Learn your vocab correctly. Today: Critique

­čçę­č笭čçĘ­čçş­č玭čç╣ “Kritik” hei├čt nicht “Schelte”.

­čçČ­čçž­čç║­č窭č玭čç║ To criticise is not to scold.

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Tanja Savi─ç’ Blumenkleid

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Wenn ich Umberto Ecos Namen der Rose wieder (und immer wieder) lese und die Stelle erreiche, wo dieser M├Ânch erscheint (“penitenziagite!”), der einen Sprachenmix spricht, muss ich an dieses M├Ądchen in Stuttgart denken, das entr├╝stet war. Zu Recht, denn “Tanja Savi─ç imala je ein Blumenkleid an”.

Wohlgemerkt bildete sie das Verb “anhaben” mit dem deutschen Pr├Ąfix “an”, aber als Verbform verwendete sie das serbokroatische Pr├Ąteritum des Verbs “imati”.

Es gibt eine Methode zu vermeiden, dass unsere Kinder Sprachvermischung machen: Selber nicht zu vermischen. Es gibt auch eine Spezialliteratur dazu. Interessanterweise, gleich ein paar B├╝cher von griechischen Akademikerinnen. Allerdings h├Ârt die Gewohnheit der Sprachvermischung nicht mit der modernen Sprachdidaktik auf.

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Reading Umberto Eco’s Name of the Rose again (and again) and reaching the passage where this monk appears (“penitenziagite!”), the one who mixes languages, I cannot but think of this girl in Stuttgart. She was irritated because “Tanja Savi─ç imala je a dress with flowers on”.

What she meant was a German phrasal verb, for which she took the German preposition alright, but the past tense of the Serbocroatian verb “imati”.

There is a way to avoid that your children mix languages: Don’t mix them yourself. There’s a special bibliography on the topic, interestingly some books written by female Greek scholars. But the habit of bilingual mixing didn’t die out with modern didactics.

Learn your vocab correctly. Today: “anachronism”

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“Anachronismus” hei├čt es, wenn ein Ereignis der Vergangenheit unter Einbeziehung sp├Ąterer historischer Begriffe, nachtr├Ąglich entdeckter oder erfundener Gegenst├Ąnde oder Konzepte beschrieben wird.

Die Benutzung von alten Tools, altem Werkzeug, alter Technologie heute ist nicht anachronistisch, sondern altmodisch.

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It’s called “anachronism” if you describe a past event and in the description historical categories or names for objects occur that only emerged or were discovered or invented much later.

Using old concepts, instruments, techniques or technology today is not called “anachronism” but “old-fashioned”.

A unique “ego”

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Alle Becher haben gleich ausgesehen, so dass ich meinen nicht finden konnte. Diese Bekannte, von Beruf Psychiaterin, markierte also einen und gab ihn mir. Ich bemerkte, dass das Wort “Ich” meinen Becher nicht besser markiert als ihren, zumal dieses griechische Wort “Ego” in ihrer Schrift da steht. Sie konterte, dass ich der einzige war, der eine Markierung auf dem Becher wollte und bekam, so dass man leicht identifizieren kann, welches “Ich” gemeint ist.

“Ich” ist ein Indexikalausdruck. Bravo Ria.

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All cups were the same, so I couldn’t find my own. Then, this psychiatrist friend on the boat said: “Wait, I’ll mark yours for you” and wrote simply “Ego” instead of my name. I said that this is not identifying me more than her, let alone if it’s written with her writing character. And then she said “Yes, but it’s the only one that’s marked, so it can be easily identified”.

Well said, Ria. “I” is an indexical.

Vom M├╝nchner Hauptbahnhof und von Blau: Ulrich Blau

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Kurzbesuch in M├╝nchen. Nach Jahren. Die Zentralhalle des Hauptbahnhofs – abgerissen. Endlich! Diese Fassade erinnerte mich an schlechte Momente meines Lebens.

Privation ist der Fall, wenn etwas vermisst wird. Es ist kein Fall der Privation, wenn etwas einfach nicht da ist. Offenbar vermisse ich die Zentralhalle nicht. Allerdings vermisse ich irgendeine Zentralhalle, denn ohne Zentralhalle gibt es z.B. weniger Gesch├Ąfte und einen schlechteren Zugang zu den Gleisen. Nun ist es bei den Negationen so: Wenn keine Zentralhalle da ist, dann ist die alte auch nicht da. Bei den Privationen ist diese Implikation nicht gegeben: wenn ich irgendeine Zentralhalle vermisse, muss ich nicht unbedingt die alte vermissen.

Habe ich gerade ein Gegenbeispiel zu Blaus Dreiwertiger Logik der Sprache entdeckt? Wenn ich Recht hier habe, ist die Privation nicht einfach eine “innere Negation” im Sinne Blaus. Trotzdem halte ich Blau f├╝r den wichtigsten M├╝nchner Logiker seit Wilhelm von Ockham nat├╝rlich… Keine Frage.

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Paid a flying visit to Munich, years after we left. The main building of the Central Station, iconic in its functional facelessness, torn down. I’m so happy they did this. I associated this facade with bad memories.

You are deprived of something only if you miss it. Not simply if it is not there. Obviously then, I am not deprived of the main building of Munich Central. But I did miss the shops and the easy access to the trains when I entered the station from the side. In negative sentences there is an implication here: if there’s not any main building, then the old one is not there either. In privative sentences things seem different: if I am deprived of a main building, I am not eo ipso deprived of the old one.

Is this a counter-example to Blau’s Three-valued Logic of Language? If so, pace Blau, privation is not simply an “inner negation”. Blau remains the most important logician of Munich since Occam, so he can manage the little scratch.

Lyra angiportica

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Meine T├Âchter meinen, dass es eine captatio benevolentiae ist ihnen und der ganzen Sch├╝lerschaft gegen├╝ber, wenn ich sage, dass ich die Rap-Poesie befreiend finde. Wie ungerecht sie doch sind! Ich genie├če wirklich die inflation├Ąren Ausdr├╝cke, Gesellschaftskritik vermischt mit Freundschaft und Liebeskummer und Ausweglosigkeit, das Ungeschminkte.

F├╝r jemanden, der mit Songs gro├čgeworden ist, deren Texte ad nauseam die poetisch uninteressante Potenzmenge von “Yeah, yeah” und “Baby, baby” wiederholten, ist Rap eine R├╝ckkehr zur Poesie; zu einer Poesie, in der die Bezugnahme auf “Br├╝der” und “Schwestern” an Abaelard und Heloise denken l├Ąsst; zu einer Poesie, die sich nicht f├╝rchtet, S├╝nde und Ausweglosigkeit anzusprechen; subjektiv; unzensiert; gef├╝hlsm├Ą├čig. Diese Poesie hei├čt Lyrik.

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My daughters think that it’s captatio benevolentiae towards them and my students when I say that I find rap poetry liberating. They do me injustice. I really enjoy the inflationary words, the mixing of politics with love and friendship in one and the same song.

For someone like me who grew up with songs whose verses consisted of “Yeah, yeah” and “Baby, baby” and the poetically rather uninteresting powerset of these words, rap takes us back to poetry. To a poetry where the reference to “sisters” and “brothers” is reminiscent to Abelard and Heloise. To a poetry that doesn’t hesitate to address sin and despair. Also hope. Uncensored. Subjectively. Emotionally. To lyricism.

The mereology of words

Seen mereologically, words often enable multiple readings. This for example:

Or this:

You even don’t have to worry about the Liar Paradox if you see the sentence “I am lying” mereologically”. “I am” – NB a part of the Liar Sentence – is always true when uttered or used, so the sentence “I am lying” is false since one of its mereological readings (“I am”) is true.

I’m not joking. Gordian problems have to be solved in a Gordian way.

Nije votka rakija

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Der Silvester eignet sich f├╝r hochgradig Geistiges – einerseits an Vergangenheits- und Zukunftsreflexionen, andererseits f├╝r mit Salzmandeln Begleitetes. Letzteres ist in einem bestimmten Sinn sehr konservativ. Man erwartet von einem S├╝dslawen eine Neigung zur ┼áljivovica, zum Zwetschgen-Schnaps also, mehr als zur Lozova─Źa, dem Trauben-Schnaps. Umgekehrt pr├Ąferieren S├╝dfranzosen, Italiener und Griechen Treberschn├Ąpse, ob mit oder ohne Anis versetzt, und, um den Kreis zu schlie├čen, habe ich im Schwarzwald und in der Schweiz durchaus Zwetschgenwasser entdeckt, aber wenn ich die Einheimischen vor die Wahl stelle, werden sie das Quittenwasser vom Bauern nebenan trinken. Auch keinen Vodka, auch keinen Arak.

“Es ist nicht Vodka die Rakija” spiele und singe ich gelegentlich – aber wenn, dann gern – seit ich etwa zwanzig war. Sieben Akkorde, einfaches Fingerstyle. Der jugoslawische Song war damals neu, zwar nicht das Nat├╝rlichste, was ein durch-und-durch griechischer Student der Nationalen Capodistria Universit├Ąt in Athen zu singen pflegte, aber im Text – er verl├Ąsst die russische Geliebte; er stellt sich vor, was sie gerade macht; er kann nicht ├╝ber den Gedanken hinweg; selbst die Briefmarke mit Lenins Bildnis auf dem Abschiedsbrief macht ihn fertig – schwingt ein f├╝r mich doch nat├╝rlicher Gedanke mit: “Der S├╝dl├Ąnder in mir, die Rakija also, l├Ąsst sich nicht ├Ąndern”.

Da Beides, “rakija” und “votka bulk terms, Massenbegriffe sind, ohne ├╝ber- oder untergeordnet zu sein (Ersteres kann im Serbokroatischen auch als Oberbegriff aller Destillate verstanden werden, blo├č aller einheimischen, was den Vodka sowieso ausschlie├čen w├╝rde), ist zun├Ąchst f├╝r den Nichtmuttersprachler schwer zu unterscheiden, welches das von Mom─Źilo Bajagi─ç intendierte Pr├Ądikativ und welches das Satzsubjekt ist. Anders w├Ąre es mit einem Gattungsbegriff, etwa: “harmlos”. Ob mit “Die Rakija ist nicht harmlos” oder mit “Nicht harmlos ist die Rakija” wei├č der H├Ârer genau, welcher Terminus Satzsubjekt und welcher das Pr├Ądikativ ist. Aber in “Nije votka rakija” stehen Rakija und Vodka nebeneinander als Spezies. Dass Rakija kein Vodka ist, ist also keine Gegenpr├Ądikation, sondern eine Ungleichung. So verstanden, sollte die Syntax egal sein. Dass Rakija nicht Vodka sei, ist gleichbedeutend damit, dass Vodka nicht Rakija sei.

Meinste! Wenn Bajaga sagt: “Nije votka rakija”, dann meint er wohl, er, als per analogiam von der Sonne ┼áumadijas (eigentlich Slavoniens) gezuckerte Rakija, sei zu wenig Vodka, um im Norden zu bleiben. W├╝rde er stattdessen singen: “Nije rakija votka”, dann w├╝rde er meinen, nicht er sei zu sehr Balkanese, sondern die Perle, die er zur├╝ckl├Ąsst, sei zu sehr Vodka, um in den S├╝den mitzufahren. Der Song h├Ątte einen v├Âllig anderen Sinn, geschweige denn Probleme mit dem Reim. Denn, was reimt sich mit “votka“? Egal! (Wie man sieht hat’s bereits im Yugorock gegolten: “A bottle of vodka’s still lodged in my head and some blonde gave me nightmares, think that she’s still in my bed as I dream about movies they won’t make of me when I’m dead…”)

Jedenfalls k├Ânnen die Terme einer Ungleichung zum Zweck der Hervorhebung vertauscht werden. Die Ungleichung beh├Ąlt ihre Bedeutung bei, aberdas Augenmerk des Sprechers gilt dem Satzsubjekt. Es besteht hier eine bestimmte ├ähnlichkeit mit der Arithmetik an Waldorfschulen. Nicht “3+2=5”, sondern “5=3+2” soll die didaktisch zutr├Ągliche Formel sein. Es ist nicht trivial, so zu denken. Das Gleichheitszeichen hat in diesen Ausdr├╝cken jeweils eine andere Bedeutung. Im ersten Fall ist es eine (ges├Ąttigte) Funktion, die ausgedr├╝ckt wird, im zweiten eine Relation. Die zwischen Nord und S├╝d ist auch eine Relation – eine dysfunktionale. Aber das f├╝hrt jetzt zu weit.

├ähnlich wie bei den Summen, die f├╝nf ergeben, ist der Ausdruck: “Einen Beerenschnapps” eine Funktion, deren Argumente Zwetschgen oder Trauben sein k├Ânnen und der Wert “Rakija” sein muss. Eine Relation dagegen ist der Ausdruck: “Ob ┼áljivovica, oder Lozova─Źa, Hauptsache Beeren…”

Der Leser wird sich fragen, was ich gerade trinke. Na ja: anders genannten Lozova─Źa. Am Ende des Tages, auch des Jahres, bleibe ich ein Grieche. Dabei: die ┼áljivovica ist seit gestern aus.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr, liebe Leserin, lieber Leser, egal was Sie trinken und aus welcher Himmelsrichtung Sie kommen. Sp├Ąter wird das mit der Himmelsrichtung wieder schwer und wer aus dem Norden oder aus dem S├╝den kommt, wird sich einem Test unterziehen m├╝ssen, und, wenn er in Quarant├Ąne bleiben muss, werden “nicht mal alle Brieftr├Ąger Russlands diesen Kummer austragen k├Ânnen”.

Ich wei├č nicht, ob die Einschr├Ąnkungen der Mobilit├Ąt uns im Jahr 2021 begleiten werden. Aber das Jahr 2020 war fast wie eine Zeitreise dreieinhalb Jahrzehnte zur├╝ck.


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The New Year’s Eve goes together with high spirits – the ones you demonstrate with your attitude as well as the others which you accompany with snacks. The latter are in a particular sense conservative. Most Southern Slavs do prefer the ┼íljivovica, a plum spirit, to lozova─Źa, made of grapes, which the Southern French, Italians and Greeks, whether with or without anis, prefer to quince spirit, a very popular one in Switzerland and the Black Forest. This closes the circle of conservatism and this circle has to close and reopen since the clip above is one of a Balkan rock musician named Mom─Źilo Bajagi─ç.

I’ve played and sung in different occasions “Rakiya isn’t vodka” since I was twenty. Seven accords, simple finger style. It wasn’t the most common thing in the world to sing Yugorock if you were an Athenian and a student at the National Capodistria University, but it was a new song back then, most of my mates had no idea that after the northern borders there was a culture and a vivid one, and the text urges – he leaves a Russian girl back in Russia; he can’t help wondering what she’s doing now; even the stamp with Lenin’s face on the envelope of his farewell note is hard to take… – “The southerner in me, rakiya so to say, won’t be a vodka”.

Rakija” and “votka are bulk terms. Both are specific. In Serbocroatian, you can use “rakija” as a generic term of every spirit of 40% vol and above, but here this is not the case. Vodka – definitely a true counter-predication – is not a kind of rakiya. Further, the fact that rakiya is not vodka is definitely a true inequation, and by this alone – another true inequation – vodka is not rakiya.

For a non native speaker it’s not clear what the predicative and what the grammatical subject is in “Nije votka rakija“. I’d have no difficulties if the one term were an adjective and thus unambiguously the generic one. E.g.: “harmless”. But here the point is not whether vodka or rakiya belong to the set of harmful things. The point is that the one is not the other. You may think that it’s unimportant how you express this thought, whether by saying “Vodka is not rakiya” or “Rakiya is not vodka”.

But nope! It’s not unimportant! When Bajaga says: “Nije votka rakija“, what he means per analogiam, is that he, a person spoiled by the sun and landscape of ┼áumadija (in fact Slavonia but let’s leave the details out) is too much rakiya to pretend to be vodka. (That was ages before the lyrics “a bottle of vodka’s still lodged in my head and some blonde gave me nightmares, think that she’s still in my bed as I dream about movies they won’t make of me when I’m dead…”)

If he had sung instead: “Nije rakija votka“, then he wouldn’t have meant that he’s too much of a Balkan guy. It would be the lady instead who would have been too much of a Russian to follow him to Belgrade. This would have entailed even greater problems! I mean, find a word that rhymes with “vodka”…

As one sees, the terms of an inequation can be interchanged to achieve an emphasis. It’s like elementary arithmetic in Waldorf-Steiner schools: Never write: “3+2=5”. Write: “5=3+2” instead. You might say that the two expressions are trivially equivalent. They’re not! In the first case the equality sign equates a (saturated) function to its value. In the second it’s a relation, not a function that is expressed. (Probably you know from your experience that relations are often dysfunctional but this has nothing to do with what I just said.)

You may ask yourself what I’m drinking. Well, in essence, a lozova─Źa. In Greek we don’t call it thus but the essence is what counts. At the end of the day and of the year I’m Greek alright. Plus, I have no ┼íljivovica anymore and didn’t go to the supermarket.

I wish my readers a happy new year independently of what they drink and where they come from. After the beginning of the new year things will worsen. Those who go from here to there will have to make a test and if they stay in quarantine “not even all the postmen of Russia will be able to carry the weight”.

2020 was a year that, in terms of mobility, came right out of the 80s. 2021 will not be of much difference. Let’s take this positively. Time travel can be rejuvenating, I suppose.

Of ordinary and of formal things – and of extraordinary as well

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Als ich noch dieses Erfurter Seminar zu Anwendungen der nichtklassischen Logik in der Religionsphilosophie anbot, machte ich in den ersten Wochen stets einen Logik-Crash-Kurs (die Beweise schnelligkeitshalber mit Beths Baumkalk├╝l bzw. ├á la Hodges), in dem ich, selbst wenn die LV in deutscher Sprache angeboten war (manchmal war das sowieso eine von Asiaten besuchte, englischsprachige Lehrveranstaltung) kurz darauf hinwies, dass das Englische ein nat├╝rliches Verst├Ąndnis der Unterscheidung zwischen freien und gebundenen Variablen erm├Âglicht: “Some” gibt die Grundintuition f├╝r die gebundenen, “any” f├╝r die freien Variablen. Soviel zu Englisch als didaktischer Metasprache der Pr├Ądikatenlogik. Neuerdings habe ich an folgender Unterscheidung des Englischen eine gewisse Freude: Wenn die Besatzung der Pequod als mereologische Summe jagt (d.h. jeder in Ahabs Crew sucht den Wal), dann hat das britische Englisch den Ausdruck parat: “The crew chase the whale”. Aber wenn es nur das Ziel der Gruppe als Gruppe ist, den Wal zu fangen – manche in der Gruppe haben aber aktiv nichts damit zu tun, sondern nur kochen, putzen usw. – wird die Besatzung eher als Menge denn als mereologische Summe kenntlich gemacht und zwar folgenderma├čen: “The crew chases the whale” Der Numerus des Verbs ist bezeichnend.

Die nat├╝rlichen Sprachen k├Ânnen offenbar Elemente des Instrumentariums von formalen Sprachen ausdr├╝cken. Englisch ist dabei ein K├Ânigsweg zum Logischen. Nun will ich nicht wie ein Wittgenstein-Enthusiast klingen oder die Geltung der Logik relativierten, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie wir sonst formale Begriffe “ad├Ąquat” nennen w├╝rden, wenn wir sie nicht aus unserer informellen Sprache kennten. Zu was w├Ąren die formalen Begriffe etwa ad├Ąquat?

Es ist nicht die Freude am Advent, die den Dezember dezemberm├Ą├čig macht, sondern der Dezember, der Freude am Advent haben l├Ąsst. Heute dachte ich an ein Zitat – vermutlich ist es ein Zitat… – das ich von einem griechischen Kirchenvater haben m├╝sste: Nicht das Trachten nach etwas macht es etwa wahr, sondern es ist umgekehrt die Wahrheit, die uns nach ihr trachten l├Ąsst. Von wem ist das? Der Name ist weg. Ich muss wohl im TLG recherchieren.

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In an English-speaking instruction in predicate logic, it is a common place to say: “You can understand bounded variables as the pronoun “some” and free variables as the pronoun “any””. If this is an old advantage of English as the didactic metalanguage of predicate logic, I recently found a new one: the difference between captain Ahab’s crew as a mereological sum (i.e. as a grammatical subject of a general statement) from the same crew in the sense of a set (i.e. as a grammatical subject of a singular statement) is expressed by the numerus of the verb. Cf. “The crew chase the whale” (homogeneous mereological sum – every individual in the group chases the whale) vs “The crew chases the whale” (set – even if some do nothing, the arbitrarily constructed set has a property as a whole).

Ordinary language can express formal notions for which prima facie one would need a formal device. Now, English is probably a predominant case and I don’t wish to sound relativistic or late Wittgensteinian, but unless it were so, I cannot see else how we would have the intuition that a formal notion is adequate.

It’s not the Christmassy atmosphere that makes December; it’s December that makes the Christmassy atmosphere. There is this citation in my mind today: “It is not the quest that makes its object true. It is truth itself that makes you seek it”. By some Greek father probably but I can’t remember by whom. A good reason to start TLG and make a full-text search.

A languageÔÇÖs range and rage

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Ausnahmsweise fange ich – sehr klassisch heute, mitf├╝hlend mit meinen beiden Proteg├ęs, die in ihren Ferien eine wohlstrukturierte F├╝nf-Kapitel-Arbeit schreiben lernen m├╝ssen – mit der These an: Orientalischer Sprachgebrauch hat unseren Sprachgebrauch im Westen Jahrtausende lang gepr├Ągt, aber das h├Ârt langsam auf. Damit wird die Sprache plump. Nicht nur trocken. Trockenheit ist nicht das Problem. Plump.

Orientalische Stilmittel im Westen sind bis zum heutigen Tag und gr├Â├čtenteils auf den Einfluss des Neuen Testaments zur├╝ckzuf├╝hren. Man macht eine Synekdoche mit dem lateinischen und dem hebr├Ąischen Namen des Apostels der Nationen, Saulus und Paulus, als w├Ąren diese Namen Tr├Ąger des einen oder des anderen Glaubens; Berlin Tegel, um einen j├╝ngst erschienenen Beitrag im Feuilleton der S├╝ddeutschen zu erw├Ąhnen, ist ein Lazarus – will hei├čen wiederauferstanden, nachdem der Gro├čflughafen Ewigkeiten auf sich warten lie├č; Heuchler sind Gr├Ąber: au├čen wei├č und geputzt, innen voller Verwesung. ├ťberhaupt scheint Jesus ein Talent f├╝r aggressive Metaphorik und rhetorische ├ťbertreibung gehabt zu haben.

Wenn ich Stilmittel wie ├ťbertreibung und Metapher orientalisch nenne, dann will ich sie nicht ausschlie├člich auf das Griechischschreiben von bilingualen Syrern wie Johannes, Matth├Ąus und Markus zur├╝ckf├╝hren. Noch vor dem Neuen Testament pflegten das Griechische und das Lateinische ├ťbertreibungen und Metaphern. Wenn die hohen Erwartungen entt├Ąuscht wurden, hie├č es schon vor Christus: “Der Berg ging schwanger – geboren wurde eine Maus”. Orientalisch war die klassische Antike schon. Das Neue Testament ist aber sehr voll der Ironie und der ├ťbertreibung.

Zum Beispiel Mt 8.22 & Lk 9.60 “Lass die Toten ihre Toten begraben” (im Neugriechischen hei├čt es ├╝brigens immer noch “der Tote” in der Bedeutung: “der Untergegangene”; Paul Erd├Âs nannte “Tote” alle seine Bekannten, die den aktiven Mathematikbetrieb an der Uni aufgegeben hatten).

Oder zum Beispiel frei nach Mt 23.24 “Guck einer an: Die M├╝cke kann er nicht im Rachen haben, das Kamel schluckt er aber so herunter” (├╝ber Leute, die ihre Priorit├Ąten falsch setzen).

Ich verfolge die Debatten nach der Corona-Zeit: im Deutschen Bundestag, im Schweizerischen Nationalrat. Meistens eine k├╝hle Technokratensprache. Das klingt beruhigend und nach Fortschritt in jemandes Ohren, der seine ersten Wahrnehmungen der politischen Sprache im Kalten Krieg machte, welcher wiederum in Sachen Sprache ja hitzig war.

Andererseits l├Ąsst die vorsichtige Sprache kein gr├Â├čeres Engagement hervorschimmern; kein Risiko, ungerecht und falsch zu sein statt nur falsch. Ich wei├č auch als Blogger, dass Vorsicht und lauwarmes Gem├╝t weniger Feinde und eventuell sogar mehr Freunde macht als Polarisieren. Ich versuche mit der gesamten Ehrlichkeit meines Westlerseins, ein Langweiler zu sein.

Ob mir das gelingt, ist eine andere Sache. Denn das Neue Testament ist fast (fast…) meine Muttersprache.

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Summertime, cotton’s high, fish are jumping and students trying for the first time in their lives to write a structured text with thesis, history of the debate, method, evidence and conclusion.

For a change, let me also start in a classical manner: with the thesis: Oriental language has influenced our style in the West in millennia of world history. However, slowly but steadily language becomes blunt. Occidental so to say. By this I don’t mean precise or dry. I mean blunt.

This appears to be a long process. Biblical exaggeration and metaphor are not once and for all banished from media today. In the German ans Swiss press, which I happen to read on a regular basis (I read rather rarely US and British newspapers, only the headlines of the Greek and the French, and I am completely an ignorant of the rest) I do find metonymies of the Sauls (and the souls) who become Pauls; allegories of the old airport of Berlin as a resurrected Lazarus after the new airport has been unable to operate for ages; metaphors about the hypocrites as graves, clean and tidy from the outside but full of decay and ptomaine inside. These are expressions one can still use and hear or read in western media and if you want to make the case of Jesus as a mild comforter, you have the burden of proof of a rather unlikely claim.

These and like expressions I call oriental. They should not be restricted to the influence of bilingual Syrian writers like Mark, Mathew and John to the Greek style of late antiquity and subsequently to modern languages. Greek and Latin, you see, have been “oriental” long before they adapted Syrian style. E.g. when their expectations were disappointed, Greeks and Romans spoke of the mountain’s pregnancy with a mouse. But the New Testament is a locus classicus for rhetorical tropes:

Cf. Mt 8.22 & Lk 9.60 “Let the dead bury the dead” (in Modern Greek one still calls losers: “the dead”; infamously, Paul Erd├Âs called “dead” all those who had given up maths at the university for some other job).

Following the Covid-19 debates in the two or three parliaments whose decisions have a direct impact in my life I must state that the language is a sober technocrats idiom, one that sounds reliable in someone’s ears whose first experiences of political language were in the Cold War – NB a hot one in terms of rhetoric.

At the same time, distanced language makes the speaker sound indifferent. Without a deeper engagement. Speakers who take the risk to be false do fulfill a minimum of rationality alright. But the ones who demand you to invest emotions along with your thoughts, are speakers who take the risk to be false and unjust. As a blogger I do know that I make less enemies and even more friends when I avoid polarizing. And I do try to be boring.

The reason I do not succeed in being so? I suppose that comes from the fact that the New Testament is almost (I said almost) my mother tongue.