A topos refuted: having (and failing) to divorce without being married

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Wenn die Hälfte davon, was Yanis Varoufakis in seinem neuesten Buch Adults in the Room beschreibt, stimmt – mehr oder weniger, dass alle einschließlich der Griechen in den Eurogroup-Sitzungen vor zwei Jahren eingesehen haben, dass Griechenland in einer unentrinnbaren Schuldenfalle ist, aber alle (wieder einschließlich usw.) den Staatsbankrott lediglich aus Angst vor einer irrationalen Panik der Märkte vermeiden wollen, d.h. nicht etwa aus Europatriotismus – dann ist Europa etwas Groteskes: Eine Gemeinschaft, die keine Ehe darstellt, von der du dich aber nicht verabschieden kannst, weil die Scheidung noch nicht geregelt ist.

Europa ohne GR
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Let only the half of what Yanis Varoufakis describes in his newest book on the Eurogroup meetings two years ago be true: the European establishment and the Greeks as well, all recognise that Greece is trapped in a huge debt not to be paid back until the Second Coming of the Lord, that the only rational way to solve the problem is some kind of payments‘ default, but are reluctant to say it openly because they fear an irrational panic of the markets, and NOT out of loyalty towards the European idea. If half of this is true then…

… well, then, Europe is a state of non-marriage that you can’t quit because the legal formalities of divorce are not settled.

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Nubes Aristophanicae


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Per Facebook verkündete der Leipziger Kollege, er sei im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, trete gleich einen Flug nach Athen an.

Was er nicht wusste: Gerade eben war meine Maschine von Basel-Mülhausen in Frankfurt gelandet, sein Flug war mein Anschlussflug. Das zufällige Treffen beider wichtigsten analytischen aber antipositivistischen, ursprünglich Athener Philosophen aus den Neuen Bundesländern (je mehr unsere Attribute, desto mehr unsere Chancen, die besten zu sein) fand über den Wolken statt.

Die Disputationsthemen:

Ist die Intelligenz unabhängig von der Tugend? (alias: Gibt es einen Politiker namens Ioannis Varoufakis?)

Kann jemand autoritär aber lächerlich sein? (alias: Gibt es einen Politiker namens Alexios Tsipras?)

Kann der Philosoph naiv sein? (alias: Gibt es griechische Philosophen heute?)

Auf einmal lautete es im Flieger: „Ladies and gentlemen, this is the captain speaking, welcome to Venizelos-Airport Athens“.

Das Ende der philosophischen Reflexion war buchstäblich und metaphorisch eine Landung. Das kann natürlich laut Davidsons Metapher-Lehre nicht sein: Keiner Sache kann gleichzeitig buchstäblich und metaphorisch ein-und-dasselbe Prädikat zugeschrieben werden. Vielleicht hatten wir ein Gegenbeispiel da.


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I liked a colleague’s post in facebook: Nikos Psarros flies from Frankfurt Airport to Athens. He liked the fact that I liked the fact that he was about to fly but he didn’t know why I liked the fact etc.

I had just landed in Frankfurt myself coming from Basel and heading to Athens. His flight was my connecting flight. The two most important analytic but anti-positivist philosophers of Greek origin and faculty members in the former GDR (the more our attributes, the greater our chances to be number one) met above the clouds.

We had brainstormings on the following topics:

Can an intelligent person lack virtue? (alias: Is there a politician named Ioannis Varoufakis?)

Can a ridiculous person be authoritarian? (alias: Is there a politician named Alexios Tsipras?)

Can a philosopher be naïve? (alias: Is there a thing like a philosophy authored by Greeks today?)

Suddenly, we heard the captain speaking, welcoming us to Venizelos-Airport Athens etc.

We called the end of our philosophical reflection a landing. Literally and metaphorically. Perhaps this is a counter-example to Davidson’s theory of metaphor. If Davidson is right, nothing can have literally AND metaphorically the same predicate.

Brian Eno as a philosopher

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Nachdem der einflussreiche und militante ultralinke Kosmas Psychopedis verstorben war und der Fachbereich Wirtschaft des Athener Juridikums mich für seine Nachfolge ausgeschlossen hatte, lehrte Yanis Varoufakis auch das Fach Philosophie dort. Trotzdem überließ er jetzt in der Gründungsveranstaltung seiner postmodernen Partei („linken“ werden diejenigen sagen, die nicht so genau wissen) Brian Eno die Rolle des Chefphilosophen.

Enos Stellungnahme war philosophisch anregend! Er polemisierte gegen Smiths „unsichtbare Hand“ mit dem Argument, die Vorstellung, es sei zum Besten der Wirtschaft, wenn wir uns in diese nicht einmischen, sei religiös. Und  mit einem Zitat Margaret Thatchers brachte er Hayeks (und Poppers und Schumpeters) methodologischen Individualismus sehr treffend auf den Punkt: „So etwas wie die Gesellschaft gibt es gar nicht“.

Ich behaupte, dass Eno keinen Fehler beging, als er die unsichtbare Hand mit Religion gleichsetzte; ebenfalls keinen, als er Thatchers Spruch für Hayek sprechen ließ. Allerdings behaupte ich, dass er damit keine Mängel des „Systems“ aufzeigte, gegen das er polemisieren wollte.

Dass die freie Ökonomie nicht nur moralisch, sondern auch konzeptuell religiös geprägt ist, kann mindestens seit Weber und Sombart und Knoll und vielen anderen an sich als kein Vorwurf gelten. Und ist Marxens Entfremdungslehre etwa weniger ideologisch und ganzheitlich und weltanschaulich? Außerdem braucht die unsichtbare Hand gar nicht zu bedeuten, dass diese Hand wirklich eingreift. Es kann auch heißen, dass die Ökonomie angesichts menschlicher Unzulänglichkeit besser funktioniert, wenn man an die unsichtbare Hand denkt, als wenn konkrete Hände am Werk sind.

Thatcher nun… Die Frage für Thatcher und Hayek und Schumpeter etc. war nicht, ob es die Gesellschaft gibt, so wie es die Gruppe aller in zweiter Ehe Lebenden gibt, deren einzige Basilikumpfanze beim Discounter gekauft wurde. Beides gibt’s natürlich. Sondern es geht darum, ob die Gesellschaft einen Willen hat, der über das hinausgeht, was die Summe aller Individuen jedes für sich will. Thatcher und Co haben die letzte Frage verneint und ergo in der Gesellschaft so etwas wie die farblose, zusammenhanglose Gruppe aller in zweiter Ehe Lebenden gesehen haben, deren einzige Basilikumpfanze beim Discounter gekauft wurde.

Enos Partei wird kollektivistische Züge tragen. Als einer, der individualistische Songs produzierte, darf er das. Mal was anderes!

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It’s been unknown to many that Yanis Varoufakis has been also teaching philosophy at the Department of Economics at the Faculty of Law of the University of Athens: at least since the death of the militant Critical-School adherent Kosmas Psychopedis and the failure of the department to hire me in his stead – and this is not a joke.

In spite of his philosophical past, Yanis left Brian Eno the floor to play the role of the chief philosopher in the founding session of his postmodernist party (less informed followers of the political events would speak of a „leftist“ platform – I won’t).

Eno’s speech was philosophically intriguing! His argument against Adam Smith’s „invisible hand“ was that if you think that the best thing to do in economy is not to interfere with it, then you must be religious to think that something (the invisible hand) will turn things to the best. Eno also formulated Hayek’s (and Popper’s and Schumpeter’s) methodological individualism by Margaret Thatcher’s dictum: „There is no such thing as society“.

I don’t think that Eno made any mistake by equating the invisible hand with religion. And I also see no mistake in his regarding Thatcher as a female metempsychosis of Hayek. But I do think that it’s flawed to see deficits of the „system“ in this.

Already Weber, Sombart and Knoll, among others, saw free economy as not only morally but also as conceptually connected with religion – without any criticism because of this. Marx’s theory of alienation is not less ideological and holistic and quasi religious. Besides, an invisible hand does not necessarily mean an efficiently intervening hand. It can also mean that economy functions better if you don’t interfere with it only because you’re too clumsy.

And, finally, the bit about Thatcher… For Thatcher and Hayek and Schumpeter etc. the main point wasn’t whether society exists in the same way in which those divorced and remarried people exist, whose only basil was bought at a discounter. Of course it does! The point for them was only whether society has a will beyond the individual volitions of the sum of the individuals that make it up. Thatcher and the rest had a negative answer to this and, therefore, they regarded society to be a group as colourless as the group of the divorced and remarried people whose only basil was bought at a discounter.

Eno’s party will affirm collectivism, at least to some extent. Eno has produced so many individualistic songs that he can try this for a change…

 

 

Telling rationality gaps from irrationality

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Dass die Spieltheorie für den Verlauf der Verhandlungen zur Vermeidung eines Staatsbankrotts Griechenlands maßgeblich wäre, wird mit Hinweis auf den griechischen Finanzminister, der über Spieltheorie publizierte und lehrte, in der letzten Zeit behauptet. Nach dem Unfalltod von John Forbes Nash Jr. wird das noch öfter behauptet, nachdem ein paar Journalisten feststellten, dass Nash auf Einladung des besagten Ministers einen Ehrendoktorgrad der Universität Athen erhalten hatte. Das zeugt von keiner souveränen Beherrschung der Thematik.

Wenn es nach der Spieltheorie geht, so würden die Geldgeber grob gesehen die langfristige Finanzierung eines unzuverlässigen Partners bereuen und ergo nicht präferieren, Griechenland würde ebenfalls seine Anpassung an ein Wirtschaftssystem bereuen, von dem es seit den 80ern entfernt liegt. D.h. Nichtstun und der darauffolgende Grexit wären die beste Strategie.

Wenn überhaupt von etwas, so zeugt der Lauf der Verhandlungen von der Überzeugung des griechischen Finanzministers, dass eine irrationale Entscheidung gelegentlich die beste Strategie darstellt.

Die Ausweisung der Irrationalität als bester Strategie liegt mir fern. Ja, es stimmt, seit gestern ist mein Aufsatz in History and Philosophy of Logic über Rationalitätslücken als die besten Strategien online – für die gedruckte Version muss sich der interessierte Leser etwas gedulden.

Aber Rationalitätslücken sind erstens etwas anderes als Irrationalität. Rationalitätslücken stellen Fälle dar, in denen nicht determiniert werden kann, was rational und was irrational ist. Im Fall der Irrationalität ist es dagegen durchaus determiniert, was irrational ist. Zweitens kommen Rationalitätslücken in sehr wenigen, selbstreferentiellen Spielen vor, irrationale Züge gibt es dagegen in jedem Spiel. Drittens respektiert die Rationalitätslücke die Spielregeln, während irrational spielen auch heißen kann: mit sich beliebig ändernden Regeln spielen – also kein bestimmtes, identifizierbares Spiel spielen. Ich bin der Meinung, dass Rationalitätslücken in den Anwendungen der Spieltheorie auf religiöse Konversion und auf religiösen Dialog nicht vorkommen. Dass sie in der Ökonomie vorkommen, schließe ich nicht aus. Wenn alle Anleger z.B. ihr Geld nach dem Prinzip anlegen: „Ich tue, was die anderen tun“, dann sind Selbstreferentialität und Rationalitätslücken gegeben. Aber noch lange keine Irrationalität.

Es kann sein, dass die griechische Krise auf irrationale Art gelöst wird. Daran wird aber nicht die Spieltheorie schuld sein.

Calvin Hobbes Monopoly

Like European politics, Calvin’s and Hobbes’s Monopoly fails to be a game. Games are defined as sets of rules which enable winning strategies. Games whose rules are constantly and arbitrarily changing fail to be sets of rules and do anything but enable winning strategies.

The present Greek minister of finance might still consider something like this a game. He is a heretic in game theory and thinks that there are irrational decisions which are winning strategies.

Recently, John Forbes Nash Jr. was deadly injured in a car accident. This made journalists discover that the Greek minister had been Nash’s host when the latter was offered the honorary doctor degree of the University of Athens. That was it: game theory was supposed to be relevant for European politics.

This is not very smart. Game theory would not explain why the Eurozone finances a partner they consider to be unreliable. And it does not explain why Greece would promise to reform its economy to a direction which the country has left since the 80s. If anything, irrationality as the best strategy is what Yanis Varoufakis wants to implement. This is what he always believed in, this is what he still believes.

To my ears, this is noise. It’s true, my paper in History and Philosophy of Logic on rationality gaps as the best strategy in games is online  since yesterday – you have to be a bit patient for the printed edition. However, rationality gaps are not irrationality. In rationality gaps it cannot be determined what is rational and what is irrational. Irrationality, however, is fully determined as such when it is the case. Rationality gaps emerge in very few cases in self-referential games. But you get irrational strategies in every game. Rationality gaps always respect the rules of the game. By contrast, playing irrationally can be playing with rules which constantly change and eo ipso it’s stricto sensu not playing.

Rationality gaps are not only rare. They fail to be the case in the applications of game theory in religious conversion and religious dialogue. Perhaps they do occur in economy – I can grant this. If all the investors act according to the principle: „I do only what all the others do“ self-referentiality and a rationality gap are there. However, this is not to say that irrationality is there.

I’m not quite sure that the Greek crisis will not be resolved by means of an irrational decision. But game theory will not be to blame for this.

Stubendienst

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Gerade verfasse ich einen Beitrag für einen Sammelband über die griechische Krise, den Agridopoulos und Papagiannopoulos bei Springer herausgeben. Die „Philosophie des Geldes“ ist, weiß Gott, seit 12 Jahren nicht mehr mein Metier, aber es macht mir Spaß, meine alten Leidenschaften aus heutigem Blickwinkel zu betrachten. Liebe Leserin, lieber Leser, Du weißt dieses Gefühl bestimmt auch aus erster Hand. Denn es gilt im allgemeinen für alle erdenklichen alten Leidenschaften, dass sie nach einiger Zeit nur noch Spaß bereiten. Oder Schmerz.

Egal! Aus diesem Anlass lese ich die alten Artikel von Yanis Varoufakis wieder. Ein Spieltheoretiker soll er sein, sagt die Presse. Das stimmt nur bedingt. Yanis‘ Beitrag in der Spieltheorie entspricht dem Beitrag Ronald Laings in der Psychiatrie: „Ihr Therapeuten seid noch verrückter als die Kranken“. Dazu eine alte Geschichte. Yanis und ich hatten gleichzeitig Stubendienst – Schicht zwei bis vier Uhr morgens – die in der griechischen Armee berüchtigte „deutsche Nummer“. Warum sie so heißt, weiß ich zwar nicht, aber den Grund vermute ich darin, dass es eine gnadenlose Schicht ist, die die Nacht entzweiteilt: Vorher kamst du nicht zum Schlafen und nachher wirst du auch nicht dazu kommen.

Egal. Yanis war im Raum 2, ich im Raum 1. Unsere Pflichten bestanden im Wesentlichen darin, die Soldaten, die Wache schieben sollten, zu wecken, und ihnen Zugang zu ihrer Waffe zu verschaffen (in Griechenland selber waren die Waffen in der Nacht weggesperrt – anders war es nur im Einsatz: Bosnien, Kosovo, Albanien in den 90ern). Während der Dienstzeit mussten wir uns in unserem jeweiligen Raum aufhalten. Yanis also im Raum 2, ich im Raum 1.

Yanis war’s langweilig. Auf einmal war er da. „Komm raus, in den Korridor, da reden wir über Spieltheorie, Unipolitik… Damit die Zeit irgendwie vergeht…“

Ich ging raus. Wir haben uns im Korridor aufgehalten. Fast zwei Stunden lang. Er nicht im Raum 2 und ich nicht im Raum 1. Ein Vergehen gegen die Regeln und zwar von Leuten, die – immerhin – Unteroffiziere werden sollten. Das Gesprächsthema war selbstreferentiell. Im Grunde genommen ging’s darum, welche Nutzwerte wir davon hatten. Hätten wir uns an den Vorschriften gehalten, dann wär’s uns beiden langweilig und wir hätten jeweils keinen Nutzen. Hätte er sich in meinem Raum 1 aufgehalten, dann hätten wir Kurzweile, Unterhaltung, aber er hätte die Patrouille befürchten müssen, ich dagegen nicht, weil ich ja meinen Posten nicht verlassen hätte. Also wäre mein Nutzen, sagen wir, gleich plus zwei und seiner gleich plus eins. Wohlgemerkt, wenn das Vergehen nicht entdeckt würde. Bei einer Kontrolle hätte er allerdings bestraft werden sollen – minus zehn für ihn also – ich allerdings nicht: weiterhin plus zwei für mich.

Hätten wir uns statt dessen geeinigt, dass ich umgekehrt in den Raum 2 gehe, dann wäre die Situation umgekehrt analog: ein Nutzen gleich plus eins  bzw. minus zehn für mich, ein Nutzen plus zwei für ihn.

Nun waren wir aber beide im Korridor. Was hatten wir davon? Beide plus eins – denn beide haben wir die Patrouille befürchten müssen – wenn am Ende keine Kontrolle stattfinden würde – und beide minus zehn bei einer Bestrafung, weil wir beide unseren Platz verlassen hatten.

Damit vertraute Leser können unschwer die spieltheoretische Matrix zu diesem Spiel erstellen. Sie können auch unschwer errechnen, dass unsere Lösung – beide im Korridor – nicht optimal war: Sie stellt nicht das Nash-Gleichgewicht des Spiels dar. Rational wäre die Lösung, dass entweder ich rüber gehe, oder dass er bei mir bleibt. Aber in diesem Fall wären die Risiken ungleich verteilt und das ist nicht die Art, die Freunde pflegen. Das Spiel ist also komplizierter, als unsere Matrix ahnen ließ. Unter Freunden geht es darum, die Risiken gleich zu verteilen und nicht im Sinne der individuellen Rationalität zu berechnen. Die Spieltheorie, mein berühmter Freund war und bleibt dessen sicher, definiert eine Rationalität, die eines moralischen Ichs unwürdig und nur teilweise gültig ist.

Eine spieltheoretisch irrationale, gleiche Verteilung von Risiken erscheint bei Bestehen einer Freundschaft moralisch gefordert, weil Beziehungen im allgemeinen wie Absprachen fungieren. Sie wird allerdings in der EU nicht gelingen. Die EU ist kein Zusammenschluss von Freunden, sondern von rationalen Egoisten. Einen Bank Run kann deshalb der konventionelle Ökonom besser verhindern als der Rationalitätskritiker.

Ljubljanska

I’m working on a paper on the Greek crisis these days – one which will be published in a volume to be edited by Agridopoulos and Papagiannopoulos and published by Springer. Clearly, I’ve written or read nothing on the „philosophy of money“ in the last 12 years but it’s interesting to return to the topic. Old passions make you smile or ache if you look at them again from the distance which time provides and the combination of money and philosophy is no exception.

Anyway, I had to read Yanis Varoufakis’s old articles for this reason. The journalists say that he’s a controversial game theoretician. He’s controversial alright. And he’s a game theoretician – however in a special sense, since his contribution in game theory corresponds to Ronald Laing’s contribution in psychiatry: „Therapists are much worse than the madcaps they’re supposed to cure“. In this context, I remember the following old story: during our service in the army, Yanis and I had a barracks duty at the same time. It was the shift from 2 to 4 am. In the Greek army this shift is called „German“. I don’t know why it is called thus but I suppose that this has to do with its being unfavourable. It cuts the night into two pieces none of which is long enough for a proper sleep.

But this is not the issue here. Yanis was on duty in the room no 2, I was in the room no 1. Our duty was to wake up soldiers who had to go out for a patrol, give them access to their weapons etc. (since we were not in an operation like in Bosnia, Kosovo or Albania we locked weapons when they were not used). And we weren’t allowed to leave the corresponding room.

But Yanis had to struggle against boredom. Suddenly he entered room no 1: „Why don’t you come out to the corridor? We can chat on game theory, univerity politics…“

So I did. We were having a discussion in the corridor while on duty. An offence against the prescriptions, of course. As if this weren’t enough, he was about to become a corporal, I was about to become a sergeant. Our topic was, as far as I can still remember, self-referential. What were our utility values? Obviously we’d have zero utility if we had been good soldiers remaining each in his room. His utility if he had happened to come and stay in room 1 would be plus one for having a chat with the fear of a patrol discovering him in the wrong place while on duty. But since in this scenario I wouldn’t have left my room, I would have plus two instead. Plus two would have remained my utility if the patrol would come. But Yanis’s utility would be minus ten in this case since he would have to be punished.

If I would go to the room no 2 instead, the situation would be vice versa: plus one or minus ten for me, plus two for him.

None of these alternatives was the case. The remaining alternative was the case. Both of us had left our rooms. We were having fun but we were both afraid of the patrol’s coming (i.e. plus one for him and plus one for me or minus ten for him and minus ten for me).

Readers used to game-theoretical matrices will have no difficulty to calculate that the decision to go both to the corridor was not the Nash equilibrium of the game. Morally, however, you expect a friend to abstain from petty calculations even if (or exactly because) this is not affirming individual rationality. Game theory, my famous friend was and remains certain about this, captures a rationality unworthy of moral agents and valid only partly.

A game-theoretically irrational equity in the division of risk is a moral desiderate because a relationship to someone involves implicit agreement with her. But there is no chance for it to be implemented in the EU. The EU is not a union of friends but a union of rational egoists. This is why the one who has more chances to prevent the bank run can only be a conventional economist, not a critic of rationality.

The disagreement paradox

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Ob das Gerücht stimmt, dass der Schlagabtausch Mitte Februar stattfand, weiß ich zwar nicht, aber das Ganze ist sowieso aus logischer Sicht interessant:

Wolfgang Schäuble: „Wir sind uns über unsere Uneinigkeit einig“.

Yanis Varoufakis: „Nein! Da sind wir uns uneinig“.

Erstens passt die Anekdote, weil Schäuble etwas sagt, was in der Politik oft gesagt wird; und zweitens, weil Yanis Varoufakis ein notorischer Monty-Python-Enthusiast ist.

Was Schäuble sagt, kann nur secundum quid aber nicht simpliciter gelten: Die Einigkeit BESCHRÄNKT SICH auf die Feststellung einer SONST VORHANDENEN Uneinigkeit.

Was Varoufakis sagt, ist der Fall, wenn WS behauptet, es gebe eine Einigkeit, was YV bestreitet, oder wenn WS behaupte, es gebe keine Einigkeit und YV bestreitet vielmehr das. WS behauptete tatsächlich eine Einigkeit über eine vorhandene Uneinigkeit – also müsste YV nach dieser Lesart behaupten, dass es eine vorhandene Uneinigkeit gäbe, aber keine Einigkeit darüber. Das ist aber falsch, weil YV damit bereits zugibt, dass es eine Uneinigkeit gibt – infolge dessen auch Einigkeit darüber, dass es die gibt!

Also kann, was YV sagte, nur den Sinn haben, dass WS eine Uneinigkeit befand, was er, YV, bestritt. WS sprach sinnvollerweise von einer Uneinigkeit secundum pecuniam. Nach dieser Lesart meint YV, dass sich WS diesbezüglich irrt.

Was daraus entsteht, falls man die Äußerung von YV annimmt und damit die Äußerung von WS widerlegt, ist natürlich seinerseits eine Uneinigkeit, aber die tut nichts zur Sache. In puncto Wirtschaft sind sich beide Minister einig!

Ich tendiere zu letzterer Lesart obiger Äußerungen, zumal die selbstreferentielle, die ich hier gar nicht besprach, einen Teufelskreis darstellt.

Lehre für die Argumentationstaktik: Wer bestreitet, dass es eine Einigkeit über Uneinigkeit besteht, verpflichtet sich IN DER SACHE, den Standpunkt seines Gegenübers zu akzeptieren.
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There are rumors that the exchange took place in mid-February. I don’t know if this is true but the story is anyway interesting for its underlying logic:

Wolfgang Schäuble: „We agree that we disagree“.

Yanis Varoufakis: „No, this is where we disagree!“

The story sounds plausible because, first, I expect Schäuble to say something which is commonly said in politics. And, second, he negotiated with someone who loves Monty Python.

What Schäuble said can be meaningfully maintained secundum quid, not however simpliciter: He claimed to agree with Varoufakis upon disagreeing on SOMETHING ELSE.

What Varoufakis says is the case if WS maintains that they agree and YV contradicts or if WS maintains that they disagree and YV contradicts. WS made a claim that they agree – upon disagreeing, but let’s forget this for a moment. According to this reading, YV is supposed to claim that THERE IS a disagreement but no agreement upon this. But this claim invites a contradiction since, straightforwardly, if YV says that there is a disagreement, he agrees with WS over it. Therefore, there is SOME agreement.

I conclude that YV’s words can have only the following meaning: „My dear WS diagnosed disagreement and this is not the case“. Giving WS a minimum of charity, WS must have talked of disagreement secundum pecuniam. If this is correct, YV has to be taken to say that WS makes a mistake concerning an alleged disagreement secundum pecuniam!

Of course, a disagreement emerges anyway when we take YV to say something true and WS something false secundum quid. This, however, is logically harmless. The two men can still be taken to agree on the big issues!

Since the only remaining interpretation, which entails self-reference is not viable (this being the reason I didn’t discuss it here) and after I’ve been studying the news lately, I tend to believe that what YV said is true to the facts.

The lesson to learn from this for argumentation and tactics is the following: when you deny that you agree over the existence of a disagreement with your opponent, the only thing that you can be supposed to be saying is that you are willing to accept your opponent’s view – at least his view on the major issue.

An open letter to a friend who needs to know why politics is not possible-worlds ontology

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Lieber Freund,

was Deine Gedanken heute sind, im ganzen Medienrummel um Deine Person, weiß ich nicht – jahrelang haben wir nicht miteinander geredet – aber man braucht mit Dir nicht zu reden, um zu wissen, dass Dein Artikel zum Solidaritätsbegriff, den Du in Erkenntnis publiziert hast, gleichzeitig Deine beste philosophische Arbeit, einen Pfeiler Deines ökonomischen Denkens zeigt. Was Deinen anderen Erkenntnis-Artikel zum postmodernen und zum hegelschen Rationalitätsbegriff anbetrifft, so haben wir seit Unzeiten philosophische Geschmacksdifferenzen – aber wir müssen schließlich nicht einer Meinung sein.

Zurück zur Solidarität: Dass solidarisches Verhalten rational ist, ist eine wunderbare Idee, auf die nicht zuletzt die gesamte evolutionäre Religionstheorie zurückgreift: Wenn Altruismus keinen Evolutionsvorteil dargestellt hätte, wäre es auch areligiösen Gesellschaften gelungen, langfristig überlebensfähig zu bleiben. Aber es gibt keine areligiösen Gesellschaften. Also…

Die Solidarität ist ein kooperatives Spiel im Sinn der Spieltheorie – das ist eine Lehre aus Deiner Analyse. Kooperative Spiele setzen allerdings voraus, dass die Spieler aufeinander eingehen wollen. Ansonsten haben wir es mit nichtkooperativen Spielern zu tun, die nichtkooperative Spiele spielen – die auch in Ordnung sein können. Kant sprach von der Pflicht als Handlungsmotiv, gleichzeitig aber von der „ungeselligen Geselligkeit“, die ebenfalls als Motiv zur Pflichtausübung in Frage kommt – aus Eigeninteresse.

Genau mit geselligen Egoisten hast Du es jetzt zu tun. Um mit ihnen was in Bewegung zu setzen, musst Du zwei Sachen beachten:

Erstens ist die Politik keine wissenschaftliche Konferenz, in denen wir mittels rhetorischer Übertreibungen ein formalisiertes Theorem denen beibringen, die den Formalismus nicht verfolgen konnten. Es gibt in der Politik keinen Formalismus auf den der Gesprächspartner zurückgreifen kann („Ach das hat er gemeint. Ich habe ihn missverstanden!“) und deshalb wird unkonventionelle Rhetorik (wie Deine, OK?) in der Politik mittelfristig bestraft.

Zweitens kann man aus geselligen Egoisten keine solidarischen Weltbürger machen, wenn sie das nicht wollen. Viele Nationalismen ergeben keinen Internationalismus. Die EU ist die EWG unter einem anderen Namen. Nimm, also jetzt, was sie Dir geben und pfeif auf diese bodenlosen Pläne zu einer internationalen Konferenz, da „eine andere Welt möglich sei“. Deine neuen Freunde, die Dir ans Herz legen, für so etwas zu plädieren, sind nicht seriös! Sie sind keine seriösen Menschen! OK?

Der Grund dafür:

Sicherlich werde ich oft versucht haben, Dir zu erklären, dass eine andere Welt zwar möglich ist, gleichzeitig sind aber auch unendlich viele andere Welten möglich.

Inwiefern ist das nun für die Politik von Belang?

Dein S.

HPIM0756

Dear friend,

since we haven’t talked for ages I have no idea what your thoughts are. And I doubt whether you would tell me after the media are so hungry for interpretations. They would need no interpretations, however, to conclude that the pillar of your economic thought is the concept of solidarity on which you’ve written this Erkenntnis paper – in my view your best philosophical piece. Your other Erkenntnis article on postmodern and Hegelian rationality is not my taste but we don’t have to agree on everything, isn’t it?

Back to solidarity: solidarity is rational. The whole evolutionary theory of religion focuses on this. If altruism were no evolutionary advantage then there would be a-religious communities which would have been able to survive and remain so in the long run. But, there are no a-religious communities. Therefore…

One thing to learn from your analysis is that solidarity can be expressed in terms of cooperative games. Cooperative games presuppose, however, that players are willing to cooperate. What if they’re not? Well, they can play non-cooperative games – which doesn’t mean necessarily that they have a conflict. Kant spoke of duty as motivation for morality, however he also said that „unsocially social“ individuals can also fulfil duties out of selfishness.

You deal with selfish social beings, my dear! In order to make them do things, you have to pay attention to the following:

First, politics is not a scientific conference in which you can use rhetorical exaggerations in order to make those who didn’t follow your formalism understand the content of a theorem. There is no formalism in politics for the others to realize „Oh, this is what he meant“. Unconventional rhetoric (your rhetoric, alright?) can be a major risk.

Second, you cannot make angels of solidarity out of selfish social beings if these want to remain the way they are. Many nationalisms do not make an internationalism. The EU is the EEC by another name. Therefore, take now what they’re giving you. Your new friends who insist that „another world is possible“, those who insist that an international conference could make this other world happen are not serious. They’re no serious people, alright?

This is for a simple reason:

I think I’ve told you a couple of times that this other world is possible. However, to be more precise, the worlds which are possible are infinitely many.

Now, why is this important for politics?

Yours

S.