Past prophecies

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Aufgetaucht sind sie am Gartentor. Farbenfrohe, eher konservative Klamotten hatten sie an, Taschen um die Arme, Zeitschriften bei der Hand…

Ich habe einen Trick, um mich ihrer zu entledigen. Fast einen Trick. Die Wahrheit ist nie bloß Trick: „Meine Großeltern waren im Alter Zeugen Jehovas geworden. Ihre Ansichten und Exegese kenne ich gut“.

Das klingt resolut und regt die Aufbruchstimmung an. Natürlich gehen sie nicht, ohne den Wachtturm und das Erwachet! zurückzulassen. Ich blättere immer drin. Ich liebe die Naivität.

2. Timotheus 3:1-5: „In den letzten Tagen … werden [die Menschen] eigenliebig sein, geldliebend, hochmütig, Lästerer […]

Ergo befinden wir uns, schlussfolgert der Artikel, in den letzten Tagen. Es gibt weitere Prophezeiungen mit Bezug auf Matthäus 24:6, 7 (Kriege werden ausbrechen, die Lebensmittel werden knapp) und Lukas 21:11 (große Erdbeben), die besagte Schlussfolgerung bekräftigen sollen.

Nun, obwohl ich ein Buch über mittelalterliche Eschatologie geschrieben habe, weiß ich wenig über das Ende der Geschichte. Aber eines gefällt mir hier nicht, eher aus erkenntnistheoretischer Sicht: Handelt es sich immer noch um eine Beschreibung eines einzelnen Ereignisses (des Endes aller Zeiten), wenn die angegebenen Identifikationskriterien so allgemein sind, dass fast jede Zeit sich in ihnen wiedererkennt? Was ich unter „allgemein“ verstehe? Aber klarerweise, dass die Beschreibung zutrifft und zwar bezogen gleich auf zwei oder gar mehrere Ereignisse, Epochen, Zeitalter. Das ist gerade, was wir haben, mit der Beschreibung egoistischer Menschen in einem Umfeld von Ressourcenknappheit, wo es ab und zu bebt. Individuieren kann man die Beschreibung natürlich, indem man sagt: das Maximum des Egoismus, der Kriege, der Erdbeben sei erreicht worden. Aber woher will man wissen, wann dieses Maximum erreicht ist?

Seit der Antike bestehen Aristoteliker darauf, dass Einzelereignisse der Zukunft unterdeterminiert und ergo nicht voraussehbar sind. Man kann voraussagen, wie viele Ehen nächstes Jahr auf der Insel Siphnos, im Kanton Solothurn oder in Yorkshire in etwa geschlossen werden. Aber man kann nicht voraussagen, ob Giannis, der um die Ecke, oberhalb von der Apotheke wohnt, Eleni heiraten wird, ob Ursula Laurent das Jawort geben wird, ob Ian und Siobhan Eheringe tauschen werden. Denn, woher will man wissen, ob ihr nächster Streit der letzte sein wird? (Der letzte ist es, wenn die Leute getrennte Wege gehen, nicht wenn sie heiraten – bloß zur Erinnerung). In statistischen Voraussagen haben wir eine viel bessere Chance, ins Schwarze zu treffen.

Tja, wie es scheint, sind es die allgemeinen Voraussagen, die die einzig möglichen sind, dafür betrachten sie aber keine individuierenden Merkmale.

Es gibt religiöse Gemüter, die mit platitüdeartigen Prognosen zufrieden sind. Andere sind es nicht zum Preis ihrer Unsicherheit gegenüber der Verheißung. So lange die ersteren nicht so tun, als wären sie im Grunde ihres Herzens die letzteren, aber vom Neuen Testament zufrieden gestellt, kann ich mit dieser Unterscheidung leben.

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There they were again, with their colourful but conservative outfit, the bags, the journals…

I have a trick to get rid of them. Not really a trick, after all you can’t call truth a trick. But it works like one, alright. „My grandparents from my mother’s side were converts to Jehova’s Witnesses, I know your teachings and scriptural interpretations, I’ve discussed endless hours about them. Thank you anyway“.

In the few seconds they manage to leave – with the lawfulness of Newtonian physics – the Watchtower and Awake behind. I always open them. I love naïveté.

2 Timothy 3: 3 For men shall be lovers of their own selves, covetous, boasters, proud, blasphemers, disobedient to parents, unthankful, unholy,

Further prophecies that are being allegedly verified today follow: wars and famine (Matthew 24:6, 7), and earthquakes (Luke 21:11). Now, although an author of a thick book on eschatology, I don’t know much about the end of history. But I know much about legitimate evidence! As an example of a verified prophecy, this invites reflection. How do you know that this prophecy describes our times, at the same time identifying them as the final? Even if the description of the times applies – and for the sake of argument I wouldn’t contest that bit – still the aforementioned description is too general for picking out one unique era out of the ordered series of all times. Find me a piece of human history where egoistic motives played a role lesser than altruism!

The description of the last times in the aforementioned „prophecy“ is general. The price to pay for this is that you can’t be sure if our time is the final, even if the prophecy applies, that is. But when is a description not general? The ready answer is: when it refers to one individual, in our case to the unique time segment to be properly called „the final“. As I said, this is not what you have when you predict that people will be egoists. By diagnosing egoism as a social disease, you don’t individuate any particular time. The most you can say can be that we’ll reach maximum egoism in the final times – but how do you know whether the upper limit of egoism is reached or not?

Since antiquity the Aristotelian conception of time is that individual future moments are underdetermined. No way to predict them. Like almost always, Aristotle is here very hard to refute. You can predict that the weddings in Siphnos island, in the Kanton Solothurn, in Yorkshire will not exceed or fall behind the median of the last years. But you can’t predict that Giannis, the guy you know, will marry Eleni, Ursula will marry Laurent, Ian will marry Siobhan. You don’t know when their next fight will be. But you know that, statistically, for every couple that breaks up, there’s one that comes together so that the overall figure remains approximately the same. General predictions are the only possible, but also too rough to predict something with individuating characteristics.

There are religious souls who are content with predicting platitudes. Others are not and run danger to remain comfortless. As long as the former don’t pretend to be the latter to whom I belong, I can live with this distinction.

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Alltagseschatologie

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Griechische Jugendliche würden einen Telefonanruf durch die angebetete Person oder das Tor in der neunzigsten Minute, vielleicht nicht ohne Selbstironie eine „Auferstehung“ nennen. Nicht von ungefähr! Wer die ostkirchliche Rhetorik bezüglich Tod und Auferstehung verfolgt, wird feststellen, dass die alljährlich wiederkehrende Passion als A. Hinweis auf ein historisches Ereignis und als B. Allegorie für unser eigenes Golgatha und unsere eigene Überwindung desselben gilt.

In diesem Sinn sehe ich heuer keinen Link als angemessener an denn den, in dem Fairouz, die ehemals griechisch-katholische, später orientalisch-orthodoxe Muse Syriens, das Auferstehungstroparion ihres Landsmanns Romanus Melodus singt, das seit dem sechsten Jahrhundert die Orthodoxen und auch die Christen griechischen Ritus den ganzen Mai und vielleicht auch im April unter der Dusche zwar nicht, dafür aber in jeder Kirche, in der Einsamkeit ihrer Wohnungen oder etwa beim Arbeiten an einer nachhallenden Baustelle laut singen.

Auf die Auferstehung Syriens und auch auf die Freude unabhängig von Ländern und Zeiten!

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Fairouz, the originally Greek catholic, later orthodox Syrian diva sings in the above link her compatriot’s Romanos the Melodist’s Paschal troparion from the 6th century AD. If there were musical charts from 14 centuries, Christos anesti would be a springtime hit and an evergreen. Every priest has to sing it in the night of the Good Saturday. But also every construction site has echoed it if it only had the honour to host one semi-pious worker. Admittedly, this is not something you’d sing in the shower but it’s sung everywhere else.

For this year’s Easter, I don’t know of a better way to wish Syria’s and everyone’s Golgotha to come to an end than this.

I do this as an adherent of the Greek rite and an Orthodox Christian after all. For us, you see, the passion and the resurrection are not only about the historical events concerning Christ. They’re also about an everyday eschatology: about the little crucifixions and resurrections throughout the year: phonecalls of beautiful people, liberations from tyranny, goals in the ninetieth minute – really whatever!

The passion: a thriller

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Es wird eine Zeit gegeben haben, als es sensationell war, dass der Butler der Mörder war. Die Zeiten haben sich geändert und die Suche nach Sensation hat die Krimiautoren dazu geführt, dass gerade derjenige, der über jeden Verdacht erhaben war, den Mord beging; später dazu, dass alle Verdächtigen gemeinsam den Mord begingen (Agatha Christies Mord im Orientexpress); dann bekamen wir es mit Ermittlern zu tun, die gleichzeitig die Mörder waren – aber der Leser erfuhr das am Ende; schliesslich mit Ich-Erzählern, die auf den letzten Seiten ihre Schuld beichteten. Umberto Eco schätzte, dass der einzige Krimi, der nie geschrieben wurde, derjenige ist, in dem der Leser den Mord begangen hat.

So ungefähr sehe ich die Passionsgeschichte im literarischen Sinn: Es gab irgendwann Götter, die sehr mächtig und unsterblich waren. Dann gab es allmächtige und unsterbliche Götter – aber konnten sie dann Schwäche empfinden? Und wenn sie es nicht konnten, was für eine Allmacht ist das überhaupt. Die Spätantike stilisierte Pan als einen sehr mächtigen und sterblichen Gott – wobei der Widerspruch sterblich-und-Gott bereits skandalös war.

In Jesus haben wir einen zwar unsterblichen aber sterbenden, allmächtigen Gott.

Von der einen Sensation zur nächsten…

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There were times when it was sensational to read that the butler commited the murder. Afterwards, thriller writers thought it funny to make the reader believe that the butler was the murderer to disclose finally that it was someone else – say, the wife… Agatha Christie made everyone change tastes in terms of suspects to reveal at the end of Murder on the Orient Express that the murder was commited by all suspects together. The literary trend to pass from one sensation to the next resulted to: narrators who confessed at the end of the book to have killed the victim, detectives who worked on the case and finally outed themselves as revengers, and the only murderer who has never appeared in thrillers is – to cite Umberto Eco – the reader or the spectator herself.

Roughly, this is also my understanding of the literary pattern behind the Passion: once there were gods mighty and immortal. They made place for gods who were almighty and immortal. Late antiquity saw in Pan a god who was mighty but mortal – not just a sensation but a straightforward contradiction, since a god is an „athanatos“, not a „thnetos“ – and, finally, in Jesus Christ an immortal, almighty God who managed to die a horrible death and to remain dead for three days.

You follow the chain from the one sensation to the next until the greatest…

Syncretism and confusion

English in italics, German recte:

Nachstehend zwei Gottheiten, deren Geburtstage am 25. Dezember gefeiert werden (wurden): Sol invictus und Jesus Christus:

The above are two Gods whose birthday is (was) celebrated on December 25th: Sol invictus and Jesus Christ.

Und das sind zwei Menschen mit ebendemselben Geburtstag: Humphrey Bogart und Anwar El Sadat. Ihre Linien decken sich nicht so gut wie die der Götter. Grund kann sein, dass die Kunst stark idealisiert. Aber auch die vorhandenen Entlehnungen des Christentums aus dem Sonnenkult sind nicht zu vernachlässigen. Ähnliches ist im Verhältnis zwischen dem Schauspieler des Klassikers Casablanca und dem ägyptischen Politiker nicht bekannt.

Two human beings with the aforementioned birthday, Humphrey Bogart and Anwar El Sadat, do not fit as well as the two Gods. An explanation could be that the artistic depiction of faces is more idealising. Additionally, there are implicit, nevertheless existent loans from Apollo to Jesus – but obviously not from Bogie to the Egyptian politician.

Frater Martinus O.S.A.

Exit from Furthmühlgasse to Michaelisstrasse

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Das Lutherjahr neigt seinem Ende zu. Fachlich hatte ich nichts dazu beizutragen. Auch in früheren Jahren waren meine Leistungen zur Lutherforschung gleich null. Ich bin kein Experte.

Persönlich verbindet mich allerdings etwas mit dem Augustinermönch und Erfurter Studenten. Denn im Sinne einer Panchronie war Luther in Erfurt mein Nachbar. Er wohnte im Augustinerkloster und sein Weg zur Universität brachte ihn eine Tür nach dem Amploniushaus, wo ich fünf Jahrhunderte später wohnen sollte.

Bestimmt ist sein Vorbeigehen an dem, was später mein Erfurter Hausstand wurde, eine Cambridge-Eigenschaft Luthers. Seine Präsenz dort vor einem halben Jahrtausend war allerdings keine Cambridge-Eigenschaft von mir. Wegen Luther hat mich nämlich meine Nachbarschaft immer wieder zum Nachdenken gebracht.

Ein paar Meter vom Amploniushaus entfernt, in Richtung Krämerbrücke, wohnte vor 500 Jahren Jodok Trutfetter, Luthers Logikprofessor, ein Nominalist. Luther war es trotz seiner Ablehnung der Logik als Instrument der Predigt wichtig, was sein Lehrer meinte. Also soll der Alumnus nach dem Thesenanschlag ein letztes Mal die Michaelistraße hochgelaufen sein zum Haus des Dialektikers, der nicht an die Tür kam.

Mit etwas Hus, etwas Wyclif, schließlich etwas Emotion statt Logik in der Predigt (zugegebenermaßen diesmal einer Neuerung) sollte die Reformation endlich Erfolg haben. Ich frage mich, ob die protestantische Predigt so dialektikfremd und das Herz ansprechend geworden wäre, wäre Luther ein besserer Logikstudent gewesen. Wenn seine auf Logik verzichtende Rhetorik neu war, ist das seine Theologie jedenfalls nicht. In puncto Transsubstantiation war er ein Nominalist, in puncto Vorsehung und Gnade ein Augustiner, in puncto Liturgie Hussit. All das muss er an der Erfurter Universität gelernt haben. Ohne die Prager Nominales, die während der hussitischen Unruhen nach Erfurt emigriert waren, wäre weder die alte Erfurter Universität gegründet worden noch, denke ich, der Protestantismus möglich gewesen.

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With exhibitions, lectures, concerts, and cultural events of all sorts, Lutheran churches all over Germany celebrated the anniversary of 500 years since the posting of the 95 theses in Wittenberg. Posting something in this blog is the least I can contribute to the topic; but also the most since I’m not an expert.

This is not to say that I have restricted knowledge or a poor evaluation of the Augustinian monk and student of the Erfurt University. In fact, not many experts know what I know about one very special facet of Luther. In terms of the urban panchrony of downtown Erfurt, you see, Martin Luther was my neighbour. When he walked from the Augustinian Abbey, where he lived, to the Collegium Majus and the St. Michael, where he studied and celebrated the mass, he was only few yards away from the Amplonius House that was to become my place in Erfurt five centuries later.

This was a Cambridge property of Luther’s, however not a Cambridge property of mine. My neighbourhood at Michaelistrasse was giving me food for thought throughout my time there.

Only some fifty yards from my flat and five hundred years from now, was the place and time Jodok Trutfetter, Luther’s professor of logic, lived. Luther rejected logic as an instrument of rhetorical inventio, which is obvious in the 95 theses, but his nominalistic teacher’s opinion remained important to him. After the Wittenberg nailing of the 95 theses, an event that finally gave rise to Protestantism, Luther visited the Michaelistrasse and knocked on Trutfetter’s door not to be held worthy of reception.

Finally, the new theology Luther launched contained a Hussitic understanding of liturgy, an Augustinian understanding of providence (an Augustinian monk was he himself) and a nominalistic understanding of transsubstantiation – all elements he must have adopted at the old University of Erfurt, founded by Prague nominalists who had found refuge in Erfurt during the Hussitic uprising in what is now the Czech Republic.

I don’t know what would have happened if Luther had been better in Trutfetter’s class. Possibly, his preaching wouldn’t address emotion in the relentless manner it does. And, probably, he would have been less successful. Wyclif had been a reformer and logician – and what was made out of his teaching? Some incentives for Hussitism…

 

Razionalità ristretta

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Der Kaffee kommt nicht immer als kurzer Brauner. Die Rationalität dagegen, die wir uns als Verbraucher religiösen Gedankenguts gönnen, kommt stets zu kurz.

Wäre es anders, dann würden wir sämtliche Heiligen drohen – wohlgemerkt in neoliberaler Manier – zur Konkurrenz zu gehen, immer wenn es uns schlecht ginge.

Das tun wir nicht. Denn im Glauben geht es nicht um Nutzen, sondern um Wahrheit. Der Glaube an eine Wahrheit restringiert offenbar entscheidungstheoretische Rationalität.

Vorerst trage ich dieser Einsicht Rechnung, indem ich mich von den großen Gestalten meiner Jugend umgeben lasse und die balinesische Göttin ins Treppenhaus verbanne.

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This blog names only the ristretto but there are innumerable ways to drink your coffee. . However, when it comes to religious faith, there is no alternative to restricted rationality.

If it were otherwise, you would threaten all saints of Christianity that you’ll get the product from another supplier who appears to be competitive whenever the Christian service fails to meet your needs. No one does so…

I suppose that the reason for this, is that in faith, not utility but truth is at stake. Believing that a teaching is true restricts decision-theoretical rationality.

This is why I banished a Bali goddess out of my office.

Hamartia

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Wenn die (neo-) orthodoxe Theologie Recht hat, die Sünde als eine griechische Begrifflichkeit aufzufassen, als hamartia eher denn als peccatum, als irrtümliches Verfehlen eines guten Ziels denn als Defekt, dann ist es bereits eine Sünde der Amsel, die Fensterscheibe für den Himmel gehalten zu haben.

Christos Yannaras, der heutige griechische philosophische Autor (gerade habe ich ein paar griechische Leser verloren – Leute, versucht Euch selber weißzumachen, dass es nicht Euer Neid auf das gigantische Opus ist, ich kann dabei nicht helfen) fragte mich einmal, wie ich mein Leben im Sinn „unserer Mutter, der Kirche“ einrichte.

„Schwierig“ hatte ich damals geantwortet. Es war in Erfurt. Winter. Spätabend. Das Leben war schön. Die intelligentesten jungen Leute von Thüringen waren meine Studis. In meinem Appartment des Amplonius-Hauses hatte ich Tee gemacht.

Grünen? Vielleicht grünen. Der emeritierte griechische Prof – eine Ikone meiner Jugend – schlürfte in einem Mix aus Sorge und Bewunderung.

War’s doch Wein? Herr Professor und Kollege wissen Sie es vielleicht noch?

„Schwierig“ also…

Andererseits, wenn ich an mein Sündenverständnis denke, wie kann ich anders, als Sohn der Mutter zu sein? Auch wenn ihre Strenge gegen die falsch eingeschlagenen Wege notorisch ist. Auch wenn sie „Sünde“ dazu sagt: Es ist der Fehler der Amsel, nicht des Fensters. Der Himmel ist woanders.



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If the (New-) Orthodox theology is right to see sin in the sense of Christianity as a Greek conception, as hamartia rather than as peccatum, as failing to hit the bull’s eye rather as a deficiency, failing to go up to the skies and colliding with a thing that different and indifferent at the same time as the window pane, is the blackbird’s sin.

Christos Yannaras, today’s most important philosophical author in Greece (I just lost some Greek readers – bye guys and try to persuade yourselves that it’s not jealousy when you despise this remarkable opus because he’s religious; I admit I can’t help in this) asked me once how I settle my life according to „the church, our mother“.

I had replied that I had had my difficulties. There was cold outside and I had made tea bought from the tea shop at the Kraemerbruecke. Probably green tea. It was a nice shop, just few steps away from the Amplonius House in Erfurt where I had been dwelling for the part of my week from Tuesday to Friday. Part-time living so to say.

But, again, when I think of my understanding of sin, how can it be otherwise? I am a mother’s son and one’s who’s very strict in her understanding of sin. Yes, it is a sin and the blackbird’s failure and its sin, not the window pane’s when the sky is in the opposite direction.