Categories and formal mistakes

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Das ist ein lustiger Kategorienfehler, habe ich gedacht. Denn man schreibt entweder “circa 20” oder aber “19”, “17,5” – was weiß ich – ohne “circa” dann.

Allerdings kann man auch so argumentieren: “Circa” ist ein Vagheitsoperator, weshalb alle nicht runden Zahlen in seinem Skopus formale, keine Kategorienfehler darstellen. Aber wenn man so argumentiert, sind alle Kategorienfehler von einem höheren Standpunkt betrachtet formale Fehler.

Die Formalitäten sind allerdings konventioneller Natur. Was die eine Syntax verbietet, lässt die andere zu. Schweizer könnten dann argumentieren, mit der Angabe 19 Minuten sei die Verspätung noch nicht mit höchster Genauigkeit angegeben. In der Schweiz dürfte man damit getrost sagen “ca. 19” statt “ca. 20”. Das sagt man ja auch. Zudem würde eine genau zwanzigminütige Verspätung des Zuges die Angabe 19 im Nachhinein gewissermaßen auch als vage erscheinen lassen.

Wenn diese schweizerische Art, “ungefähre” Angaben zu machen, berechtigt ist, dann bezieht sich die Vagheit nicht auf die Granularität unseres Messens, sondern auf eine Art “Wahrheitsnähe”.

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I wanted to share this funny category mistake with you: At Basel’s Swiss Station they announced that the train to the German Station (“Bad” stands for Baden, the neighbouring part of Germany, and should not be confused with the English lexis) has a delay of “about 19 minutes”. This is a delay I, for example, would indicate either as “about 20 minutes” or as “exactly 19 minutes” but never as “about 19 minutes”. “About”, “roughly” and the like demand indications in terms of rounded numbers.

However, one can make the case against my category-mistake claim, rather for a formal mistake, by arguing as follows: “about”, “roughly” and the like are vagueness operators not to have nonrounded numbers in their scope by the rules of syntax. Syntax, in its turn, is conventional. The one syntax prohibits things the other allows. And since the announcement about the 19 minutes “roughly” is in Switzerland, the Swiss can plead to follow their rules instead of anyone else’s. They can say that using an odd number does not make an indication exact. Or that if the train happens to arrive in exactly 20 minutes, the reference to 19 minutes “roughly” is not a mistake of any kind. 19 is, after all, close to 20 but not exactly 20.

If they are right, vagueness is not a matter of the granularity of our measurements but one of verisimilitude.

Le collectivisme

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Lasst die Statuen stehen. Diese Menschen, die sie abbilden, können wohl auch wegen einer Tugend bewundert werden. Sie werden doch auch etwas anderes gewesen sein als Sklavenhalter.

Im Gegensatz zur bildenden Kunst, die so oder so interpretiert werden kann, huldigt ein Text, eine Inschrift, die ich letzte Woche beim Spazieren ganz nahe beim Bahnhof Basel SBB entdeckte, dem Tribalismus und, als wäre das nicht genug, konkretisiert sie auch die künstlerische Botschaft so, dass ich z.B. (die Person im bestimmten Körper) genauso heilig bin, wie das Kollektivwesen, dem ich angehöre.

Ich bezweifle, dass es Wandalentrupps mit Gips in der Hand gäbe, die solche Inschriften übertünchen würden, wenn K.R. Poppers methodologischer Individualismus das vorherrschende Paradigma der Geschichtswissenschaft wäre. Denn unsere (offenbar austroliberale) Lehrerschaft würde dann nur den Menschen beibringen, über die historischen Quellen zu reflektieren statt herzufallen. Mehr nicht.

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People all over the world were attacking statues that, in their eyes, depict white suprematism when I discovered this inscription while strolling through downtown Basel.

Although the inscription oozes with tribalism – frankly, I don’t want to be respected in virtue of being Greek and those who would see me thus would not see me after all – obviously no one bothers to vandalise it. Not only because K.R. Popper’s methodological individualism is not the leading paradigm in historiography. Also because individualists, an Austroliberal kind of people, want to teach you how to reflect on historical sources rather than to destroy them. NB, even if the source in question is a text, which unlike a piece of art, makes the tribalist message explicit.

The piece of art, normally a depicted person, can, after all, be taken to be exposed due to beauty or – there must have been one – virtue.

Lingua franca gratia francorum

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Mit der Gutschein-Aktion “Support your locals” versucht ein Teil des Basler Einzelhandels, den lokalen Konsum anzuregen. Wohl verständlich, wenn man bedenkt, dass alles – aber wirklich alles – über die Grenze nach Frankreich oder Deutschland den halben Preis hat, ferner dass diese Grenze mit Tram, Velo oder auch zu Fuß einfach und schnell erreicht werden kann. Zwar bleiben die epidemiebedingten Ausreiseeinschränkungen vorerst, aber diese werden nicht ewig sein und in dieser kurzen historischen Parenthese geschlossener Handelsstaaten werden wohl ein paar mehr Gutscheine verkauft werden, die auch viel später werden eingesetzt werden können.

All das ist verständlich. Was jedoch unverständlich ist und an performativen Widerspruch grenzt, ist die Äußerung des Appells zur Bevorzugung des Lokalen in der globalen Sprache.

Der performative Widerspruch ist kein formaler Widerspruch. Um den Plakaten der Aktion einen Widerspruch herauszulesen, muss der Leser die stillschweigende Prämisse hineininterpretieren: “Die Aufforderung zum Shopping um die Ecke ist mit Lokalpatriotismus und somit mit Baslerdeutsch verwandt”.

Das ist nicht der Fall. Das globale Dorf ist ein Sammelsurium nicht aus lokalen Kleindörfern, sondern aus globalen Kleindörfern. Es ist eine homogene Welt. Die Vogelperspektive zeigt nichts anderes, als was man im Kleinen sieht.

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Currently, the Basel voucher is being propagated with the words “Support your locals”.

Considering that if you cross the border to France or Germany everything will cost half the price, this is understandable. Add the fact that the next French or German supermarket are only a walk, let alone a streetcar ride away from downtown Basel, you can see the problem for the retail trade of Northwest Switzerland.

Covid-19 made the borders close but this is a temporary exception. In this short parenthesis and revival of closed commercial states, some additional vouchers will be sold and they will be used much later. Advertising the advantages of a local voucher now is a good idea.

However, since the locals mostly speak German (some are bilinguals using French and German), it is a performative contradiction to use an English slogan for an action supposed to promote local retail trade.

Performative contradiction is not a formal contradiction. Formally you would have a contradiction if you see a tacit premise to the effect of: preferring local shops goes hand in hand with preferring local languages. Otherwise no.

Therefore, rather no. The global village does not consist of little local villages any more than it consists of little global villages. Which means that the world becomes more homogeneous. The big picture is what you can already see in the detail.

Ordo Euboeorum

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Wer jahrzehntelang Max Weber neben dem Bettkissen hatte, betrachtet verschiedene Formen der Askese als charakteristisch für bestimmte Religiositäten. Es ist ein Künstler, der mir die Idee gibt, dass Webers Verhältnis zwischen Askese und Religion umgedreht werden kann.

Jorgos Suras lernte ich vor drei Jahren kennen. Damals klingelte er an unserer Tür. Ob wir des Griechischen mächtig seien. Ruth war allein zu Hause. Wären ich oder die Kinder da, hätte er eine bedenkenlosere Antwort erhalten.

Den Rest der Diskussion hat mir Ruth telefonisch wiedergegeben. Herkommen tue er von einem kleinen Fischerdorf im Norden Euböas, Agiokampos. Nicht vom großen Agiokampos bei Larissa mit dem langen Sandstrand. Nein! Das sei ein kleines, zwei-hundert-Seelen-Agiokampos mit vielen kleinen Kiesbuchten auf der Insel Euböa. Ja, ja, die Küste und das Dörfchen kenne meine Frau, schließlich komme ihr Mann ebenfalls von dort, das Olivenöl in unserer Küche sei kein anderes bla-bla-bla… Er: “Spinn i'”; meine Frau ebenso…

Meinen Nachnamen hatte er nicht erkannt und nicht deshalb hatte er geklingelt, obwohl die Berührungspunkte vielzuviele waren. Mein Großvater war eine Zeit lang Bürgermeister der benachbarten Gemeinde und KP-Funktionär, sein Vater – allerdings – Letzteres. Unsere Grundstücke sind ein paar hundert Meter voneinander entfernt.

Aber ich habe seinen Nachnamen wiedererkannt. Ich wollte ihn kennenlernen. Damit habe ich seine Kunst kennengelernt.

Jorgos Suras ist ein säkularer Künstler, dessen Kunst allerdings nicht durch und durch profan ist. Er sieht das Religiöse als einen Spezialfall des Asketischen an. Seine Franziskaner- und orthodoxen Mönche stehen für unsere unmittelbaren atheistischen Vorfahren in der Verbannung der Makronissos; für unsere orthodoxen, eine Generation zuvor, während der langen Monate des gewollten und ungewollten Fastens; für unsere erzwungenermaßen katholischen im Mittelalter (Euböa war venezianisch…); für Entbehrung; für den Umgang mit Sehnsucht.

Meinen Lesern wünsche ich einen schönen dritten Advent.

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One of Max Weber’s substantial contributions to the understanding of religiosity was that he taught us to see asceticism of different forms as characteristic of various religions. An artist tries to show that this relationship between asceticism and religion can be reversed.

I first met Yorgos Souras three years ago – which is not a miracle if you move from the vicinity of Munich to the vicinity of Basel and Mulhouse and get to know Greek individuals there. But which is a miracle given the following circumstances. Ruth was alone at home, the bell rang and this man asked her if she was Greek or at least if she could speak the language. Usually, my wife answers the first question with a clear “no”, the second by saying “a bit”, a thing that rather disappointed the stranger who, however, wanted to speak about himself. He came from a small fishing village, a site rather than a village in the north of Euboea, called Agiocampos. Not the big Agiocampos with the wide sand beach near Larissa in mainland Greece. This is a tiny one of two hundred inhabitants and many small stony coves.

Our pieces of land there came out to be in a distance of some hundred yards from each other. Statistics is not Ruth’s and Yorgos’s specialty but they immediately recognised what an extraordinary coincidence this was. Had he recognized the surname? No, he hadn’t. Despite the fact, that is, that my grandfather had been a mayor of a neighbouring community and a member of the local Communist Party bureau. Which, the latter, his father had also been.

I recognised his surname alright. And I wanted to meet him. This is how I met his art.

Souras is a secular artist whose art is not definitely profane. He regards the religious moment as a special case of asceticism. His Franciscan and orthodox monks could be our parental atheists exiled in desert islands somewhere in the Aegean; they could be our ancestral orthodox during the long fasting periods and already fasting before them; they could be our volentes nolentes catholics in the Middle Ages (Euboea was a Venetian possession); they stand for deprivation and longing.

Zwischen Naumburg und Nizza

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Die Nietzsche-Ausstellung im Basler Historischen Museum dokumentiert Nietzsches Schaffen und Leben aus Basler Perspektive. Porträts Franz Overbecks, des treuen Freundes, Jacob Burckhardts, des geschätzten Kollegen, Teile aus Nietzsches Briefwechsel mit beiden, einen Armsessel, Privatdrucke des vierten Teils vom Zarathustra, und wieder Porträts von anderen Basler und Lörracher Freunden des Exzentrikers – das bekommt der Besucher unter anderem zu sehen.

Es fehlt die Geburt der Tragödie. Aber die Auswahl an Zitaten zeigt außer der herkömmlichen yalommäßigen Rezeption, dass bei Nietzsche eine durchaus interessante Sprachkritik und Skepsis schlummern. Es gibt wohl Menschen, die mehr als 200 Seiten konsistente Argumentation brauchen, um eine Diskussionsbasis zu haben, andere die mit Aphorismen zufrieden sind.

Nietzsche ist für letztere.

Wer in einem Schützengraben hockt, hat wohl keine Zeit für mehr als Aphorismen. Die Propaganda-Feldpostkarten des Zweiten Weltkrieges mit Nietzsche-Aphorismen waren mir unbekannt, aber ihre Ähnlichkeit mit den heutigen marktüblichen aphoristischen Karten ist frappierend. Selbst wenn der Inhalt der letzteren ein anderer ist: Wer kauft heute so etwas, wenn es keine Leute in Schützengräben gibt?

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The Nietzsche exposition at the History Museum in Basel presents documents of Nietzsche’s life and work from a Baloise viewpoint. The visitor will see portraits of Franz Overbeck, the devoted friend, of Jacob Burckhardt, the much admired colleague and one of the most prominent historians of ideas of the 19th century, parts of Nietzsche’s correspondence with these two, an armchair, a private imprint of Zarathustra’s fourth part, portraits again, this time of other friends whom Nietzsche had met in and around Basel.

No mention is made of the Birth of Tragedy. However, the Nietzsche quotations on screens and in movie clips show that Nietzsche’s reflections on language are more interesting than the contemporary perception of his work, mediated mainly by Irvin Yalom, could make one believe. There are intellects out there who need to read more than 200 pages of consistent argumentation before they start entertaining the ideas they discover there. Others are content having aphorisms.

Nietzsche is for the latter.

People in trenches mostly can’t afford reading long arguments even if they are intelligent enough and this is how some of Nietzsche’s aphorisms found their way to Third Reich’s propaganda postcards which soldiers sent back home. Aphoristic messages on postcards – certainly without a Nietzschean content anymore – are still popular in Germany. I reckon that our contemporaries who buy them do not send them home from inside trenches. And this is puzzling.

Basil in today’s Basel

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In Heylers Ausgabe der Episteln und Fragmente Kaiser Julians (Mainz 1828) findet sich auf Seite 522 die auf Kurznachrichten reduzierte Kommunikation zwischen dem heidnischen Kaiser einerseits und Basilius von Cäsarea andererseits, Bischof und der Tradition nach Freund aus Kindertagen des abtrünnigen und mit folgenden Worten provozierenden Staatsmanns:

[Die Christenschrift] habe ich gelesen, verstanden und verworfen.

Darauf der Bischof:

Gelesen aber nicht verstanden. Hättest du verstanden, hättest du nicht verworfen.

Damit machte Basilius die Interpretation der Bibel vom Fürwahrhalten abhängig. Egal, wie man dieses Buch interpretiere, so Basilius, müsse es als wahr interpretiert werden, sonst sei es missinterpretiert. Für einen im Großen und Ganzen guten Autor war dieses Zitat keine Glanzleistung von Basilius. Denn die Bibel besteht nicht aus Tautologien. Damit ist deren (von mir aus unwohlwollende) ungläubige Interpretation nicht zwingend eine Missinterpretation.

Ähnlich und wie eine Replik des spätantiken Heiligen argumentieren diese jungen Leute, welche unser Fürwahrhalten zum Kriterium unserer Interpretation des Klimawandelnarrativs erheben. Nicht nur klingen sie wie fromme Apologeten des vierten Jahrhunderts, sondern ich war auch noch vor nicht langer Zeit ihr Lehrer in Sachen Argumentation…

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Two years ago, some of the students who quite recently hung this banner, were visiting my argumentation classes. And definitely the following things did not happen there:

They were not introduced into Heyler’s old edition of emperor Julian’s epistles and fragments (Mainz 1828) and, of course, never knew a kind of texting cited on p. 522 there, between the pagan apostate and – rumours say – his childhood friend, Basil, the bishop of Caesarea. The renegade emperor wrote:

I read, I comprehended and I condemned [the Bible].

To which the bishop replied:

You read it but did not comprehend it. If you had comprehended, you would not have condemned.

If I had brought this historical example, I would have had the opportunity to explain my students that Basil sees the correct interpretation of the Bible depend on whether one takes it to be true or not. But the Bible is not a collection of tautologies. There are interpretations according to which the contingent sentences in the Bible are false and these interpretations – call them malevolent if you want – do not have to be misinterpretations for this reason. Normally, Basil (church history nicknamed him “the Great”) was an author much better than this.

The fact that my previous students sound in my ears like him when they address the issue of climate change (“The ones who have understood but do not flip out, have not understood at all”) is, as I said, is not an acquaintance they would have with the aforementioned fourth-century texting. They know nothing about the saint whose rhetoric was similar to theirs. I did not introduce him to them. As I said, the subject they had with me was argumentation, not church history.

But I have to declare: I would have told them one more lesson to be learned from logic if I had guessed somehow that they would turn out to be apologists.

Rebecca Horn

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Wer Texte schreiben will, statt Kunst zu machen (hier am Beispiel von Werken Rebecca Horns, gegenwärtig im Basler Tinguely-Museum zu sehen), sollte Texte schreiben. Die Konzeptkunst ist selbstverleugnend.

Im Gegensatz zur Konzeptkunst steht die kantische Kunst, d.h. dekorative Kunst, die nur wegen unseres Wohlgefallens und keines Interesses am Objekt bewundert wird. Die kantische Kunst widerspricht sich: Niemand bewundert das Unattraktive.

Die Kunst, die die meisten kennen, befindet sich in der Mitte – genau der Stelle also, die Horn nicht kennt.

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After a visit of the Rebecca Horn exhibition at the Tinguely Museum in Basel, Switzerland:

Artists who would rather like to write texts, should rather write texts.

In the antipodes of conceptual artists you have the Kantians, i.e. artists who try to depict objects in which the spectator is desinterested albeit aesthetically satisfied. To disable interest in a human body, Kantians would rather depict human bodies that do not appeal to one’s libido. However, this invites a contradiction. Who would be satisfied from something explicitly unattractive?

The art most people know lies in the middle between conceptual and Kantian art. Horn avoids this spot.

Gestalt floristry

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Der Unterschied zwischen einzelnen Schnittblumen und Blumensträußen ist ein mereologischer: hier die Einzelnen ohne Ganzes, da das Ganze. Begründet sehe ich besagten Unterschied in der Anordnung der Teile. Damit ist die Anordnung kein Teil von vielen Blumen einzeln betrachtet, sehr wohl aber Teil des Ganzen in einem Blumenstrauß. Da aber auf dem Boden der empirischen Wahrnehmung nur Blumen und Grünzeug erkennbar sind, ist die Anordnung von Blumen und Grünzeug ein Metateil. Damit hat der Blumenstrauß einen Metateil als Teil.

Unsere Große hat ihre ersten vier Theatervorstellungen hinter sich. Es geht jetzt zurück in den Alltag.

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The difference between flowers taken individually and bouquets is one of mereology. The individual flowers don’t make up a whole, the flowers of a bouquet do.

The reason for this appears to be an intended structure of flowers and greenery in the case of the bouquet, a lack thereof in the case of individual flowers.

From this I conclude that the intended structure is a part of a bouquet. If I’m right in this, a bouquet has as its parts not only flowers and greenery but also an intended structure. Thereby it has metaparts as parts.

Our elder daughter was on stage – four inspiring performances. Now we return to normal.

Ethics as commodity

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Am sogenannten WOW-day (“WOW” steht für Waldorf One World) findet an Steiner-Schulen rund um die Welt kein Oberstufe-Unterricht statt. Stattdessen gehen die Schüler Rasen mähen, Fenster putzen, mit dem Nachbarshund spazieren, um das, was sie als Dankeschön dafür bekommen, für das Wohl von Menschen aus der Dritten Welt zu spenden: ob’s ein Flüchtlingslager in Griechenland, ein Brunnen in Burundi, ein Kindergarten in Bolivien ist. Der Auftraggeber – ob Garten-, Fenster- oder Hundbesitzer – kauft Sauberkeit, Rasenschnitt, Hundeglück. Der Schüler wiederum kauft mit dem verdienten Geld Moralität, da er es spendet. Auch der Garten-, Fenster-, Hundbesitzer kauft Moralität insofern, als er die Dienstleistung wegen der voraussichtlichen Spende präferiert.

Ethik in welchem Wert? Klassisch gesehen, ist der Tauschwert für moralisch Gutes gleich tatsächlicher Preis minus Normalpreis. In einem Fair-Trade-Laden bezahlt der Kunde den Kaffee teurer, um Wohltaten in Afrika und Lateinamerika mit der Differenz zu finanzieren. Kostet ein vergleichbarer Kaffee bei Aldi neun Euro und im Fair-Trade-Laden zehn, dann ist der eine Euro der Preis der moralischen Handlung, die der Kunde konsumiert. Der spendende Schüler konsumiert also, hat er etwa 40 Schweizer Franken für das Rasenmähen verdient, Moralität im Wert von 40 Franken, da er sein ganzes Verdienst spendet, der Hausbesitzer mit dem Rasen konsumiert aber Moralität im Wert von nur 20 Franken, falls er seinen Rasen normalerweise zu 20 Franken mähen lässt.

Diese Berechnung des Nutzens und Preises beim Produkt: Moralität ist allerdings, wie ich finde, defizient. Nach dem WOW-day sagten mir ein paar Schüler, sie waren gar nicht “schaffe”. Stattdessen spenden sie 40 Franken aus ihrem Taschengeld dafür, dass sie den 1. November auf der Basler Herbstmess’ (einer Art Oktoberfest auf dem ganzen Stadtgebiet sag’ ich mal) statt in der Schule verbringen durften.

Einerseits sind die 40 Franken weiterhin eine Spende für einen guten Zweck, andererseits ist die Differenz gleich null. Denn die Schüler haben damit etwas gekauft: Freizeit.

Sie tun etwas Gutes, gewiss, so wie es der Katze Gutes getan wird, wenn jemand mit einem Fischkopf wirft, um sie zu treffen. Aber dankbar muss die Katze nicht sein.

Lange behaupte ich, dass der klassische Ansatz nicht in der Lage ist, den Wert und damit die Preisbildung der Ware Ethik zu erfassen. Ein ehemaliger Freund, heute weltweit bekannter Ökonom postmoderner Gesinnung, hatte mir in diesem Kaffeehaus in der Nähe vom Syntagma-Platz gesagt – mein damaliges Büro war an der Lekka-Straße, seines Ecke Evripidou und Aiolou, erst viele Jahre später sollte er für sechs verheerende Monate das Büro des Finanzministers direkt am Platz beziehen – “Die klassische Theorie hat keinen Defekt. Du musst sie einfach so ablehnen. Lies aber Amartya Sen”.

Er ist zwischenzeitlich recht berühmt. Ich habe immerhin bessere Beispiele als damals. Und zwar solche auf der Basis des klassischen Ansatzes. Übrigens kalkuliert sogar Marx den Mehrwert auf der Basis der klassischen Nationalökonomie. Wäre er nur ein weiterer Linkshegelianer, würde sich kein rationaler Mensch mit dem Marxismus beschäftigen. Auch Marxens Verständnis von Rationalität setzt das klassische Denken voraus. Es gibt keine postmoderne Nationalökonomie.

Nicht dass der klassische Ansatz deshalb keine Rationalitätslücken und Paradoxien ergäbe! Im Gegenteil. Bloß, dass sie als solche wahrzunehmen sind, setzt den klassischen Ansatz voraus.

Dass die Ethik die Ursache solcher Paradoxien ist, wird eine ethische Intuition vieler Menschen wohl bestätigen.

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On the so-called WOW-day (“WOW” stands for Waldorf One World) instead of having lessons, Waldorf-Steiner students all over the world from sophomore to graduate level clean your windows, make your garden, walk your dog etc. to donate what they earn on this day for a developmental project chosen by the school: a kindergarten in Peru, a shelter for refugees in Greece, medical equipment for Eritrea. You, as the one who hires the student, “buy” clean windows, subsequently the student “buys” ethics by donating the money she earned. And if your motive to hire the student was your certainty that she would donate the money, some amount of it “buys” ethics too. How much? Classically, an ethical action is worth the price you pay minus the normal price of the commodity in question. This is how the slightly higher price of fair-trade shops is perceived. Your pure conscience is worth the coffee price in the fair-trade shop minus the normal coffee price. However, when the student donates the earned money then it’s the whole donation that makes up the value of ethics as a commodity since the student gets no coffee for this – or anything else.

This classical approach is flawed. Just after this year’s WOW-day, I heard some students saying that they didn’t make anyone’s garden to earn the money they would donate. Instead, they would donate their own savings, say, 40 Swiss Francs, to pay for a very enjoyable 1st of November where they had visited Basel’s Herbstmess – a shiny fair with carousels, things to eat, stuff to drink. One intuition is that they’d still donate the amount of 40 Francs. Another is that, by doing so, they’d buy something for 40 Francs – free time – which makes the difference between this commodity and the value of their ethical act equal zero. Again, if you throw a bone to hit a dog and he finds something to eat in it, are you the dog’s benefactor?

For a long time, I’ve been claiming that classical economics does not grasp the price mechanism of ethics as a commodity. In the beginning of my journey in the philosophy of economics someone, back then a friend, in the meanwhile a worldwide famous economist and one of postmodernist spirit, told me – it was in a café in downtown Athens; my office was near, his too – “The classical school is not flawed, you have to reject it in advance! But read Amartya Sen”.

In the meanwhile he’s famous, as I said. But in the meanwhile I have better examples than back then. Examples that don’t change the subject but ones on the basis of calculations. If Marx hadn’t taken the pains to calculate surplus value, no rational individual would be interested in his work. Apparently he also thought that there’s no way you can make sense of economy and rationality going past the classical approach. There’s no such a thing like postmodern economics.

But this is not to say that there are no gaps, flaws, paradoxes in our classical way of thinking. On the contrary, finding out the flaws presupposes the acceptance of the classical approach.

Is ethics the source of many flaws in classical economics? Well, at least many of us have this intuition.

Moral games

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Bereits seinerzeit hatte sich David Hume mit den Ursachen der religiösen Hasspredigt beschäftigt und bemerkt (History of England, am Anfang von Kap. 29), dass zwei antagonistische Prediger einzig und allein deshalb zu Hasspredigern werden müssen, weil sie sich selbst und ihre Botschaft gegenüber dem Antagonismus überhöhen müssen:

Eine etwaige Kompromissgeste ihrerseits wäre für Religionen, die den alleinigen Wahrheitsanspruch erheben, ein Zeichen der Unglaubwürdigkeit, so dass der andere Prediger mit polemischer Rhetorik den Sieg davontrüge. In der Naturgeschichte der Religion hat Hume dargelegt, dass monotheistische Religionen zu mehr Intoleranz tendieren als polytheistische. Um möglichst keinen Nachteil zu haben, verzichten die Kleriker auf den gemeinsamen Vorteil der Kooperation. Das ist natürlich eine Instanz des Gefangenendilemmas.

Das Gefangenendilemma ist für den Erstsemester-Wow-Effekt beliebt, den Effekt: “So dumm: würden sie kooperieren, hätten sie beide was davon und, nur weil sie es nicht konnten, bekommen sie die erdenklich schlechteste Lösung”.

Zwar nicht paradox aber gewissermaßen ähnlich ist die Situation in der Basler S-Bahn im Berufsverkehr: sie stellt ein spieltheoretisches Pessimum dar. Um auszuschließen, beiderseits bedrängt zu werden, stehen am Anfang der Fahrt blockierende Fahrgäste möglichst nah an der Tür. Der Korridor bleibt leer, um dem Blockierer wenigstens von der einen Seite ein Gefühl der Freiheit zu geben. “Von der einen”, weil auf der anderen Seite, Richtung Tür, Haltestelle für Haltestelle, die nachströmenden Fahrgäste drängen. Zweitklässler von der deutschen Schule kurz vor der Staatsgrenze, die sich nicht trauen, den Blockierer zu bitten, Platz zum Vorbeikommen zu machen; Behinderte im Rollstuhl; Omis; Fahrgäste vor der Tür, haufenweise. Der Korridor hinter dem Blockierer bleibt frei… Tja, spieltheoretisch gesehen ist das Einsteigen in die Basler S-Bahn ein Triumph der nichtkooperativen Lösungen, weil das Nash-Gleichgewicht beim größtmöglichen Nachteil der zugestiegenen Fahrgäste (gedrängt sein) und des Blockierers (für ein Idiot gehalten zu werden) liegt, was in einer eher übersichtlichen urbanen Agglomeration, wo die Leute stets aufeinander hocken (zweihunderttausend Einwohner hat der Kanton Basel-Stadt, nochmal so viele der baselländische, nochmal so viele der Landkreis Lörrach) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist.

In manchen der Großstädte, die ich kenne, Athen, München, Belgrad, wird der Blockierer geschubst. Dadurch wird der Blockierer gezwungen, nicht als Idiot zu glänzen, und ein wenig mehr Platz für die anderen gibt’s auch noch. Wie man sieht, kann das Schubsen paradoxerweise zu einer kooperativen spieltheoretischen Lösung führen.

Klammer auf:

“Idiot” kommt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich “eigenwillig”, auch “Privatmann”, “auf eigene Regie Handelnder”.

Klammer zu.

Hume hatte es in History of England, a.a.O., gebilligt, seinem avant-la-lettre-spieltheoretischen Pessimum mit einem staatlichen Eingriff entgegenzuwirken – allerdings mit keinem negativen reinforcement wie etwa das Schubsen, sondern positiv durch Bestechung. Er schlug vor, Korruption als Faktor in das spieltheoretische Modell hinzuzufügen. Der Staat erkauft den Frieden, indem er die Hassprediger dafür bezahlt, tatenlos und schweigsam zu bleiben. Korrupte Hassprediger sind zu Kooperationen bereit und deshalb ehrlichen vorzuziehen.

Idioten lassen sich weniger vom Schubsen beeindrucken, deshalb klappt das Platzmachen wohl nur in Großstädten, wo es mehr Schubser gibt. Das Schmieren von Hasspredigern sollte unabhängig vom Standort gelingen.

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In the beginning of ch. 29 of his History of England, David Hume states that clerics of two antagonistic “sects” cannot but propagate religious hatred. Especially in monotheistic religions (he thinks in the Natural History of Religion that these are more intolerant than the polytheistic), any gesture of compromise would make the (superstitious) public believe that the message is unreliable, the antagonistic cleric would achieve a victory on the symbolic level if he continued to preach a

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in the struggle to preach more hatred than the others. This is, of course, an instance of the prisoner’s dilemma.

First-semester enthusiasts love the prisoner’s dilemma for the clear insight it gives: “It’s so stupendous not to be able to have the common advantages of cooperation only because you didn’t bother to talk to the other”.

Game theory is an issue in the Basel suburban morning trains too. Those who get on the train early want to ensure that they will have the illusion of some comfort at least from their one side. This side is the corridor. It can’t be the door area, from the other side, since the door opens every two or three minutes at every train stop for more passengers to embark. Consequently, the early bird stands in front of the corridor so that no one would pass by. The kids of the German school close to the state border, the emigrant without knowledge of German, the old woman who doesn’t know that there are handles to hold on in the corridor, would rather not dare protest. The corridor remains empty while the door area has the desperation but not the anger of a riot. Yes, getting on the Basel suburban train is a triumph of noncooperative game-theoretical solutions, since the Nash-equilibrium is the worst of cases: the one party is squeezed until they reach the main station, the other is the blocking blockhead. In an urban agglomeration of totally six hundred thousand inhabitants (one third of this is the population of the city, the population of the neighbouring German towns make up another third, the last third, finally, are the inhabitants of the canton Basel-Landschaft) this is not always without reidentifications of the kind “I know him, he lives across the street where my sister lives”.

In some big cities I happen to know better, Athens, Munich, Belgrade, the blocking individual will be pushed to give way. The others give him the chance to stop being an idiot and they get some extra space for this service. As one sees, pushing can be a cooperative game-theoretical solution.

I know that it is offensive to speak of an “idiot”. I ask the reader to acknowledge the mitigating circumstances. One of them is the fact that the word is of Greek origin and means “of his own”.

Hume thought it a good measure to block the game-theoretical pessimum of religious hatred he had in mind centuries before its time, by means of a positive reinforcement (instead of a negative like pushing): bribing the clerics for their indolence – but only for their indolence. Corrupt clerics are more cooperative than honest fanatics who would rather launch polemics.

One thing is that you can’t impress a blockhead by pushing. This is presumably the reason for the more cooperative nature of train crowds in big cities where pushing is simply more frequent. In contrast, bribing hatemongers is a measure that works independently of location.