The maths and logic of coming on to somebody, or: Truth values and gender

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Der Spaß ist nur halb (oder viertel) so viel, wenn man den Text nicht oder halb so gut versteht. Lo-&-Leducs „079“ (ausgesprochen: Null-siebä-nüün) ist ein fetziger, lustiger Song sowohl musikalisch als auch vom Text her, gleichzeitig der größte schweizerische Hit aller Zeiten. Er besingt den Versuch eines Mannes, eine attraktive Frau telefonisch zu erreichen. Da letztere allerdings ihm gegenüber nur ihre Handyvorwahl preisgibt – die sehr übliche schweizerische Natel-Vorwahl 079- – grenzt der Songtext an eine absurde Kombinatorik-Anwendung. Zunächst berechnet nämlich der Junge, dass „numma no zah Millione Kombinatione“ übrig bleiben. Daraus erkennt man, dass erstens der Kerl eine Annäherung versucht (in jedem Sinn des Wortes, ob beziehungsmäßig oder mathematisch) und dass zweitens die Telefonnummer ohne die Vorwahl siebenstellig sein muss. Von 0 bis 9.999.999 gibt es nämlich genau zehn Millionen Zahlen, aber man darf nicht so rechnen, denn keine Telefonnummer beginnt mit einer Null nach der Vorwahl. Es liegt vielmehr folgende Berechnung nahe: Bei einer siebenstelligen Telefonnummer ergeben die sechs letzten Stellen eine Million Kombinationen, was mal neun (d.h. mal die Zahlen 1 bis 9) neun statt zehn Millionen Kombinationen macht.

Kleiner Exkurs: Das kommt mit Sicherheit als Übung in meiner Algebra-Nachhilfestunde: „Wie viele Stellen hat die Telefonnummer der tüüt-tüüt-Dame im Song „079“?“. Die Mädels und die Jungs werden das garantiert lieben, weil sie den Song mögen.

Zurück zur Analyse: Der nach der Telefonnummer nachhakende Kerl kalkuliert, dass er, nachdem er die Vorwahl kennt, nur noch maximal sechseinhalb Jahre verschiedene Telefonnummern auszuprobieren hat, um irgendwann auf die Nummer der Dame zu kommen, deren Vorwahl er gerade erfuhr. Vorausgesetzt sind dabei drei abgehende Telefonate pro Minute. Der Typ versucht also auf diese abgefahrene Art, eine Person auf sich aufmerksam zu machen, obwohl diese bereits eine Absage erteilt hat. Ist das nicht der Inbegriff der sexuellen Belästigung?

Jedenfalls ist jetzt der Song durch die Vorsitzende der Schweizer Jusos als sexistisch bezeichnet worden, wodurch eine kleine, lustige Debatte entbrannte.

Es ist einerseits klar, dass sich der Songtext des rhetorischen Mittels der Übertreibung bedient. Andererseits geht es in der Debatte ums Prinzip. Stalking beginnt selbstverständlich mit einem Nein, das einen unbeeindruckt lässt. Wie oft oder wie plakativ dieses Nein ausgesprochen werden muss, damit die Ablehnung als definitiv gilt, ist eine Ermessensfrage – eine, mit der zwar die meisten Individuen vertraut sind, aber eben nicht alle. Man hat durchaus Grund zur Annahme, dass unerfahrene oder psychisch labile Individuen mit diesem Song eine falsche Vorstellung dessen bekommen, was erlaubt ist. Dieses Thema beschäftigt mich allerdings nicht.

Die philosophische Frage, die ich in der Debatte sehe, ist, ob hier, wie in anderen Bereichen des Lebens auch, ein einziges und wie auch immer geartetes Nein reichen soll, um eine Absage definitiv zu machen. Wer einen Posten in einer Firma nicht bekam, fragt nicht etwa nächste Woche noch einmal. Wer ein Einfahrtsverbotsschild sieht, kontrolliert nicht, ob noch ein zweites und ein drittes dahinter stehen, um das Verbot ernst zu nehmen. Ein einziges „Nein“ bedeutet in diesen Lebenslagen etwas, was niemals gegen ein Ja ausgetauscht werden kann. Bivalenz ist die Losung.

Ich vermute allerdings, dass die Zweiwertigkeit beim Sexualverhalten nicht immer der Fall ist. Gerade hier erfüllt ein Nein manchmal den pragmatischen Zweck herauszufinden, wie ernst es dem Anbetenden ist. Ich erinnere mich vage, dass es im 4th Panhellenic Logic Symposium vor 15 Jahren einen Vortrag über ein logisches System gab, wo ein Nein sehr schwach verneinte, zwei Nein etwas stärker, drei Nein noch stärker usw. Indem ich dieses Konzept griechischen Logikern entnehme, bediene ich wohl eine Reihe von Vorurteilen. Das wäre schade! Die mehrwertige Logik mit mehreren Verneinungen ist vielleicht eine südländische Sache, da es viele südeuropäische und lateinamerikanische Beiträge dazu gibt. Sie soll allerdings nicht demnach beurteilt werden, sondern nach ihrer Adäquatheit.

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„079“ is a song in German but it’s not comprehended any better by Germans and Austrians than by Britons, Americans or Australians. The reason for this, is the Swiss dialect in which Lo & Leduc sing it. However incomprehensible in the beginning, it becomes very funny if you have some basic knowledge of Swiss-German phonetics, grammar and syntax. The „greatest Swiss hit of all times“ tells about a man’s attempt to (inductively) dial a telephone number of a lady who has only told him her prefix number 079 – a very common one for Swiss mobile phones.

By considering that the combinations he has to dial are at most ten millions (there are, of course, 10 millions seven-place combinations of numbers if you allow also for small numbers to be written with seven digits and to begin with one or more zeros, which becomes nine millions if you disallow beginning with a zero) the boy calculates that in six-and-a-half years at the latest he will have dialled the girl’s number. The assumption is that he manages to dial three numbers every minute. Now, this is, of course, monomanic but since it’s a song and not the real life, I’ll give my algebra class an exercise to calculate how many digits the girl’s number has. Bet, they’ll love it?

But guess what happened next: the president of the Swiss Social Democratic Party’s youth organisation denounced the song as propagating sexism.

I’m not interested in stalking as a problem of moral philosophy although there would be much to say about it. Also, I’m not interested in defining stalking vis-à-vis, say, showing much interest as a soritic problem – probably because there are much better examples of sorites out there. But I’m very interested in negation.

The social democratic feminist has a point there when she says that a single „no“ has to be accepted. When you’ve been unsuccessful to get this professorship you don’t call the head of the department every Monday to ask if she’s thought it over. If you see a no-entry sign at the corner of the road you want to use, you don’t check if there’s a second and a third no-entry sign behind it in order to decide whether you’ll take the restriction seriously or not. Isn’t sexual behaviour according to this pattern?

I appear to recall that in the 4th Panhellenic Logic Symposium 15 years ago, there was a paper on a logic in which one no negated weakly, two less so, three nos negated strongly.

I know that by referring to a theory of double and triple negation launched by – of all people – Greek logicians I’m feeding stereotypes. It’s true that multi-valued, multi-negational logic is adored by Latin American and Mediterranean logicians who – for other reasons probably – are feared for their stubborn way to ignore a woman’s no. But theories are not to be judged by pragmatics. They’re to be judged for their adequacy. And, frankly, I always thought that there are cases in which a no – not in your life as a professional and not in traffic but, for example, for your next date – has the power of saying: „Do you really want to go out with me so badly? I’m not persuaded“.

Logical pluralism is not there because of the logic. It’s there because there’s a part of linguistic behaviour that really escapes bivalence and other classical notions!

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Präsupposition in den natürlichen Sprachen


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Präsupposition ist der Grund, aus dem eine Reihe von nichtklassischen Logiken in „Manche Zombis sind gehässig“ nicht die Negation von „Es gibt keine gehässigen Zombis“ erkennen.

Es gibt kein Problem, wenn „Es gibt keine gehässigen Zombis“ als wahr angenommen wird aufgrund dessen, dass keine Zombis existieren, ob gehässige oder nette. Denn das macht „Manche Zombis sind gehässig“ falsch, was in Anbetracht derselben Erkenntnis falsch sein muss – und ein Contradictorium einer als wahr angenommenen Aussage. Alles soweit erwartungsgemäß.

Das Problem taucht auf, sobald „Es gibt keine gehässigen Zombis“ als falsch angenommen wird. Grund hätte man, das anzunehmen, dadurch, dass ja bekannt ist, dass Zombis nicht die angenehmsten Charaktere von Filmen sind. Dann müsste aber die Aussage: „Manche Zombis sind gehässig“, wenn sie die Negation davon wäre, wahr sein. Aber sie wäre dann wahr sowohl, weil Zombis so wie die allgemeine Vorstellung sind, als auch weil Zombis existieren würden: Bejahende Aussagen – und ein paar verneinende, aber das führt jetzt zu weit – präsupponieren; und zwar die Existenz des Gegenstandes, für den das Satzsubjekt steht.

Ulrich Blau, an den wir denken werden, lange nachdem die heutige carnapsche Apologetik des Münchner Instituts vergessen sein wird, hat uns in seinem unter Linguisten legendären Werk Die dreiwertige Logik der Sprache (die Logiker tun sich etwas schwer, Qualität anzuerkennen) die Präsupposition natürlicher Sprachen erklärt.

Vergessen hat er allerdings zu sagen, dass jeder Zusatz zum Prädikativ genauso präsupponiert.

Oder würde jemand im Ernst behaupten, selbst wenn zwischen Büro und Warteraum Fische sind, Fische würden zwischen Büro und Warteraum schwimmen?

Wohl nicht, denn „schwimmen“ würde die Existenz von Wasser vom Büro bis zum Warteraum präsupponieren.

Es ist wohl so: Gegenprädikationen präsupponieren nichts; Prädikationen präsupponieren etwas; und je mehr das Prädikat sagt außer „… ist x“, desto mehr präsupponiert es.

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Presupposition is the reason why, in a series of nonclassical logics, „Some zombies are unfriendly“ is not the negation of „No zombies are unfriendly“. There’s no problem in taking „No zombies are unfriendly“ to be true based on evidence against the existence of zombies, since this makes „Some zombies are unfriendly“ false – and you know there are no zombies, friendly or unfriendly ones. But there’s a huge problem if you take „No zombies are unfriendly“ to be false because zombies are unfriendly nonexistents. This would make „Some zombies are unfriendly“ true not only in terms of their being unfriendly but also in terms of their existence. Affirmative sentences (and so-called „inner negations“) presuppose the existence of the thing for which the grammatical subject stands.

Ulrich Blau, a man whose work in logic at the LMU will be remembered long after we’ll have completely forgotten the revisionist Carnapian apologetics of today’s institute, failed to notice in his legendary Die dreiwertige Logik der Sprache that other things can be also presupposed. You wouldn’t say that fish swims between the office and the waiting room, although there is fish between the office and the waiting room. The verb „swims“ presupposes the existence of water all over the place.

A counterpredication presupposes nothing, a predication and some forms of negation and privation presuppose being, every addition to the predicate presupposes extra things.