Being Daniel Dennett

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Angenommen, ich würde ein paar Überzeugungen haben, die ich normalerweise Daniel Dennett zuschreibe: dass der religiöse Glaube einen evolutionären Vorteil darstellen würde, der trotz seiner angeblichen Unwahrheit die Menschen infizieren würde.

Wir wissen nun, wie bestrebt die Medizin ist, abhanden gekommene evolutionäre Vorteile zu rekonstruieren; etwa aus Gehörlosen hörfähige Menschen zu machen. Die Medizin setzt sich damit ein rationales Ziel, etwa im Sinn der Zweckrationalität.

Mit dieser Einsicht im Hinterkopf müsste ich also als zweiter Daniel Dennett meinen, Religion wäre falsch, Katechese aber (das Wiederhestellen des evolutionären Vorteils Religiosität) zweckrational.

Ergo wäre ich kein Pragmatist.

Ich meine, ich bin sowieso kein Pragmatist. Aber ob sich Dennett als Quines Schüler dasselbe leisten kann?

  
Enough with scrolling

Let’s imagine that I come to have a series of beliefs normally attributed to Daniel Dennett: religious faith is an evolutionary advantage that went viral independently of the alleged fact that there’s no God.

At the same time it’s obvious that the task to rebuild evolutionary advantages is rational – say in the sense of Weber or Pareto. Think only of the medical efforts to repair hearing loss.

Thereby it would be rational to repair religiosity by means of catechism. Consequently, at the same time I would be bound to consider religiosity to be false and catechism to be rational.

Which cannot be done if you’re a pragmatist. I mean, I’m not a pragmatist anyway. But can Dennett as a philosopher so strongly influenced by Quine afford rejection of pragmatism?

The difference between the saint and the good guy

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Erlingers Kolumne im SZ-Magazin liebe ich als Leser sowie aus beruflichen Gründen – Ersteres, weil er genial schreibt, Letzteres, weil seine Kasuistik-Fälle im Fach Ethik gut zu gebrauchen sind. So hat mich die Gewissensfrage noch vor Weihnachten inspiriert, folgende Frage zur schriftlichen Beantwortung zu stellen:

Ich verpacke Geschenke für ein paar Freunde, darunter für einen Blinden. Ich stelle aber fest, dass das schöne Geschenkpapier nicht ausreicht. Genau genommen habe ich fürs letzte Geschenk kein schönes Geschenkpapier mehr. Was soll ich tun?

Während sich alle darüber einigten erstens, dass der Utilitarist für den blinden Freund irgendein Papier nehmen darf, da dieser dies sowieso nicht als Abwertung seines Gesamtnutzens empfindet, wenn er nicht weiß, dass der Utilitarist Papier aus der Altpapiertonne hernahm; zweitens, dass der Kantianer für Gleichbehandlung für alle sorgen sollte…

… war es niemandem klar außer einer unglaublich spitzfindigen Zeitgenossin, was die christliche Reaktion wäre:

 

Als Christ verpacke ich das Geschenk des blinden Freundes in das schöne Papier und lasse das Geschenk meines besten Freundes unter den anderen unverpackt.

……..

Das müssen Sie erst begründen

entgegnete ich vorgestern bei der Besprechung der Arbeiten.

Das ist, glaube ich, der Unterschied zwischen der Heiligkeit und der moralischen Güte. Der Heilige darf sich nicht scheuen, nur ein Signal zu geben, wenn er nichts Besseres tun kann – und zwar auf Kosten der eigenen Beliebtheit.

Ob das ein gutes Argument in diesem Kontext ist, geschweige denn, ob sie Recht hat, weiß ich nicht. Ich muss darüber nachdenken, habe aber jedes Recht, froh zu sein, wenn sie meiner Stunde beiwohnt.

 

Enough with scrolling

My question was – it was before Christmas – what the main schools of ethics would say to the following case:

I’m wrapping gifts for friends in glossy, colourful paper when I discover that I haven’t got enough paper for the last gift. One of my friends is blind. What do I do?

Students were unanimous that if I were a utilitarian I would use some rubbish paper for the blind friend not to reduce his utility at all. And they were all pretty sure that as a Kantian I should make sure that I treat all friends according to a universal law – probably the same paper for everyone.

But what would my Christian self do? No hint in any paper except in the one of this very brilliant student:

As a Christian you have to use coloured, luxurious paper for the gift of the blind friend and leave the gift of your best friend among the others unwrapped.

….

You have to justify your solution in terms of an argument

I said the day before yesterday, during the discussion of the papers.

Well, I suppose that this is the difference between sanctity and goodness.

said she. And she continued:

 A saint may not be afraid to become unpopular when the situation is helpless and the only thing he can do is to give a signal.

Was she right? Is this a valid argument in this context anyway? I’m not sure. But I’m happy that she attends my class.

 

Theodicy and the Odyssey

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Im Sommer sind viele Fahrradfahrer auf den Landstraßen unterwegs. Diejenigen unter ihnen, die in die entgegengesetzte Richtung fahren, sollten mir egal sein – könnte man denken.

Sie sind es mir nicht. Denn erstens vermute ich hinter dem Fahrrad ein Auto mit einem Fahrer am Steuer, dessen Hintergrund christlich ist. Da ich zweitens außer Autofahrer Philosoph und Religionswissenschaftler bin, errechne ich die Chancen als sehr hoch, dass besagter Fahrer sich für sein Leben gern Fragen der Art stellt (ein Christ!) „Warum ausgerechnet ich?“ Etwa: „Warum muss ausgerechnet ich von diesem Fahrrad verlangsamt werden?“

Eine Ausnahme gibt es hier: Der Christ stellt sich nie die Frage: „Warum soll ausgerechnet ich Fragen der Art „Warum ausgerechnet ich“ stellen?“ Um diese Frage geht es mir aber.

Die Christen glauben an einen Gott, der ein Gewaltmonopol ausübt; zudem an einen, dessen Gerechtigkeit niemals das objektiv Gerechte verfehlt. Dass Verlangsamungen, Krankheiten, nervige Arbeitskollegen irgendjemanden treffen müssen, da sie nun mal da sind, daran denkt er nicht. Wenn Gott gerecht ist, dann lässt er die nervigen Arbeitskollegen immer ins Büro der Leute kommen, die ihre eben nervige Präsenz verdienen.

Diese Haltung kann töten – vor Kurven jedenfalls. Fahrrad fährt vor einem, dieser denkt „Warum ausgerechnet ich?“, überholt vor der Kurve – bumm…

Auch ohne Kurven ist aber die besagte Haltung nicht weniger gefährlich. Der Professor für Sozialpsychologie an der LMU, Dieter Frey, hat herausgefunden, dass die Frage „Warum ausgerechnet ich?“ bei Schwerkranken statistisch signifikant mit einer niedrigen Genesungswahrscheinlichkeit zusammenhängt. Der Glaube an die klassische christliche Theodizee kann – so scheint’s – Leben kosten.

Im Sinn eines Kontrapunkts sollte man die Kontexte des Wortes „dike“ (in etwa: Recht) in der Odyssee betrachten: Gott A will, dass p. Aber Gott B will, dass non-p. Das göttliche Recht, die Theodizee also, ist in der homerischen Welt ein Antagonismus verschiedener Rechtssysteme. Die dringliche Frage „Warum ausgerechnet ich“ verblaßt vor lauter Willkür auf dem Feld dieser Systeme.

Der christliche Theodizeebegriff ist seit Jahrhunderten die Zielscheibe von leidenschaftlicher Polemik – man denke etwa an Voltaires Candide. Vor ein paar Jahren plädierte ich in einem Aufsatz, der in Polish Journal of Philosophy publiziert wurde, für einen christlichen Theodizeebegriff ohne klassisches Allwissen. Denn, was sich da draußen abspielt, hat intuitiv mehr mit der Welt der Odyssee zu tun. Es ist eine Welt voller ontologisch unterdeterminierter Ereignisse.

Ein Christentum ohne klassisches Allwissen und damit ohne klassische Theodizee? Geht das? Nun ja, ich muss immer wieder zugeben, dass ich etwas mehr Ostchrist bin, als ich zugeben will.

Deshalb: Vorsicht vor Kurven! Auch wenn Ihr Euch im moralischen Sinn nichts vorzuwerfen habt. Ein hartes Geschick hat oft genausowenig mit unserer Güte zu tun wie das Erreichen von Ithaka.

Fahrräder

Bicycles are like snails: they appear when the sky is clear and sunny. And also like ants: they march forward in two opposite directions.

Now, driving your car during the summer demands additional attention because of the bicycles which come from the opposite direction. These bicycles are the reason for the cars behind them to drive onto your side of the road in order to overtake them.

This could be the end of the story but since I’m a philosopher and a religious-studies scholar it’s the beginning. What makes car drivers who overtake bicycles ignore traffic – ignore you as you’re coming from the opposite direction – is, among other things, the fact that they’re Christians.

Christians believe in a God who’s just and in one who’s a monopolist of justice. Since God knows everything, for a Christian there must be a reason if he has to move slowly because of a bicycle driving ahead – a reason known to God and determined by God, that is. This is why it’s a characteristically Christian attitude to ask „Why me of all people?“

Now, this attitude can kill. It can kill if the bicycle comes from the opposite direction and the driver of the car behind it asked himself „Why me?“ without noticing that you’re also there. And it can kill, as my back-then professor of Social Psychology Dieter Frey had found out in a study conducted in Bremen. According to Frey’s study, patients in a hospital who ask themselves „Why me of all people?“ survive their disease less frequently than those who don’t ask. The faith in classical Christian theodicy costs lives – so it seems.

In the Odyssey, „dike“ (which you can take to be corresponding with something like our justice) is what you one God does for you and at the some time what the next God does against you. It’s not a system. It’s a sum of antagonistic systems.

A couple of years ago, in a an article which was published in Polish Journal of Philosophy I pleaded for a theodicy without classical omniscience – i.e. under the assumption that there are ontologically underdetermined events and that they are so also from God’s point of view. This is why I would never take the risk to overtake a bicycle before a turn even I were quite confident to be morally the most virtuous person on the planet. It can happen that the virtuous won’t reach Ithaca and the vicious will – in fact, this happens all the time.

A theodicy without classical omniscience – how comes? Well, this is one of these cases in which I’m more of an oriental Christian than I’d like to admit.

Der Nutzenmaximierer

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Ob ich weiterhin ein orthodoxer Christ bin, fragt meine Studentin, nachdem sie per Twitter und Facebook feststellte, dass ich eine Buddha-Statuette und die Statue einer balinesischen Göttin besitze.

Nun muss ich ihr sagen, dass das nicht die wahren Hindernisse sind. Es ist eher die Begriffsanalyse, die Analyse überhaupt, welche einem traditionellen Glauben im Wege steht. Neuerdings bin ich zu der Einsicht gelangt, dass der Utilitarismus die eigentliche christliche Moral ist – was wohl im Rahmen eines orthodoxen Glaubens eine unmögliche Behauptung ist. Es folgt mein Beweis dieser Behauptung.

Beweis, dass mindestens die unglücklicheren unter den Menschen nur dann im christlichen Sinn konsistenterweise gottestreu sind, wenn Gott als Nutzenmaximierer gilt:

Sollte Gott kein Nutzenmaximierer sein, dann gibt es zwei Erklärungen dafür: Entweder existiert er gar nicht, oder er existiert zwar, ohne den Nutzen seiner Geschöpfe unbedingt zu maximieren (man denke an Hiob usw.) Ist Ersteres angenommen, dann kann man von keiner Treue sprechen. Ist aber Letzteres angenommen, dann muss man glauben, dass Gott entweder nicht an der Besserung der Lage seiner Geschöpfe interessiert ist, oder dass er zwar daran interessiert ist, allerdings verhindert, unsere Lage zu verbessern, weil, was wir erleben, bereits die bestmögliche Welt ist. Im ersten Fall ist es recht, Gott die Treue – obgleich nicht den Glauben an seine Existenz – zu kündigen. Im zweiten Fall macht unsere Treue nur Sinn, wenn angenommen wird, dass unsere Lage sonst noch schlimmer gewesen wäre. Für glückliche Menschen wäre das wohl eine vernünftige Option: „Warum soll ich all das Schöne verlieren, was ich habe?“. Für Unglückliche wäre allerdings die Treue gegenüber Gott in diesem Fall nur dann eine vernünftige Option, wenn sie mit der Angst verbunden wäre, der Schmerz könnte noch größer sein: „Vergiss meine Misere. Gott könnte mich auch noch krank oder noch kränker machen oder den Kindern was widerfahren lassen“. Zugegebenermaßen ist die Angst ein starkes Motiv zur Loyalität. ABER wenn Gott zurecht zugemutet würde, die Angst auf diese Weise auszuspielen…

..

…wer wäre dann von miesem Charakter?

Das ist nicht nur zum Jux gesagt worden. Ein allgütiger Gott mit schwierigem Charakter ist eine Art christlicher Zeus; schlimmer noch: eine contradictio in terminis. Ergo können unglückliche Menschen konsistenterweise treu zu Gott sein, nur wenn sie annehmen, er wäre ihr Nutzenmaximierer. QED

ZEUS UND JESUS

A student of mine wanted to know the other day whether I’m still an adherent to the Orthodox Church. She had realized that some artwork from our home, clearly to be seen in some of my postings on twitter and facebook, is not the best support for this claim. This concerns above all a little Buddha and a goddess from Bali.

Now, I have to tell the student that artefacts depicting gods are not really obstacles to my being an orthodox Christian. Conceptual analysis – or any kind of analysis – however is.

Lately I had the insight that Christian ethics must be utilitarian. This view cannot be seriously vindicated in a traditional Orthodox context. And I find it quite arguable. Here’s the argument for the reader to judge:

We want to establish that at least Christians who live in misery have no consistent faith in Jesus unless they think that He’s a benefit maximizer.

If Jesus were no benefit maximizer then there would be only two explanations for this: either He doesn’t exist at all or He exists alright, however He is not eager to maximize the benefit of His creatures (think of Job etc.) If we accept the first option, faith is not the issue anyway. The second option however, implies, once accepted, that you must have believed that God is either indifferent about His creatures and how they’ll improve their living or that He is interested after all but cannot intervene because this is already the best possible world. In the first case loss of faith – although not faith in God’s existence – is morally justified. In the second, faith is only reasonable if paired with concern that without God we’d be in a situation much worse than the one in which we are right now. Happy people would see a reasonable option in this: „I don’t risk losing what I have“. Unhappy people, however, would be reasonably said to have faith in God if they would be anxious to suffer more than they suffer now: „I don’t care about my misery. God could have made me regret my laments“. However, if God is ascribed an attitude like this then…

then…

then…

…then who would be of a bad character?

This is a joke, of course. But much more than a joke, goodness and a bad character would make Jesus a Christian Zeus. And, what is worse, the combination of these properties would be a contradictio in terminis. As one sees, the unhappy cannot be consistently faithful to the God of Christianity unless they accept Him as a benefit maximizer. QED

Die Wahrscheinlichkeit der Wahrheit

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Der heutige Titel kann und soll vor dem Hintergrund des Weihnachtsfestes verstanden werden. Aber er ist gleichzeitig eine Replik auf Frank Ramseys Aufsatz „Truth and Probability„. Ich erkläre die ungewöhnliche Assoziation:

Mein Argument dafür, dass Ostern ein wichtigeres Fest ist als Weihnachten, war stets, dass die Geburt eines Menschen etwas viel Gewöhnlicheres ist als die Auferstehung eines Menschen. Mit dieser Meinung blieb ich natürlich implizit dem statistischen Verständnis der Wahrscheinlichkeit verhaftet: Geburten finden wie am laufenden Band statt, Auferstehungen nicht gerade so…

Das statistische Verständnis der Wahrscheinlichkeit hat große Schwierigkeiten – allen voran den Umstand, dass es die Streuung gleichartiger Ereignisse bemisst, ohne die Gleichartigkeit endgültig bestimmen zu können. Warum ist meine Geburt mit irgendeiner anderen Geburt gleichartig? Geschweige denn mit der Geburt Christi, der ja als zeitloser Gott die menschliche Natur annahm.

Ein Anhänger der statistischen Theorie muss mit solchen skeptischen Fragestellungen leben und Ramseys Wahrscheinlichkeitskonzeption, die wegen solcher und ähnlicher Probleme die Wahrscheinlichkeit als Überzeugungsgrad ansieht, als eine philosophische Laune betrachten. Im Normalfall wissen wir ja, welche Ereignisse gleichartig sind, nachdem wir freilich die Charakteristika definiert haben, die wichtig für die jeweilige Gleichartigkeitsrelation sind.

So einfach kann man mit dem Philosophen freilich nicht abrechnen. Frank Ramsey, ein Atheist, hatte einen Bruder, Michael, der Erzbischof von Canterbury wurde. Nehmen wir nun die mereologische Summe der Überzeugungen beider Brüder: Die Ramseys würden sagen, dass nach dem Überzeugungsgrad eines Christen Weihnachten, die Annahme menschlicher Vergänglichkeit und Natur durch Gott, nur einem galt, nämlich Jesus, die Auferstehung aber uns allen zusteht. Infolgedessen muss ein Christ Weihnachten für viel weniger wahrscheinlich und deshalb für wichtiger als die Auferstehung halten.

Nach der Überzeugung eines Christen…

12 Gennesis 15. Jh. kretisch

My title today („The probability of the truth“) can and should be interpreted as referring to Christmas. But it’s also a reference to Frank Ramsey’s paper „Truth and Probability„. I would like to explain the unusual association:

For years now, I’ve had an argument for the claim that Easter is more important than Christmas. Imagine how often you’ve been witness to the birth of a human being. And then, imagine how often you’ve been witness to a resurrection. Births are more probable than resurrections. Therefore, resurrections are more important because of exceptional rarity. Of course, by this opinion I adhered to the frequency theory of probability.

Probability as frequency is a notion with quite a few difficulties. It professes to count the likeness of events of a certain shape without being able to definitely determine what being of this shape is. Why should my birth be similar to any other? Let alone to a birth like Jesus Christ’s: a divine person’s incarnation?

I have seen these and similar questions as pedantic. They’re characteristic of Ramsey’s understanding of probability as grade of belief, also characteristic of this very philosophical how-do-you-know attitude but, for God’s sake, normally we do know which events are alike. We simply define some characteristics which are important for homogeneity.

Seems easy but it’s not. Frank Ramsey cannot be refuted so simply. He, an atheist, had a brother, Michael, who became archbishop of Canterbury. Now, let’s take the mereological sum of the beliefs of the two brothers. The Ramseys would say that to a Christian’s mind the likeliness of God’s being incarnate is much less than the likeliness of a person’s resurrection. This is because only one person became incarnate but every person will resurrect.

To a Christian’s mind…

Mapping, classes, functions, icons 78 years after

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Gestern vor 78 Jahren wurde der Mathematiker und Theologe Pawel Florenskij nach einem Schauprozess bei Sankt Petersburg hingerichtet. In diesem Semester leite ich ein Seminar zu seinem Werk und in der gestrigen Sitzung ging es um seine Ansichten zur Malerei, insbesondere zu den byzantinischen und altrussischen Ikonen.

Eine Ikone ist für Florenskij eine Abbildung einer erlebten Realität. Bei der Abbildung kommt es nicht auf Realitätstreue an, sondern es kommt einzig und allein darauf an, welche Funktion mit der Abbildung Ausdruck findet. Der Naturalismus ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten.

Das Thema passte zum Gedenktag. Florenskij ist mittlerweile selber eine Ikone geworden.

In der Quellsprache, dem Griechischen, benutzt man allerdings das Wort „Ikone“ niemals metaphorisch, bezogen auf eine Person. Ikonen sind im griechischen (und im altrussischen) Sinn Darstellungen, die niemals mit dem Abgebildeten zusammenfallen.

Schon wieder ist es spät geworden und ich muss die morgige Vorlesung zu Theodor von Studion und seinen sic-et-non Argumenten gegen die Ikonoklasten vorbereiten – so ein Zufall aber…

Deshalb höre ich jetzt mit diesem Beitrag auf und klicke ein anderes Icon an.

orththeol

78 years before yesterday, Pavel Florensky, the Russian mathematician and theologian was executed near Saint Petersburg after a show trial. Yesterday, my Florensky class was dedicated to Florensky’s views on painting, particularly to Byzantine and Old Russian  icons. For Florensky, an icon is a map of a perceived reality. A map is not supposed to be faithful to the original. The mapping is only supposed to represent a certain function. Naturalism is only one of many options.

The topic was very suitable for the anniversary. Florensky himself has become an iconic figure.

In the language, however, from which the word „icon“ originates, i.e. in Greek, „icon“ never refers metaphorically to a person. An icon in the Greek (and the Old Russian) sense of the word is a map which never coincides with the mapped thing.

But now it’s late and I have to prepare tomorrow’s lecture on Theodore Studite’s sic-and-non arguments against the iconoclasts – an unbelievable coincidence. I’m hurrying up to post this and to click on another icon.