From another land I: Tribal rhetoric

Scroll for English

Für gewöhnlich besuchen die Leute im Sommer andere Länder. Im Fall meiner Familie waren das Bremen mit Bremerhaven und Hamburg, was verständlicherweise wenig abenteuerlich klingt. Diese Hafenstädte haben aber eine Besonderheit: Sie stellen sich selbst als etwas Relativiertes dar – und zwar relativiert durch die Andersartigkeit derer, zu denen sie den Kontakt herstellen. Das ist das erste Posting, in dem ich auf meine dortigen Reflexionen Bezug nehme.

Im Bremer Überseemuseum ist ein Zeremonialstuhl ausgestellt, auf den der papuanische Redner angeblich unter Bezugnahme auf die Rechtssache aber auch auf die Mythologie des Stammes – ich zitiere den Begleittext des Museums –

Blätter als Bestärkung seiner Argumente nach und nach [legte].

Ich versuche das auf die klassische Rhetorik zu übertragen: Der Redner, der dafür argumentiert, das Stück Land so und so stehe diesem und nicht jenem Dorfbewohner, Familienmitglied usw. zu, wäre aus Aristoteles’, Ciceros, Agricolas, Ramus’, Perelmans Sicht gut nachvollziehbar.

Die Mythologie und vor allem die Blätter aber! Welche Funktion erfüllen diese im Sinn der klassischen Theorie?

Sakrale Momente, allerdings hintergründige: ein Kreuz, eine Pantokrator-Ikone, sind in der heutigen Rechtsprechung auch im Westen – etwa in Italien und in Griechenland – präsent. Aber sie sind nicht Teile der elocutio und der actio, der Palette redepragmatischer und darstellender Instrumente des Redners. Genau das scheinen aber die rituell nach und nach aufgelegten Blätter zu sein. Wie ist die direkte Beschwörung des Sakralen während des Arguments zu deuten? Macht sie die Rede direkt zur religiösen Festrede und disqualifiziert sie als judizial oder deliberativ? Oder können wir die deliberative und judiziale Papua-Rhetorik als eine im westlichen Sinn gehaltene betrachten, die bloß aus westlicher Sicht ungewohnte Stilmittel verwendete? Ich tendiere zur zweiten Option, kenne aber den Inhalt solcher Reden nicht.

Kann jemand aufklären?

Enough with scrolling

In the summer, people normally visit foreign countries, which, in our case, was the country whose citizenship we possess… To make our choice a bit less ridiculous, it was the harbours of Bremen, Bremerhaven and Hamburg that we visited, in the German north, of which we had a very poor knowledge – except of our bewilderment, of course, when we have heard people from there speaking their characteristic, staccato, standard German. But there is more to these cities than simply their identity. Or, rather, it is about the identity but in a very dialectical way: They do present themselves to the visitor alright. But as they are very keen to tell you also with whom else you could interact via their territory (they are Germany’s Southampton and Liverpool), they present to you an identity that is already relativised through the identity of the others to whom they were the gateway.

This is the first of a series of posts on my reflexions during summer holidays.

A very famous museum in Bremen, right next to the Central Railway Station, is the Überseemuseum (which is, as you may have guessed, the German word for “Overseas Museum”). Among the items of the huge, museologically gorgeous and in many cases interactive and multi-media exhibition, you find a ceremonial chair on which Papua speakers who pleaded for various juridical claims – I quote from the accompanying text of the museum –

used to pile one leaf after the other as to corroborate their arguments.

Let us try to reframe this into classical rhetoric. The museum informs that the judges decided the case taking into consideration also the tribe’s mythology and the speaker’s narrative skill. A speaker who pleads that this piece of land is justly a property of this villager, family member or you name it, and not of the other, is, of course, a thing as familiar to Aristotle, Cicero, Agricola, Ramus, Perelman etc. as it is trivial.

But what about mythology and, above all, the leaves! What do they correspond to in terms of classical rhetoric?

In jurisdiction, there are elements of sacred nature also in the West. For example, Italian law courts have a cross, Greek ones have an icon depicting Jesus Christ in the pose or manner of the Almighty. However, these Christian symbols are not parts of the elocutio or the actio, i.e. not parts of the tools the speaker has in terms of pragmatics and performing. However, this is what the leaves appear to be. How is conjuring up the sacred to be interpreted in the context of rhetoric? Does it render the speech to a religious panegyric and disqualifies it from being judicial or deliberative? Another possible interpretation is that the speech remains judicial or deliberative but uses stylistic elements unusual from a westerner’s point of view. I tend to take the latter stance but I am ignorant about the content of the speeches in New Guinea’s legal customs.

Is there anybody out there who can provide additional information?

Advertisements

If on were off, then Shannon would be Shannoff. Thank God, it’s not so.

Scroll for English

Die Funktion von Claude Shannons “Ultimativer Maschine” hinterlässt dem Beobachter den Eindruck, eine Selbstaufhebung zu sein: eine Funktion des Sich-außer-Betrieb-Setzens.

Dieser Eindruck basiert allerdings auf einer trüglichen Verwendung der Sprache. Die Maschine erfüllt ihren Zweck mit dem Hebeldrücken. Sie ist genau dann in Betrieb, wenn sie den Hebel drückt, der sie ausschaltet. Infolge dessen ist sie nicht in Betrieb gdw sie sich nicht ausschaltet, m.a.W. ausgerechnet gdw sie an bleibt. Das ist ein Widerspruch!

Der Widerspruch kommt durch eine sprachliche Konvention zu Stande, genauer: dadurch, dass das funktionierende System Maschine den Hebel in die Position “off” versetzt. Die Bezeichnung “off” ist allerdings irreführend.

Wie ich oft sage: Widersprüche sind sprachbedingt, keine Eigenschaften der Realität. Man hätte statt “off”: “on” schreiben können und umgekehrt. Dann würde es sich um eine sich selbst in Stand setzende Maschine handeln und die Funktion wäre ein-und-dieselbe. Oder man hätte die Schriftbilder löschen können und damit auch den Widerspruch: Es würde sich um einen Mechanismus handeln, der einen Hebel zurückversetzen würde. Der Ausdruck ist neutral und widerspruchsfrei.

Neutrale, nichtwidersprüchliche Beschreibungen stecken das Gebiet des Realitätsnahen ab, weil sie vom originär Sprachlichen, dem Widerspruch, befreit sind. Zieht man das originär Sprachliche von der Beschreibung der Realität ab, so bleibt originär Reelles zurück.

Gestern dachten meine Töchter angesichts der Maschine Shannons, dass die Philosophen eine Art Witzbolde sind. Den Gedanken will ich ihnen nicht austreiben.

Enough with scrolling

Claude Shannon‘s “Ultimate Machine” makes the spectator think that its function consists in turning itself off.

However, this is an impression based solely on an irritating use of language. It seems as if the machine were functioning iff it turns itself off, which implies that it is not functioning iff it fails to turn itself off, i.e. it is not functioning iff it remains on.

As I keep telling people, contradiction is a linguistic phenomenon, not a feature of reality. You could have there “on” instead of “off” and vice versa. The new impression would be that the machine turn itself on out of the dead while what you would have would be exactly the same function. Only the tags would be different! And it gets more interesting if you remove the tags, because then the contradiction vanishes altogether. If you remove the tags, Shannon’s machine becomes a mechanism that moves a lever back to its original position. This sounds neutral and invites no contradiction.

If I am correct in seeing in contradiction something inherently linguistic, neutral, non-contradictory descriptions define the realm of the real. My line of argument is thereby the following: if you purify your descriptions of reality to be free of the inherently linguistic, i.e. contradiction, what remains back will be the inherently real.

My daughters played yesterday with a Shannon machine, as I also did, and thought that philosophers are a kind of jesters. I am not sure whether I want to drive this thought out of their minds.

Vanity unfair

Scroll for English

2015 war ein sonderbares Jahr. Drei Leute, mit denen meine frühe akademische Laufbahn eng verwoben ist, wurden Minister des Landes, wo ich das Licht der Welt erblickte und die Welt ihres – ex oriente lux.

Derjenige, der mich nach Boston zum Doktorandenstudium schicken wollte und damals obwohl selber ein Prof am Oberseminar meines Professors teilnahm, bekam das Ressort Bildung (später: Kultus). In den späten Achtzigern hatten wir zusammen: viel Wein, viel Kaffee, viel Freizeit. “Nach Boston sollst du! Hörst du? Bonn ist für Spießer!”

Derjenige, dem ich meine erste Assistelle als Übersetzer der Korrespondenz Fritz Londons verdanke, wurde Bildungsminister, nachdem sein vorgenannter Genosse Kultusminister geworden war. Früher waren die beiden enge Freunde gewesen und als solchen hatte ich mit beiden unterwegs sein sollen. In den Neunzigern haben sie sich wegen Unipolitik verkracht, mittlerweile geht’s wieder.

Mit dem dritten, Ressort Wirtschaft, wichtigste Eigenschaft Bürgerschreck, verbindet mich die Kameradschaft in derselben Kompanie der griechischen Infanterie im Jahr 1999 sowie eine für uns beide bittere Erfahrung sechs Jahre später im gemeinsamen Versuch, ein Berufungsverfahren an der Athener Capodistria Universität zu meinen Gunsten zu lenken. Überhaupt ist Letzteres der Grund, aus dem jemand, der mit drei Ministern per Du ist – in einem Land, das so groß ist wie Bayern, bestimmt etwas äußerst Ungewöhnliches – im Ausland lebt: Wenn du eng mit den Leuten bist, wissen sie, ob du mit den Reformkommunisten (Syrizas Vorgängerpartei) etwas am Hut hast oder nicht. Ich nehme an, dass der Umstand, dass der Bürgerschreck der einzige unter den drei ist, der nur aus Berechnung in den Reihen dieser politischen Plattform war, seine Unterstützung für meine damalige Kandidatur bedingte.

Heute werden sie abgewählt – mit Ausnahme des Bürgerschrecks, der das Schiff vorher verlassen hat. Er ist auch der ernstzunehmendere, wenn nicht für die Show, die er als Wirtschaftsminister lieferte, so wenigstens für ein paar interessante Aufsätze in Erkenntnis.

Für die Abwahl einer Regierung, die Greisen die Rente auf 300 € kürzte, damit die Bediensteten des Staatsfernsehens an ihren Privilegien frönen, werde ich – alte Freundschaften hin oder her – keine Träne vergießen. Und welche Freundschaft überhaupt? Für Menschen ihrer Art ist die gemeinsame Parteizugehörigkeit die einzige legitime Beziehung. In Griechenland erst recht, wo alle, die Philosophieprofs zwischen 2001 und 2019 wurden, politische Arbeit für die Reformkommunisten machten.

Enough with scrolling

The year 2015 was peculiar. Three people with whom I spent my early academic years became ministers of the country that you can call the cradle of western civilisation, i.e. if you are old-fashioned, and a country where an old-fashioned cradle once stood that was mine.

Back in the eighties, the one of the three who wanted to have me qualified in Boston was already professor and, for some reason, visited my professor’s master class. We had much wine, coffee and time together, time that was partly spent with warnings: “You can’t submit a PhD thesis at Bonn. Either they will not accept it or they will, but then you’ll have become narrow-minded.” In 2015 he became minister of education, later of culture.

Then there was the other, the one who gave me the job with which I earned the money for the first month in Bonn and an interesting one: translating Fritz London’s correspondence with Schrödinger and quite a few others. In 2015 he became minister of education after his aforementioned friend moved to the Ministry of Culture. They have been friends for ages with an interval in the nineties where they quarrelled on university politics. This is typical. I’ll return to this aspect of friendship.

Finally, there was one third who became minister of finance but whose most important role is this of the enfant terrible. In 1999, we served together in an infantry unit in the Aegean which was apparently his reason – probably not the only, one more aspect of friendship to return – to support my candidature at his department of the National Capodistrian University of Athens six years later; obviously with very mediocre results given my living and working between Germany and Switzerland today. What my reader understands now is probably that Greece is so small that it is no wonder if you happen to call three ministers by their first names. Which is the wrong impression for a country that has half the size of UK, more inhabitants than London and extends from the 35th to the 41st north parallel, and from the 20th to the 29th east meridian! The fact is: if you really happen to call them by their first names, they know you well enough to know also that you are not an adherent of the Eurocommunists (the political platform out of which Syriza emerged).

We do not have to wait for the exit polls of today’s national elections in Greece to know: my three friends are ousted! Well, not quite all of them since the enfant terrible abandoned the ship already in 2015. He is also the one among the three who deserves more attention. If not for his performance (the ambiguity is intended) as minister, at least for his papers in Erkenntnis. And, of course, for making a clear cut between academia and politics. As I said: I shall return to this.

A government that partly cuts pensions down to 300 $ a month and hires people for the state-owned TV stations endowing them with privileges, deserves to be ousted.

As someone who, once upon a time, tried his luck in Greek academia, I have one more reason to feel happy for my former friends’ being repudiated – and this is at the same time the point to which I have been promising to return from the beginning of this post: people who manage between 2001 and 2019 to have elected professors of philosophy only people who have worked for the far left, people of this kind have no friends: they have only comrades.

Ockham neither lies nor lies here

Scroll for English

Wenn ich dieses Blog für Reiseeindrücke gebrauche, dann meistens, um auf Verstecktes, Unbekanntes hinzuweisen. So z.B. auf die Höhle unweit meiner Wohnung in Attika, die Platon als Vorlage für das Höhlengleichnis gedient haben soll, oder auf die euböische Legende über die Gründe (und Meeresgründe), die angeblich am Tod des Aristoteles auf meiner (seiner) Insel schuld wären.

Vor einer Woche, wieder ausnahmsweise in München, was komisch ist, denn ich kann mich nach 23 Jahren dort wohl auch nach meinem Weggang einen Münchner nennen, dachte ich, dass ich wieder über einen philosophischen Blick hinter die Kulissen schreiben kann.

Das Münchnersein des Wilhelm von Ockham ist mit meinem vergleichbar: Ockham kommt 1330 (663 Jahre vor mir) als Ausländer an den Hof Ludwigs des Bayern. Richtig am Hof lebte er nicht, obwohl er oft dort – ein kaiserlicher Berater doch – gewesen sein muss. Der damalige Hof befindet sich südlich des heutigen Nationaltheaters. An Stelle des letzteren sowie auf dem weitläufigen Vorplatz, ein paar hundert Schritte vom Hof entfernt, befand sich damals das Franziskanerkloster, wo Ockham hauste, den Vorgänger des heute weltweit bekannten Münchener Franziskanerbiers trank und Polemiken gegen den Papst schrieb.

Siebzehn Jahre nach seiner Ankunft in München stirbt Ockham und wird im Münchener Franziskanerkloster  bestattet – so jedenfalls das Sterbejahr auf einem Grabstein, der allerdings keine zuverlässige historische Quelle darstellt, weil er aus dem Kirchenchor stammt, wohin Ockham lange nach seinem Tod umgebettet werden sollte. Komischerweise bittet allerdings ein Jahr nach dem Datum auf dem Grabstein, 1348 also, ein gewisser Münchner Guilelmus de Anglia den Papst um Vergebung. Als im frühen 19. Jahrhundert zwischen der neuen Residenz und dem Alten Hof das Bayerische Nationaltheater gebaut wird, weicht das Franziskanerkloster den Musen. 1932 entdeckt Lucas Wadding besagten Grabstein neu und unterstützt die These, dass dieser nur deshalb 1347 als Todesjahr angibt, um die Annahme zu bekräftigen, Ockham könne nicht der Münchner “Guilelmus de Anglia” sein. Rudolf Höhn pflichtete Waddings These bei. Unter den Ockham-Experten hielt nur Gedeon Gàl ab 1982 am Grabsteindatum fest – wohl zu Recht, nachdem er das Original der Petition wiederentdeckte, wo der besagte Münchner Guilelmus de Anglia als Freund Ockhams ausgewiesen wird – was wohl zeigt, dass er nicht Ockham war. Was für eine schöne Geschichte: Der Namensvetter und Landsmann in der Fremde: Der ja! Der konnte weiche Knie bekommen, das alte Franziskanersigel an den Papst Clemens VI. nach Avignon schicken und huldigst um Vergebung bitten; nicht jedoch Ockham, der unverrückbare Logiker, wo es doch darum ging, die Wahrheit zu verteidigen! Gàls Position erscheint schlüssig, aber mehr Beweisstücke wären natürlich hilfreich. Bloß gefunden konnten sie nicht mehr werden.

Ohne vorherige archäologische Untersuchung war 1963, was unterirdisch unter dem Kloster übrig geblieben war, der Tiefgarage gewichen, die man heute kennt. Nachdem ich diese ein paarmal in einem Vierteljahrhundert zum Parken benutzte (zunächst hatten wir einen Golf, einen weißen; dann einen roten Golf, Turbodiesel; dann einen Opel, das Modell weiß ich nicht mehr), habe ich sie nun zum ersten Mal als Pilgerstätte besucht.

Das unmittelbare Ambiente ist pietätlos, hat allerdings genau die Klarheit und die Wahrheit, die man von einem Logiker erwartet.

Enough with scrolling

Rarely, I use this blog to give glimpses the reader can expect to find in a philosophical Lonely Planet guide. But even then, they have to be very special, too well hidden behind the surface like the (literally subterranean) Plato’s real cave that turned out to be near my place in Attica or the (literally submarine) personal crisis that Aristotle allegedly failed to get over vis-à-vis the Euboean tides.

What I’m writing today will be something very similar and, indeed again subterranean.

In mid-June I visited Munich for a short time, which feels strange, especially the word “short”, since I lived there 23 years long. William of Ockham’s stay in Munich was only a bit shorter. He went there in 1330 (663 years before I did) and took refuge on Ludwig the Bavarian’s court. Albeit an imperial advisor, Ockham’s place was a monk’s cell in the back-then Franciscan abbey, a couple of hundred yards to the north of the court, where one finds today the Bavarian National Theater and the generous Max-Joseph Square in front of the loggia. There, Ockham drank the beer that was to become today’s famous Franziskanerbier of Munich and wrote polemics against the Pope.

Seventeen years after his arrival in Munich, Ockham dies and is paid the last respects there. Much later his grave is moved to the choir. In the early 19th century the Abbey makes place for the Opera (alias Nationaltheater). Lucas Wadding rediscovers in 1932 Ockham’s gravestone, i.e. the one that stood in the choir, according to which the venerabilis inceptor died in 1347. But, strangely enough, a petition sent to Pope Clemens VI in 1438, one year after the year of death on Ockham’s gravestone, a certain “Guilelmus de Anglia” sends the old seal of the Franciscan Order from Munich to Avignon and asks for forgiveness for decades of polemics. Rudolf Höhn publishes a picture of the gravestone in 1950 and, agreeing with the aforementioned Lucas Wadding, insinuates that the year 1347 on this stone was not only mistaken, but also intentionally so, due to the wish to see Ockham as a person who never apologised for his polemics against the Pope. Only Gedeon Gàl opposes to this position. In fact, Gàl rediscovers in 1982 the original of the petition in which said Guilelmus de Anglia is identified expressis verbis as Ockham’s friend. This straightforwardly means that he was not Ockham. The compatriot, an English émigré in Munich by the same name but without a logician’s firmness might lose his courage. Ockham however cannot but defend the truth! This is Gàl’s message. New evidence would have been helpful to back this nice story, one that was based on one single document. But in 1963 the underground parking lot in the form we know it today was built. The construction had made quick progress because no one remembered to ask the archaeologists to make an excavation first.

In the past quarter of a century I have used the parking lot under the Max-Joseph Square in Munich to park different cars we owned. First a white Golf, then a red Golf, then – I think – an Opel, don’t ask me about the model etc. In mid-June I visited it for the first time as a pilgrim.

The direct ambience is impious but it has exactly the transparency and truth you expect from a logician.

Totgesagtes lebt länger #2

Scroll for English

Die plötzliche Kälte, die einen Teil der Schweiz wieder in Schnee verhüllte, macht wieder den Trachanas aktuell.

Wirklich aktuell ist ein egal wie legendäres Relikt der byzantinischen Küche wohl nie. Aber die Kälte legt die bulgurähnlichen Krümmel aus getrocknetem Ziegenmilch-und-Mehl-Porridge näher als sonst. Wer Ungarn und seine Küche kennt, kennt wohl das ähnlich klingende Tarhonya. Tarhonya ist nicht Trachanas, sondern es wird in gleicher Größe und Gestalt aus Nudelteig gemacht. Allerdings zeugt der Name von einem gemeinsamen Ursprung.

Wenn zwei verschiedene Sprachen verwandte Wörter für unterschiedliche Dinge haben, dann sind lexikalische Entlehnungen und Bedeutungsverschiebungen der Fall wie bei Pitta im Griechischen und Pizza im Italienischen. Wird dieselbe Sache dagegen unterschiedlich bezeichnet, kann höchstens von Kulturtransfer die Rede sein. Im Fall von Trachanas/Tarhonya haben wir Beides. Kulturtransfer war der Fall als die mittelalterlichen Ungarn den Trachanas höchstwahrscheinlich von oströmischen Soldaten adoptierten, worauf die Bedeutungsverschiebung folgte: Beibehalten wurde aus der ursprünglichen Bedeutung die Gestalt des Gebrösels, das Rezept wurde umgewandelt.

Ich sehe hinter der Beibehaltung des Terminus folgende Haltung der Sprecher des mittelalterlichen Ungarisch: Die Gestalt ist das Wesentliche (von mir aus das Wesentliche für dieses Gericht) der Originalteig aus Ziegenmilch sekundär.

Wenn es Leser dieser Zeilen gibt, die sich fragen, ob morphologische Eigenschaften als Teile des mereologischen Ganzen genommen werden können, dann kommt hier die Moral von der G’schicht’: Nicht nur können sie das, sondern sie können auch die essenziellen Teile sein!

Enough with scrolling

The sudden cold that covered much of Switzerland with snow in May, allowed me to have the original dish again: trachanas: wheat cooked in goat’s milk and dried and broken into bulgur size is a legendary historical fossil of Byzantine kitchen. Those familiar with Hungarian kitchen know the similarly looking and sounding tarhonya. Tarhonya is not trachanas. It is simply pasta in bulgur shape. But the name bears witness to a common origin.

When in different languages like here in Greek and in Hungarian, you have a similar name for something different, then it is a lexical loan and a semantic shift that you have – like when you compare the Greek pitta and the Italian pizza. When you have, in contrast, the same thing by different names, then you can have a cultural transfer. In the case of trachanas/tarhonya you have both phenomena: an original transfer when the medieval Hungarians adopted trachanas as it was used probably by Eastern Roman soldiers, followed by a semantic shift: they retained the form but replaced the recipe, which probably shows that they considered the form to be substantial, the dough as of secondary importance.

Just an idea for those who ask themselves if morphological properties can be considered to be parts of mereological wholes. Not only are they, but can also be essential parts of the whole.

Avicenna Anglicus

Just released: The أل مدخل, Avicenna’s commentary to Porphyry, translated into English by Allan Bäck (Kutztown University).

My part was much less than my mirrored face on a black, smooth cover can make you believe.

Agnus dei et idea leporis

Scroll for English

Wer irgendwo im Gebiet zwischen Basel und Freiburg wohnt und Lamm- oder Ziegenfleisch kaufen will, ist gut beraten, in der Markthalle von Mulhouse einzukaufen. Das klingt wie ein Werbespot, ist aber der Beginn unserer jüngsten theologischen Familiendebatte. Da der heutige Ostertag nach dem julianischen Kalender nahte, wollte ich jedenfalls obigem Rat folgen.

Theologisch gesehen war meine Position, Lamm zu kaufen, fundiert, finde ich: Zu Ostern töten wir den “agnus Dei qui tollit peccata mundi“, um ihn symbolisch zu uns zu nehmen. Voller Schuld daran, nach vierzigtägiger veganer sowie Krusten- und Weichtiere-Diät Fleisch zu essen, wollen wir Versöhnung. Bringt uns das nicht etwa bei, Tierleben zu schonen und reflektierter zu essen?

Zunächst fragte ich die Verkäuferin also, ob das halbierte, kleine Jungtier da – wir brauchten nicht viel, wir haben niemanden eingeladen, als ich die Osterfeste in München mit fünfzig Gästen feierte, musste ich am nächsten Tag nicht unterrichten – ein agneau war, ein agnus.

Daraufhin äußerten meine Kinder den Wunsch, Hasen zu essen. Das irritierte mich. Der Osterhase ist doch germanisch, wandte ich ein, wir feiern nun die Auferstehung in orthodoxer Tradition. Ein Hase komme an unserem Osterfest nie auf den Tisch.

Da fühlte sich die elsässische, alle Sprachen der Region beherrschende Verkäuferin berufen, uns aufzuklären, das sei “ein Kitz, ein chèvreau” (damit war meine Agnus-Dei-Symbolik dahin), außerdem könne man von Hasen nicht reden: “Da wilde Haas, le lièvre” dürfe erst im Oktober wieder gejagt werden, das sei ein lapin. Damit war auch die von mir unterstellte germanische Osterhasensymbolik dahin.

Es ist bitter, einen Argumentationskampf gegen Gemeinplätze zu verlieren. Die Situation glich der Niederlage des FC Barcelona gegen Steaua Bukarest in jenem legendären Endspiel für den Pokal der Landesmeister… Im Nachhinein finde ich, dass ich nicht klein beigeben durfte. Ein chèvreau steht näher zum agneau als ein lapin, was seinerseits eine Nähe zur elsässischen (und sonstigen germanischen) lièvre-Symbolik hat.

Seit Theodor Studites im 9. Jh. lautet die orthodoxe Lehre zum Symbol einer Person, etwa zu einer Ikone, diese sei nicht die abgebildete Person, könne aber an ihrer Stelle verehrt werden, denn die abgebildete Person die Ursache des Abbildes sei. Zicklein haben eine größere genetische, damit ursächliche Ähnlichkeit zu Lämmern als Kaninchen. Also…

Nach Descartes kann die idea leporis, die Hasenvorstellung, zwar unabhängig von der Existenz des Hasen sein, so dass man im Endeffekt alles mit allem symbolisieren kann. Allerdings soll man dabei aufpassen, keine unklaren oder diffusen Symbole zu benutzen. Solange Vorstellungen clarae et distinctae sein müssen, können cuniculi wie lepores nicht den Agnus Dei symbolisieren.

Enough with scrolling

The marketplace of Mulhouse in France is the best place to buy lamb or goat also if you happen to live between Basel in Switzerland and Freiburg in Germany. This sounds like a commercial but it was the beginning of a theological dispute with my family.

Today, according to the Julian calendar, is Easter. The Greek custom is to eat lamb and the hymn “Agnus Dei qui tollis peccata mundi” (we sing it in Ancient Greek of course) guarantees that you will feel guilty for eating meat after forty days of vegan diet plus molluscs and crustacea. You will feel guilty for existing at the lamb’s expence. After this you seek atonement. This can teach you to be more modest when taking the death of other creatures as a consequence of your own living.

Like Strasbourg and Colmar, Mulhouse is in the region of Alsace. Alsatians (that is: real Alsatians) speak French of course but they also speak Alsatian, a German dialect nearly incomprehensible to normal speakers of standard German. And in some cases they can understand standard German. If they want to… This butcher wanted to.

She wanted to intervene into my family’s debate carried out in standard German, me saying: “What? A hare you want me to cook on Easter? Now, let me put things clear: The easter bunny is Germanic. Proof: the only place they have it in France is Alsace. We celebrate an orthodox day. There is a symbolism in having lamb.”

Well, she said, the halved animal I wanted to have was a goat, not a lamb. So no Agnus Dei symbolism there. And the animal which my family had spotted instead was a rabbit, not a hare. So, no Germanic symbolism here. Hares are protected until October.

The more trivial this last piece of information was, the more bitter it made losing the argument on its behalf. It felt like FC Barcelona’s defeat to Steaua Bucharest in this one European Champions’ Cup final decades ago.

Since Theodore of Studion, a Byzantine theologian of the 9th century, the Orthodox view on symbols is that representations of persons, say icons, on one hand and the represented person on the other may, of course, not be confused except of one and only attitude towards the icon: i.e. veneration. Theodore argues here with the causal relationship between the representation and the represented. Now, I do see a causal relationship between a goat and a lamb and one that is closer than the other between a rabbit and a lamb. Not to mention the causal relationship between a rabbit and a hare which is certainly closer than the one between a goat and a hare. So, if for the sake of symbolism you do not want a lièvre, a lepor, a haas, a hare but an agnus for God’s sake, and you do not have the opportunity to get a lamb, a goat is its next kin.

This was not the kind of argument I could bring in a butcher’s shop…

Of course, there are authors who have more elaborated arguments on this. Take Descartes. As if he had predicted my problems with Germanic hares on Easter, he said that the idea leporis is independent from the existence of the hare. In a way, you can take anything to symbolise anything else. A symbol of a hare does not have to look like one and, accordingly, a symbol for the Agnus Dei does not have to be an agneau or a chèvreau or any other ovine.

Well, yes, this is true. But also Descartes would demand the ideas to be clarae et distinctae. Animals like cuniculi and lepores would have to symbolise just the Agnus Dei and nothing else on the liturgical level. And this is not the case.