Matrix in 1200 BC

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Eine der unangenehmen Auswirkungen der Coronazeit ist das Nichtreisenkönnen. Für andere wiegt es vielleicht nicht so sehr: Ob in Bielefeld oder in Salzburg, sind sie in Mitteleuropa, wo sie aufgewachsen sind, und die Oma kann man doch per Skype kontaktieren. Ich kann meine Mutter selbstverständlich auch per Skype kontaktieren. Wenn sie aber sagt “Bleib da, ich geh kurz Zitronen holen”, bin ich so lange nicht da gewesen, dass ich zunächst protestiere: “Ich bleibe doch nicht hier, bis du vom Supermarkt zurück bist”. Nein, zum Zitronenbaum will sie kurz.

Homer (Odyssee, IX, 102) lässt Odysseus seine Ithaker auf der Lotusinsel, wo es ihnen doch gut gefallen hat, davor behüten:

“Lotus essend den Tag der Heimkehr vergessen”.

Selbst der Lotus des ewigen Lebens neben der Göttin Kalypso ist Odysseus nicht genug, um diesen Tag zu vergessen. Er verlässt die Immerjunge für seine vierzigjährige und stets alternde Penelope (Odyssee VII, 256-258). Er ist ein Sterblicher und will das Geschenk des Auf-ewig-Gleichaltbleibens nicht einmal ausprobieren.

Das Leben in der Matrix oder als Gehirn im Tank ist angenehm. Der Wunsch, außerhalb der Simulation zu stehen, leuchtet trotzdem sofort ein.

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Restricted mobility is one of the most controversial measures of the Covid-19 time. Most people in Europe are not too far away from their origin, which makes the skype conversation with grandma devoid of nostalgia. I can also do so but when she says “Don’t go away, I’ll get some lemons” (meaning that she’ll go to the lemontree) having been away so long I have started understanding the sentence as saying that she’ll go to the supermarket.

In Homer (Odyssey, IX, 102) Odysseus takes his crew from the Lotus-eaters out of fear

“…that they would forget the day of return to their land if they eat lotus”.

Is it better not to forget if you cannot return anyway? For Homer yes.

Another Homeric episode to show why our own state is better than any other state qua our own is Odysseus’ preferring to return to his ageing-and-already-in-her-forties Penelope instead of staying with Calypso, a goddess who promises him the lotus, so to say, of eternal life (Odyssee VII, 256-258).

Life in the Matrix or as a brain in a vat is comfortable. But the wish to live out of the simulation is justified.

From a wild like Byron to a Byronlike Wilde

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Diese Tage vor 200 Jahren entfachten sich gleich drei bewaffnete Erhebungen gegen den Sultan und die Hohe Pforte: Eine auf dem Westbalkan, in einem Landstrich gegenüber Korfu, eine in Rumänien und eine auf der Peloponnes. Eine vierte, serbische, wurde mit der Ermordung ihres Anführers im Keim erstickt. Erfolgreich war nur die Revolution in Südgriechenland. Sie führte zur Gründung des Staates Griechenland. In all diesen Erhebungen waren griechische Offiziere in russischem Dienst die Drahtzieher. Die griechische Beteiligung ließ die Ideologie des wiederauferstandenen, klassischen Griechenland plausibel erscheinen, aber die Kulturgeschichte spricht eine andere Sprache: Die Revolutionen des Jahres 1821 wurden von einer an Voltaire und Napoleon orientierten Ideologie getragen. Die Romantiker und die Ästhetiker, das Zurückgreifen auf die Antike, das alles waren nachträgliche Legitimationsversuche. Mit Posen in griechischer Nationaltracht konnten Byron und Wilde nicht etwa die Geschichte umschreiben.

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Almost exactly 200 years ago, three plus one revolutions against the Sultan began: one in the Western Balkans, in the region opposite Corfu, one in Romania, one, finally, in Southern Greece. Only the last, which laid the foundations for the independence of Greece, proved successful. The attempt, finally, to incite a revolt in Serbia failed after the killing of the Serbian leader. The deep involvement of the Czar’s Greek officers and diplomats in these events made the ideology of the rebirth of classical Greece appear plausible. The cultural history of the Balkans, however, provides evidence that the ideological backing in the time of the events of spring 1821 in the Balkans referred rather to Voltaire and Napoleon than to Miltiades or Alexander the Great. Romantics and aestheticists saw an ancient spirit at work but this was a later construction. Byron’s and Wilde’s fustanellas did not influence history. They just gave a hint to its interpretation. A misleading one.

Doubting truth

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Keine Aktualität dieses Mal. Ich habe mit der fast einzigen Aktualität der letzten 12 Monate die Nase voll. Keine Aktualität, sondern im Gegenteil Poesie. Die Poesie ist nie aktuell.

Genau genommen: Shakespeare. Noch genauer: Hamlet.

Doubt thou the stars are fire;
Doubt that the sun doth move;
Doubt truth to be a liar;
But never doubt I love.

Zwar ist der Reim von “luv” auf “muv” verblasst, aber die Zweideutigkeit des vorletzten Verses ist immer noch lustig: “Zweifle an der Wahrheit, um Lügner zu werden” und “Zweifle daran, dass die Wahrheit lügt”. Lustig zwar, allerdings zweifle ich meinerseits dass Shakespeare diese Zweideutigkeit intendierte. Denn zum einen macht einen der bloße Zweifel an der Wahrheit nicht automatisch zum Lügner. Von allen Wahrheitswertinversionen macht einen nur die direkte Leugnung, die Verneinung, zum Lügner. Zum anderen sind die ersten beiden Verse als Aufforderungen zu verstehen, am Offensichtlichen zu zweifeln (Sterne sind ja schließlich im Endeffekt Feuer und die Sonne war aus Shakespeares Sicht ein Wanderstern). Dann muss wohl auch der dritte Vers ebenfalls als Hinweis auf eine offenbar trügerische Wahrheit zu verstehen sein. Weist hier Shakespeare auf die Lügnerparadoxie hin?

Das muss nicht sein. Die Liebe zuzugeben – das ist genau, was Hamlet macht – um nicht geglaubt zu werden – Hamlet stellt sich ja verrückt in der 2. Szene des 2. Aktes – ist eine uralter Witz. Etwa wie dieser: Verheirateter Mann mit Affäre merkt, dass er längst zu Hause hätte sein sollen, und bittet die Geliebte um etwas Kreide. Zu Hause befragt, was denn diese Verspätung gewesen sei, antwortet er: “Ich habe eine Affäre und das Rendezvous wurde etwas länger”, woraufhin die Ehefrau despektierlich einwirft: “Wasch dir die Kreide von den Händen und nächstes Mal, wenn die Billardpartie mit deinen Freunden zu lange wird, rufst du, bitte, an”.

Die Wahrheit zuzugeben, damit diese nicht als Wahrheit wahrgenommen wird, ist wohl betrügerisch in der Absicht, verrät aber wenigstens eine gewisse Waghalsigkeit, eine Sportlichkeit. Beeindruckt hat mich das zum ersten Mal vor Ewigkeiten. Ich war 19 und diese Kommilitonin unternahm einen langen, aufdringlichen Versuch, mich für die Studiorganisation einer politischen Partei zu gewinnen. Ich wehrte ab, bevor ich fragte, was denn ihr das Gefühl gab, ausgerechnet bei mir nachzuhaken, als sie sagte, gar nichts gab ihr dieses Gefühl, nur konnte sie wohl nicht ohne Anlass Interesse an mir zeigen. Die Sprecherin überlässt es dem Zuhörer, eine Ironie oder ein Eingeständnis zu hören. Ich habe den Eindruck, dass wir in jüngeren Jahren den Trick durchaus angewandt haben.

Ich suche nach einem historischen Namen für diesen Trick und finde keinen. Meine Mutter hat schon immer die Bezeichnung dafür gehabt: “To pairnei apo mprosta”, was im Neugriechischen so etwas wie “Vorauseilen” bedeutet. Aber meine Mama ist natürlich keine Logikerin und hat insofern keine Autorität zur Einbürgerung eines terminus technicus.

Über Tipps würde ich mich freuen.

(Der Clip aus Pirates of the Caribbean funktioniert auf iPhones wohl nicht korrekt. Hier gibt es das Zitat)

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(I suppose that the clip from the Pirates of the Caribbean does not function correctly on iPhones, which is the reason I have the quotation for you here).

Doubt thou the stars are fire;
Doubt that the sun doth move;
Doubt truth to be a liar;
But never doubt I love.

OK, this is Hamlet and you most probably knew it. But I doubt that you ever thought of the ambiguity of the third line. Is it you who will be a liar if you doubt truth or rather the truth which you doubt to be a lie? Obviously, you are not automatically a liar if you only doubt something true. A liar you are only if you directly negate truth. This makes the ambiguity in question too trivial to be Shakespearian.

(The background of these thoughts is that I am fed up with actual issues because for 12 months now there has been only one issue. OK, and now that you know it, back to Shakespeare).

Just take into account that the truth of the first two verses is supposed to be evident. This cannot be otherwise in the third verse. But then the third verse is pointing out that truth is evidently a liar – and that you can doubt even this. Is Shakespeare’s reference here to the Liar Paradox?

This is rather improbable and would be too vague a reference anyway even if it had been one. But take this old joke: this married man notices that he should have long been at home and asks this one other lady for a piece of chalk. With this in his right hand, he drives home where he’s asked by his wife about the delay. “Well, love, I have an affair” says he then, “and we appear to have forgotten how fast time passes”. The wife laughs and asks him to wash the chalk off his hands. “Just give me a phone call next time snooker with your friends takes time.”

Telling truth to appear as a liar is a sport, is audacious, is witty. It first impressed me, I recall, ages ago. I must have been 19 and this fellow student tried to persuade me that the best thing to do was to join the youth organisation of this political party. Out of question, of course, and so much out of it that I had to ask her why she asked me of all people. She said she had no particular reason but also no other excuse available to show interest in me. Was that ironic or a confession? She let me guess. I believe that this trick was used somewhat more often back then.

Searching in my memory for an historical term for this piece of informal logic, I find none. My mother has a name for it: an expression of Modern Greek that means something like “anticipating”. But my mother is not a logician and her chances to successfully introduce a term are minimal.

Any hints?

Meta-Pokern mit Kindern – und mit Erwachsenen

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Mit ganz genauen Plänen sind sie gekommen, unsere Jüngere und ihre Freundin: So viele gemeinsame Übernachtungen, das zum Essen, das zum Spielen, und du spielst mit.

Eine Bedingung – eine Fahrradtour – habe ich gestellt, aber im Grunde war ich mit dem Gesamtplan einverstanden. Das Kartenspiel, das sie spielen wollten, kannte ich zwar nicht, aber was sollte es…

Es stellte sich heraus, dass ich es gar nicht hätte kennen können. Es war ein von ihnen selber modifiziertes Spiel mit selbstgebastelten Karten. Es ließ sich damit gut spielen, gesetzt, man bluffte nicht. Nun wollten sie aber einen Erwachsenen – mich; welche Ehre! – zum Mitspielen haben. Nur: Erwachsene bluffen ja! Ständig dachte ich, bluffen zu müssen, denn schließlich sollen sie etwas fürs Leben lernen. Ihr Spiel geht allerdings ad absurdum, wenn man blufft. Also, doch nicht bluffen… Nichtbluffen bedeutete aus Erwachsenensicht, sich grundlos dumm zu stellen.

Und eben grundlos war das Sichdumstellen nicht! Ich wollte ja weiter mit den beiden spielen. Das war ein wichtiger Grund, auf meine Spitzfindigkeit nicht zu hören. Zugegeben fiel es mir anfangs schwer, wie ein Kind von der Reflexion über das Spielen – einer Erwachsenenmetaebene doch – zu abstrahieren. Aber irgendwann ging das gut. Im Spiel ging es ums Erraten. Wenn z.B. Greta erriet, dass ich die Karte XY hatte – damit müsste ich diese freilegen und das Spiel verlieren – sagte ich, statt zu bluffen: “Ja, ich habe sie”. Und verlor. Wohlgemerkt müsste ich nicht die Karte vorzeigen, die ich tatsächlich hatte. Das wäre ja, wie mit offenen Karten spielen. Es ging nur darum, zuzugeben, dass die Mitspielerinnen richtig erraten haben, nur falls sie das taten. Mit anderen Worten hatten die Mitspielerinnen, vorerst jedenfalls, keine Chance, einen Bluff zu entdecken.

Ich fasse zusammen: Die Kinder spielten auf einer einfachen Ebene: Kein Gedanke über Bluffs. Ich verzichtete auf die Metaebene des Bluffens. Allerdings verzichtete ich bewusst auf sie, um weiter spielen zu können, ohne das Spiel ad absurdum zu führen. Also ging ich über eine Meta-Metaebene auf kindliches Spielen ein.

Die Geschichte spieltheoretischer Ansätze – eine, die weit vor von Neumanns bekannten Vortrag in Göttingen am 7. Dezember 1926 zurückreicht – zeugt von Abstraktion auf die nächste Metaebene: von: “Was weiß ich über meine zulässigen Spielzüge?” über: “Was weiß der Gegenspieler über meine Überlegungen?” bis hin zu: “Was macht er, wenn er weiß, dass ich weiß, dass er weiß, dass ich weiß, wie ich spielen soll?” Schließlich zu: “Was macht er, wenn er weiß, dass ich weiß, dass er weiß, dass ich unter allen Umständen weiterspielen will?” Letztere Fragestellung entspricht der Logik des solidarischen Spielens, einer, die bereits David Hume im Gegenspiel antagonistischer Religionsgemeinschaften mit Hilfe von Bestechung herstellen wollte. Erwachsene brauchen Extras, um kindlich – oder kindisch – zu spielen.

Es ist wie beim Maskentragen: Die einen tragen eine Maske, weil sie Angst haben; andere tragen sie, weil erstere Angst haben; und andere wiederum haben keine Angst und auch keine Sympathie für Leute mit Angst, tragen sie aber trotzdem, weil alle – zu denen sie schließlich selber gehören – sie tragen.

Spielen zu wollen ist ein Bestandteil des Spielens, während man spielt.

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Their plans were very precise. “So many sleepovers. On the first day you’ll cook this, on the second that, this is the card game to play and these are the movies to watch”. I only insisted to have a bicycle ride at some point during the weekend but, generally, I agreed to everything.

“Oh, yes: and you’ll have to play along the card game with us”.

I didn’t know the game. Rather: no one knew it apart of them. They had used a game idea to design their own cards set, had spent a lot of time with coloured heavy-paper cards, simplified the rules. It was their game.

And it was playable. Under one condition: no bluffing. That is, bluffing was allowed and everything, at least there was no way to detect bluffing or to sanction it. But if you bluffed, the game became pointless and there was no reason to continue playing. This was confusing since adults have this meta-level of reflection upon their own playing, a meta-level that enables bluffing. And they wanted to play with an adult and this was me. It was the privilege of being their chosen one against my nature as a bluffer. The privilege was more important.

Guessing was essential for the game. When Greta guessed that the card I had was the Princess and I had the Princess, then I had to place this card on the table for everyone to see. Which is what I did. If you consider that, had I bluffed, no one would know that I had this card and no other, you may also feel compelled to ask how an adult can be a fool and play like this. My veracity (or foolness) was induced by the fact that continuing playing was a strong motivation.

I’m summing up: the girls played without afterthoughts. I had afterthoughts but did not employ them because – an after-afterthought – I wanted to continue the game.

Since von Neumann’s lecture in Göttingen on Dezember 7, 1926, the history of game theory is characterised by an ascent of levels: from “These are my moves”, to “These are his moves”, to “Knowing that he knows that I know that he knows that I know his moves, these are my moves”. Finally, you reach a level on which you say: “These are our moves if we are supposed to continue playing together”. The setting of game-theoretical solidarity is one that David Hume already discussed. Hume also discovered that bribing is a measure to reach this level of naïveté – one that is alien to adults with own interests.

Wearing masks is an activity related with these levels: there are those who wear masks because they are afraid; there are others who were a mask because the aforementioned are afraid. And, finally, there are those who wear a mask because everybody, a group of which they are evidently members themselves, wears a mask.

The will to play is a part of playing.

Se tutto deve rimanere com’è, è necessario che tutto cambi

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Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss es sich ändern…

… gibt Graf Salina, der Hauptcharakter von Giuseppe Tommasi di Lampedusas Gattopardo, zu bedenken, wenn er erklärt, wieso ausgerechnet er, ein Adliger, für Garibaldi eintritt und die Ehe seines Neffen mit der niveaulosen Neureichentochter will.

Drei Pinien habe ich auf dem väterlichen Garten am Meer am Wochenende fällen lassen. Das tat weh. Die Pinienkerne dieser Bäume waren – mit Honig geträufelt – mein Frühstück mit zwölf, mein Snack zum Tsipuro mit achtzehn. Mein Garten auf Euböa ist kleiner als Conte Salinas Gut auf Sizilien, aber was ist daraus zu schließen? Soll der Verlust jetzt mehr oder weniger wehtun? Salina sagt, gar nicht solle er wehtun. Was sich ändert, bleibt uns erhalten.

Tatsächlich kommt das Meer langsam zur selben Zeit an den Zaun heran. Die Ägäis eroberte die Straße vor meinem Land. Deshalb war es wohl den Bäumen zu salzig und giftig unter den Wurzeln. Wie soll es kein Gewinn sein, wenn nun in Ermangelung der Straße die Küste so sein wird wie in vortouristischen Zeiten?

Ja, die Welt wird immer besser, indem sie eine reformierte alte bleibt. BBC 6, mein Lieblingssender, spielt Flying Microtonal Banana und Automation von King Gizzard and the Lizard Wizard, einer Band von australischen Kunsthistorikern und Politologen, die junge westliche Menschen für Lieder geschrieben in altertümlich orientalischen Hijaz- und Bayati-Tonleiter gewinnt.

Giuseppe Tommasi di Lampedusa ist mein Leuchtturm zum Ästhetikverständnis. Auch zum Politikverständnis. Alles bleibt wie es war, während es sich verändert. Vor dem Hintergrund der Ideengeschichte des 18. Jh. ist Emmanuel Macron Friedrich der Große, QAnon wiederum Emanuel Swedenborg. Nicht dass Emmanuel keine Fehler macht (wie jetzt PCR-Tests für EU-Bürger- wie unnötig!) und Emanuel seine inkohärenten Piepser nicht schreiben sollte. Aber das ist in etwa der schwindelerregende Abstand. Alles in allem bin ich voller Optimismus über die Prospekte des Mainstreams.

Die Pinien? Ich werde neue an ihrer Stelle wachsen lassen. Meinen Töchtern und den Leuten in meiner Nähe werden die Pinienkerne jedenfalls nicht fehlen. Die Krise geht vorbei. Was sage ich da? Sie ist vorbei; an uns vorbeigegangen, sobald wir sie akzeptierten.

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If all has to remain the way it is, then it has to change…

… maintains count Salina, the main character of Giuseppe Tommasi di Lampedusa’s Gattopardo, when he explains why he of all Sicilians, an aristocrat, supports Garibaldi as well as his nephew’s marriage with a new rich and unfortunately beautiful philistine.

Last weekend I succumbed to the felling of three of the pines of our property which is directly adjacent to the coast. Our land in Euboea is much smaller than count Salina’s property in Sicily, even much smaller that the relative size of the two islands makes you think. This doesn’t mean that Salina had more to lose. The pine nuts of these trees, sprinkled with honey, were my breakfast at the age of twelve and began to accompany my whisky some time later. Salina’s advice however is not to perceive changes as a loss.

And when I give it some thought, he is right. While salty water was slowly contaminating the roots of my poor pines from below, eo ipso the sea won the battle against the street in front of the garden and reached the fence. You might think that I might see the fence endangered. What count Salina’s eyes in me see, however, is a coast returned to its natural state before the arrival of tourism, of lanterns, of seaside promenades.

The world gets better and better remaining as it was through reform. BBC 6 has always been my favourite station but now they also play scales like hijaz and bayati with which my grandfather’s ears have been familiar but were thought to be out in western music. Well, Automation and Flying Microtonal Banana by King Gizzard and the Lizard Wizard are exactly bayati and hijaz without being out.

Giuseppe Tommasi di Lampedusa is my lighthouse when I sail out in aesthetics. Or politics. Everything remains existing as it changes. With the history of ideas of the 18th century in the background, Emmanuel Macron is Frederick the Great and QAnon is Emanuel Swedenborg. I am not contending that Emmanuel makes no mistakes (the obligatory PCR test for EU citizens – how unnecessary!) and Emanuel should not write his incoherent things. I am just saying that this is the gap. Oh yes, I am very optimistic about the prospects of the mainstream.

Well, the pine trees… I shall plant new ones. My daughters, generally people at my side, should understand “Get some pine nuts” as a suggestion to collect them, not to buy them. The crisis will be over. What am I saying? It is over. It was over as soon as we affirmed it.

Oleat!

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Die UBS erhebt neuerdings Negativzinsen für sehr Reiche, die keinen Baukredit bei der Bank haben. Etwas überinterpretiert, kommt das dem Spruch des realexistierenden Sozialismus gleich, Geld arbeite nicht (warum soll es also automatisch mehr bringen?)

Ist das aber überinterpretiert oder eher verharmlost? Negativzinsen bedeuten sogar Wertverlust, was mindestens seit Kaiser Vespasian als absurd abgetan wird, manchmal mit dessen Worten: Pecunia non olet – Geld stinkt nicht, selbst wenn es mit dreckigen Arbeiten verdient wurde. Die UBS könnte einen Paradigmenwechsel einleiten.

Andererseits sind die Negativzinsen ein banaler Hinweis darauf, dass die Bank auf die Deflation mit einem Agio für Arbeit, für Investitionen reagiert. Was will man mit sich anhäufenden trägen, sehr wertvollen Geldsummen machen, die deshalb von allen gehalten werden? Kann man sie essen?

Bei einer Inflation vermindert sich das Vermögen. Bei einer Deflation im Endeffekt dann auch, wenn Negativzinsen am Ende des Weges stehen. Also vermindert sich das Vermögen immer. Das ist ein Paradox, dessen Namen ich nicht kenne. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass dieses Paradox gerade passiert, obwohl ich es passieren sehe. Dies ist wiederum ein Metaparadox, dessen Namen ich kenne: Moores Paradox.

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UBS, the Swiss bank, introduces negative interest rates for the very rich – unless they have their mortgage loan with the bank.

With some poetic freedom, this is what the slogan of real socialism claimed: Money does not work (so, why ought interest to be paid?)

I gave this some thought though, to doubt that this freedom is poetic. Since emperor Vespasian (and this is a long time!) we have the ultimate expression of how absurd is the thought that the value of money would diminish: “Money does not stink” – Pecunia non olet, even if it was earned in filthy business. It is rather accurate to say that UBS changes that.

The bank would probably tell you that negative interest rates trivially apply to the fact that in times of deflation, labour is more important than capital since everybody keeps their too-valuable money but also realise they cannot eat it. So, why not introduce a premium for labour?

If this is how they think, the situation is paradoxical: in an inflation capital melts away. In a deflation sometime too by the introduction of negative interest rates. So, capital diminishes. Seeing that a paradox is the case but not believing what you see is another paradox: Moore’s paradox.

Kant über die Abwägung moralischen Schadens beim Kinderimpfen

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Ob Kant (wie im in der Akademieausgabe, Bd. XV, S. 975 edierten Manuskript aus dem Nachlass) weiterhin die “moralische Waghalsigkeit” bei der Pockenimpfung für Kinder als größer bezeichnet hätte denn die physische Gefahr, an Pocken zu sterben, wenn er die heutigen Daten gehabt hätte, fragt sich in diesem hervorragenden Artikel Ingo Arzt, um gleich seinen Unmut über das Abbrechen des Originalmanuskripts zu äußern.

Was kann ich anderes beitragen als eine Fortsetzung des Manuskripts im Sinne des Königsbergers?

Denn so viel ist über die höchste moralische Gefahr bei der Übernahme von Verantwortung für Unmündige zu sagen: Diese besteht darinnen, andere, vornehmlich Kinder, mit guten Absichten in Lebensgefahr zu bringen. Allerdings kömmt es, wie ich in der Kritik der praktischen Vernunft und sonstwo Gelegenheit hatte darzulegen, bei der Beurteilung sittlichen Handelns nicht auf die Absicht des Handelnden an. Mithin ist bei gelungener Kinderimpfung zwar die physische Gefahr überwunden, wenngleich die moralische Anmaßung bestehen bleibt, falls der Arzt nicht genau wusste, ob das Versprechen des Heils die unmündige Person an demselben sterben lässt. Das Kriterium für die moralische Zulässigkeit des Impfens darf freilich auch nicht sein, ob es wahrscheinlicher erschien, an Pocken zu sterben, als die Impfung zu überleben. Denn wie wahrscheinlicher muss der Tod sein, um die moralische Verantwortung übernehmen zu können, einem ahnungslosen Kinde etwas eventuell Schädliches einzuimpfen? Die moralische Gefahr, das Gebot des Schutzes von Leben zu überschreiten, kann nur eine künftige Wissenschaft gewährleisten, die so gut wie sicheren Schaden mit so gut wie sicheren Maßnahmen abwendet.

Hätte Kant den abgebrochenen Satz so fortgesetzt, dann hätte er sich in eine gefährliche Nähe beim Utilitarismus herangewagt, an eine ihm vollends fremde Moralphilosophie, die Nutzen und Schaden gegenüberstellt. Vielleicht musste er abbrechen, weil er feststellte, wie fremd ihm das Kosten-Nutzen-Denken ist. Falls so, dann bricht das Manuskript eben deshalb ab, weil Kant plötzlich klar wurde, dass eine Auseinandersetzung mit den Gefahren der Medizin ohne Kosten-Nutzen-Denken unmöglich ist.

Wenigstens sind wir inzwischen im Besitz der künftigen Wissenschaft.

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In a manuscript from the nachlass (so-called AA-Edition of the Royal Prussian Academy of Sciences and successor institutions, Vol. XV, p. 975) Kant reckons that the moral recklessness of vaccinations of children against pox is more serious than the physical risk of the children. Ingo Arzt presents the passage in this outstanding piece of journalism (sorry, only in German) to ask himself whether Kant would still think so if he had our contemporary data and to express his annoyance because the passage breaks off in the middle of a sentence.

This is, to my mind, a natural continuation of what Kant would have written if he had not been interrupted, fallen asleep – whatever:

The most serious moral hazard towards minors can be determined as a situation in which you exploit your responsibility towards them by endangering their lives with good intentions. Since, on one hand, as I had the opportunity to show in my Critique of Practical Reason and elsewhere, intention is not the criterion to judge moral acting, in this case, even if a vaccination is successful, then the physical hazard is overcome, however the moral hazard in form of presumptuousness remains, unless the physician knew that that the promise of healing will not be rather killing. Since, on the other hand, the criterion of the moral value of giving a child a possibly dangerous medicine is also not probability – because how much more probable must a child’s death due to illness be than death due to the medicine, in order for the pretension of the self-proclaimed healer to know better to be legitimised? – the moral hazard to violate the duty to protect a child’s life can only be minimized by a future science which can rightfully claim to avert almost certain dangers with almost certain therepies.

This continuation of Kant’s line of argument concerning duty and responsibility vis-à-vis risky therapies for children would have made the philosopher of Koenigsberg approach utilitarianism – a school of thought alien to him. After all, maybe it was not an interruptive guest from downstairs or the extra glass of wine that made Kant stop writing, but rather the sudden insight that in pondering the pros and cons of medical treatment one has to calculate costs and benefits, which is as denying Kantian ethics as anything.

At least we possess in the meanwhile this one future science…

2020 – the directors’ cut

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🇩🇪🇦🇹🇨🇭🇱🇮

Dieser Eintrag ist nicht philosophischer Natur. Das ist eine gute Sache. Schließlich sind viele meiner Leser keine professionellen Philosophen.

Nach der englischen Version habe ich zwei Videoclips und sechs Bilder eingefügt, die an solchen meiner Tage des Jahres 2020 geschossen wurden, die von einem Filmregisseur hätten gestaltet sein können.

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This is not a philosophical post, which is probably a good thing since not all of my readers are professional philosophers.

If certain of my days in the year 2020 had been directed by film directors, then these would have been the days and the directors:

Apr 11: Marc Forster

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Apr 30: Woody Allen

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June 25: Jules Dassin

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June 27: Emir Kusturica

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July 7: Andrei Tarkovsky

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Aug 16: Wim Wenders

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Dec 4: Francis Ford Coppola

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Dec 12: Théo Angelopoulos

Applied spooky metaphysics

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Zweige der analytischen Philosophie wie die angewandte Ethik oder die Experimentalphilosophie werden als modern und zukunftsweisend wahrgenommen. Dass eine Art Magie aber noch lieber angewandt wird als die philosophische Reflexion, daran denkt der Analytiker nicht. Es sei denn, er ist ein orthodoxer Christ und hat viel Philosophiegeschichte studiert.

Jeden Sonntag bekräftigen viele Christen durch ihre Teilnahme am Sakrament der Kommunion ihren Glauben daran, dass durch ein Wunder Wein in Blut Christi verwandelt wird. Dass der echte Christus mit Fleisch und Blut in der Messe präsent ist, um dort verzehrt zu werden, wurde bereits im frühen Christentum zunächst unreflektiert geglaubt. Johannes von Damaskus, Mönch und Aristoteliker des 8. Jh., meinte, die Wandlung entziehe sich als Wunder jeder Reflexion. Die gängige theologische Meinung war aber, dass die Wandlung im Rahmen einer aristotelischen Metaphysik der Substanz des Weins, nicht etwa seinen Akzidenzien gilt. Kommunionswein schmeckt nach Wein auch nach der Wandlung. Jahrhunderte später deutete Wilhelm von Ockham die Wandlung als Akt der Namensgebung um. Man nennt diesen Wein eben Blut – so Ockham. Die Traditionellen blieben auch nach Ockham stark. Als Petrus von Ailly im 15. Jh. Jan Hus auf den Scheiterhaufen steigen ließ, war Hussens Lehre, gewandelt in Blut werde der Wein in seiner Substanz, mit ein Grund für die Verurteilung.

Eine Zuspitzung der traditionellen Lehre ist die Praxis der orthodoxen Kleriker, die in Corona-Zeiten weiterhin die Kommunion aus einem Kelch, mit einem einzigen Kelchlöffel erteilen, da – so die Behauptung – Speichelreste des Vortrinkers im Blut Christi nicht viral wären. Speichelreste in einer Flüssigkeit, die nicht Speichel ist, sind Akzidenzien. Es ist insofern fast ein Wunder, dass sich die Traditionellen in einer zu starken These verfingen, die sie gar nicht brauchen, um das Dogma zu verteidigen.

Innerhalb von ein paar Wochen waren nun der Tod des Metropoliten von Montenegro und des Belgrader Patriarchen infolge des Corona-Virus die pressewirksamen Indizien, dass magisches Denken des 1. Jh. nicht dazu geeignet ist, biochemische Eigenschaften zu beschreiben. Sonderbar ist das weitere Faktum, dass beide betagten Männer heute höchstwahrscheinlich das politische Leben Montenegros und Serbiens weiter mitbestimmen würden, hätten sie Aristoteles oder Ockham als ihre angewandten Metaphysiker ausgewählt. Aristoteles und Ockham kannten zwar das Fach Biochemie nicht, aber ihre Ontologie widerspricht nicht der empirischen Wissenschaft. Auch das ist ein kleines Wunder. Aristotelische und nominalistische Ontologie sind dermaßen alt…

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Applied ethics and experimental philosophy are considered new and shiny in analytic philosophy. Most analytics are however not aware of the fact that the first applied branch of the discipline was spooky metaphysics ages ago – and nowadays too. Well, maybe they guess so, if they’re orthodox Christians and have studied some history of philosophy.

The historical fact is that many Christians receive the Holy Communion on Sunday thinking that, miraculously, Jesus Christ is present at this moment in their church to be ingested in form of bread and wine – or rather not-anymore-bread-and-wine. The dogma of the rendering of bread and wine into Christ’s flesh and blood was launched already in early Christianity, unreflectedly in the beginning. Once more reflected and erudite believers turned their attention to it, they had to admit that it escaped reflection. Typically this is the case with John of Damaskus, a monk and Aristotelian of the 8th century. In an Aristotelian setting, it turned out that what the Latins called “transsubstantiatio” would work only if the miracle was supposed to concern only the essence of bread and wine leaving the accidental properties uninfluenced: Communion wine tastes always of wine. In the 14th century, William of Ockham proposed to understand the change of the material as an act of renaming: we call this specific wine from now on blood. Traditionalists remained solid also after Ockham. In the 15th century Peter of Ailly accused Jan Hus of taking the “thingy” substance of bread to be literally changed – and opened the way to Jan Hus’s burning at the stake.

The Holy Communion, as practised today by many orthodox, from one cup and with one spoon (i.e. cochlear) is at the pinnacle of the traditional doctrine. It presupposes that no viral rests of the saliva of the others can endanger your health when you take the Communion. Considering that the presence of viral saliva in a liquid which is per se not saliva is an accident, the traditionalists needn’t get entangled in a thesis that is too strong and not even necessary to defend dogma – but they do nevertheless.

In only few weeks, two deaths, Amphilochius’s, the metropolitan’s of Montenegro, and Irenaeus’s, the patriarch’s of Serbia, following a Covid-19 infection, shows the broad public that 1st-century spooky metaphysics is inadequate. Aristotelian and nominalistic, Ockhamian, ontology, would be, which is a little miracle. Just imagine how old these theories are…

Icons of the evil

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Der Ikonoklasmus tauchte im Oströmischen Reich gleichzeitig mit dem Aufkommen des jungen Islam auf. Johannes von Damaskus und Theodor von Studion, die wichtigsten Stimmen für die Sache der Ikonenanbetung, polemisierten zwar gegen christliche, nicht moslemische Bilderstürmer, aber was sie sagen, ist im Endeffekt, dass die Bilderstürmer cultural renegades sind. Sie würden nicht zu “uns” gehören. Das schreibe ich mit der Ermordung Samuel Patys, den Nizzaer Morden, den jüngsten Ereignissen in Wien im Hintergrund.

Vergangenes Wochenende – ein Kollege bestand darauf, ich solle es sehen, die Kinder hatten nichts dagegen – guckte ich mir “Er ist wieder da” an. Der Plot: Gott beschließt im Jahr 2014, Hitler noch einmal auf die Erde zu schicken. Der Film bewegt sich über lustige Missverständnisse der Jugendsprache und der heutigen Alltagskultur durch Adolf einerseits, über Gespräche mit Passanten à la Borat andererseits auf das Ziel zu: Der wiederauferstandene Führer wäre heute mit seiner Rhetorik eine TV-Prominenz und begeisterter Anhänger der Bündnisgrünen, gerade weil die CSU so “eine erbärmliche Kopie” wäre.

Es sind die boratartigen Gespräche mit Passanten, die der Regisseur ausschlachtet; die Ehrerbietungen gegenüber dem “Führer” mit ausgestrecktem Arm mitten im Berlin des Jahres 2014, womit David Wnendt vergisst, dass die Zuschauer vor der Ikone des Bösen auch mitspielen wollen, glauben machen wollen – Mimesis als “make-believe” ist Kendall Waltons griffiger Spruch – sie wären ein Teil des Fiktiven, nicht des Realen.

Das Böse wollen die Akteure bewältigen und das Gute verstehen. Stellvertretend für das Böse wie für das Gute sind Bilder: Ikonen. Ikonen wie Hitler-Darsteller in Berlin. Timur Vermes’ Idee eines wiederauferstandenen Hitler, der durch das heutige Deutschland spaziert, hatte übrigens bereits 1993 Želimir Žilnik, als er einen Tito-Darsteller durch Belgrad schickte. Um beim ehemaligen Jugoslawien zu bleiben: Tito, Marx und Engels wurden unlängst von einem montenegrinischen Freskenmaler in der Hölle platziert (s.o.)

Europa scheut sich nicht vor Ikonen des Bösen, geschweige denn des Guten. Der Ikonoklast duldet nicht einmal letztere.

Weit davon entfernt, ganzen Kulturen und Nationen die Schuld zuzuweisen für Ideologien, die Mentalkranke als Killer nutzen, finde ich, dass der Umgang mit Bildern und mit der Mimesis ein beständiges Element europäischer Identität ausmacht.

Enough with scrolling

The emergence of iconoclasm in the Eastern Roman Empire coincided with the rise of Islam. John of Damascus and Theodore of Studion, the most important authors of the icon-venerating party, attacked the Christian, not the Islamic iconoclasm. Even thus, basically they emphasised that the iconoclasts are cultural renegades. I am writing this having Samuel Paty’s assassination in mind, also the subsequent crimes of the same nature in Nice and Vienna.

Last weekend – a colleague urged me to do so, our daughters said also yes – we watched “Look who’s back”. The plot: AD 2014, God decides to send Hitler back to earth. The fuehrer happens to funnily misunderstand today’s slang and everyday culture, there are also some Borat-like passages and scenes where the protagonist mixes and mingles with the crowd off-script, until the movie returns to its real scenario: the resurrected monster succeeds in becoming a celebrity of the present-day liberal media landscape of Berlin – the end…

The Borat-like scenes of “Look who’s back” offended many in Germany. They were mostly understood as playing down the worst crimes in the history of mankind. People joking about concentration camps after the second beer are probably not as rare as one would wish them to be, but when they do so indulging in a make-believe game with someone who pretends to be Hitler, the mixture becomes utterly tasteless. Otherwise, a committing into this game needn’t be out of an extreme right motive. Kendall Walton defined mimesis as make believe. Mimesis is interesting. Once you render yourself to a part of fiction rather than to one of reality, you can pretend that you are Jesus, Virgin Mary or marshal Tito. Or someone who talks with Hitler. It is by means of mimesis that you can feel the good things in the first two and cope with the monstrosities of the two others. Icons – of the good or of the evil – have proven useful for mimicking already before Timur Vermes had the idea to send a resurrected Hitler to a trip around Germany. Želimir Žilnik’s documentary of the year 1993 around an enactment of Tito had the same results with “Look who’s back”. Recently, a Montenegrin icon painter depicted Marx, Engels and Tito in hell (vide supra).

Europe has no issues in dealing with icons of the good or of the evil. The iconoclast would not even accept the former, let alone the latter.

Far from blaming whole cultures and nations for some ideologies in their midst, ones that employ the mentally ill as killers, I find that, in our search for a European identity, mimesis and icons are seriously to be taken as a constant.