Applied spooky metaphysics

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Zweige der analytischen Philosophie wie die angewandte Ethik oder die Experimentalphilosophie werden als modern und zukunftsweisend wahrgenommen. Dass eine Art Magie aber noch lieber angewandt wird als die philosophische Reflexion, daran denkt der Analytiker nicht. Es sei denn, er ist ein orthodoxer Christ und hat viel Philosophiegeschichte studiert.

Jeden Sonntag bekräftigen viele Christen durch ihre Teilnahme am Sakrament der Kommunion ihren Glauben daran, dass durch ein Wunder Wein in Blut Christi verwandelt wird. Dass der echte Christus mit Fleisch und Blut in der Messe präsent ist, um dort verzehrt zu werden, wurde bereits im frühen Christentum zunächst unreflektiert geglaubt. Johannes von Damaskus, Mönch und Aristoteliker des 8. Jh., meinte, die Wandlung entziehe sich als Wunder jeder Reflexion. Die gängige theologische Meinung war aber, dass die Wandlung im Rahmen einer aristotelischen Metaphysik der Substanz des Weins, nicht etwa seinen Akzidenzien gilt. Kommunionswein schmeckt nach Wein auch nach der Wandlung. Jahrhunderte später deutete Wilhelm von Ockham die Wandlung als Akt der Namensgebung um. Man nennt diesen Wein eben Blut – so Ockham. Die Traditionellen blieben auch nach Ockham stark. Als Petrus von Ailly im 15. Jh. Jan Hus auf den Scheiterhaufen steigen ließ, war Hussens Lehre, gewandelt in Blut werde der Wein in seiner Substanz, mit ein Grund für die Verurteilung.

Eine Zuspitzung der traditionellen Lehre ist die Praxis der orthodoxen Kleriker, die in Corona-Zeiten weiterhin die Kommunion aus einem Kelch, mit einem einzigen Kelchlöffel erteilen, da – so die Behauptung – Speichelreste des Vortrinkers im Blut Christi nicht viral wären. Speichelreste in einer Flüssigkeit, die nicht Speichel ist, sind Akzidenzien. Es ist insofern fast ein Wunder, dass sich die Traditionellen in einer zu starken These verfingen, die sie gar nicht brauchen, um das Dogma zu verteidigen.

Innerhalb von ein paar Wochen waren nun der Tod des Metropoliten von Montenegro und des Belgrader Patriarchen infolge des Corona-Virus die pressewirksamen Indizien, dass magisches Denken des 1. Jh. nicht dazu geeignet ist, biochemische Eigenschaften zu beschreiben. Sonderbar ist das weitere Faktum, dass beide betagten Männer heute höchstwahrscheinlich das politische Leben Montenegros und Serbiens weiter mitbestimmen würden, hätten sie Aristoteles oder Ockham als ihre angewandten Metaphysiker ausgewählt. Aristoteles und Ockham kannten zwar das Fach Biochemie nicht, aber ihre Ontologie widerspricht nicht der empirischen Wissenschaft. Auch das ist ein kleines Wunder. Aristotelische und nominalistische Ontologie sind dermaßen alt…

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Applied ethics and experimental philosophy are considered new and shiny in analytic philosophy. Most analytics are however not aware of the fact that the first applied branch of the discipline was spooky metaphysics ages ago – and nowadays too. Well, maybe they guess so, if they’re orthodox Christians and have studied some history of philosophy.

The historical fact is that many Christians receive the Holy Communion on Sunday thinking that, miraculously, Jesus Christ is present at this moment in their church to be ingested in form of bread and wine – or rather not-anymore-bread-and-wine. The dogma of the rendering of bread and wine into Christ’s flesh and blood was launched already in early Christianity, unreflectedly in the beginning. Once more reflected and erudite believers turned their attention to it, they had to admit that it escaped reflection. Typically this is the case with John of Damaskus, a monk and Aristotelian of the 8th century. In an Aristotelian setting, it turned out that what the Latins called “transsubstantiatio” would work only if the miracle was supposed to concern only the essence of bread and wine leaving the accidental properties uninfluenced: Communion wine tastes always of wine. In the 14th century, William of Ockham proposed to understand the change of the material as an act of renaming: we call this specific wine from now on blood. Traditionalists remained solid also after Ockham. In the 15th century Peter of Ailly accused Jan Hus of taking the “thingy” substance of bread to be literally changed – and opened the way to Jan Hus’s burning at the stake.

The Holy Communion, as practised today by many orthodox, from one cup and with one spoon (i.e. cochlear) is at the pinnacle of the traditional doctrine. It presupposes that no viral rests of the saliva of the others can endanger your health when you take the Communion. Considering that the presence of viral saliva in a liquid which is per se not saliva is an accident, the traditionalists needn’t get entangled in a thesis that is too strong and not even necessary to defend dogma – but they do nevertheless.

In only few weeks, two deaths, Amphilochius’s, the metropolitan’s of Montenegro, and Irenaeus’s, the patriarch’s of Serbia, following a Covid-19 infection, shows the broad public that 1st-century spooky metaphysics is inadequate. Aristotelian and nominalistic, Ockhamian, ontology, would be, which is a little miracle. Just imagine how old these theories are…

Corona martyrii

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Jeden 17. November trauert Griechenland um die Opfer der Studentenunruhen des Jahres 1973. Der 17. November 1973 war ein Freitag, was sich auf die spätere Erinnerungskultur sonderbar auswirkte. “Sonderbar”, weil die Trauerfeier trotz ihrer allgemein linken Ausrichtung an die Karfreitagsprozession erinnert. Während nun die Karfreitagsprozessionen von Nikosia bis Malaga mit dem Schrein des aufgebahrten Jesus in der Kirche ihren Ausgang nehmen, um ebendaselbst zu enden, beginnt der Trauermarsch des 17. November an der Athener Technischen Universität – um den Stadtcampus herum lagen die meisten Toten der 73er Unruhen – um zum Schluss die US-amerikanische Botschaft zu erreichen, eine Bauhaus-Version des Parthenons und Werk keines geringeren als Walter Gropius.

An jene Novembertage erinnere ich mich gut, obwohl ich erst sieben Jahre alt war. Meine Eltern hatten die unglückliche Idee, am Sonntag nach den blutigen Ereignissen einen Spaziergang in Athen zu machen. Wie viele andere haben sie nicht geahnt, dass die Polizei Demonstranten erschossen hatte. Als Schüsse zu hören waren, rannten wir. Vor allem erschreckten mich die Gesichtsausdrücke der Erwachsenen.

Dass niemals ein amerikanischer Soldat die Waffe gegen einen griechischen Bürger gerichtet hat, daran zweifelt wohl niemand. Aber die Linke hatte bereits Jahre zuvor den USA die Schuld für die Diktatur zugeschoben. Der Gropius-Bau wurde in der Wahrnehmung vieler das Tor zum Hades für den politischen Karfreitag.

Heuer findet die Prozession zum ersten Mal seit 1974 nicht statt. Das ist nur konsequent. Das Coronavirus ließ uns Sonntags- und Ostermessen absagen. Auf solche Einschränkungen reagierten die Religiösen mehr oder weniger rational trotz der wenigen Vorfälle, die jedes besonnene Handeln in Frage stellten. Es gab etwa Gemeinden, die vor der Kirche Distanz hielten, bis der Pfarrer kam, um die Heilige Kommunion mit einem einzigen Löffel zu erteilen. Ich nenne es nicht irrational, nur unbesonnen, wegen der – tja… – Rationalisierung: “Gewandeltes Blut Christi überträgt keine Krankheiten”.

Die Kommunistische Partei – keine Assoziation mit der Kommunion: Sie ist ein echter politischer Faktor in Griechenland, deshalb die Erwähnung – protestiert wegen der Absage des Trauermarsches, will aber, dass die Kirchen geschlossen bleiben.

Der Antagonismus zwischen orthodoxen Marxisten und orthodoxen Christen ist allerdings nicht nur Entgegnung. Es ist gleichzeitig Appropriation: Prozessionen hier, Prozessionen da, Heilige hier, Heilige da.

Vor Tagen hörte ich mir wieder Mikis Theodorakis’ “Tragudia tu agona” (Chansons de lutte) an. Ein Beispiel von vielen Anlehnungen an das Religiöse:

“Morgen soll die eine Hälfte irgendwohin transportiert werden,

wir müssen auch gehen, aber woandershin:

Vielleicht ans Festland, vielleicht auf eine Insel.

Es möge der Wille Gottes geschehen.”

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Every 17th of November, Greece mourns for the victims of the students unrest of 1973. November 17, 1973 was a Friday, a fact which, peculiarly enough, left some traces on the symbolism of the mourning. “Peculiarly” because, in spite of the generally leftist context, the main event of the mourning is reminiscent to the epitaphios procession on Good Friday. The standard Good Friday procession begins in the church with the shrine of the lying Jesus at its head, and ends there too. There are local varieties throughout the northern Mediterranean coast from Nicosia to Malaga, but this is the essence.

The Nov 17 procession of the various left-wing parties of Greece, however, starts at the Technical University of Athens, around which the most bodies of mostly young people were discovered after the revolt, and heads to the American Embassy of Athens, a Bauhaus version of the Parthenon and a work of Walter Gropius.

I have personal memories from the revolt, although I was only seven. My parents had the unfortunate idea to have a walk in downtown Athens on the subsequent Sunday, Nov 19, 1973 – most people thought that revolting students were being rather arrested than shot dead – when the shooting started. I was mostly terrified from adults around me looking terrified. Gunshots per se are not scary. We ran…

There was never doubt about the fact that no American soldier has ever shot one single bullet in Greece to kill a Greek. But the left considered the Americans responsible for the dictatorship – and treated the Gropius building as the gates of Hades of their Good Friday.

This year, the procession will not take place for the first time since 1974. Covid-19 made us abolish rituals like the Sunday service and Easter, so why not Nov 17? The religious were generally rational in spite of reactions that – I wouldn’t call them completely irrational since they employed rationalisation – challenged every intuition of phronesis. People in the church yard, for example, kept the recommended distance, but partook in the holy communion with one single spoon for the whole parish. “It’s the blood of our saviour – immune to Covid” you hear them saying.

The Communist Party of Greece – I do not mention them because of an association with the word “communion”, they are really a political factor in Greece – demands the procession to take place but the churches to remain closed. Antagonistic religions, you can say. Which is not far from truth. But the antagonism goes further: some the symbols are common. I was listening the other day after many years “Tragoudia tou agona” (“Songs of the Struggle”) by Mikis Theodorakis: the religious element in them is striking: “I talk to out Lady and to your Judge in heavens. I reckon your age by the bitterness. But tell: is your torturer a creature with eyes, lips and a neck?”

We used to play this with the guitar at school. The girl who gladly sang it, I think her name was Sophia. From Crete. After school she joined the Communist Party. I’ve never heard anything about her since then.

She had a nice voice. I hope that she remains healthy.

Icons of the evil

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Der Ikonoklasmus tauchte im Oströmischen Reich gleichzeitig mit dem Aufkommen des jungen Islam auf. Johannes von Damaskus und Theodor von Studion, die wichtigsten Stimmen für die Sache der Ikonenanbetung, polemisierten zwar gegen christliche, nicht moslemische Bilderstürmer, aber was sie sagen, ist im Endeffekt, dass die Bilderstürmer cultural renegades sind. Sie würden nicht zu “uns” gehören. Das schreibe ich mit der Ermordung Samuel Patys, den Nizzaer Morden, den jüngsten Ereignissen in Wien im Hintergrund.

Vergangenes Wochenende – ein Kollege bestand darauf, ich solle es sehen, die Kinder hatten nichts dagegen – guckte ich mir “Er ist wieder da” an. Der Plot: Gott beschließt im Jahr 2014, Hitler noch einmal auf die Erde zu schicken. Der Film bewegt sich über lustige Missverständnisse der Jugendsprache und der heutigen Alltagskultur durch Adolf einerseits, über Gespräche mit Passanten à la Borat andererseits auf das Ziel zu: Der wiederauferstandene Führer wäre heute mit seiner Rhetorik eine TV-Prominenz und begeisterter Anhänger der Bündnisgrünen, gerade weil die CSU so “eine erbärmliche Kopie” wäre.

Es sind die boratartigen Gespräche mit Passanten, die der Regisseur ausschlachtet; die Ehrerbietungen gegenüber dem “Führer” mit ausgestrecktem Arm mitten im Berlin des Jahres 2014, womit David Wnendt vergisst, dass die Zuschauer vor der Ikone des Bösen auch mitspielen wollen, glauben machen wollen – Mimesis als “make-believe” ist Kendall Waltons griffiger Spruch – sie wären ein Teil des Fiktiven, nicht des Realen.

Das Böse wollen die Akteure bewältigen und das Gute verstehen. Stellvertretend für das Böse wie für das Gute sind Bilder: Ikonen. Ikonen wie Hitler-Darsteller in Berlin. Timur Vermes’ Idee eines wiederauferstandenen Hitler, der durch das heutige Deutschland spaziert, hatte übrigens bereits 1993 Želimir Žilnik, als er einen Tito-Darsteller durch Belgrad schickte. Um beim ehemaligen Jugoslawien zu bleiben: Tito, Marx und Engels wurden unlängst von einem montenegrinischen Freskenmaler in der Hölle platziert (s.o.)

Europa scheut sich nicht vor Ikonen des Bösen, geschweige denn des Guten. Der Ikonoklast duldet nicht einmal letztere.

Weit davon entfernt, ganzen Kulturen und Nationen die Schuld zuzuweisen für Ideologien, die Mentalkranke als Killer nutzen, finde ich, dass der Umgang mit Bildern und mit der Mimesis ein beständiges Element europäischer Identität ausmacht.

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The emergence of iconoclasm in the Eastern Roman Empire coincided with the rise of Islam. John of Damascus and Theodore of Studion, the most important authors of the icon-venerating party, attacked the Christian, not the Islamic iconoclasm. Even thus, basically they emphasised that the iconoclasts are cultural renegades. I am writing this having Samuel Paty’s assassination in mind, also the subsequent crimes of the same nature in Nice and Vienna.

Last weekend – a colleague urged me to do so, our daughters said also yes – we watched “Look who’s back”. The plot: AD 2014, God decides to send Hitler back to earth. The fuehrer happens to funnily misunderstand today’s slang and everyday culture, there are also some Borat-like passages and scenes where the protagonist mixes and mingles with the crowd off-script, until the movie returns to its real scenario: the resurrected monster succeeds in becoming a celebrity of the present-day liberal media landscape of Berlin – the end…

The Borat-like scenes of “Look who’s back” offended many in Germany. They were mostly understood as playing down the worst crimes in the history of mankind. People joking about concentration camps after the second beer are probably not as rare as one would wish them to be, but when they do so indulging in a make-believe game with someone who pretends to be Hitler, the mixture becomes utterly tasteless. Otherwise, a committing into this game needn’t be out of an extreme right motive. Kendall Walton defined mimesis as make believe. Mimesis is interesting. Once you render yourself to a part of fiction rather than to one of reality, you can pretend that you are Jesus, Virgin Mary or marshal Tito. Or someone who talks with Hitler. It is by means of mimesis that you can feel the good things in the first two and cope with the monstrosities of the two others. Icons – of the good or of the evil – have proven useful for mimicking already before Timur Vermes had the idea to send a resurrected Hitler to a trip around Germany. Želimir Žilnik’s documentary of the year 1993 around an enactment of Tito had the same results with “Look who’s back”. Recently, a Montenegrin icon painter depicted Marx, Engels and Tito in hell (vide supra).

Europe has no issues in dealing with icons of the good or of the evil. The iconoclast would not even accept the former, let alone the latter.

Far from blaming whole cultures and nations for some ideologies in their midst, ones that employ the mentally ill as killers, I find that, in our search for a European identity, mimesis and icons are seriously to be taken as a constant.

Coemeterium et coemesis

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Friedhöfe sind traurige Orte. Alte jüdische Friedhöfe in Deutschland geben mir einen zusätzlichen Grund zur Traurigkeit, die unabhängig von den Trauerfeiern ist, die in ihnen begangen wurden. Wenn zumal kein Weg zu oder aus ihnen führt wie am alten jüdischen Friedhof von Hürben im bayerisch-schwäbischen Krumbach, wirken sie wie losgelöst von der Welt. Dass es sie heute noch trotz der 30er und 40er Jahre gibt, ist auch nicht von dieser Welt.

Die Gottesgebärerin Maria, deren Entschlafung am 15. August gefeiert wird, soll direkt in den Himmel aufgefahren sein. Das erscheint wohl als die falsche Assoziation zum jüdischen Friedhof; vermutlich eine aus dem Umstand resultierende, dass ich den Wunsch nach dem Himmel für Ausdruck der Ausweglosigkeit auf Erden halte. Das klingt jetzt marxistisch, ich weiß… Nicht meine Absicht.

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Cemeteries are places of mourning. Especially old Jewish cemeteries in Germany I find sad independently of the mourning. If they stand in the middle of nowhere, no path to lead to them like the one in Krumbach in the Bavarian Swabia, they seem to be out of this world. For an old Jewish cemetery to have survived the 30s and 40s is something not of this world anyway.

The Mother of God, whose dormition is celebrated on August 15th by the Orthodox and the Catholics, is said to have moved to heaven. You may think that the Jewish cemetery without a path is not a matching association with this. Probably I have it because I think that no way out of a situation (take the word in its Sartrian sense) is the main reason for people to opt for a religious stance.

This sounds probably Marxist. Not my intention.

Under too many layers

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Die Nachrichten: Die Hagia Sophia soll wieder eine Moschee werden. Das gibt mir den Anlass, meine Assoziationen zur Kirche (sorry: zum Gebäude) zu schildern. Sie sind mehrbödiger als Baklava und folgende:

Zur Moschee wurde die Hagia Sophia zunächst 1453, als die Stadt (DIE Stadt – urbs) von osmanischen Truppen im Mai überrannt wurde. Zu der Zeit war sie eine römisch-katholische Kirche im Sinne der Kirchenunion von Ferrara-Florenz des Jahres 1439. Die Orthodoxen, diejenigen jedenfalls in der Stadt, die gegen die Union waren, haben sie 14 Jahre lang gemieden, bevor sie zur Moschee wurde. Sie spielten mit dem Gedanken, Hussiten zu werden, egal…

Noch vier Jahrhunderte vorher war in der Hagia Sophia der Philosophenmeister (“hypatos ton philosophon”), Johannes Italos, vom Unterricht am Konstantinopler Hofseminar feierlich suspendiert worden. Wegen Aristotelismus. Und wegen zuviel Logik im Unterricht, wie die Kaisertochter Anna Komnena in ihren Memoiren (Entschuldigung liebe Wertneutralität, wenn ich hinzufüge: schamlos) zugibt. Noch heute wird am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit in jeder orthodoxen Kirche der Welt das Anathema gegen die Philosophie wiederholt, das damals dort verlesen worden war. Ungefähr aus derselben Zeit stammt die Nestorchronik, welche die Christianisierung der Kiewer Rus unter Wladimir I. auf die Begeisterung der Kiewer Abgesandten in der Hagia Sophia zurückführt. Hoffentlich nicht während des o.g. Zeremoniells gegen Johannes Italos. Ein Dutzend Jahrzehnte später wurde die Kirche von den Kreuzrittern des Vierten Kreuzzugs geplündert.

Geplündert stand sie weiter, wie sie heute steht. Stehen sollte bald ihr Name, übrigens in der Landessprache als Fremdwort mit der neugriechischen Aussprache erhalten geblieben, auch für die kollektive Entität aller heiligen Menschen. Die göttliche Weisheit: Das sind wir. Dieser, ursprünglich russische, Volksglaube wäre ohne das Gebäude wahrscheinlich nicht entstanden. Auf diesen Glauben ist einer der wenigen Versuche zurückzuführen, aus der Orthodoxie eine moderne Konfession zu machen. Sergej Bulgakov, ein Wirtschaftswissenschaftler und einstiger Weggenosse Lenins, versuchte im Pariser Exil, der Kirche unserer Vorfahren eine christsozialistische Gestalt zu verleihen. Sophiologie nannte er die neue Doktrin. Die Gemeinschaft der Idioten ist weise. Das ist meinerseits nicht ironisch gemeint.

Ja, die Hagia Sophia ist eine grandiose Fortentwicklung des architektonischen Konzepts des Pantheons von Rom; einer Stadt würdig, die Neurom heißen wollte; und – trotz Johannes Italos – Symbol von Weltbürgerlichkeit. Der einstige Notre-Dame-Kanoniker Étienne Tempier, der als Bischof den Aristotelismus im Werk von Thomas von Aquin verurteilte, reicht nicht aus, um die Notre Dame zu blamieren. Die Hagia Sophia ist ebenso resistent gegen in ihr begangene Dummheiten. Das zum einen.

Zum anderen habe ich in keinem Museum der Welt so viele gelangweilte, geistig abwesende Besucher angetroffen, nach dem Motto: “Sie haben alle gesagt, zumal wir hier sind, müssen wir das besuchen. Groß ist es schon…” Oder kennen meine Leser etwa ein Museum in dieser Welt, wo die Kunstwerke nicht bewundert werden? Ich kenne eines: die Hagia Sophia. Das Augenmerk des “Ausstellers” fällt ja nicht auf die Kunst, sondern auf das historische Faktum der Eroberung. (Fremdländische Ansätze der auf Erwachsene abzielenden Museologie können mir vielleicht egal sein. Aber im Sinne der Museumspädagogik: Was ist das für eine Erziehung für die Kinder, die das Museum besuchen?)

Meine letzte Assoziation jetzt:

Es gibt überall zweckentfremdete Gebäude. Ein zweckentfremdetes Gebäude aber, wo der neue Nutzer jahrhundertelang außer Stande war, wenigstens über die Zerstörung hinwegzutäuschen; darüber zu glätten und zu polieren, so dass der Besucher nicht denken muss, dass die Zerstörung zum Stolz des neuen Nutzers gehört – ja, ich war schon in der Mezquita! – hatte ich nie gesehen. Bis ich die Hagia Sophia besuchte.

Und jetzt soll es eine wichtige Nachricht sein, dass sie wieder zur Moschee wird?

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What you see in the two last pictures are marble fencings of the empress’s gallery in the Hagia-Sophia church – oops, sorry: museum – oops again: mosque in Constantinople – oops…

Anyway, you get the idea… The new masters (“new” is more or less a façon-de-parler since they’ve been there since 1453) gouged out the Christian Symbols but left the destruction for everyone to see.

Some amount of destruction is there when you dedicate a building to another purpose than the one it originally served. The Mezquita of Córdoba is a handy example of a mosque that was rendered vice versa to a church with a vast change of the central part of the original structure. However, the new masters there did bother to make the destruction unseen, tried to embed a cathedral into the mosque without the malicious gesture: “Har, har, har: see what I did?” In the Hagia Sophia, the tidying up of the traces of the destruction didn’t happen in the last five-and-a-half centuries. Now, it will become a mosque again. This gives me the motivation to deploy my associations pertaining to the building. They have more layers than the baclava served outside it and are the following:

As I said, the Hagia Sophia was first rendered to a mosque in May 1453 when the Ottoman army conquered the city. When this happened it had been a Roman-Catholic church for 14 years, following the church union of Florence in 1439. The Orthodox, those at any rate who were against the union, have avoided the church and services given in it for a decade-and-a-half before it became a mosque.

Four centuries earlier, the Hagia Sophia had been the site of John Italos’s condemnation. John was an Italian-Norman logician who had the title of the master among the philosophers (“hypatos ton philosophon”). Accused by the emperor’s daughter Anna Comnena of too much Aristotle and logic in classroom, he was removed from office and ceremonially so in the greatest of all churches. Anna Comnena must have been a horrible student. In spite of everything, her style is not devoid of charm and I do have respect for a woman author in the Middle Ages. At the same time, it is disgraceful to make your dad, the emperor, fire the professor whose subject you failed. And then, for all of us, it is even more disgraceful to recite since then, every year on the first Sunday of the Great Lent, in every Orthodox church, for almost one thousand years now, the same anathema against philosophy that was released there and then.

It was the time when the Russian Primary Chronicle ascribed to the impressive church the decision of Vladimir I to have his subjects baptised according to the Byzantine rite. A church which was to be looted by the crusaders a century and something later.

This notwithstanding, its name, still preserved until today as a Greek loan, came up to stand also for the collective entity of all saints: wisdom is sanctity and sanctity is the mereological whole of us all. This, originally Russian, popular faith was arguably inspired by the church of the Holy Wisdom. When Sergey Bulgakov, the economist and philosopher, denounced his former comrades to Lenin’s great bitterness, and attempted from his Parisian parish to renovate Orthodoxy to be a more liberal denomination, he called the new doctrine sophiology – alluding to the aforementioned popular faith. Even if each of us is an idiot, we are wise when taken as a whole.

A bigger Pantheon in a city called New Rome and thereby a symbol of cosmopolitanism in spite of the John-Italos episode. If Étienne Tempier, the bishop of Paris who condemned the Aristoteliansm in Aquinas, is not enough to debase the Notre-Dame of whose chapter he had been the chancellor, then Hagia Sophia remains also undegraded in spite of the unpleasant episodes in it. On one hand…

On the other, in no other museum have I met so many bored people ticking off one more must-see from their tourist guide. Which is quite understandable since the focus of the Hagia-Sophia Museum is not on its art but on the historical event of the conquest. And, I mean, come on: even if I don’t care about the museological concepts in far countries, I am still concerned about the education they give to their children…

This is why I think that rendering the Hagia Sophia to a mosque is not the important news about it.

Transsubstantiatio et transpropertatio

https://philori.files.wordpress.com/2014/09/amper-isar.jpg

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Die griechisch-orthodoxe Gemeinde in der Schweiz, deren Münchensteiner Sophienkirche ich sehr unregelmäßig besuche, feiert seit Anfang der Corona-Krise keine Gottesdienste. Es ist eine Kirche, wo die Heilige Kommunion typischerweise in beiderlei Naturen und zwar mit einem Kelch und mit einem Löffel gefeiert wird.

Selbst wenn es nicht offen gesagt wird, ist dieser Umstand, die Aussetzung der Gottesdienste, die ratio cognoscendi der Überzeugung, dass der Löffel und der Kommunionswein Covid-19 übertragen kann und dass diese Gefahr unverhältnismäßig groß ist gemessen am Gewinn.

Gerade habe ich allerdings über die Eucharistie im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung gesprochen. Da ist bereits ein Punkt, an dem mir viele orthodoxe Christen etwas anhaben würden. Sie würden wahrscheinlich hinzufügen, dass der Kommunionswein keine Krankheiten übertragen kann, nachdem es in Blut Christi gewandelt wurde. Sie würden diesen Ausdruck vor dem üblichen “Transsubstantiation” bevorzugen. Noch übermorgen, am orthodoxen Ostersonntag, würden sie an der Ostermesse teilnehmen und aus einem Kelch mit einem Löffel das Blut Christi zu sich zu nehmen.

Jüngst gab es in Nordserbien sowie in Georgien Fälle, in denen sich die Herde während der Sonntagsmesse außerhalb der Kirche aufhielt, um der Ansteckungsgefahr durch das neue Coronavirus vorzubeugen, allerdings aus einem Kelch und mit einem Löffel Leib und Blut Christi zu sich nahm, als der jeweilige Pfarrer auf den Kirchhof kam. Wahrscheinlich dachten sie, dass es sich bei der Verwandlung der Kirche ins Paradies um eine Metapher handelt, bei der Wandlung des Brotes und Weines in Leib und Blut Christi aber um etwas Physisches. Die Republik Griechenland – das muss ich an dieser Stelle wohl sagen – erlaubte Gottesdienste nur während der Karwoche und das durch den Gemeindepfarrer und ein Chormitglied allein hinter verschlossenen Türen. Es ist eine archetypische orthodoxe Beschuldigung gegen die Westkirchen, dass letztere eine Hostie ohne Eigengeschmack dem Hausbrot vorziehen, um nicht in Versuchung zu kommen, aus den verbliebenen Broteigenschaften wie die Konsistenz und der Geschmack zu schließen, es wäre immer noch Brot, was man zu sich nimmt. Da die Orthodoxen offenbar sehr erfolgreich die sekundären Eigenschaften des Kommunionsbrotes verdrängen, denken sie, dass das keinem sonst gelingen würde, wenn das Brot etwas – sagen wir – säuerlich wäre.

Im Gegensatz zur orthodoxen Haltung: “Es ist kein Brot, es ist kein Wein, es ist nichts von dieser Welt, also werde ich dadurch auch nicht krank” tendieren philosophisch ausgebildete Katholiken zum Nominalismus. Der Trope “Blutchristihaftes” wird immer in der Messe per Umbenennung um einen singulären Kelch Wein angereichert. Wer sich darüber im Klaren ist, wie konservativ das Phänomen Sprache ist, dem erscheint es kaum weniger wundersam, wenn alle auf einmal sowohl ihre Sprache als auch ihr Benehmen an eine Umbenennung anpassen. Aber die Umbenennung schützt einen nicht vor Infektion.

Vor Jahren pflegte ich folgendes Spiel zu spielen, immer wenn ich mit meinen Töchtern auf Fahrrädern unterwegs die Mündung der Amper in die Isar erreichte. Ich erhob meinen rechten Arm – meine Töchter waren noch im Alter, wo sie das witzig fanden – und verwandelte magisch die Isar in die Amper und die Amper in die Isar. Ab sofort war der jeweilige Fluss der andere. Natürlich blieb der linke Fluss – angenommen wir gucken nach Norden – derjenige, der von Dachau kam, der rechte derjenige, der von München und Freising kam – keine Frage! In der Paläogeographie ist es stets das Wasser, das bestimmt, um welchen Fluss es sich handelt, nicht das Flussbett. So blieb z.B. vor Millionen von Jahren ein Teil der Ur-Donau nördlich der Aare trocken. Es war ursprünglich ein Donau-Flussbett. Dass später die Wutach in dieses Flussbett hineingeflossen ist, so dass sie ihren Lauf dramatisch wechselte, bringt die Geologen nicht in Verlegenheit. Vorher Wutach – nachher Wutach, auch wenn die Richtung jetzt eine andere ist, im Flussbett eines vormals anderen Flusses.

Die Orthodoxen verstellen sich, dass die Metaphysik der Namensgebung auch anders sein könnte: am Beispiel bei der Eucharistie. Es ist ein sehr starker metaphysischer Glaube, was hinter der orthodoxen Position steckt und dem Nominalismus eines Denkers trotzt, der lange Zeit an der Isar lebte: Wilhelm von Ockham. Ein gesundheitsgefährdender Glaube in Zeiten von Epidemien ist er auch noch.

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Presently, the Greek Orthodox community of Switzerland whose church of Holy Wisdom in Basel I irregularly visit, has dispensed all services in the aftermath of Covid-19. It is a church that typically practices the Holy Communion from one single cup, with one spoon.

If you do the math you will infer that in times of an epidemic, the parish believes that the – obviously existing – risk to be infected from the Holy Communion is disproportionate to the spiritual benefit – and fairly so.

Some Orthodox however would not only consider it sacrilegious to speak of the Eucharist in terms of a cost-benefit analysis. They would also say that communion wine is not virulent as a consequence of its being rendered to blood of Christ. They would go to church and partake in the Holy Communion with one spoon without realising the risk.

In recent cases in Northern Serbia and in Georgia, the corresponding parishes avoided entering the church out of fear of infection, however they did partake in the Holy Communion from one cup and with one spoon when the priest sought his people outside, in the churchyard. They presumably thought that the transformation of the church into the kingdom of God during the mass is symbolic while the transformation of wine to Christ’s blood is a natural, physical process. To prevent similar situations, the Hellenic Republic allows services to take place during the Corona crisis only in the Holy Week and this behind closed doors, only with one priest and one choir member. Let me just mention here that there are Orthodox who blame Roman-Catholics of preferring consecrated wafers to everyday bread because the latter allegedly reminds of the properties remaining there as before the consecration. Since the properties remaining there is the very idea which the Orthodox repress – and this very successfully – they think that everyone else has issues with it.

In contrast, learned Roman Catholics often come up with a nominalist understanding of the Holy Communion: communion wine is, they’ll tell you, the blood of Christ in the sense that the trope “blood-of-Christ-like” is enhanced with a new individual – a cup of wine. After the transsubstantiation, they’ll tell you, the properties of the wine are remaining because transsubstantiation is only an act of renaming. Ergo, you can be infected.

Years ago, my daughters and I played a game – if you want to call it a game – whenever we journeyed with our bikes along the riverbanks of the Isar until its confluence with the Amper. Reaching the point – the girls were young enough to find this witty back then – I used to raise my right hand and made the one river be the other. But even after I renamed the rivers, the one to the left when we looked northwards was the one whose waters came from Dachau, the one to the right was the one which came from Freising and Munich. I had not changed this, of course. I am informed that in palaeogeography, when a riverbed is dried off and another river finds its way through it, it is the waters, i.e. the new river, which determines which river this is.

The Orthodox pretend during the Eucharist that this could be otherwise. This is a strong metaphysical belief, of course, and a much stronger one than the nominalism launched in Christian faith by a person who was actually very familiar to the river Isar: William of Ockham. But if you are an Orthodox in times of an epidemic, this issue of the philosophy of language can cost you your health.

 

Beautiful panicking: a critique of ersatz religiosity

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Das Thema ist wichtig, keine Frage… Ob die darzubringenden Opfer effektiv sind oder bloß symbolisch, damit ideologisch, scheinreligiös – das ist die Frage. Wenn ich heute z.B. sage, eine kleine Kapelle in Köln-Mitte hätte genauso gut für Gottes Wohlgefallen gesorgt wie der riesige Kölner Dom, das ist nicht mit einer Absage an den Glauben gleichzusetzen. Würde ich aber mit einer Zeitmaschine in das Köln des 14. Jh. reisen, dann wäre ich gut beraten, meiner Skepsis am – erst recht damals – absurderweise großen Bauvorhaben nicht Ausdruck zu verleihen. Zu groß wäre die Gefahr, deshalb als Atheist, gar Hedonist abgestempelt zu werden.

Denn das 14. Jahrhundert hat wie das 21. eine Doktrin erfunden, welche die individuelle Rationalität dem Ästhetismus – koste es, was es wolle – zurückweichen ließ.

Das Schmelzen von Grönland-Eis verursache einen Meeresspiegelanstieg. Von mir aus. Aber wenn der betreffende Wert im Rahmen von ein paar Millimetern pro Jahrzehnt ist, wie kann der Ankauf von schwimmenden Häusern heute – nicht in 500 Jahren – nicht als Hysterie gelten?

Ein Satellitenbild der australischen Brände geht um… Ein Satellitenbild? Seit wann sind Satellitenbilder rötlich statt bläulich und stellen diachronische Aufnahmen von Ereignissen dar, zwischen denen Monate verstreichen? Seit wann ist Sydney eine Flamme?

Allen meinen naiven Mitbürgern, die bei ihrem Exodus aus dem religiösen Feld es gerade noch zur Ersatzreligion schafften, empfehle ich die Lektüre von Spektrum oder Bild der Wissenschaft; von irgendeiner Publikation jedenfalls, die auf Theorie, nicht auf Ikonen baut, geschweige denn auf manipulierten solchen.

Die Ikonen selber lassen wir in der Kirche.

Die Kirche im Dorf.

Denn wer wäre heute bereit, einen Kölner Dom oder irgendwelche anderen schönen Kollektivillusionen in Auftrag zu geben, an denen das Individuum zu Grunde geht?

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It is not that I do not see the issue. It is rather that I am not certain whether sacrifices are supposed to tackle it efficiently. Like a medieval inhabitant of Cologne who would say that the cathedral is way too big and doesn’t secure you of God’s love more than tens of small chapels. If you had entered a time machine and gone there to propagate this very reasonable view, your scepticism would have been considered a hubris. This is also my feeling when I say that I am not certain that sacrifices etc. Because I feel that I’m not allowed to doubt. Like I wouldn’t be allowed to doubt in medieval Cologne. Despite the disproportionately huge sacrifice. I mean, have you ever seen how ridiculously big this church is?

Like the 14th, the 21st century employs a doctrine designed to declare the priority of aestheticism over individual rationality.

“Greenland ice melting causes the rising of sea level by some millimetres per decade”. Do I believe that? In fact, I do. But when there are people buying boat houses now, not in 500 years, how could I fail seeing a hysterical reaction here?

The Australian fires caught on camera… On camera? Since when are pictures from space not blue but reddish? Since when is Sydney a bushfire? Since when are fires captured on camera represented in a diachronic picture?

My recommendation to all these naive people who, in their way out of the religious context only managed to reach environmentalism as surrogate religion, is: read Nature! Read the Scientific American. I mean, as long as your objective is a scientific worldview based on theory and not a dogma based on pictures.

Manipulated ones on top of that…

Ordo Euboeorum

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Wer jahrzehntelang Max Weber neben dem Bettkissen hatte, betrachtet verschiedene Formen der Askese als charakteristisch für bestimmte Religiositäten. Es ist ein Künstler, der mir die Idee gibt, dass Webers Verhältnis zwischen Askese und Religion umgedreht werden kann.

Jorgos Suras lernte ich vor drei Jahren kennen. Damals klingelte er an unserer Tür. Ob wir des Griechischen mächtig seien. Ruth war allein zu Hause. Wären ich oder die Kinder da, hätte er eine bedenkenlosere Antwort erhalten.

Den Rest der Diskussion hat mir Ruth telefonisch wiedergegeben. Herkommen tue er von einem kleinen Fischerdorf im Norden Euböas, Agiokampos. Nicht vom großen Agiokampos bei Larissa mit dem langen Sandstrand. Nein! Das sei ein kleines, zwei-hundert-Seelen-Agiokampos mit vielen kleinen Kiesbuchten auf der Insel Euböa. Ja, ja, die Küste und das Dörfchen kenne meine Frau, schließlich komme ihr Mann ebenfalls von dort, das Olivenöl in unserer Küche sei kein anderes bla-bla-bla… Er: “Spinn i'”; meine Frau ebenso…

Meinen Nachnamen hatte er nicht erkannt und nicht deshalb hatte er geklingelt, obwohl die Berührungspunkte vielzuviele waren. Mein Großvater war eine Zeit lang Bürgermeister der benachbarten Gemeinde und KP-Funktionär, sein Vater – allerdings – Letzteres. Unsere Grundstücke sind ein paar hundert Meter voneinander entfernt.

Aber ich habe seinen Nachnamen wiedererkannt. Ich wollte ihn kennenlernen. Damit habe ich seine Kunst kennengelernt.

Jorgos Suras ist ein säkularer Künstler, dessen Kunst allerdings nicht durch und durch profan ist. Er sieht das Religiöse als einen Spezialfall des Asketischen an. Seine Franziskaner- und orthodoxen Mönche stehen für unsere unmittelbaren atheistischen Vorfahren in der Verbannung der Makronissos; für unsere orthodoxen, eine Generation zuvor, während der langen Monate des gewollten und ungewollten Fastens; für unsere erzwungenermaßen katholischen im Mittelalter (Euböa war venezianisch…); für Entbehrung; für den Umgang mit Sehnsucht.

Meinen Lesern wünsche ich einen schönen dritten Advent.

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One of Max Weber’s substantial contributions to the understanding of religiosity was that he taught us to see asceticism of different forms as characteristic of various religions. An artist tries to show that this relationship between asceticism and religion can be reversed.

I first met Yorgos Souras three years ago – which is not a miracle if you move from the vicinity of Munich to the vicinity of Basel and Mulhouse and get to know Greek individuals there. But which is a miracle given the following circumstances. Ruth was alone at home, the bell rang and this man asked her if she was Greek or at least if she could speak the language. Usually, my wife answers the first question with a clear “no”, the second by saying “a bit”, a thing that rather disappointed the stranger who, however, wanted to speak about himself. He came from a small fishing village, a site rather than a village in the north of Euboea, called Agiocampos. Not the big Agiocampos with the wide sand beach near Larissa in mainland Greece. This is a tiny one of two hundred inhabitants and many small stony coves.

Our pieces of land there came out to be in a distance of some hundred yards from each other. Statistics is not Ruth’s and Yorgos’s specialty but they immediately recognised what an extraordinary coincidence this was. Had he recognized the surname? No, he hadn’t. Despite the fact, that is, that my grandfather had been a mayor of a neighbouring community and a member of the local Communist Party bureau. Which, the latter, his father had also been.

I recognised his surname alright. And I wanted to meet him. This is how I met his art.

Souras is a secular artist whose art is not definitely profane. He regards the religious moment as a special case of asceticism. His Franciscan and orthodox monks could be our parental atheists exiled in desert islands somewhere in the Aegean; they could be our ancestral orthodox during the long fasting periods and already fasting before them; they could be our volentes nolentes catholics in the Middle Ages (Euboea was a Venetian possession); they stand for deprivation and longing.

Sacral architecture with profane messages

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Unsere erste Familienautoreise von Mitteleuropa durch den Westbalkan bis Euböa und Athen und wieder zurück war, wenn ich mich nicht ganz täusche, im Sommer 2013. Ich weiß noch, wie ich mein erstes Posting von unterwegs für dieses Blog in der damaligen Dienstwohnung meines Bruders an der Neubelgrader “Straße der Spanienkämpfer” – ulica Spanskih boraca – machte, indem ich vom ungeschützten Netzwerk des Nachbarn aus eine Email an meinen Domänenemailserver schickte. Heute nutze ich solche abenteuerlichen Methoden nicht mehr. Zum einen gibt es überall WLAN, zum anderen ist die WordPress-App viel handlicher.

Vieles hat sich in Südosteuropa in den letzten sechs Jahren und nach fünf Balkanautoreisen geändert. Griechenland lässt ein schwarzes Kapitel seiner Wirtschaftsgeschichte hinter sich, Serbien ist in den Städten voller Witz, voll in der Moderne und – das meine ich durchaus positiv – mit seinem ländlichen Raum durchaus im Reinen.

Ein paar Eskapaden der letzten Jahrzehnte beeinflussen noch das religiöse Feld, insbesondere dasjenige links und rechts der 820 Kilometer der E75 zwischen Leskovac in Südserbien und Athen. Das religiöse Feld sowie das links und rechts der Straße sind beide weit und breit und – wie wir seit den Neunzigerjahren wissen – politisch brisant.

Wo früher die Kirchen nicht zur Propagierung von Stereotypen gebaut wurden, sondern mit der weltlichen Architektur harmonierten – Basiliken und kreuzförmige Ziegelbauten mit Kuppel in den Gesamtlandschaften Makedonien und Südserbien, klassizistische, mit wenigen Rokokoelementen versehene in Serbien, wie die oben abgebildete Michaelskathedrale in Belgrad – protzt nun neobyzantinischer Kitsch, gern auch mit dorischen (!) Ornamenten wie unten die neue Kirche im nordgriechischen Paralia Katerinis. Die südserbischen kirchlichen Neubauten sind zwar weniger schrill, aber ihre imperiale Architektur ist nicht weniger fehl am Platz. Jüngst errichtete Moschees an der Autobahn, in Südserbien wie in Nordmakedonien, könnten wiederum in ihrem mediterranen Weiß, hunderte von Kilometern von der Küste entfernt, ihre politische Pointe kaum stärker unterstreichen.

Hoffentlich geht das gut aus.

Oder eher: Hoffentlich ist es aus.

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The first time we dared to set off in Central Europe to cross as a whole family the Western Balkans and to reach Euboea and Athens in our car was probably in 2013. I still remember that in my brother’s Belgrade lodging at the “Street of the Spanish-Civil-War Volunteers” (Spanskih boraca) there was no WiFi and I used the neighbour’s open network to send my domain server an email to be posted in this blog. These adventurous methods are history now since you find everywhere WiFi and the WordPress app is much preferable to the email feature.

In six years and five family journeys by car, much has changed in Southeast Europe. Greece leaves the ghost of misadministration behind. Serbia has cool cities and despite its modern urban landscape it remains Balkan in the countryside – which, at least in my perception, is a lovely thing to happen.

However, the escapades of the last decades persistently influence the religious field. This can be observed here and there along the 500 miles of the European highway E75 between Leskovac in Southern Serbia and Athens. Both fields, the religious as well as the geographical on either sides of the road, are broad and – as we know from the 90s – politically sensitive.

Churches in the Balkans were once in agreement with their profane surroundings. The old basilicas and cross-in-square churches with exposed-brick walls of Macedonia and Southern Serbia as well as the classicist churches with Austrian rococo in Northern Serbia (cf. my pictures of Belgrade’s St Michael’s cathedral on top of this post) are witnessing this still today. Neobyzantine kitsch is definitely new and suspect of a political agenda that most of us would hate to see empowered. The new church in Paralia Katerinis in Greek Macedonia (with Doric columns as ornaments!) is the most appalling example I could detect. The churches that were erected in the last years along the E75 in North Macedonia and Southern Serbia are not so grotesque, but their imperial architecture makes them phoney.

Once you pass the Greek border northwards you cannot fail to see also mosques, antagonistic to the aforementioned churches, in a Mediterranean white hundreds of miles away from the coast.

The hope is that it will all end well.

Or rather: that it has already ended.

Basil in today’s Basel

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In Heylers Ausgabe der Episteln und Fragmente Kaiser Julians (Mainz 1828) findet sich auf Seite 522 die auf Kurznachrichten reduzierte Kommunikation zwischen dem heidnischen Kaiser einerseits und Basilius von Cäsarea andererseits, Bischof und der Tradition nach Freund aus Kindertagen des abtrünnigen und mit folgenden Worten provozierenden Staatsmanns:

[Die Christenschrift] habe ich gelesen, verstanden und verworfen.

Darauf der Bischof:

Gelesen aber nicht verstanden. Hättest du verstanden, hättest du nicht verworfen.

Damit machte Basilius die Interpretation der Bibel vom Fürwahrhalten abhängig. Egal, wie man dieses Buch interpretiere, so Basilius, müsse es als wahr interpretiert werden, sonst sei es missinterpretiert. Für einen im Großen und Ganzen guten Autor war dieses Zitat keine Glanzleistung von Basilius. Denn die Bibel besteht nicht aus Tautologien. Damit ist deren (von mir aus unwohlwollende) ungläubige Interpretation nicht zwingend eine Missinterpretation.

Ähnlich und wie eine Replik des spätantiken Heiligen argumentieren diese jungen Leute, welche unser Fürwahrhalten zum Kriterium unserer Interpretation des Klimawandelnarrativs erheben. Nicht nur klingen sie wie fromme Apologeten des vierten Jahrhunderts, sondern ich war auch noch vor nicht langer Zeit ihr Lehrer in Sachen Argumentation…

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Two years ago, some of the students who quite recently hung this banner, were visiting my argumentation classes. And definitely the following things did not happen there:

They were not introduced into Heyler’s old edition of emperor Julian’s epistles and fragments (Mainz 1828) and, of course, never knew a kind of texting cited on p. 522 there, between the pagan apostate and – rumours say – his childhood friend, Basil, the bishop of Caesarea. The renegade emperor wrote:

I read, I comprehended and I condemned [the Bible].

To which the bishop replied:

You read it but did not comprehend it. If you had comprehended, you would not have condemned.

If I had brought this historical example, I would have had the opportunity to explain my students that Basil sees the correct interpretation of the Bible depend on whether one takes it to be true or not. But the Bible is not a collection of tautologies. There are interpretations according to which the contingent sentences in the Bible are false and these interpretations – call them malevolent if you want – do not have to be misinterpretations for this reason. Normally, Basil (church history nicknamed him “the Great”) was an author much better than this.

The fact that my previous students sound in my ears like him when they address the issue of climate change (“The ones who have understood but do not flip out, have not understood at all”) is, as I said, is not an acquaintance they would have with the aforementioned fourth-century texting. They know nothing about the saint whose rhetoric was similar to theirs. I did not introduce him to them. As I said, the subject they had with me was argumentation, not church history.

But I have to declare: I would have told them one more lesson to be learned from logic if I had guessed somehow that they would turn out to be apologists.