The most important titles

Scroll for English

Einen Magister in Geschichte hat er, ferner den Mut zu zeigen gehabt, dass die Liebe wichtiger als Konventionen und die öffentliche Meinung ist; das nordgriechische Kloster liebt er, das ich für das Paradies auf Erden halte, seine Großmutter väterlicherseits war, Höfling hin oder her, bereits eine orthodoxe Nonne.

Ich bin natürlich kein Monarchist geworden. Wenn die staatsmännische Haupttugend allerdings à la Machiavelli darin besteht, einfach da zu sein, dann verkörpert Charles III. bereits jetzt, ohne irgendwas gemacht zu haben, bloß durch seine Existenz, eine Emanzipation, die viele Nichtkonservative nicht zu fordern wagen.

Enough with scrolling

He is an MA in history, he had the courage to show that love is more important than conventions and publicity, he is fond of the Northern Greek monastery that I believe to be a paradise on Earth. Already his paternal grandmother was an orthodox nun in spite of every protocol.

I didn’t become a monarchist, of course. But if the statesman’s main role is – Machiavellistically – just to exist, to just be there, Charles III already, without doing anything, incorporates an emancipation which many nonconservatives do not dare request for themselves.

Learn your vocab correctly. Today: utopia

Scroll for English

“Utopisch” heißt nicht, wie Marxens Lektüre manchmal glauben lässt, “Das schaffst du nie”. Es heißt nur: “[Eine sehr schöne Gesellschaftsordnung aus dem] Land Nirgendwo”.

Utopien waren historisch stets schöne Inspirationsquellen für verwirklichte Modelle.

Enough with scrolling

“Utopian” does not mean “You’ll never achieve this” even if Marx sometimes sounds thus. It rather means “[A very good social institution of] Nowhereland”.

Utopias have historically been very good sources of inspiration for real-world achievements.

The place where Ernst Bloch is definitely on the shelf

Scroll for English

Die Einrichtungshäuser kämpfen gegen den Diebstahl von Büchern, die in ihren Ausstellungsräumen als Deko dienen. IKEA Deutschland hat z.B. schwedische Bücher. Bei so wenig Sprechern des Schwedischen in der Bevölkerung hat die Firma das Problem gelöst.

Vitra Design hatte eine andere Idee. Bereits Platon, Politeia, 373a-374d, argumentiert gegen Luxusmöbel, um eine militaristische Pointe zu machen. Ich bin mir nun nicht sicher, ob Platon diebstahlsicher im Einrichtungshaus wäre. Zu berühmt… Aber Bloch, der im Prinzip Hoffnung, Suhrkamp, FfM, 1976, S. 577, Jahwe einen Luxusgott nennt, ist anscheinend vor Diebstahl durch Vitra-Design-Kunden gefeit. Die Kunden brauchen nicht die kollektivistische Polemik zu lesen, um mit ihrem Kaufverhalten eine individualistische Aussage zu treffen.

Enough with scrolling

To prevent stealing, IKEA Germany has Swedish books as decoration. Vitra Design had another idea: they put Ernst Bloch on the bookshelves. Already Plato made a militaristic point against luxurious furniture in Republic, 373a-374d. But Plato is too famous to be secure from stealing. In contrast, Bloch, who calls in Prinzip Hoffnung, Suhrkamp, FfM, 1976, p. 577, Jehova a God of luxury, runs no danger to be stolen by customers of Vitra Design. Customers don’t need to read the collectivist critics of their individualist practices to execute the latter properly.

Die Qualen

Scroll for English

Als ich meine ersten Bundestagswahlen erlebte – es war das Jahr 1990, Kohl gegen Lafontaine – hieß es am Wahlsonntag, man bemerkte gar nicht, dass gewählt wurde. Viele werteten die Ruhe als Zeichen des Desinteresses.

Heute – ich weiß allerdings nicht als was für ein Zeichen das gelten soll – bemerkt man gar nicht, dass vor Wochen gewählt worden ist.

Enough with scrolling

In my first federal elections when I arrived in Germany – it was the year 1990, Kohl vs Lafontaine – people were saying on this Sunday that the elections passed unnoticed. Many took silence on that day to show lack of interest.

Today – I don’t know if this is a sign and for what – there’s no hint that the elections took place weeks ago.

Quarantine blitzvisit in UK

Scroll for English

Der Plan war, eine Mitfahrgelegenheit, geboten durch eine Kollegin, zu nutzen, um mit einer finanziellen Minimalbelastung einen Blitzbesuch englischer Freunde machen zu können. Im Grunde hat es auch funktioniert. Aber etwas hat sich so geändert, dass ich 14 Tage vor Ankunft hätte doppeltgeimpft sein sollen, bevor ich nicht zur Quarantäne verpflichtet wäre. Einem zweiten Test muss ich mich noch morgen unterziehen lassen, bevor ich übermorgen – ausgerechnet am Tag ohne Quarantäne – das Vereinigte Königreich verlassen kann bzw. muss.

Daraus ist also Zeit zum Effektivarbeiten geworden…

Die Regeln zur Grenzüberschreitung waren einmal starr und streng und stabil. In der EU und bis zur Corona-Krise wurden sie aufgeweicht und waren so für Jahrzehnte stabil. Jetzt sind sie starr und streng und instabil..

Enough with scrolling

The plan worked initially but continued in an unexpected way: I used the opportunity to cross the Channel with a colleague meaning to visit friends in England at a minimal budget, when I found out that I should have been vaccinated for the second time 14 days prior to my arrival. I’ll have to have a Corona test tomorrow before I can leave the UK on the day after – on the day without quarantine.

Great.. At last I have enough time to work effectively.

Crossing borders was for a long time something under rules which were strict and constant. In the EU they were, until the Corona Crisis, indulgent and constant. Suddenly now, they appear to be strict and variable.

Prophetae post Christum

Scroll for English

Große Krisen gibt es anscheinend alle acht bis elf Jahre: 1962 Kuba, 1973 Ölkrise, 1983 AIDS, 1992 Bosnienkrieg, 2001 11. September, 2009 Eurokrise, 2020 Coronakrise. Wenn eine zwischen 2028 und 2031 kommt, werde ich behaupten können, es gewusst zu haben? Vor Ewigkeiten meinte mein alter Diplomarbeitsbetreuer – Theophilos Veikos hieß er, aus Nordgriechenland, Spezialgebiet Geschichtsphilosophie – man brauche wohl nur Zeit und Nerv zum Bezügeherstellen, damit alle Geschichte im Nachhinein als irgendeiner mathematischen Funktion unterliegend erscheint. “Funktion”… Eine Funktion ist eine Abbildung mit bestimmten Eigenschaften, die aber so billig zu haben sind, dass das Präfix “irgend” der springende Punkt ist. Das Hauptproblem, das Veikos – Gott möge ihn selig haben – ansprach, war die Beliebigkeit der Argumente, die “irgendeine” Funktion erfüllen. Warum habe ich oben nicht etwa den Zweiten Golfkrieg oder die Verstaatlichung von Renault durch Mitterand hinzugefügt? Dann wäre wohlgemerkt die Funktion auch eine andere.

Aber zurück zur Krise zwischen 2028 und 2031: Dem Hang zum “Ich habe es doch immer gewusst” im Nachhinein verdient nicht nur die kognitive Psychologie eine wichtige Einsicht, sondern auf ihn lässt sich der Erfolg mindestens zweier der wichtigsten Romane des 20. Jh. zurückführen. Ich meine damit Umberto Ecos Namen der Rose

und Foucaultsches Pendel.

Romane sind immer kohärent. Die Realität wohl auch. Wer allerdings ein kohärentes Narrativ für die heutige Situation findet, hat noch lange kein adäquates. Vielleicht ist das lediglich Romanstoff.

Enough with scrolling

Every eight to eleven years there is a big crisis – or so it seems: 1962 Cuba, 1973 the Oil Crisis, 1983 AIDS, 1992 war in Bosnia, 2001 9/11, 2009 Eurocrisis, 2020 Covid19. If there is, now, a crisis between 2028 and 2032, will I be able to say that I predicted it?

Ages ago, the professor who graded my teacher’s degree thesis – a Greek Macedonian, his name was Theophilos Veikos and his specialisation philosophy of history – wrote somewhere that with a little time and patience everyone can manage to make history appear like a case of a certain mathematical function.

A function is a mapping of a certain kind, and the big question, if any function would do, is what you choose to map into what. In my list above e.g. I did not include events like the Second Gulf War or Mitterand’s policies towards Renault. You may say: “Plausibly so”. But others could be of another opinion, obviously preferring eo ipso a different function.

Let me return to the future crisis between 2028 and 2031. The idea “Actually I knew that this would happen” in retrospect is a topic of psychology as much as it is an element of two of the most read novels of the 20th century: Umberto Eco’s Name of the Rose

and Foucault’s Pendulum.

Novels are always coherent. The reality is also arguably so. But if you happen to have a coherent narrative for the situation we are currently thrown in, this doesn’t need to be adequate. Chances are that you only have the material for a novel.

Being the others

Scroll for English

Das Abtun zyklischer und selbstbezüglicher Entscheidungen als Unsinn ist erleichternd. Einerseits… Andererseits ist es nicht gerade eine elegante Lösung, das Schwert zu ziehen – tja, was soll der Unsinn! – und den Knoten aufzuschneiden. Solange keine Berichte aus der Antike auftauchen, wonach Aristoteles seinem Schüler zu gordischen Lösungen riet, muss der Logiker um elegante Lösungen bemüht sein. Klar, man kann ad libitum eine Regel einführen nach dem Motto: Errichte nie eine Mautstation, die nur den Zweck hat, das Geld für ihre eigene Errichtung aufzutreiben,

und das Problem erscheint gelöst. Da kann zyklische Selbstbezüglichkeit nur in Comics passieren. Das ist im Grunde die Lösung entscheidungstheoretischer Paradoxien bei Quine, Spohn und Gaifman. Auf Verweise verzichte ich hier. Wer alles lesen will, der lese meinen Aufsatz in History and Philosophy of Logic 37 (2016), 101-113, wo ich aber auch zeige, dass die zyklische und selbstbezügliche Lösung nicht immer “Unsinn” ist.

Einen weiteren Beleg für die sehr gute Anwendbarkeit zyklischer und selbstbezüglicher Entscheidungsregeln möchte ich heute aus gegebenem Anlass politischer Natur bringen. Angenommen, ich bin ein Ministerpräsident und der Meinung – ich habe Epidemiologen und andere Experten konsultiert, ich habe eine empirische Evidenz – dass die Corona-Maßnahmen gelockert werden können. Aber ich weiß – bzw. meine zu wissen – dass alle meine Kollegen das anders handhaben und deshalb äußere ich mich gegen die Lockerung und gegen meine eigene Überzeugung. Das zeigt natürlich, dass ich besonnen bin und meinen Job als Ministerpräsident höchstwahrscheinlich behalten werde. Tun, was die anderen tun, ist eine Regel, die sich in diesem Fall bewährt.

Aber ist wirklich das die Regel? Wie ist es z.B., wenn die anderen sich ebenfalls gegen ihre Überzeugung ausdrücken, weil sie meinen, die aus ihrer Sicht anderen (deren einer ich wohlgemerkt bin!) würden die Corona-Maßnahmen verschärfen statt lockern? Die Regel ist in diesem Fall selbstbezüglich und zyklisch: Tue, was die anderen tun, bedeutet im Endeffekt: Tue, was du vorwegnimmst, dass die anderen vorwegnehmen, dass du vorwegnimmst, dass die anderen vorwegnehmen, dass du… usw.

Ein ähnliches Beispiel ist das des Aktienkäufers, dessen Gewinnstrategie darin besteht, stets rechtzeitig zu verkaufen, was die anderen verkaufen, und rechtzeitig zu kaufen, was die anderen kaufen. Wenn das die Regel auch der anderen ist, ist der Aktienkurs durch die Erwartung der Anleger von der Erwartung der Anleger bestimmt; nicht jedenfalls von Produktion und Effizienz. Sieht irgendjemand die Möglichkeit, solche Regeln rechtskräftig zu verbieten? Vielleicht mit dem Schwert? Dazu muss das geeignete Schwert erst erfunden werden.

Enough with scrolling

Cyclical self-reference generates decision-theoretical paradoxes. You can declare it to be nonsense and you finished. But do you really want this?

Since it’s extremely unlikely that long forgotten sources from antiquity will ever suggest that Alexander’s cutting the Gordian knot was due to Aristotle’s instructions, I feel justified thinking that logicians should prefer elegant solutions. No doubt, one can introduce a rule ad libitum to prohibit, say, tolls to pay off the installation of the tollbooth as their sole target.

Such rules are Quine’s, Spohn’s and Gaifman’s recommendation to get rid of paradox. (No references here, I’m afraid; read my article in History and Philosophy of Logic 37 (2016), 101-113 if you’re interested). But even if one introduces thousands of such rules, one is not justified to believe that cyclical self-reference will only happen in comics. Take the following thought experiment:

You are a politician. Say, a local prime minister of some German federal state. You’ve had consultations with epidemiologists, public health experts – in short: you have empirical evidence – to the effect of a new persuasion that the Corona measures must be gradually relaxed. At the same time, you know that your colleagues would rather sharpen the measures to conform with the very timid attitude of the wide public. Since you want to keep your post as a prime minister, you make claims towards sharpening the measures, NB against your inner conviction for the opposite. I.e. your rule to keep your job is to do what the others do.

Second thoughts, however, may exist as to whether this is really the rule you follow. What if the others follow (rather: think they follow – continue reading for the reasons I make this distinction) the same rule? Then, it is not their conviction to sharpen measures. Rather, they think it’s the others’ conviction – that includes you, of course – and this is why they make claims against the relaxing of measures against their own opinion. Just like you.

In other words, a generalised rule to do what others do, results to the rule: do what the others anticipate you to anticipate them to anticipate you to anticipate them … to do.

A similar example is that of the investor whose winning strategy is to timely buy what “the others” buy and to timely sell what “the others” sell. The more people act according to this rule, the more you have stock prices depending on the investors’ expectations of investors’ expectations instead of the the investors’ expectations of production and efficiency. And now draw the sword and prohibit such rules – ha, ha, ha…

Se tutto deve rimanere com’è, è necessario che tutto cambi

Scroll for English

Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss es sich ändern…

… gibt Graf Salina, der Hauptcharakter von Giuseppe Tommasi di Lampedusas Gattopardo, zu bedenken, wenn er erklärt, wieso ausgerechnet er, ein Adliger, für Garibaldi eintritt und die Ehe seines Neffen mit der niveaulosen Neureichentochter will.

Drei Pinien habe ich auf dem väterlichen Garten am Meer am Wochenende fällen lassen. Das tat weh. Die Pinienkerne dieser Bäume waren – mit Honig geträufelt – mein Frühstück mit zwölf, mein Snack zum Tsipuro mit achtzehn. Mein Garten auf Euböa ist kleiner als Conte Salinas Gut auf Sizilien, aber was ist daraus zu schließen? Soll der Verlust jetzt mehr oder weniger wehtun? Salina sagt, gar nicht solle er wehtun. Was sich ändert, bleibt uns erhalten.

Tatsächlich kommt das Meer langsam zur selben Zeit an den Zaun heran. Die Ägäis eroberte die Straße vor meinem Land. Deshalb war es wohl den Bäumen zu salzig und giftig unter den Wurzeln. Wie soll es kein Gewinn sein, wenn nun in Ermangelung der Straße die Küste so sein wird wie in vortouristischen Zeiten?

Ja, die Welt wird immer besser, indem sie eine reformierte alte bleibt. BBC 6, mein Lieblingssender, spielt Flying Microtonal Banana und Automation von King Gizzard and the Lizard Wizard, einer Band von australischen Kunsthistorikern und Politologen, die junge westliche Menschen für Lieder geschrieben in altertümlich orientalischen Hijaz- und Bayati-Tonleiter gewinnt.

Giuseppe Tommasi di Lampedusa ist mein Leuchtturm zum Ästhetikverständnis. Auch zum Politikverständnis. Alles bleibt wie es war, während es sich verändert. Vor dem Hintergrund der Ideengeschichte des 18. Jh. ist Emmanuel Macron Friedrich der Große, QAnon wiederum Emanuel Swedenborg. Nicht dass Emmanuel keine Fehler macht (wie jetzt PCR-Tests für EU-Bürger- wie unnötig!) und Emanuel seine inkohärenten Piepser nicht schreiben sollte. Aber das ist in etwa der schwindelerregende Abstand. Alles in allem bin ich voller Optimismus über die Prospekte des Mainstreams.

Die Pinien? Ich werde neue an ihrer Stelle wachsen lassen. Meinen Töchtern und den Leuten in meiner Nähe werden die Pinienkerne jedenfalls nicht fehlen. Die Krise geht vorbei. Was sage ich da? Sie ist vorbei; an uns vorbeigegangen, sobald wir sie akzeptierten.

Enough with scrolling

If all has to remain the way it is, then it has to change…

… maintains count Salina, the main character of Giuseppe Tommasi di Lampedusa’s Gattopardo, when he explains why he of all Sicilians, an aristocrat, supports Garibaldi as well as his nephew’s marriage with a new rich and unfortunately beautiful philistine.

Last weekend I succumbed to the felling of three of the pines of our property which is directly adjacent to the coast. Our land in Euboea is much smaller than count Salina’s property in Sicily, even much smaller that the relative size of the two islands makes you think. This doesn’t mean that Salina had more to lose. The pine nuts of these trees, sprinkled with honey, were my breakfast at the age of twelve and began to accompany my whisky some time later. Salina’s advice however is not to perceive changes as a loss.

And when I give it some thought, he is right. While salty water was slowly contaminating the roots of my poor pines from below, eo ipso the sea won the battle against the street in front of the garden and reached the fence. You might think that I might see the fence endangered. What count Salina’s eyes in me see, however, is a coast returned to its natural state before the arrival of tourism, of lanterns, of seaside promenades.

The world gets better and better remaining as it was through reform. BBC 6 has always been my favourite station but now they also play scales like hijaz and bayati with which my grandfather’s ears have been familiar but were thought to be out in western music. Well, Automation and Flying Microtonal Banana by King Gizzard and the Lizard Wizard are exactly bayati and hijaz without being out.

Giuseppe Tommasi di Lampedusa is my lighthouse when I sail out in aesthetics. Or politics. Everything remains existing as it changes. With the history of ideas of the 18th century in the background, Emmanuel Macron is Frederick the Great and QAnon is Emanuel Swedenborg. I am not contending that Emmanuel makes no mistakes (the obligatory PCR test for EU citizens – how unnecessary!) and Emanuel should not write his incoherent things. I am just saying that this is the gap. Oh yes, I am very optimistic about the prospects of the mainstream.

Well, the pine trees… I shall plant new ones. My daughters, generally people at my side, should understand “Get some pine nuts” as a suggestion to collect them, not to buy them. The crisis will be over. What am I saying? It is over. It was over as soon as we affirmed it.

Corona martyrii

Scroll for English

Jeden 17. November trauert Griechenland um die Opfer der Studentenunruhen des Jahres 1973. Der 17. November 1973 war ein Freitag, was sich auf die spätere Erinnerungskultur sonderbar auswirkte. “Sonderbar”, weil die Trauerfeier trotz ihrer allgemein linken Ausrichtung an die Karfreitagsprozession erinnert. Während nun die Karfreitagsprozessionen von Nikosia bis Malaga mit dem Schrein des aufgebahrten Jesus in der Kirche ihren Ausgang nehmen, um ebendaselbst zu enden, beginnt der Trauermarsch des 17. November an der Athener Technischen Universität – um den Stadtcampus herum lagen die meisten Toten der 73er Unruhen – um zum Schluss die US-amerikanische Botschaft zu erreichen, eine Bauhaus-Version des Parthenons und Werk keines geringeren als Walter Gropius.

An jene Novembertage erinnere ich mich gut, obwohl ich erst sieben Jahre alt war. Meine Eltern hatten die unglückliche Idee, am Sonntag nach den blutigen Ereignissen einen Spaziergang in Athen zu machen. Wie viele andere haben sie nicht geahnt, dass die Polizei Demonstranten erschossen hatte. Als Schüsse zu hören waren, rannten wir. Vor allem erschreckten mich die Gesichtsausdrücke der Erwachsenen.

Dass niemals ein amerikanischer Soldat die Waffe gegen einen griechischen Bürger gerichtet hat, daran zweifelt wohl niemand. Aber die Linke hatte bereits Jahre zuvor den USA die Schuld für die Diktatur zugeschoben. Der Gropius-Bau wurde in der Wahrnehmung vieler das Tor zum Hades für den politischen Karfreitag.

Heuer findet die Prozession zum ersten Mal seit 1974 nicht statt. Das ist nur konsequent. Das Coronavirus ließ uns Sonntags- und Ostermessen absagen. Auf solche Einschränkungen reagierten die Religiösen mehr oder weniger rational trotz der wenigen Vorfälle, die jedes besonnene Handeln in Frage stellten. Es gab etwa Gemeinden, die vor der Kirche Distanz hielten, bis der Pfarrer kam, um die Heilige Kommunion mit einem einzigen Löffel zu erteilen. Ich nenne es nicht irrational, nur unbesonnen, wegen der – tja… – Rationalisierung: “Gewandeltes Blut Christi überträgt keine Krankheiten”.

Die Kommunistische Partei – keine Assoziation mit der Kommunion: Sie ist ein echter politischer Faktor in Griechenland, deshalb die Erwähnung – protestiert wegen der Absage des Trauermarsches, will aber, dass die Kirchen geschlossen bleiben.

Der Antagonismus zwischen orthodoxen Marxisten und orthodoxen Christen ist allerdings nicht nur Entgegnung. Es ist gleichzeitig Appropriation: Prozessionen hier, Prozessionen da, Heilige hier, Heilige da.

Vor Tagen hörte ich mir wieder Mikis Theodorakis’ “Tragudia tu agona” (Chansons de lutte) an. Ein Beispiel von vielen Anlehnungen an das Religiöse:

“Morgen soll die eine Hälfte irgendwohin transportiert werden,

wir müssen auch gehen, aber woandershin:

Vielleicht ans Festland, vielleicht auf eine Insel.

Es möge der Wille Gottes geschehen.”

Enough with scrolling

Every 17th of November, Greece mourns for the victims of the students unrest of 1973. November 17, 1973 was a Friday, a fact which, peculiarly enough, left some traces on the symbolism of the mourning. “Peculiarly” because, in spite of the generally leftist context, the main event of the mourning is reminiscent to the epitaphios procession on Good Friday. The standard Good Friday procession begins in the church with the shrine of the lying Jesus at its head, and ends there too. There are local varieties throughout the northern Mediterranean coast from Nicosia to Malaga, but this is the essence.

The Nov 17 procession of the various left-wing parties of Greece, however, starts at the Technical University of Athens, around which the most bodies of mostly young people were discovered after the revolt, and heads to the American Embassy of Athens, a Bauhaus version of the Parthenon and a work of Walter Gropius.

I have personal memories from the revolt, although I was only seven. My parents had the unfortunate idea to have a walk in downtown Athens on the subsequent Sunday, Nov 19, 1973 – most people thought that revolting students were being rather arrested than shot dead – when the shooting started. I was mostly terrified from adults around me looking terrified. Gunshots per se are not scary. We ran…

There was never doubt about the fact that no American soldier has ever shot one single bullet in Greece to kill a Greek. But the left considered the Americans responsible for the dictatorship – and treated the Gropius building as the gates of Hades of their Good Friday.

This year, the procession will not take place for the first time since 1974. Covid-19 made us abolish rituals like the Sunday service and Easter, so why not Nov 17? The religious were generally rational in spite of reactions that – I wouldn’t call them completely irrational since they employed rationalisation – challenged every intuition of phronesis. People in the church yard, for example, kept the recommended distance, but partook in the holy communion with one single spoon for the whole parish. “It’s the blood of our saviour – immune to Covid” you hear them saying.

The Communist Party of Greece – I do not mention them because of an association with the word “communion”, they are really a political factor in Greece – demands the procession to take place but the churches to remain closed. Antagonistic religions, you can say. Which is not far from truth. But the antagonism goes further: some the symbols are common. I was listening the other day after many years “Tragoudia tou agona” (“Songs of the Struggle”) by Mikis Theodorakis: the religious element in them is striking: “I talk to out Lady and to your Judge in heavens. I reckon your age by the bitterness. But tell: is your torturer a creature with eyes, lips and a neck?”

We used to play this with the guitar at school. The girl who gladly sang it, I think her name was Sophia. From Crete. After school she joined the Communist Party. I’ve never heard anything about her since then.

She had a nice voice. I hope that she remains healthy.

Icons of the evil

Scroll for English

Der Ikonoklasmus tauchte im Oströmischen Reich gleichzeitig mit dem Aufkommen des jungen Islam auf. Johannes von Damaskus und Theodor von Studion, die wichtigsten Stimmen für die Sache der Ikonenanbetung, polemisierten zwar gegen christliche, nicht moslemische Bilderstürmer, aber was sie sagen, ist im Endeffekt, dass die Bilderstürmer cultural renegades sind. Sie würden nicht zu “uns” gehören. Das schreibe ich mit der Ermordung Samuel Patys, den Nizzaer Morden, den jüngsten Ereignissen in Wien im Hintergrund.

Vergangenes Wochenende – ein Kollege bestand darauf, ich solle es sehen, die Kinder hatten nichts dagegen – guckte ich mir “Er ist wieder da” an. Der Plot: Gott beschließt im Jahr 2014, Hitler noch einmal auf die Erde zu schicken. Der Film bewegt sich über lustige Missverständnisse der Jugendsprache und der heutigen Alltagskultur durch Adolf einerseits, über Gespräche mit Passanten à la Borat andererseits auf das Ziel zu: Der wiederauferstandene Führer wäre heute mit seiner Rhetorik eine TV-Prominenz und begeisterter Anhänger der Bündnisgrünen, gerade weil die CSU so “eine erbärmliche Kopie” wäre.

Es sind die boratartigen Gespräche mit Passanten, die der Regisseur ausschlachtet; die Ehrerbietungen gegenüber dem “Führer” mit ausgestrecktem Arm mitten im Berlin des Jahres 2014, womit David Wnendt vergisst, dass die Zuschauer vor der Ikone des Bösen auch mitspielen wollen, glauben machen wollen – Mimesis als “make-believe” ist Kendall Waltons griffiger Spruch – sie wären ein Teil des Fiktiven, nicht des Realen.

Das Böse wollen die Akteure bewältigen und das Gute verstehen. Stellvertretend für das Böse wie für das Gute sind Bilder: Ikonen. Ikonen wie Hitler-Darsteller in Berlin. Timur Vermes’ Idee eines wiederauferstandenen Hitler, der durch das heutige Deutschland spaziert, hatte übrigens bereits 1993 Želimir Žilnik, als er einen Tito-Darsteller durch Belgrad schickte. Um beim ehemaligen Jugoslawien zu bleiben: Tito, Marx und Engels wurden unlängst von einem montenegrinischen Freskenmaler in der Hölle platziert (s.o.)

Europa scheut sich nicht vor Ikonen des Bösen, geschweige denn des Guten. Der Ikonoklast duldet nicht einmal letztere.

Weit davon entfernt, ganzen Kulturen und Nationen die Schuld zuzuweisen für Ideologien, die Mentalkranke als Killer nutzen, finde ich, dass der Umgang mit Bildern und mit der Mimesis ein beständiges Element europäischer Identität ausmacht.

Enough with scrolling

The emergence of iconoclasm in the Eastern Roman Empire coincided with the rise of Islam. John of Damascus and Theodore of Studion, the most important authors of the icon-venerating party, attacked the Christian, not the Islamic iconoclasm. Even thus, basically they emphasised that the iconoclasts are cultural renegades. I am writing this having Samuel Paty’s assassination in mind, also the subsequent crimes of the same nature in Nice and Vienna.

Last weekend – a colleague urged me to do so, our daughters said also yes – we watched “Look who’s back”. The plot: AD 2014, God decides to send Hitler back to earth. The fuehrer happens to funnily misunderstand today’s slang and everyday culture, there are also some Borat-like passages and scenes where the protagonist mixes and mingles with the crowd off-script, until the movie returns to its real scenario: the resurrected monster succeeds in becoming a celebrity of the present-day liberal media landscape of Berlin – the end…

The Borat-like scenes of “Look who’s back” offended many in Germany. They were mostly understood as playing down the worst crimes in the history of mankind. People joking about concentration camps after the second beer are probably not as rare as one would wish them to be, but when they do so indulging in a make-believe game with someone who pretends to be Hitler, the mixture becomes utterly tasteless. Otherwise, a committing into this game needn’t be out of an extreme right motive. Kendall Walton defined mimesis as make believe. Mimesis is interesting. Once you render yourself to a part of fiction rather than to one of reality, you can pretend that you are Jesus, Virgin Mary or marshal Tito. Or someone who talks with Hitler. It is by means of mimesis that you can feel the good things in the first two and cope with the monstrosities of the two others. Icons – of the good or of the evil – have proven useful for mimicking already before Timur Vermes had the idea to send a resurrected Hitler to a trip around Germany. Želimir Žilnik’s documentary of the year 1993 around an enactment of Tito had the same results with “Look who’s back”. Recently, a Montenegrin icon painter depicted Marx, Engels and Tito in hell (vide supra).

Europe has no issues in dealing with icons of the good or of the evil. The iconoclast would not even accept the former, let alone the latter.

Far from blaming whole cultures and nations for some ideologies in their midst, ones that employ the mentally ill as killers, I find that, in our search for a European identity, mimesis and icons are seriously to be taken as a constant.