Puns n’ Roses

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Neue Rosen sah ich heute morgen im Garten. Das klang wie “Neurosen”, weshalb ich an Hans Burkhardt dachte und seine Einsicht bezüglich der Differenz zwischen körperlichem und seelischem Leiden: Es gibt unzählige Krankheiten des Körpers aber nur zwei – Schizophrenie und Depression – der Seele. Mit vielen Abstufungen und Ausgestaltungen zwar, aber immer noch zwei.

Hans meinte, dass das zeigt, dass die Seele – egal was das sei – einfacher ist als der Körper. Er meinte auch, dass die Verbindung mit der Mereologie der Psychologie Einiges zutragen würde. Das ist wohl zu erwarten. Ohne klassische Bildung, von der klassischen Philologie bis zur Philosophie, wäre die analytische Psychologie jedenfalls undenkbar – und damit große Teile der Sozialpsychologie auch.

Der Garten der alten philosophischen Fakultät reicht bis nahe dran an die facultates superiores oder lucrativas. Aus meinem Garten wiederum stammen hier die Fotos.

https://youtu.be/T5D1JFnMT5o

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“New roses” I thought today while I was watering the plants. Then I uttered the expression in English – during the day, with the colleagues, I speak with almost no exception English and having to use Greek with the kids for them not to forget it, my wife remains the only person with whom I use German every day, with the result tthat also my soliloquies are often in English lately – as I said: I uttered the phrase to hear myself saying “neuroses”.

Hans Burkhardt used to tell me that one additional reason to make him believe that the mind is much simpler than the body was the fact that there are only two spectra of mental diseases – schizoide and depressive – but innumerable physical diseases.

The connection of psychology and mereology appears to be promising. Without references to the classics and to philosophy analytic psychology and with it also large parts of social psychology would not be possible.

The garden of the faculty of liberal arts goes until the entrance of the facultates superiores or lucrativae. The pictures today are from my garden.

Prophetae post Christum

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Große Krisen gibt es anscheinend alle acht bis elf Jahre: 1962 Kuba, 1973 Ölkrise, 1983 AIDS, 1992 Bosnienkrieg, 2001 11. September, 2009 Eurokrise, 2020 Coronakrise. Wenn eine zwischen 2028 und 2031 kommt, werde ich behaupten können, es gewusst zu haben? Vor Ewigkeiten meinte mein alter Diplomarbeitsbetreuer – Theophilos Veikos hieß er, aus Nordgriechenland, Spezialgebiet Geschichtsphilosophie – man brauche wohl nur Zeit und Nerv zum Bezügeherstellen, damit alle Geschichte im Nachhinein als irgendeiner mathematischen Funktion unterliegend erscheint. “Funktion”… Eine Funktion ist eine Abbildung mit bestimmten Eigenschaften, die aber so billig zu haben sind, dass das Präfix “irgend” der springende Punkt ist. Das Hauptproblem, das Veikos – Gott möge ihn selig haben – ansprach, war die Beliebigkeit der Argumente, die “irgendeine” Funktion erfüllen. Warum habe ich oben nicht etwa den Zweiten Golfkrieg oder die Verstaatlichung von Renault durch Mitterand hinzugefügt? Dann wäre wohlgemerkt die Funktion auch eine andere.

Aber zurück zur Krise zwischen 2028 und 2031: Dem Hang zum “Ich habe es doch immer gewusst” im Nachhinein verdient nicht nur die kognitive Psychologie eine wichtige Einsicht, sondern auf ihn lässt sich der Erfolg mindestens zweier der wichtigsten Romane des 20. Jh. zurückführen. Ich meine damit Umberto Ecos Namen der Rose

und Foucaultsches Pendel.

Romane sind immer kohärent. Die Realität wohl auch. Wer allerdings ein kohärentes Narrativ für die heutige Situation findet, hat noch lange kein adäquates. Vielleicht ist das lediglich Romanstoff.

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Every eight to eleven years there is a big crisis – or so it seems: 1962 Cuba, 1973 the Oil Crisis, 1983 AIDS, 1992 war in Bosnia, 2001 9/11, 2009 Eurocrisis, 2020 Covid19. If there is, now, a crisis between 2028 and 2032, will I be able to say that I predicted it?

Ages ago, the professor who graded my teacher’s degree thesis – a Greek Macedonian, his name was Theophilos Veikos and his specialisation philosophy of history – wrote somewhere that with a little time and patience everyone can manage to make history appear like a case of a certain mathematical function.

A function is a mapping of a certain kind, and the big question, if any function would do, is what you choose to map into what. In my list above e.g. I did not include events like the Second Gulf War or Mitterand’s policies towards Renault. You may say: “Plausibly so”. But others could be of another opinion, obviously preferring eo ipso a different function.

Let me return to the future crisis between 2028 and 2031. The idea “Actually I knew that this would happen” in retrospect is a topic of psychology as much as it is an element of two of the most read novels of the 20th century: Umberto Eco’s Name of the Rose

and Foucault’s Pendulum.

Novels are always coherent. The reality is also arguably so. But if you happen to have a coherent narrative for the situation we are currently thrown in, this doesn’t need to be adequate. Chances are that you only have the material for a novel.

Psychobankers

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Die Steilvorlage für ein wunderbares Tor liefert der Psychoanalyse die Basler Kantonalbank mit ihrem neuesten Spot. “Die Werte des Vaters” fallen wohl mit dem Geldwert der Finanzanlagen des Vaters zusammen.

Ob als moralische oder als pekuniäre Werte interpretiert, drängen solche Werte zur gleichzeitigen Lektüre von Piketty, dessen Buch ich angefangen hatte, und von Freuds Drei Abhandlungen. Eine Seite hier, eine da; eine hier, eine da.

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I stood at the shop front when I noticed on the screen why this commercial-clip character chose this bank to administer her portfolio, her mortgage loan, you name it. It’s for “her father’s values”. The ambiguity is none when dad’s moral values and the exchange value of his money are supposed to coincide.

I’ll have to continue reading Piketty whose book I interrupted after page 200. And I have to put it beside the bed next to Freud’s Three Essays. One page here, one page there; one here, one there…

Rursus aestas

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Den benachbarten Hirten sei dank, ist es die Zeit, in der sie sich bemerkbar machen, diese kohäsiven Gruppen ohne ein einziges schwarzes Schaf in den eigenen Reihen. Oder ohne ein einziges weißes. Für mich stehen diese schwarze Herde in der Schweiz und die weiße, wenn ich die Grenze ins deutsche Staatsgebiet überschreite, mehr als nur für die Jahreszeit. Ich verbinde mit ihnen die Erinnerung an meine frühe akademische Sozialisierung.

Kohäsive Gruppen zeichnen sich dadurch aus, zum gemeinsamen Erfolg zu schnellen oder ganz abrupt alle zusammen abzustürzen. Die institutionalisierte Rolle eines advocatus diaboli könnte der Gefahr der zu großen Übereinstimmung entgegenwirken. Die Existenz einer Opposition ist ein Überlebensvorteil…

…meinten wir vor einem Vierteljahrhundert im Fach Organisationspsychologie an der LMU. Einschlägige Experimente studierten wir damals. Auch Popper.

Soles occidere et redire possunt. Es ist wieder Sommer.

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I’m grateful to the shepherds who graze their sheep all over in the summer. Grateful because they remind me of my ideological background.

Two of the herds I see on my bicycle tours are very cohesive: the one, on Swiss territory, consisting exclusively of black animals, the other, on German territory, of white.

Social psychology teaches that cohesive groups are known for accelerating rapidly when they accelerate and for deplorably (and fast) crashing when they do not accelerate. Opposition is not only a necessity of liberalism and democracy. It is an advantage of survival. Advocati diaboli could make an otherwise cohesive group rethink about whether their agreement is on a rational basis.

This was the idea 25 years ago at the Department of Social Psychology at the LMU Munich. The newest experiments were being studied, Popper admired.

Soles occidere et redire possunt. It’s summer again.

Covidean cognitive states

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Der Zug fährt in schweizerisches Territorium und lässt Deutschland und die Maskenpflicht hinter sich. Allerdings fühlt sich keiner der Passagiere frei, die Maske abzunehmen. Das tun sie erst beim Aussteigen, wenn sie auch in Deutschland die Maske abgenommen hätten. Sonst hätten sie das Maskentragen zu einer formalen Konvention gemacht, was sie nicht wollen.

Die umgekehrt fahrenden Fahrgäste steigen in der Schweiz meistens ohne Maske ein, da dort die Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht Pflicht ist. Wohl aus dem bereits erwähnten Grund (“Keine bloß formale Konvention”) gibt es keinen, der exakt den Moment nutzt, wenn der Zug Deutschland erreicht, um die Maske anzulegen. Ob’s bei der Bekämpfung von kognitiver Dissonanz viel hilft, ohne Maske einzusteigen, aber mit Maske auszusteigen und wenigstens so zu tun, als wäre das nicht wegen der Staatsgrenze gewesen, weiß ich nicht. Das tun sie jedenfalls.

Das Land, das er verlässt, trägt der Passagier eine Zeitlang mit. Die akute kognitive Dissonanz der Art: Der Zug ist virulent bei der Fahrt von Deutschland in die Schweiz bis zur Grenze, weniger so umgekehrt, auch bis zur Grenze wird konsequent umgangen.

Kognitive Dissonanz sollte freilich beim Vergleich beider Fahrtrichtungen auftauchen. Von Deutschland in die Schweiz ist der Zug anscheinend virulenter als umgekehrt. Dass sich die Passagiere je nach Fahrtrichtung anders verhalten, ist natürlich ein Paradox, denn alle Individuen tendieren zur Umgehung von kognitiver Dissonanz. Dadurch aber, dass die dissonanten Verhaltensweisen (nicht zuletzt bleibt die Maske in der Fahrt Deutschland-Schweiz länger dran als zurück) zeitlich entfernt sind, vergleichen die Individuen das eigene Verhalten in die eine und in die andere Richtung nicht direkt.

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As the train passes the state borders from Germany to Switzerland, it underlies suddenly the legislation of the state it enters, i.e. Switzerland. And since Germany prescribes a face mask in public transport but Switzerland does not, passengers may feel free to remove their masks. No one does. They will do so once they disembark on Swiss soil, i.e. in a situation where they would remove the mask also in Germany. Otherwise, they would jeopardise their wearing a mask on the train to make it a solely formal convention.

In the reverse direction, when passengers embark the train in Switzerland to go to Germany, they wear no masks since this is not required in Switzerland. Upon passing the state borders the train underlies suddenly the legislation of Germany. But no one puts the mask on at exactly this moment. They do so a bit earlier or a bit later. Probably they want to make believe that the conventional state borders do not determine their behaviour. I don’t know if by doing so they jeopardise face mask wearing less, but this is what they do. The legal system of the state in which people have been in the last hours follows them for a while. Otherwise they would be subject to cognitive dissonance. How comes, they would ask themselves, that until the state borders infection is improbable if you don’t wear a mask but becomes probable immediately after the state borders?

The cognitive dissonance does, however, emerge when one compares the behaviour from Germany to Switzerland to the behaviour in the reverse direction. When they come from Germany heading to Switzerland they wear the mask longer because, apparently, the train is an environment is too virulent to take a risk. But when they leave Switzerland to go to Germany the same environment is seemingly not so virulent. I mean they embark without a mask. The direction cannot be said to make a difference in the human heads here. Or can it?

Cognitive dissonance is mostly avoided by individuals, says science, which makes what I just described here a paradox. But since you can never travel into both directions at the same time, cognitive psychology prevails again: cognitive dissonance is avoided by individuals when the dissonant states are temporally close and directly compared.

Trappentreustraße

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Eine der meistbefahrenen Brücken Europas schneidet sie längs. Die Tram von Pasing zum Münchner Hauptbahnhof rüttelt einen selbst im zweiten Stock wach, aber bekannt wurde die Trappentreustraße vom Mord eines Griechen durch Neonazis.

Ich, der ich eine Tür weiter und zwei Stockwerke höher entfernt vom Tatort gewohnt hatte, verbinde die Trappentreustraße eher mit dem Tod eines anderen Griechen, der sich in Kants Kritik der reinen Vernunft besser als in jedem anderen Buch auskannte…

…und Dieter Henrich las…

…und Peter Handke…

…und den Oikonomikos Tachydromos immer wieder…

…und Lust am Kochen hatte…

…und einen Kamm brauchte, da er kein kurzgeschorenes Haar mochte.

Es ist im Leben der Orthodoxen Kirche eine übliche Metapher, von Tod und Neugeburt eines eigentlich noch lebenden Menschen zu reden. Meist verbinden wir diese Metapher mit einer Bekehrung. Oder mit einer Taufe.

Einen philosophischen Anlass zum heutigen Posting habe ich nicht – außer dem Umstand, dass ich gestern durch die Trappentreustraße fahrend meinen Töchtern gesagt habe: “Da oben habe ich gewohnt”.

Ob ich das war, bezweifle ich heute. Damals habe ich von Kant ausgehend das Konzept “Patchwork-Identität” von Keupp und den “Qualis” unter den LMU-Sozialpsychologen belächelt.

Dass ich das heute nicht tue, zeigt auch, wie Recht sie hatten.

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One of Europe’s busiest bridges cuts it longitudinally. The street car’s rumble wakes you up on the second floor. But in German media, the Trappentreu Street became known because of the murder of a Greek shop-owner.

Today, after the neonazi murderers received their just punishment, in my memory the Trappentreu Street is associated with the death of another Greek guy who lived there…

and who was very keen in the exegesis of Kant’s Critique of Pure Reason – more than of any other book…

…and used to read Dieter Henrich…

…and Peter Handke…

…and the review Oikonomikos Tachydromos every now and then…

…and enjoyed cooking…

…and combed his rich hair.

In the Orthodox Church, death and rebirth of a living person are common metaphors that are used for a conversion or a baptism.

There’s no philosophical point for posting this today, I’m afraid, other than my words yesterday to my daughters while passing by the place: “This is where I used to live”.

I mean, I’m not sure if this guy is still me. On one hand, back then I used to make Kantian jokes about the concept of “patchwork identity” which was worshipped at those days by professor Keupp and other social psychologists of the LMU Munich. On the other, the fact alone that I don’t make such jokes any more shows how right these people were…

On Oxford. And on Frankfurt. Harry Frankfurt

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Jede Person muss eine Zahl zwischen 0 und 100 wählen. Den Preis bekommt die Person, deren Zahl am nächsten zu den zwei Dritteln der Zahl liegt, die den Mittelwert aller gewählten Zahlen bildet. Welche Zahl wählst du und warum?

So zitiert der Guardian eine der Fragen in einem Aufnahmeinterview für angehende Studenten des Fachbereichs Experimentalpsychologie an der Universität Oxford. Bei aller Bescheidenheit habe ich Jahre meines Lebens damit verbracht, über das Wesen der Rationalität nachzudenken und muss sagen, dass die Frage bestenfalls Schikane und schlimmstenfalls die Frucht von Inkompetenz ist – oder umgekehrt.

Angenommen, dass die Streuung der Werte homogenen ist oder der Gaußschen Normalverteilung entspricht, wird der Mittelwert 50 sein. Da man mit einer Zahl, die ungefähr 2/3 des Mittelwertes beträgt, den Preis gewinnt, ist man dann gut beraten, die Zahl 33 zu wählen, die fast zwei Drittel von Fünfzig beträgt. Immerhin werden die anderen auch rationale Personen sein, die mit diesem Gedankengang die Zahl 33 als eine gute Wahl errechnen. In diesem Fall wird die Zahl 33 und nicht die Zahl 50 der Mittelwert sein. Infolge dessen muss ein rationales Individuum die Zahl 2/3 x 33 = 22 wählen. Aber die anderen werden wahrscheinlich ebenfalls in der Lage sein, solche Gedankengänge zu machen und die Zahl 22 zu wählen. Das würde die Zahl 22 zum neu prognostizierten Mittelwert machen, weshalb ein rationales Individuum die Zahl 15 wählen würde. Gibt es aber etwas, was die anderen davon abhalten könnte, ebenfalls die Zahl 15 zu prognostizieren? Und so weiter und so fort, bis eine Zahl erreicht ist, die fast 0 beträgt..

Ist 0 die richtige Antwort? Ich meine ja – aus der Sicht eines Mathematikers oder Logikers.

Ein angehender Psychologe sollte allerdings eher annehmen, dass die Iterationen vor der Null aufhören.

Wie hätte nun bloß Harry Frankfurt diese Interview-Frage bezeichnet?

Oxford exper psych

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Each person has to choose a number between 0 and 100 and the prize goes to the person whose number is closest to two thirds of the average of all of the numbers chosen. What number will you choose, and why?

The Guardian says that this is one of the questions of an admission interview for the Experimental Psychology Department at Oxford University. As someone who has spent years on thinking about rationality, I have to say that it’s harassment in the best case or a fruit of incompetence in the worst – or vice versa.

If you assume that there is a homogeneous or a Gaussian distribution of the values, the average number will be 50. But then, since you win if you choose a number which is (about) 2/3 of the average number, as a rational individual you have to choose the number 33. However, if you assume that the others are also rational persons, they’ll also choose the number 33. But then, 33 will be the average rather than 50, to make you choose, of course, the number 22 = 33 x 2/3. Nevertheless, the others will be plausible to make themselves the thoughts you make and to chose 22 as well. 22, being your new predicted average, will make you choose the number 15. But – wait! – what could prevent the others choose 15 by the same considerations? And so on until you reach a number close to 0.

Is zero the correct answer? I would say yes – for a mathematician or a logician.

A good psychologist, however, should rather suppose that at some point before the number zero every rational individual who’s not a mathematician or a logician would put an end to the iterations.

This interview question reminds me, of course, of Harry Frankfurt.

Religious hatred as a decision-theoretical problem

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Entscheidungstheoretisch aufgeklärte Religionswissenschaftler weisen manchmal darauf hin, dass Hassprediger in einer dem Gefangenendilemma ähnlichen Situation stecken. Der Hassprediger A befürchte, dass der Hassprediger B antagonistisch wäre und die gesamte Zielgruppe in seinem Sinn radikalisieren würde, falls sich A kooperativ geben würde. Um dieser “Gefahr” vorzubeugen üben sich beide, A und B, in rituellem Hass um die Wette, selbst wenn sie wissen, mehr für ihr Publikum gewinnen zu können, sollten sie sich versöhnlich geben, d.h. sollten sie kooperieren. Bereits David Hume beschrieb in seiner Geschichte Englands diesen Teufelskreis. Hume selber hegte keine Illusionen über die Dickköpfigkeit der Kleriker, deshalb schlägt er vor, ihre Versöhnlichkeit zu bestechen.

Anders der entscheidungstheoretisch aufgeklärte Religionswissenschaftler von heute: Er hält Absprachen für nützlich. Tatsächlich stellt die Möglichkeit einer Absprache spieltheoretisch einen Weg aus dem Gefangenendilemma heraus. “Lasst die Leute zueinander kommen, Vorurteile abbauen, die gemeinsamen Interessen feststellen” lautet die Devise zu einem kooperativen Spielverlauf, weitab vom Gefangenendilemma und der damit zusammenhängenden lauernden Radikalisierung der Prediger und der verschiedenen Religionsgemeinschaften.

Was dabei übersehen wird, ist, dass sich Vorurteile nicht einfach durch Zusammenkommen abbauen lassen. Spieltheoretisch ausgedrückt lässt sich keine kooperative Spieltaktik durch das Ermöglichen von Absprachen durchsetzen. Die Absprachen müssen auch noch erfolgreich sein und dazu müssen sich die Spieler überwinden.

Dieter Frey, mein Professor im Fach Sozialpsychologie an der LMU München, erwähnte das Projekt der Stadt Bremen, Neonazis zum Abbau von Vorurteilen einen Türkei-Urlaub zu finanzieren. Das Meer, die Zypressen, der blaue Himmel, all das gaben die Projektteilnehmer nach der Beendigung der Maßnahme an, positiv in Erinnerung zu behalten – so Freys Bericht damals in der Pause einer Seminarssitzung zum Thema Stereotype. Aber was die Leute im schönen Land anging, darüber sollen sich die wilden Jungs einig gewesen sein, die seien schlimmer als erwartet gewesen. Intergroup contact trage, so Frey damals, nicht zur Beilegung von Vorurteilen bei. Was der Sozialpsychologe anhand von empirischen Daten studiert hat, weiß der Hassprediger intuitiv: verwandelt er sich in eine Friedenstaube, dann verliert er seine Anhänger an die Konkurenz.

Trotzdem habe ich ausgerechnet im geschilderten Komplex Grund zum Optimismus. Im Gegensatz zum Spieltheoretiker beschäftigt sich der Religionswissenschaftler durchaus mit dem Inhalt der Glaubenssysteme von Hasspredigern. Der Religionswissenschaftler weiß also, ob das Glaubenssystem des Hasspredigers eines ist, das Liebe groß schreibt oder nicht. Aber ein Hassprediger eines im Wesentlichen Liebe predigenden Glaubenssystems generiert kognitive Dissonanz und hat langfristig keine großen Chancen, sein Publikum zu behalten.

Fazit: Der Spieltheoretiker und der Sozialpsychologe sind Pessimisten, die den Optimismus des Religionswissenschaftlers auf Naivität zurückführen. Der spieltheoretisch informierte Religionswissenschaftler muss passen. Der sozialpsychologisch aufgeklärte Sozialwissenschaftler kann sich allerdings rühmen, ein Optimist ohne naiveté zu sein.

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Religious studies, insofar as they are informed by decision theory, see radical religious officials involved in a situation akin to the prisoner’s dilemma. Each of them is concerned that the next will be antagonistic if he would favour a more conciliatory tactic. Since, if this is true, the group would be radicalized anyway, the official has any reason to be noncooperative towards his own colleagues and towards the “infidels” as well in order not to lose his audience. This will be the case, then, even if they know that the benefit from a reconciliation and from a cooperative game would be greater. David Hume described this vicious circle, equivalent with the prisoner’s dilemma, already in his History of England. Hume had no illusions concerning the open-mindedness of clerics and simply suggested them to be bribed for a more civilised attitude in exchange.

In contrast, religious studies scholars often recommend contact as a cure. Ingroup contact between the officials, of course, to enable a common strategy, but also intergroup contact between the “fidels” and the “infidels” to ensure that this strategy will be conciliatory. It’s true, a contact between the players shows a way out of the prisoner’s dilemma. However, it doesn’t go without an argument that contacts help put attitudes or prejudice aside. And this is why a contact is not an agreement.

Dieter Frey, my Social Psychology professor at the LMU Munich, mentioned once in a coffee brake – the session was on stereotypes – a project run by the municipality of Bremen: The authorities paid ex-Nazis who were in a reintegration program a vacation in Turkey. The beaches, the cypresses, the blue skies were highlighted very positively by the participants in their monitoring reviews after the project. Negative feelings towards the natives, however, were more open after than they were before the trip. As I said, it doesn’t go without an argument that intergroup contact helps get over prejudice and probably it doesn’t help at all. This is why the radical preacher will fear that he will lose his job if he would mutate from a war falcon to a peace dove.

There’s a reason to be an optimist whatsoever. Unlike game theory, religious studies are very occupied with the content of the belief set at stake. If the ability to love others independently of their backgrounds is important in this belief set, fanatic preachers are doomed to increase cognitive dissonance some day or another. Their chances to keep their audience are, in the long run, low.

I conclude that game theorists and social psychologists have reasons to be pessimists and to see some naiveté in the optimism expressed by religious studies scholars. Religious studies informed by game theory have to be pessimistic as well. However, insofar as religious studies are informed by social psychology there is a good reason to propagate optimism again.