Proud of her

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Ich weiß, dass ich meiner Tochter eine christliche Zuversicht nahelegen soll. Aber gleichzeitig bin ich Grieche. Deshalb bin ich auch auf Nichtchristliches stolz.

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My daughter says that life’s not just. I know that I have to give her a Christian education. But I’m also happy for every piece of Greekness in her…

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Thank Goodness back to business…

A call for papers was recently launched by Kordula Świętorzecka and Srećko Kovač.

I won’t be able to be there this time but maybe something for you.

Janus annum circinat

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Dass Janus das Jahr zur Wende bringt, ist nicht ohne Weiteres klar. Normalerweise verbinden wir mit ihm einen Neuanfang. Das ist nicht besonders klug. Auch bei den besten Neujahrsbeschlüssen fangen wir nicht bei Null an. Die Wende ist ein Richtungswechsel, kein Neuanfang.

Punkt, Spiel und Partie also für den Codex Latinus Monacensis 4660, Lied 56: „Janus bringt das Jahr zur Wende“.

Dass wir trotzdem von Neuanfang reden, hat immerhin eine Berechtigung. Janus ist das geeignetste Symbol für die Veränderung des Gleichbleibenden und den Dialetheismus. Bei einer contradictio in terminis kann von mir aus von einem Beginn des Neuen ohne das Ende des Alten die Rede sein. Wer einwendet, dass die Realität frei von Widersprüchen ist, dem würde ich auch Recht geben. Dass es einen ersten Januar gibt, ist ein Teil unserer Sprache, nicht der Realität.

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Janus curves the year. What a strange verse! Not only linguistically. We mostly associate new beginnings with him, not curves.

Otherwise, new beginnings and new year’s resolutions are overestimated. We never begin at point zero. We just (wish to) change. And a change is a turn, a curve, not a beginning.

Game, set and match go to the Codex Latinus Monacensis 4660, carmen 56: „Janus curves the year“.

I would tolerate „new beginning“ talk whatsoever. Janus is a symbol for the change of something that remains the same and for dialetheism. When the symbol itself invites contradiction, there’s not much to prevent you from seeing a beginning of the new even if the old still remains. You can say that reality is free of contradiction, of course, but Janus and January are parts of language, not of reality.

Dyscalculia and Kripkenstein and Christmasstein

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Ich liebe Weihnachten.

Hassen tue ich nur die Art, wie es begangen wird. Ich fühle mich fehl am Platz oder eben in der Zeit, wenn ich Ende Dezember weiter nachdenke, wo es zum Brauchtum gehört, das Negieren des Denkens besonders vehement zu üben.

Dem neuen Trend, Dyskalkulie als ein klinisches Bild zu umreißen, kann ich durchaus Gutes abgewinnen. Nicht dass ich die Dyskalkulie für einen physischen Defekt halte. Eher für einen philosophischen Hang zur Skepsis. Aber bei jedem philosophischen Knacks verringert es den Stress, wenn man externalisiert, wenn man sagen kann: „Das bin nicht ich, sondern das Daimonion“ – so frei nach Sokrates.

Bei den Dyskalkulie-Betroffenen ist ein skeptisches Daimonion am Werk. Es diktiert als Fortsetzung der Reihe:

⏹⏺🔼⏹

sowohl diese:

⏹⏺🔼⏹⏺🔼⏹⏺🔼

als auch diese:

⏹⏺🔼⏹⏹⏺🔼⏹⏹⏺🔼⏹

Dyskalkulie-Betroffene ändern die Regeln, weil sie keine präzise Regel erkennen. Aber so spielen Kinder die ganze Zeit. Selbst Erwachsene sind nicht in der Lage, sich in die Lage eines Autisten hineinzuversetzen, der bei einer einminütigen Verspätung des Zuges aggressiv wird. „Die einminütige Verspätung ist keine Verspätung“ sagen Sie? Das ist eindeutig nicht wohlkalkuliert!

Es ist eine sehr wichtige Lektion aus Wittgensteins Spätphilosophie, dass jedes Regelverständnis ein Verständnis für die Art vorausssetzt, wie die anderen die Regel verstehen. Das ist zirkulär. Man kann argumentieren, dass diese Lektion nicht Wittgensteins Intention war, nur Saul Kripkes Interpretation der Spätphilosophie Wittgensteins. Das macht die Lektion nicht weniger wichtig.

Meine Lektion habe ich auch gelernt mit dem Ergebnis, dass ich insbesondere an Weihnachten Sympathie für die Dyskalkulie hege. Denn ich habe Dysfestie – so nenne ich sie jedenfalls. Ich verstehe nicht, wieso wir etwas feiern, was wir weniger und weniger – OK, ich verstehe das vielleicht – bis  militanterweise antiintellektuell und bis ins Knochenmark feindlich begehen.

Frohe Weihnachten allerseits!

PS: Das Gemälde von Nikephor Lytras Ta Kalanda (1872 – ungefähr zu übersetzen als „Das Kalendenlied“) schildert einen griechischen Weihnachtsbrauch und steht unter dem Einfluss der Münchener akademischen Schule. Als jahrzehntelang Münchener und als jemand, der immer noch den Brauch begeht, fühle ich mich Lytras an diesen Tagen sehr nah.

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I love Christmas.

I only hate the way it’s typically celebrated. When I continue thinking during Christmas time, I feel like being a phoney just in the time of the year in which thinking is mostly disallowed.

Defining dyscalculia as something that is clinically diagnosed serves as a means to reduce the stress and to externalise. A Socratic person with dyscalculia can say something to the effect of: „It’s not me, it’s the demon who causes my failure to do a number of things concerning numbers“. Although I don’t think that dyscalculia is a handicap in the sense of dyslexia, I’m very positive towards the new trend to see it as an obsession in the broadest meaning of the word.

However, I don’t think that dyscalculia has a physical grounding. Rather a philosophical. People with dyscalculia are sceptics who can do nothing about it.

Take the sequence:

⏹⏺🔼⏹

Do you continue it thus:

⏹⏺🔼⏹⏺🔼⏹⏺🔼?

Or thus:

⏹⏺🔼⏹⏹⏺🔼⏹⏹⏺🔼⏹?

Here, the rule is not clear. But, in a way similar to this, no rule is clear and this is why one has to use imagination in every rule following. To me dyscalculia appears to be akin with playing games by rules that you feel inclined to slightly modify in the process. This is the way kids usually play games and the reason even we as adults can’t feel empathy for an autistic person who gets aggressive because the train had a one-minute delay. „One minute is not a delay“ I hear you saying. This appears to be a dyscalculous approach.

Kripke showed that a very basic lesson to learn from Wittgenstein’s late philosophy is that, in order to understand a rule, it is essential to understand how the rule is to be understood – which is a circular thing… It is argued that this lesson wasn’t Wittgenstein’s intention but even so, the lesson is there.

Having learned my lesson, I appear to have empathy for people with dyscalculia in a certain way: I have dysfestia – if I may call it thus. I don’t understand how comes that we celebrate something we cared less and less and less about – OK, maybe I understand that – to finally not care about it at all and militantly so.

Merry Christmas everybody!

PS: The painting is Nicephorus Lytras’s Ta Kalanda (1872), a masterpiece in the manner of the Munich School depicting a Greek Christmas custom.

Didactics and ideology

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Kariertes Papier benutze ich wie jedermann für Graphen. Dabei ist es sehr oft (fast immer) der Fall, dass die Werte für x ganze, für y jedoch nicht ganze rationale Zahlen sind. D.h. entlang der y-Achse muss man sehr oft feiner unterscheiden. Halbformale Erklärungen kommen zu jedem Graphen hinzu. Für diese benutzt man die horizontalen Linien des Karomusters als Schreibheftlinien – und zwar auf einer Höhe, die oft von der Hauptkarierung abweicht.

Wenn ich in Obigem richtig liege, kann mir jemand erklären, warum wir nicht auf dem ganzen Globus französische karierte Hefte benutzen?

Meine Vermutung ist, dass wir, die Nachbarn Frankreichs, es nach einer alten Gewohnheit machen – dass Gewohnheit der einzige Grund ist, nicht die offensichtlichen Vorteile der französischen Mathehefte zu nutzen. Aber das ist bereits Ideologie.

Wie ich immer wieder Anlass habe festzustellen, ist nicht nur die Pädagogik ideologisch durchdrungen, nicht nur ihre Ziele, nicht nur die Selektion der Fächer, nicht nur die Hervorhebung bestimmter Bereiche – wie neuerdings etwa die Formalisierung der Sprache und die Einführung der Finanzmathematik in die Schule. Auch die Didaktik ist ideologisch: Die Lehrmethoden sowieso und die nichtsprachlichen Unterrichtsmaterialien nicht minder!

Mehr Beispiele? OK, ich frage dann: Bourbaki oder Konstruktivismus, um Mathe zu unterrichten? Der Konstruktivismus liefert intuitive Klarheiten. Der Bourbakismus ist aber fundiert. Im Unterricht braucht man Ersteres mehr als Letzteres. Also für den Konstruktivismus trotz LMU, trotz Hans Burkhardt, der Lorenzen in schlechter Erinnerung aus Erlangen behalten hatte (Originalton Lorenzen: „Kommen Sie uns nicht mit Philosophie, Herr Burkhardt! Hier machen wir Geometrie“ – ist es nicht trotz allem sympathisch? Hans hat das natürlich gehasst, so viel ist klar…).

Und die beste Philosophie-Didaktik? Die vom deutschen Ethikunterricht oder die vom französischen „bac„? Muss ich’s sagen? Bei so viel Religion und Moralismus in Bayern und Thüringen bin ich für den französischen Unterricht. Beziehungsweise, wenn ich an die Bezugnahmen auf Peter Bieri in deutschen Schulbüchern denke, bin ich gleich für die Auswanderung, am besten nach Frankreich. Das ist zwar nicht der Grund, aus dem meine Töchter in der Schweiz zur Schule gehen, aber wenn ich mir vorstelle, dass Marta in einer staatlichen bayerischen Schule in vier Jahren hätte mit der Erkenntnis nach Hause kommen können: „Wow, Papa, wusstest du, dass der bekannte Moralphilosoph Peter Bieri der große Pascal Mercier ist?“…

Brrrr!

Valentin Voloschinov hatte seinerzeit gezeigt, dass jede Form der Kommunikation, die nicht auf bloßer Quantifizierung beruht, ideologisch ist. Das betrifft sogar das Karopapier und man sollte damit leben beziehungsweise bei bildungspolitischem Dissens die Sachen packen und woanders leben. Das habe ich z.B. zweimal gemacht. Ich würde es auch ein drittes und ein viertes Mal machen…

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When you make graphs it’s very often the case that you take integers on the abscissa axis and real numbers that are not integers on the ordinates axis. That is, you need lines for fractions of your base unit rather on your ordinates than on your abscissa axis, which means that you need more horizontal than vertical lines. Additionally, very often you use the horizontal lines of your squared paper to write your halb-formal comments and explanations and, by doing so, you will probably write down rows that are not as narrow as the squares provided.

If I’m right in all this, I can’t see why French graph paper hasn’t conquered the globe! If you ask me, there shouldn’t be any surrogate, any competition to this product.

I assume it is habit that prevents people outside France from seeing the advantages of French graph paper. Now, if I’m right in this too, the root of the problem is ideology.

And this is difficult to accept. I mean, I can easily accept the fact that the aims, the selection of issues and topics, and the methods of education are not ideologically innocent. But it’s a completely different thing if we have ideological preferences towards our tools.

Do you want more examples? Is Bourbaki or constructivism the best way to teach mathematics? I’m a constructivist even if by this I diminish the importance of set theory for education. But the French I know are Bourbakists. So, I suppose that in this I am rather of German taste – I confess that I became this in contrast to all my German teachers who where rather of Bourbakist taste.

Otherwise, what is the best way to teach students critical thinking and to make them better readers and authors: the subject Ethics of German schools or the French preparatory courses for the baccalaureate? Here I’m clearly for the French. Because there’s too much multicultural Abrahamitic hand-waving in the school subject ethics in Bavaria and Thuringia, and even mentionings of Pascal Mercier without his pseudonym. I mean, they mention his Berlin-University name because of this book on ethics he wrote titled The Handicraft of Freedom. If you send your kid to visit religion classes – or to France – she definitely learns more philosophy…

As Valentin Voloshinov showed many years ago, every realm of communication that doesn’t rely on number only is a part of ideology. We have to live with this.

Surprise #2 or: da Doumani a Cumani e tra le mie mani

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Zeit meiner Tätigkeit im SPP 1173 musste ich Jahre über Jahre Historikern über die Schultern gucken, lange genug also, um zu wissen, dass die vielen Gesichter des zeitgenössischen geschichtswissenschaftlichen Konstruktivismus – histoire croisée, Postmodernismus, oral history – etwas gemeinsam haben, womit ein analytischer Philosoph aus wissenschaftstheoretischer Perspektive nicht einverstanden sein kann: den Glauben, dass die historischen Ereignisse Fiktionen sind, Repräsentationen, die sich angeblich einer willkürlichen Selektion von Daten verdanken. Evidenz und Wahrheit waren zwischen 2005 und 2011 Begriffe, um die ich von manch einer jungen Historikerseele als Relikt früherer Jahrtausende angesehen wurde: „Pfff, Wahrheit – wie naiv kann nur der Typ…“ Dabei bin ich ein ungewöhnlicher analytischer Philosoph, der – vor gefühlten Jahrhunderten vielleicht, aber hallo! – seine Abschlussarbeit über Cassirer bei einem Athener Marxisten schrieb, dessen Hauptschwerpunkt die Geschichtsphilosophie und die Epistemologie der Geschichte war.

Ich will damit sagen, dass der historische Positivismus à la Ranke bestimmt keine Option für mich ist. Bloß finde ich es Eigenblendung zu behaupten, etwa Pogrome würden sich nicht ereignen, es hätte bloß vermehrt „Diskurse“ gegeben, wonach einzelne Individuen abermals vermehrt die Wut gegen andere einzelne Individuen gepackt hätte. Was Collingwood oder Popper nicht wagten, den Gegenstand der historischen Forschung in Einheiten zerfallen zu lassen, die kleiner wären als die Einflusssphäre der historischen Persönlichkeit oder die einzelne Institution, wagt aber die Postmoderne. Der Gräuel der Geschichtsschreibung davor, den historischen Bericht auf literarische Komparatistik zu reduzieren oder mündliche Überlieferung und Geschichtsschreibung als gleichwertig zu behandeln, lässt die histoire croisée kalt und die oral history unbeeindruckt. Beides hat zu Folge, unqualifizierte Meinungen oder Animositäten auf gleiche Stufe mit wertneutralen Beschreibungen zu setzen, oder auch die aus nüchterner Archivarbeit hervorgehende Opferzahl gegen die Selbstwahrnehmung von ein paar Tätern abzuwiegen.

Meine schlechte Meinung von der oral history hat Nicholas DoumanisUna faccia, una razza deutlich verbessert. Der Autor, australischer Italien-Experte mit griechischen Vorfahren, war mir nicht bekannt, geschweige denn das Buch, das mir der Freund Claudio Cumani vor Jahren schenkte. Erst heuer fand ich die Zeit, es zu lesen und festzustellen, dass die oral history mit Archivforschung gepaart weberianisch koscher sein kann. Die italienische Kolonisation, Administration und (auf die Italisierung hindeutende) Bildungspolitik auf Rhodos in den Dreißigern und frühen Vierzigern ist reichlich belegt und die Augenzeugen gab es noch, als Doumanis die Feldforschung ausführte.

Eine autobiographische Komponente für mich hatte die Lektüre auch: Die Hälfte meines Wehrdienstes verbrachte ich als (wohlgemerkt griechischer) Feldwebel in der Carabinieria des verlassenen, heute von der griechischen Rhodos-Division benutzten, halbverfallenen italienischen Kolonistendorfes Peveragno. Zu einem Dezember-Gottesdienst am Fest des Heiligen Domestus, nutzten wir die „moderne“ Spitzbögenkirche unserer, der „italienischen“, Kaserne – na ja, ansonsten waren uns sonntags die meist byzantinischen Dorfkirchen im Umland lieber, da den Tarnuniformgewandeten nichts so sehr aufbaut wie der Umgang mit Zivilisten.

Aber gerade dort erzählten uns, jungen Infanteristen, die alten Rhodier stets Geschichten über die „bösen italienischen Schulen 1932-1944“, wo Kinder z.B. angemahnt worden seien, sich auf römisch-katholische (vierfingerig, erst links) und nicht auf griechische (dreifingerig, erst rechts) Weise zu bekreuzigen. Gerade bei solchen Animositäten, die sich in einer mündlichen Überlieferung als urban myths verfestigen und überhöht werden – bin ich sehr vorsichtig.

Doumanis auch…

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During my work in the funding scheme SPP 1173 of the German Society of Scientific Research (DFG) I had the opportunity to watch how historians practice their discipline, i.e. something about which I’ve spent thoughts for decades from the standpoint of the philosophy of history and epistemology. Most members of SPP 1173 were historians, you see… The time between 2005 and 2011 was long enough to realise that the different faces of historiographical constructivism – histoire croisée, postmodernism, oral history – have something unacceptable in common, at least unacceptable for an analytic philosopher: the view that historical events are representations not essentially different from fictions and dependent on an arbitrary selection of an empirical basis.

Now, I’m not saying that I prefer historiographical positivism in Ranke’s manner. But isn’t it self-blinding to seriously consider atrocities not to have happened? To talk of „discourses“ instead, according to which a number of individuals have been aggressive against other individuals?

Collingwood and Popper would never dare to reduce events to something smaller than the influence of historical personalities or institutions. It’s postmodernism that has done the unthinkable: it tries to make you cope with historiography as a discipline that bears no difference to comparative literature. „Tell me what the victims say, and then tell me what the perpetrators say, and let us think that the truth – which doesn’t exist anyway – lies in the middle“. The histoire croisée and the oral history are not only postmodern developments of historiography. They are post-mortem symptoms thereof…

Nicholas Doumanis’s Una faccia, una razza amended my bad opinion of oral history. Unknowingly to me, the author is an Australian scholar of Greek descent and with a focus in Italian history, and the good friend Claudio Cumani wanted to make me familiar with his work – years ago.

Alas, I only found the time to read the book years later – in 2018 – to discover that the oral history can be fruitful when paired with classical work in archives and with literature.

The Italian occupation of the Dodecanese and the cultural policies of the Italian state towards the assimilation of Rhodians and the other islanders in the 30s and the early 40s are very well known but it would be a pity if Doumanis hadn’t taken the pains to meet the remaining witnesses.

I read the book also out of an autobiographical interest. Half of my military service I spent in the old carabinieria of the abandoned Italian village of Peveragno in Rhodes – a ghost village of colonists, now a military area, where for decades only people in uniform – white cross on blue instead of the previously red background – have been. It was on an 18th of December when we had used – only once – the „Italian“ St. Domestus chapel of our barracks. For the Sunday service we used to prefer the mostly Byzantine churches of the surrounding villages. In the depth of their hearts, you see, soldiers enjoy talking with civilians.

This was, however, where old Rhodians wanted to tell „an obviously learned sergeant of the infantry“ about the „evil Italian schools“ of their times where the teachers urged them to make the sign of the cross with four instead of three fingers, urged them to pass their hand from the left to the right shoulder instead of vice versa.

Well, animosities, especially very old ones like those of the Aegean against the Adriatic, and like those of the New Rome against the Old Rome can be urban myths and the learned have to be cautious when they report them.

Doumanis is cautious…

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Pictures courtesy of the author and Marcella Arca Petrucci (ed.), Atlante geostorico di Rodi, Roma: Gangemi, 2011.

Moral games

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Bereits seinerzeit hatte sich David Hume mit den Ursachen der religiösen Hasspredigt beschäftigt und bemerkt (History of England, am Anfang von Kap. 29), dass zwei antagonistische Prediger einzig und allein deshalb zu Hasspredigern werden müssen, weil sie sich selbst und ihre Botschaft gegenüber dem Antagonismus überhöhen müssen:

Eine etwaige Kompromissgeste ihrerseits wäre für Religionen, die den alleinigen Wahrheitsanspruch erheben, ein Zeichen der Unglaubwürdigkeit, so dass der andere Prediger mit polemischer Rhetorik den Sieg davontrüge. In der Naturgeschichte der Religion hat Hume dargelegt, dass monotheistische Religionen zu mehr Intoleranz tendieren als polytheistische. Um möglichst keinen Nachteil zu haben, verzichten die Kleriker auf den gemeinsamen Vorteil der Kooperation. Das ist natürlich eine Instanz des Gefangenendilemmas.

Das Gefangenendilemma ist für den Erstsemester-Wow-Effekt beliebt, den Effekt: „So dumm: würden sie kooperieren, hätten sie beide was davon und, nur weil sie es nicht konnten, bekommen sie die erdenklich schlechteste Lösung“.

Zwar nicht paradox aber gewissermaßen ähnlich ist die Situation in der Basler S-Bahn im Berufsverkehr: sie stellt ein spieltheoretisches Pessimum dar. Um auszuschließen, beiderseits bedrängt zu werden, stehen am Anfang der Fahrt blockierende Fahrgäste möglichst nah an der Tür. Der Korridor bleibt leer, um dem Blockierer wenigstens von der einen Seite ein Gefühl der Freiheit zu geben. „Von der einen“, weil auf der anderen Seite, Richtung Tür, Haltestelle für Haltestelle, die nachströmenden Fahrgäste drängen. Zweitklässler von der deutschen Schule kurz vor der Staatsgrenze, die sich nicht trauen, den Blockierer zu bitten, Platz zum Vorbeikommen zu machen; Behinderte im Rollstuhl; Omis; Fahrgäste vor der Tür, haufenweise. Der Korridor hinter dem Blockierer bleibt frei… Tja, spieltheoretisch gesehen ist das Einsteigen in die Basler S-Bahn ein Triumph der nichtkooperativen Lösungen, weil das Nash-Gleichgewicht beim größtmöglichen Nachteil der zugestiegenen Fahrgäste (gedrängt sein) und des Blockierers (für ein Idiot gehalten zu werden) liegt, was in einer eher übersichtlichen urbanen Agglomeration, wo die Leute stets aufeinander hocken (zweihunderttausend Einwohner hat der Kanton Basel-Stadt, nochmal so viele der baselländische, nochmal so viele der Landkreis Lörrach) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

In manchen der Großstädte, die ich kenne, Athen, München, Belgrad, wird der Blockierer geschubst. Dadurch wird der Blockierer gezwungen, nicht als Idiot zu glänzen, und ein wenig mehr Platz für die anderen gibt’s auch noch. Wie man sieht, kann das Schubsen paradoxerweise zu einer kooperativen spieltheoretischen Lösung führen.

Klammer auf:

„Idiot“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich „eigenwillig“, auch „Privatmann“, „auf eigene Regie Handelnder“.

Klammer zu.

Hume hatte es in History of England, a.a.O., gebilligt, seinem avant-la-lettre-spieltheoretischen Pessimum mit einem staatlichen Eingriff entgegenzuwirken – allerdings mit keinem negativen reinforcement wie etwa das Schubsen, sondern positiv durch Bestechung. Er schlug vor, Korruption als Faktor in das spieltheoretische Modell hinzuzufügen. Der Staat erkauft den Frieden, indem er die Hassprediger dafür bezahlt, tatenlos und schweigsam zu bleiben. Korrupte Hassprediger sind zu Kooperationen bereit und deshalb ehrlichen vorzuziehen.

Idioten lassen sich weniger vom Schubsen beeindrucken, deshalb klappt das Platzmachen wohl nur in Großstädten, wo es mehr Schubser gibt. Das Schmieren von Hasspredigern sollte unabhängig vom Standort gelingen.

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In the beginning of ch. 29 of his History of England, David Hume states that clerics of two antagonistic „sects“ cannot but propagate religious hatred. Especially in monotheistic religions (he thinks in the Natural History of Religion that these are more intolerant than the polytheistic), any gesture of compromise would make the (superstitious) public believe that the message is unreliable, the antagonistic cleric would achieve a victory on the symbolic level if he continued to preach a

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in the struggle to preach more hatred than the others. This is, of course, an instance of the prisoner’s dilemma.

First-semester enthusiasts love the prisoner’s dilemma for the clear insight it gives: „It’s so stupendous not to be able to have the common advantages of cooperation only because you didn’t bother to talk to the other“.

Game theory is an issue in the Basel suburban morning trains too. Those who get on the train early want to ensure that they will have the illusion of some comfort at least from their one side. This side is the corridor. It can’t be the door area, from the other side, since the door opens every two or three minutes at every train stop for more passengers to embark. Consequently, the early bird stands in front of the corridor so that no one would pass by. The kids of the German school close to the state border, the emigrant without knowledge of German, the old woman who doesn’t know that there are handles to hold on in the corridor, would rather not dare protest. The corridor remains empty while the door area has the desperation but not the anger of a riot. Yes, getting on the Basel suburban train is a triumph of noncooperative game-theoretical solutions, since the Nash-equilibrium is the worst of cases: the one party is squeezed until they reach the main station, the other is the blocking blockhead. In an urban agglomeration of totally six hundred thousand inhabitants (one third of this is the population of the city, the population of the neighbouring German towns make up another third, the last third, finally, are the inhabitants of the canton Basel-Landschaft) this is not always without reidentifications of the kind „I know him, he lives across the street where my sister lives“.

In some big cities I happen to know better, Athens, Munich, Belgrade, the blocking individual will be pushed to give way. The others give him the chance to stop being an idiot and they get some extra space for this service. As one sees, pushing can be a cooperative game-theoretical solution.

I know that it is offensive to speak of an „idiot“. I ask the reader to acknowledge the mitigating circumstances. One of them is the fact that the word is of Greek origin and means „of his own“.

Hume thought it a good measure to block the game-theoretical pessimum of religious hatred he had in mind centuries before its time, by means of a positive reinforcement (instead of a negative like pushing): bribing the clerics for their indolence – but only for their indolence. Corrupt clerics are more cooperative than honest fanatics who would rather launch polemics.

One thing is that you can’t impress a blockhead by pushing. This is presumably the reason for the more cooperative nature of train crowds in big cities where pushing is simply more frequent. In contrast, bribing hatemongers is a measure that works independently of location.