral philosophy although there would be much to say about it. Also, I’m not interested in defining stalking vis-à-vis, say, showing much interest as a soritic problem – probably because there are much better examples of sorites out there. But I’m very interested in negation.

The social democratic feminist has a point there when she says that a single „no“ has to be accepted. When you’ve been unsuccessful to get this professorship you don’t call the head of the department every Monday to ask if she’s thought it over. If you see a no-entry sign at the corner of the road you want to use, you don’t check if there’s a second and a third no-entry sign behind it in order to decide whether you’ll take the restriction seriously or not. Isn’t sexual behaviour according to this pattern?

I appear to recall that in the 4th Panhellenic Logic Symposium 15 years ago, there was a paper on a logic in which one no negated weakly, two less so, three nos negated strongly.

I know that by referring to a theory of double and triple negation launched by – of all people – Greek logicians I’m feeding stereotypes. It’s true that multi-valued, multi-negational logic is adored by Latin American and Mediterranean logicians who – for other reasons probably – are feared for their stubborn way to ignore a woman’s no. But theories are not to be judged by pragmatics. They’re to be judged for their adequacy. And, frankly, I always thought that there are cases in which a no – not in your life as a professional and not in traffic but, for example, for your next date – has the power of saying: „Do you really want to go out with me so badly? I’m not persuaded“.

Logical pluralism is not there because of the logic. It’s there because there’s a part of linguistic behaviour that really escapes bivalence and other classical notions!