Meinongian events

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1970 kaufte Wittgenstein ein Appartement in der Athener Innenstadt. Die Wohnung an sich war ein Horror, die wenigen Leute, die sich vor Ort mit seinem Werk beschäftigen, waren Doxographen, die anderen, ebenfalls Doxographen, stritten sich darüber, ob Marx in der Deutschen Ideologie einen bestimmten Ideologiebegriff favorisiert.

Aber der Blick vom Balkon entschädigte für alles.

PS: Das, was nie passierte, hat stets Ähnlichkeiten mit dem, was der Fall ist, sonst würden wir es nicht voll als Ereignis akzeptieren, sei es als Meinongianisches.

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In 1970 Wittgenstein bought a flat in Athens. The place was a dump and it turned out that the few who read him there, were doxographers. Also the others were doxographers who quarrelled whether Marx in the German Ideology favoured some kind of ideology next to the one he criticised.

But the view from the balcony was a compensation for all this crap…

PS: Even Meinongian events have somehow to resemble real events.

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Zur Ontologie des Mangels

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Seit Roberto Casatis und Achille Varzis klassischer Studie „Holes“ gilt es als überkommene Weisheit, dass kein Loch Träger von einem anderen Loch sein kann. Daher ist ein Loch als ein Volumen ohne Materie – jedenfalls ohne ausgewiesenen Stoff –  zu definieren, das teilweise oder komplett von einem materiellen Träger umgeben ist.

Die überkommene Weisheit zieht Probleme nach sich. Stellen wir uns zwei über Kreuz laufende Löcher, etwa in einem Laib Appenzeller vor. Ich nenne sie A und B. Nun ist B etwas enger als A. Es stellt sich die Frage, welcher der Träger des mereologischen Schnitts A^B ist. Ein Teil von A? Das ist gegen die überkommene Weisheit. Gibt es dann kein Segment A^B, sondern ein langes, breites Loch A, das B in zwei nicht zusammenhängende Teile trennt, so dass die Löcher insgesamt drei sein müssen? Mag sein. Aber dann warum sollen wir nicht postulieren, dass A ebenfalls in zwei Teile zerfällt und die Kreuzung immer als eigenes Loch zu betrachten ist? Dass also die Löcher fünf an der Zahl sind? Das würde natürlich die Löcher ohne Notwendigkeit multiplizieren und Ockhamisten wären gut beraten, drei statt fünf Löcher anzunehmen. Jedoch wären sie besser beraten, verbundene Löcher als ein einziges, verwinkeltes Loch zu betrachten. Es sieht jedenfalls aus, als hinge die Entscheidung darüber, wie viele Löcher im Appenzeller sind, nicht von unserer Wilkür ab, wie wenn wir beliebige mereologische Summen aus homogenen materiellen Ganzen bilden, sondern von unseren ontologischen Grundsätzen. Als wären Löcher – anders als andere homogene Ganze – wegen unserer Mereologie nicht beliebig summierbar, obwohl sie homogene Ganze sind. Komisch!

Letzten Samstag wurde mir entgegengehalten, dass diese Rätsel bestehen, weil es keine Löcher gibt: wir erschließen „Löcher“, weil wir sie beleuchten, durchdringen, bohren. Unsere Sprache bezeichnet mit den Konstanten A und B nur, was materiell ist oder von Materie besetzt werden kann.

Das ist ein unmathematischer Ansatz. Aber wer behauptet, dass die halbformelle Verwendung von Konstanten mathematischen Intuitionen genügt? Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich, dass die Probleme der Ontologie des Mangels im Endeffekt Probleme der unpräzisen Sprache sind. Ehrlich gesagt glaube ich das über viele ontologische Probleme. Keine Sprache durchdringt die Wirklichkeit. Die Sprache steckt bestimmte, bekannte Regionen der Wirklichkeit nur ab und zwar von innen. Die Kritik der reinen Vernunft und der Tractatus lassen grüßen.

Jahrelang denke ich, von jeder Spur Kantianismus und Wittgenstein-Jüngertum befreit zu sein, bis eine Scheibe aus dem Eisbecherdeckel und ein Gespräch mit Familie und Freunden bei Bad Tölz mich zurückwerfen.


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Since Roberto Casati’s and Achille Varzi’s influential monograph on the issue, holes are thought to be hosted by no holes but rather by material things. If Casati and Varzi are right, holes are to be defined as immaterial space segments surrounded by material hosts, entirely or partly.

I see problems in this famous account. Take A and B to be two longish holes in a Swiss cheese and to cross somewhere in the cheese. Additionally, assume B to be a bit narrower – its diameter is smaller than this of A. My question is: what is the host of the mereological intersection A^B? Is it A? This can’t be if Casati and Varzi are right. Rather, one must take A to be a hole and B to consist of two holes divided by A – total three. Or you can consider the junction to be an extra hole, at the same time the one end of four others – total five. Ockhamists would say that five is worse because it multiplies unnecessarily the number of entities. Is this to say that three is best?

It isn’t. It is more minimalistic, ergo Ockham-like, to say that interconnected holes are all one. A labyrinth of interconnected holes in your cheese is one hole. I.e. unlike material homogeneous wholes (with a „w“) – and despite their being homogeneous wholes – holes (without the „w“) are of the kind that you can’t add one to another to form an arbitrary mereological sum. Not always! And this is strange!

Last Saturday, I was looking at the world through a hole I found (can I find a hole or do I always find its host?) in an ice-cream cup (no idea what the function of the perforated paper slice at the top of your ice cream is). One question led to another and I found myself explaining nonphilosophers the basics of Casati/Varzi. They were very interested. And they had a solution of the riddles also. There are probably no holes in the world, they told me, and if there are, language doesn’t refer to them. Language refers to non genuine holes: holes you penetrate, holes you illuminate, holes you see and feel, holes that are filled with matter like air, photons or your finger.

This is not a logician’s or a mathematician’s  way to put it but I have to admit that it’s appealing. My semi-formal usage of the constants A and B above doesn’t guarantee mathematical rigour.

In fact, I do believe that most, if not all problems of metaphysics are ones of language and that the riddles concerning holes are of this kind. Language does not map reality. It just delineates some known regions from inside. The idea is reminiscent of Kant and Wittgenstein.

Gosh! I’ve been totally clean of such influences for years and years and they come back during a day in the Alps?

Entbehrung – on the ontology of privations

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Humor zu entbehren, heißt eindeutig, man ist irgendwo ganz falsch gelandet. Miesmuscheln zu entbehren ist weniger tragisch. Warum wohl? Weil Humor offensichtlich ein wichtigeres Merkmal unserer Natur ist als Miesmuschelnessen. Das muss ich als notorischer Miesmuschelnesser sagen. Einerseits hat also die Entbehrung mit unserer Natur zu tun. Wenn wir etwas nicht haben, was wir für zu unserer Natur gehörig halten, dann ist die Entbehrung größer, als wenn wir das für weniger zu unserer Natur gehörig halten.

Einerseits hat also die Entbehrung mit unserer Natur zu tun, andererseits hat sie nichts mit unserer Essenz zu tun. Denn wenn ich etwas entbehre, was zu meiner Essenz gehört, dann bin ich bereits nicht mehr derselbe – oder dasselbe.

Am Mittwoch hatte ich die Gelegenheit, die mir Professor Psarros von der Uni Leipzig dankenswerterweise gegeben hat, diesen und anderen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Noch bemerkenswerter finde ich den Gedanken, dass die Entbehrung nur eine individuelle Natur, kein Genus betrifft. Denn die Entbehrung impliziert stets ein Nichtvorhandensein: Wenn Stevie Wonder blind ist, dann ist es nicht der Fall, dass Stevie Wonder die Fähigkeit zum Sehen hat. Das Satzsubjekt ist hier wohlgemerkt ein Individualausdruck. Dass es nicht der Fall wäre, dass einige Sänger die Fähigkeit zum Sehen hätten, wenn einige Sänger blind sind, gilt allerdings nicht. Was mir fehlt, fehlt in Folge dessen nur mir – und zwar aus logischen Gründen.

Es kann daher sein, dass der Humor meinen Artgenossen nicht fehlt. Das macht das Leben in Entbehrung schwieriger. Man ist allein in dem, was einem fehlt. Ein Leben in der Umgebung von Menschen, denen es nicht mal auffällt, dass anderen Menschen andere Sachen fehlen, ist – na ja…

Egal! Zurück zur seriösen Philosophie. Ein schöner Leichenschmaus war’s gestern in den Ammergauer Alpen. Humorvolle, tolle Leute haben ihren Lehrer und Freund auf seiner letzten Reise verabschiedet. Nur einer fehlte. Man kann zwar nicht im Ernst behaupten, dass einer in seiner eigenen Beerdigung fehlte und zwar aus verschiedenen Gründen: Einerseits war er körperlich da, andererseits setzt eine Beerdigung voraus, dass einer in einem Sinn nicht da ist.

Aber das sind keine logischen Gründe.

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When you miss humour you know that you’re definitely in the wrong place. When you miss mussels the suffering is not that big. Why is this? Well, humour is obviously more important to your being human than eating mussels. And I do like mussels. Very much indeed!

Privation, obviously, is akin to our nature. When we miss something of which we think it’s more relevant to our nature, we suffer more than when we miss something of which we think it’s less relevant to our nature. At the same time, privation has nothing to do with our essence. When I miss something which is a part of my essence, I’m somebody else altogether!

Last Wednesday I had the opportunity given to me by professor Psarros of the University of Leipzig to express these and more thoughts on privation. I’m grateful to him for this. One of the thoughts which stroke me most was that, obviously, privation is a characteristic of individuals but not of entities which can be described by generic terms. The reason for this – and a purely logical one – is that privation implies that something is not the case. If Stevie Wonder is blind, then it is not the case that Stevie Wonder can see. However, if I fail to use the individual term and say that some singers are blind, then the subsequent that it is not the case that some singers cannot see is not the case. Privation is always individual.

Of course, this would make life in privation more difficult. Your fellow humans can be unable to miss humour and a life among people who are not used to think that different people miss different things is – well…

Forget it! Back to serious philosophy:

It was a nice funeral yesterday in the Ammergau mountains. Humorous, great people gave their teacher and friend the last farewell. We missed one. Of course, in a way, you cannot say that someone was missing in his own funeral – for several reasons. First of all, he was there. And, secondly, a funeral presupposes the fact that someone’s missing.

Now, these reasons are not logical.