What’s in a name

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Seit Jahrzehnten behaupte ich, dass die griechischen Reaktionen auf die Gründung der Republik Makedonien an der griechischen Nordgrenze keiner Kritik standhalten. Ich bleibe dabei. Hätte der griechische Staat konsequent „Südliches“ oder „Griechisches Makedonien“ zur eigenen Region Makedonien gesagt, gäbe es keine Verwechslung und vor allem keine Kränkung des Volkes zwischen Gevgelija und Kumanovo, das sich selbstverständlich „makedonisch“ nennen würde.

Dazu eine Geschichte. Den Anfang dazu erzählte mir vor nicht langer Zeit Miša Arsenijević, weltweit bekannter analytischer Philosoph und Logiker und ehemals Dekan der Belgrader philosophischen Fakultät.

Während der deutschen Besatzung Belgrads kam eines Tages ein deutscher Soldat in Georg Ostrogorskis Büro. Der Byzantinologe will den Grund des Besuchs wissen, worauf der Soldat den Professor bittet, zur Kommandantur mitzukommen. Ostrogorski fängt natürlich an, Szenarien im Kopf zu spinnen, wie das sich abzeichnende Verhör wird wohl aussehen können. Mittlerweile kommen er und sein Begleiter in der Kommandantur an, wo sich ein Wehrmachtoffizier vorstellt, der sagt, während seines letzten Heimaturlaubs habe er an einem Tisch mit einem ihm unbekannten Herren gesessen, der, als er erfahren habe, dass der Offizier in Belgrad stationiert sei, darum gebeten habe, dem berühmten Kollegen Ostrogorski einen Sonderdruck seines letzten Artikels zu übergeben.

Erleichtert und mit interessanter Lektüre beschenkt kam der gebürtige Russe in sein Büro zurück. Hier hört Mišas Geschichte auf.

Für einen, der Russland auf der Flucht vor den Bolschewisten verließ, war es nicht das Nächstgelegene, in der Wahlheimat Jugoslawien Kommunist zu werden. Gerade das hat Ostrogorski wider Erwarten getan, gewiss mit einem Überbleibsel der Angst dieses Tages in der Belgrader Wehrmachtzentrale in den Knochen. Regimetreu sein. Er heiratet eine Doktorandin – ein ethisches Thema hier, ohne Zweifel, aber nicht heute – und ehemalige Partisanin, eine Makedonierin. Er macht Karriere. Seine Schriften werden instrumentalisiert in der Propaganda des jugoslawischen Bundes der Kommunisten und der griechischen KP für ein unabhängiges Makedonien. Makedonien sei in Byzanz einig gewesen, so müsse es heute werden. Über die Grenze liegt allerdings ein monarchistisches Griechenland. Das NATO-Mitglied will kein vereintes Makedonien. Byzanz war einmal. Es war das Land der Oströmer. Jetzt gibt’s jedoch Nationalstaaten. Wer im griechischen Makedonien Griechisch als Zweitsprache benutzt, wandert aus. Ins jugoslawische Makedonien.

Die Ostrogorskis bekommen von Belgrad aus diesen Exodus nur über die Medien mit. Und sie bekommen Kinder. Die Tochter Tatjana wird Mathematikerin. Und Polyglottin: Serbokroatisch, Russisch, Englisch, Französisch. Am klassischen Gymnasium lernt sie Altgriechisch und Latein (fast ein Wunder, dass sie Mathematikerin wurde…) und leicht wird es ihr dort auch noch gefallen sein, weil die Mutter, Fanula Papazoglu, mit der Tochter Neugriechisch spricht. Kein Makedonisch, kein Aromunisch…

Die (republik-) makedonische Identität Mitte des 20. Jh. beruhte auf der bewussten Entscheidung, nicht Grieche, Serbe, Bulgare zu sein, obwohl man auch das hätte geltend machen können, wenn man wollte. Ganz unabhängig von der ruppigen Gangart Griechenlands gegenüber den Bilangues war das nicht…

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The Greek Republic’s reaction to the establishment of the Republic of Macedonia to its north I have found ridiculous since decades. If the Greek Republic consistently called „Greek“ or „Southern Macedonia“ its part of the region, there would be no confusion and the people between Gevgelija and Kumanovo wouldn’t be humiliated by being asked to chose another ethnonym.

Instead of a theoretical analysis, I have a story that Miša Arsenijević told me, a world known analytic philosopher and logician and a former dean of the Faculty of Philosophy at the University of Belgrade.

During the German occupation of Belgrade, a German soldier came to visit George Ostrogorski in his office. An expert on the Byzantine state and economy, Ostrogorski was very anxious to know more about the reason of this visit. The soldier himself knew not more than that he had been ordered to accompany the professor to the headquarters of the Wehrmacht. While the two were walking through downtown Belgrade, the professor tried to think of different scenarios of what he predicted to be an interrogation, when, at the destination, a German officer introduced himself to start talking about his last days off duty in Germany where he had met someone who, hearing where the officer was stationed, gave him an offprint of his last article for the famous Ostrogorski to read.

Relieved and with a gift, the Russian born intellectual was happy to return to his office immediately after. This is the end of Miša’s story.

For someone who had left Russia fleeing the Bolsheviks‘ rule, it wasn’t the most likely thing to do to join the communists in the adopted country. But this is what Ostrogorski did after the war, surely not without a second thought on what anxiety does with you if you are thought to be not loyal in an authoritarian state. He married a Macedonian PhD candidate – an ethical issue here, of course, but not today’s topic – who had been a member of Tito’s partisans. He made a gorgeous career notwithstanding the instrumentalisation of his works for the cause of one and undivided Macedonia – a Titoist and a Greek communists‘ goal back then. I don’t need to mention how fierce the Kingdom of Greece was being against this slogan by, say, 1950. Eventually, those who spoke Greek as their second, not as their first language, left the Greek part of Macedonia to the northern part, the Yugoslav federate state by the same name.

In Belgrade, these were things to sadden the Ostrogorskis. But life went on, and kids were born to them, talented kids on top of everything. Their daughter Tatjana learned many languages: Serbocroatian with friends, Russian with dad, English and French at school. At the high school she learned Ancient Greek and Latin (it was a miracle after all that this woman became an important mathematician!) with which she had not major problems since the language she spoke with her mother, her father’s former PhD candidate Fotula Papazoglu, was Modern Greek. No Macedonian, no Aromanian…

Macedonian (meaning the Republic’s, not the Greek region’s) identity in the mid-20th century has been subsequent to a choice many people made to be no Greeks, no Serbs, no Bulgarians, although they could have been counted anything between the three. This choice wasn’t always independent of the Greek treatment of bilinguals…

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Proud of her

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Ich weiß, dass ich meiner Tochter eine christliche Zuversicht nahelegen soll. Aber gleichzeitig bin ich Grieche. Deshalb bin ich auch auf Nichtchristliches stolz.

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My daughter says that life’s not just. I know that I have to give her a Christian education. But I’m also happy for every piece of Greekness in her…

Janus annum circinat

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Dass Janus das Jahr zur Wende bringt, ist nicht ohne Weiteres klar. Normalerweise verbinden wir mit ihm einen Neuanfang. Das ist nicht besonders klug. Auch bei den besten Neujahrsbeschlüssen fangen wir nicht bei Null an. Die Wende ist ein Richtungswechsel, kein Neuanfang.

Punkt, Spiel und Partie also für den Codex Latinus Monacensis 4660, Lied 56: „Janus bringt das Jahr zur Wende“.

Dass wir trotzdem von Neuanfang reden, hat immerhin eine Berechtigung. Janus ist das geeignetste Symbol für die Veränderung des Gleichbleibenden und den Dialetheismus. Bei einer contradictio in terminis kann von mir aus von einem Beginn des Neuen ohne das Ende des Alten die Rede sein. Wer einwendet, dass die Realität frei von Widersprüchen ist, dem würde ich auch Recht geben. Dass es einen ersten Januar gibt, ist ein Teil unserer Sprache, nicht der Realität.

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Janus curves the year. What a strange verse! Not only linguistically. We mostly associate new beginnings with him, not curves.

Otherwise, new beginnings and new year’s resolutions are overestimated. We never begin at point zero. We just (wish to) change. And a change is a turn, a curve, not a beginning.

Game, set and match go to the Codex Latinus Monacensis 4660, carmen 56: „Janus curves the year“.

I would tolerate „new beginning“ talk whatsoever. Janus is a symbol for the change of something that remains the same and for dialetheism. When the symbol itself invites contradiction, there’s not much to prevent you from seeing a beginning of the new even if the old still remains. You can say that reality is free of contradiction, of course, but Janus and January are parts of language, not of reality.

Surprise #2 or: da Doumani a Cumani e tra le mie mani

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Zeit meiner Tätigkeit im SPP 1173 musste ich Jahre über Jahre Historikern über die Schultern gucken, lange genug also, um zu wissen, dass die vielen Gesichter des zeitgenössischen geschichtswissenschaftlichen Konstruktivismus – histoire croisée, Postmodernismus, oral history – etwas gemeinsam haben, womit ein analytischer Philosoph aus wissenschaftstheoretischer Perspektive nicht einverstanden sein kann: den Glauben, dass die historischen Ereignisse Fiktionen sind, Repräsentationen, die sich angeblich einer willkürlichen Selektion von Daten verdanken. Evidenz und Wahrheit waren zwischen 2005 und 2011 Begriffe, um die ich von manch einer jungen Historikerseele als Relikt früherer Jahrtausende angesehen wurde: „Pfff, Wahrheit – wie naiv kann nur der Typ…“ Dabei bin ich ein ungewöhnlicher analytischer Philosoph, der – vor gefühlten Jahrhunderten vielleicht, aber hallo! – seine Abschlussarbeit über Cassirer bei einem Athener Marxisten schrieb, dessen Hauptschwerpunkt die Geschichtsphilosophie und die Epistemologie der Geschichte war.

Ich will damit sagen, dass der historische Positivismus à la Ranke bestimmt keine Option für mich ist. Bloß finde ich es Eigenblendung zu behaupten, etwa Pogrome würden sich nicht ereignen, es hätte bloß vermehrt „Diskurse“ gegeben, wonach einzelne Individuen abermals vermehrt die Wut gegen andere einzelne Individuen gepackt hätte. Was Collingwood oder Popper nicht wagten, den Gegenstand der historischen Forschung in Einheiten zerfallen zu lassen, die kleiner wären als die Einflusssphäre der historischen Persönlichkeit oder die einzelne Institution, wagt aber die Postmoderne. Der Gräuel der Geschichtsschreibung davor, den historischen Bericht auf literarische Komparatistik zu reduzieren oder mündliche Überlieferung und Geschichtsschreibung als gleichwertig zu behandeln, lässt die histoire croisée kalt und die oral history unbeeindruckt. Beides hat zu Folge, unqualifizierte Meinungen oder Animositäten auf gleiche Stufe mit wertneutralen Beschreibungen zu setzen, oder auch die aus nüchterner Archivarbeit hervorgehende Opferzahl gegen die Selbstwahrnehmung von ein paar Tätern abzuwiegen.

Meine schlechte Meinung von der oral history hat Nicholas DoumanisUna faccia, una razza deutlich verbessert. Der Autor, australischer Italien-Experte mit griechischen Vorfahren, war mir nicht bekannt, geschweige denn das Buch, das mir der Freund Claudio Cumani vor Jahren schenkte. Erst heuer fand ich die Zeit, es zu lesen und festzustellen, dass die oral history mit Archivforschung gepaart weberianisch koscher sein kann. Die italienische Kolonisation, Administration und (auf die Italisierung hindeutende) Bildungspolitik auf Rhodos in den Dreißigern und frühen Vierzigern ist reichlich belegt und die Augenzeugen gab es noch, als Doumanis die Feldforschung ausführte.

Eine autobiographische Komponente für mich hatte die Lektüre auch: Die Hälfte meines Wehrdienstes verbrachte ich als (wohlgemerkt griechischer) Feldwebel in der Carabinieria des verlassenen, heute von der griechischen Rhodos-Division benutzten, halbverfallenen italienischen Kolonistendorfes Peveragno. Zu einem Dezember-Gottesdienst am Fest des Heiligen Domestus, nutzten wir die „moderne“ Spitzbögenkirche unserer, der „italienischen“, Kaserne – na ja, ansonsten waren uns sonntags die meist byzantinischen Dorfkirchen im Umland lieber, da den Tarnuniformgewandeten nichts so sehr aufbaut wie der Umgang mit Zivilisten.

Aber gerade dort erzählten uns, jungen Infanteristen, die alten Rhodier stets Geschichten über die „bösen italienischen Schulen 1932-1944“, wo Kinder z.B. angemahnt worden seien, sich auf römisch-katholische (vierfingerig, erst links) und nicht auf griechische (dreifingerig, erst rechts) Weise zu bekreuzigen. Gerade bei solchen Animositäten, die sich in einer mündlichen Überlieferung als urban myths verfestigen und überhöht werden – bin ich sehr vorsichtig.

Doumanis auch…

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During my work in the funding scheme SPP 1173 of the German Society of Scientific Research (DFG) I had the opportunity to watch how historians practice their discipline, i.e. something about which I’ve spent thoughts for decades from the standpoint of the philosophy of history and epistemology. Most members of SPP 1173 were historians, you see… The time between 2005 and 2011 was long enough to realise that the different faces of historiographical constructivism – histoire croisée, postmodernism, oral history – have something unacceptable in common, at least unacceptable for an analytic philosopher: the view that historical events are representations not essentially different from fictions and dependent on an arbitrary selection of an empirical basis.

Now, I’m not saying that I prefer historiographical positivism in Ranke’s manner. But isn’t it self-blinding to seriously consider atrocities not to have happened? To talk of „discourses“ instead, according to which a number of individuals have been aggressive against other individuals?

Collingwood and Popper would never dare to reduce events to something smaller than the influence of historical personalities or institutions. It’s postmodernism that has done the unthinkable: it tries to make you cope with historiography as a discipline that bears no difference to comparative literature. „Tell me what the victims say, and then tell me what the perpetrators say, and let us think that the truth – which doesn’t exist anyway – lies in the middle“. The histoire croisée and the oral history are not only postmodern developments of historiography. They are post-mortem symptoms thereof…

Nicholas Doumanis’s Una faccia, una razza amended my bad opinion of oral history. Unknowingly to me, the author is an Australian scholar of Greek descent and with a focus in Italian history, and the good friend Claudio Cumani wanted to make me familiar with his work – years ago.

Alas, I only found the time to read the book years later – in 2018 – to discover that the oral history can be fruitful when paired with classical work in archives and with literature.

The Italian occupation of the Dodecanese and the cultural policies of the Italian state towards the assimilation of Rhodians and the other islanders in the 30s and the early 40s are very well known but it would be a pity if Doumanis hadn’t taken the pains to meet the remaining witnesses.

I read the book also out of an autobiographical interest. Half of my military service I spent in the old carabinieria of the abandoned Italian village of Peveragno in Rhodes – a ghost village of colonists, now a military area, where for decades only people in uniform – white cross on blue instead of the previously red background – have been. It was on an 18th of December when we had used – only once – the „Italian“ St. Domestus chapel of our barracks. For the Sunday service we used to prefer the mostly Byzantine churches of the surrounding villages. In the depth of their hearts, you see, soldiers enjoy talking with civilians.

This was, however, where old Rhodians wanted to tell „an obviously learned sergeant of the infantry“ about the „evil Italian schools“ of their times where the teachers urged them to make the sign of the cross with four instead of three fingers, urged them to pass their hand from the left to the right shoulder instead of vice versa.

Well, animosities, especially very old ones like those of the Aegean against the Adriatic, and like those of the New Rome against the Old Rome can be urban myths and the learned have to be cautious when they report them.

Doumanis is cautious…

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Pictures courtesy of the author and Marcella Arca Petrucci (ed.), Atlante geostorico di Rodi, Roma: Gangemi, 2011.

Pizzas, pittas, quiches and their pieces

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Wer nach der griechischen Pitta (etwa der Tyropitta, der Lachanopitta, der Tsuknidopitta) oder der südserbischen Gibanica googelt, bekommt als Treffer Fotos eines deftigen (meistens mit hauchdünnem Nudelteig hergestellten) runden Blätterteigkuchens, der meist wie Pizza angeschnitten ist. Dieses Anschneiden ist nur in TV-Kochsendungen oder im Internet anzutreffen. Als Element kultureller Hybridität ist es auf die in Griechenland und Serbien wahrgenommene Überlegenheit der italienischen und französischen Küche zurückzuführen; insofern postkolonial. Keine Oma aus Ioannina oder Leskovac schnitt ihre Pitta oder Gibanica wie eine Pizza oder eine Hochzeitstorte! Vielmehr bestand der Anschnitt aus zwei sich senkrecht schneidenden Durchmessern und Parallelen zu diesen beiden. Die Randstücke waren nach diesem, dem einzig traditionellen Anschneiden, kleiner oder größer als die Stücke weitab vom Rand. Das Verteilen der epirotischen Pitta, eines für Generationen fast täglichen Essens in den Dörfern Nordwestgriechenlands, war kein Fall der distributiven Gerechtigkeit. Die Welt ist ungerecht und so waren auch die Stücke.

Viele würden sagen, dass ich hier übertreibe, dass früher eine ausgleichende Gerechtigkeit gewahrt wurde („Dieses große Stück für dich, weil du den ganzen langen Tag nichts gegessen hast“), dass die Verteilung eventuell individuellen Vorlieben entsprochen hat („Ich mag sowieso keinen Spinat, dafür knusprigen Blätterteig“), aber ich weiß ganz genau, dass die Fälle, wo einer unzufrieden mit seinem Stück war, nicht wenig waren. Ungerechtigkeit wurde hingenommen.

So ungerecht allerdings, dass ein Randstück nur aus Blätterteig bestand, keine Spur von Feta, Brennnessel, Spinat hatte, war die Verteilung selten. War das Randstück so klein geraten, dass gar keine Füllung drin lag, dann pflegte man zu fragen: „Warum hast du mir kein richtiges Stück gegeben?“

Daraus wird klar, dass die Ganzes-Teile-Beziehung einer traditionell angeschnittenen Pitta oder Gibanica anders als bei Quiche oder Pizza eine mereologische war und zwar eine auf die Mengenbeziehung nicht reduzierbare! Während nämlich alle Pizza- oder Quichestücke sowohl echte Teilmengen als auch echte mereologische Teile sind, war es möglich, Pitta- oder Gibanicastücke zu haben, die „nicht richtig“ waren: nur Teig. Diese waren zwar echte Teilmengen aber keine mereologischen Teile einer Pitta oder Gibanica, sondern nur Teile von deren Teigblättern.

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If you google to get pictures of Greek pittas (I mean real pittas: spinach pies, cheese pies, nettle pies, not the thing Greek eateries would serve with kebab), also pictures of South Serbian gibanicas (pronounced „gheeb-an-etsas“), you will find mostly unreal, improbable pictures: pies cut in a way you would cut a pizza or a wedding cake but not the traditional way a non-professional cook from Niš or Ioannina would cut the pie. Pizza-like cuts demonstrate a cultural superiority of French and Italian kitchen towards the Southeast European periphery, are postcolonial, hybridical forms created by TV shows or for the internet – they are fake servings.

The real thing is served when you cut the pie in little squares. Since the baking pan, however, is round, the pieces at the edge are smaller or bigger than those that are not at the edge. Serving a cheese or a spinach pie, for generations an almost daily dish in the villages of Nordwest Greece, wasn’t a case of distributive justice. The world’s unjust and this was something you had to cope with also during lunch.

You’ll say I’m exaggerating.

You’ll say it’s justice after all, restorative justice, when the one who’s been working all the day gets the middle pieces. You can also see individual preferences respected here: „I hate spinach anyway, but I love crispy pastry“.

Whatever you say, I know that the cases people are disappointed from their piece are many.

No piece was supposed to be so unjust however that it would consist only of fyllo, only of pastry: no spinach, no feta cheese, no nettles, no nothing… Would this be nevertheless the case, the reaction would be prompt: „Why, am I supposed to eat a piece that’s not real?“

„Nonreal piece“ means, in this context, something that doesn’t deserve to be called a piece of pitta. Maybe a piece of the pitta’s pastry but not a piece of the pitta itself: with its spinach and its sheep’s cheese!

„Nonreal pieces“ are such that they are reminiscent to injustice in the world but also evidence of mereology’s nonreducibility to set theory. „Nonreal pieces“ are genuine subsets of the pitta in question but not genuine mereological parts thereof. Maybe of its pastry but not of itself. A genuine part of a pitta must contain something under the fyllo.

Brentano

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Erst wenn ich meinen Vortrag an der RSS Basel überdenke, wird mir klar, wie außergewöhnlich der Ansturm von vielen außergewöhnlichen Studenten in Franz Brentanos Vorlesungen an der TH (heute TU) Wien war: von Freud bis Husserl und von Twardowski und Meinong bis Steiner waren das die führenden Psychologen, Philosophen, Logiker und Pädagogen des 20. Jahrhunderts. Kant hatte geradezu Kiesewetter und Herder als direkte Schüler und das war’s!

Für die vorstellungsorientierten Gemüter habe ich unten eine Dokumentation des Zusammentreffens. Fake News natürlich, aber auf einer tieferen Ebene doch zutreffend.

Dilettantisch habe ich sie auch gemacht, um unvorsichtigem Fürvollnehmen vorzubeugen.

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In the aftermath of a lecture I gave at the RSS Basel I just realise that Brentano’s lectures at the back then TH (now TU) Vienna were visited by an unusually large number of people destined to be very important in psychology, philosophy, logic and education: from Edmund Husserl to Sigmund Freud and from Kazimierz Twardowski and Alexius Meinong to Rudolf Steiner. And I thought, since this circle is rather unknown to a wider public…

…well, I thought, let’s fake a documentation.

One more fake fact that’s more genuine than much bullshit around.

I mean, just compare! Kant had Herder and Kiesewetter as direct disciples and that was that!

Fake facts

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Es gibt eine nicht sofort ins Auge springende Gemeinsamkeit zwischen den drei Gemälden, d.h.:

Raffael Sanzios Schule von Athen (1511, Stanza della Segnatura, Vatikan);

Mikhail Nesterovs Philosophen (1917, Tretjakov-Gallerie, Moskau);

Johannes Grützkes Böcklin, Bachofen, Burckhardt und Nietzsche auf der Mittleren Brücke in Basel (1970, Kunstmuseum Basel).

Sie stellen Begegnungen dar, die in der abgebildeten Form nicht stattfanden. Gleichzeitig Begegnungen, die im übertragenen Sinn genau so stattfanden. Platon und Aristoteles unterschieden sich darin, ob die Allgemeinbegriffe von oben kommen, oder ob sie konventionelle Abstraktionen des Gegebenen darstellen. Aber nebeneinander argumentierend – Raffael säumt sie sogar mit einer anachronistischen Schar von Akademikern und Peripatetikern in einer römischen Halle, die vom technischen her nur in der Spätantike, vom ästhetischen her nur in der Renaissance möglich wäre – waren sie nicht zu sehen.

Sergej Bulgakov und Pavel Florenskij, die von Nesterov abgebildeten Philosophen, waren im Silbernen Zeitalter Mitstreiter im nichttraditionalistischen Verständnis eines orthodoxen Glaubens, der mit den nomologischen sowie den Sozialwissenschaften im Gespräch bleibt. Später sollten sie Dissidenten des Sowjetregimes werden. Aber nicht im Wald unterwegs waren die zwei Freunde an dem Maitag des Jahres 1917, sondern in Florenskijs Garten.

Bachofens Mutterrecht, Nietzsches Kulturkritik, Burckhardts Betonung der Kulturgeschichte für die Zeitgeschichte und aller drei Antimodernismus passen zueinander unabhängig von ihrem Zusammenfallen im Basel der 1870er Jahre. Die Vogel-Gryff-Prozessions-Pose lässt eine Nähe vermuten, die allerdings nur in ihrer Korrespondenz und in ihren Schriften spürbar wird.

Fotos sind nicht Gemälde. Sie bilden nur stattgefundene Begegnungen ab, so z.B. die vieldokumentierten zwischen Einstein und Gödel an der Princeton Uni. Allerdings sind beide Theorien, die Relativitätstheorie und die Unvollständigkeit von formalen Sprachen, kein bisschen einander näher gekommen dadurch. Wenn man mich fragt, welches der Bilder oben oder unten am meisten „Fake“ ist, würde ich sagen: das Foto.

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The three paintings of this post have something very interesting in common. Especially juxtaposed to the photograph.

The first painting is Raffael Sanzio’s School of Athens (1511, Stanza della Segnatura, Vatican).

The second is Mikhail Nesterov’s Philosophers (1917, Tretyakov-Gallery, Moscow).

The third is Johannes Grützke’s Böcklin, Bachofen, Burckhardt and Nietzsche on the Middle Bridge in Basel (1970, Kunstmuseum Basel).

They represent encounters that, factually, never took place. At least not in this form. Encounters, at the same time, that did take place in an ideal form. Plato and Aristotle did have a dispute on whether universals were real entities from above, at least in a sense of „above“, or conventional abstractions. But Raffael depicts the disputants anachronistically surrounded by all possible academics and peripatetics in an architectonical environment that was technically possible only in late antiquity and aesthetically desirable only in the Renaissance.

Sergei Bulgakov and Pavel Florensky, Nesterov’s figures in the countryside, were encouraging each other with their life and work. Both were champions of a new reading of Eastern Orthodoxy and scientists: the former an economist, the latter a mathematician. The former managed to be admired by Lenin before writing books on a religious understanding of national economy and fleeing the USSR already ordained a priest. Lenin expressed his disappointment about Bulgakov’s conversion in a series of malicious comments found in his letters to his sister and his mother. Florensky managed to be powered by Trotsky as an expert in electromagnetism for the Soviet state electrification company to always go to his office in a cassock similar to the one in the painting, to write books on mysticism and contradiction, finally to be eliminated under Stalin’s terror regime. Back in May 1917, the two friends had met – together with the painter – in Florensky’s garden near Moscow, not in the countryside.

Bachofen’s matriarchy hypothesis, Nietzsche’s Kulturkritik, Burckhardt’s emphasis of culture in history and the entire triad’s hostility to modernity would fit together also if the three of them hadn’t coincided in Basel in the 1870s. They were probably never seen all together on the old bridge in the depicted way – but they can be read in that way.

Photographs are not paintings. They only depict real events, e.g. Einstein’s well documented walks with Gödel at the Princeton campus. These walks never brought relativity and incompleteness together, the two core concepts of the most famous theories of the two giants. If you ask me which of the four pictures above is the most fake of all, I’d say the photograph.