Metabolism and mereology

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Das Aufgehen eines Ganzen in ein anderes – Teile wie Federn oder Nägel können dabei übrigbleiben – heißt Metabolismus. Solange der Metabolismus nicht auf die Mengenlehre reduzierbar ist, bleibt die Mereologie unabhängig von der Mengenlehre.

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A whole’s being annihilated into another is called metabolism. Parts of the annihilated whole can be preserved, e.g. nails or feathers.

As long as metabolism is not reduced to set theory, the notions of the whole and the part will not be reducible to the notion of element.

Familiarissimus nominalis

Guido

Whenever we met, we called this a “family meeting”. By now, no member of the family lives in Munich anymore. We try to keep in touch and, actually, we do so mostly by being productive and by making the others notice our work. This is the case with Guido Imaguire’s latest book on Priority Nominalism, to a reading sample of which I am linking here.

Totgesagtes lebt länger #2

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Die plötzliche Kälte, die einen Teil der Schweiz wieder in Schnee verhüllte, macht wieder den Trachanas aktuell.

Wirklich aktuell ist ein egal wie legendäres Relikt der byzantinischen Küche wohl nie. Aber die Kälte legt die bulgurähnlichen Krümmel aus getrocknetem Ziegenmilch-und-Mehl-Porridge näher als sonst. Wer Ungarn und seine Küche kennt, kennt wohl das ähnlich klingende Tarhonya. Tarhonya ist nicht Trachanas, sondern es wird in gleicher Größe und Gestalt aus Nudelteig gemacht. Allerdings zeugt der Name von einem gemeinsamen Ursprung.

Wenn zwei verschiedene Sprachen verwandte Wörter für unterschiedliche Dinge haben, dann sind lexikalische Entlehnungen und Bedeutungsverschiebungen der Fall wie bei Pitta im Griechischen und Pizza im Italienischen. Wird dieselbe Sache dagegen unterschiedlich bezeichnet, kann höchstens von Kulturtransfer die Rede sein. Im Fall von Trachanas/Tarhonya haben wir Beides. Kulturtransfer war der Fall als die mittelalterlichen Ungarn den Trachanas höchstwahrscheinlich von oströmischen Soldaten adoptierten, worauf die Bedeutungsverschiebung folgte: Beibehalten wurde aus der ursprünglichen Bedeutung die Gestalt des Gebrösels, das Rezept wurde umgewandelt.

Ich sehe hinter der Beibehaltung des Terminus folgende Haltung der Sprecher des mittelalterlichen Ungarisch: Die Gestalt ist das Wesentliche (von mir aus das Wesentliche für dieses Gericht) der Originalteig aus Ziegenmilch sekundär.

Wenn es Leser dieser Zeilen gibt, die sich fragen, ob morphologische Eigenschaften als Teile des mereologischen Ganzen genommen werden können, dann kommt hier die Moral von der G’schicht’: Nicht nur können sie das, sondern sie können auch die essenziellen Teile sein!

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The sudden cold that covered much of Switzerland with snow in May, allowed me to have the original dish again: trachanas: wheat cooked in goat’s milk and dried and broken into bulgur size is a legendary historical fossil of Byzantine kitchen. Those familiar with Hungarian kitchen know the similarly looking and sounding tarhonya. Tarhonya is not trachanas. It is simply pasta in bulgur shape. But the name bears witness to a common origin.

When in different languages like here in Greek and in Hungarian, you have a similar name for something different, then it is a lexical loan and a semantic shift that you have – like when you compare the Greek pitta and the Italian pizza. When you have, in contrast, the same thing by different names, then you can have a cultural transfer. In the case of trachanas/tarhonya you have both phenomena: an original transfer when the medieval Hungarians adopted trachanas as it was used probably by Eastern Roman soldiers, followed by a semantic shift: they retained the form but replaced the recipe, which probably shows that they considered the form to be substantial, the dough as of secondary importance.

Just an idea for those who ask themselves if morphological properties can be considered to be parts of mereological wholes. Not only are they, but can also be essential parts of the whole.

Gestalt floristry

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Der Unterschied zwischen einzelnen Schnittblumen und Blumensträußen ist ein mereologischer: hier die Einzelnen ohne Ganzes, da das Ganze. Begründet sehe ich besagten Unterschied in der Anordnung der Teile. Damit ist die Anordnung kein Teil von vielen Blumen einzeln betrachtet, sehr wohl aber Teil des Ganzen in einem Blumenstrauß. Da aber auf dem Boden der empirischen Wahrnehmung nur Blumen und Grünzeug erkennbar sind, ist die Anordnung von Blumen und Grünzeug ein Metateil. Damit hat der Blumenstrauß einen Metateil als Teil.

Unsere Große hat ihre ersten vier Theatervorstellungen hinter sich. Es geht jetzt zurück in den Alltag.

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The difference between flowers taken individually and bouquets is one of mereology. The individual flowers don’t make up a whole, the flowers of a bouquet do.

The reason for this appears to be an intended structure of flowers and greenery in the case of the bouquet, a lack thereof in the case of individual flowers.

From this I conclude that the intended structure is a part of a bouquet. If I’m right in this, a bouquet has as its parts not only flowers and greenery but also an intended structure. Thereby it has metaparts as parts.

Our elder daughter was on stage – four inspiring performances. Now we return to normal.

Wholes that host holes

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Schneidet man vom abgebildeten Stück Emmentaler eine Scheibe oben ab, bekommt man eine obere Scheibe ohne Loch (dafür eine mit einer “Einbuchtung”) und eine untere mit Loch. Die obere Scheibe ist dann kein Träger eines Lochs, die untere schon.

Diese Bemerkung ist aus folgenden Gründen mereologisch relevant:

1. Das Gedankenexperiment ist auch ohne Messer möglich, d.h. ohne zu schneiden.

2. Man kann sich die “linke” Lochseite beliebig dünn oder dick vorstellen.

3. Ebenfalls die obere Scheibe.

Bei vielen Alternativen eines Schnitts hat man also die Intuition, dasselbe Loch zu haben, nicht jedoch dasselbe Ganze als Träger des Lochs.

Ist das mit der – von Achille Varzi geprägten – Mainstream-Vorstellung von Löchern konform, die durch ihre Träger definiert werden, da sie selber (angeblich) nicht existieren? Wenn der Träger eines Lochs mehr variiert als das Loch, wäre es nicht der nächste Gedanke, vielmehr die Träger durch die Löcher und den sie umgebenden Raum zu definieren (eventuell auch als großes Loch aufzufassen) als umgekehrt?

Skurril? Wieso ist es nicht skurril, die Zahlentheorie auf die leere Menge zu basieren?

(PS: Bevor ich in ein tiefes Loch falle, weil ich Geburtstag habe, oder – noch schlimmer – Geburtstagsplatitüden schreibe, schreibe ich lieber über etwas, was zwar eine Luxuskunst für Leute ohne Existenzsorgen ist, aber mich stundenlang beschäftigen kann. Das ist ehrlich. Das ist meins. Oder ich mache meine Leser auf die Kunst eines wirklich talentierten Menschen aufmerksam, der denselben Geburtstag hat).

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Having the birthday other no-name people have is to Dmitri Shostakovich one of his Cambridge properties. Having the birthday Dmitri Shostakovich has is to me a way to avoid platitudes and resolutions in my blog.

But still, it’s not my way, it’s Shostakovich’s. My way is philosophical analysis of problems people have when they have neither acute needs nor existential concerns.

Take for example mereology, the discipline of this book, and one to which the following thoughts pertain:

If you take a knife and cut a top slice from the Emmental above then you’ll have one upper slice without a hole (with an indentation instead) and a lower slice with a hole. From one whole with a hole you made two wholes, the one with a whole, the other without one. You can make the same thought experiment without a knife. It’s more secure and philosophically as interesting.

Without a knife you can imagine the left side of the hole very thin or thick as well as the top slice. To make a long story short, with many possible cuts you’ll have the intuition of having the same hole but different wholes als hole hosts.

If this intuition is somehow justified, I can’t see why we keep – in line with Achille Varzi – defining holes by their hosts instead of, vice versa, defining hosts by virtue of their holes and the space around – eventually to be also interpreted as a big hole.

Don’t say it’s surreal. The theory of numbers is also based on the empty set and you don’t say it’s surreal.

(Birthdays are difficult days)

Coffee parts

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Der “deconstructed coffee” soll, so eine stets sehr gut informierte Freundin, der neue australische Trend sein. Ich hatte keine Ahnung davon und, wenn ich keine Ahnung über einen Trend habe, fühle ich mich alt. Serviert werde er in verschiedenen Behältnissen. Eines ist für den Kaffee, eines für die Milch, eines für den Zucker, eines fakultativ für extra heißes Wasser.

Mir geht es hier nicht um australische Geschmäcker, sondern eher um sprachliche Akkuratheit.

Es ist nämlich fraglich, ob hierbei von einem zerlegten Kaffee die Rede sein kann, da die wie oben servierten Zutaten nie Teile eines Ganzen waren. Nun kann der Freund des Ausdrucks “deconstructed coffee” einwenden, dass von einem Ganzen ausgegangen werden muss, nachdem der zerlegte Kaffee ein chronomereologisches Ganzes von etwas ist, was spätestens im Magen vereint ist. Das wäre zwar nicht mein Verständnis von der Regionalontologie der heißen Getränke, aber heute bin ich gut drauf.

Aber ist es überhaupt Kaffee dann? Wer in Italien einen Cappuccino und ein Tiramisu bestellt und fünf Minuten später den Kellner fragen hört: “Chi voleva un caffè e un tiramisù?” ist gut beraten, sich nicht zu melden. Das ist, um zu vermeiden, dass der Kellner abweisend mahnt, bei der Arbeit durcheinander gebracht zu werden. Denn wer Cappuccino und Tiramisu bestellte, wird doch wissen, dass derjenige, der caffè und Tiramisu bestellte, jemand anders sein muss.

Es ist außerdem kein langes Argument nötig, um zu zeigen, dass ein ungesüßter Espresso oder Ristretto nicht “zerlegt” werden kann. Ein solcher hat nämlich nur solche echten mereologischen Teilmengen (= Teile), die homogen sind: nichts als Kaffee – im Sinne der traditionellen Mereologie ist ein Kaffee ein homogenes Ganzes! Man kann zwar homogene Espresso-Teilmengen in viele Tassen teilen, zerlegt den Espresso aber dadurch nicht in seine Zutaten und schnell kalt wird er dann auch noch!

(Das letzte ist kein philosophisches Argument, jedoch lag es mir auf der Zungenspitze).

Und gesüßter Espresso? Das Kaffeesein kann ihm jedenfalls nicht abgesprochen werden. Und man kann den Zucker getrennt reichen.

Aber wurde er jemals etwa anders serviert?

Ich schließe daraus, dass es, recht verstanden, keinen zerlegten Kaffee geben kann.

Von Dekonstruktion kann sowieso nur gesprochen werden, wenn die Ordnung auch als (herausgetrennter) Teil des Ganzen genommen wird. Das ist ein sehr interessanter Gedanke, der hier beileibe nicht zutrifft.

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Talking about deconstruction takes for granted that the order of a whole is a part of it and that you can take this part out of the whole. Which shows that material wholes also have non material parts. But there are cases in which you can’t distort the order. In fact, these are trivial cases!

I’m told that the “deconstructed coffee” is the new trend. Served in the parts it consists of, say coffee, sugar and milk, in different cups, cans, bowls.

I have various concerns however about whether talking of a “deconstructed coffee” is an adequate description of the beverage in question.

The ingredients thus served have never been one whole, so they can’t be said to be served as deconstructed parts thereof.

But even if one grants that they are a deconstructed whole, this whole is no coffee! If you order a cappuccino and a tiramisu in Italy and five minutes later you hear the waiter asking “Chi voleva un caffè e un tiramisù?” DON’T raise your hand! It’s a cappuccino you wanted, not a coffee. If you ordered a cappuccino and a tiramisu, it’s another customer who wanted caffè and tiramisu, not you. So, don’t be offended when the waiter urges you not to confuse him.

The same argument holds of caffè latte etc.

Finally, the ones who drink unsweetened espresso or ristretto can’t have their coffee deconstructed: an unsweetened espresso has one nonproper part: itself (and if you serve it like this it’s not deconstructed), and proper parts that, according to traditional mereology, are taken to be homogeneous. Of course you can serve an espresso dividing it in several cups but you don’t deconstruct it this way. And, what is even worse, the tiny amounts of coffee in the cups will get cold much faster.

(The last is not a philosophical argument but still…)

I left sweetened espresso last in this consideration. It is coffee alright, and you can serve it with the sugar on a side dish.

But this is how it has always been served!

I conclude from all this that there is no deconstructed coffee in the literal sense.

Cambridge properties in different places

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Die Logik ist außerstande zu bestimmen, was wesentlich für ein Ding ist. So sehr wir auch immer die Unterscheidung zwischen essenziellen und akzidenziellen Eigenschaften eines Dinges im Alltag und im Unterricht gebrauchen, so sind diese doch alles andere als abgesteckt. Skandalös.

Noch skandalöser ist aber der Umstand, dass wir keine Kriterien besitzen, um sogenannte “Cambridge-Eigenschaften” von anderen zu unterscheiden. Jeder Biologe würde sagen, dass die Kausalbeziehung zwischen der Ur-ur-urgroßmutter des Cousins zweiten Grades der Frau eines meiner direkten Vorfahren vor 37 Generationen und mir wesentlich für mich ist. Ist aber von dieser Frau her eine direkte genetische Linie zu Aristoteles gegeben – was leicht passieren kann, wenn du Euböer bist – tendierst du dazu, deine Beziehung zu dieser Frau aus der Antike als “Cambridge-Eigenschaft” abzutun aus Angst, dass du sonst als Biologist gelten kannst. I.e. du tust so, als wäre deine Beziehung zu deinen biologischen Vorfahren so etwas wie eine auf der Nutzung desselben Bürgersteigs basierende Beziehung etwa zu einer Frau, die mal in einem Sinatra-Konzert war…

Umgekehrt erheben manchmal Fremdenverkehrsämter Cambridge-Eigenschaften in den Rang des “must-see“. Augsburg protzt etwa damit, dass einer von Mozarts Vorfahren – von Beruf Bauarbeiter – in der Fuggerei wohnte. Wenn du nicht Mozarts Geburtshaus hast, musst du dir irgendwie behelfen…

Mozarts Geburtshaus steht eben in Salzburg, Getreidegasse 9, nicht in Augsburg. Aber warum soll nicht etwa auch das Wohnen an der Getreidegasse 9 eine von Mozarts Cambridge-Eigenschaften darstellen? Was hat dieses Haus mit gelber Farbe und protziger Inschrift mit Mozart zu tun? Gut, die Touristen wollen was sehen… Aber das ist kein Touri-Blog, also akzeptieren kann ich dieses Argument nicht.

Wie man jedenfalls sieht, verdient sich so mancher Mitteleuropäer eine goldene Nase mit Cambridge-Eigenschaften, während Griechenland sein ein und alles zu Cambridge-Eigenschaften erklärt. Ich stand im Sommer und bewunderte Touristen, die unscheinbare, mit eingemauerten Platten versehene Altbauten in Augsburg und Salzburg fotografierten, wohl wissend, dass das vor ein paar Jahren von der Archäologie freigelegte Lykeion des Aristoteles in Athen als “der Park zwischen der Zentrale der rechtsliberalen Partei und dem Byzantinischen Museum” gilt.

Ich tendiere selber dazu, sehr viel davon, was nicht zu meinem innersten Wesen gehört, als meine Cambridge-Eigenschaft anzusehen. Es macht mir nichts aus…

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It is scandalous enough to be short of a clear cut between the essential and the accidental properties – I mean we don’t have it in logic although we constantly use it in everyday discourse, in explaining things, in scholarly instruction.

But the still bigger scandal is that you can take essential properties to be Cambridge properties and vice versa ad libitum! If there is a causal, genetic chain between the great-great-great grandmother of the second-grade cousin of a wife of a direct ancestor of yours 37 generations ago and yourself, then your relationship to this ancient woman is essential for your being there in the world. But if this woman was Aristotle’s relative – chains of this kind are very probable if you’re of Euboean ancestry – then, in order for people around you not to take you to be a biologism weirdo you’d rather say that your connection to Aristotle is a Cambridge property of yours – like e.g. using the same pavement that has been used by someone who met once a lady who was at a Sinatra concert…

Vice versa, you can make a big deal out of a Cambridge property like the city of Augsburg in southern Germany does. They give a hint to the fact that one of Mozart’s ancestors, a construction worker, benefited from the world’s oldest housing program, introduced by the Fugger family who had been the city magnates from the 16th century on. Augsburg would rather host Mozart’s birth house but this, alas, stands in the Austrian town of Salzburg, some three hours from there.

But, again, isn’t Mozart’s being born in the Salzburg house not his Cambridge property? I see nothing importantly connected to Mozart in this house with the funny yellow colour and the strident inscription… But, of course, tourists love it… I believe that the ultimate ratio of calling this or that predicate a Cambridge property is pragmatics. Tourists want to experience something they artificially make a big deal of.

While Central Europeans earn a living by making believe their Cambridge properties would be no Cambridge, Greeks specialise in making Cambridge properties out of no Cambridge.

I was thinking of this while reading about Mozart’s this and that on fronts of unspectacular houses in Augsburg and Salzburg during this summer while knowing that few years ago the site of Aristotle’s Lykeion was discovered in Athens to be further referred to as “the garden between the New-Democracy party headquarters and the Byzantine Museum”.

Somehow I like this attitude. Things not essential for me I regard as my Cambridge properties.