For what’s worth it…

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Monatelang gehe oder fahre ich am Schild vorbei und nur heute kommt es mir in den Sinn, auszusteigen und zu fotografieren. Nicht, weil mir irgendwas einleuchtete. Eine Information erhalte ich nach wie vor nicht – ich weiß doch, wo der eine Staat aufhört und wo der andere anfängt – aber als analytischer (von mir aus: halbanalytischer) Philosoph sollte man sich keine Gelegenheit entgehen lassen, ein paar elementare Dinge über Semantik zu sagen.

Was wollte der Beschmierer also verkünden? Meinte er, dass die Bundesrepublik Kompromisse in Richtung einer linken Politik macht? Oder wollte er vielmehr am liebsten von so einem Wappen begrüßt werden, wenn er von Kleinbasel aus in Richtung Freiburg fährt?

War es jemand, der an den vor ca. 170 Jahren an diesem Ort durch Gustav von Struve ausgerufenen sozialistischen Staat erinnern wollte?

Andererseits, wenn ich denke, dass Struves Soldaten auf dem Weg von Basel nach Karlsruhe von einem Armeekontingent mit weniger als einem Viertel ihrer Macht geschlagen wurden: War es eh‘ jemand, der an nichts, jedenfalls nicht an das erinnern wollte?

Das Klischee besagt, dass ein Bild mehr als tausend Worte wert wäre. Nun, über die genaue Anzahl der Wörter habe ich mir keine Gedanken gemacht. Aber die genaue Anzahl der Aussagen auf dem Schild – ausgenommen Aufkleber – ist sofort zu sehen: keine einzige.

Viele, darunter die deutsche Wikipedia, sehen in der Redewendung „Ein Bild ist tausend Worte wert“ die Behauptung, anhand eines Bildes ließen sich viele Sachen viel leichter zeigen, erkennen, erklären.

Na gut, vielleicht „zeigen“. Aber erklären kann ich nichts, was so viel Gehalt enthält, dass dieser widersprüchlich ist. Ich – aber auch die werte Leserin, der werte Leser – kann keine Bilder „verstehen“. Bestenfalls eine Interpretation hiervon.

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I’ve been passing past the site at the beginning of this post for months before I decided to stop and take a picture. Whatever the person who decorated the border sign with hammer and sickle wanted to say the message is not clear. I even doubt that there is one!

Was it someone who thinks that the Federal Republic of Germany makes too much compromises towards left politics? Was it someone who, in contrast, would prefer to see the depiction as the coat of arms of the country as you enter it from Switzerland? Was it someone who drew a hammer and sickle as a reminder to the socialist state Gustav von Struve and his troops proclaimed passing exactly this point in exactly this direction about 170 years ago? Was it nothing of the above? We’ll never know!

The modern proverb says that a picture’s worth one thousand words. It’s widely believed that this means that you can explain with a picture much more than you can explain with words. Well, I don’t know about the amount of words but one thing I know: a picture gives you so much information that, at the end, it gives you contradictory information. You can see pictures but you can’t understand them. What you understand is their interpretation. Or, rather: one of the interpretations.

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Deviants


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Im Elternhaus kann ich nicht umhin, meine sozialtheoretische Diagnose von vor zwei Jahren bestätigt zu sehen. Das Gruppenverhalten der griechischen Nation weist rationale Verhaltenszüge auf, weicht allerdings von Rationalitätsstandards in Kursbüchern ab.

(Ja, ich denke, dass es so etwas wie die abweichende Rationalität gibt, ohne aber ein Logikpluralist zu sein, denn die Abweichungen basieren auf Rationalitätslücken: meist selbstreferentiellen Kurzschlüssen).

Meine Zeugen sind etwa die Werften, die in den 80ern zumachten, weil die Gewerkschaft sie bestreikte, weil letztere hinter dem Firmengründer jemanden vermutete, der aus Angst vor einer streikbedingten Schließung schnell verschwinden würde…

(Die Masche funktionierte so: Ab 1981 wurden Schulden von Firmen gegenüber dem Fiskus mit einer gleichhohen Beteiligung des Staates in der Firma beglichen – automatisch! Hat die Gewerkschaft bei einem langen Streik die gewünschten Schulden herbeigeführt, war die Firma vom einen Tag auf den anderen staatlich; was gleichzeitig Firmengründer befürchteten; was sie gegenüber der Belegschaft suspekt machte; wodurch die Belegschaft erst recht streikte. Die Unausweichlichkeit der Selbstreferenz machte die Werft, in der mein Traumboot produziert wurde – Lambro 27: schnell, groß, zuverlässig – platt).

Mein Zeuge ist mein grotesker Fund von vorgestern: eine gestrandete Voodoo-Puppe. Wie kann das in einem Land als irrational gelten, wo Korruption und Misswirtschaft rhetorisch bekämpft werden – wo es also in Politik wie Magie um ein-und-dasselbe geht: Doing things with words?

(Gut, aber Mainstream-Rationalität ist das wohl auch nicht).

Mein Zeuge ist die Solidarität gegenüber Ganoven, die vom Wunsch motiviert war, wäre jemand selber Ganove, wäre der Ganove einem gegenüber solidarisch – wohlgemerkt, wenn man selber Ganove wäre, der tatsächliche Ganove ein unbescholtener Bürger.

(Letzteres ist meine o.g. Diagnose über das Scheitern der Kontrollen im Land seit 1980).

Im Alltag beobachtete Paradoxien machen jeden Griechenland-Aufenthalt zum unvergesslichen Erlebnis für den Logiker. Selbst meine alten, bei meiner Mutter liegengebliebenen Schallplatten, durch die ich mein vergangenes Selbst als einen halbfremden Jugendlichen wiederentdecke, kann ich cum grano salis als Prophezeiungen einer abweichenden Rationalität ansehen. Die Deviants hatten diesen Song: „Let‘s Loot the Supermarket“. Im Griechenland, in dem ich großgeworden bin, ging es um das „Looting“ von einem ganzen Land, in dem niemals, auch in der jüngsten Krise nicht, niemals also ein einziger Supermarkt geplündert wurde.




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While at my parents’ place I can’t help myself feeling justified to be the author of the essay “The Greek Miracle. Postmodernism, Collectivism and Deviant Rationality” (here a – sorry, only German – preview).

As I diagnosed there, the group behaviour of the entire Greek nation is rational but deviant.

(I do believe that there are deviations in rationality in terms of rationality gaps, mostly self-referential loops, but this without being a logical pluralist).

I have witnesses for deviant rationality.

E.g. the shipyard that closed because of a strike meant to prevent the founder of the shipyard to take the money and to run – as he had good reasons to, since he was afraid that they would strike to prevent him to take the money and run as he had good reasons to, because he was afraid… etc.

(I fear that this sounds hermetic, so this is some background: after 1981, unpaid taxes of a company would automatically be matched with company shares of equal value owned by the state. I.e. your company could turn overnight to be a state company if you failed to pay your taxes, which you had every reason to fear – take the money and run! – if the state could manipulate the people who worked for you to strike. And they, of course, would rather strike if they feared that you feared enough to take the money and run. If nothing else, at least they would wake up as workers of a state-owned company. I’m the only person I know who can claim that the production of the only vehicle I’ve fancied in my life – a boat, Lambro 27, fast, big, reliable… – stopped because of self-reference!)

I have witnesses for deviant rationality.

E.g. my grotesque finding of a voodoo doll at the beach the other day. You can’t call voodoo irrational in a country in which politics, like magic, is about doing things with words.

(But it’s not mainstream rationality either, isn’t it?)

I have witnesses for deviant rationality.

E.g. solidarity towards those who embezzled EU funds, going thus: “I wasn’t subsidised, but if I were, it could happen that I would embezzle EU funds”.

(And this is how the victims fraternised with those who made them victims. This case I analysed in the aforementioned essay two years ago).

Greece is a great country for experts of nonclassical logic to visit just because it has paradoxes that play a role in everyday life. And even when I rummage in my old books and records that I left behind at my parents’ decades ago, these old monuments that make my teen self appear as a half-stranger in my own eyes, today I interpret as witnesses of the paradoxes outside that door.

Take this LP of the Deviants – a hippie community that made music in Notting Hill, NB far away from the place I listened to this music and long before I could guess that some day I would argue that a thing like deviant rationality exists…

Well, they had this song titled: „Let‘s Loot the Supermarket“. Today I would say that, strangely enough, you can loot a whole country while still maintaining that looting a supermarket is a bad thing.

Books, magazines, records, newspapers – this house is full of memories. The country around it too.

Reunification

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Wenn es eine philosophische Lehre aus der Wiedervereinigung Deutschlands gibt, dann wohl die, dass Warenfetischismus in der Lage ist, ganze Staaten ins Ungleichgewicht geraten zu lassen. Denn, was die DDR-Bürger in ihren ersten freien Besuchen in West-Berlin vor 28 Jahren mit ihrem Kaufverhalten bewiesen, war, dass Bananen, Waschmittel mit frohen Verpackungsfarben und Barbipuppen durchaus in den Hinterköpfen während der Montagsdemonstrationen waren.

Damit ist nicht gesagt, dass eine Planwirtschaft mit verbesserter Marktforschung bessere Chancen auf politische Stabilität hätte. Wenn der Mehrwert nicht für Produktentwicklung aufgewendet (die wiederum besagten Fetischismus zufriedenzustellen versucht), sondern in Form von Löhnen ausgeschüttet wird, kann man im Sozialismus keine „schönen Sachen“ kaufen. Im Kapital hat Marx kein Bild einer Wirtschaft gezeichnet, das die Epigonen falsch umgesetzt hätten. Im Gegenteil haben die Epigonen alles richtig getan, sie kochten nach Rezept. Sie waren so gut, dass sie selber hätten Autoren des Rezepts sein können – genauso wie die Karikatur aus Emir Kusturicas Film Papa ist auf Dienstreise andeutet.

Es ist also nicht die Umsetzung des Rezepts, die misslang. Es ist eher das Rezept für alle ungeeignet außer für Intellektuelle, die genauso glücklich wären in einem Mao-Anzug im Trabi unterwegs wie im Strellson-Anzug im Mecedes A-Klasse.

Solange genug Rotkäppchen-Sekt im Keller steht…

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If there’s a philosophical lesson to learn from the German reunification then this is the following: fetishised commodities are able to make whole states unstable.

The first free visits of East-German citizens in West Berlin 28 years ago showed clearly enough that during the demonstrations against the socialist regime, things like a wish to buy Barbies, bananas and detergents with funny colours on the box had played a role and formed part of the motivation to demonstrate.

What I mean by stating this, is not that a planned economy with a better marketing would have more chances of political stability. Where the surplus value is not used to develop new products but distributed in form of wages, you can‘t satisfy the buyers’ fetishism. In socialism you can’t buy nice things and that’s it!

Eastern European commodities were below the Western European standard not because Marx’s picture of planned economy was put in colours by Stalin. Stalin was so good in colouring that he could have been Marx‘s teacher in this – like insinuated in the cartoon from Emir Kustirica’s film Otac na službenom putu.

It’s rather the original picture of this economy that is dull and uncool. For the majority of people it would be as dull even if you took Salvador Dali to finish it.

The two German states were reunified 27 years ago today after a wave of social unrest made socialist East Germany unstable.

PS: Some times I think: Would I ever have an academic career if Erfurt didn’t come to the West and no university existed there? Just an egoistic thought of mine on my personal benefit from the reunification.

In Erfurt I learned to drink East German wine without complaining and I spent many nights in socialist bunker-like buildings. As long as I had something interesting to read, there was no problem. Non-fetishists like me are not the majority however and the story of the night I had taken my wife and daughters from Munich to join me in the bunker, especially the bit about the broken socket and the closet whose door opened from alone, I’ll tell in another post.

Summer stories III: being unable to make peace


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Das ist die dritte Folge – oder besser Anregung- aus dem vergangenen Sommer.

Müde waren wir, als wir die lockerste Grenze, die Grenze an der es keinen Stau und keine Stempel gibt – jedenfalls auf dieser Strecke – hinter uns gelassen hatten. Auf leichter Böschung rollten wir Richtung Autobahnkreuz Thessaloniki und von dort aus nach Südgriechenland. Heiße Luft durchs Fenster, ein paar Schlaglöcher, weniger als wenige Kilometer nördlicher, alberne Witze im Radio. Lustige Leute, ganz klar.

Egal wie fest man aufs Gaspedal drückte – auch das war klar – wäre die Fähre nicht mehr zu erreichen, also warum nicht eine Übernachtung in Nordgriechenland dazwischen legen? Die Wahl in solchen Fällen in den Vorjahren war zwischen Kalampaka und Ampelakia.

Diesmal wollte ich nach Litochoro.

Am Fuß des Olymp gelegen, ist Litochoro das, was man von einem Bergmarkt erwartet: größer als das pittoreske Ampelakia, weltlicher als die Meteoraklöster oberhalb von Kalampaka; und archäologisch interessanter, dachte ich, der ich zwei Töchter habe, die genau wissen, wer Gandalf im Herrn der Ringe ist, aber Schwierigkeiten bekommen, zwischen Alpha und Lambda auf einer klassischen Stele zu unterscheiden. Ich meine keine Stellen, sondern Stelen: antike, aufrecht stehende, beschriftete Steinplatten oder -blöcke.

Also übernachteten wir dort nach einem Abend mit Unterkunftsuche, mit Feigenbaumgeruch in der Nase über Brücken über Sturzbächen, mit einem zornigen Olymp, der einen Platzregen hereinbrechen ließ, wodurch auch die Dorfstraßen zu solchen Sturzbächen wurden.

Am nächsten Morgen, Frühstück im Hotel – „nein, ich bin Grieche, ohne Zucker, sonst nichts, die Kinder vielleicht“ – absurde Diskussionen am Nebentisch – „die Achtzigerjahre waren die besten in der Geschichte dieses Landes“ – gingen wir die wirklich besten Jahre in der Geschichte, jedenfalls dieses Landstrichs besuchen: Das Zeitalter zwischen Caesar und Hadrian…

Dion war nach den dort entdeckten Grabstelen eine Stadt mit einer gemischten römisch-griechischen Bevölkerung. Latein und Griechisch wurde in den Straßen Dions gleich oft gesprochen und das soll bereits eine wichtige Erkenntnis sein. Denn erstens zeugt Dion davon, dass die römischen Kolonisten nördlich des Peneios-Tals keine rein römische Siedlung gründeten. Zweitens zeigt es, dass die Nachbarn dieser Römer – ich wiederhole: nördlich des Peneios-Tals – Griechisch sprachen, weil („obwohl“ hätten jetzt die Leute aus dem Land mit den vielen Schlaglöchern gesagt, von dem aus wir am vorigen Tag nach Griechenland eingereist waren) sie Makedonier waren. Ende der wichtigen Erkenntnisse.

Im Museum… Die Kinder versuchen, besonders gelangweilt zu wirken. Sie haben es eilig, über das Peneios-Tal nach Thessalien zu kommen, auf die Fähre, auf die Insel! Süden! Basta!

Sie finden einen Verbündeten: den langjährigen Ausgrabungsleiter von Dion, Dimitrios Pandermalis, der in einem Video im Medienraum des Museums gerade erklärt, was die wichtigen Erkenntnisse aus seinem Dion sind: Die alten Makedonier haben den nördlichen Nachbarn zum Trotz Griechisch gesprochen.

Gut, Pandermalis hatte ich als einen Unipolitiker gekannt, der seiner Ehefrau eine W2-Professur ein Jahr nach ihrer Promotion verschaffte. Dass er an Dions spektakulärstem Fund vorbei: der ältesten (und rekonstruierbaren!) Orgel der Geschichte, ein nationales Disneyland zum Trotz einer modernen Nation machen würde, die trotz ihrer Bulgarophonie das – offenbar! – Unglück hat, „makedonisch“ zu heißen, hätte ich von ihm erwarten sollen. Ich bin zu wohlwollend gewesen.

Die Überreste der antiken Orgel warten geduldig im Museum von Dion bei Litochoro auf ein anderes Griechenland: Auf eines, das alberne Animositäten hinter sich lässt und lieber Kinder erzeugt, die experimentierlustig um eine – wahrscheinlich sehr leicht herzustellende – Rekonstruktion des antiken Instruments mit den alten Lauten spielen; auf eines, das endlich museumspädagogisch mit Kindern arbeitet und nicht ideologisch mit Erwachsenen.

In den Hallen des Museums von Dion stellte ich mir die Laute einer rekonstruierten Hydraulis und Kinder vor, die den Umgang mit schrägen Tonleitern aus der Antike üben.

Zukunftsmusik wäre das, die aus der Vergangenheit käme…

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This is the third story of a series about last summer.

Tired and full of plans, we crossed the last and easiest border of our route: the border of no seals and no jams after which you’re on your way to the Thessaloniki junction and from there to the south.

But being still in the north – at least of that country – we knew that we had no chance to catch the last ferry. So, why not spend one more night and some of the next day before Olympus?

The situation wasn’t new. For years now we’ve been dividing the last „etappe“, the one that starts when we set off in Belgrade, Kalampaka and Ampelakia being our options for a short stay in between.

This time I opted for Litochoro, the town where those who hike to the peak of Olympus usually stay. It’s bigger than Ampelakia, more secular than Kalampaka. And it’s near the archaeological site of Dion. I mean, nothing against YouTube and Lord of the Rings and other educational backgrounds but when you have mine, finding out that your daughters have difficulties to distinguish between an alpha and a lambda when trying to decipher an ancient Greek inscription, is bitter. Any possibility that Gandalf’s grave has a Greek inscription?

We spent the evening and the night in this mountainous town near the sea. Figue trees, an angry Olympus, stormy weather. All of a sudden, streets became canals and canals became rivers.

Hotel breakfast. Absurdities at the tables around us (- „I was the director of the Telecommunications Company in Trikala in the 80s“ – „Wow, the whole country’s prime time for ages“) which is OK if you’re talking about everyday situations but not if you’re talking about the most strange decadence of a nation for possibly most of the Western civilisation…

I eventually got over this and took family to visit the archaeological park that probably epitomises the real prime time of the region not only for centuries but for millennia: the administrations between Caesar and Hadrian…

If judged by its inscriptions, Dion was a city inhabited by people of Greek and Latin language. I do believe that it’s an important piece of information about the ancient world to know that Roman settlers in Northern Greece would rather mingle into their cultural environment. But the museum has more important things to exhibit than the plain fact of this cohabitation. I mean, come on, Romans in Rome sought a Greek education for their children. By which logic would Romans in Northern Greece not do so?

Talking about children: while I was thinking about what I was seeing, Marta and Margareta did their best to appear bored. They saw in this a chance to make their parents get into this car with them and cross the tunnel that unites the Greek region of Macedonia with Thessaly, cross the plains, take the ferry boat… And they found an ally in this.

Dimitrios Pandermalis, an archaeologist and professor at the Aristotelian University of Thessaloniki, talked from the screen of the multi-media room of the museum. He had been directing the excavation of the site for ages and resumes: „The findings document the Greekness of the region“. Well…

What you have and your kids also have then, is an archaeological park that affirms the historically multicultural character of the region, plus a museum whose most important exhibit is the oldest organ of history (a hydraulic one) and there is an expert there who sees the usefulness of this whole bulk in demonstrating towards Slavic Macedonians that Classical Macedonia was graecophone. I mean, what did you expect in the first century BC? Posters with a content like: „Funeral service for uncle Milorad, on Monday the bla-bla, in deep grief etc.“?

I know, my fellow Greeks were irate because of Slavic Macedonian attempts to reinterpret the fact that, reportedly, Alexander the Great’s officers spoke an idiom incomprehensible to soldiers from Southern Greece, viz. to reinterpret it as saying that Macedonians spoke a language that corresponded more to today’s Slavic Macedonian (a Bulgarian with some lexical Serbisms) than to Classical Greek. Every Greek archaeologist who loves his job would try to use this animosity to get on with his job, advance his position at the university etc. Pandermalis loves his job enough to use Greek resentments towards the FYR of Macedonia in order to get his projects funded; loved politics enough to use his social capital in order to be elected an MP, loved his wife enough to lobby her a professorship one year after her PhD…

Talking about love: My kids are sceptical towards museums but love music. A playable reconstruction of the hydraulis would make them spend hours there and learn much about ancient Greek music – well, generally about music. It’s really the next thought that comes to mind when you have a finding of this quality and one you can really reconstruct. For now one can see the reconstruction – i.e. in principle- in the museum on a piece of paper.

To make this thought come true is a project that presupposes another Greek state and society. One whose priorities are ecumenical; one that places making museums invite and excite experimenting children of every nation a priority that is higher than Balkan animosities.

Aesoponomics

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Die klassische Fabel von der Ameise und der Zikade vermittelt eine volkswirtschaftliche Lehre.

Die fleißige Ameise verbringt den Sommer in Mühe und Sorge, um einen unbesorgten Winter zu verbringen – genau die Zeit, zu der die Zikade, die den Sommer in lässigem Gesang und Künstlergrhabe feierte, sich an die Ameise um Hilfe wendet – und diese nicht erhält.

Die Moral von der G’schicht sollte sein, dass wir in guten Zeiten für die schlechten vorsorgen sollen. Im Sommer für den Winter, bei der guten Konjunktur für die schlechte.

Was ich aus der Geschichte herauslese, ist jedoch, dass Kapital und Arbeit wichtiger sein sollen als Gesang. Gesang ist freilich auch Arbeit, allerdings, so eine Prämisse der Geschichte, eine sozial nicht notwendige.

Es fühlt sich komisch an zu lesen, zu hören, zu lehren, ohne die freien Künste, die brotlosen, hätten wir keine Demokratie, keine Menschenrechte, keine Sinngebung für unser Leben, weil nur in und aus ihnen klar wird, wie so etwas geht. Trotz allem: sozial nicht notwendig.

Wenn aber das Wichtigste, was wir haben, Demokratie, Freiheit, Gesang usw., die Kunst von volkswirtschaftlichen Zikaden ist, unbezahlten Denkern und Künstlern, die Volkswirtschaft aber auf dieser Kunst basiert, kann es sein, dass die Volkswirtschaft eine Form des Schmarotzens an der Kunst darstellt? Wie jeder Schmarotzer tötet sie den Träger, kann aber ohne einen nicht überleben.

Nach und nach sterben die Zikaden – noch in diesem Sommer, gutes Wetter hin oder her. Ameisen zerteilen sie und tragen die Stücke fort.

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I can’t help myself thinking that Aesop’s classical fable of the ant and the grasshopper (in fact a cicada) entails a lesson to learn in terms of economics and not of ethics.

Industrious and restless, the ant spends the whole summer currying supplies for the winter. The cicada (I’ll rather stick with the classical dramatis personae) sings and plays music instead. With no supplies for the winter, the cicada seeks help from the ant while the first snow’s falling, to receive none.

This is supposed to teach you that you have to be prudent and not enjoy or entertain while you can enjoy every joy and entertain any thought, exotic or not. And this for the reason that you have to prepare the time of no joy and of no entertainment: winter as opposed to summer, recession as opposed to growth or you name it.

I have another reading of the story and one that, as I said, has no moral constraints. Obviously, the story tells us that capital and labour are superior to singing. Singing is also labour of course, however one that, if the story is right, is socially not necessary.

The strange thing is that we often read, hear, write and teach ourselves that the free, non lucrative arts give the human kind its humanity. Without them no democracy could be designed, no freedom practiced,  and it would be illegitimate to inquire into the meaning of life. How can something that enables these things be socially not necessary? How can it be that artists and thinkers, the people who are historically responsible for the search for democracy, freedom etc. are cicadas?

But, to stick with the Greeks: you don’t ask yourself about where to find a lion’s trace if you already see the lion. Musicians, writers, teachers of literary style, normally, are cicadas, we see it every day. The economic system that is based upon their ideas is a parasite on them: it can’t sustain itself without a host: the ideas, and it kills the host. Parasites usually do so.

Cicadas don’t have to wait for the first snow to die. In fact, they die already in the summer. Ants cut the body in pieces and carry it away.

Hamartia

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Wenn die (neo-) orthodoxe Theologie Recht hat, die Sünde als eine griechische Begrifflichkeit aufzufassen, als hamartia eher denn als peccatum, als irrtümliches Verfehlen eines guten Ziels denn als Defekt, dann ist es bereits eine Sünde der Amsel, die Fensterscheibe für den Himmel gehalten zu haben.

Christos Yannaras, der heutige griechische philosophische Autor (gerade habe ich ein paar griechische Leser verloren – Leute, versucht Euch selber weißzumachen, dass es nicht Euer Neid auf das gigantische Opus ist, ich kann dabei nicht helfen) fragte mich einmal, wie ich mein Leben im Sinn „unserer Mutter, der Kirche“ einrichte.

„Schwierig“ hatte ich damals geantwortet. Es war in Erfurt. Winter. Spätabend. Das Leben war schön. Die intelligentesten jungen Leute von Thüringen waren meine Studis. In meinem Appartment des Amplonius-Hauses hatte ich Tee gemacht.

Grünen? Vielleicht grünen. Der emeritierte griechische Prof – eine Ikone meiner Jugend – schlürfte in einem Mix aus Sorge und Bewunderung.

War’s doch Wein? Herr Professor und Kollege wissen Sie es vielleicht noch?

„Schwierig“ also…

Andererseits, wenn ich an mein Sündenverständnis denke, wie kann ich anders, als Sohn der Mutter zu sein? Auch wenn ihre Strenge gegen die falsch eingeschlagenen Wege notorisch ist. Auch wenn sie „Sünde“ dazu sagt: Es ist der Fehler der Amsel, nicht des Fensters. Der Himmel ist woanders.



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If the (New-) Orthodox theology is right to see sin in the sense of Christianity as a Greek conception, as hamartia rather than as peccatum, as failing to hit the bull’s eye rather as a deficiency, failing to go up to the skies and colliding with a thing that different and indifferent at the same time as the window pane, is the blackbird’s sin.

Christos Yannaras, today’s most important philosophical author in Greece (I just lost some Greek readers – bye guys and try to persuade yourselves that it’s not jealousy when you despise this remarkable opus because he’s religious; I admit I can’t help in this) asked me once how I settle my life according to „the church, our mother“.

I had replied that I had had my difficulties. There was cold outside and I had made tea bought from the tea shop at the Kraemerbruecke. Probably green tea. It was a nice shop, just few steps away from the Amplonius House in Erfurt where I had been dwelling for the part of my week from Tuesday to Friday. Part-time living so to say.

But, again, when I think of my understanding of sin, how can it be otherwise? I am a mother’s son and one’s who’s very strict in her understanding of sin. Yes, it is a sin and the blackbird’s failure and its sin, not the window pane’s when the sky is in the opposite direction.

Analogieschluss

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Die Wissenschaftshistoriker sind sich darüber uneinig, warum alte Theorien verworfen werden. Eine unheilige Allianz aus Marxisten und Positivisten meinte früher, neue Theorien wären erfolgreicher gewesen. Die Popperianer meinen, es reicht zum Wandel, wenn die alten Theorien falsifiziert wurden. Die Kuhnianer und ein paar andere sehen die alten Theorien als Opfer eines Gesinnungswandels von Binnengruppen aus Querdenkern an.

Das aus der Vogelperspektive.

Wenn’s um konkrete Ereignisse geht, sind sich alle – na gut, fast alle, schließlich sind Positivisten und Marxisten besonders hoffnungslose Fälle – einig, dass das Neue am Anfang oft zunächst nicht so gut funktioniert wie das Alte. Kolumbus meinte, gleich mehrere Breitengrade weiter südlich zu sein, weil er unbedingt einen Kompass benutzen wollte. Kopernikus‘ Idee war unausgereift: Das ptolemäische System deckte einfach viel mehr Einzelfälle ab. Evolutionstheoretisch zu erklären, wieso der Vorgänger des Flügels einen Überlebensvorteil für den Organismus darstellte, ist schwerer als eine teleologische Erklärung.

Trotzdem bleibt die Investition ins Neue bestehen als etwas, was von ad-hoc-Hypothesen und Hypokrisie befreit.

Ich denke daran ein paar Tage nach den britischen Wahlen.



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Historians of science don’t agree on the reasons to make a scientific community abandon a theory to embrace another. Positivists and Marxists thought that this is the case when the later theory explains more and it’s verified. Popperians think that it’s enough when the old theory is falsified. Kuhn and others believe that the shift is a complex social procedure akin to religious conversion.

Where most of them agree upon – forget Positivists and Marxists: too stubborn – is that the new theory often works worse that the old one: Columbus thought he was way further in the south because he insisted using a compass; Copernicus didn’t cover many details that Ptolemaeus did; and Darwin couldn’t explain how not fully functioning wings emerge to make a difference for the survival of an organism only much later – anyway he couldn’t explain this as easily as a teleological explanation manages to do.

We simply invest into anything new bound to stop ad-hocness and hypocrisy.

These are my thoughts on the latest British elections.