Sophistici elenchi 166a23-32

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Obiges Foto schoss ich vor einem Monat an der Avenue des Champs Élysées. Ich wollte es mit Hinblick auf den Trugschluss des Brunnenvergiftens posten. Mittlerweile denke ich, dass ein Spruch auf dem gelben Transparent vielmehr eine Instanz des Kompositionstrugschlusses ist. Ich erkläre mich:

Dass ein Arbeitnehmerverband das Gesetz des Stärkeren befürwortet, ist möglich – allerdings nicht zwingend. Es erscheint ferner, dass ein Teil des Wahrens von Eigeninteressen biologistischen Suprematismus nahelegt. Gilt das aber flächendeckend? Auch etwa für das Urheberrecht? Erfinder sind intelligent. Intelligenter als andere jedenfalls. Man könnte meinen, Patentschutz würde die weniger Intelligenten benachteiligen. Wäre das plausibel? Meine Antwort darauf ist: nein. Während wir uns einig sind darüber, dass das Gesetz des Stärkeren angewandt auf die sozialen Sachen ein zivilisatorischer Rückschritt wäre, ist es nicht vernünftig anzunehmen, dass jeder Schutz von Interessen eines Stärkeren Sozialdarwinismus darstellt. Wäre das so, dann würden wir zustimmen, wenn der Vorstandsvorsitzende der Münchner Löwen Schiedsrichter einer Partie des FC Bayern gegen Sechzig sein möchte. Aber wenn unser Rechtsgefühl das zuließe, wäre dann der TSV München 1860, nicht der FCB der Stärkere! Es ist, wie man sieht, petitio principii anzunehmen, dass jede und nur die Wahrung eines Interesses eines Stärkeren das Gesetz des Stärkeren bestätigt, denn es desavouiert denjenigen, der – egal wie – Recht bekommt. Entweicht man der petitio-Falle und sieht Recht und Stärke als gründlich verschiedene Sachen, sieht man ein, dass der Arbeitnehmerverband nicht deshalb sozialdarwinistisch ist, weil es ihn gibt. Vielleicht gibt es ja eine moralisch vertretbare Wahrnehmung von Interessen! Aber selbst wenn ein Arbeitnehmerverband seine Macht ausnutzt, ist dieses von mir aus unmoralische Handeln gleich zivilisationsverneinend? Das behauptet jedenfalls das gelbe Transparent. Da es nichtzwingende Teilfacetten zu Merkmalen des Ganzen erhebt, ist das Transparent ein Fall des Kompositionsfehlschlusses.

Bei dem Wortschwall und dem Nahelegen eines unsäglichen Verbrechens vergiftet das Transparent außerdem den Brunnen, selbst wenn es nicht ad hominem ist.

Die Gelben Westen kommen aus dem Westen, weil dort alles Emanzipatorische gedeiht. Das erste Tageslicht kommt allerdings aus dem Osten. Versteht man das wörtlich, so ist der Grund dafür die Rotation des Planeten gegen den Uhrzeigersinn. Metaphorisch kommt man nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass Aristoteles im Osten zu Hause war.

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These are two pictures I made last month at the Champs-Élysées.

I had thought that I should be needing them for a post on the poisoning-the-well fallacy. A clue why I had thought so, you can get if you focus on the lengthy yellow banner depicted in the upper picture. There, you can see what the Yellow Vests think of France’s main employer organisation: they accuse them of propagating might-makes-right and of supporting a civilisationary regression eo ipso.

First of all, it is question begging to say that all and only those things that safeguard interests of the mightier make might make right. I have an example for the last claim: should Liverpool FC accept Fulham’s CEO to be the referee in their next match against Fulham FC? If no, Liverpool will very probably win and remain mighty but the Robin Hoods out there will complain that it was might that made right in this case because you can have bias to help the weak – at least they’ll say so. But if by this argument you let Fulham’s CEO do the job, it is Fulham who will be the mighty after all, so the Robin Hoods will have to support Liverpool instead – which is absurd. “This redistribution of wealth was trickier than I thought” says John Cleese in a legendary sketch. The only way to escape the question-begging trap of considering all and only the ones who are right as social Darwinists, is to see justice as something in its own right, as something that is independent of might, even in case it lets the mighty prevail. Despite the Robin-Hood analogy I shall avoid reference to Nottingham Forest instead of Fulham – mainly because the Greek oligarch who owns this club has been repeatedly accused of manipulation for his Greek club. There, in Greece, it is him who is the mighty and it is might-makes-right after all. But, of course, no one knew this in advance. In order to give rise to rumours, he had to do things other than just insist on his right. So, even if the Yellow-Vests claim is not the question-begging “Might makes right and right is might” but rather “Some mighty can manipulate justice”, even then it doesn’t go without an argument that France’s employers associations are of this kind. You see, even if it’s not ad hominem, the slogan poisons the well since it makes believe that the sin you commit as a rich lobbyist is much bigger than the sin in which you would be inclined to indulge: it’s a slogan that denounces every little sin as a civilisationary setback.

Above all however, the slogan I photographed is an instance of the fallacy of composition. Let me explain this point: The Yellow Vests target at an association that could under circumstances take actions to make might make right but they understand the association as actually saying that might does make right. And they read this as Darwinism, which is not necessarily the case even if the employers association acts selfishly.

Aristotle, Sophistici elenchi 166a, analyses the case without residues! Which is astonishing!

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Der Unterschied zwischen “Recht” und “recht”


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Wie eine Tautologie mutet sich der Schriftzug über dem Haupteingang des Amtsgerichts in Halle an der Saale an, der vorschreibt, die Rechtsprechung solle der Rechtsintuition entsprechen. Der Eindruck, dass es sich dabei um eine Tautologie handeln würde, ist natürlich bloß im Sinne eines Trugschlusses in dictione zu gewinnen. Ha! Als ob wir nicht wüssten, wie leicht es passieren kann, dass die Legalität nur dem Angreifer recht ist… Der Trugschluss entsteht im gesprochenen Deutsch wegen der Homophonie von “recht” und “Recht”  bzw. ist im geschriebenen Deutsch nur in kapitalisierten Schriftzügen möglich. Die Äußerung “Das Recht muss recht bleiben” – und zwar nicht kapitalisiert, so dass das zweite “recht” nur mit Minuskeln geschrieben wird –  wäre differenzierter, nüchterner.

Dass das Hallenser Motto einerseits und die tautologische Äußerung: “Recht muss Recht bleiben” andererseits homophon sind, behält immerhin die Funktion eines Augenzwinkers bei, was beweist, dass die juristische Sprache spielerisch sein kann.

εзεзεзεзεзεзεзεзεзε

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I believe that the English translation of the German inscription seen in Halle near Leipzig is “Justice must remain just”. The alternative translation “Justice must remain justice” would insinuate that the appeal to nomology to correspond to prescriptions that are intuitively just, is tautological. This would be a German fallacy in dictione. Justice can be intuitively unjust.

Of course, there is a rhetorical point you make when you fallaciously insinuate that justice is a priori intuitively just. This shows that juridical language can be playful.