Natural stultification

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Müde bin ich.

Müde…

Der Inhalt von Heften der heute nicht mehr erscheinenden Zeitschrift Kognitionswissenschaft flimmert unkontrolliert vor meinem geistigen Auge. Und das nach drei Espressi.

Die halbe Nacht habe ich nämlich neben DAI verbracht. Der/die/das DAI ist, wenn man dem Text des Tanguely-Museums glauben sollte, ein

von Jonathan O’Hear, Timothy O’Hear, Martin Rautenstrauch entwickelter und auf der Philosophie von Foofwa d‘Imobilité beruhender Roboter mit künstlicher Intelligenz. DAI soll erlernen zu tanzen und schliesslich eine gewisse stylistische Autonomie entwickeln. DAI wird durch die Stadt Genf, den Kanton Genf, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, die Fondation Nestlé pour l’Art, das Centre culturel suisse de Paris und die Fondation ImpactIA unterstützt.

Da ist natürlich vielzuviel versprochen. DAI soll „lernen“ wie seine/ihre Umgebung aussieht (das – – jö, sooo häärzig’s – Gendering kommt von den Begleittexten des Museums), um sich zu entscheiden, wie er/sie/es tanzt.

Spaß bei Seite (oder eben nicht): Wenn es bei der künstlichen Intelligenz darauf ankommt, wie ein Roboter anhand eines Algorithmus basierend auf umgebungsrelevanten Informationen, Bewegungen ausführt, die nicht im Sinne eines Zufallsgenerators sind, dann war es eine Entscheidung des Sofas, auf dem ich gesessen habe, nicht aufzustehen und zu schreien, wenn total übernächtigte Museumsgäste DAIs abgesteckten Bereich durchquert haben.

Ein Sofa macht so etwas nämlich nicht und wer will beweisen, dass das Sofasein keine im Sofa eingebettete Information ist.

Eingebettet hin oder her: Ein Bett habe ich gebraucht, als Familie und Freunde die Nacht zum Tag machend im Museum herumsprangen. Sie liefen wie die Gedanken in meinem Kopf: Die Kognitionswissenschaft – seit Jahrzehnten dicht; die GAP – ein Binnengruppenverein; und wer braucht überhaupt die analytische Philosophie, wenn es darum geht, die Wahrheit davon abzuhalten, uns die schöne Geschichte zu vermasseln?

Enough with scrolling

I feel tired.

Tired after three espressos.

Tired because I spent half-a-night with DAI.

DAI ist, if you believe the text of the Tinguely Museum,

a robot with artificial intelligence developed by Jonathan O’Hear, Timothy O’Hear, and Martin Rautenstrauch, based on the choreographical philosophy of Foofwa d’Imobilité. DAI is meant to learn to dance and ultimately develop a certain stylistic autonomy.

Now, I do deplore the lack of philosophical reflection on the topic: journals and societies of academic philosophers become esoteric platforms where self-assured PhD candidates choose arbitrary thought experiments to elaborate on marginal comments to the work of their friends…

…which results to no philosophical analysis or criticism of ideology, morality or anything vital!

During this self-desintegration of analytical philosophy, artists employ a concept of artificial intelligence that could make yesterday’s visitors at the Tanguely Museum think that machine persons are already constructed. Add the fact that their mental abilities during a museums‘ night are not at their best, to get a fuller picture…

The way I understood it, DAI is supposed to be collecting information that makes it perform movements that are not by chance.

If this is intelligent, then the sofa beside DAI where I almost fell asleep is intelligent as well. I mean, the sofa didn’t scream to half asleep visitors that they weren’t supposed to enter DAI’s realm. Sofas don’t do that normally. And who can argue that the fact that sofas don’t do so is a piece of information embedded in the sofa’s intelligence and this is the reason the sofa behaves in a sofa-like manner?

Talking about embedding: rather than than a sofa, what I needed yesterday in the Museums‘ Night was a bed.

Family and friends ran around and the wine the lady in this atelier had offered was not enough to make me forget how teenager- and petty-bourgeois-like academic philosophy today is. And how free the public feels not to let truth spoil a nice story.

As an aftermath of the state of philosophy, I suppose…

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Intertextualities and failures

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Mit fünfzehn war ich ein Peanuts-Leser, erst viel später las ich Kafkas Vor dem Gesetz. So wird es vielen gegangen sein.

Kafkas Geschichte des Wartens vor einer Tür, die insgeheim nur einem bestimmten „Mann vom Lande“ geöffnet werden darf, was nie passiert, da dieser niemals Mut fasst und fragt, erinnerte mich damals Zwanzigjährigen sofort an Charlie Brown, dessen Herzklopfen vor der kleinen Rothaarigen lauter ist als seine Stimme. Die Ähnlichkeit ist frappierend: Wie Kafkas Charakter, so bringt es Charlie Brown nicht übers Herz, sein Glück einzufordern. Wie Kafka, so lässt auch Schulz den Leser wissen: „Das war seine Chance zum Glücklichwerden und er hat sie verpasst, weil er zu scheu war, den Mund aufzumachen“.

Ich schließe aus, dass Kafkas Kurzgeschichte Schulz‘ Vorbild war, was auch erklärt, warum die Literaturwissenschaft den Zusammenhang ignoriert. Sie interessiert sich ja für historische, bewusste Vorbilder als Intertextualitäten.

Dabei gibt es unabsichtliche Intertextualitäten: Sachen, die übereinstimmen, weil sie wahr sind. Eine wirklich strukturalistische Literaturwissenschaft soll sich mit ihnen beschäftigen und insofern ein Stück lang ahistorisch, philosophisch und anthropologisch werden.

In der Dialektik der Aufklärung ziehen Horkheimer und Adorno gegen den Ausdruck „I am a failure“ her, den sie gleichzeitig und dialektisch auf die Amerikaner beziehen. Dass beide Ikonen der Frankfurter Schule unmögliche Snobs waren, ist ja bekannt. Aber hier haben sie durch ihren Snobismus ein kafkisches Moment nicht erkannt. Durch ihren Snobismus zum Kulturproletariat herabgestürzt und Opfer ihrer eigenen Dialektik…

Enough with scrolling

I belong to this majority who read the Peanuts before Kafka’s Before the Law.

Kafka’s story is about a peasant who, unknowingly to him, is the only entitled to enter paradise – or something like it. At the end of a long waiting in the vestibule, the man is denied entrance since he spent too much time there without daring to ask for what was meant to be his and only his. This reminded me, back then a twenty-year-old, of Charlie Brown’s heartbeat that was louder than his voice whenever he saw the Little Red-Haired Girl. The Little Red-Haired enters this car – the reader doesn’t see so, but Snoopy describes the scene beside a speechless Charlie Brown – to never return again without ever getting the faintest idea about the existence of this boy named Charlie who…

I don’t think that Schulz had ever read Kafka. Strictly speaking, there’s no intertextuality between Charlie Brown and Kafka’s peasant.

But still, I can’t see why intertextualities must be genetically, historically connected. True feelings – e.g. of failure – are an ecumenical intertextuality. Truth itself is an intertextuality.

In their Dialectic of Enlightenment, Horkheimer and Adorno made fun of the American idiom – if it is one, at least so they claim – „I am a failure“. It is well known that the icons of Frankfurt-style Marxism had an extremely snob’s attitude towards popular culture. When snobby allures make one fail to see the Kafkaesque, I don’t know who has to be snobby at whom…

Victims of their own dialectic…

Murphy and self-reference

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Zu Jahresbeginn sich über Wahrscheinlichkeit und Schicksal Gedanken zu machen, ist nicht unüblich. Es fragt sich, warum gerade jetzt, aber egal…

Man ahnt es bei meiner Einleitung: In Sachen Prädestination und Schicksal bleibe ich ein Ostchrist. Ich glaube nicht daran und zwar nicht nur Justin dem Märtyrer zu Liebe und Gregor von Rimini zum Trotz. Ich habe auch philosophische Gründe.

Seit Abaelard schwebt in der scholastischen Metaphysik der Gedanke mit, dass Gott nur diejenigen Möglichkeiten erwägen würde, die sowieso einträten. Alles, wovon Gott wüsste, dass es nicht zu Stande käme, würde er nicht als möglich betrachten.

Akzeptiert man diese Auffassung des Möglichkeitsbegriffs, die Abaelard in seiner Theologia scholarium im Anschluss an das Meisterargument von Diodor Kronos einführt – woher er vom letzteren wusste, ist allerdings unklar – dann verzichtet man auf den natursprachlich verstandenen Begriff Möglichkeit. Das ist ein, übrigens seit der Spätantike vorgebrachtes, Totschlagargument gegen den Nezessitarismus. Seit meiner Habilschrift habe ich beschlossen, dass Argumente gegen den Nezessitarismus solche gegen Menschen sind, die meinen, epistemische Undeterminiertheit sei ein menschliches Manko, ontologische gar nicht vorhanden. Gegen schwierige Menschen also…

Das Murphy-Gesetz ist dagegen keine nezessitaristische Annahme. Es klingt nur so. Es besagt, dass etwas schief gehen wird, wenn es schief gehen kann. Das klingt zwar – trivialerweise mit Kontraposition und mit Definition von „…notwendig, dass…“ als „…unmöglich, dass nicht…“ – wie Nezessitation, aber wohl verstanden war Murphys Absicht nur das Absichern gegen Pannen: Nur dann ist eine Panne abzuwenden, wenn sie völlig unmöglich gemacht worden ist. Andernfalls muss sie als der Fall betrachtet werden.

Allgemein unbeachtet bleibt dabei die Selbstreferentialität von Murphys Gesetz. Letzte Woche entpackte ich IKEA-Kartons. Der umziehende Freund brauchte Hilfe beim Zusammenbauen eines Sofas. Vier Kartons waren da und bereits im ersten (Karton 1) fanden wir bereits – welcher Jubel! – die Bauanleitungen. Ernüchterung löste den Jubel ab. Gleich für den Anfang waren vier Latten angegeben, die nicht im Karton 1 enthalten waren.

Auch im Karton 2 waren die Latten nicht zu finden. Der Fußboden war bereits mit losen aus beiden Kartons entnommenen Teilen fast voll und wir hatten noch zwei geschlossene Kartons vor uns.

Mussten wir aufräumen, bevor wir unser Glück im dritten Karton suchen? Ich dachte ja, denn ich ging nach Murphys Gesetz davon aus, die Latten erst im Karton 4 zu finden. „Wenn wir Karton 3 zuerst aufmachen“, präzisierte der Freund. „Wenn wir aber 4 zuerst aufmachen, sind sie in 3“.

Die Latten würden natürlich nicht den Platz wechseln je nachdem, welchen Karton wir aufmachen würden. Deshalb war unsere Undeterminiertheit epistemischer Natur. Murphys Gesetz war auf einmal nützlich. Es machte uns darauf gefasst, dass wir aufräumen mussten, und ließ uns trotzdem hoffen, im nächsten Karton, die Latten zu finden.

Die Hoffnung bestünde also darin, dass wir, eine Instanz des Murphy-Gesetzes voraussehend, ein Bisschen aufräumen würden, um im Karton 3 – der Karton 4 ist noch zu – die vier Latten vorzufinden. Das wäre ein Scheitern des Murphy-Gesetzes, da die Latten nicht im letzten Karton wären. Aber es ginge dann trotzdem etwas schief: unsere Erwartung gemäß Murphys Gesetz. Das Murphy-Gesetz hätte eine Instanz und würde scheitern (an sich selbst) zur selben Zeit! Bezieht sich das Murphy-Gesetz auf sich selbst, generiert es, wie man sieht, einen Widerspruch.

Sicherlich wollen meine Leser nicht nur denken, was wäre, wenn usw. Sie wollen auch erfahren, was tatsächlich passierte. Die Antwort lautet:

Zwei Latten waren im Karton 3 und die restlichen zwei waren im Karton 4.

Der eine oder der andere Leser wird meinen, das wäre die echte Instanz des Murphy-Gesetzes, eine Selbstreferenz sei nie der Fall gewesen. Das ist ein falscher Einwand. Scheitern hat viele Gesichter. Das Murphy-Gesetz würde z.B. gelten, wenn die fraglichen Latten nicht eingepackt worden wären, genauso wie bei seinem eigenen Scheitern. Im letzten Fall würde es freilich widersprüchlich. Das kann von Pessimisten – ob von parakonsistenten oder nicht – als eine Erleichterung empfunden werden.

Denn der Pessimist leidet unter seinem eigenen Pessimismus. Ein parakonsistenter Pessimist würde sich für die Parakonsistenz bestätigt fühlen und seinen Pessimismus darin einordnen. Der klassische Logiker würde seinen Pessimismus sogar als hinfällig betrachten.

Dass klassische Logiker Optimisten sind, wissen wir ja seit Leibniz.

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In the beginning of the year, thoughts on chance and determinism are usual. Lovejoy’s Principle of Plenitude is one such thought: If you call something possible and it failed to happen, it wasn’t possible in the first place.

The Principle of Plenitude jeopardises much of tense and nontensed modal logic alike. If you not only entertain it but also believe it, whether you notice so or not, you don’t have an adequate concept of possibility in your idiolect.

Murphy’s Law is more interesting. At first glance it sounds like the Principle of Plenitude: If something can go wrong, it will. However, Murphy’s Law may only be taken with a grain of salt. It only means to say: Your only rescue from failure is to give failure no chance (or: consider failure to happen if you leave it a chance).

What generally passes unnoticed, is that Murphy’s Law is self-referential. Last week, I’ve been opening IKEA boxes and helping a friend to assemble a pretty complicated piece of furniture. There were four boxes and upon opening the first (box 1) we found – oh, for the miracle – the instructions. However, already for the beginning, we were needing four battens not included in box 1.

Or box 2…

Two more boxes being the remaining options, I remarked that, according to Murphy’s Law, the battens would be in box 4 if we chose to open box 3 first. Well yes, said the friend, but they would be in box 3 if we picked box 4 first.

Since the battens wouldn’t change place depending to our decision, the indeterminacy here was, of course, a merely epistemic uncertainty. Murphy’s Law was simply useful: it made us be more cautious, say by telling us that, before we could continue working, we should make space to spread the content of four instead of one box around us. But there was hope too, that tidying up didn’t have to be that extensive. The battens could still be in the box we would open before the last – remember? Epistemic uncertainty! Thus understood, Murphy’s Law is not only about failure. It is about anticipating failure and avoiding some of its consequences.

Now, imagine what would happen if we made some more space for more boxes to be opened due to our anticipation of a case for Murphy’s Law and the battens appeared to be (epistemic!) in box 3! This would be a failure, therefore Murphy’s Law would apply. However it would be a failure of Murphy’s Law, since our prediction according to Murphy’s Law would have turned out to be false. Would Murphy’s Law fail or apply then? It appears that it would fail and apply at the same time. Self-referential cases of Murphy’s Law are paradoxical since they lead to contradiction…

Surely, you are burning to learn where the battens were.

OK, here’s the answer:

Two of them were in box 3 and the other two were in box 4.

Don’t hurry to shout that this was the correct outcome according to Murphy’s Law and that there was no self-referential instance of Murphy’s Law in the first place. Failure has many faces. It could happen that the battens wouldn’t have been included in the boxes. And it could happen to get a contradictory outcome due to self-reference. For the pessimists out there: nothing is secure from Murphy’s Law. And this includes Murphy’s Law itself.

Paraconsistent pessimists could see their pessimism as a confirmation of their paraconsistency. Classical logicians would convert to optimism.

Optimists they have to be alright, at least if they take their Leibniz seriously.