Pizzas, pittas, quiches and their pieces

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Wer nach der griechischen Pitta (etwa der Tyropitta, der Lachanopitta, der Tsuknidopitta) oder der südserbischen Gibanica googelt, bekommt als Treffer Fotos eines deftigen (meistens mit hauchdünnem Nudelteig hergestellten) runden Blätterteigkuchens, der meist wie Pizza angeschnitten ist. Dieses Anschneiden ist nur in TV-Kochsendungen oder im Internet anzutreffen. Als Element kultureller Hybridität ist es auf die in Griechenland und Serbien wahrgenommene Überlegenheit der italienischen und französischen Küche zurückzuführen; insofern postkolonial. Keine Oma aus Ioannina oder Leskovac schnitt ihre Pitta oder Gibanica wie eine Pizza oder eine Hochzeitstorte! Vielmehr bestand der Anschnitt aus zwei sich senkrecht schneidenden Durchmessern und Parallelen zu diesen beiden. Die Randstücke waren nach diesem, dem einzig traditionellen Anschneiden, kleiner oder größer als die Stücke weitab vom Rand. Das Verteilen der epirotischen Pitta, eines für Generationen fast täglichen Essens in den Dörfern Nordwestgriechenlands, war kein Fall der distributiven Gerechtigkeit. Die Welt ist ungerecht und so waren auch die Stücke.

Viele würden sagen, dass ich hier übertreibe, dass früher eine ausgleichende Gerechtigkeit gewahrt wurde („Dieses große Stück für dich, weil du den ganzen langen Tag nichts gegessen hast“), dass die Verteilung eventuell individuellen Vorlieben entsprochen hat („Ich mag sowieso keinen Spinat, dafür knusprigen Blätterteig“), aber ich weiß ganz genau, dass die Fälle, wo einer unzufrieden mit seinem Stück war, nicht wenig waren. Ungerechtigkeit wurde hingenommen.

So ungerecht allerdings, dass ein Randstück nur aus Blätterteig bestand, keine Spur von Feta, Brennnessel, Spinat hatte, war die Verteilung selten. War das Randstück so klein geraten, dass gar keine Füllung drin lag, dann pflegte man zu fragen: „Warum hast du mir kein richtiges Stück gegeben?“

Daraus wird klar, dass die Ganzes-Teile-Beziehung einer traditionell angeschnittenen Pitta oder Gibanica anders als bei Quiche oder Pizza eine mereologische war und zwar eine auf die Mengenbeziehung nicht reduzierbare! Während nämlich alle Pizza- oder Quichestücke sowohl echte Teilmengen als auch echte mereologische Teile sind, war es möglich, Pitta- oder Gibanicastücke zu haben, die „nicht richtig“ waren: nur Teig. Diese waren zwar echte Teilmengen aber keine mereologischen Teile einer Pitta oder Gibanica, sondern nur Teile von deren Teigblättern.

Enough with scrolling

If you google to get pictures of Greek pittas (I mean real pittas: spinach pies, cheese pies, nettle pies, not the thing Greek eateries would serve with kebab), also pictures of South Serbian gibanicas (pronounced „gheeb-an-etsas“), you will find mostly unreal, improbable pictures: pies cut in a way you would cut a pizza or a wedding cake but not the traditional way a non-professional cook from Niš or Ioannina would cut the pie. Pizza-like cuts demonstrate a cultural superiority of French and Italian kitchen towards the Southeast European periphery, are postcolonial, hybridical forms created by TV shows or for the internet – they are fake servings.

The real thing is served when you cut the pie in little squares. Since the baking pan, however, is round, the pieces at the edge are smaller or bigger than those that are not at the edge. Serving a cheese or a spinach pie, for generations an almost daily dish in the villages of Nordwest Greece, wasn’t a case of distributive justice. The world’s unjust and this was something you had to cope with also during lunch.

You’ll say I’m exaggerating.

You’ll say it’s justice after all, restorative justice, when the one who’s been working all the day gets the middle pieces. You can also see individual preferences respected here: „I hate spinach anyway, but I love crispy pastry“.

Whatever you say, I know that the cases people are disappointed from their piece are many.

No piece was supposed to be so unjust however that it would consist only of fyllo, only of pastry: no spinach, no feta cheese, no nettles, no nothing… Would this be nevertheless the case, the reaction would be prompt: „Why, am I supposed to eat a piece that’s not real?“

„Nonreal piece“ means, in this context, something that doesn’t deserve to be called a piece of pitta. Maybe a piece of the pitta’s pastry but not a piece of the pitta itself: with its spinach and its sheep’s cheese!

„Nonreal pieces“ are such that they are reminiscent to injustice in the world but also evidence of mereology’s nonreducibility to set theory. „Nonreal pieces“ are genuine subsets of the pitta in question but not genuine mereological parts thereof. Maybe of its pastry but not of itself. A genuine part of a pitta must contain something under the fyllo.

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Making sense of … Marks (sic)

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Ein Teil der Leser wird beim Lesen des Titels gedacht haben, dass es mir wie nur so oft in diesem Blog wieder um Leistungsbewertung und Didaktik geht. Diesen Eindruck wollte ich aber mit dem Titel dieses Eintrags nicht erwecken. Stattdessen wollte ich auf Jon Elsters Buch Making Sense of Marx (1985) anspielen, ein repräsentatives Beispiel der analytischen Lesart von Marx – dabei aber die serbokroatische Rechtschreibung des Namens des Autors des Kapitals benutzen.

Wie im Leben, so ist es auch in der Philosophie ein nicht unübliches Phänomen, dass Sprache, Standort, Tradition, Wahrzeichen es einem ermöglichen, die Idee eines anderen effektiver zu vermarkten. Das passierte z.B. mit Asenjos und Tamburinos logischem System, das den Wahrheitswert wahr-und-falsch zulässt. Allgemein bekannt wurde es nur Jahre später als Graham Priests LP.

Jugoslawischen Philosophen wie Mihailo Marković und Svetozar Stojanović erging es nicht besser. Ihren analytischen Neomarxismus haben sie formuliert bereits Jahrzehnte, bevor die jungen Intellektuellen, die New Labour wählten, Jon Elster entdeckten.

Das Thema der Dissertation von Marković war die Metalogik. Kein anderer als der logische Positivist A.J. Ayer war der Doktorvater, dessen Reaktion ich sehr gern gewusst hätte, als er lies, wie sein Student „Logik“ definierte: „Eine Menge aus Theorien, (i) denen von der Öffentlichkeit Bedeutung zugewiesen wird, (ii) die beweisbar sind, und (iii) die sich auf eine bestimmte Theorie T auf niedrigerer Ebene anwenden lassen“. (Marković, M. (1958), The Concept of Logic, London: Dissertation, S. 1).

Stojanović promovierte 1962 in Belgrad über zeitgenössische Metaethik. Das Feld war noch neu und Stojanović hat eine allgemeine Übersicht und eine historistische und relativistische Alternative geliefert (Stojanović, S. (1964), Savremena meta-etika, Belgrad: Nolit, insb. S. 283-322).

Warum schreibe ich all das? Weil ich bei meinem letzten Aufenthalt in Belgrad an die Worte eines chilenischen Kollegen, eines parakonsistenten Logikers, denken musste: „Diejenigen, die bei den großen internationalen Publikationen näher sind, lassen dich verstehen, dass sie einen Diskurs führen, zu dem du in der Peripherie nicht gehörst – selbst wenn du eigentlich diesen Diskurs losgetreten hast“.

Stojanovic

Some of you might expected to read a piece about school grades when they read the title of the posting – say as a follow-up to my former postings on didactics and marks in this blog. But this would be the false impression. I don’t think that one can really make sense of quantified evaluations of the students‘ output. In the title of this posting I’m just alluding to Jon Elster’s Making Sense of Marx (1985), a book emblematic of an analytic understanding of Marx, but I’m using the Serbocroatian spelling of the name of the author of the Capital.

Like life in general, also philosophy has many examples to offer about people who, for reasons of language, location, tradition, trade mark etc. managed to distribute ideas of others much more effectively than the original thinkers. This was the case with Asenjo’s and Tamburino’s logic system which allows for sentences to be true-and-false at the same time – a system which became generally known only years later as Graham Priest’s LP.

This was also the case with Yugoslav philosophers like Mihailo Marković and Svetozar Stojanović: they had produced pieces of analytical Neo-Marxist philosophy decades before the New Labour intellectuals discovered Jon Elster.

Let me only remark that Marković’s supervisor for his PhD-thesis on what today is called epistemology of logic was A.J. Ayer – a logical positivist, of course, whose reaction to his student’s pragmatic definition of logic as „a class of theories which are (i) publicly meaningful (ii) provable and (iii) applicable to a certain lower-level theory T“ I would very much like to know (Marković, M. (1958), The Concept of Logic, London: PhD-thesis, p. 1).

Stojanović’s PhD-thesis Contemporary Metaethics, submitted in 1962 in Belgrade, reviews a back then emerging field of philosophical research taking a historicist and relativistic stance (Stojanović, S. (1964), Savremena meta-etika, Belgrade: Nolit, esp. pp. 283-322).

Why am I writing all this? Because during my last stay in Belgrade I remembered what a colleague from Chile, a paraconsistent logician, said to me once: „The ones who are closer to the big international publications want to make you think that they have a discourse and you, on the periphery, are not part of this discourse – even if you’re the one who launched it“.

Опасност, филозофиjа

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Ich fasse mich kurz, denn ich muss heute zwei Vorträge halten: Einen über Menschenrechte bei der Konrad-Adenauer-Stiftung hier in Belgrad und eine über das Krokodilsparadox am Fachbereich für Philosophie der Belgrader Universität. Ich hoffe, durch kritische Bemerkungen von Miloš Arsenijević und seinen Kollegen, meine spieltheoretische Analyse des κροκοδειλίτης verbessern zu können.

Wenn ich wieder in München bin, schreibe ich einen Eintrag über Praxis-Schule und Begriffsanalyse. Über die jugo-analytische Philosophie sozusagen…

ENOUGH WITH SCROLLING!

I have to be brief since I have two lectures to deliver today: one on human rights at the Konrad-Adenauer-Stiftung here in Belgrade and one on the crocodile paradox at the Department of Philosophy. Definitely, the one or the other critical remark by Miloš Arsenijević and his colleagues will help me improve the paper on the game-theoretical analysis of the κροκοδειλίτης.

When I’m back in Munich, I’ll post something on the Praxis School and analytic philosophy – a Yugo-analytic posting so to say…

Propria

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Ein Ristretto an der coolen, Budapester Magyar útca…

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…muss wach machen. Diesmal war er unangenehm ernüchternd, zumal er am Ende einer Führung mit vielen Highlights der ungarischen Geschichte kam, darunter mit der Angabe, dass der erste ungarische König István hieß.

Systematische Beiträge zur Semantik der Eigennamen habe ich niemals geleistet. Historisch habe ich aber stets die These vertreten, dass es in den natürlichen Sprachen keine Eigennamen gibt. Zwar gibt es Namen, die wir „Eigennamen“ nennen, wie „Ägäis“, „Peter“, „Kunigunde“ usw., aber diese deuten auf Eigenschaften des ersten Namensträgers hin: „Meer des Aigeus“, „Steinharter“, „Sippenwehrhafte“. Bei den späteren Namensträgern handelt es sich um Anwärter des Ruhms eines früheren Namensträgers.

Diese These habe ich historisch in einer sehr kurzen Arbeit zu untermauern versucht, die ich zusammen mit dem damals Saarbrückener Sprachwissenschaftler Andreas Schorr schrieb: „Kulturkontakt auf dem Balkan“, in: Borgolte et al., Mittelalter im Labor, Berlin: Akademie Verlag, 2008, 390-391. Insbesondere beziehen wir uns dabei auf mittelalterliche Namen, u.a. auf die Namensgebungs-Etikette des serbischen mittelalterlichen Adels, dessen Angehörige, so jedenfalls die Vermutung, in Anlehnung an die Urbedeutung des griechischen Namens „Stephanos“ (= der Bekränzte; der Gekrönte) „Stefan“ hießen.

Dabei maßen wir dem Umstand, dass viele Mitglieder der serbischen mittelalterlichen Königsfamilie auch „Uroš“ hießen, nicht die gebührende Bedeutung bei. Den Namen „Uroš“ trugen sie eindeutig in Anlehnung an die ungarische mittelalterliche Aristokratie. „Stefan Uroš“ war der Doppelname gleich mehrerer serbischer Monarchen. Aber dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auch der Name „Stefan“ in Anlehnung an den ersten König Ungarns István I. gegeben wurde und nicht wie Andreas und ich im Artikel vermuteten in bezug auf die griechische Bedeutung von „Stephanos“. Die mit dem Doppelnamen „Stefan Uroš“ intendierte Assoziation diente nicht „römischer Zivilisiertheit“, wie wir schrieben, sondern der Identifikation mit einer ungarischen Erfolgsgeschichte. Pure Eigennamen sind im serbischen mittelalterlichen Adel weiterhin nicht zu finden. Insofern stimmt die These. Sie war aber nicht richtig untermauert.

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A ristretto-coffee at the cool Magyar útca of Budapest raises the pulse but in this case it made me very thoughtful after a sightseeing with many basics of Hungarian history – among others with the information that the name of the first Hungarian king was István.

I have made no systematic contributions to the semantics of proper names. Historically, however, I have been maintaining an original position which says that natural language has no proper names. There are, of course, names like „the Aegean Sea“, „Peter“, „Cunigunde“, which we call „proper“. But these are allusions to properties of the first bearer of the name: „Sea of Aegeus“, „stone-hard“, „the-clan’s-defensible-one“. The subsequent bearers of such names do nothing but insinuate that they are equal to the first bearers.

I tried to corroborate this historical position in a very short article which I wrote together with the linguist Andreas Schorr, back then at the University of Saarland: „Kulturkontakt auf dem Balkan“, in: Borgolte et al., Mittelalter im Labor, Berlin: Akademie Verlag, 2008, 390-391. We focused on medieval names, among others on names of the medieval Serbian aristocracy. We thought that most of them were called „Stefan“ in order to allude to the Greek meaning of the name „Stephanos“ (= the crowned).

However, both Andreas and I didn’t pay attention to the fact that many members of the royal family in medieval Serbia were named „Uroš“. This was due to a strong influence they received from the Hungarian aristocracy. Some kings of the medieval Serbian state had the following two names: „Stefan Uroš“. But „István“, the name of the first Hungarian king, is a Hungarian form of „Stefan“. Thus, unlike what Andreas and I maintained in the aforementioned article, it seems quite plausible that the name „Stefan“ wasn’t given to allude to the Greek meaning of the word but, like „Uroš“, to a Hungarian success story.

Of course, if the name „Stefan“ was a way of a king to say: „I am as good as the first Hungarian king was“, it is still not a genuine proper name. But our argument for this wasn’t correct.