Beautiful panicking: a critique of ersatz religiosity

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Das Thema ist wichtig, keine Frage… Ob die darzubringenden Opfer effektiv sind oder bloß symbolisch, damit ideologisch, scheinreligiös – das ist die Frage. Wenn ich heute z.B. sage, eine kleine Kapelle in Köln-Mitte hätte genauso gut für Gottes Wohlgefallen gesorgt wie der riesige Kölner Dom, das ist nicht mit einer Absage an den Glauben gleichzusetzen. Würde ich aber mit einer Zeitmaschine in das Köln des 14. Jh. reisen, dann wäre ich gut beraten, meiner Skepsis am – erst recht damals – absurderweise großen Bauvorhaben nicht Ausdruck zu verleihen. Zu groß wäre die Gefahr, deshalb als Atheist, gar Hedonist abgestempelt zu werden.

Denn das 14. Jahrhundert hat wie das 21. eine Doktrin erfunden, welche die individuelle Rationalität dem Ästhetismus – koste es, was es wolle – zurückweichen ließ.

Das Schmelzen von Grönland-Eis verursache einen Meeresspiegelanstieg. Von mir aus. Aber wenn der betreffende Wert im Rahmen von ein paar Millimetern pro Jahrzehnt ist, wie kann der Ankauf von schwimmenden Häusern heute – nicht in 500 Jahren – nicht als Hysterie gelten?

Ein Satellitenbild der australischen Brände geht um… Ein Satellitenbild? Seit wann sind Satellitenbilder rötlich statt bläulich und stellen diachronische Aufnahmen von Ereignissen dar, zwischen denen Monate verstreichen? Seit wann ist Sydney eine Flamme?

Allen meinen naiven Mitbürgern, die bei ihrem Exodus aus dem religiösen Feld es gerade noch zur Ersatzreligion schafften, empfehle ich die Lektüre von Spektrum oder Bild der Wissenschaft; von irgendeiner Publikation jedenfalls, die auf Theorie, nicht auf Ikonen baut, geschweige denn auf manipulierten solchen.

Die Ikonen selber lassen wir in der Kirche.

Die Kirche im Dorf.

Denn wer wäre heute bereit, einen Kölner Dom oder irgendwelche anderen schönen Kollektivillusionen in Auftrag zu geben, an denen das Individuum zu Grunde geht?

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It is not that I do not see the issue. It is rather that I am not certain whether sacrifices are supposed to tackle it efficiently. Like a medieval inhabitant of Cologne who would say that the cathedral is way too big and doesn’t secure you of God’s love more than tens of small chapels. If you had entered a time machine and gone there to propagate this very reasonable view, your scepticism would have been considered a hubris. This is also my feeling when I say that I am not certain that sacrifices etc. Because I feel that I’m not allowed to doubt. Like I wouldn’t be allowed to doubt in medieval Cologne. Despite the disproportionately huge sacrifice. I mean, have you ever seen how ridiculously big this church is?

Like the 14th, the 21st century employs a doctrine designed to declare the priority of aestheticism over individual rationality.

“Greenland ice melting causes the rising of sea level by some millimetres per decade”. Do I believe that? In fact, I do. But when there are people buying boat houses now, not in 500 years, how could I fail seeing a hysterical reaction here?

The Australian fires caught on camera… On camera? Since when are pictures from space not blue but reddish? Since when is Sydney a bushfire? Since when are fires captured on camera represented in a diachronic picture?

My recommendation to all these naive people who, in their way out of the religious context only managed to reach environmentalism as surrogate religion, is: read Nature! Read the Scientific American. I mean, as long as your objective is a scientific worldview based on theory and not a dogma based on pictures.

Manipulated ones on top of that…

Ordo Euboeorum

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Wer jahrzehntelang Max Weber neben dem Bettkissen hatte, betrachtet verschiedene Formen der Askese als charakteristisch für bestimmte Religiositäten. Es ist ein Künstler, der mir die Idee gibt, dass Webers Verhältnis zwischen Askese und Religion umgedreht werden kann.

Jorgos Suras lernte ich vor drei Jahren kennen. Damals klingelte er an unserer Tür. Ob wir des Griechischen mächtig seien. Ruth war allein zu Hause. Wären ich oder die Kinder da, hätte er eine bedenkenlosere Antwort erhalten.

Den Rest der Diskussion hat mir Ruth telefonisch wiedergegeben. Herkommen tue er von einem kleinen Fischerdorf im Norden Euböas, Agiokampos. Nicht vom großen Agiokampos bei Larissa mit dem langen Sandstrand. Nein! Das sei ein kleines, zwei-hundert-Seelen-Agiokampos mit vielen kleinen Kiesbuchten auf der Insel Euböa. Ja, ja, die Küste und das Dörfchen kenne meine Frau, schließlich komme ihr Mann ebenfalls von dort, das Olivenöl in unserer Küche sei kein anderes bla-bla-bla… Er: “Spinn i'”; meine Frau ebenso…

Meinen Nachnamen hatte er nicht erkannt und nicht deshalb hatte er geklingelt, obwohl die Berührungspunkte vielzuviele waren. Mein Großvater war eine Zeit lang Bürgermeister der benachbarten Gemeinde und KP-Funktionär, sein Vater – allerdings – Letzteres. Unsere Grundstücke sind ein paar hundert Meter voneinander entfernt.

Aber ich habe seinen Nachnamen wiedererkannt. Ich wollte ihn kennenlernen. Damit habe ich seine Kunst kennengelernt.

Jorgos Suras ist ein säkularer Künstler, dessen Kunst allerdings nicht durch und durch profan ist. Er sieht das Religiöse als einen Spezialfall des Asketischen an. Seine Franziskaner- und orthodoxen Mönche stehen für unsere unmittelbaren atheistischen Vorfahren in der Verbannung der Makronissos; für unsere orthodoxen, eine Generation zuvor, während der langen Monate des gewollten und ungewollten Fastens; für unsere erzwungenermaßen katholischen im Mittelalter (Euböa war venezianisch…); für Entbehrung; für den Umgang mit Sehnsucht.

Meinen Lesern wünsche ich einen schönen dritten Advent.

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One of Max Weber’s substantial contributions to the understanding of religiosity was that he taught us to see asceticism of different forms as characteristic of various religions. An artist tries to show that this relationship between asceticism and religion can be reversed.

I first met Yorgos Souras three years ago – which is not a miracle if you move from the vicinity of Munich to the vicinity of Basel and Mulhouse and get to know Greek individuals there. But which is a miracle given the following circumstances. Ruth was alone at home, the bell rang and this man asked her if she was Greek or at least if she could speak the language. Usually, my wife answers the first question with a clear “no”, the second by saying “a bit”, a thing that rather disappointed the stranger who, however, wanted to speak about himself. He came from a small fishing village, a site rather than a village in the north of Euboea, called Agiocampos. Not the big Agiocampos with the wide sand beach near Larissa in mainland Greece. This is a tiny one of two hundred inhabitants and many small stony coves.

Our pieces of land there came out to be in a distance of some hundred yards from each other. Statistics is not Ruth’s and Yorgos’s specialty but they immediately recognised what an extraordinary coincidence this was. Had he recognized the surname? No, he hadn’t. Despite the fact, that is, that my grandfather had been a mayor of a neighbouring community and a member of the local Communist Party bureau. Which, the latter, his father had also been.

I recognised his surname alright. And I wanted to meet him. This is how I met his art.

Souras is a secular artist whose art is not definitely profane. He regards the religious moment as a special case of asceticism. His Franciscan and orthodox monks could be our parental atheists exiled in desert islands somewhere in the Aegean; they could be our ancestral orthodox during the long fasting periods and already fasting before them; they could be our volentes nolentes catholics in the Middle Ages (Euboea was a Venetian possession); they stand for deprivation and longing.

Sacral architecture with profane messages

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Unsere erste Familienautoreise von Mitteleuropa durch den Westbalkan bis Euböa und Athen und wieder zurück war, wenn ich mich nicht ganz täusche, im Sommer 2013. Ich weiß noch, wie ich mein erstes Posting von unterwegs für dieses Blog in der damaligen Dienstwohnung meines Bruders an der Neubelgrader “Straße der Spanienkämpfer” – ulica Spanskih boraca – machte, indem ich vom ungeschützten Netzwerk des Nachbarn aus eine Email an meinen Domänenemailserver schickte. Heute nutze ich solche abenteuerlichen Methoden nicht mehr. Zum einen gibt es überall WLAN, zum anderen ist die WordPress-App viel handlicher.

Vieles hat sich in Südosteuropa in den letzten sechs Jahren und nach fünf Balkanautoreisen geändert. Griechenland lässt ein schwarzes Kapitel seiner Wirtschaftsgeschichte hinter sich, Serbien ist in den Städten voller Witz, voll in der Moderne und – das meine ich durchaus positiv – mit seinem ländlichen Raum durchaus im Reinen.

Ein paar Eskapaden der letzten Jahrzehnte beeinflussen noch das religiöse Feld, insbesondere dasjenige links und rechts der 820 Kilometer der E75 zwischen Leskovac in Südserbien und Athen. Das religiöse Feld sowie das links und rechts der Straße sind beide weit und breit und – wie wir seit den Neunzigerjahren wissen – politisch brisant.

Wo früher die Kirchen nicht zur Propagierung von Stereotypen gebaut wurden, sondern mit der weltlichen Architektur harmonierten – Basiliken und kreuzförmige Ziegelbauten mit Kuppel in den Gesamtlandschaften Makedonien und Südserbien, klassizistische, mit wenigen Rokokoelementen versehene in Serbien, wie die oben abgebildete Michaelskathedrale in Belgrad – protzt nun neobyzantinischer Kitsch, gern auch mit dorischen (!) Ornamenten wie unten die neue Kirche im nordgriechischen Paralia Katerinis. Die südserbischen kirchlichen Neubauten sind zwar weniger schrill, aber ihre imperiale Architektur ist nicht weniger fehl am Platz. Jüngst errichtete Moschees an der Autobahn, in Südserbien wie in Nordmakedonien, könnten wiederum in ihrem mediterranen Weiß, hunderte von Kilometern von der Küste entfernt, ihre politische Pointe kaum stärker unterstreichen.

Hoffentlich geht das gut aus.

Oder eher: Hoffentlich ist es aus.

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The first time we dared to set off in Central Europe to cross as a whole family the Western Balkans and to reach Euboea and Athens in our car was probably in 2013. I still remember that in my brother’s Belgrade lodging at the “Street of the Spanish-Civil-War Volunteers” (Spanskih boraca) there was no WiFi and I used the neighbour’s open network to send my domain server an email to be posted in this blog. These adventurous methods are history now since you find everywhere WiFi and the WordPress app is much preferable to the email feature.

In six years and five family journeys by car, much has changed in Southeast Europe. Greece leaves the ghost of misadministration behind. Serbia has cool cities and despite its modern urban landscape it remains Balkan in the countryside – which, at least in my perception, is a lovely thing to happen.

However, the escapades of the last decades persistently influence the religious field. This can be observed here and there along the 500 miles of the European highway E75 between Leskovac in Southern Serbia and Athens. Both fields, the religious as well as the geographical on either sides of the road, are broad and – as we know from the 90s – politically sensitive.

Churches in the Balkans were once in agreement with their profane surroundings. The old basilicas and cross-in-square churches with exposed-brick walls of Macedonia and Southern Serbia as well as the classicist churches with Austrian rococo in Northern Serbia (cf. my pictures of Belgrade’s St Michael’s cathedral on top of this post) are witnessing this still today. Neobyzantine kitsch is definitely new and suspect of a political agenda that most of us would hate to see empowered. The new church in Paralia Katerinis in Greek Macedonia (with Doric columns as ornaments!) is the most appalling example I could detect. The churches that were erected in the last years along the E75 in North Macedonia and Southern Serbia are not so grotesque, but their imperial architecture makes them phoney.

Once you pass the Greek border northwards you cannot fail to see also mosques, antagonistic to the aforementioned churches, in a Mediterranean white hundreds of miles away from the coast.

The hope is that it will all end well.

Or rather: that it has already ended.

Basil in today’s Basel

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In Heylers Ausgabe der Episteln und Fragmente Kaiser Julians (Mainz 1828) findet sich auf Seite 522 die auf Kurznachrichten reduzierte Kommunikation zwischen dem heidnischen Kaiser einerseits und Basilius von Cäsarea andererseits, Bischof und der Tradition nach Freund aus Kindertagen des abtrünnigen und mit folgenden Worten provozierenden Staatsmanns:

[Die Christenschrift] habe ich gelesen, verstanden und verworfen.

Darauf der Bischof:

Gelesen aber nicht verstanden. Hättest du verstanden, hättest du nicht verworfen.

Damit machte Basilius die Interpretation der Bibel vom Fürwahrhalten abhängig. Egal, wie man dieses Buch interpretiere, so Basilius, müsse es als wahr interpretiert werden, sonst sei es missinterpretiert. Für einen im Großen und Ganzen guten Autor war dieses Zitat keine Glanzleistung von Basilius. Denn die Bibel besteht nicht aus Tautologien. Damit ist deren (von mir aus unwohlwollende) ungläubige Interpretation nicht zwingend eine Missinterpretation.

Ähnlich und wie eine Replik des spätantiken Heiligen argumentieren diese jungen Leute, welche unser Fürwahrhalten zum Kriterium unserer Interpretation des Klimawandelnarrativs erheben. Nicht nur klingen sie wie fromme Apologeten des vierten Jahrhunderts, sondern ich war auch noch vor nicht langer Zeit ihr Lehrer in Sachen Argumentation…

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Two years ago, some of the students who quite recently hung this banner, were visiting my argumentation classes. And definitely the following things did not happen there:

They were not introduced into Heyler’s old edition of emperor Julian’s epistles and fragments (Mainz 1828) and, of course, never knew a kind of texting cited on p. 522 there, between the pagan apostate and – rumours say – his childhood friend, Basil, the bishop of Caesarea. The renegade emperor wrote:

I read, I comprehended and I condemned [the Bible].

To which the bishop replied:

You read it but did not comprehend it. If you had comprehended, you would not have condemned.

If I had brought this historical example, I would have had the opportunity to explain my students that Basil sees the correct interpretation of the Bible depend on whether one takes it to be true or not. But the Bible is not a collection of tautologies. There are interpretations according to which the contingent sentences in the Bible are false and these interpretations – call them malevolent if you want – do not have to be misinterpretations for this reason. Normally, Basil (church history nicknamed him “the Great”) was an author much better than this.

The fact that my previous students sound in my ears like him when they address the issue of climate change (“The ones who have understood but do not flip out, have not understood at all”) is, as I said, is not an acquaintance they would have with the aforementioned fourth-century texting. They know nothing about the saint whose rhetoric was similar to theirs. I did not introduce him to them. As I said, the subject they had with me was argumentation, not church history.

But I have to declare: I would have told them one more lesson to be learned from logic if I had guessed somehow that they would turn out to be apologists.

Graecum etsi legitur

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Egal wie man diese Art Gebäude nennt, die Bezeichnung ist ein griechisches Lehnwort. Was eigenartig ist, denn die griechische galt am Ostmittelmeer zu der Zeit, als die Kirchen “kyriaká” (= Herrenhäuser) bzw. “ekklêsíai” (= Versammlungen) benannt wurden, als eine notorisch religionskritische, philosophische Kultur.

Wenn man allerdings an die profane Nachwirkung des Christlichen denkt, in Bereichen wie etwa die Menschenrechte (Bartolomé de las Casas, Francisco de Vitoria) und die Aufklärung (Jean-Jacques Rousseau), ist das Oxymoron einer areligiösen Frömmigkeit, eines athenischen Jerusalem, genau der europäische kulturelle Rahmen.

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Whether you use Germanic or Romanic terms for them, you call churches after Greek loan words. E.g. “kyriaká” (= houses of the Lord, whence the word “church”) or “ekklêsíai” (= assemblies, whence the Romanic terms). And this despite the fact that at the time when these word loans were launched, Greekness was considered to be the most philosophical, indeed an areligious culture of the Mediterranean.

However, one only needs to consider how profane the greatest achievements of Christian thought on the social level are (the human rights after Bartolomé de las Casas and Francisco de Vitoria, the Rousseauist version of the Enlightenment), to realise that the oxymoron of an areligious piety, the Athenian Jerusalem, corresponds to the European context.

Referring to nonexistent kings in Alto Adige

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In seinem legendären Aufsatz “On Denoting” zeigte Bertrand Russell, dass der Satz “Der heutige König Frankreichs ist glatzköpfig” viel komplexer als angenommen ist, so dass er nicht einfach verneint werden kann. Denn eine einfache Verneinung könnte meinen, den König gäbe es ja, bloß wäre er behaart.

Ähnliches kann zum Foto oben gesagt werden. Den Satz: “Die Bayerische Hofapotheke befindet sich in Meran” bejaht man nur unter der Gefahr der Missinterpretation, es gäbe auch einen bayerischen Hof.

Anders als bei der königlichen Glatze kann hier jedoch eingewendet werden, die Existenz der Apotheke lasse den entsprechenden Königshof nicht existieren, weil die Worte “Bayerische Hofapotheke” keine Kennzeichnung im Sinne Russells sei. Man könne zwar existente Glatzen keinen nichtexistenten Königen gehören lassen, aber Apotheken können sich auf bayerische Könige, bayerische Robben, ja sogar auf bayerische Weltbürger beziehen ohne die Gefahr, sich wegen der Bezugnahme auf Nichtexistentes lächerlich zu machen. Die “Bayerische Hofapotheke” ist nach Kripke ein nicht ferner analysierbarer Eigenname.

Nun hat mir Kripkes Theorie der Eigennamen aus – sagen wir – weltanschaulichen Gründen, die mit der Namensgebung in Griechenland zusammenhängen, niemals richtig gefallen. Wir erfahren in Platons Politeia, dass der Messerhersteller Kephalos nach seinem Großvater benannt worden war und dass er seinen Sohn, dem bekannten Redner Lysias, nach seinem Vater benannt hatte. Nomen est omen. Ich heiße auch so wie mein Großvater als Träger – so hoffte man – seiner Eigenschaften: guter Bauer, Frauenliebling, kommunistischer Lokalpolitiker und Bürgermeister in der Zeit der Landvergabe in den 20ern. Aus solchen Hoffnungen, in solche Fußstapfen zu treten, wurde wohl nichts aber Russells Theorie der Eigennamen bleibt mir sympathisch, weil sie genau solchen Bräuchen Rechnung trägt, bei denen man mit dem Namen auch nichtessenzielle Eigenschaften weiterzugeben dachte. Mein Namenstag ist auch so ein Beispiel: nicht am 16. August, dem Tag des heiligen Stamatios, sondern an Michaeli, weil es ein südgriechisches Verständnis von Michael als Türwächter am Ikonostas gibt und das Verb “stamato” auf Mittel- und Neugriechisch “zum Stehen bringen” heißt. “Derjenige, der (andere) zum Stehen bringt” – mein Vorname also – ist logisch gesehen eine zum Eigennamen “verkrustete” Kennzeichnung – die nach Volksglauben auch dem Erzengel Michael zukommt.

Das sind Gründe für meine Präferenz für Russells Theorie der Eigennamen. Auf die italienische Apotheke pfeife ich. Italien weigert sich sowieso, sich in klassische Theorien einzufügen.

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In “On Denoting”, Bertrand Russell showed that the sentence: “The present king of France is bald” is much more complex than ordinary language makes one think. If you negate it, you can be taken to mean that France has a hairy king. And you surely do not want to affirm this.

The case with the “Bavarian Royal Pharmacy” in Merano, North Italy, is similar. You must affirm that there is one there at the latest when you see it but then you can be mistaken to assume the existence of a Royal Court of Bavaria.

This risk is not there if you are Kripkean: no name of any pharmacy is like someone’s haircut because, unlike the latter, pharmacies can be named after nonexistents. A king’s haircut describes a part of a king presupposed existing. A pharmacy’s name does not presuppose the existence of the thing that was initially described by this name. You can name the pharmacy “Sherlock Holmes” or “Bavarian King” – even “Bavarian Liberal” without running danger to describe the – nonexistent – Bavarian kings and liberals.

Like I said: if you are Kripkean, i.e. if you think that proper names are not descriptions.

Myself, I have to confess that I always preferred Russell’s account of proper names to that of Kripke. According to Russell, proper names are linguistic fossils that emerged out of descriptions. I like this idea. And I like it for – I continue my confession – reasons religious or almost religious. Plato informs us in Republic that the knives manufacturer Kephalos had his grandfather’s name and named his son, the famous Lysias, after his father. I also bear my grandfather’s name. The hope was that I would be eo ipso a bearer of his properties. A remarkable farmer and a Casanova and a local politician of the Communist Party and mayor during the land distribution in the 20s. Things evolved quite differently but these are the customs of which Russell’s theory makes sense: customs that stipulate that nomen est omen. And it also makes sense of the fact that my name day is not on the saint’s day, on August 16th, but on Michaelmass. There is, you see, this interpretation of St Michael as a doorkeeper of the chancel, as one who prevents the non worthy to enter. And the verb “stamato” from which St Stamatios’s and my name stem, means “to prevent”.

Kripke remains, of course, the mainstream view and one that tells you that you do not need to bother about proper names of Italian pharmacies referring to Bavarian kings since proper names do not bear witness of nonessential properties. Nomen non est omen. This is a refutation of Russell’s view on proper names that makes so much justice of the customs of my Greek – in fact previously Venetian – island. But, I mean, this is Italy: stubbornly denying to comply with classical theory.

Auguste mena kai thee…

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… se senane orkizomaste,

pali tou chronou na mas vreis

sto vracho na philiomaste.

schrieb Odysseas Elytis Anfang der Siebzigerjahre (frei in etwa: “Dir, Augustus, Monat und Gott, / schwören wir, wie wir müssen, / auch nächstes Jahr am Felsen zu sein, / um uns nochmals zu küssen”).

Nicht nur für Belletristik und Küsse an Meeresfelsen, sondern auch für Sachbücher eignet sich die Muße des August. Unlängst machte etwa das Börsenblatt des deutschen Buchhandels auf die neue, von Ludger Jansen und mir herausgegebene Reihe, aufmerksam.

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Augustus, month and god,

to thee we solemnly vow

next year beside the crags again

to kiss just like now.

Elytis wrote these verses in the early seventies. They can mislead you to think that the moments of leisure in August are only for the belles lettres and for open-air kisses.

An extra reading option is given in the recent recommendation of the first title of the new series I edit together with Ludger Jansen by the periodical publication of the German bookstores association.