Corpus sacrum

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Susanne war gerade mit ihrem Studium, ich mit der Promotion fertig, als sie mich in die Münchner Kunstakademie zur Vorstellung ihrer Abschlussarbeit eingeladen hat. Inmitten einer Umgebung von Installationen, wo die Hauptaussage war: “Habe ich dich jetzt genug schockiert?” stand Susannes (wie ich damals dachte) Ausdruck von Philhellenismus und Demut (ich muss vorweg sagen, dass ich ihre Absichten damals monströs missinterpretierte) in Form von Ikonenhäusern, wie man sie am Straßenrand in Griechenland immer wieder findet. Um den Unterschied zwischen griechischer Spenglerarbeit und Susannes Kunst festzustellen, musste ich das Türchen des Ikonenhauses aufmachen. Da betrachtete mich aus dem Gehäuse statt der Mutter Gottes mein Ebenbild aus einem an der Rückwand befestigten Spiegel. Ich habe mir keine Kerze angezündet. Erstens war ich überzeugt, dass sie es mir übel nehmen würde, andererseits wäre es eine Kerze zu Ehren jedes Besuchers, der reingucken würde.

14 Jahre später war ich gerade mit der Habilitation fertig, als Hans Joas in seinem gleichnamigen Werk die Sakralität der Person als einen Trend der Moderne entdeckte: Die Vergöttlichung, Unsterblichmachung jedes Einzelnen begann in der frühen Neuzeit, politisches Handeln zu legitimieren.

Da nun Joas damals im Begriff war, Erfurt zu verlassen, bot ich den Buchtitel als Hauptseminar an. Ich war und bleibe sehr überzeugt von der Hauptthese und den Argumenten im Buch.

An beide Bekannten musste ich in der Corona-Krise denken. Eine Verdeutlichung der Sakralität der Oma im Altenheim, die trotz ihrer Sünden, Vorerkrankungen und ihrer 95 Jahre nicht an Corona sterben soll, die besser wäre als die gegenwärtigen Maßnahmen, kenne ich nicht. Erst lange danach musste ich an der lieben Freundin von damals sowie am berühmten Kollegen Vordenker dessen erkennen, was jetzt um uns passiert.

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When Susanne finished her studies in art – it was the time I had finished my PhD thesis – she invited me to the presentation. The Munich Art Academy is an awkward place when the installations of the graduates are exhibited to ask you if you are enough shocked. Susanne’s work was an exception. Back then I thought that one point she made was philhellenism and that an attitude she expressed was humility. I was wrong in both interpretations. Susanne had manufactured a roadside ikonostasio as found everywhere in Greece. The difference of Susanne’s art from the usual sacral object was that, in her version, when you opened the small window, you found no icons but a mirror in it. The saint to venerate was yourself.

Fourteen years later – the book I had finished this time was my habilitation thesis – I was thinking about the issues to deal with in my social-philosophy class when I came across the work of my famous colleague, at the same time the person downstairs in the university’s guest house. I dedicated Hans Joas’s Sacredness of the Person the whole term for two reasons: the first was one of tactics: Joas was about to leave Erfurt and I wanted to give a signal, however small, that Weberian analysis rulez! The other was one of beliefs; my deep persuasion of Joas’s main thesis: the early modern period began to see a saint in every individual and this trend has become a tenet of the modern conception of humanity.

I have thought a lot on the two unequal but similarly pioneering works, Susanne’s shrine and Joas’s book, during the Corona Crisis. In the apprehension of each individual as sacred, I see established the policies of the last ten months – policies to ensure that in spite of his sins, his 95 years and his prehistory, John Doe will survive Corona as much as this depends on us.

Ulrich Staudinger (*1935-+2021)

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Wenn ich ein drei Jahre altes Interview des Verlegers, Freundes, guten Beraters reposte – eigenartig oder? Bei “Verleger” denkt der Leser an eine einstellige Eigenschaft. Nach “Freund” und “Berater” wurde aber aus “Verleger” eine Relation – dann aus gutem Grund. In der Nacht zum Freitag hat uns Ulrich Staudinger verlassen. Wenn ich von alten Projekten gesprochen habe, hat er mich zu unterbrechen gepflegt: “Gut, reden wir aber jetzt über die Zukunft”.

Uli Mai 2017

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Ulrich Staudinger, the publisher, friend, good advisor (admit it: you thought that “publisher” is a one-place predicate until you read “friend” and “advisor” and only then you realised that also publishing implies a very personal and close relationship) left us in the late hours of last Thursday. This is a reason for me to repost a three-and-a-half-years-old interview of his, where he talks about the future of the publishing house. Whenever I addressed old projects and why they had, eventually, success or were doomed, he used to interrupt me: “Good, but tell me about future projects now”.

Presenting presents

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Die Nachweihnachtszeit ist eine Bewältigung der durch die Geschenke ausgedrückten Liebe, des Erratens oder Missratens, schließlich der “Friss oder stirb”-Indifferenz. Vergessen wir den letzten Fall.

Es gibt Geschenke mit einer bedeutungsschwangeren Verpackung. “Du musst mich mögen”. Andere sind ohne Hülle: “Auch ohne Weihnachten hättest du mich, denn ich gehöre zu dir”. Vergessen wir auch diesen letzten Fall.

Es ist einfach, sich nach dem Auspacken beim Stifter eines geglückten Geschenks zu bedanken. Es ist dagegen eine schwere Last, sich nicht anmerken zu lassen, dass das Geschenk missglückt war. Deshalb war wohl die Verpackung da: “Vorsichtshalber mache ich es später auf”. In Griechenland ist es ein Zeichen sehr schlechter Manieren, ein Geschenk vor dem Stifter auszupacken.

Riskanter ist das Vorstellen des (unverpackten) Geschenks in Tarkowskis Opfer. Unten finden meine Leser den Clip. Wer den ganzen Film sieht, wird feststellen: In ihm geht es um verpackte, heimliche Opfer für die Geliebten, die es nicht verdienen, geliebt zu werden.

Dabei geht es beim Schenken nicht um Verdienste. Schenken ist nicht die Auszahlung eines Gehalts.

Eine tiefere Übereinstimmung zwischen Tarkowski und der griechischen Sitte sehe ich doch noch. Die Spender werden wir so viel mögen, um ihnen wenigstens die Einsicht zu ersparen, wir hätten die Spende nicht verdient, oder?

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The time after Christmas is one in which you have to deal with other people’s love, correct or false guesses about your taste, finally their indifference, everything expressed in their gifts. Let’s forget the last case.

Some gifts come with a question-begging packaging. “You have to like me”. Others are given unwrapped. “I knew you needed me and I would be here even if there was no Christmas”. Let’s forget also this last case.

After you unpack a gift, it is an easy task to thank givers if they wanted you to be happy and you are happy. But it is a huge burden to know that they wanted you to be happy and you are not. This case is probably what the packaging was for. In Greece it’s bad manners to open a present in front of the donor. A more risky move is presented by Andrei Tarkovsky in the Sacrifice. Watch the clip above. And then watch the whole movie. It’s about gifts and secret sacrifices for people who are undeservedly important to you. I could have omitted “undeservedly”. Donating has nothing to do with deserving or not deserving. A donation is not a salary.

After all, you see, Tarkovsky does agree with the Greek custom. Do not open your presents before the donors disappear. You don’t want them to notice that you didn’t deserve the donation. At least you like them that much, don’t you?

Applied spooky metaphysics

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Zweige der analytischen Philosophie wie die angewandte Ethik oder die Experimentalphilosophie werden als modern und zukunftsweisend wahrgenommen. Dass eine Art Magie aber noch lieber angewandt wird als die philosophische Reflexion, daran denkt der Analytiker nicht. Es sei denn, er ist ein orthodoxer Christ und hat viel Philosophiegeschichte studiert.

Jeden Sonntag bekräftigen viele Christen durch ihre Teilnahme am Sakrament der Kommunion ihren Glauben daran, dass durch ein Wunder Wein in Blut Christi verwandelt wird. Dass der echte Christus mit Fleisch und Blut in der Messe präsent ist, um dort verzehrt zu werden, wurde bereits im frühen Christentum zunächst unreflektiert geglaubt. Johannes von Damaskus, Mönch und Aristoteliker des 8. Jh., meinte, die Wandlung entziehe sich als Wunder jeder Reflexion. Die gängige theologische Meinung war aber, dass die Wandlung im Rahmen einer aristotelischen Metaphysik der Substanz des Weins, nicht etwa seinen Akzidenzien gilt. Kommunionswein schmeckt nach Wein auch nach der Wandlung. Jahrhunderte später deutete Wilhelm von Ockham die Wandlung als Akt der Namensgebung um. Man nennt diesen Wein eben Blut – so Ockham. Die Traditionellen blieben auch nach Ockham stark. Als Petrus von Ailly im 15. Jh. Jan Hus auf den Scheiterhaufen steigen ließ, war Hussens Lehre, gewandelt in Blut werde der Wein in seiner Substanz, mit ein Grund für die Verurteilung.

Eine Zuspitzung der traditionellen Lehre ist die Praxis der orthodoxen Kleriker, die in Corona-Zeiten weiterhin die Kommunion aus einem Kelch, mit einem einzigen Kelchlöffel erteilen, da – so die Behauptung – Speichelreste des Vortrinkers im Blut Christi nicht viral wären. Speichelreste in einer Flüssigkeit, die nicht Speichel ist, sind Akzidenzien. Es ist insofern fast ein Wunder, dass sich die Traditionellen in einer zu starken These verfingen, die sie gar nicht brauchen, um das Dogma zu verteidigen.

Innerhalb von ein paar Wochen waren nun der Tod des Metropoliten von Montenegro und des Belgrader Patriarchen infolge des Corona-Virus die pressewirksamen Indizien, dass magisches Denken des 1. Jh. nicht dazu geeignet ist, biochemische Eigenschaften zu beschreiben. Sonderbar ist das weitere Faktum, dass beide betagten Männer heute höchstwahrscheinlich das politische Leben Montenegros und Serbiens weiter mitbestimmen würden, hätten sie Aristoteles oder Ockham als ihre angewandten Metaphysiker ausgewählt. Aristoteles und Ockham kannten zwar das Fach Biochemie nicht, aber ihre Ontologie widerspricht nicht der empirischen Wissenschaft. Auch das ist ein kleines Wunder. Aristotelische und nominalistische Ontologie sind dermaßen alt…

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Applied ethics and experimental philosophy are considered new and shiny in analytic philosophy. Most analytics are however not aware of the fact that the first applied branch of the discipline was spooky metaphysics ages ago – and nowadays too. Well, maybe they guess so, if they’re orthodox Christians and have studied some history of philosophy.

The historical fact is that many Christians receive the Holy Communion on Sunday thinking that, miraculously, Jesus Christ is present at this moment in their church to be ingested in form of bread and wine – or rather not-anymore-bread-and-wine. The dogma of the rendering of bread and wine into Christ’s flesh and blood was launched already in early Christianity, unreflectedly in the beginning. Once more reflected and erudite believers turned their attention to it, they had to admit that it escaped reflection. Typically this is the case with John of Damaskus, a monk and Aristotelian of the 8th century. In an Aristotelian setting, it turned out that what the Latins called “transsubstantiatio” would work only if the miracle was supposed to concern only the essence of bread and wine leaving the accidental properties uninfluenced: Communion wine tastes always of wine. In the 14th century, William of Ockham proposed to understand the change of the material as an act of renaming: we call this specific wine from now on blood. Traditionalists remained solid also after Ockham. In the 15th century Peter of Ailly accused Jan Hus of taking the “thingy” substance of bread to be literally changed – and opened the way to Jan Hus’s burning at the stake.

The Holy Communion, as practised today by many orthodox, from one cup and with one spoon (i.e. cochlear) is at the pinnacle of the traditional doctrine. It presupposes that no viral rests of the saliva of the others can endanger your health when you take the Communion. Considering that the presence of viral saliva in a liquid which is per se not saliva is an accident, the traditionalists needn’t get entangled in a thesis that is too strong and not even necessary to defend dogma – but they do nevertheless.

In only few weeks, two deaths, Amphilochius’s, the metropolitan’s of Montenegro, and Irenaeus’s, the patriarch’s of Serbia, following a Covid-19 infection, shows the broad public that 1st-century spooky metaphysics is inadequate. Aristotelian and nominalistic, Ockhamian, ontology, would be, which is a little miracle. Just imagine how old these theories are…

Corona martyrii

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Jeden 17. November trauert Griechenland um die Opfer der Studentenunruhen des Jahres 1973. Der 17. November 1973 war ein Freitag, was sich auf die spätere Erinnerungskultur sonderbar auswirkte. “Sonderbar”, weil die Trauerfeier trotz ihrer allgemein linken Ausrichtung an die Karfreitagsprozession erinnert. Während nun die Karfreitagsprozessionen von Nikosia bis Malaga mit dem Schrein des aufgebahrten Jesus in der Kirche ihren Ausgang nehmen, um ebendaselbst zu enden, beginnt der Trauermarsch des 17. November an der Athener Technischen Universität – um den Stadtcampus herum lagen die meisten Toten der 73er Unruhen – um zum Schluss die US-amerikanische Botschaft zu erreichen, eine Bauhaus-Version des Parthenons und Werk keines geringeren als Walter Gropius.

An jene Novembertage erinnere ich mich gut, obwohl ich erst sieben Jahre alt war. Meine Eltern hatten die unglückliche Idee, am Sonntag nach den blutigen Ereignissen einen Spaziergang in Athen zu machen. Wie viele andere haben sie nicht geahnt, dass die Polizei Demonstranten erschossen hatte. Als Schüsse zu hören waren, rannten wir. Vor allem erschreckten mich die Gesichtsausdrücke der Erwachsenen.

Dass niemals ein amerikanischer Soldat die Waffe gegen einen griechischen Bürger gerichtet hat, daran zweifelt wohl niemand. Aber die Linke hatte bereits Jahre zuvor den USA die Schuld für die Diktatur zugeschoben. Der Gropius-Bau wurde in der Wahrnehmung vieler das Tor zum Hades für den politischen Karfreitag.

Heuer findet die Prozession zum ersten Mal seit 1974 nicht statt. Das ist nur konsequent. Das Coronavirus ließ uns Sonntags- und Ostermessen absagen. Auf solche Einschränkungen reagierten die Religiösen mehr oder weniger rational trotz der wenigen Vorfälle, die jedes besonnene Handeln in Frage stellten. Es gab etwa Gemeinden, die vor der Kirche Distanz hielten, bis der Pfarrer kam, um die Heilige Kommunion mit einem einzigen Löffel zu erteilen. Ich nenne es nicht irrational, nur unbesonnen, wegen der – tja… – Rationalisierung: “Gewandeltes Blut Christi überträgt keine Krankheiten”.

Die Kommunistische Partei – keine Assoziation mit der Kommunion: Sie ist ein echter politischer Faktor in Griechenland, deshalb die Erwähnung – protestiert wegen der Absage des Trauermarsches, will aber, dass die Kirchen geschlossen bleiben.

Der Antagonismus zwischen orthodoxen Marxisten und orthodoxen Christen ist allerdings nicht nur Entgegnung. Es ist gleichzeitig Appropriation: Prozessionen hier, Prozessionen da, Heilige hier, Heilige da.

Vor Tagen hörte ich mir wieder Mikis Theodorakis’ “Tragudia tu agona” (Chansons de lutte) an. Ein Beispiel von vielen Anlehnungen an das Religiöse:

“Morgen soll die eine Hälfte irgendwohin transportiert werden,

wir müssen auch gehen, aber woandershin:

Vielleicht ans Festland, vielleicht auf eine Insel.

Es möge der Wille Gottes geschehen.”

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Every 17th of November, Greece mourns for the victims of the students unrest of 1973. November 17, 1973 was a Friday, a fact which, peculiarly enough, left some traces on the symbolism of the mourning. “Peculiarly” because, in spite of the generally leftist context, the main event of the mourning is reminiscent to the epitaphios procession on Good Friday. The standard Good Friday procession begins in the church with the shrine of the lying Jesus at its head, and ends there too. There are local varieties throughout the northern Mediterranean coast from Nicosia to Malaga, but this is the essence.

The Nov 17 procession of the various left-wing parties of Greece, however, starts at the Technical University of Athens, around which the most bodies of mostly young people were discovered after the revolt, and heads to the American Embassy of Athens, a Bauhaus version of the Parthenon and a work of Walter Gropius.

I have personal memories from the revolt, although I was only seven. My parents had the unfortunate idea to have a walk in downtown Athens on the subsequent Sunday, Nov 19, 1973 – most people thought that revolting students were being rather arrested than shot dead – when the shooting started. I was mostly terrified from adults around me looking terrified. Gunshots per se are not scary. We ran…

There was never doubt about the fact that no American soldier has ever shot one single bullet in Greece to kill a Greek. But the left considered the Americans responsible for the dictatorship – and treated the Gropius building as the gates of Hades of their Good Friday.

This year, the procession will not take place for the first time since 1974. Covid-19 made us abolish rituals like the Sunday service and Easter, so why not Nov 17? The religious were generally rational in spite of reactions that – I wouldn’t call them completely irrational since they employed rationalisation – challenged every intuition of phronesis. People in the church yard, for example, kept the recommended distance, but partook in the holy communion with one single spoon for the whole parish. “It’s the blood of our saviour – immune to Covid” you hear them saying.

The Communist Party of Greece – I do not mention them because of an association with the word “communion”, they are really a political factor in Greece – demands the procession to take place but the churches to remain closed. Antagonistic religions, you can say. Which is not far from truth. But the antagonism goes further: some the symbols are common. I was listening the other day after many years “Tragoudia tou agona” (“Songs of the Struggle”) by Mikis Theodorakis: the religious element in them is striking: “I talk to out Lady and to your Judge in heavens. I reckon your age by the bitterness. But tell: is your torturer a creature with eyes, lips and a neck?”

We used to play this with the guitar at school. The girl who gladly sang it, I think her name was Sophia. From Crete. After school she joined the Communist Party. I’ve never heard anything about her since then.

She had a nice voice. I hope that she remains healthy.

Icons of the evil

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Der Ikonoklasmus tauchte im Oströmischen Reich gleichzeitig mit dem Aufkommen des jungen Islam auf. Johannes von Damaskus und Theodor von Studion, die wichtigsten Stimmen für die Sache der Ikonenanbetung, polemisierten zwar gegen christliche, nicht moslemische Bilderstürmer, aber was sie sagen, ist im Endeffekt, dass die Bilderstürmer cultural renegades sind. Sie würden nicht zu “uns” gehören. Das schreibe ich mit der Ermordung Samuel Patys, den Nizzaer Morden, den jüngsten Ereignissen in Wien im Hintergrund.

Vergangenes Wochenende – ein Kollege bestand darauf, ich solle es sehen, die Kinder hatten nichts dagegen – guckte ich mir “Er ist wieder da” an. Der Plot: Gott beschließt im Jahr 2014, Hitler noch einmal auf die Erde zu schicken. Der Film bewegt sich über lustige Missverständnisse der Jugendsprache und der heutigen Alltagskultur durch Adolf einerseits, über Gespräche mit Passanten à la Borat andererseits auf das Ziel zu: Der wiederauferstandene Führer wäre heute mit seiner Rhetorik eine TV-Prominenz und begeisterter Anhänger der Bündnisgrünen, gerade weil die CSU so “eine erbärmliche Kopie” wäre.

Es sind die boratartigen Gespräche mit Passanten, die der Regisseur ausschlachtet; die Ehrerbietungen gegenüber dem “Führer” mit ausgestrecktem Arm mitten im Berlin des Jahres 2014, womit David Wnendt vergisst, dass die Zuschauer vor der Ikone des Bösen auch mitspielen wollen, glauben machen wollen – Mimesis als “make-believe” ist Kendall Waltons griffiger Spruch – sie wären ein Teil des Fiktiven, nicht des Realen.

Das Böse wollen die Akteure bewältigen und das Gute verstehen. Stellvertretend für das Böse wie für das Gute sind Bilder: Ikonen. Ikonen wie Hitler-Darsteller in Berlin. Timur Vermes’ Idee eines wiederauferstandenen Hitler, der durch das heutige Deutschland spaziert, hatte übrigens bereits 1993 Želimir Žilnik, als er einen Tito-Darsteller durch Belgrad schickte. Um beim ehemaligen Jugoslawien zu bleiben: Tito, Marx und Engels wurden unlängst von einem montenegrinischen Freskenmaler in der Hölle platziert (s.o.)

Europa scheut sich nicht vor Ikonen des Bösen, geschweige denn des Guten. Der Ikonoklast duldet nicht einmal letztere.

Weit davon entfernt, ganzen Kulturen und Nationen die Schuld zuzuweisen für Ideologien, die Mentalkranke als Killer nutzen, finde ich, dass der Umgang mit Bildern und mit der Mimesis ein beständiges Element europäischer Identität ausmacht.

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The emergence of iconoclasm in the Eastern Roman Empire coincided with the rise of Islam. John of Damascus and Theodore of Studion, the most important authors of the icon-venerating party, attacked the Christian, not the Islamic iconoclasm. Even thus, basically they emphasised that the iconoclasts are cultural renegades. I am writing this having Samuel Paty’s assassination in mind, also the subsequent crimes of the same nature in Nice and Vienna.

Last weekend – a colleague urged me to do so, our daughters said also yes – we watched “Look who’s back”. The plot: AD 2014, God decides to send Hitler back to earth. The fuehrer happens to funnily misunderstand today’s slang and everyday culture, there are also some Borat-like passages and scenes where the protagonist mixes and mingles with the crowd off-script, until the movie returns to its real scenario: the resurrected monster succeeds in becoming a celebrity of the present-day liberal media landscape of Berlin – the end…

The Borat-like scenes of “Look who’s back” offended many in Germany. They were mostly understood as playing down the worst crimes in the history of mankind. People joking about concentration camps after the second beer are probably not as rare as one would wish them to be, but when they do so indulging in a make-believe game with someone who pretends to be Hitler, the mixture becomes utterly tasteless. Otherwise, a committing into this game needn’t be out of an extreme right motive. Kendall Walton defined mimesis as make believe. Mimesis is interesting. Once you render yourself to a part of fiction rather than to one of reality, you can pretend that you are Jesus, Virgin Mary or marshal Tito. Or someone who talks with Hitler. It is by means of mimesis that you can feel the good things in the first two and cope with the monstrosities of the two others. Icons – of the good or of the evil – have proven useful for mimicking already before Timur Vermes had the idea to send a resurrected Hitler to a trip around Germany. Želimir Žilnik’s documentary of the year 1993 around an enactment of Tito had the same results with “Look who’s back”. Recently, a Montenegrin icon painter depicted Marx, Engels and Tito in hell (vide supra).

Europe has no issues in dealing with icons of the good or of the evil. The iconoclast would not even accept the former, let alone the latter.

Far from blaming whole cultures and nations for some ideologies in their midst, ones that employ the mentally ill as killers, I find that, in our search for a European identity, mimesis and icons are seriously to be taken as a constant.

Green religion

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Hans Jonas’ Prinzip Verantwortung wurde von Suhrkamp mit einem Nachwort von Robert Habeck, Bundesvorsitzendem der Grünen, neuverlegt. Soweit die publizistische Nachricht. In einem vom Verlag produzierten Interview-Video (s. unten), sind sich Robert Habeck und Simone Miller einig, dass Jonas’ Umweltimperativ (“Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden”) sich an Kants kategorischen Imperativ anschließt.

Kants kategorischer Imperativ fordert einzig und allein, dass jede Regel des moralischen Handelns verallgemeinert werden kann. Somit genügt die logische Konsistenz, um eine Regel ob ihrer Tauglichkeit als moralisches Gesetz zu überprüfen. Ein Auftragsmörder, der gegen den kategorischen Imperativ handelt, will, dass das moralische Mordverbot greift, wenn er selber umgebracht werden sollte, er relativiert ihn aber, wenn er jemanden umbringen soll. Also hat er entweder eine partikuläre Maxime, die sich also nicht als verallgemeinertes (moralisches) Gesetz gelten kann, oder er sagt, er hätte ein allgemeines Gesetz, hat er aber in Wirklichkeit keines.

Nach Kant lässt sich der Unterschied zwischen Moral und Unmoral auch ohne die Dienste eines Moralpredigers sofort erkennen. Kants Imperativ predigt nicht, sondern ist ein logisches Prinzip der praktischen Vernunft.

Zu Jonas jetzt: Die kantisch anmutende Etikette “Imperativ” deutet an, es gäbe im Umweltimperativ eine rein logische Dringlichkeit; der erhobene Zeigefinger wäre der des Logikers und nicht des Predigers. Die Sache mit der Umwelt ist aber nicht so einfach. Es lässt sich nicht schnell mit Ausweis logischer Konsistenz allein sagen: Das ist eine umweltmäßig verbotene Handlung. Wenn der Eingriff in die Umwelt keinen Diebstahl fremden Eigentums, keine Freiheitsberaubung, keine Körperverletzung, kurz: keinen direkten Affront gegen Menschen darstellt, wird die Funktion des kantischen Imperativs, mit minimalen Mitteln der Rationalität aufrechterhalten zu sein, nicht gegeben sein. Jonas’ Begriff Verantwortung entspricht einer Ethik des Herzens, nicht der Vernunft.

Darüber hinaus ist Jonas’ Imperativ konsequentialistisch: Er mahnt von den Folgen unserer Handlung her.

Predigt, Herz, an die Folgen denken: Das ist der Kontext religiöser Ethik. Wer nun aufgrund dieser Merkmale der jonasschen Ethik die Grünen als die religiöseste aller Parteien betrachtet, wird Kopfschütteln ernten: “Null Ahnung, oder? Es ist die Union doch, die…”

Es ist, ob gut oder schlecht, nicht die Union.

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Hans Jonas’ s book The Imperative of Responsibility, in English from the University of Chicago Press (1984) but in German from the legendary liberal Suhrkamp Verlag, is now reprinted by the German publisher with an epilogue by Robert Habeck, leader of the German Green Party.

These were the bookstore news. They are coming with some insights. In a promotional video of a really demanding discussion between Habeck and Simone Miller of the publishing house, Jonas’s “environmental imperative” (“Act so that the result of your actions is compatible with the sustainment of genuine human life on earth”) is being connected to Kant’s categorical imperative.

Kant’s categorical imperative (“Act only in accordance with that maxim through which you can at the same time will that it become a universal law”) is a principle whose validity is based on the idea of logical consistency. A contract killer opposes to it if he only wishes not to be killed himself. I.e. he acts according to a maxim which he cannot will that it become a general law. Kantian morality is traceable without moralism. What you need is a moral attitude of avoiding contradiction.

Jonas’s imperative is not of the same kind. Rather, it is an order of moral sentiment, one passionately preached for by its author and today’s environmentalists.

I must add: a consequentialist order of moral sentiment. The opposition to Kant’s practical philosophy could not be greater.

In other words, Jonas’s imperative is of one kin with religious preaching.

If you ask me which German party I see as the most religious in its rhetoric, then I’ll answer: the Green Party. You will have probably expected me to say: the Christian Democrats.

Well, no…

However, I’m not sure whether a religious attitude is good for politics.

Unterwegs zur Kampenwand

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Auf einmal kann man nach links oder nach rechts. Links: sehr matschig, fast abenteuerlich. Rechts: für angenehme Gespräche während der Wanderung. Es ist kein Dilemma. Beim Dilemma weißt du, was auf dem Spiel steht: Fitsein etwa. Oder Sich-austauschen. Das Ziel ist bekannt. Hier ist das einzige bekannte Ziel das Wanderziel. Das ist wenig. Du musst fragen. Den abenteuerlichen oder den Diskutantenweg? Wenn das Spiel symmetrisch und gerecht sein soll, sollen die Befragten deine Meinung auch wissen. Bloß: Deine Meinung ist nicht von derjenigen der Befragten unabhängig, erst recht nicht, wenn es sich um die eigene Familie handelt. Ihre Meinung sollte auch nicht von deiner Meinung unabhängig sein. Das ist John von Neumann. Das ist ein Nullsummenspiel.

Eine wenig bekannte Maxime der Eheberatung durch den Privatgeistlichen in der Ostkirche lautet: Du sollst in der Familie nachgeben, besonders dann, wenn die anderen nicht nachgeben. Das sollte auch für die anderen gelten, oder? Gilt aber per Annahme nicht, denn, damit du nachgibst, müssen sie unnachgiebig sein. Diese Maxime, die wohl für die niedrige Scheidungsquote in Südosteuropa im Vergleich zum restlichen Kontinent zuständig ist (https://www.businessinsider.com/map-divorce-rates-around-the-world-2014-5?r=DE&IR=T), ist kein Nullsummenspiel und nur möglich, wenn ein Spieler andere Prioritäten hat, womöglich sich sogar nicht als homo oeconomicus verhält. Es erzeugt unauflösbare Familien aus Egoisten einerseits und Heiligen (oder Opfern) andererseits. Von Neumann (ich lese gerade die Theorie der Gesellschaftsspiele, wenn ich nicht wandere) würde die Situation als ungerecht und asymmetrisch bezeichnen.

Gut, mag sein. Aber wie viel besser ist die Situation bei Familien, die aufgelöst werden, wenn das heilige Opfer in denselben endlich auch ein Nullsummenspiel spielen will?

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They do as if there was no option to decide upon. But there is one. The way to the left is adventurous. The one to the right is for continuing discussion. No dilemma of course, because in the dilemma you know the objective and you only deliberate about the means to achieve it. Here you have to ask them and you know that your own opinion will not be independent from what they say. This should be also their maxim: they ask you and your opinion does not only influence the result; it influences their own opinion. The game is symmetrical and just, a John-von-Neumann-like zero-sum game.

Unknown to the wide public is the most common marital advice orthodox priests give: give way to their wish, especially when they would never consider giving way to yours. You will probably assume that this is also a maxim for the others. But it cannot be. By assumption, the others must be unindulging for you to indulge. I suppose this maxim to be one of the reasons of much lower divorce quotes in South-East Europe if you compare them to those of the rest of the continent (https://www.businessinsider.com/map-divorce-rates-around-the-world-2014-5?r=DE&IR=T). Obviously, it results to a non-zero-sum game, surely to one in which at least one of the players (call her the “victim” or the “saint” – it’s the same) has different priorities. Probably, the saint is not a homo oeconomicus.

Von Neumann (when I don’t hike, I read his article titled Theory of Social Games from the distant 1927, when he was still publishing in German), would tag die situation unjust and asymmetrical. I wouldn’t object the tagging. How much better would the situation be though, if the saint suddenly decided to play a zero-sum game?

If I’m not totally wrong, von Neumann’s early article remains still untranslated in English.

Coemeterium et coemesis

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Friedhöfe sind traurige Orte. Alte jüdische Friedhöfe in Deutschland geben mir einen zusätzlichen Grund zur Traurigkeit, die unabhängig von den Trauerfeiern ist, die in ihnen begangen wurden. Wenn zumal kein Weg zu oder aus ihnen führt wie am alten jüdischen Friedhof von Hürben im bayerisch-schwäbischen Krumbach, wirken sie wie losgelöst von der Welt. Dass es sie heute noch trotz der 30er und 40er Jahre gibt, ist auch nicht von dieser Welt.

Die Gottesgebärerin Maria, deren Entschlafung am 15. August gefeiert wird, soll direkt in den Himmel aufgefahren sein. Das erscheint wohl als die falsche Assoziation zum jüdischen Friedhof; vermutlich eine aus dem Umstand resultierende, dass ich den Wunsch nach dem Himmel für Ausdruck der Ausweglosigkeit auf Erden halte. Das klingt jetzt marxistisch, ich weiß… Nicht meine Absicht.

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Cemeteries are places of mourning. Especially old Jewish cemeteries in Germany I find sad independently of the mourning. If they stand in the middle of nowhere, no path to lead to them like the one in Krumbach in the Bavarian Swabia, they seem to be out of this world. For an old Jewish cemetery to have survived the 30s and 40s is something not of this world anyway.

The Mother of God, whose dormition is celebrated on August 15th by the Orthodox and the Catholics, is said to have moved to heaven. You may think that the Jewish cemetery without a path is not a matching association with this. Probably I have it because I think that no way out of a situation (take the word in its Sartrian sense) is the main reason for people to opt for a religious stance.

This sounds probably Marxist. Not my intention.

Under too many layers

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Die Nachrichten: Die Hagia Sophia soll wieder eine Moschee werden. Das gibt mir den Anlass, meine Assoziationen zur Kirche (sorry: zum Gebäude) zu schildern. Sie sind mehrbödiger als Baklava und folgende:

Zur Moschee wurde die Hagia Sophia zunächst 1453, als die Stadt (DIE Stadt – urbs) von osmanischen Truppen im Mai überrannt wurde. Zu der Zeit war sie eine römisch-katholische Kirche im Sinne der Kirchenunion von Ferrara-Florenz des Jahres 1439. Die Orthodoxen, diejenigen jedenfalls in der Stadt, die gegen die Union waren, haben sie 14 Jahre lang gemieden, bevor sie zur Moschee wurde. Sie spielten mit dem Gedanken, Hussiten zu werden, egal…

Noch vier Jahrhunderte vorher war in der Hagia Sophia der Philosophenmeister (“hypatos ton philosophon”), Johannes Italos, vom Unterricht am Konstantinopler Hofseminar feierlich suspendiert worden. Wegen Aristotelismus. Und wegen zuviel Logik im Unterricht, wie die Kaisertochter Anna Komnena in ihren Memoiren (Entschuldigung liebe Wertneutralität, wenn ich hinzufüge: schamlos) zugibt. Noch heute wird am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit in jeder orthodoxen Kirche der Welt das Anathema gegen die Philosophie wiederholt, das damals dort verlesen worden war. Ungefähr aus derselben Zeit stammt die Nestorchronik, welche die Christianisierung der Kiewer Rus unter Wladimir I. auf die Begeisterung der Kiewer Abgesandten in der Hagia Sophia zurückführt. Hoffentlich nicht während des o.g. Zeremoniells gegen Johannes Italos. Ein Dutzend Jahrzehnte später wurde die Kirche von den Kreuzrittern des Vierten Kreuzzugs geplündert.

Geplündert stand sie weiter, wie sie heute steht. Stehen sollte bald ihr Name, übrigens in der Landessprache als Fremdwort mit der neugriechischen Aussprache erhalten geblieben, auch für die kollektive Entität aller heiligen Menschen. Die göttliche Weisheit: Das sind wir. Dieser, ursprünglich russische, Volksglaube wäre ohne das Gebäude wahrscheinlich nicht entstanden. Auf diesen Glauben ist einer der wenigen Versuche zurückzuführen, aus der Orthodoxie eine moderne Konfession zu machen. Sergej Bulgakov, ein Wirtschaftswissenschaftler und einstiger Weggenosse Lenins, versuchte im Pariser Exil, der Kirche unserer Vorfahren eine christsozialistische Gestalt zu verleihen. Sophiologie nannte er die neue Doktrin. Die Gemeinschaft der Idioten ist weise. Das ist meinerseits nicht ironisch gemeint.

Ja, die Hagia Sophia ist eine grandiose Fortentwicklung des architektonischen Konzepts des Pantheons von Rom; einer Stadt würdig, die Neurom heißen wollte; und – trotz Johannes Italos – Symbol von Weltbürgerlichkeit. Der einstige Notre-Dame-Kanoniker Étienne Tempier, der als Bischof den Aristotelismus im Werk von Thomas von Aquin verurteilte, reicht nicht aus, um die Notre Dame zu blamieren. Die Hagia Sophia ist ebenso resistent gegen in ihr begangene Dummheiten. Das zum einen.

Zum anderen habe ich in keinem Museum der Welt so viele gelangweilte, geistig abwesende Besucher angetroffen, nach dem Motto: “Sie haben alle gesagt, zumal wir hier sind, müssen wir das besuchen. Groß ist es schon…” Oder kennen meine Leser etwa ein Museum in dieser Welt, wo die Kunstwerke nicht bewundert werden? Ich kenne eines: die Hagia Sophia. Das Augenmerk des “Ausstellers” fällt ja nicht auf die Kunst, sondern auf das historische Faktum der Eroberung. (Fremdländische Ansätze der auf Erwachsene abzielenden Museologie können mir vielleicht egal sein. Aber im Sinne der Museumspädagogik: Was ist das für eine Erziehung für die Kinder, die das Museum besuchen?)

Meine letzte Assoziation jetzt:

Es gibt überall zweckentfremdete Gebäude. Ein zweckentfremdetes Gebäude aber, wo der neue Nutzer jahrhundertelang außer Stande war, wenigstens über die Zerstörung hinwegzutäuschen; darüber zu glätten und zu polieren, so dass der Besucher nicht denken muss, dass die Zerstörung zum Stolz des neuen Nutzers gehört – ja, ich war schon in der Mezquita! – hatte ich nie gesehen. Bis ich die Hagia Sophia besuchte.

Und jetzt soll es eine wichtige Nachricht sein, dass sie wieder zur Moschee wird?

Enough with scrolling

What you see in the two last pictures are marble fencings of the empress’s gallery in the Hagia-Sophia church – oops, sorry: museum – oops again: mosque in Constantinople – oops…

Anyway, you get the idea… The new masters (“new” is more or less a façon-de-parler since they’ve been there since 1453) gouged out the Christian Symbols but left the destruction for everyone to see.

Some amount of destruction is there when you dedicate a building to another purpose than the one it originally served. The Mezquita of Córdoba is a handy example of a mosque that was rendered vice versa to a church with a vast change of the central part of the original structure. However, the new masters there did bother to make the destruction unseen, tried to embed a cathedral into the mosque without the malicious gesture: “Har, har, har: see what I did?” In the Hagia Sophia, the tidying up of the traces of the destruction didn’t happen in the last five-and-a-half centuries. Now, it will become a mosque again. This gives me the motivation to deploy my associations pertaining to the building. They have more layers than the baclava served outside it and are the following:

As I said, the Hagia Sophia was first rendered to a mosque in May 1453 when the Ottoman army conquered the city. When this happened it had been a Roman-Catholic church for 14 years, following the church union of Florence in 1439. The Orthodox, those at any rate who were against the union, have avoided the church and services given in it for a decade-and-a-half before it became a mosque.

Four centuries earlier, the Hagia Sophia had been the site of John Italos’s condemnation. John was an Italian-Norman logician who had the title of the master among the philosophers (“hypatos ton philosophon”). Accused by the emperor’s daughter Anna Comnena of too much Aristotle and logic in classroom, he was removed from office and ceremonially so in the greatest of all churches. Anna Comnena must have been a horrible student. In spite of everything, her style is not devoid of charm and I do have respect for a woman author in the Middle Ages. At the same time, it is disgraceful to make your dad, the emperor, fire the professor whose subject you failed. And then, for all of us, it is even more disgraceful to recite since then, every year on the first Sunday of the Great Lent, in every Orthodox church, for almost one thousand years now, the same anathema against philosophy that was released there and then.

It was the time when the Russian Primary Chronicle ascribed to the impressive church the decision of Vladimir I to have his subjects baptised according to the Byzantine rite. A church which was to be looted by the crusaders a century and something later.

This notwithstanding, its name, still preserved until today as a Greek loan, came up to stand also for the collective entity of all saints: wisdom is sanctity and sanctity is the mereological whole of us all. This, originally Russian, popular faith was arguably inspired by the church of the Holy Wisdom. When Sergey Bulgakov, the economist and philosopher, denounced his former comrades to Lenin’s great bitterness, and attempted from his Parisian parish to renovate Orthodoxy to be a more liberal denomination, he called the new doctrine sophiology – alluding to the aforementioned popular faith. Even if each of us is an idiot, we are wise when taken as a whole.

A bigger Pantheon in a city called New Rome and thereby a symbol of cosmopolitanism in spite of the John-Italos episode. If Étienne Tempier, the bishop of Paris who condemned the Aristoteliansm in Aquinas, is not enough to debase the Notre-Dame of whose chapter he had been the chancellor, then Hagia Sophia remains also undegraded in spite of the unpleasant episodes in it. On one hand…

On the other, in no other museum have I met so many bored people ticking off one more must-see from their tourist guide. Which is quite understandable since the focus of the Hagia-Sophia Museum is not on its art but on the historical event of the conquest. And, I mean, come on: even if I don’t care about the museological concepts in far countries, I am still concerned about the education they give to their children…

This is why I think that rendering the Hagia Sophia to a mosque is not the important news about it.