A topos refuted: having (and failing) to divorce without being married

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Wenn die Hälfte davon, was Yanis Varoufakis in seinem neuesten Buch Adults in the Room beschreibt, stimmt – mehr oder weniger, dass alle einschließlich der Griechen in den Eurogroup-Sitzungen vor zwei Jahren eingesehen haben, dass Griechenland in einer unentrinnbaren Schuldenfalle ist, aber alle (wieder einschließlich usw.) den Staatsbankrott lediglich aus Angst vor einer irrationalen Panik der Märkte vermeiden wollen, d.h. nicht etwa aus Europatriotismus – dann ist Europa etwas Groteskes: Eine Gemeinschaft, die keine Ehe darstellt, von der du dich aber nicht verabschieden kannst, weil die Scheidung noch nicht geregelt ist.

Europa ohne GR
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Let only the half of what Yanis Varoufakis describes in his newest book on the Eurogroup meetings two years ago be true: the European establishment and the Greeks as well, all recognise that Greece is trapped in a huge debt not to be paid back until the Second Coming of the Lord, that the only rational way to solve the problem is some kind of payments‘ default, but are reluctant to say it openly because they fear an irrational panic of the markets, and NOT out of loyalty towards the European idea. If half of this is true then…

… well, then, Europe is a state of non-marriage that you can’t quit because the legal formalities of divorce are not settled.

Taste and Interpretation


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In einer Interpretation geht es darum, welche Werte den Individuenausdrücken zugeschrieben werden. Sobald das klar ist, hat die Semantik der Sprache alles hergegeben, und der Interpret kann daraufhin Überlegungen über die Welt anstellen: über Erfüllung oder Nichterfüllung der Relationen, letztendlich über Wahrheit oder Nichtwahrheit, Korrektheit oder Inkorrektheit der interpretierten Information.

In Texten allerdings, zu denen uns pragmatisch gesehen der Bezug fehlt, ist die Information oft unterdeterminiert. Am Samstag befolgten Marie Lieby und ich die Präskriptionen des Apicius genau. Bei jeder Bemerkung der Gäste mussten wir uns aber noch einmal die Grundfrage stellen, ob der Urtext richtig interpretiert war. Denn was heißt liquamen? Ist das heutige indische oder afghanische Produkt mit dem antiken Gewürz aus Libyen vergleichbar? Mussten die delischen Kuchen noch mehr gebraten werden oder hat es der antike Pilger gemocht, unter der Kruste den Teig zu spüren, was doch zu Pfeffer und Honig nicht schlecht ist?

Gebraucht haben wir neben den griechischen und lateinischen Urtexten Andrew Dalbys und Sally Grangers Classical Cookbook (Los Angeles 1996), das interpretatorisch sehr einengt und die antiken Rezepte aufgrund von Erfahrung mit dem gekochten Gericht nachkonstruiert, ferner Elisabeth Alföldi-Rosenbaums Deutschübersetzung vieler Apicius-Rezepte (Das Kochbuch der Römer, Zürich 1970), die sie auch mit einem kleinen kritischen Apparat versehen hat.

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Interpretations are essentially about the values of the singular terms. If we have a clue about this, the semantics of our language has given all its merit und we can begin with observing the world: are the pradicates and the relations in the text satisfied by assuming these values? Are the sentences true, correct, just?

The procedure I just described is simplistic. In texts with which we are pragmatically not very well acquainted, the information we get is underdetermined. Last Saturday Marie Lieby and myself followed Apicius’s prescriptions with great exactness. However, every remark our guests made, made us ask ourselves whether we interpreted the original recipe correctly. Why, what does liquamen mean? Is the contemporary Afghan or Indian product identical with the ancient Libyan seasoning? Did we have to cook the Delian pancakes a bit more or was it rather intended that the pilgrims felt a dough-like filling under the crust? Actually, the soft variant is not bad with plenty of honey and pepper – as described in the recipe – but the well-cooked one is more similar to pancakes or to modern Greek τηγανίτες.

Next to the Greek and the Latin original texts, we used Andrew Dalby’s und Sally Granger’s Classical Cookbook (Los Angeles 1996), propagating a rather narrow interpretation and modern reconstruction of the recipe on the basis of experience with the cooked foods (of course Dalby’s and Granger’s taste, not always mine or yours). What we also found useful was Elisabeth Alföldi-Rosenbaum’s translation of Apicius recipes into German (Das Kochbuch der Römer, Zurich 1970), with a small apparatus criticus for every recipe.

Mutilated words and their meanings

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Hätte Griechenland die Drachme wiedereingeführt, wäre die Inflation ein Albtraum. Ich kann mich sehr gut erinnern, was in Jugoslawien in den 90ern während der Sezessionskriege passierte. Übernacht konnte die große Summe aus dem, sagen wir, zwecks Sicherung des Überlebens verkauften Elternhaus zu einem Papierhaufen werden. Wer Devisen besaß, behielt sie und tauschte immer kleine Mengen für den Alltag um, die schnell nur einen Bruchteil ihres ursprünglichen Werts haben würden.

Junge Männer an der Mihailova, im Zentrum von Belgrad, flüsterten aus Angst vor Polizisten, allerdings klar und präzise, das Wort „devize„. Sie waren bereit, für D-Mark, Schweizer Franken oder US-Dollar mehr Dinar als die Banken zu zahlen, und entwerteten somit noch mehr die jugoslawische Währung, deren Geldscheine schnell viele Nullen dazubekamen.

Das Gesetz griff natürlich schnell durch und die Geldschieber änderten die Sprachkonvention. Aus „devize“ wurde „dvz“ und, wenn der Polizist kam, konnte der Typ sagen, er murmelte John Bonhams Schlagzeug in Whole lotta love vor.

Schnell wurde die Nutzung des Wortstümmels „dvz“ zu einem Verhaftungsgrund, weshalb „dvz“ noch einmal durch „dssd“ verkürzt wurde. Eher wie eine Mücke im Spinnennetz klang das, kurz, explosiv…

Laut internationalen Medien ist die Gefahr gebannt, dass wir erfahren, wie die griechische Geldschieber-Abkürzung für „Drachmen für Euros“ lauten würde.

Das sind gute Nachrichten. Für Nichtlobbyisten ist die EU zwar ein neokolonialer Käfig, aber die Alternative zum Leben im Käfig ist, rebus sic stantibus, kein Leben außerhalb, sondern der Tod ebendort.


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If Greece returned to the drachma, the inflation of the new currency would be a nightmare. I remember what happened in Yugoslavia in the 90s: the inflation during the war was making overnight a bunch of paper out of formerly huge amounts of money. Everyone in possession of foreign currency tried to keep it and to exchange only small amounts – which would soon lose half their value. Young men in the center of the big cities were whispering – audibly and clearly, at least in the beginning, but whispering – the word „devize“: foreign currency. They wanted to exchange dinars for deutsch marks or dollars or pounds and were willing to pay more than the banks.

After – of course – prosecutions against blackmarketeers, the linguistic convention changed: they started to pronounce „dvz“. If a policeman tried to substantiate an arrest, they would say they just sang the bass line in Bob Marley’s Could you Be Loved…

But Yugoslav justice started to see „dvz“ as a shortcut of „devize“.

At the end of this process, the „word“ was: „dzzd“ – more like an insect caught in a spider’s net than like a word in Serbocroatian. They pronounced it in an explosive way.

If we are to believe what international media have said since Friday, we won’t learn what the Greek blackmarketeers‘ shortcut for „euros for drachmas“ would sound like.

I’m happy about this. The EU is a cage for everyone who’s not a lobbyist. But the way things stand, the alternative to a life in the cage is a death outside it.

37° 51′ 30″ N, 23° 48′ 6″ E or: At the edge of Plato’s cave

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Wie jeder Leser von John Henry Wrights uraltem Artikel „The Origin of Plato’s Cave“ (Harvard Studies in Classical Philology, 17 (1906): 131-142) weiß ich seit meiner Studentenzeit, dass viele Forscher die Höhle, welche die Szenerie des legendären Gleichnisses zu Beginn des Buches VII von Platons Republik bildet, an einer Stelle orten, die ein paar Kilometer von meinem Athener Zuhause entfernt liegt. Generationen von philosophischen Philologen haben seit der Ausgrabung der Stelle Anfang des 20. Jahrhunderts Wrights Vermutung beherzigt und propagiert.

Besucht hatte ich die Gegend oft, ohne jemals über die Höhle zu stolpern. In einem Sinn war das jetzt ein Kategorienfehler: Über eine Höhle kann man nicht stolpern und gerade von dieser Höhle kann man nur verschluckt werden – mit wahrscheinlich fatalen Folgen. Es handelt sich um ein Loch, das, an kleinen Felsvorsprüngen vorbei, zunächst einmal zehn Meter tief in die Erde führt.

Unabhängig vom Kategorienfehler ist der Wanderweg zur Höhle nicht ausgeschildert. Interessiert daran, die Höhle zu finden, war ich darüber hinaus nie. Bei Platon gehe es ja nicht um echte geknebelte Menschen unter einem Felsvorsprung einer echten Höhle, sondern um ein Gleichnis: Gleichsam Höhlenbewohnern sollen wir Menschen in unseren Meinungen gefangen sein, sollen Schatten für echte Ware und für wahre Menschen halten. Auf eine echte Höhle, die Platon im Sinn gehabt haben soll, komme es nicht an.

Aber die Jahre vergehen und die Wanderungen meiner Familienangehörigen, die immer noch in der geschichtsträchtigen Gegend wohnen, werden mehr. Die Folge: Sie entdeckten die von mir lang verschmähte Höhle und wollten sie mit mir besuchen.

Mein Resultat aus der Ortsbegehung: Wären gefesselte Leute da unten gewesen, hätten sie mich nur als Schatten wahrgenommen, aber keine Chance gehabt, mich selber, mein Original, zu sehen. Platon hat das Augenmerk auf die Höhleninsassen gelenkt, diese Ignoranten, die bequemlichkeitshalber die Schatten dem Wahren vorziehen. Für ein paar Sekunden wurde ich dagegen das Wahre hinter dem Schatten. Etwas, was kein Schatten ist, bin ich ja auch dadurch, dass ich einen Schatten werfe.



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Since John Henry Wright’s stone-age paper  „The Origin of Plato’s Cave“ (Harvard Studies in Classical Philology, 17 (1906): 131-142) many philosophical philologists or philological philosophers identify the cave described by Plato in the opening of Republic VII with a hole in the earth, few miles from what is now my parents‘ place – and has been my place as a teenager.

The spot had been excavated some five years before Wright published his paper. Wright appears to have visited the cave and to have descended into it – archaeologists had probably temporarily bridged a gap that makes now the attempt to reach the ancient stairs extremely risky. It’s rather a hole in the earth, tells us Wright, that goes seventy feet deep and served since pre-classical times as a sanctuary.

I know the area well, mostly from excursions with parents, then with friends. But since I’ve known that there is something like a Book Seven of Plato’s Republic and that this is the place Plato most likely had in mind for the legendary simile in Book Seven, I never looked for the cave and never stumbled upon it. And this is so not only because you can only vanish in this hole before you stumble upon anything. I also considered the existence of a cave that would correspond to Plato’s description irrelevant. I mean, Plato’s simile is not about the cave itself. It’s about prisoners in a cave that is located in a way that the prisoners can’t look out (they’re held below a part of the stone that protrudes over their heads) but can see the shadows of those who are out of the cave and prefer it this way. Once released they realise that the light outside the cave is uncomfortably dazzling. You don’t need the scenery to imagine the scene!

But members of my family discovered the cave by their own and they said I had to visit it with them. After all these years I became more sympathetic towards the so-called realia of literary criticism, I suppose…

And there it was! My shadow! If you had climbed down the cave (and had survived doing so – the place is slippery) you’d have been able to see my shadow but you’d have failed to see me.

It felt comfortable to know that I’m the real thing, not a shadow of myself and I’m wondering how it happens to feel the opposite sometimes.

Nubes Aristophanicae


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Per Facebook verkündete der Leipziger Kollege, er sei im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, trete gleich einen Flug nach Athen an.

Was er nicht wusste: Gerade eben war meine Maschine von Basel-Mülhausen in Frankfurt gelandet, sein Flug war mein Anschlussflug. Das zufällige Treffen beider wichtigsten analytischen aber antipositivistischen, ursprünglich Athener Philosophen aus den Neuen Bundesländern (je mehr unsere Attribute, desto mehr unsere Chancen, die besten zu sein) fand über den Wolken statt.

Die Disputationsthemen:

Ist die Intelligenz unabhängig von der Tugend? (alias: Gibt es einen Politiker namens Ioannis Varoufakis?)

Kann jemand autoritär aber lächerlich sein? (alias: Gibt es einen Politiker namens Alexios Tsipras?)

Kann der Philosoph naiv sein? (alias: Gibt es griechische Philosophen heute?)

Auf einmal lautete es im Flieger: „Ladies and gentlemen, this is the captain speaking, welcome to Venizelos-Airport Athens“.

Das Ende der philosophischen Reflexion war buchstäblich und metaphorisch eine Landung. Das kann natürlich laut Davidsons Metapher-Lehre nicht sein: Keiner Sache kann gleichzeitig buchstäblich und metaphorisch ein-und-dasselbe Prädikat zugeschrieben werden. Vielleicht hatten wir ein Gegenbeispiel da.


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I liked a colleague’s post in facebook: Nikos Psarros flies from Frankfurt Airport to Athens. He liked the fact that I liked the fact that he was about to fly but he didn’t know why I liked the fact etc.

I had just landed in Frankfurt myself coming from Basel and heading to Athens. His flight was my connecting flight. The two most important analytic but anti-positivist philosophers of Greek origin and faculty members in the former GDR (the more our attributes, the greater our chances to be number one) met above the clouds.

We had brainstormings on the following topics:

Can an intelligent person lack virtue? (alias: Is there a politician named Ioannis Varoufakis?)

Can a ridiculous person be authoritarian? (alias: Is there a politician named Alexios Tsipras?)

Can a philosopher be naïve? (alias: Is there a thing like a philosophy authored by Greeks today?)

Suddenly, we heard the captain speaking, welcoming us to Venizelos-Airport Athens etc.

We called the end of our philosophical reflection a landing. Literally and metaphorically. Perhaps this is a counter-example to Davidson’s theory of metaphor. If Davidson is right, nothing can have literally AND metaphorically the same predicate.

Nonmonotonic politics

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Nach der Wandlung der griechischen Bürgerschrecke von Saulussen zu Paulussen verfolge ich die politische Diskussion in Griechenland nicht mehr. Ich bin einfach erleichtert.

Ein uralter Freund aus Piräus machte mich aber jüngst auf folgendes Phänomen aufmerksam: In den (sehr!) vorgezogenen Neuwahlen des heutigen Sonntags für die „Vouli“, das griechische Parlament, drohen die Linken, die Mehrheit zu verlieren, da ihnen die Gelegenheitswähler wieder den Rücken kehren: konservative Bürger, die zwar im Januar links gewählt haben, dieses aber nicht mehr tun werden. Sie hätten in den Linken die einzige Chance gesehen, Griechenland der Aufsicht des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank zu entziehen, aber nachdem den Linken das nicht gelungen ist, würden sie jetzt die Konservativen wählen – und damit das traditionelle politische Sprachrohr einer Wirtschaftspolitik, wie sie der Internationale Währungsfond und die Europäische Zentralbank gern sehen.

Der Freund, seit seinen Studentenjahren ein Linker, aber auch mein Kommilitone am „Department Philosophie, Pädagogik und Psychologie“ an der Uni Athen, empört sich über diesen Trend – und zwar aus zwei Gründen. Erstens sieht er die von seiner Partei (er ist Parteimitglied) hart erkämpfte Macht auf dem Spiel durch die „Rückkehr“ der konservativen Wähler ins konservative Lager und zweitens sieht er in dieser „Rückkehr“ eine kognitive Dissonanz.

Ich sehe darin eine Entscheidung im Sinne nichtmonotonen Schlussfolgerns:

Das proeuropäische Lager haben wir verlassen, als wir dachten, dass du Euroskeptiker bist. Wenn du aber nicht lieferst, was wir von einem Euroskeptiker erhoffen, d.h. wenn wir uns mit dir als Proeuropäer begnügen müssen, dann gehen wir zum unvermischten Proeuropäischen zurück.

Mein Freund kann weiter sagen, dass nichtmonotones Denken kein legitimes logisches Untersuchungsfeld ist, dass es ein anderes Wort dafür ist, was die Psychologen „kognitive Dissonanz“ nennen. Ich sehe hier keine kognitive Dissonanz. Nicht von ungefähr habe ich den kursivgeschriebenen „nichtmonotonen“ Ansatz oben mit Konditionalsätzen formuliert.

Jede scheinbar nichtmonotone Schlussfolgerung lässt sich als ein Konditional formulieren. So formuliert erscheint sie nicht mehr inkonsequent. Das muss vielleicht ausführlicher besprochen werden aber, bis ich dazu komme, können meine logisch geschulten Leser zu Hause mit verschiedenen Beispielen üben – sie werden feststellen, dass ich Recht habe.

Es gibt vielleicht bessere Sonntagsbeschäftigungen als das Umformulieren nichtmonotoner Schlussfolgerungen in hypothetische Syllogismen. Aber für diejenigen, die keine solche haben, dachte ich, dass es nicht verkehrt wäre, wenn sie etwas tun, was ihnen viele griechische Wähler heute gleichmachen. Zwar unbewusst, aber gleich.

Und hier der Link zu den Ergebnissen direkt bei ihrer Erfassung vom griechischen Innenministerium:

http://ekloges.ypes.gr/current/v/public/index.html?lang=en#%22cls%22:%22main%22,%22params%22:

ENOUGH WITH SCROLLING

The link above is the webpage of the Greek Ministry of Inner Affairs for the results of today’s elections for the Greek Parliament in real time.

I’m not really after Greek politics – and this at least since I was relieved to hear that the Greek left abandoned its political spontaneity to accept a more reflected view on things.

Now, an old friend from Piraeus posted something about the following trend: in today’s (very) early elections, the left could lose the relative majority of the popular vote because conservative voters who voted occasionally for SyRizA in January, are returning to the conservative Nea Demokratia – a pro-European party. They thought, the left would be successful in setting Greece free from the supervision of the International Monetary Fund and the European Central Bank. But this didn’t happen.

The friend from Piraeus has been a leftist for ages. We studied together at the „Department of Philosophy, Education and Psychology“ at the University of Athens and he’s angry about this trend. Because he’d be very disappointed if party whose member he is loses the elections. And he sees the „return“ of the conservative Eurosceptics to the conservative party as a case of cognitive dissonance.

I don’t agree with him. What I see in the following piece of reasoning ins nonmonotonicity:

The reason we, conservative eurosceptics, didn’t vote the pro-European conservatives, was that we thought that the leftists were eurosceptics like us. But if the leftists aren’t able to deliver what we expect eurosceptics to deliver and move towards more pro-European positions, then we’ll have to return to the pure pro-Europeans.

The good friend would say, I suppose, that nonmonotonic reasoning is not a legitimate subject of deductive logic – rather another word for what the psychologists call „cognitive dissonance“. I cannot see where the dissonance lies in the pattern of reasoning which I italicized above. Just keep an eye on the conditionals.

I generally believe that every piece of nonomonotonic reasoning can be formulated with the help of conditionals and once it’s formulated thus the alleged inconsistency vanishes. This is something I’ll have to discuss more extensively elsewhere but readers of this blog who are trained in logic can exercise at home in reformulating patterns of nonmonotonic reasoning to conditionals. They’ll find out that I’m right.

Is this a nice thing to spend your Sunday with? Well, maybe it’s not the best thing to do. But since many Greek voters do the same today, mostly unconsciously of course, I thought that you’d like to try.

Telling rationality gaps from irrationality

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Dass die Spieltheorie für den Verlauf der Verhandlungen zur Vermeidung eines Staatsbankrotts Griechenlands maßgeblich wäre, wird mit Hinweis auf den griechischen Finanzminister, der über Spieltheorie publizierte und lehrte, in der letzten Zeit behauptet. Nach dem Unfalltod von John Forbes Nash Jr. wird das noch öfter behauptet, nachdem ein paar Journalisten feststellten, dass Nash auf Einladung des besagten Ministers einen Ehrendoktorgrad der Universität Athen erhalten hatte. Das zeugt von keiner souveränen Beherrschung der Thematik.

Wenn es nach der Spieltheorie geht, so würden die Geldgeber grob gesehen die langfristige Finanzierung eines unzuverlässigen Partners bereuen und ergo nicht präferieren, Griechenland würde ebenfalls seine Anpassung an ein Wirtschaftssystem bereuen, von dem es seit den 80ern entfernt liegt. D.h. Nichtstun und der darauffolgende Grexit wären die beste Strategie.

Wenn überhaupt von etwas, so zeugt der Lauf der Verhandlungen von der Überzeugung des griechischen Finanzministers, dass eine irrationale Entscheidung gelegentlich die beste Strategie darstellt.

Die Ausweisung der Irrationalität als bester Strategie liegt mir fern. Ja, es stimmt, seit gestern ist mein Aufsatz in History and Philosophy of Logic über Rationalitätslücken als die besten Strategien online – für die gedruckte Version muss sich der interessierte Leser etwas gedulden.

Aber Rationalitätslücken sind erstens etwas anderes als Irrationalität. Rationalitätslücken stellen Fälle dar, in denen nicht determiniert werden kann, was rational und was irrational ist. Im Fall der Irrationalität ist es dagegen durchaus determiniert, was irrational ist. Zweitens kommen Rationalitätslücken in sehr wenigen, selbstreferentiellen Spielen vor, irrationale Züge gibt es dagegen in jedem Spiel. Drittens respektiert die Rationalitätslücke die Spielregeln, während irrational spielen auch heißen kann: mit sich beliebig ändernden Regeln spielen – also kein bestimmtes, identifizierbares Spiel spielen. Ich bin der Meinung, dass Rationalitätslücken in den Anwendungen der Spieltheorie auf religiöse Konversion und auf religiösen Dialog nicht vorkommen. Dass sie in der Ökonomie vorkommen, schließe ich nicht aus. Wenn alle Anleger z.B. ihr Geld nach dem Prinzip anlegen: „Ich tue, was die anderen tun“, dann sind Selbstreferentialität und Rationalitätslücken gegeben. Aber noch lange keine Irrationalität.

Es kann sein, dass die griechische Krise auf irrationale Art gelöst wird. Daran wird aber nicht die Spieltheorie schuld sein.

Calvin Hobbes Monopoly

Like European politics, Calvin’s and Hobbes’s Monopoly fails to be a game. Games are defined as sets of rules which enable winning strategies. Games whose rules are constantly and arbitrarily changing fail to be sets of rules and do anything but enable winning strategies.

The present Greek minister of finance might still consider something like this a game. He is a heretic in game theory and thinks that there are irrational decisions which are winning strategies.

Recently, John Forbes Nash Jr. was deadly injured in a car accident. This made journalists discover that the Greek minister had been Nash’s host when the latter was offered the honorary doctor degree of the University of Athens. That was it: game theory was supposed to be relevant for European politics.

This is not very smart. Game theory would not explain why the Eurozone finances a partner they consider to be unreliable. And it does not explain why Greece would promise to reform its economy to a direction which the country has left since the 80s. If anything, irrationality as the best strategy is what Yanis Varoufakis wants to implement. This is what he always believed in, this is what he still believes.

To my ears, this is noise. It’s true, my paper in History and Philosophy of Logic on rationality gaps as the best strategy in games is online  since yesterday – you have to be a bit patient for the printed edition. However, rationality gaps are not irrationality. In rationality gaps it cannot be determined what is rational and what is irrational. Irrationality, however, is fully determined as such when it is the case. Rationality gaps emerge in very few cases in self-referential games. But you get irrational strategies in every game. Rationality gaps always respect the rules of the game. By contrast, playing irrationally can be playing with rules which constantly change and eo ipso it’s stricto sensu not playing.

Rationality gaps are not only rare. They fail to be the case in the applications of game theory in religious conversion and religious dialogue. Perhaps they do occur in economy – I can grant this. If all the investors act according to the principle: „I do only what all the others do“ self-referentiality and a rationality gap are there. However, this is not to say that irrationality is there.

I’m not quite sure that the Greek crisis will not be resolved by means of an irrational decision. But game theory will not be to blame for this.