Dyscalculia and Kripkenstein and Christmasstein

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Ich liebe Weihnachten.

Hassen tue ich nur die Art, wie es begangen wird. Ich fühle mich fehl am Platz oder eben in der Zeit, wenn ich Ende Dezember weiter nachdenke, wo es zum Brauchtum gehört, das Negieren des Denkens besonders vehement zu üben.

Dem neuen Trend, Dyskalkulie als ein klinisches Bild zu umreißen, kann ich durchaus Gutes abgewinnen. Nicht dass ich die Dyskalkulie für einen physischen Defekt halte. Eher für einen philosophischen Hang zur Skepsis. Aber bei jedem philosophischen Knacks verringert es den Stress, wenn man externalisiert, wenn man sagen kann: „Das bin nicht ich, sondern das Daimonion“ – so frei nach Sokrates.

Bei den Dyskalkulie-Betroffenen ist ein skeptisches Daimonion am Werk. Es diktiert als Fortsetzung der Reihe:

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sowohl diese:

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als auch diese:

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Dyskalkulie-Betroffene ändern die Regeln, weil sie keine präzise Regel erkennen. Aber so spielen Kinder die ganze Zeit. Selbst Erwachsene sind nicht in der Lage, sich in die Lage eines Autisten hineinzuversetzen, der bei einer einminütigen Verspätung des Zuges aggressiv wird. „Die einminütige Verspätung ist keine Verspätung“ sagen Sie? Das ist eindeutig nicht wohlkalkuliert!

Es ist eine sehr wichtige Lektion aus Wittgensteins Spätphilosophie, dass jedes Regelverständnis ein Verständnis für die Art vorausssetzt, wie die anderen die Regel verstehen. Das ist zirkulär. Man kann argumentieren, dass diese Lektion nicht Wittgensteins Intention war, nur Saul Kripkes Interpretation der Spätphilosophie Wittgensteins. Das macht die Lektion nicht weniger wichtig.

Meine Lektion habe ich auch gelernt mit dem Ergebnis, dass ich insbesondere an Weihnachten Sympathie für die Dyskalkulie hege. Denn ich habe Dysfestie – so nenne ich sie jedenfalls. Ich verstehe nicht, wieso wir etwas feiern, was wir weniger und weniger – OK, ich verstehe das vielleicht – bis  militanterweise antiintellektuell und bis ins Knochenmark feindlich begehen.

Frohe Weihnachten allerseits!

PS: Das Gemälde von Nikephor Lytras Ta Kalanda (1872 – ungefähr zu übersetzen als „Das Kalendenlied“) schildert einen griechischen Weihnachtsbrauch und steht unter dem Einfluss der Münchener akademischen Schule. Als jahrzehntelang Münchener und als jemand, der immer noch den Brauch begeht, fühle ich mich Lytras an diesen Tagen sehr nah.

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I love Christmas.

I only hate the way it’s typically celebrated. When I continue thinking during Christmas time, I feel like being a phoney just in the time of the year in which thinking is mostly disallowed.

Defining dyscalculia as something that is clinically diagnosed serves as a means to reduce the stress and to externalise. A Socratic person with dyscalculia can say something to the effect of: „It’s not me, it’s the demon who causes my failure to do a number of things concerning numbers“. Although I don’t think that dyscalculia is a handicap in the sense of dyslexia, I’m very positive towards the new trend to see it as an obsession in the broadest meaning of the word.

However, I don’t think that dyscalculia has a physical grounding. Rather a philosophical. People with dyscalculia are sceptics who can do nothing about it.

Take the sequence:

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Do you continue it thus:

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Or thus:

⏹⏺🔼⏹⏹⏺🔼⏹⏹⏺🔼⏹?

Here, the rule is not clear. But, in a way similar to this, no rule is clear and this is why one has to use imagination in every rule following. To me dyscalculia appears to be akin with playing games by rules that you feel inclined to slightly modify in the process. This is the way kids usually play games and the reason even we as adults can’t feel empathy for an autistic person who gets aggressive because the train had a one-minute delay. „One minute is not a delay“ I hear you saying. This appears to be a dyscalculous approach.

Kripke showed that a very basic lesson to learn from Wittgenstein’s late philosophy is that, in order to understand a rule, it is essential to understand how the rule is to be understood – which is a circular thing… It is argued that this lesson wasn’t Wittgenstein’s intention but even so, the lesson is there.

Having learned my lesson, I appear to have empathy for people with dyscalculia in a certain way: I have dysfestia – if I may call it thus. I don’t understand how comes that we celebrate something we cared less and less and less about – OK, maybe I understand that – to finally not care about it at all and militantly so.

Merry Christmas everybody!

PS: The painting is Nicephorus Lytras’s Ta Kalanda (1872), a masterpiece in the manner of the Munich School depicting a Greek Christmas custom.

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Putnam’s Cambridge properties

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Cambridge-Eigenschaften sind Eigenschaften, die keinen Wandel oder Beeinflussung ihres Trägers nach sich ziehen. X kommt z.B. eine Cambridge-Eigenschaft zu, wenn er in einem Leipziger S-Bahn-Waggon unterwegs ist, von dem aus fünf Stunden vorher eine ihm völlig unbekannte junge Frau ihren Freund anrief, um sich bei ihm – beim Freund, nicht bei X – zu entschuldigen, da sie sehr verliebt in ihn sei – d.h. in den Freund, nicht in X. Das ist  zwar objektiv gesehen eine Eigenschaft von X, es ist allerdings umstritten, ob man sie als echte Eigenschaft betrachten sollte…

Um gleich mit meiner Meinung herauszurücken, sind Cambridge-Eigenschaften echte Eigenschaften. Sie sind wohldefiniert, sie sind nicht fiktiv – jedes Argument dagegen wäre nur abenteuerlicher als diese direkte Antwort. Gewiss sind mir meine Cambridge-Eigenschaften unwichtig und es ist besser so, weil sie unendlichviele sind. Aber sie sind da. Ich habe etwa die Cambridge-Eigenschaft, Besitzer eines Ausweises mit einer Nummer zu sein, deren Differenz von 1017 eine Zahl x beträgt; ebenfalls Besitzer eines Ausweises mit einer Nummer, deren Differenz von 1017+1 eine Zahl x+1 beträgt usw.

Hilary Putnam hatte auch unendlichviele Cambridge-Eigenschaften (dass er an der MIT in Cambridge Massachusetts lehrte, hat nichts damit zu tun) und eine von ihnen ist, dass er 2004 an einer Einstellungskommission für die Besetzung einer Laufbahnstelle an der Uni Zypern teilnahm, in der Leute das Sagen hatten, die ihm mindestens so unbekannt waren wie ihnen jegliche akademischen Standards. Selbst wenn ihn das geärgert hat, der Umstand, dass die restlichen Mitglieder so waren, beeinflusste ihn in keinster Weise. Dass solche Menschen physisch bei ihm saßen, ist also eine Cambridge-Eigenschaft von ihm.

Auf Zypern habe ich Putnam im Jahr 2004 getroffen – zum ersten und einzigen Mal. Von München nach Zypern zu fliegen war mir gerade mit einer Ehefrau in einer komplizierten Schwangerschaft schwer gewesen. Für ihn war der Flug von Tel Aviv, wo er damals einen Lehrauftrag hatte, viel unbeschwerlicher. Beide mussten wir dort sein. Er war externer Gutachter und der einzige, der meine Bewerbung unterstützte, und ich war – gerade habe ich’s verraten – Kandidat.

Ich muss an diese alte Geschichte denken und kann nicht umhin, als zu denken, dass selbst der Ärger mit Menschen mit einer wissensfeindlichen Agenda für Putnam in einem gewissen Sinn eine Cambridge-Eigenschaft war. Für die Persönlichkeit des Individuums namens „Putnam“ bedeutete das nichts, denn Individuen, die von einem Eigennamen rigide designiert werden, haben sehr wenige wesentliche Eigenschaften und ihre restlichen Eigenschaften berühren ihr Wesen nicht im Kleinsten. Aber dann sind diese restlichen Eigenschaften Cambridge-Eigenschaften. Das ist ein radikaler Gedanke, denn zu Ende gedacht impliziert er, dass die Eigenschaft, Autor des legendären Aufsatzes „The Meaning of Meaning“ zu sein, auch eine von Putnams Cambridge-Eigenschaften ist.

Obendrein ist es ein kripkescher, kein putnamscher Gedanke. Der Grund dafür ist folgender: Die Byzantiner hatten einen offiziellen Titel für den führenden, lebenden Philosophen ihres Reiches: den „Philosophenfürsten“ – den hypaton ton philosophon. Wären sie Byzantiner, dann wäre Putnam seit dem 13. März Kripkes Vorgänger mit diesem Titel.

Sit sibi terra levis.

Kripke and Putnam

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Cambridge properties are properties of the kind that having them implies no change for or makes no difference to their bearer. An example would be X’s property of using now a Leipzig suburban train that an unknown to him young woman used five hours ago while calling her boyfrend to ask him – her boyfriend, not X – to forgive and console her for being so deeply in love with him – her boyfriend, not X. Not quite the kind of thing that would affect X…

To say it in advance: I think that Cambridge properties are real properties. They’re properly defined, they’re not fictional – what else do you need? It’s true, my Cambridge properties are unimportant to me and they’re infinitely many as well, but I do have them after all. I have the Cambridge properties of having a social security card number whose difference from 1017 is x; and the property of having a social security card number whose difference from 1017+1 is x+1 etc.

Like everyone else’s, Hilary Putnam’s Cambridge properties (yes, Putnam did teach at the MIT at Cambridge Massachusetts but don’t get confused with the different usages of „Cambridge“) are infinitely many as well. One of them I happen to know of is that in 2004 he participated in a committee dominated by colleagues of whom he didn’t know the names but who had an agenda of standards other than academic. I mean, certainly the fact that other members of the committee had an agenda of standards other than academic standards didn’t affect Putnam and, therefore, it is a Cambridge property to be in the same committee with them. The property of being angry at them wouldn’t be one of his Cambridge properties if he happenned to have it – which I don’t know.

I met Hilary Ptunam for the first and only time in his function as a member of this committee. For me, it was a long journey from Munich to Cyprus and a difficult one: my wife had a difficult pregnancy with our eldest. For him, it was a much shorter trip from Tel Aviv where he’s had teaching appointments. Both of us had to be there: me as a candidate for a tenure-track position, he as an external referee – and I have to say: as the only supporter of my candidacy there and then.

When I think about this old story, I can’t help thinking that also being angry at the other members of the committee would be, in a sense, one of Putnam’s Cambridge properties. Because, on one hand it does affect someone to be angry but this is not a change for the personhood of the individual named „Putnam“. Individuals designated rigidly have very few essential properties, their remaining properties being of the kind that they don’t change the individual or the human person. But then all these remaining properties are Cambridge properties by the definition of the term. By this account, also writing the legendary paper „The Meaning of Meaning“ is one of Putnam’s Cambridge properties.

This sounds rather like a Kripke, not a Putnam account on Cambridge properties, and there’s a reason for this: the Byzantines had a title for the leading living philosopher of their state: hypatos ton philosophon. If they had been Byzantines, on March 13th Putnam would have left this title for Kripke to inherit.

Sit sibi terra levis.