From now on, also logicians have a reason to respect the ten commandments

Here‘s the story:

Sophia

Logiker haben ab sofort keine Entschuldigung mehr, wenn sie die zehn Gebote übertreten. Vgl. meinen Artikel im neuesten Heft von Sophia.

Bin ich ein Neophänomenologe?

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Zwar bin ich kein Phänomenologe, aber aus religionswissenschaftlicher Sicht erscheinen ein paar Gedanken, die ich u.a. in diesem Blog geäußert habe, “neophänomenologisch”. Zuletzt wurde mein Blog in diesem Kontext in Steffen Führdings Interview bei Christoph Wagenseil erwähnt (gegen Ende des Gesprächs).

ENOUGH WITH SCROLLING

God knows, you cannot call me a phenomenologist. But from the point of view of Religious Studies some thoughts which I have been expressing also in this blog among other places, appear “neo-phenomenological”. The last episode of this ongoing debate was played in the blog of the Media and Information Service for the Religious Studies. Check it out towards the end of the interview which Steffen Führding gave to Christoph Wagenseil (in German).

Karlheinz Deschner und die analytische Philosophie

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Jedes Mal, wenn ich bei der Zugfahrt von Erfurt in Richtung Nürnberg an Haßfurt vorbeifahre, denke ich an Karlheinz Deschner, der dort lebte. Das werde ich weiterhin tun, nachdem er nicht mehr dort oder sonstwo lebt.

Analytische Apologeten wie Richard Swinburne und Alvin Plantinga sind äußerst selten. Die majoritäre Haltung der analytischen Philosophie war seit Russells und Carnaps Zeiten die Skepsis gegenüber der Metaphysik, insbesondere gegenüber religiös motivierter Metaphysik.

Auch die Epigonen des Wiener Kreises blieben dieser Linie treu. Wolfgang Stegmüllers Rezension von John L. Mackies Wunder des Theismus stellt nach 176 Seiten (!) abschließend fest, dass ” die uns bekannten monotheistischen Religionen auf einer für sie unverzichtbaren Existenzannahme beruhen, die vermutlich falsch ist” (W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Bd. IV, Stuttgart: Kröner, 1990, 518). Aber Stegmüller war ein Philosoph. Er interessierte sich für die Existenzfrage, konnte aber nicht wissen, ob die monotheistischen Religionen in ihrer geschichtlichen Ausgestaltung inkonsistent sind.

Einen Nachweis, jedenfalls einen Teilnachweis dafür, dass theologischer Anspruch und “Kriminalgeschichte” des Katholizismus unvereinbar sind, glaubte er wohl bei Deschner zu finden. Jedenfalls soll Karlheinz Deschner nach Wolfgang Stegmüllers Worten “der bedeutendste Kirchenkritiker des [20.] Jahrhunderts” gewesen sein.

Auch andere analytische Philosophen waren von Deschners Arbeiten angetan, so z.B. der Popper-Schüler Hans Albert, dessen Rücken auf dem Foto unten mit dem Kirchenkritiker abgelichtet wurde.

Offene Atheisten gab es in der Gesellschaft der genannten Religionskritiker nicht. Rationalisten sind fast nie offene Atheisten. Um es auf English auszudrücken, stellt der Atheismus eine lose-lose situation dar: Denn entweder gibt es ein Leben nach dem Tod oder nicht. Wenn der Atheist Recht darin hat, dass es keinen Gott und kein Leben nach dem Tod gibt, dann ist er nicht mehr da, um seinen Sieg zu genießen, wenn seine Überzeugung verifiziert wird, denn die Verifikation seiner Überzeugung ist sein Tod. Und wenn er Unrecht hat, dann existiert er nur weiter, um seine Niederlage einzugestehen. Die Situation des Theisten ist die umgekehrte win-win situation: er überlebt seine Niederlage nicht, genießt aber seinen Sieg.

Ich weiß nicht, was ich hoffen soll: Ist es besser, wenn Deschner seit letztem Dienstag irgendwelche Bewusstseinszustände hat, oder müsste ich ihm lieber die Existenzlosigkeit wünschen?

Deschner_Albert

Whenever my train passes through Haßfurt I think of Karlheinz Deschner who lived there. I’ll continue to think of him after he doesn’t live there anymore – after he doesn’t live anywhere…

Analytics are almost never apologists. People like Richard Swinburne and Alvin Plantinga are in the minority. The vast majority of analytic philosophers has been since Russell’s und Carnap’s times skeptical against metaphysics, let alone religiously motivated metaphysics.

The epigons of the Vienna Circle remained faithful to this line of thought. Wolfgang Stegmüller’s review of John L. Mackie’s Miracle of Theism concludes after 176 pages (!) that “the monotheistic religions with which we are familiar are irresolvably connected with the assumption that God exists as their basis – an assumption probably false.” (W. Stegmüller, Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Bd. IV, Stuttgart: Kröner, 1990, 518). Stegmüller was a philosopher. He was interested in the question about God’s existence but he didn’t know whether the monotheistic religions were inconsistent in any other respect.

In Deschner’s work, however, Stegmüller appeared to discover the indications he needed that the theology and the “criminal history” of catholicism are in deep disagreement. The philosopher named the man from Haßfurt “the most important church critic of the [20th] century”.

Stegmüller was not the only analytic philosopher who was enthusiastic about Deschner’s work. The man whose back can be seen on the picture above while he’s discussing with the church critic is Sir Karl Popper’s disciple Hans Albert.

However, there were no open atheists in the club of the critics of religion whom I just mentioned. Rationalists are almost never open atheists. They know that atheism is a lose-lose situation. Because either there is an afterlife or there is no such thing. But if the atheist is right in his rejection of an afterlife he will not be there to enjoy his victory since the verification of his rejection of an afterlife is his death. But if he is wrong, he will be there only to acknowledge his defeat. By constrast, the theist’s is a win-win situation: he does not survive his defeat but enjoys his victory.

I’m not quite certain what would be the best thing to wish to Deschner after last Tuesday. Should I wish him to have some states of consciousness or rather to be inexistent?

Just released!

Greta und Gott

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Wir haben schon Kinderbücher zu Hause. Aber ich finde es toll, wenn sie versucht, den Namen ihres Vaters herauszulesen.

Das Inhaltsverzeichnis des Sammelbandes können interessierte Leser dem englischen Teil dieses Beitrags entnehmen.

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Not quite the kind of book I normally give my children to read. But it’s nice when she tries to spell out her dad’s name.

The contents:

Robert Sokolowski, “Foreword: The Name of God”, pp. 9-16.

Robert Spaemann, “What Do We Mean when We Say “God”?”, pp. 17-36.

Fr. Thomas Joseph White, OP, “Monotheistic Rationality and Divine Names: Why Aquinas’ Analogy Theory Transcends both Theoretical Agnosticism and Conceptual Anthropomorphism”, pp. 37-79.

Lawrence Dewan, “Thomas Aquinas and Knowledge of a God as the Goal of Philosophy”, pp. 81-126.

Stamatios Gerogiorgakis, “Bayesian Theism and the Interpretation of Bayesian Probabilities”, pp. 127-145.

John F.X. Knasas, “The “Suppositio” of Motion’s Eternity and the Interpretation of Aquinas’ Motion Proofs for God”, pp. 147-178.

Paul Thom, “Shades of Simplicity”, pp. 179-196.

Michael J. Dodds, “The God of Life, the Science of Life, and the Problem of Language”, pp. 197-231.

William J. Wainwright, “Divine Impassibility”, pp. 233-274.

Linda Zagzebski, “Divine Foreknowledge and the Metaphysics of Time”, pp. 274-302.

Anselm Ramelow, “The God of Miracles”, pp. 303-364.

An epitaph for a project

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Seit gestern weiß ich, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft mein Projekt abgelehnt hat, in dessen Rahmen ich feststellen wollte, ob die religiöse Konversion eine “ganz normale” Überzeugungsrevision darstellt.

Ich wollte sehen, ob die Verhaltensmuster, die relevant sind, wenn ich meine Meinung über Produkte ändere und doch das “andere” Produkt kaufe, auch im Fall der religiösen Bekehrung vorhanden sind. Vor allem gälte mein Augenmerk der Nichtmonotonität und dem Konservatismus im Entscheidungsprozess: Ist es so, dass mehr und mehr abzulehnende, blödere und blödere Alternativen im religiösen Leben, einen dazu führen, auf eine bereits abgelehnte aber eben nicht dermaßen blöde Alternative zurückzugreifen? Und optiert der Konvertit lieber dafür, alle seine Überzeugungen zu ändern oder bevorzugt er die kleineren Änderungen? Als empirische Basis hätte ich Beispiele von Konversion aus historischen, meist mittelalterlichen Quellen verwurstelt. Ich finde so etwas nicht wild. Ein heutiger Bericht ist nicht glaubwürdiger als die mittelalterlichen.

Im Nachhinein kann man sagen, dass es ein gravierender Fehler meinerseits war, es als ein religionswissenschaftliches Projekt anzumelden. In der Göttinger Konferenz der deutschen Religionswissenschaft im September bestand mein Publikum fast ausschließlich aus Studenten. Ja, im Nachhinein kann man sagen, dass es dumm meinerseits war, ein Projekt, in dem der ganze Formalismus der belief-revision-theory vorausgesetzt war, in einem Fach anzumelden, das sich nach außen zwar zur Interdisziplinarität bekennt, das im Inneren jedoch voller Animositäten gegenüber dem Formalismus ist, ja die Rationalität in Zweifel zieht.

Wären meine Chancen besser gewesen, wenn ich es als philosophisches Projekt angemeldet hätte? Vielleicht, wenn ich den Antrag zusammen mit einem Psychologen gestellt hätte. Aber er müsste habilitiert sein und das Projekt toll finden und weiß der Geier noch was… Angst vor der Haltung von sprachanalytischen Gutachtern gegenüber insbesondere der Religionsphilosophie hatte ich auch noch, obwohl (weil!) ich selber Vereinsmitglied bin; und ebenfalls Angst vor der Haltung von kontinentalen Gutachtern gegenüber dem Formalismus.

Das Projekt ist tot. Ich bestattete es in diesem Beitrag. If only the sun would shine through my window pane, to the place I keep my books… Van Morrison und Bob Dylan auf dem Philopappos-Hügel:

Van Morrison sang “And the sun shone through your window pane to the place you kept your books”. He felt like singing it because he was in Athens, I suppose. Anyway it’s not very likely for the sun to shine upon my books today in my place in Bavaria. It would give me some hope after what happened yesterday.

The German Society for Scientific Research (DFG) rejected my project to investigate whether religious conversion is a “normal” belief revision.

What I wanted to explore was if the same patterns which are the case when I change my mind on certain products and buy something that I rejected in first place – if these patterns are still valid when I change my mind concerning faith. My focus would be on nonmonotonicity and conservatism in the decision process. Does the emergence of more and more ugly things I have to do or say when I belong to a religious community lead me to return to another faith which I rejected when I first encountered it? Are piecemeal changes in my web of beliefs concerning religion more likely to happen than a full conversion? My empirical basis would be historical records of conversions, mostly from the Middle Ages. Not that strange, if you ask me. Why shouldn’t records from the past be as credible as contemporary witnesses?

Post festum one can say that it was my mistake to apply in the funding scheme for the religious studies – not for philosophy. In the Göttingen conference of the German religious studies last September my public consisted almost solely of students. Maybe I was stupid to make religious-studies scholars read as referees a project which presupposed the use of the logical formalism contained in the belief-revision theory. I mean, I know some people who became religious studies scholars just because they were persuaded that rationality is evil or wrong…

Would my chances have been better if I had announced that it is a philosophical project? Well, perhaps, if the application were together with a psychologist. But then, he should have to have also a habilitation, plus he should be someone who thought it was a viable project, plus, plus, plus… Additionally, I was afraid of the judgment of German analytic philosophers on a project in philosophy of religion – although strictly speaking I’m a club member myself… And I was afraid of the judgment of all the others also…

The project is dead. This entry is its funeral. Van Morrison played the guitar and sang, Bob Dylan played the harmonica…

Matrimonium et pandaemonium

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Ich publiziere das trotz der reellen Gefahr, dass meine Frau es liest:

Descartes und Leibniz und Gödel – ich nenne nur die wichtigsten Vertreter dieser Denkrichtung – analysieren den Gottesbegriff so: Gott ist das Wesen, das alle positiven Eigenschaften und keine negative Eigenschaft verkörpert.

D.h. wenn Gott eine Eigenschaft hat, dann ist diese positiv, und wenn eine Eigenschaft positiv ist, dann hat sie auch Gott.

Ich dachte während meiner jahrelangen Beschäftigung mit Descartes und Leibniz und Gödel, dass das eine Begriffsbestimmung ohne einen für mein Leben praktischen Wert wäre. Aber so sind die plötzlichen Einsichten: Sie verblüffen unverhofft. Vor Kurzem ist mir nämlich eingefallen: Gott ist nicht verheiratet!

Wem wiederum nicht nur positive Eigenschaften zugeschrieben werden, der kann wohl wie die alten Götter verheiratet sein. Lassen wir überdem Annibale Carracci über Heras Gestalt annähernd richtig gelegen haben (annähernd, sage ich…), dann besaß Zeus mit seinen großen Momenten samt Gattin sicherlich eine weniger negative Eigenschaft als bei seinen Eskapaden mit in Kühe verwandelten Frauen!

Unter’m Strich muss ich wohl den Ehestand doch noch bejahen…

Annibale Carracci - Jupiter et Juno

I’m posting this notwithstanding the risk that my wife reads it:

Descartes and Leibniz and Gödel – to mention only the few most important representatives of this line of thought – analyse the concept of God in the following way: God is the entity who possesses all positive properties and no negative property is possessed by God.

In other words, if God has a property then this is a positive property, and if a property is positive then God has it.

I thought during my long occupation with Descartes and Leibniz and Gödel that this is an analysis withouth a practical value for my life until I realised only today that there must be some connection between this analysis and the fact that God is not married!

Those to whom not only positive properties are attributed, like the old Gods, may be married of course. And if Annibale Carracci was right in his depiction of Hera’s body (to some extent, she didn’t need to be that gorgeous…), then having great moments with his spouse was to Zeus a property definitely not as negative as having these other moments with women turned to cows!

So, I suppose that I’m affirming marriage after all…