Kant über die Abwägung moralischen Schadens beim Kinderimpfen

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Ob Kant (wie im in der Akademieausgabe, Bd. XV, S. 975 edierten Manuskript aus dem Nachlass) weiterhin die “moralische Waghalsigkeit” bei der Pockenimpfung für Kinder als größer bezeichnet hätte denn die physische Gefahr, an Pocken zu sterben, wenn er die heutigen Daten gehabt hätte, fragt sich in diesem hervorragenden Artikel Ingo Arzt, um gleich seinen Unmut über das Abbrechen des Originalmanuskripts zu äußern.

Was kann ich anderes beitragen als eine Fortsetzung des Manuskripts im Sinne des Königsbergers?

Denn so viel ist über die höchste moralische Gefahr bei der Übernahme von Verantwortung für Unmündige zu sagen: Diese besteht darinnen, andere, vornehmlich Kinder, mit guten Absichten in Lebensgefahr zu bringen. Allerdings kömmt es, wie ich in der Kritik der praktischen Vernunft und sonstwo Gelegenheit hatte darzulegen, bei der Beurteilung sittlichen Handelns nicht auf die Absicht des Handelnden an. Mithin ist bei gelungener Kinderimpfung zwar die physische Gefahr überwunden, wenngleich die moralische Anmaßung bestehen bleibt, falls der Arzt nicht genau wusste, ob das Versprechen des Heils die unmündige Person an demselben sterben lässt. Das Kriterium für die moralische Zulässigkeit des Impfens darf freilich auch nicht sein, ob es wahrscheinlicher erschien, an Pocken zu sterben, als die Impfung zu überleben. Denn wie wahrscheinlicher muss der Tod sein, um die moralische Verantwortung übernehmen zu können, einem ahnungslosen Kinde etwas eventuell Schädliches einzuimpfen? Die moralische Gefahr, das Gebot des Schutzes von Leben zu überschreiten, kann nur eine künftige Wissenschaft gewährleisten, die so gut wie sicheren Schaden mit so gut wie sicheren Maßnahmen abwendet.

Hätte Kant den abgebrochenen Satz so fortgesetzt, dann hätte er sich in eine gefährliche Nähe beim Utilitarismus herangewagt, an eine ihm vollends fremde Moralphilosophie, die Nutzen und Schaden gegenüberstellt. Vielleicht musste er abbrechen, weil er feststellte, wie fremd ihm das Kosten-Nutzen-Denken ist. Falls so, dann bricht das Manuskript eben deshalb ab, weil Kant plötzlich klar wurde, dass eine Auseinandersetzung mit den Gefahren der Medizin ohne Kosten-Nutzen-Denken unmöglich ist.

Wenigstens sind wir inzwischen im Besitz der künftigen Wissenschaft.

Enough with scrolling

In a manuscript from the nachlass (so-called AA-Edition of the Royal Prussian Academy of Sciences and successor institutions, Vol. XV, p. 975) Kant reckons that the moral recklessness of vaccinations of children against pox is more serious than the physical risk of the children. Ingo Arzt presents the passage in this outstanding piece of journalism (sorry, only in German) to ask himself whether Kant would still think so if he had our contemporary data and to express his annoyance because the passage breaks off in the middle of a sentence.

This is, to my mind, a natural continuation of what Kant would have written if he had not been interrupted, fallen asleep – whatever:

The most serious moral hazard towards minors can be determined as a situation in which you exploit your responsibility towards them by endangering their lives with good intentions. Since, on one hand, as I had the opportunity to show in my Critique of Practical Reason and elsewhere, intention is not the criterion to judge moral acting, in this case, even if a vaccination is successful, then the physical hazard is overcome, however the moral hazard in form of presumptuousness remains, unless the physician knew that that the promise of healing will not be rather killing. Since, on the other hand, the criterion of the moral value of giving a child a possibly dangerous medicine is also not probability – because how much more probable must a child’s death due to illness be than death due to the medicine, in order for the pretension of the self-proclaimed healer to know better to be legitimised? – the moral hazard to violate the duty to protect a child’s life can only be minimized by a future science which can rightfully claim to avert almost certain dangers with almost certain therepies.

This continuation of Kant’s line of argument concerning duty and responsibility vis-à-vis risky therapies for children would have made the philosopher of Koenigsberg approach utilitarianism – a school of thought alien to him. After all, maybe it was not an interruptive guest from downstairs or the extra glass of wine that made Kant stop writing, but rather the sudden insight that in pondering the pros and cons of medical treatment one has to calculate costs and benefits, which is as denying Kantian ethics as anything.

At least we possess in the meanwhile this one future science…

Fair trade fair

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Bei der Adventsfeier in der Schule unserer Großen habe ich einen Fairtrade-Kaffee gekauft. Sagen wir, dass ich 7 Euro für das halbe Kilo Kaffee zahlte – so hätte mich in etwa ein regulärer Espresso gekostet – und einen zusätzlichen Euro habe ich für mein ruhiges Gewissen ausgegeben.

Demnach ist mein ruhiges Gewissen einen Euro pro halbes Kilo Kaffee wert.

Ist es nicht eigenartig aber, wenn sich der Tarif für ein ruhiges Gewissen für Kaffee nach dem Kaffeetarif bemisst? Soll sich der Tarif für ein ruhiges Gewissen für Weizen nach dem Weizentarif bemessen? Der Preis von Waren – und das ruhige Gewissen ist eine Ware, wenn ich dafür Geld zahle – bemisst sich nach der gesellschaftlich notwendigen Zeit, die für IHRE EIGENE Herstellung verbraucht wird, nicht jedenfalls von der gesellschaftlich notwendigen Zeit, die für die Herstellung EINER ANDEREN Ware verbraucht wird.

Ich dachte immer – und denke im Grunde immer noch so – dass der Utilitarismus eine adäquate Metatheorie zur Bemessung des Nutzens aus der Befolgung jeder Norm ist, einschließlich der Normen, die der Kantianer oder der Aristoteliker befolgen, um den Utilitarismus angeblich hinfällig zu machen.

Aber ein ruhiges Gewissen ist offensichtlich eine besondere Ware. Ist es wirklich das ruhige Gewissen, was die Kosten-Nutzen-Analyse bemisst?

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In the advent celebration at the elder daughter’s school I bought a fair trade coffee. I paid 7 euros for one pound coffee – the regular price for one pound espresso coffee beans – plus 1 euro for my pure conscience.

Therefore the price for a pure conscience is one euro for every pound coffee.

However, it is strange that the tarif for a pure conscience when I buy coffee is measured based on the tarif for coffee. Should a pure conscience when I buy wheat be measured based on the tarif for wheat? The price of commodities – pure conscience has to be a commodity if I pay for it – is measured based on the socially necessary time to produce them. It is not based on the socially necessary time to produce something else!

I always thought – frankly, I don’t know if I should revise – that utilitarianism should be an adequate metatheory to measure utilities from following norms, including norms like the ones which Kantians or Aristotelians follow to refute, as they think, utilitarianism.

Pure conscience is obviously a peculiar commodity. Does cost-benefit-assessment really measure pure conscience?

 

Akrates

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Ein wichtiger Aspekt der normativen Ethik seit der Antike besteht darin, Willensschwäche, akrasia, zu analysieren. Der Willensschwache sieht auf einer abstrakten Ebene moralische Normen als gut an, aber seine Übereinstimmung mit der Moral lässt keine Taten folgen. Er weiß, dass Faulheit schlecht ist. Deshalb will er durchaus fleißig sein. Er kann sich aber beim Faulenzen nicht beherrschen.

Insofern ist die Willensschwäche ein moralisches Laster. Aber Moment! Gestern stolperte ich über einen Fall der Willensschwäche, an dem jede Analyse scheitert. Ich zitiere aus Markus Krischers Kinderhaus (München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2006, S. 93-94) – einem Buch mit sowohl euphemistischem als auch realitätsgetreuem Titel: Es handelt sich u.a. um die Geschichte des Kinderhauses, einer Unterabteilung der psychiatrischen Klinik Eglfing-Haar bei München, in der behinderte Kinder während des NS-Regimes ermordet wurden. Das Zitat stammt aus einem persönlichen Brief des leitenden Oberarztes des Kinderhauses, Dr. Friedrich Hölzel, an seinen Direktor, der ihn gefragt hatte, ob er denn die Tötungen im Kinderhaus durchführen möchte:

So lebhaft ich in vielen Fällen den Wunsch hätte, den natürlichen Ablauf [d.h. die Tötungen – S.G.] verbessern zu können, so sehr widersteht es mir, dies als eine systematische Aufgabe nach kalter Überlegung und nach wissenschaftlich-sachlichen Richtlinien – nicht aus ärztlicher Nötigung den Kranken gegenüber auszuführen. […] Und so kommt es, dass ich zwar bei der [einem Todesurteil gleichkommenden – S.G.] Begutachtung volle Objektivität zu wahren glaube, mich aber doch als ärztlicher Betreuer den Kindern irgendwie gefühlsmäßig verbunden fühle, und ich glaube, dass dieser Gefühlskontakt vom Gesichtspunkte des nationalsozialistischen Arztes kein Mangel ist. Aber es hindert mich, die neue Aufgabe mit der bisherigen zu vereinigen.

Aus Sicht der gängigen Schulen der philosophisch begründeten Ethik, Tugendethik, ethics of moral sentiment, Kantianismus, Utilitarismus, gäbe es durchaus eine ethische Verurteilung gegen das Vorgehen dieses Arztes. Zwar hat er keine Todesspritzen verabreicht, aber seine Gutachten kamen solchen gleich. Der Umstand allerdings, dass er die Tötungen zwar theoretisch befürwortete, diese aber gefühlsmäßig nicht durchführen konnte, würden diese Schulen als ein entlastendes Element werten. Einerseits würden sie seine positive Einstellung gegenüber Kindertötungen als einen rein theoretischen Irrtum ansehen, der für die Ethik irrelevant ist, andererseits würden sie an seiner Weigerung, selber ein Mörder zu werden, eine ethische Haltung erkennen. Die philosophischen Ethikauffassungen haben bei ihrer Trennung zwischen Theoretischem und Praktischem Schwierigkeiten, die Liederlichkeit eines Menschen zu unterstreichen, der das Nichtausführen von Morden als einen Fall der Willensschwäche betrachtete.

Dieser Fall bestärkt mich in meiner Meinung, dass Elemente religiös motivierter Ethik einen Teil des Ethikunterrichts ausmachen müssen. Die Weltreligionen betrachten das Dafürhalten eines Menschen nicht als in theoretische und praktische Philosophie zerfallend, sondern als eine Einheit. Hölzel war aus religiöser Sicht eine zutiefst perverse Einheit, ob mit oder ohne Todesspritzen.

Haar Transport Jan 40

Since antiquity, it is an important aspect of normative ethics to analyse akrasia, weakness of the will. The akrates regards moral norms as good but his agreement with morality does not make him act morally. He knows that laziness is bad. This is why he wants to avoid it. However he cannot stand up and do something.

The weakness of the will is a moral deficiency. But like many other things, our analysis of it is of no use when we face cases of extraordinary perversion – cases which regularly are not found in philosophical books. The quote below, one from Markus Krischer’s book Kinderhaus (München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2006, S. 93-94) is about such a case. The book with the euphemistic and historically faithful title (“Childcare House”) is about the Munich childcare centre (“Kinderhaus”) in which handicapped children were murdered during the Nazi regime. Dr. Friedrich Hölzel, the chief physician of the childcare centre writes to his director who asked him if he would give the handicapped children deadly injections in order for them not to be trasported for execution elsewhere:

Although my desire to help improve a natural process [i.e. the killing of the handicapped children – S.G.] is big, my aversion towards conducting this as a systematic task according to sober reasoning and scientific-objective criteria (without a medical need to treat the patients in this way) is no less. […] This is my explanation for the fact that I can be fully objective, I think, when I write a diagnosis [in effect a sentence to death for the handicapped children – S.G.] but I feel somehow emotionally bound with the children as their medical doctor. I think that this emotional contact is not a deficiency of mine as a National Socialist doctor. However it does stop me from combining my old task with the new.

The several philosophical schools of normative ethics, virtue ethics, the ethics of moral sentiment, Kantian ethics and utilitarianism would condemn Hölzel’s actions. He did not give any deadly injections but he did legalize the killings with his signature. However, they would probably see a mitigating circumstance in his denial to give the injections himself although on a theoretical level he supported the killings of the handicapped children. The philosophically motivated normative ethics divides between theoretical and practical reason. Consequently, philosophers would tend to see Hölzel’s theoretical support for the killings as a theoretical failure, one which is irrelevant for ethics, and they would see his denial to conduct the killings as a moral attitude. But according to this line of thinking, philosophers would fail to see something disgusting in Hölzel’s case: the inability to commit murders being considered as a case of akrasia.

This case makes me feel justified to regard religiously motivated ethics as an indispensable part of ethics at schools of the secondary level. The world religions do not divide our opinions into theoretical and practical. They see a human being as a whole. Hölzel was from a religious point of view a deeply perverse whole, whether he had given deadly injections or not.

Euthanasia

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Die etwa 20 Treffer der Datenbank Thesaurus Linguae Graecae, die die verschiedenen Flexionsformen des Terminus “euthanasia” ergeben, können jeden sprachkundigen Leser überzeugen, dass dieser Begriff in der Ursprungssprache eng mit der eugeria, mit dem würdigen Altern also, eng zusammenhängt und den schmerzlosen natürlichen Tod bezeichnet. Die Archäologie bestätigt inzwischen, dass Platons (Republik 460 c) und Aristoteles’ (Politik 1335b) Empfehlungen, nicht lebensfähige oder behinderte Kinder dem sicheren Tod zu überlassen, nicht bloß Hirngespinste im Kopf herzloser Philosophen waren. Allerdings wurde dieses Morden im alten Griechisch nicht als Euthanasie verharmlost.

Wir, meine Frau und ich, begannen am 8. November nach einem Artikel in der Süddeutschen über die möglich erscheinende Zulassung der Kinder-Euthanasie in Belgien, über die Euthanasie zu reden. Die Diskussion dauert bis heute an, weil ich lieber über Euthanasie als über meine Stimmung nach meinem abgelehnten Projekt rede – einem Fall der Dysthanasie. Meine Frau meinte, dass unser heutiger Euthanasie-Begriff keine Ähnlichkeit mit dem Euthanasie-Begriff der NS-Diktatur hat. Das sah ich anders. Die Ähnlichkeit ist die zweier eineiiger Zwillinge.

Eine Woche später kam sie aus einer Tagung über die Ermordung von Behinderten durch die Nazis nach Hause und legte mir das Faltblatt mit dem Tagungsprogramm vor. “Euthanasie” steht dort in Anführungsstrichen. Auf die moralische und archivrechtliche Dimension der Frage, ob die Namen der damals Ermordeten veröffentlicht werden dürfen, oder ob ihre Familien zu Recht einer “Stigmatisierung”vorbeugend sich der Publikation eines Gedenkbuches erwehren dürfen, möchte ich hier nicht ausführlich eingehen. Ich finde solche Gefühle von Familienangehörigen eine bejammernswerte mittelbare Rechtfertigung der Morde. Ich finde den damit zusammenhängenden Intelligenz- und Effizienzkult nicht hinnehmbar.

Es ist wahr, heute sind die Menschen, die von den Nazis im Sinn von deren”Euthanasie” ermordet wurden, keine Fälle für die Euthanasie. Da gibt es natürlich einen Unterschied zwischen Euthanasie heute und “Euthanasie” damals. Aber die utilitaristische ultima ratio der Beseitigung einer angeblich entwürdigten Existenz bleibt dieselbe.

Noch schlimmer: Wenn die Euthanasie-Anhänger ihre utilitarischen Argumente gegen das Leben von Menschen vorbringen, die sich nicht verteidigen können, überlegen sie nicht, ob sie in ihren Kosten-Nutzen-Kalkül den Gesamtnutzen aus dem Fortbestehen eines Menschenlebens miteinbeziehen. Ich finde, vielzuoft vergessen sie nämlich das Glück Dritter am Leben der Euthanasie-Kandidaten mitzuberechnen.

Ich meine, dass der Fall Schiavo seinerzeit genau das zeigte: Dass die Kosten-Nutzen-Analyse für die Euthanasie selbst utilitaristischen Kriterien nicht genügt.

Es gibt vielleicht einen Unterschied zwischen Euthanasie und “Euthanasie”; einen winzig kleinen…

Euthanasie

In the entire history of the Greek language from the 8th c. BC to the 15th c. AD, there are no more than 20 occurences of the term”euthanasia” in different flexion forms. I used the ultimative instrument to discover this, the data bank Thesaurus Linguae Graecae. What is more, is that these occurences very often associate euthanasia with eugeria, with getting older in dignity. Euthanasia means painless dying of a natural death. Archaeologists are today in the position to verify that Plato’s (Republic, 460 c) and Aristotle’s (Politics, 1335b) recommendations to expose newborns who were disabled or with no chances to survive weren’t just considerations in some philosophers’ heads. This killing, however, didn’t bear the euphemistic name “euthanasia”.

I began talking about euthanasia with my wife on November 8th after an article in a German daily – an article which was sympathetic to a petition of 16 Belgian physicians to the government to allow the euthanasia of minors. The discussion continues until now because I prefer to talk about euthanasia than about my mood after the rejection of my project – which was a case of dysthanasia. My wife said that there is no resemblance between our notion of euthanasia today and the notion of euthanasia under the Nazis. I disagreed. The two notions resemble each other as much as two monozygotic twins.

One week later she came home from a conference on the murdering of disabled people by the Nazis and gave me the leaflet of the conference on which “euthanasia” was written in quotes. I shall not enter into the details of the moral and legal topic concerning the question whether the names of the victims should be published or not – the latter in order to save the families the stigma of having had a member with the Down syndrom, for example. I find that being sensitive towards the feelings of the families in this respect mediately justifies the killing. To my mind, the cult of intelligence and efficiency which goes with feelings of this kind is not tolerable.

It’s true, today our euthanasia-candidates are not those whom the Nazis had in mind. Does this make a big difference between euthanasia and “euthanasia”? I don’t think so. The utilitarian ultima ratio behind the liquidation of lives which are allegedly deprived of dignity remains the same.

Much worse, when the supporters of euthanasia formulate utilitarian arguments against the life of human beings who cannot defend themselves they fail to calculate the entire utility involved in the continuation of this life. They constantly forget to calculate the happiness of the parents and friends of the euthanasia candidates if these stay alive. Like the Schiavo case demonstrated, the cost-benefit-assessment of euthanasia can fall too short even of the utilitarian moral standards.

Perhaps there is some difference between euthanasia and “euthanasia”; a minimal one…

Moralische Gaudi

Moralische Gaudi

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Außer Projekte für Behinderte mit Lotterieeinnahmen zu finanzieren, wirbt die “Aktion Mensch” neuerdings für die utilitaristische Ethik.

Denn der jetzt in den U-Bahnhöfen propagierte Grundsatz: “Wer Gutes tut, darf auch was Gutes gewinnen” (will sagen, Gutes, das mit dem guten Zweck nicht eng verwoben ist), kann nur von einem Utilitaristen gut geheißen werden – von einem also, der meint, jede Handlung, die Nutzen zu Gunsten Bedürftiger darstelle, sei eine moralische Handlung.

Kantianer betrachten die Moral allerdings anders. Der moralische Wert aus der Teilnahme an einer Spendeaktion für einen guten Zweck bleibt aus Sicht eines Kantianers nicht bestehen, wenn zu den Motiven der Teilnehmer die Hoffnung auf den ersten Preis zählt.

Stereotypisch gilt der Mitteleuropäer in puncto Ethikvorstellungen als Kantianer. Ist die neue Werbung der “Aktion Mensch” ein Zeichen dafür, dass die Wertvorstellungen in Mitteleuropa sich langsam ändern?

Next to its usual projects for the disabled which are financed with lottery proceeds, the organization “Aktion Mensch” started now to propagate utilitarian ethics.

Only utilitarians can consistently maintain the maxim “Benefactors may benefit” (that is, they may benefit from things not intrinsically connected with the good purpose) which can be seen now on the screens in German underground stations. Because utilitarians would claim that every action in favour of needy people is a moral deed.

Kantians, however, see the moral value of an action from a different point of view. A Kantian would tell you that if you spend money for a good purpose but you are motivated to do so by the hope of gain, then the moral value of your deed is diminished.

The stereotype says that Central Europe is rather Kantian in terms of ethics. Is the new commercial of the organization “Aktion Mensch” a sign for the change of moral values in the region?