Erfurt succumbs to Marx: Groucho Marx this time

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Die Kurzfassung des Plots für nichtbundesdeutsche Deutschsprachige ist folgende:

Partei, rechts wovon nur noch die Wand steht, erhält in deutschem Bundesland – in dessen Hauptstadt der Verfasser dieser Zeilen seit vielen Jahren zufällig Privatdozent ist – so viele Stimmen, dass es praktisch äußerst schwierig ist, ohne ihr Zutun eine Regierung zu bilden. Diese Partei favorisiert, wie übrigens die normalen Bürgerlichen, den Kandidaten einer kleinen liberalen Partei, der für die Deregulierung der Märkte einsteht. Dieser wird zum Ministerpräsidenten gewählt.

Am nächsten Tag tritt der Typ inmitten von Buh-Rufen wegen Strohmann und viel NS-lastigem Vokabular zurück.

Aufgrund dessen will die rechte Partei beim nächsten Mal den Kandidaten der Linken wählen, da er offenbar auch inmitten von Buh-Rufen usw. zurücktreten wird.

Auf Marx – Groucho, nicht Karl – ist das parakonsistente Politcredo zurückzuführen: “Einem Verein, der jemanden wie mich aufnimmt, möchte ich nicht beitreten”. Das heißt natürlich, dass er keiner Partei beitreten kann, außer einer, die ihn nicht aufnimmt. Damit wird die Parteizugehörigkeit zu einer contradictio in adjecto.

“Wir beteiligen uns an keiner Regierung, die von Ultrarechten gestützt wird”, kann auch zu einer Groucho-Regel verkommen. Bei der Verteilung der politischen Kräfte in Thüringen kann es schnell passieren – übrigens auch den Linken, nicht nur der FDP – dass die Mehrheit mit dem Kopf durch die Wand bzw. mit Stimmen von sehr nah an derselben erreicht wird. Im Grunde macht es diese Regel zur demokratischen Pflicht, keine Regierung zu bilden.

Groucho stammte väterlicherseits vom Elsass ab. Im heutigen politischen Kontext erscheint das eher überraschend.

Enough with scrolling

The most recent story with which the German “Land” at whose capital I am adjunct professor, attained negative publicity goes thus:

Far-right party took a part of the popular vote so considerable that, practically, no government can be formed without their tolerance or support. OK, the conservatives could also vote the candidate of the communists, but we’re not talking about surrealistic scenarios here. Anyway, the far-right supported the candidate whose main ideological stance is deregulation of the market – like the other conservatives also did. The guy was elected prime minister. He resigned on the next day booed a lot and loudly as new Hitler.

The paraconsistent political credo was expressed by a thinker called Marx. Groucho Marx: “I refuse to join any club that would have me as a member”. Ergo, the only political party he would join would be one that would not have him as a member. According to this rule, a party membership appears to be a contradictio in adjecto.

The Thuringian rule: “We are not forming a government supported by the far right” can turn out to be a Groucho rule. Just imagine: the 29 communists and the 21 conservatives would never vote each other. And neither the former nor the latter can have a majority with the help of any parties other than the far right.

The Thuringian situation makes it a democratical duty to form no government at all.

This is as Groucho as it gets…

Hamartia

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Wenn die (neo-) orthodoxe Theologie Recht hat, die Sünde als eine griechische Begrifflichkeit aufzufassen, als hamartia eher denn als peccatum, als irrtümliches Verfehlen eines guten Ziels denn als Defekt, dann ist es bereits eine Sünde der Amsel, die Fensterscheibe für den Himmel gehalten zu haben.

Christos Yannaras, der heutige griechische philosophische Autor (gerade habe ich ein paar griechische Leser verloren – Leute, versucht Euch selber weißzumachen, dass es nicht Euer Neid auf das gigantische Opus ist, ich kann dabei nicht helfen) fragte mich einmal, wie ich mein Leben im Sinn “unserer Mutter, der Kirche” einrichte.

“Schwierig” hatte ich damals geantwortet. Es war in Erfurt. Winter. Spätabend. Das Leben war schön. Die intelligentesten jungen Leute von Thüringen waren meine Studis. In meinem Appartment des Amplonius-Hauses hatte ich Tee gemacht.

Grünen? Vielleicht grünen. Der emeritierte griechische Prof – eine Ikone meiner Jugend – schlürfte in einem Mix aus Sorge und Bewunderung.

War’s doch Wein? Herr Professor und Kollege wissen Sie es vielleicht noch?

“Schwierig” also…

Andererseits, wenn ich an mein Sündenverständnis denke, wie kann ich anders, als Sohn der Mutter zu sein? Auch wenn ihre Strenge gegen die falsch eingeschlagenen Wege notorisch ist. Auch wenn sie “Sünde” dazu sagt: Es ist der Fehler der Amsel, nicht des Fensters. Der Himmel ist woanders.



Enough with scrolling

If the (New-) Orthodox theology is right to see sin in the sense of Christianity as a Greek conception, as hamartia rather than as peccatum, as failing to hit the bull’s eye rather as a deficiency, failing to go up to the skies and colliding with a thing that different and indifferent at the same time as the window pane, is the blackbird’s sin.

Christos Yannaras, today’s most important philosophical author in Greece (I just lost some Greek readers – bye guys and try to persuade yourselves that it’s not jealousy when you despise this remarkable opus because he’s religious; I admit I can’t help in this) asked me once how I settle my life according to “the church, our mother”.

I had replied that I had had my difficulties. There was cold outside and I had made tea bought from the tea shop at the Kraemerbruecke. Probably green tea. It was a nice shop, just few steps away from the Amplonius House in Erfurt where I had been dwelling for the part of my week from Tuesday to Friday. Part-time living so to say.

But, again, when I think of my understanding of sin, how can it be otherwise? I am a mother’s son and one’s who’s very strict in her understanding of sin. Yes, it is a sin and the blackbird’s failure and its sin, not the window pane’s when the sky is in the opposite direction.

Philosophy students in the year 1966

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Gerade eben fotografierte ich ein Gemälde, dessen Figuren mich seit Jahren mit ihren Augen verfolgen, wenn ich unterwegs im Lehrgebäude 1 auf dem Erfurter Campus bin: Lutz Godes “Studenten”.

Ich mag’s. Es ist nicht gerade was ich mir unter sozialistischer Realismus vorstellte, als ich hierher kam. Oft habe ich mich gefragt, wer unter diesen Figuren ein Philosophiestudent sein könnte. Die Frage ist gewiss a-historisch, da die Pädagogische Hochschule Theodor Neubauer (Gode malte das Ensemble im Jahr 1966) eine Ausbildungsstätte für Lehrer war, weshalb es keine Philosophiestudenten im heutigen Sinn hatte. Allerdings war die Philosophie im Schullehrplan der DDR viel wichtiger als in den Lehrplänen der heutigen Bundesrepublik – also warum nicht? Zwar ging es dabei um Marxismus, aber die Marxisten waren immer sehr bereit Lehren aus der Philosophiegeschichte zu ziehen, was immerhin eine Kenntnis von Philosophiegeschichte voraussetzt.

Da ist z.B. dieser junge Mann, der so aussieht, als sollte aus ihm ein Experte der normativen Ethik werden. Eine junge Dame ist mehr an Sartre interessiert als am Kommilitonen, der wie Thomas Metzinger aussieht und ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Elke Brendel, oder jemand, die wie Elke Brendel mit einer anderen Frisur aussieht, steht nicht weit weg von diesen beiden.

Schließlich ist da eine Figur, die wie meine Mutter aussieht. Bloß ihr Körper ist nicht exakt deckungsgleich mit dem Körper, den meine Mutter im Jahr 1966 hatte, als sie hochschwanger mit mir war.

ENOUGH WITH SCROLLING

I just took a picture of a painting which accompanies me for years when I’m in Building 1 of the Erfurt campus: Lutz Gode’s “Students”.

I fancy it. It’s not what you expect a socialistic-realism painting to be. I’ve been thinking which figures are philosophy students – which is probably an a-historical question since the back-then “Pädagogische Hochschule Theodor Neubauer” (Gode painted it in 1966) was a college of education in which a student could gain a teacher’s degree, not an MA in philosophy. But, again, philosophy was more essential for the GDR than it is for Germany today. Of course, this was Marxism, but, once again, Marxists were always eager to learn some history of philosophy.

I have identified someone who looks like he’s going to be a normative ethics expert. I mean, if not him, then who else? (I just gave you a wink)

Then, there is this girl who’s interested more in Sartre than in the young man who looks like Thomas Metzinger and tries to draw her attention; and another girl who looks like Elke Brendel lest the hairdressing. And there’s one more girl who looks like my mother – however not like my mother’s body looked like in 1966 because back then she was pregnant with me.