Gestalt floristry

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Der Unterschied zwischen einzelnen Schnittblumen und Blumensträußen ist ein mereologischer: hier die Einzelnen ohne Ganzes, da das Ganze. Begründet sehe ich besagten Unterschied in der Anordnung der Teile. Damit ist die Anordnung kein Teil von vielen Blumen einzeln betrachtet, sehr wohl aber Teil des Ganzen in einem Blumenstrauß. Da aber auf dem Boden der empirischen Wahrnehmung nur Blumen und Grünzeug erkennbar sind, ist die Anordnung von Blumen und Grünzeug ein Metateil. Damit hat der Blumenstrauß einen Metateil als Teil.

Unsere Große hat ihre ersten vier Theatervorstellungen hinter sich. Es geht jetzt zurück in den Alltag.

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The difference between flowers taken individually and bouquets is one of mereology. The individual flowers don’t make up a whole, the flowers of a bouquet do.

The reason for this appears to be an intended structure of flowers and greenery in the case of the bouquet, a lack thereof in the case of individual flowers.

From this I conclude that the intended structure is a part of a bouquet. If I’m right in this, a bouquet has as its parts not only flowers and greenery but also an intended structure. Thereby it has metaparts as parts.

Our elder daughter was on stage – four inspiring performances. Now we return to normal.

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Free variables for free teens

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Die Einführung in die Algebra geschieht in der Regel in der 7. Klasse. Der Lehrer sagt das unvermeidliche „Jetzt lernen wir, mit Buchstaben zu rechnen“ und die Dreizehnjährigen sollen auf einmal „tschecken“, dass die Ixen und die Ypsilons nicht für einen Laut stehen, wie sie bisher lernten, sondern Platzhalter für mathematische Werte sind. Zwar spricht der Lehrer nicht die Wörter „ungebundene Variable“ aus – die wenigsten Lehrpersonen würden den Logiker-Jargon beherrschen – aber, dass es so etwas gibt, sollen die Teens auf einmal begreifen.

Dass das nicht auf Anhieb funktioniert, verwundert oft. Auf die Gründe, aus denen es so oft vorkommt, dass Xen und Ypsilons fatalerweise miteinander addiert werden, anstatt dass sie von hier nach da geschoben und manipuliert werden, wie es der Lehrer sagt und erwartet, kommt es vielleicht nicht so sehr an. Meine Vermutung ist jedenfalls, dass die jungen Leute im Hinterkopf haben, dass „x“ und „y“ Konstante sind. Sie haben diese Zeichen ja als Konstante für phonetische Werte kennengelernt, eben Laute, und es fällt ihnen wohl nicht leicht, sie als stellvertretend für alle numerischen Werte zu betrachten.

Es gibt vielleicht die Schüler, die nach der Neudefinition von „x“ und „y“ damit beginnen, sie anders zu verwenden als im Deutschunterricht. Definitionen sind didaktische Hilfsmittel und bereits Aristoteles sowie die griechischen Mathematiker betrachteten es bereits in der Antike als nützlich fürs Lernen, wenn Buchstaben die Variablen bezeichnen. Allerdings sind die didaktischen Hilfsmittel für Erwachsene nicht immer geeignet für Kinder und mir jedenfalls ist nie bisher ein dreizehnjähriger Bourbakist untergekommen. Da wird man didaktisch zum Konstruktivisten. Meiner großen Tochter habe ich mit Jolly Roger und Pink Panther an Stelle von „x“ und „y“ den Umgang mit freien Variablen beigebracht. Die freien Variablen definiert habe ich niemals bei ihr. Höchstens habe ich das in dieser Lehrveranstaltung in Erfurt vor Jahren gemacht, die Prädikatenlogik zweiter Stufe voraussetzte, was ich im Schnelldurchgang machte. Aber selbst da glaube ich nicht, dass die Studenten wegen meiner Definition die Zeichen korrekt manipulierten.

Jedenfalls macht es den Kids Spaß, alberne Bilder als semantisch ungesättigte – und deshalb unkalkulierbare – Symbole loszuwerden, wenn sie sie im Zähler und im Nenner desselben Bruchs vorfinden. Herzchen und Fische sind so ungewöhnlich in diesem Kontext, dass sie niemals versuchen werden, mit ihnen zu rechnen. Schnell werden sie erkennen, dass das Verhältnis 4💰/2💰 zwei zu eins beträgt. Sie sind dagegen oft nicht so sicher, wenn sie 4x/2x sehen, ob der Bruch um die Xen zu kürzen ist. Keine Ahnung warum! Vielleicht, weil man „tableaux“ nie um das „x“ kürzt, auch wenn das stumm ist.

Selbst wenn der Groschen nicht fällt, dass sie auch in der Algebra Faktoren zu eliminieren versuchen sollen, den klassischen Fehler des Addierens von 2x und 2y zum Ergebnis 4xy werden die Schüler, wenn sie komische Icons statt „x“ und „y“ haben, nicht mehr machen. 2☠️ und 2❤️ ist für sie nicht 4☠️❤️.

Ein offensichtlicher Nachteil des Ganzen ist, dass alberne Bilder unschön sind. Wer also glaubt, dass es in der Mathematik um Eleganz geht – ich z.B. – sollte schöne erfinden.

Sie sollen nur abstrakt genug sein, um den Eindruck zu erwecken, hier gehe es um Platzhalter, die viele mögliche Werte suggerieren.

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Traditionally, algebra begins in the 7th grade. Teachers talk the obligatory „now-we’ll-calculate-with-letters“-talk and the teens are supposed to see that these letters are unbounded variables. I mean, the teacher doesn’t tell them they’re unbounded variables and she’ll rather ignore the logician’s jargon, but she understands letters to be unbounded variables and expects students to understand them this way too.

However, teens have often huge problems with this. They’ll rather want to calculate with these „x“s and „y“s – fatal mistake! – instead of trying to drag them from here to there and to manipulate them like they’re supposed to do. One reason for this highly defeasible tendency could be the fact that for six or seven years schoolchildren have been treating „x“ and „y“ and „a“ and „b“ as having one value – a phonetic, of course, but, still, one-and-only value. And now the teacher wants them to start treating them as gaps for any value? That doesn’t work. I mean, it works for mathematics and logic but here I’m talking didactics. Constructivist didactics maybe; however the more I’ve worked with teenagers – but also with university students – the less sympathetic I’ve become towards Bourbakism.

Already Aristotle and the Greek mathematicians have used letters as variables. I am fond of this huge heritage but my daughter grasped the thought behind the „x“ and the „y“ after I started to use them interchangeably with hearts, the Jolly Roger and the Pink Panther. Kids will rather try to rid these symbols off if they see them in the numerator and the denominator of the same fraction instead of calculating with them. But they’ll not try to rid off letters in analogous cases. But, I mean, you don’t get rid of „x“ in the word „tableaux“ either, do you? At any rate there is something in letters that blocks them when they’re about to amplify an algebraic fraction.

And even if they don’t get the clue behind eliminating variables as factors, by using funny icons instead of letters as symbols for variables at least you can forget the classical mistake of taking 4xy to equal the sum of 2x and 2y. No way they would sum up 2☠️ and 2❤️ to be 4☠️❤️. And, as I said, they’ll quickly recognise that the ratio of 4💰/2💰 is two to one, which is not always the case when you give them 4x/2x.

These didactical tools have at least one disadvantage: they are not beautiful. This is why, for those who believe that maths is about beauty – and I do believe so – they are suboptimal. But this is only a technical problem to be solved with the creation of beautiful icons.

One has only to take care that they’re abstract enough to suggest variables.

A man has to do what a man loves to do

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Wenn die Schüler in ihren Graffiti auf einen Zusammenhang zwischen Ethik und Ästhetik hinweisen, dann spricht das wahrscheinlich für ihr außergewöhnliches Interesse am Fach Philosophie in der Schule – dachte ich bei der Entdeckung obigen Schriftzugs. Oder für eine Hannah Arendt und Gottfried Seebaß nahestehende und in jedem Fall Kant und Popper gegenüber feindselige Haltung. Oder für Beides, was aber nicht sein muss. Man kann nämlich Arendt anhimmeln, ohne Philosoph zu sein. Den moralischen Ästhetismus neomarxistischer Couleur (Klassenkampf aus ästhetischen Gründen sozusagen) habe ich über Umwege erst 2000 bis 2003 in Griechenland kennengelernt und – da muss mich der Leser entweder glauben, oder selber recherchieren – er ist philosophisch extrem dünn.

Andererseits spricht „küssen“ von keiner festen Beziehung. Wenn die Ästhetik sozusagen eine flüchtige Affäre der Ethik ist, dann schadet das wohl der kantischen Morallehre nicht.

Jüngst entdeckte ich, dass der Schülerspruch „Ethik küsst Ästhetik“ von einem Laden in Downtown-Basel abgekupfert ist. Seitdem stelle ich mir manchmal die Kunden besagten Ladens als solche vor, die reingehen, ausschließlich um Schönes und Luxuriöses zu kaufen – was jedenfalls auf den ersten Blick untugendhaft erscheint. Nicht nur die Tugendethik erhebt hier einen Einspruch. Es drängt sich auch das kantische Bedenken auf, ob sie pflichtbewusst handeln, falls sie Moralität konsumieren (Fair-Trade-Zeug), weil diese schön aussieht.

Nun ist die Schönheit nicht das Kriterium des moralischen Handelns. Schiller war ungerecht gegenüber Kant, als er ihn so verstand, er würde vorschreiben, nur Unangenehmes könnte man aus Pflicht tun. Es gibt durchaus angenehme Pflichten.

Man kann einwenden, dass der Kunde per definitionem nicht aus Pflicht handelt, falls er Fair-Trade-Produkte nur deshalb kauft, weil sie schön sind.

Andererseits kommt es bei der Erfüllung einer Pflicht nicht auf die Absicht an. Man muss nicht aus Pflicht eine Pflicht erfüllen.

Fazit: Küsse zwischen Ethik und Ästhetik sind OK. Pflichten dürfen angenehm sein. Vielleicht sind sogar unangenehme Pflichten in einer gewissen Hinsicht auch angenehm, wie Workaholics ständig beweisen.

Ich bleibe dabei, den Ästhetismus als philosophisch dünn zu betrachten. So viel Popperianismus darf sein. Aber ich betrachte ihn nicht als das ultimativ Böse. Blutjunge Leute sollen doch ruhig das Gute mehr mit dem Angenehmen verbinden dürfen. Etwas anderes von ihnen zu verlangen, würde nur Neid verraten.

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First I discovered the graffito in the atrium. It said „Ethics kisses aesthetics“, which I saw as witnessing reflection and as reflecting the students‘ engagement for philosophy as a subject. Months later, I discovered this shop in downtown Basel with the same slogan, which made me think that I was wrong about the students‘ engagement. I imagined the customers of the shop: going in, in one of the universe’s most expensive spots, buying overrated commodities with prices saltier than the cheese they make for the aperitif a couple of miles souther, and leaving the shop after having done something good for the world after they bought things they would never have bought if they didn’t appear luxurious to them. Not quite the action you’d call „virtuous“.

Aestheticism makes me button my moral coat. Moralist aestheticism, a Neomarxist one, was a concept I had encountered in Greece between 2000 and 2003. It was something like a state philosophy back then, with direct contacts to the almighty ministry, and it remains very influential today – just as influential as it is philosophically hollow.

Notwithstanding my general Popperian aversion against aestheticism, I would never go as far as to say that duties must be unpleasant. This is how Schiller misinterpreted the Kantian concept of duty and one really doesn’t have to be as good in poetry and as bad in philosophy as Schiller.

The customers of the shop do act morally after all when they buy luxuries there, under the condition that they are benefactors of moral agents and the shop is one such. The kiss between ethics and aesthetics is an acceptable one. Even Kantianly so… Fulfilling duties doesn’t have to be unpleasant. The kiss doesn’t need to be one in an unimportant affair to be forgiven. Let ethics and aesthetics be a couple for good – no moral objection there!

But if this concept becomes the new paradigm in ethics, who will do the unpleasant duties? I’d say to this that even unpleasant duties have pleasant sides. Don’t workaholics demonstrate this constantly?

This is why aestheticist students don’t offend my view on ethics. It’s no good for me – it’s hollow. But it’s alright for them and morally acceptable.

Romeo and Juliet

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Wer „Bildung“ und „Ausbildung“ in einem Atemzug benutzt, wird wohl denken, dass das Hauptthema von Romeo und Julia darin besteht zu mahnen, Emails nie ohne Empfangsbestätigung zu verschicken.

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To use „education“ and „qualification“ interchangeably is to think that the main thing to learn from Romeo and Juliet is to send your emails with the message receipt option.

Help racists to get to know the people at their local employment office

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Meiner Meinung nach sollten Plädoyers für die Eugenik in einem demokratischen Land strafbar sein. Die IQ-Forschung ist z.B. eine Art Astrologie, die Teile der Sozialisation auf genetische Faktoren zurückführt und sehr nah bei der Rassenhygiene liegt. Aber, selbst wenn die OECD Deutschland kritisiert, vielzuvielen Bürgern eine gymnasiale Bildung zu verwehren, sei Eugenikern der Punkt geschenkt: Sollen sie frei sein, an genetisch bedingte Eliten zu glauben. So viel Liberalität können wir uns leisten – angenommen…

Aber wenn eine große Tageszeitung in die Eugenik abdriftet, hat sie nichts in den Händen eines demokratischen Bürgers zu suchen. Es gab Zeiten, in denen Frauen und Farbigen von medizinischer Seite für die höhere Schulbildung hinreichende Intelligenz abgesprochen wurde mit Hinweis auf ihren kleineren Schädel. Die Süddeutsche will diese Zeiten zurück haben. Ein aufgeklärter Bürger braucht pseudowissenschaftlichen Rassistenjournalismus nicht zu fördern.

Keinen Cent dafür!

Und, ja, es gibt einen nichtrassistischen Weg, über Gene zu sprechen.


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Personally, I think that supporters of eugenics should be prosecuted. For example IQ: It’s hocus pocus to believe that parts of your socialisation are genetically determined and it’s too near to the nazi doctrine of „Rassenhygiene“ to prevent those with IQ < 100 from visiting high school. At the same time, the OECD has criticised Germany for preventing an unusual large number of citizens from visiting high school. But, for the sake of argument, let’s say that we can afford to tolerate eugenics talk in a democratic society.

However, when a big, allegedly liberal newspaper propagates eugenics in form of an IQ „label“ for high school students, an enlightened, informed citizen has to stop reading it. It’s a duty towards civic society! It’s a duty towards all those who fought against the racists who wanted to prevent women and blacks from going to school due to their smaller scull!

Stop buying the Süddeutsche now if you hate social racism.

And, yes, there is a non racist way to speak about genes and IQ!

Palmenkätzchen: eine Allegorie für die Kindheit, eine Metapher für die Weide, ein soritisches Rätsel

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Wer es als Philosophiehistoriker satt hat, verschiedene tote Berühmtheiten doxographisch zu besprechen, sollte mal Philosophieren mit Kindern versuchen. Nicht weil die Acht- bis – sagen wir – Zwölfjährigen ein extrem fruchtbarer Boden sind. Das natürlich auch, aber darum geht’s mir gerade nicht. Acht- bis Zwölfjährige sind am Gedanken, nicht an den historischen Umständen um einen Gedanken interessiert. Sie sind ahistorisch. Nebenbei bemerkt finde ich „Platon & Co“, die philosophische Kinderrreihe des diaphanes Verlags, sehr sympathisch, gerade weil sie nicht historisierende Darstellungen von Einzeldenkern enthält. Hätte sie noch mehr Anachronismen anzubieten, würde ich sie als noch sympathischer empfinden. Aber das ist wahrscheinlich nur mein Geschmack. Jedenfalls versuche ich für eine eigene Reihe, die bei Philosophia Verag herauskommen soll, Autoren für anachronistische Dialoge zu finden.Ockham diskutiert mit Arthur Prior; Thomas von Aquin diskutiert mit Wittgenstein usw. Das wäre freilich nichts für Kinder und deshalb gehört es nicht zum heutigen Thema.

Kinder philosophieren gern. Und zwar ahistorisch. Ich zitiere aus dem Gedächtnis aus einer Diskussion, die am vergangenen Donnerstag stattfand, viel eher die Besprechung eines Kinderlieds, in dem Kinder die gerade treibenden Palmenkätzchen fragen, wo sie denn vorher waren. „Im Geäst, aber das waren wir noch nicht“, antworten die Weidenkätzchen. Ich unterbrach den Gesang und fragte:

  • Moment, ich hab‘ nicht verstanden, seit wann es die Weidenkätzchen gibt.
  • Seit sie ausgeschlagen sind.
  • Und vorher?
  • Vorher waren sie im Geäst.
  • Aber sie sagen gerade, dass sie es nicht waren!
  • Sie waren es, aber nicht ganz.
  • Schön! Seit wann gibt’s sie also?
  • Seit sie im Geäst sind, aber anders.

Am Ende haben wir uns geeinigt, die Kinder und ich, dass es zwar dieselben Palmenkätzchen waren, die im Geäst schlummerten, aber dass sie nicht gleich wie vorher waren.

„Dieselben und „gleich“ sind in diesem Kontext umgangssprachliche Ausdrücke und sie haben das Kribbeln zum Schluss gebracht. Sie erschienen vertraut genug, um nahezulegen, dass philosophische Rätsel mit sprachlichen Vereinbarungen zu lösen sind. Was sage ich da? Dass philosophische Rätsel mit sprachlichen Vereinbarungen bereits gelöst wurden.

Mit Kindern muss hier die Analyse wohl ihr Ende nehmen. Es bedarf weiterer Reflexion und langer Zeit, um zu erkennen, dass Termini wie „dieselben“ und „gleich“ lange nicht präzisiert sind und deshalb keine wirklich gute Lösung zum Vagheitsproblem des Werdens anbieten. Für Kinder ist es bereits ein gigantischer Sprung, wenn sie zu spüren bekommen, dass die der Haufenparadoxie inhärente Vagheit ein sprachliches Problem darstellt, das mit umgangssprachlichen Vereinbarungen zu lösen ist. Erwachsene können erkennen, dass die Vagheit durch manipulierte Sprache eliminiert werden kann – so etwa: Seit die Weidenkätzchen aufblühen, sind sie da und vorher gab es sie gar nicht. Solcherlei Vereinbarungen – aber das ist Erwachsenenwerk – regeln in verschiedenen Ländern trotz ihres künstlichen Charakters den Eintritt eines Fötus in das Personensein.

Schließlich gibt es wiederum andere Erwachsene, die künstliche Lösungen wie die formale Sprachen für inadäquat halten. Sie fragen sich, ob die Behauptung, dass die formale Sprache die Realität besser abbildet, nicht eine selbstgefällige Eigenwerbung der formalen Sprachen ist. Für solche Erwachsenen und für ihre Kinder macht der oben erwähnte Dialog vielleicht mehr Sinn. Und wohl für Philosophiehistoriker, die die Nase voll damit haben, junge Erwachsene vergeblich dazu animieren zu müssen, halbwegs kreativ zu sein – so nach dem Beispiel der Kinder etwa. Enough with scrolling

Historians of philosophy who are fed up trying to motivate early tweens to read great dead philosophers in a way other than doxography don’t know what a blessing it is to discuss philosophy with, say, 8-to-12-year olds. Not only because kids are much more receptive but also because they have an ahistorical reading of the big issues of philosophical tradition.

A parenthesis here: „Plato & Co“ is a successful series just because of its ahistorical view on the big heroes. I confess that a bit more anachronisms would be more like it, at least for my taste but this is my taste, not everyone’s, and unlike most other people I have the opportunity to satisfy my taste otherwise. That is by finding authors for the new series of fictitious dialogues I’m launching with Philosophia Publishers: Ockham meets Arthur Prior, Aquinas meets Wittgenstein… But this is off-subject and not for kids and therefore off-subject for one more reason.

Last Thursday this class was singing a song on catkin. In fact, the song was meant to be a dialogue between a group of kids and catkin. „Where have you been before you blossomed?“ ask the kids for catkin to answer: „In the bough but we weren’t ourselves yet“.

I interrupted the song:

  • Wait a moment. Why, since when does catkin exist?
  • Since it blossomed.
  • And before that?
  • It was in the bough.
  • But what it says is that it wasn’t itself!
  • It was but not fully.
  • OK. Since when does it exist then?
  • Since it’s been in the bough. But it wasn’t the same back then.

We agreed, finally, that catkin has been „itself“ but not „the same“. Obviously, these are colloquial expressions and this is, probably, the reason kids feel that they solved the philosophical riddle. Their approach is quite good: linguistic convention solves problems of language. Or, rather, it has already solved them.

This is the point where the analysis has to be terminated when you’re philosophizing with minors. It’s grownups who come to realise – ideally, that is – that „themselves“ and „the same“ are not precise and, therefore, they cannot eliminate the inherent vagueness of terms like „coming to be“. If for children it’s a gigantic progress to perceive vagueness and the heap paradox as linguistic problems with a solution in colloquial language, adults must be in the position to recognise that not colloquial speech but rather a formal language that re-forms natural language solves the problem. This language can set soritic victims free. You can, for example, define artificially since when a fetus is considered to be a person – within a minute’s or a second’s accuracy. Of course, this is silly, but it solves juridical problems concerning abortion.

However, there are other adults who question every aspect of formal language. These ask: who says that formal language offers a better mapping of reality? Another language? Maybe formal language itself? This posting has been written for them. And for their children. And for historians of philosophy who have no nerves anymore to motivate young adults to be as creative as kids are.

Edunomics

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Mathe-Übungsbücher für die Schule sind voll mit Textaufgaben, bei denen es um Geldbeträge geht. Rechnen mit Schmetterlingen, Steinchen, Socken lassen sich dort viel weniger antreffen. Damit nicht genug lernen Kinder, Zins und Zinseszins zu berechnen, bevor sie ein Verständnis für Potenzen entwickeln konnten nach dem Motto: „Lerne, das in ökonomischen Entscheidungen umzusetzen, egal ob du’s verstehst oder nicht“. Die Vertreter dieser Einübung in Geldgeschäfte seit dem Kindesalter werden meinen, dass Unterweisung in den Berechnungen, die mit der Annahme des homo oeconomicus zusammenhängen, wertneutrale, zweckmäßige (und -rationale), wissenschaftliche Erkenntnisse darstellen.

Eine stillschweigende Annahme hinter den genannten Textaufgaben lautet allerdings, dass eine Kosten-Nutzen-Analyse nur Tauschwerte betrifft. Oder kennt jemand irgendeine schulische Textaufgabe, in der das Verdienen von Geldscheinen gegen einen in Geldwerten ausgedrückten Nutzen steht?

Nun ist der klassische Utilitarismus, der der Kosten-Nutzen-Rechnung zu Grunde liegt, ein Instrument, das auch den Nutzen aus Altruismus und Solidarität berechnet. Wenn eine herkömmliche 500 gr. Packung Kaffee 8 € kostet und die Fairtrade-Packung 10 €, dann beläuft sich der Preis meines ruhigen Gewissens – meines Altruismus wenn man so will – bei 2 € pro halbes Kilo Kaffee. Keine Kosten-Nutzen-Analyse hat Schwierigkeiten damit, Altruismus und Solidarität als legitime, gar pekuniär ausdrückbare Werte anzuerkennen.

Das ist der Haken bei diesen Textaufgaben, in denen unsere Kinder mit Geld rechnen sollen, mit anderen Worten der Haken beim frühen Einhämmern des Geldverdienens und -sparens in die jungen Seelen: Da die Tauschwerte nicht die einzigen Werte sind, die sich mit Hilfe von Geldsummen ausdrücken lassen (das Kaffeebeispiel zeigt, dass Altruismus, ruhiges Gewissen usw. genauso Fälle für eine klassische, utilitaristische Kosten-Nutzen-Analyse sind), ist es einfach falsch, Kindern in Form von Textaufgaben im Fach Mathe vorzugauckeln, das einzige, was die Erwachsenen berechnen würden, wären Tauschwerte.

Geld erfüllt komplexe Funktionen im Tausch von Waren aber auch im Berechnen von Sachen, die man gar nicht tauschen will. Berechnungen mit Geld sollten Altersstufen vorbehalten sein, die Berechnungen im Sinne des klassischen Utilitarismus begreifen können. Sonst kommen die Kinder auf den Gedanken, alle Berechnungen mit Geld würden dem Tauschhandel dienen. Das ist moralisch falsch, unklug und nicht zuletzt aus dem Wesen der utilitaristischen Berechnung heraus sachlich falsch.

WP_002189

Exercise books of school mathematics are full of word problems with money sums. Calculating with butterflies, pebbles, socks is very rarely exercized. Not enough with this, children learn to calculate interest and compound interest even before they had a proper introduction into exponentiation. „Learn to apply this when you stand before a decision and don’t care what it means“. Those who support the trend, would tell you that the homo oeconomicus is a rational assumption which comes as a consequence of value-neutral analysis and gives children the instruments for every goal-rational endeavour.

However, a tacit assumption behind word problems of the aformentioned kind is that a cost-benefit analysis pertains only to exchange values. Unless someone would show me a word problem in a maths book from his or her child’s school, a problem in which earning money is juxtaposed to a use value expressed monetary, I will insist that this is the tacit assumption.

The problem is that classical utilitarianism which underlies cost-benefit analysis, presents an instrument which can also help you calculate use value which emerges out of altruism and solidarity. When the price for a pound of regular coffee is 8 € and the price for a fair-trade one-pound package is 10 €, then the price for a pure conscience is 2 € per coffee pound. No cost-benefit analysis faces problems in acknowledging altruism and solidarity as legitimate values of a certain quantity.

Therefore, my concern is that when our children learn to calculate with money, when they learn to make economies since they are 6 years old, to sell commodities and get familiar with surplus value, they don’t learn (because they cannot learn because it’s too complicated) that exchange values are not the only values which grownups express in monetary terms. We are creating a new generation of people who misunderstand classical utilitarianism as an instrument to calculate exchange values only.

We are creating a new generation of people who misunderstand what money is good for. Money fulfils complex functions in the exchange of commodities but also in the estimation of things which you don’t want to exchange at all. Calculations with money should be left to young people who are at an age in which they can grasp what classical utilitarianism is about. Anything else is morally false, not wise and confusing.