A topos refuted: having (and failing) to divorce without being married

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Wenn die Hälfte davon, was Yanis Varoufakis in seinem neuesten Buch Adults in the Room beschreibt, stimmt – mehr oder weniger, dass alle einschließlich der Griechen in den Eurogroup-Sitzungen vor zwei Jahren eingesehen haben, dass Griechenland in einer unentrinnbaren Schuldenfalle ist, aber alle (wieder einschließlich usw.) den Staatsbankrott lediglich aus Angst vor einer irrationalen Panik der Märkte vermeiden wollen, d.h. nicht etwa aus Europatriotismus – dann ist Europa etwas Groteskes: Eine Gemeinschaft, die keine Ehe darstellt, von der du dich aber nicht verabschieden kannst, weil die Scheidung noch nicht geregelt ist.

Europa ohne GR
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Let only the half of what Yanis Varoufakis describes in his newest book on the Eurogroup meetings two years ago be true: the European establishment and the Greeks as well, all recognise that Greece is trapped in a huge debt not to be paid back until the Second Coming of the Lord, that the only rational way to solve the problem is some kind of payments‘ default, but are reluctant to say it openly because they fear an irrational panic of the markets, and NOT out of loyalty towards the European idea. If half of this is true then…

… well, then, Europe is a state of non-marriage that you can’t quit because the legal formalities of divorce are not settled.

Mutilated words and their meanings

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Hätte Griechenland die Drachme wiedereingeführt, wäre die Inflation ein Albtraum. Ich kann mich sehr gut erinnern, was in Jugoslawien in den 90ern während der Sezessionskriege passierte. Übernacht konnte die große Summe aus dem, sagen wir, zwecks Sicherung des Überlebens verkauften Elternhaus zu einem Papierhaufen werden. Wer Devisen besaß, behielt sie und tauschte immer kleine Mengen für den Alltag um, die schnell nur einen Bruchteil ihres ursprünglichen Werts haben würden.

Junge Männer an der Mihailova, im Zentrum von Belgrad, flüsterten aus Angst vor Polizisten, allerdings klar und präzise, das Wort „devize„. Sie waren bereit, für D-Mark, Schweizer Franken oder US-Dollar mehr Dinar als die Banken zu zahlen, und entwerteten somit noch mehr die jugoslawische Währung, deren Geldscheine schnell viele Nullen dazubekamen.

Das Gesetz griff natürlich schnell durch und die Geldschieber änderten die Sprachkonvention. Aus „devize“ wurde „dvz“ und, wenn der Polizist kam, konnte der Typ sagen, er murmelte John Bonhams Schlagzeug in Whole lotta love vor.

Schnell wurde die Nutzung des Wortstümmels „dvz“ zu einem Verhaftungsgrund, weshalb „dvz“ noch einmal durch „dssd“ verkürzt wurde. Eher wie eine Mücke im Spinnennetz klang das, kurz, explosiv…

Laut internationalen Medien ist die Gefahr gebannt, dass wir erfahren, wie die griechische Geldschieber-Abkürzung für „Drachmen für Euros“ lauten würde.

Das sind gute Nachrichten. Für Nichtlobbyisten ist die EU zwar ein neokolonialer Käfig, aber die Alternative zum Leben im Käfig ist, rebus sic stantibus, kein Leben außerhalb, sondern der Tod ebendort.


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If Greece returned to the drachma, the inflation of the new currency would be a nightmare. I remember what happened in Yugoslavia in the 90s: the inflation during the war was making overnight a bunch of paper out of formerly huge amounts of money. Everyone in possession of foreign currency tried to keep it and to exchange only small amounts – which would soon lose half their value. Young men in the center of the big cities were whispering – audibly and clearly, at least in the beginning, but whispering – the word „devize“: foreign currency. They wanted to exchange dinars for deutsch marks or dollars or pounds and were willing to pay more than the banks.

After – of course – prosecutions against blackmarketeers, the linguistic convention changed: they started to pronounce „dvz“. If a policeman tried to substantiate an arrest, they would say they just sang the bass line in Bob Marley’s Could you Be Loved…

But Yugoslav justice started to see „dvz“ as a shortcut of „devize“.

At the end of this process, the „word“ was: „dzzd“ – more like an insect caught in a spider’s net than like a word in Serbocroatian. They pronounced it in an explosive way.

If we are to believe what international media have said since Friday, we won’t learn what the Greek blackmarketeers‘ shortcut for „euros for drachmas“ would sound like.

I’m happy about this. The EU is a cage for everyone who’s not a lobbyist. But the way things stand, the alternative to a life in the cage is a death outside it.

Brian Eno as a philosopher

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Nachdem der einflussreiche und militante ultralinke Kosmas Psychopedis verstorben war und der Fachbereich Wirtschaft des Athener Juridikums mich für seine Nachfolge ausgeschlossen hatte, lehrte Yanis Varoufakis auch das Fach Philosophie dort. Trotzdem überließ er jetzt in der Gründungsveranstaltung seiner postmodernen Partei („linken“ werden diejenigen sagen, die nicht so genau wissen) Brian Eno die Rolle des Chefphilosophen.

Enos Stellungnahme war philosophisch anregend! Er polemisierte gegen Smiths „unsichtbare Hand“ mit dem Argument, die Vorstellung, es sei zum Besten der Wirtschaft, wenn wir uns in diese nicht einmischen, sei religiös. Und  mit einem Zitat Margaret Thatchers brachte er Hayeks (und Poppers und Schumpeters) methodologischen Individualismus sehr treffend auf den Punkt: „So etwas wie die Gesellschaft gibt es gar nicht“.

Ich behaupte, dass Eno keinen Fehler beging, als er die unsichtbare Hand mit Religion gleichsetzte; ebenfalls keinen, als er Thatchers Spruch für Hayek sprechen ließ. Allerdings behaupte ich, dass er damit keine Mängel des „Systems“ aufzeigte, gegen das er polemisieren wollte.

Dass die freie Ökonomie nicht nur moralisch, sondern auch konzeptuell religiös geprägt ist, kann mindestens seit Weber und Sombart und Knoll und vielen anderen an sich als kein Vorwurf gelten. Und ist Marxens Entfremdungslehre etwa weniger ideologisch und ganzheitlich und weltanschaulich? Außerdem braucht die unsichtbare Hand gar nicht zu bedeuten, dass diese Hand wirklich eingreift. Es kann auch heißen, dass die Ökonomie angesichts menschlicher Unzulänglichkeit besser funktioniert, wenn man an die unsichtbare Hand denkt, als wenn konkrete Hände am Werk sind.

Thatcher nun… Die Frage für Thatcher und Hayek und Schumpeter etc. war nicht, ob es die Gesellschaft gibt, so wie es die Gruppe aller in zweiter Ehe Lebenden gibt, deren einzige Basilikumpfanze beim Discounter gekauft wurde. Beides gibt’s natürlich. Sondern es geht darum, ob die Gesellschaft einen Willen hat, der über das hinausgeht, was die Summe aller Individuen jedes für sich will. Thatcher und Co haben die letzte Frage verneint und ergo in der Gesellschaft so etwas wie die farblose, zusammenhanglose Gruppe aller in zweiter Ehe Lebenden gesehen haben, deren einzige Basilikumpfanze beim Discounter gekauft wurde.

Enos Partei wird kollektivistische Züge tragen. Als einer, der individualistische Songs produzierte, darf er das. Mal was anderes!

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It’s been unknown to many that Yanis Varoufakis has been also teaching philosophy at the Department of Economics at the Faculty of Law of the University of Athens: at least since the death of the militant Critical-School adherent Kosmas Psychopedis and the failure of the department to hire me in his stead – and this is not a joke.

In spite of his philosophical past, Yanis left Brian Eno the floor to play the role of the chief philosopher in the founding session of his postmodernist party (less informed followers of the political events would speak of a „leftist“ platform – I won’t).

Eno’s speech was philosophically intriguing! His argument against Adam Smith’s „invisible hand“ was that if you think that the best thing to do in economy is not to interfere with it, then you must be religious to think that something (the invisible hand) will turn things to the best. Eno also formulated Hayek’s (and Popper’s and Schumpeter’s) methodological individualism by Margaret Thatcher’s dictum: „There is no such thing as society“.

I don’t think that Eno made any mistake by equating the invisible hand with religion. And I also see no mistake in his regarding Thatcher as a female metempsychosis of Hayek. But I do think that it’s flawed to see deficits of the „system“ in this.

Already Weber, Sombart and Knoll, among others, saw free economy as not only morally but also as conceptually connected with religion – without any criticism because of this. Marx’s theory of alienation is not less ideological and holistic and quasi religious. Besides, an invisible hand does not necessarily mean an efficiently intervening hand. It can also mean that economy functions better if you don’t interfere with it only because you’re too clumsy.

And, finally, the bit about Thatcher… For Thatcher and Hayek and Schumpeter etc. the main point wasn’t whether society exists in the same way in which those divorced and remarried people exist, whose only basil was bought at a discounter. Of course it does! The point for them was only whether society has a will beyond the individual volitions of the sum of the individuals that make it up. Thatcher and the rest had a negative answer to this and, therefore, they regarded society to be a group as colourless as the group of the divorced and remarried people whose only basil was bought at a discounter.

Eno’s party will affirm collectivism, at least to some extent. Eno has produced so many individualistic songs that he can try this for a change…

 

 

Stubendienst

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Gerade verfasse ich einen Beitrag für einen Sammelband über die griechische Krise, den Agridopoulos und Papagiannopoulos bei Springer herausgeben. Die „Philosophie des Geldes“ ist, weiß Gott, seit 12 Jahren nicht mehr mein Metier, aber es macht mir Spaß, meine alten Leidenschaften aus heutigem Blickwinkel zu betrachten. Liebe Leserin, lieber Leser, Du weißt dieses Gefühl bestimmt auch aus erster Hand. Denn es gilt im allgemeinen für alle erdenklichen alten Leidenschaften, dass sie nach einiger Zeit nur noch Spaß bereiten. Oder Schmerz.

Egal! Aus diesem Anlass lese ich die alten Artikel von Yanis Varoufakis wieder. Ein Spieltheoretiker soll er sein, sagt die Presse. Das stimmt nur bedingt. Yanis‘ Beitrag in der Spieltheorie entspricht dem Beitrag Ronald Laings in der Psychiatrie: „Ihr Therapeuten seid noch verrückter als die Kranken“. Dazu eine alte Geschichte. Yanis und ich hatten gleichzeitig Stubendienst – Schicht zwei bis vier Uhr morgens – die in der griechischen Armee berüchtigte „deutsche Nummer“. Warum sie so heißt, weiß ich zwar nicht, aber den Grund vermute ich darin, dass es eine gnadenlose Schicht ist, die die Nacht entzweiteilt: Vorher kamst du nicht zum Schlafen und nachher wirst du auch nicht dazu kommen.

Egal. Yanis war im Raum 2, ich im Raum 1. Unsere Pflichten bestanden im Wesentlichen darin, die Soldaten, die Wache schieben sollten, zu wecken, und ihnen Zugang zu ihrer Waffe zu verschaffen (in Griechenland selber waren die Waffen in der Nacht weggesperrt – anders war es nur im Einsatz: Bosnien, Kosovo, Albanien in den 90ern). Während der Dienstzeit mussten wir uns in unserem jeweiligen Raum aufhalten. Yanis also im Raum 2, ich im Raum 1.

Yanis war’s langweilig. Auf einmal war er da. „Komm raus, in den Korridor, da reden wir über Spieltheorie, Unipolitik… Damit die Zeit irgendwie vergeht…“

Ich ging raus. Wir haben uns im Korridor aufgehalten. Fast zwei Stunden lang. Er nicht im Raum 2 und ich nicht im Raum 1. Ein Vergehen gegen die Regeln und zwar von Leuten, die – immerhin – Unteroffiziere werden sollten. Das Gesprächsthema war selbstreferentiell. Im Grunde genommen ging’s darum, welche Nutzwerte wir davon hatten. Hätten wir uns an den Vorschriften gehalten, dann wär’s uns beiden langweilig und wir hätten jeweils keinen Nutzen. Hätte er sich in meinem Raum 1 aufgehalten, dann hätten wir Kurzweile, Unterhaltung, aber er hätte die Patrouille befürchten müssen, ich dagegen nicht, weil ich ja meinen Posten nicht verlassen hätte. Also wäre mein Nutzen, sagen wir, gleich plus zwei und seiner gleich plus eins. Wohlgemerkt, wenn das Vergehen nicht entdeckt würde. Bei einer Kontrolle hätte er allerdings bestraft werden sollen – minus zehn für ihn also – ich allerdings nicht: weiterhin plus zwei für mich.

Hätten wir uns statt dessen geeinigt, dass ich umgekehrt in den Raum 2 gehe, dann wäre die Situation umgekehrt analog: ein Nutzen gleich plus eins  bzw. minus zehn für mich, ein Nutzen plus zwei für ihn.

Nun waren wir aber beide im Korridor. Was hatten wir davon? Beide plus eins – denn beide haben wir die Patrouille befürchten müssen – wenn am Ende keine Kontrolle stattfinden würde – und beide minus zehn bei einer Bestrafung, weil wir beide unseren Platz verlassen hatten.

Damit vertraute Leser können unschwer die spieltheoretische Matrix zu diesem Spiel erstellen. Sie können auch unschwer errechnen, dass unsere Lösung – beide im Korridor – nicht optimal war: Sie stellt nicht das Nash-Gleichgewicht des Spiels dar. Rational wäre die Lösung, dass entweder ich rüber gehe, oder dass er bei mir bleibt. Aber in diesem Fall wären die Risiken ungleich verteilt und das ist nicht die Art, die Freunde pflegen. Das Spiel ist also komplizierter, als unsere Matrix ahnen ließ. Unter Freunden geht es darum, die Risiken gleich zu verteilen und nicht im Sinne der individuellen Rationalität zu berechnen. Die Spieltheorie, mein berühmter Freund war und bleibt dessen sicher, definiert eine Rationalität, die eines moralischen Ichs unwürdig und nur teilweise gültig ist.

Eine spieltheoretisch irrationale, gleiche Verteilung von Risiken erscheint bei Bestehen einer Freundschaft moralisch gefordert, weil Beziehungen im allgemeinen wie Absprachen fungieren. Sie wird allerdings in der EU nicht gelingen. Die EU ist kein Zusammenschluss von Freunden, sondern von rationalen Egoisten. Einen Bank Run kann deshalb der konventionelle Ökonom besser verhindern als der Rationalitätskritiker.

Ljubljanska

I’m working on a paper on the Greek crisis these days – one which will be published in a volume to be edited by Agridopoulos and Papagiannopoulos and published by Springer. Clearly, I’ve written or read nothing on the „philosophy of money“ in the last 12 years but it’s interesting to return to the topic. Old passions make you smile or ache if you look at them again from the distance which time provides and the combination of money and philosophy is no exception.

Anyway, I had to read Yanis Varoufakis’s old articles for this reason. The journalists say that he’s a controversial game theoretician. He’s controversial alright. And he’s a game theoretician – however in a special sense, since his contribution in game theory corresponds to Ronald Laing’s contribution in psychiatry: „Therapists are much worse than the madcaps they’re supposed to cure“. In this context, I remember the following old story: during our service in the army, Yanis and I had a barracks duty at the same time. It was the shift from 2 to 4 am. In the Greek army this shift is called „German“. I don’t know why it is called thus but I suppose that this has to do with its being unfavourable. It cuts the night into two pieces none of which is long enough for a proper sleep.

But this is not the issue here. Yanis was on duty in the room no 2, I was in the room no 1. Our duty was to wake up soldiers who had to go out for a patrol, give them access to their weapons etc. (since we were not in an operation like in Bosnia, Kosovo or Albania we locked weapons when they were not used). And we weren’t allowed to leave the corresponding room.

But Yanis had to struggle against boredom. Suddenly he entered room no 1: „Why don’t you come out to the corridor? We can chat on game theory, univerity politics…“

So I did. We were having a discussion in the corridor while on duty. An offence against the prescriptions, of course. As if this weren’t enough, he was about to become a corporal, I was about to become a sergeant. Our topic was, as far as I can still remember, self-referential. What were our utility values? Obviously we’d have zero utility if we had been good soldiers remaining each in his room. His utility if he had happened to come and stay in room 1 would be plus one for having a chat with the fear of a patrol discovering him in the wrong place while on duty. But since in this scenario I wouldn’t have left my room, I would have plus two instead. Plus two would have remained my utility if the patrol would come. But Yanis’s utility would be minus ten in this case since he would have to be punished.

If I would go to the room no 2 instead, the situation would be vice versa: plus one or minus ten for me, plus two for him.

None of these alternatives was the case. The remaining alternative was the case. Both of us had left our rooms. We were having fun but we were both afraid of the patrol’s coming (i.e. plus one for him and plus one for me or minus ten for him and minus ten for me).

Readers used to game-theoretical matrices will have no difficulty to calculate that the decision to go both to the corridor was not the Nash equilibrium of the game. Morally, however, you expect a friend to abstain from petty calculations even if (or exactly because) this is not affirming individual rationality. Game theory, my famous friend was and remains certain about this, captures a rationality unworthy of moral agents and valid only partly.

A game-theoretically irrational equity in the division of risk is a moral desiderate because a relationship to someone involves implicit agreement with her. But there is no chance for it to be implemented in the EU. The EU is not a union of friends but a union of rational egoists. This is why the one who has more chances to prevent the bank run can only be a conventional economist, not a critic of rationality.

Castles made of sand; or Keynes for the whole family

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An den Instituten für Philosophie hat sich die Einsicht eingebürgert, dass Wahrscheinlichkeiten keine Häufigkeiten, sondern Erwartbarkeiten darstellen. Ramsey bestimmt die Agenda genauso wie Keynes in der Ökonomie die Agenda bestimmt.

Sorry, was heißt „Ramsey bestimmt die Agenda“? Es ist wieder Keynes, Ramseys Lehrer in Cambridge, der hinter Ramsey steht. Ihm verdanken wir letztendlich das spekulative Verständnis der Wahrscheinlichkeitsbegriffs, genauso wie wir ihm das spekulative Verständnis des Wachstums der zirkulierenden Geldmenge verdanken.

Statistiker belächeln oft den Missbrauch des Keynesianischen-Ramseyschen Wahrscheinlichkeitsbegriffs. Statistiker haben aber eine Alternative: den alten, guten, Begriff der statistischen Wahrscheinlichkeit.

Was hat der europäische Ökonom nach Jahrzehnten Keynesianischer creatio ex nihilo? Die Alternative besteht wohl wieder darin, Dinge aus dem Nichts zu erschaffen auf dem Weg der Umbenennungen: eine neue Troika in Griechenland, die nicht Troika heißt, eine neue Vertuschung der griechischen Pleite, die Konsolidierungsprogramm heißt usw. Ich gestehe, die neuen Namen nicht zu kennen. Wir werden sie aber in den nächsten Wochen erfahren.

Angesichts des griechischen Wortes „thalassodaneia“, wörtlich „Meereskredite“, für Darlehen, die niemals zurückgezahlt werden (auch für diese brauchen wir einen neuen Namen, nachdem „Hilfspaket“ nicht mehr taugt), meine Damen und Herren, der eine, der unvergleichliche, die alles sagende Jimi Hendrix:

Most people are not conscious about the anti-Keynesian reading of the Jimi-Hendrix classic „Castles Made of Sand“ but this is why you have me!

Modern Greek uses the word „thalassodaneio“, literally „sea credit“, for a loan which will not be paid back. Whether such loans can produce surplus value is debatable. If they do, the creditor will be able to take it in order to cover his loss. If they don’t, you don’t need them. The system behind them is that you take the money and run – well maybe after you have built a castle made of sand as a make-believe thing.

We need a new word for the bailout for Greece – a new word which cannot be „thalassodaneio“ – for plausible reasons…

But we need new words alright since we cannot have new policies. A new word for the troika, a new word for the Greek bankruptcy…

This is Keynesian and, in this sense, consistently European. For decades, Keynesian monetary policies have made out of Europe what it is. It would be unjust to demand others to solve the riddle.

I didn’t explain yet why I think that changing names is Keynesian. Well, this is because I think that everything which consists in taking fresh air to be a tangible value is Keynesian. For one thing fresh air is valuable in a sense. For another, telling people that they have something valuable when they only have fresh air can help them get out of the depression.

In philosophy institutes it is very common to completely ignore the statistical notion of probability. A probability, they’ll tell you, is a likeliness, not a frequency. Normally, a philosopher would mention Frank Ramsey as his reference for this. But it wasn’t Ramsey who first thought of probability in this sense. It was Keynes, Ramsey’s teacher at Cambridge.

In probability theory, in economics, everywhere I see speculation and „seaweed being sold as silk strings“ – as Greeks say – I see Keynes. The sea is a very powerful metaphor for something lost. I don’t know of any stories which link Keynes to the sea but I would be curious to hear if there are any.

Paradoxical resolutions

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Meine Frau nimmt sich im neuen Jahr vor, mit mir gar nicht mehr zu streiten, die Kinder dagegen nehmen sich vor, mehr Schokolade zu essen. Beides abgrundtief paradoxe Neujahrsvorsätze…

Ein Neujahrsvorsatz einer Person darf weder derart sein, dass er im Endeffekt nicht nur von einer Person zu erfüllen wäre, noch darf er ausschließlich von dem abhängen, was eine Person ohnehin getan hätte. Denn ein Neujahrsvorsatz ist eine Wette auf unsere Willensstärke. Aber meine Frau nimmt sich etwas vor, was eine Wette auf ihre sowie auf meine Willensstärke ist. Die Kinder nehmen sich wiederum etwas vor, was gar keine Wette auf ihre Willensstärke ist.

Meine Frau will die Lorbeeren für etwas, zu was ich wahrscheinlich mehr gefordert bin (Entschuldigung, Liebste, aber manchmal geht es nicht ohne Streiten – gerade bei uns beiden), die Kinder wollen die Lorbeeren für etwas, was sie sowieso haben. Deshalb soll mich meine Frau am Gewinn teilnehmen lassen. Und die Kinder dürfen gar nicht am Gewinn teilnehmen, denn sie erzeugen eine selbstreferentielle Entscheidungssituation wie diese, die Wolfgang Spohn 1978 auf S. 72-74 seiner Doktorarbeit vorstellte: Wolfgang wird zu einer Feier eingeladen; seine Freunde wetten, ob er erscheint oder nicht; Wolfgang findet heraus, dass die meisten sicher sind, dass er erscheint und dementsprechend wetten; deshalb ist der Gewinn derer größer, die meinen, dass Wolfgang zu Hause bleibt; Wolfgang wettet deshalb mit, dass er zu Hause bleibt – und bleibt natürlich zu Hause…

Ein Neujahrsvorsatz ist kein Spiel der Art: ich mit Hilfe anderer, wie meine Frau meint; auch kein Spiel der Art: ich für mich, wie die Kinder meinen. Ein Neujahrsvorsatz ist ein Spiel der Art: ich gegen die äußeren Umstände – und zwar eines, das man allein gewinnen kann.

Das lehrt uns etwas über die Wirtschaft. Der Vorsatz des Geldanlegers, zu verkaufen, wenn die Kurse fallen (d.h. wenn die anderen verkaufen) und zu kaufen, wenn die Kurse steigen (d.h. wenn die anderen kaufen) ist irrational und zwar auf eine Art, die die Irrationalitätä meiner Frau und die meiner Kinder verbindet. Denn, wenn wir alle etwas tun, müssen wir alle an den Gewinnen beteiligt sein. Aber der Geldanleger will allein gewinnen. Das funktioniert am besten, wenn es viele gibt, die dumm handeln. Aber dann ist der Vorsatz falsch angegeben und deutet übrigens auch an, dass unser Geldanleger möglicherweise sich unter den Dummen befindet.

Was wäre rational? Ich denke, dass Vorsätze im Allgemeinen so rational sind wie Neujahrsvorsätze: als Wetten gegen äußere Umstände. Ist ein Geschäft gut? Dann heißt es investieren. Ist es schlecht? Dann heißt es desinvestieren. Jedes Entscheidungskriterium, das von der Entscheidung der Öffentlichkeit abhängig ist und nicht von den äußeren Umständen, ist irrational und selbstreferentiell.

calvin-hobbes-new-years-resolutions

My wife and my children have new year’s resolutions which sound like comments on the Greek crisis. My wife’s is to never argue with me, my children’s is to eat more chocolate. These are paradox resolutions.

A new year’s resolution of one person may not be such that it needs two – let alone more than two. And it may not be what a person should have done anyway. A new year’s resolution is betting on one’s own will strength. My wife’s resolution, however, is dependent on my will and on my strength as well. But she didn’t ask me. Arguing is necessary sometimes. But even if it’s not necessary, I should participate in the revenue.

The children’s new year’s resolution is an invalid betting of the kind which Wolfgang Spohn presented on pp. 72-74 of his 1978-PhD thesis. Wolfgang is invited to go to a party; his friends bet on his joining or not; Wolfgang is informed that most of his friends bet that he will go to the party which, of course, raises the payout for his not joining; Wolfgang goes to the bookmaker and bets that he himself won’t go to the party and, of course, he stays home the whole evening and night to collect the money next day.

A new year’s resolution is not a game which you play with the help of others and it’s also not solitaire or patience. It’s a game against external factors.

We just learned a lesson which pertains to economy. When an investor expresses the intention to sell when the index falls (i.e. when the others sell) and to buy when the index rises (i.e. when the others buy) his intention is as paradoxical as my wife’s and my children’s new year’s resolutions together. When we do something together, then we must all participate in the earnings. But, of course, the investor wants to keep his win for himself and this functions only when there are many out there who don’t act like he does. But then his intention is not what he says and his real intention – do what some do and what others don’t do – leaves open a possibility that he will be the one who loses.

I believe that the rationality criteria for intentions are the same rationality criteria for new year’s resolutions. Invest in good business, divest from bad. Every decision which is dependent not on external factors but on the decision „of the public“ is self-referential and eo ipso irrational.

10 September, 2014 14:37

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Seit die Zinsen nichts abwerfen, können sich die Zinsmeister dieser Welt zum Stoizismus bekennen.

Eine Münchener WG weist den Weg (s. Foto unten).

ENOUGH WITH SCROLLING

The picture shows the bell of a house in Munich. I just happened to pass by and noticed the old-fashioned German word for „interest-rates master“.

The low revenues make the cohabitation interesting.