Thaumata

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An jedem 15. August, an Mariä Himmelfahrt, sollen verschiedene Wunder geschehen, die – wem denn sonst – der Mutter Gottes zugeschrieben werden. Viele Menschen glauben, dass eine wundertätige Wirkung das Vorkommen eines nicht klassifizierbaren Ereignisses erklärt. Das ist natürlich falsch. Zu sagen, ein Ereignis sei ein Wunder gewesen, erklärt das Ereignis nicht, sondern es stellt ein Zugeständnis dahingehend dar, dass es für das betroffene Ereignis keine Erklärung gibt.

Aber wie ich an anderer Stelle Gelegenheit hatte zu argumentieren, kann der Umstand, dass es für etwas keine naturalistische Erklärung gibt, nicht naturalistisch erklärt werden.

More explicit

Every August 15th, on the feast of the Dormition of Theotokos, several miracles are supposed to happen. They are attributed to Virgin Mary. Many believe that a miraculous deed explains non-classified events. This is, of course, false. If you say that an event was miraculous, this does not explain the event. Much more, it declares that there is no explanation for the event in question.

I had the opportunity to argue here that lack of a naturalistic explanation for something does not mean that something cannot be explained naturalistically.

Miracula = inexplicabilia

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Johannes Paul II. soll sich als wundertätig erwiesen haben, was ihm einen Heiligenstatus zusichert.

Die scare quotes vor und nach dem Wort “Wunder”, ebenfalls die unverhohlene Ironie des Ausdrucks “Wunder allenthalben” (die Ausschnitte stammen nicht aus dem Neuen Deutschland, sondern aus der Süddeutschen) sind gerechtfertigt. Es ist eine Sache zu glauben, etwas sei ein Wunder, was man wohl sympathisch betrachten sollte, eine völlig andere Sache aber im Sinne einer Verwissenschaftlichung und Institutionalisierung zu erklären, etwas sei ein Wunder, wie in diesem Fall behauptet wird. Zu glauben, dass etwas ein Wunder ist, bedeutet nämlich zu glauben, dass es dafür keine naturalistische Erklärung gibt.

Aber zu erklären, dass etwas ein Wunder wäre, bedeutet, NATURALISTISCH ZU ERKLÄREN, DASS ES DAFÜR KEINE NATURALISTISCHE ERKLÄRUNG GEBEN KÖNNTE – als ob das naturalistisch Erklärbare durch naturalistische Erklärungen definiert werden sollte. Der Zirkelschluss ist offensichtlich.

Die Journalisten der Süddeutschen demonstrieren mit ihrer Distanz und Ironie eine richtige erkenntnistheoretische Intuition.

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Miracles attributed to John Paul II secured him as it seems the status of a saint, not however without a good portion of irony expressed in German daily press, scare quotes being the most harmless sign of it. I find this irony justified. It is one thing to believe that a miracle happened, but a quite different thing to have an institution which quasi-scientifically – allegedly – explains that a miracle happened – which is what the case here is. Believing that something is a miracle means believing that there is no naturalistic explanation for this.

Explaining however that something is a miracle, means that THERE WOULD BE A NATURALISTIC EXPLANATION FOR THERE BEING NO NATURALISTIC EXPLANATION FOR SOME FACT. I.e. as if naturalistic explanations would determine what can be explained naturalistically. And then other naturalistic explanations would be needed to determine which are those naturalistic explanations which determine what can be explained naturalistically and so on…

The irony which is expressed in the German daily shows a justified intuition.