Proud of her

Scroll for English

Ich weiß, dass ich meiner Tochter eine christliche Zuversicht nahelegen soll. Aber gleichzeitig bin ich Grieche. Deshalb bin ich auch auf Nichtchristliches stolz.

Enough with scrolling

My daughter says that life’s not just. I know that I have to give her a Christian education. But I’m also happy for every piece of Greekness in her…

Advertisements

Thank Goodness back to business…

A call for papers was recently launched by Kordula Świętorzecka and Srećko Kovač.

I won’t be able to be there this time but maybe something for you.

Surprise #4: Berlin Woody

Scroll for English

Zwei Autoren habe ich insgesamt schätzen gelernt, die nach einem Philosophiestudium Standup-Comedians (und Vieles sonst) geworden sind und mich (und sonst viele) zu ihren begeisterten Lesern machten. Der eine war Woody Allen. Der andere, viele Jahre später, Marc-Uwe Kling. Sie sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Wer kann z.B. so einen Dialog geschrieben haben?

– Wo hast du denn das her? Ich hab’s gesucht! Das ist doch mein MP3-Player!

– Ach, „mein“, „dein“, das sind bürgerliche Kategorien…

Woody Allen, sagen Sie? Im Film Bananas? Falsch! Es ist Kling! Ich entdeckte ihn erst 2018 als den Autor der Känguru-Apokryphen, herausgekommen bei Ullstein und eigentlich Nachschlag zu seiner großen Känguru-Trilogie, die er 2006 zu publizieren anfing. Der erzählerische Rahmen geht in etwa so: Der Ich-Erzähler, explizit als der Autor auszumachen, lebt in einer Berliner WG mit einem Känguru, das

  • beim Vietkong mitgemacht haben und
  • weiterhin radikalisierter Maoist sein will;
  • Schnappspralinen liebt;
  • kalte Bouletten aus dem Kühlschrank auch;
  • nie das Bad putzt;
  • nie für den Haushalt aufkommt;
  • ständig riskiert, ohne sichtbaren ideologischen Gewinn von der Polizei auseinandergenommen zu werden;
  • ständig nervige linkslastige Bemerkungen gegen den Mitbewohner loslässt, die die Welt kein Bisschen besser machen und das Miteinander auch nicht;
  • auf seine Prinzipien aus kleinlichen Gründen wie Schnappspralinen oder Bouletten verzichtet.

Kurz gesagt ist Klings Känguru der Inbegriff des linken Populismus.

Die Geschichten sind noch viel mehr. Sie strotzen vor

– Selbstreferenzialität: Das Känguru will nicht, dass der Autor die Geschichten aufschreibt, also stürzt es sich auf diesen „und versu…“ – der Satz bricht ab, da der Versuch anscheinend gelingt.

– Entscheidungstheorie: Was ist die rationale Handfigur im regellosen Schnick-Schnack-Schnuck, wo offengelassen wird, was die Spieler mit den Fingern zeigen? Dino? Meteorit? Gar schwarzes Loch?

– Philosophie: Damit die Autokorrektur das Wort „Dialektik“ nicht ständig verunstaltet, empfiehlt es sich, „Denken“ zu schreiben, was sich als die einzig richtige Interpretation von Hegels Philosophie herausstellt.

Auf die Verfilmung der Geschichten bin ich gespannt.

PS: Namikas Foto oben hat wenig mit Kling oder Kängurus zu tun. Allerdings verkörpern sowohl Namika als auch Kling das, was ich „neudeutsch“ nenne. Normalerweise bin ich alles andere als voll des Lobes für das „Neudeutsche“. Dieses Posting ist eine Ausnahme.

Enough with scrolling

There are two authors who drew my (and many others‘) attention as philosophers who became stand-up comedians (and much more) and wrote philosophical jokes. The one is Woody Allen. Marc-Uwe Kling whose work I’ve encountered only this year (Kangaroo’s Apocryphal Doctrines, Ullstein, 2018) is the second. In the meanwhile, I have bought his Kangaroo Trilogy (Berlin, 2006 ff.). In many ways he resembles Allen.

The scenery of Kling’s short stories is a flat in downtown Berlin, inhabited by the author and a kangaroo. This last character is reminiscent of Woody Allen’s desolate Marxists in Bananas or the piece Viva Vargas: ready to forget what they profess to fight for if you give them a burger or Black-Forest-kirsch pralines. The author is (supposed to be) a looser or at least one who can’t say no when the kangaroo settles himself in his flat without asking, when the kangaroo is rude to police officers, when the kangaroo denies to do his part in the household. No psychoanalysis, no Jewish background – it’s not a copy of Allen’s themes, just a return to philosophy and how you’re still helpless with your whole knowledge and your whole political awareness after you’ve met the ones who would rather mock them, usurp them, ridicule them. Yes, you can say that Kling loves reflexion but in his short stories, reflexion and philosophy reach their limits quite fast:

– Do you have to be rethinking about everything?

– I do!

– Well, then I’d say do rethink about the following: Fuck you!

In other cases, the reason to entertain reflexion threatens to be selfish:

– Where do you have this from? I’ve been looking for it everywhere! It’s my MP3 player!

– „Mine“, „thine“ pffff! Bourgeoise categories!

Self-reference is one more characteristic of Kling’s stories. In one case, the kangaroo tells the author to stop writing down their stories, the author is busy with writing down exactly what the kangaroo urges him to refrain from in that very moment, which causes the kangaroo to stand up, attack him and „to try to seiz…“ – the sentence stops there.

You also find decision theory in Kling: which is the best tactic when you play an „open“ version of stone-paper-scissors (i.e. a version of the game not restricted to stone, paper and scissors)? Do you show the other a dinosaur? A meteorite falling on the earth? A black hole?

And there’s much philosophy also. The author needs to text a friend about Hegelian dialectics but the autocorrection disallows the word „dialectics“. However the kangaroo proposes that he writes „thought“ instead. After the author does so, he and the kangaroo agree that this is the right interpretation of this word in Hegel anyway…

I can’t wait to see the movie!

Surprise #3: Dietethics (sic) in Liestal

Scroll for English

Der Terminus „Diätethik“ ist meine Wortschöpfung. Ich verstehe es als eine Art Portmanteau-Wort aus Diätetik und Ethik, aber („eine Art“) man könnte es auch als zusammengesetztes Wort aus „Diät“ und „Ethik“ verstehen, wenn mit Diät heute nicht Gewichtabnahmekur zu verstehen wäre. Die Diätethik ist die Reflexion über die Einhaltung wie auch immer gearteter moralischer Prinzipien beim Alltagsleben, insbesondere bei der Ernährung. Ich mag jetzt nichts über Verschandelung des Fachdeutschen hören. Bei zwei griechischen Wortbestandteilen wird es doch genügen, wenn der Terminus dem staatsexaminierten Gräzisten gefällt.

Seit meinem Erfurter Seminar über Essen und religiöse Ethik, einem aus dem ich die Einsicht gewann, dass die ernährungsethische Dimension – so wenigstens im christlichen und jüdischen Rahmen – dem viel hervorstechenderen Zweck der sozialen Differenzierung und des Ausschlusses Andersgläubiger hinterherhinkt, habe ich nichts zum Thema gemacht. Die Planung eines veganen Kochbuchs in Coautorenschaft leidet an der Distanz zwischen Basel und München. Und etwas Theoretisches mag ich nicht schreiben, da ich einsehen muss, dass ich ernährungsmäßig in einer kognitiven Dissonanz bin: Einerseits erkenne ich den Säugetieren menschenähnliche mentale Mechanismen und ein Kontrollmoment zu bzw. diese Merkmale als Gründe an, keine Säugetiere zu essen, andererseits handle ich Säugetieren gegenüber, als ob ich diese Überzeugung nicht hätte: Ich esse ihr Fleisch. Zwar sehr maßvoll, so wie meine Vorfahren, allerdings hatten diese die religiöse Legitimation („Gott will, dass wir Ostern, Weihnachten usw. feiern“). So gewonnene Legitimation hat für mich keine Geltung – und trotzdem… Ich nehme an, dass ich in dieser Hinsicht ein akrates bin.

Überlegungen zur Kasuistik und zur angewandten Ethik halten Überraschungen parat. 2015-16 hatte ich das große Glück, Philosophie in einer zehnten (und in einer elften und in einer zwölften und in einer dritten) Klasse zu unterrichten. Der Grund, aus dem es dort sehr witzig wurde (aus anderen Gründen war’s bei den Drittklässlern auch witzig, beim Rest war’s nur seriös) war das Format der Philosophiestunde – eine Schnappsidee von mir.

Ich erzählte stets eine Geschichte, die ein ethisches Dilemma, oder Trilemma nach sich zog. Nur bis Trilemma, nicht weiter, kein Tetralemma, kein Pentalemma, kein Hexalemma, kein Heptalemma, kein Oktalemma – Sinn des Postings ist es nicht jetzt, Euch die griechischen Zahlwörter beizubringen, jedenfalls ging es nicht über drei Alternativen hinaus und der Grund… Nein, ein Bisschen Geduld.

Dilemmas erzählte ich, die ich aus der Erlinger-SZ-Kolumne hatte („Wäre es verwerflich, wenn ich das Weihnachtsgeschenk nicht in schönes Geschenkpapier einwickle, weil der Beschenkte blind ist?“), ein paar klassische wie das Dilemma des Kalifen Omar, nicht zuletzt den Fall der Sterbehilfe an Terri Schiavo usw. usf.

Bei jeder Geschichte forderte ich die damals Sechzehnjährigen dazu auf, emotionslos moralischen Dimensionen nach den Bedingungen 1. des Utilitarismus, 2. der deontologischen Ethik, 3. des Aristotelismus (die christliche Ethik behandelte ich als eine Unterart davon) zu beurteilen. Meist haben sich drei verschiedene Optionen des moralischen Handelns aufgemacht. Sehr wichtig war es mir zu zeigen, dass insbesondere beim Utilitarismus ein etwa hinzukommender Faktor in Form des Glücks einer dritten Person oder einer anderen Glücksquelle das bisherige Urteil stark verändert. Ich weiß noch die Namen meiner Mitdiskutanten. Ich weiß ihre Gesichter. Sie werden sich verändert haben. Ich habe seit einem Jahr nichts über sie gehört geschweige denn sie gesehen, ich bin nicht mehr an der Saale, wichtig sind sie mir allerdings geblieben.

Das Format meines damaligen Unterrichts ist mir auch wichtig geblieben. Ich weiß noch den Aha-Effekt zum Thema: der Utilitarismus ist nicht gleich Kosten-Nutzen-Rechnung eines Einzelnen. Was passiert, wenn der Nutzen der Eltern Terri Schiavos in den Kalkül eingeht? Auch den Aha-Effekt zum Thema: Weder Kant noch Thomas von Aquin sind so uncool, eigentlich bin ich mit 16 unbewusst Kantianer, Thomist usw.

Dieses Format war damals wie gesagt eine Schnappsidee, deshalb war neuerdings im Museum Baselland meine Überraschung groß, als ich feststellte, dass der Autor des interaktiven Teils der Schwein-Ausstellung mein Format befolgt: Anhand von Fragen zum Fleischessen hat der Besucher die Gelegenheit, sich als Kantianer, Utilitarist oder Tugendethiker zu verorten; ferner die Gelegenheit, sich als Obengenanntes zu verorten, ob er Fleisch isst oder nicht. Wenn die Schweine ein Bewusstsein haben, ist es tugendhaft, sie nicht zu essen. Haben sie keines, wird die tugendhafte Haltung anders ausfallen. Was mich zum Anfang dieses Postings zurückbringt und zur Feststellung meiner eigenen Untugend.

In der orthodoxen Tradition ist der Dezember ein Monat des nichtstrengen Fastens, da bis Weihnachten (damit wir uns verstehen: bis zum 25.) außer den „veganen“ Mittwoch und Freitag nur Fisch gegessen werden darf.

Aber Moment: Kann es sein, dass die Fische ein Bewusstsein haben?

Enough with scrolling

Until now I have known no one else who would use the term „dietethics“. I understand it as a portmanteau term referring to the discipline between dietetics and ethics, not as a composite of „diet“ and „ethics“ since most people take diet to mean weight-watcher’s nutrition and this is not what I mean by it. Don’t start criticising me for non idiomatic English: when the words are Greek, the expert is the one who’s had Classics at the university. If you’re also one, we can dispute about words by some opportunity which doesn’t have to be now.

I’d prefer to talk food and philosophy instead.

I used to be very aware of the combination of dietetics and ethics. I had a class on food and religious ethics some years ago (this was enough to realise that Christian and Jewish fasting primarily serve the purpose to socially differentiate the faithful from the unfaithful and the very faithful from the less faithful).

But then, I started to lose interest. The vegan cookbook I planned to write with a friend is a victim to the distance between Basel and Munich. Still worse, I don’t feel like writing anything theoretical on the topic because I have to admit that I am in cognitive dissonance: On one side I accept that at least mammals are conscious and have emotions, I also accept that it is morally evil to eat creatures conscious and capable of having emotions. However, I deny drawing the consequence to stop eating their meat. I mean, I do keep my ancestors‘ credo that in order to kill a mammal you must have a special justification given only in big celebrations, and I eat their meat only in very special occasions. Nevertheless I don’t believe that this justification is really there. Therefore I should stop eating meat altogether, which will not be the case. I suppose you can call me an akrates in this respect.

This is how thinking about casuistics and applied ethics eventually reveals things about yourself, NB things that appear new. At least this happens to me. Since I think that surprise makes you a better person, I wanted this to happen to my Halle students (Halle is a city in East Germany, Händel being probably its most well-known son for the English speaking world, further the city in whose university Christian Wolff and Baumgarten and Hegel have taught. But let’s leave the big dead philosophers to rest. In 2015-16 teaching philosophy to 11th- and 12th-graders of the of the Steiner Waldorf School was serious and ended almost always as a discussion on politics. Philosophy with 3rd-graders was fun. And, in a certain manner, it was also fun with 10th graders. In this last case, it was fun because of the format of the course which was my own invention. Call it an experiment if you want.

First I was telling them some story that involved an ethical dilemma or trilemma. Never a tetralemma, never a pentalemma, never an hexalemma, never an heptalemma – I suppose you get the point. I had a spleen with the numbers two and three and this for a good reason. The main ethical positions being virtue ethics (or Aristotelianism, duty ethics (or Kantianism) and utilitarian ethics (or consequentialism) I had the idea to interrupt the story as soon as the ethical dilemma or trilemma arises and to let them give a solution according to the three main schools of moral philosophy. Three schools would normally give three solutions, sometimes more, sometimes less.

There were stories from a famous newspaper applied-ethics column („Is it ethically wrong not to take a beautiful paper to wrap a Christmas present for a friend who’s blind?“), Calif Umar’s dilemma (a classic!), the case of Terri Schiavo etc. It was important to me to show them that once some extra utility enters the calculation, utilitarianism has radically different results. granted that she herself has no mental functions, if you only let Terri’s husband’s utility to count, then you may stop giving her life support by the utilitarian calculus and save her life by the other two solutions, but if you add Terri’s parents‘ utility to the utilitarian account, you must save Terri’s life by the verdict of every one of the three schools.

There were students who passionately discussed with me on these topics. I still remember their names, even the faces. They’ll have changed now. The last time I asked about their whereabouts was a year ago. But their memory remained important to me.

Also the format of my philosophy hour remained important to me since I thought that it was my invention.

Well, it isn’t. At least, it isn’t mine alone. I was astonished to find my format in this Liestal exhibition, one that combines and celebrates the intelligence of pigs and the taste of pork – in fact, a sneaky vegetarian propaganda: if they’re clever, how comes that you’re allowed to eat them?

In the exhibition, you see, they have an interactive philosophical part. You answer questions concerning eating meat and you end up as Aristotelian, Kantian or utilitarian. Eating meat out of duty is rather weird (Kantians being doomed to end up as vegetarians), but as an Aristotelian or a utilitarian you can find reasons to be vegetarian or carnivore depending on whether you consider animals to be conscious – which leads me to the beginning of this posting and my own vice, and be it only the vice of denying to draw consequences.

At least I’m always a bit more virtuous in December because until Christmas, according to the Orthodox tradition, there are two vegan days every week, Wednesday and Friday, and the only meat allowed on the rest is fish.

But, please, don’t start asking whether fish is conscious…

Gestalt floristry

Scroll for English after the second picture with flowers

Der Unterschied zwischen einzelnen Schnittblumen und Blumensträußen ist ein mereologischer: hier die Einzelnen ohne Ganzes, da das Ganze. Begründet sehe ich besagten Unterschied in der Anordnung der Teile. Damit ist die Anordnung kein Teil von vielen Blumen einzeln betrachtet, sehr wohl aber Teil des Ganzen in einem Blumenstrauß. Da aber auf dem Boden der empirischen Wahrnehmung nur Blumen und Grünzeug erkennbar sind, ist die Anordnung von Blumen und Grünzeug ein Metateil. Damit hat der Blumenstrauß einen Metateil als Teil.

Unsere Große hat ihre ersten vier Theatervorstellungen hinter sich. Es geht jetzt zurück in den Alltag.

Enough with scrolling

The difference between flowers taken individually and bouquets is one of mereology. The individual flowers don’t make up a whole, the flowers of a bouquet do.

The reason for this appears to be an intended structure of flowers and greenery in the case of the bouquet, a lack thereof in the case of individual flowers.

From this I conclude that the intended structure is a part of a bouquet. If I’m right in this, a bouquet has as its parts not only flowers and greenery but also an intended structure. Thereby it has metaparts as parts.

Our elder daughter was on stage – four inspiring performances. Now we return to normal.

Coffee parts

Scroll for English

Der „deconstructed coffee“ soll, so eine stets sehr gut informierte Freundin, der neue australische Trend sein. Ich hatte keine Ahnung davon und, wenn ich keine Ahnung über einen Trend habe, fühle ich mich alt. Serviert werde er in verschiedenen Behältnissen. Eines ist für den Kaffee, eines für die Milch, eines für den Zucker, eines fakultativ für extra heißes Wasser.

Mir geht es hier nicht um australische Geschmäcker, sondern eher um sprachliche Akkuratheit.

Es ist nämlich fraglich, ob hierbei von einem zerlegten Kaffee die Rede sein kann, da die wie oben servierten Zutaten nie Teile eines Ganzen waren. Nun kann der Freund des Ausdrucks „deconstructed coffee“ einwenden, dass von einem Ganzen ausgegangen werden muss, nachdem der zerlegte Kaffee ein chronomereologisches Ganzes von etwas ist, was spätestens im Magen vereint ist. Das wäre zwar nicht mein Verständnis von der Regionalontologie der heißen Getränke, aber heute bin ich gut drauf.

Aber ist es überhaupt Kaffee dann? Wer in Italien einen Cappuccino und ein Tiramisu bestellt und fünf Minuten später den Kellner fragen hört: „Chi voleva un caffè e un tiramisù?“ ist gut beraten, sich nicht zu melden. Das ist, um zu vermeiden, dass der Kellner abweisend mahnt, bei der Arbeit durcheinander gebracht zu werden. Denn wer Cappuccino und Tiramisu bestellte, wird doch wissen, dass derjenige, der caffè und Tiramisu bestellte, jemand anders sein muss.

Es ist außerdem kein langes Argument nötig, um zu zeigen, dass ein ungesüßter Espresso oder Ristretto nicht „zerlegt“ werden kann. Ein solcher hat nämlich nur solche echten mereologischen Teilmengen (= Teile), die homogen sind: nichts als Kaffee – im Sinne der traditionellen Mereologie ist ein Kaffee ein homogenes Ganzes! Man kann zwar homogene Espresso-Teilmengen in viele Tassen teilen, zerlegt den Espresso aber dadurch nicht in seine Zutaten und schnell kalt wird er dann auch noch!

(Das letzte ist kein philosophisches Argument, jedoch lag es mir auf der Zungenspitze).

Und gesüßter Espresso? Das Kaffeesein kann ihm jedenfalls nicht abgesprochen werden. Und man kann den Zucker getrennt reichen.

Aber wurde er jemals etwa anders serviert?

Ich schließe daraus, dass es, recht verstanden, keinen zerlegten Kaffee geben kann.

Von Dekonstruktion kann sowieso nur gesprochen werden, wenn die Ordnung auch als (herausgetrennter) Teil des Ganzen genommen wird. Das ist ein sehr interessanter Gedanke, der hier beileibe nicht zutrifft.

Enough with scrolling

Talking about deconstruction takes for granted that the order of a whole is a part of it and that you can take this part out of the whole. Which shows that material wholes also have non material parts. But there are cases in which you can’t distort the order. In fact, these are trivial cases!

I’m told that the „deconstructed coffee“ is the new trend. Served in the parts it consists of, say coffee, sugar and milk, in different cups, cans, bowls.

I have various concerns however about whether talking of a „deconstructed coffee“ is an adequate description of the beverage in question.

The ingredients thus served have never been one whole, so they can’t be said to be served as deconstructed parts thereof.

But even if one grants that they are a deconstructed whole, this whole is no coffee! If you order a cappuccino and a tiramisu in Italy and five minutes later you hear the waiter asking „Chi voleva un caffè e un tiramisù?“ DON’T raise your hand! It’s a cappuccino you wanted, not a coffee. If you ordered a cappuccino and a tiramisu, it’s another customer who wanted caffè and tiramisu, not you. So, don’t be offended when the waiter urges you not to confuse him.

The same argument holds of caffè latte etc.

Finally, the ones who drink unsweetened espresso or ristretto can’t have their coffee deconstructed: an unsweetened espresso has one nonproper part: itself (and if you serve it like this it’s not deconstructed), and proper parts that, according to traditional mereology, are taken to be homogeneous. Of course you can serve an espresso dividing it in several cups but you don’t deconstruct it this way. And, what is even worse, the tiny amounts of coffee in the cups will get cold much faster.

(The last is not a philosophical argument but still…)

I left sweetened espresso last in this consideration. It is coffee alright, and you can serve it with the sugar on a side dish.

But this is how it has always been served!

I conclude from all this that there is no deconstructed coffee in the literal sense.

Meinongian events

Scroll for English

1970 kaufte Wittgenstein ein Appartement in der Athener Innenstadt. Die Wohnung an sich war ein Horror, die wenigen Leute, die sich vor Ort mit seinem Werk beschäftigen, waren Doxographen, die anderen, ebenfalls Doxographen, stritten sich darüber, ob Marx in der Deutschen Ideologie einen bestimmten Ideologiebegriff favorisiert.

Aber der Blick vom Balkon entschädigte für alles.

PS: Das, was nie passierte, hat stets Ähnlichkeiten mit dem, was der Fall ist, sonst würden wir es nicht voll als Ereignis akzeptieren, sei es als Meinongianisches.

Enough with scrolling

In 1970 Wittgenstein bought a flat in Athens. The place was a dump and it turned out that the few who read him there, were doxographers. Also the others were doxographers who quarrelled whether Marx in the German Ideology favoured some kind of ideology next to the one he criticised.

But the view from the balcony was a compensation for all this crap…

PS: Even Meinongian events have somehow to resemble real events.