Termini

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Geographische Grenzen sind Rahmen. Es gibt keine geographische Entität, die sich ins Unendliche erstreckt. Sieht man zudem von eingekeilten Regionen ab, so gibt es höchstens ein Dreiländereck zwischen drei Gebieten. Es gibt genau eines zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich (unten habe ich ein Video von besagter Stelle), zwei zwischen der Schweiz, Österreich und Liechtenstein, da Letzteres eingekeilt ist.

Das alles bestärkt mich in der Annahme, dass die geographische Regionalontologie ein Spezialbereich der Topologie ist. Die bekannten Toponyme der Art: „Elsass“, „Baden“, „Kleinbasel“ (einen Blick auf das erste und das letzte vom mittleren aus sieht man unten) sind ihre Konstanten.

Natursprachliche Bezugnahmen auf Menschen aus dem jeweiligen Landstrich sind jedoch gründlich anders. Anders als Toponyme sind nämlich Ethnonyme keine Eigennamen, sondern Appellative. Als wäre das nicht genug, sind das Appellative mit in der Regel großen Bedeutungsverschiebungen in ihrer Vorgeschichte. Während man z.B. diachronisch sagen kann, wo das Elsass, wo Baden, wo Kleinbasel ist, kann man nicht ohne Weiteres sagen, wer ein Elsässer, ein Badener, ein Kleinbasler ist; auch nicht, wer ein Franzose, ein Deutscher, ein Schweizer ist. Ich meine: nicht diachronisch! Ein Elsässer sprach früher stets Elsässisch. Heute reicht’s zum Elsässersein, sich dafür zu entschuldigen, kein Elsässisch zu können. Einen Schweizer im heutigen Sinn gab es vor 1848 nicht – und das, obwohl es die Schweiz gegeben hat.

Die einzigen mir bekannten Grammatiken, die die Kultur besitzen, nicht so zu tun, als wäre die Herkunft ein Eigenname, sind die des Italienischen und des Deutschen. Erstere schreibt vor, „Grecia“ groß zu schreiben, „greco“ aber klein, „Germania“ groß, „tedesco“ klein usw. Letztere kapitalisiert alle Substantive sowieso. Ob das gegen die Selbstherrlichkeit des Provinzialismus hilft, ist eine andere Frage. Wenn ich an Adriano Celentanos „Lasciate mi cantare“ denke, dürfte es weniger helfen. Aber es ist wichtig, nicht so zu tun, als wäre „Makedonier“ ein rigide bezeichnender Terminus. Im Sinn einer demokratischen Bürgerkunde kann man grammatikalische Vereinbarungen zwar nicht nutzen, Signale in die richtige Richtung sind sie jedoch allenfalls – selbst wenn (oder weil) diese Richtung die nominalistische ist.

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The glimpse of the tri-country region consisting of the southwesternmost edge of the Black Forest in Germany (from where I took this video), Basel in Switzerland (urban, towers) and Alsace in France (vineyards at the other side of the river Rhine) I find interesting for reasons of ontology.

Borders are frames. Generally, geographical limits bound a geographical entity from all sides. Between three regions none of which is wedged among or inside the others, you can have one tri-country region. You have one between France, Germany and Switzerland. But you have two between Switzerland, Austria and Liechtenstein because this last country is wedged between the two former. Thus, the regional ontology of geography appears to be a branch of topology. Its constants are toponyms – NB proper names.

In contrast, ethnonyms, the names of the people of regions, are not proper but common names – and ones that resulted after huge semantic shifts.

As an aftermath, you can’t define „the Swiss“ as easily as you can define „Switzerland“. The only problem you have with the definition of the term „Switzerland“ is to capture territorial shifts through centuries while you maintain that it is a proper name. But it is not clear whether the term „the Swiss“ always referred throughout this time. It has been referring after 1848 for sure, but in the 15th century the only people you could call thus was the population of one landscape in the middle of the country. Another example: it’s been more or less clear for centuries where Alsace is. Still, who’s an Alsatian? – that’s the question of the century! Until the beginning of the XXth century, it was essential to Alsatians to speak their Germanic language. But an essential property of Alsatians today is to speak French whereas apologising for not speaking German.

The only grammars I know that clearly show that toponyms are proper names and ethnonyms common names is the Italian and the German: the former prescribes to capitalise „Ingleterra“, not however „inglese“, the latter capitalises all nouns. It’s so true! England will always be the country that the Angles once possessed. But the Angles, the English, the German, the Macedonians, all peoples of this world, are called thus simply because nominalism has a chance to be true.

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An silentium sit entium

English in italics, German recte.

Das ist die Art, wie manch ein Platoniker oder Logizist das berüchtigte „stumme“ Musikstück 4’33“ von John Cage ansieht:

This was a Platonist’s or logicist’s way to understand what the rules or the instructions for John Cage’s 4’33“ are.

Es folgt das Verständnis eines Konstruktivisten vom demselben Stück.

And here’s an intuitionist’s understanding of the same piece of music, which might seem kind of poor, of course:

Unser Konstruktivist machte die Augen zu und spielte eben 4 Minuten und 33 Sekunden lang keine Musik… Damit erkannte er in Cages Stück nichts, was musikalisch zu verstehen wäre. Das ist vielleicht spießig.

Aber wenigstens werden sich zwei Konstruktivisten anders als Platoniker oder Logizisten nie streiten, ob die hier ganz oben oder eher die nachfolgende Partitur akkurater ist:

But intuitionists would at least not run danger to fight whether the first or the last sheet would give the real structure of the piece. Logicists and Platonists are famous for their accounts about the properties of nonbeing.

Which is of course much more reflected. And more of an issue.

Platoniker und Logizisten sind eben reflektierter als Konstruktivisten. Und streitbarer auch.

Mereology for the whole family

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Mit Hans Burkhardt ist ein Teil der Herausgeberschaft nicht mehr am Leben. Mit Dale Jacquette und Jonathan Lowe ein Teil der Autorenschaft auch. Heute denke ich an die lieben Leute, die es nicht mehr erleben konnten…

Hoffentlich findet die Community seit gestern, dass die Teil-Ganzes-Forschung von unseren Bemühungen profitierte.

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The part of the editorial team named Hans Burkhardt didn’t live enough to see it. The parts of the authors’ team named Dale Jacquette and Jonathan Lowe had the same destiny.

My thoughts are tonight with the parts. But my hopes are that the whole target group will celebrate it. 

Behold! The Handbook of Mereology!

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Der Autor und der Herausgeber müssen die Bücher wie mit dem Schleudersitz verlassen, wenn es nicht noch weitere zehn Jahre dauern soll.

Das machte ich vor Kurzem als letzter Mitherausgeber vor der Drucklegung und Serienherausgeber. An meiner Stelle hätte ein mittelalterlicher Bischof seine Unterschrift unter die Worte nihil obstat und imprimatur gesetzt.

Vorbestellungen mit Preisnachlass beim Verlag. Publikationstermin: 20.10.2017


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Unless they want it to have a delay of ten more years, authors and editors abandon a book with the ejection seat instead of seeking the absolutely secure landing.

This is what I just did as the last co-editor and the managing editor of the series. If I were a medieval bishop I would put my signature under the words nihil obstat and imprimatur

Order now for 15% off and keep the publication date in mind: Oct 20, 2017.

Partes chimaerarum



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Vielleicht ist Folgendes ein gutes Argument dafür, dass Teile der Mereologie (Teile der Theorie, nicht Teile im Sinne der Gegenstände der Theorie) auf die Mengenlehre reduzierbar sind, vielleicht auch nicht – ich hab’s noch nicht bis zur letzten Konsequenz gedacht.

Teile von Chimären (hier aus dem Isenheimer Altar in Colmar) sind dadurch Monsterteile (und eben nicht nur Hirsch- oder Rattenteile), dass sie Teile sind, die nicht zusammengehören. D.h. Monsterteile sind nur dadurch welche, dass sie in bestimmten Verhältnissen zueinander stehen. Ohne derartige Verhältnisse zueinander sind das Hirschgeweih, der Rattenkopf, die Menschennase keine Monsterteile, sondern Teile von einem Hirschen, einer Ratte, einem Menschen. Schneide ich etwa vom einen Monster das Hirschgeweih, vom anderen den Hirschkopf, vom dritten den Hirschhals usw. weg und füge diese artgerecht zusammen, dann habe ich zum Schluss keine Monsterteile eines Hirschen, sondern Hirschteile eines Hirschen – was beweist, dass Chimärenteile nur dann als Chimärenteile gelten, wenn sie, jeder für sich genommen, die Struktur der ganzen Chimäre als Teil enthalten.

Die Chimäre aus allen und nur Chimärenteilen – die wohlgemerkt die ganze Chimäre und ergo sich selbst als Teile enthalten – ist also eine Chimäre, die sich selbst problemlos enthält. Das ist natürlich nichts anderes als eine nichtparadoxe, mengentheoretische Struktur 

(Entschuldigung für dieses Posting: Auf dem Endspurt der Redaktion des Handbook of Mereology – Johanna Seibt und Guido Imaguire sind meine Mitherausgeber, Philosophia München der Verlag – sehe ich alles, auch die lebendigen Leute um mich herum, als Teil-Ganzes-Beziehung. Hoffentlich kann ich mich und Euch nochmal normal sehen, wenn die sechshundert Seiten raus und von unserem Hals sind).

Für Kommentare wäre ich dankbar.



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Maybe it’s a good argument for the claim that parts of certain wholes are only subsets (and parthood of these wholes only a set-theoretical notion), maybe it’s not. I’ll have to think it over and to draw the last consequences out of it. For now, here it is:

Parts of chimaeras (here from the Isenheim Altar in Colmar, France) are parts of monsters and not just of, say, deer or rats, only if they’re assembled in an unnatural whole. In other words, parts of monsters can be said to be such only if they are interrelated in certain ways. It is perfectly alright for a chimaera to have Cleopatra’s nose on a deer head. Thus, to make a chimaera, what has to be avoided is to make all and only deer parts and all and only Cleopatra’s parts naturally fit together. If you take Cleopatra’s nose from this chimaera, Cleopatra’s eyes from that chimaera, Cleopatra’s arms from a third etc. what you have at the end of the day is not a chimaera consisting of parts of other chimaeras but Cleopatra consisting of Cleopatra’s parts.

As one sees, the whole structure of the chimaera must be a part of every part of the chimaera.

If Cleopatra’s nose doesn’t contain a monster-like structure as its part (e.g. by containing its relation to a deer’s head as a part), it is not a-monster’s-and-Cleopatra’s nose but only Cleopatra’s.

As one sees, being a part of a chimaera presupposes being a part of a whole that contains only and all the parts of the chimaera that contain themselves. This is nothing but a set-theoretical structure.

I believe that this shows that at least a part of mereology (I mean a part of the theory, not a part among the objects of the theory) is  reducible to set theory.

(The Handbook of Mereology (Philosophia: Munich) I’m editing together with Johanna Seibt and Guido Imaguire is almost finished. It’s about time because I currently see everything and everyone as wholes consisting of parts and I can only hope I’ll return to normality as soon as the book is published).

I’d be happy to receive your comments.

Dubrovnik calling

When I see that Srećko, Kordula and Jean-Yves are in the same time at the same place, I automatically look where my name is mentioned.

Alas, I know that I won’t be able to join them this time AT THIS AWESOME CONFERENCE, FOR THIS AWESOME PROJECT, IN THIS AWESOME CONTEXT:

CALL FOR PAPERS 

Conference FORMAL METHODS AND SCIENCE IN PHILOSOPHY 2, May 4-6, 2017

Inter-University Center (IUC) Dubrovnik, Don Frana Bulića 4, Dubrovnik, Croatia

Keynote speakers  

Jean-Yves Béziau, Federal University of Rio de Janeiro

Wolfgang Künne, University of Hamburg

Conference Committee

Gianfranco Basti, Pontifical Lateran University, Vatican City

Grzegorz Bugajak, Cardinal Stefan Wyszyński University, Warsaw

Johannes Czermak, University of Salzburg

Filip Grgić, Institute of Philosophy, Zagreb

Srećko Kovač, Institute of Philosophy, Zagreb

Edward Nieznański, Łazarski University, Warsaw

Kordula Świętorzecka, Cardinal Stefan Wyszyński University, Warsaw

Berislav Žarnić, University of Split

https://www.iuc.hr/conference-details.php?id=270

The general subject of the conference are problems of philosophical ontology, epistemology, philosophy of science, and philosophy of mind that are formulated or solved using formal methods (as defined in logic, mathematics, formal linguistics, theoretical computer science, information science, AI) and/or with references to the results of natural and social sciences.

The following special topics will be addressed:

– use of formal methods in philosophy,

– philosophical analysis of scientific notions (natural law, matter, change, cause, chance, time, space, uncertainty, quantum phenomena, probability, social interaction),

– philosophical analysis of scientific methods (formalisms, rationality, values and norms, etc.),

– the role and use of scientific notions and methods in philosophy (formal systems in philosophy, critical analysis, systematic philosophy, etc.).

A special session will be organized under the title „Logic, concepts and communication“. The session will address the following topics: the intensional foundations of logic and its primitive concepts, logical foundations of ontology, role of concepts in knowledge, logic and logical concepts in the context of inter-agent communication (in connection with the research project IP-2014-09-9378 funded by the Croatian Science Foundation, http://logiccom.projekti.ifzg.hr/doku.php).

The following panel discussion will be held: „Proposal of a BD/MD/PhD in philosophy on: Philosophy & Computer Science. A perspective for applied formal philosophy“.

Moderator: Gianfranco Basti, Pontifical Lateran University, Vatican City.

There will be also a PhD session with 20 minutes talks followed by 10 minutes discussion.

Language: English; conference fee: 80 EUR.

There are limited possibilities for accommodation at the venue of the conference. Please, see https://www.iuc.hr/accomodation.php or contact us at fmsph@ifzg for the information. Unfortunately, we are not able to cover the costs of the accommodation.

Abstracts

Please, submit a 600 characters abstract for a 30 minutes talk (+ 10 minutes discussion).

Deadline for abstract submission: March 31, 2017.

Please, indicate if the abstract is meant for a PhD session.

Abstracts should be sent to skovac@ifzg.hr or k.swietorzecka@uksw.edu.pl.

Notification of acceptance will be sent within one week after receiving the abstract.

Organizing institutions

Institute of Philosophy, Zagreb

Institute of Philosophy of the Cardinal Stefan Wyszyński University, Warsaw

Inter-University Center, Dubrovnik.