Avicenna Anglicus

Just released: The أل مدخل, Avicenna’s commentary to Porphyry, translated into English by Allan Bäck (Kutztown University).

My part was much less than my mirrored face on a black, smooth cover can make you believe.

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Peer-reviewed misery #2 or: all the answers and lovely dancers

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Kant erlaubt sich in seiner Schrift Zum ewigen Frieden einen Scherz: Der ewige Friede komme sowieso, ob mit der Verwirklichung des politischen Ideals, das Kriegen vorbeugt, oder auf den Friedhöfen nach dem Krieg. Ähnliches lässt sich über die Umwertung aller Werte sagen: Sie findet statt, wenn der Spießbürger schreit, es gebe zu viele Philosophen und zu wenig Normale, ebenfalls wenn jener zum Philosophen wird und die Disziplin zum Socialising, zum Jargon und zur Äußerlichkeit bagatellisiert.

In der Folge meines Mind-Watch-Postings vor fast drei Monaten wollte ich untersuchen, wie viele der publizierten Aufsätze bei Analysis von Profs oder wenigstens Ehemaligen angelsächsischer Universitäten stammen.

Ich wollte wie bei Mind die letzten fünf Jahre unter die Lupe nehmen. Nach der Untersuchung beider letzten Nummern (Januar und April 2019) von Analysis kam ich auf 100% (in Worten: hundert Prozent) und hörte auf.

Es gibt Wichtigeres zu tun, als noch weiter das Offensichtliche zu untermauern: dass Analysis einer geographisch definierten Ideenproduktion dient und dem zu Folge eine Zeitschrift ist, bei der Beiträge mit Wissen der Identität des Autors abgelehnt werden.

Enough with scrolling

There is black humour between the lines in Kant’s legendary and much celebrated work Perpetual Peace: Perpetual peace will be achieved anyway. If not by implementing the political ideal Kant propagates (a universal order to prevent war) then at least after the war: in the graveyard.

There is something similar, it seems, with the revenge of the simpleminded: The petty-bourgeois will take their revenge towards the intellectuals either by urging too many philosophers and no normal people being around (how can you tell them to shut up without feeling to be racist?) or by becoming philosophers themselves and by degrading the discipline into public relations, jargon and superficialities.

As a sequel to my Mind-watch post some three months ago, I wanted to investigate how many of the original articles and discussions (I did not bother about reviews) published in Analysis were submitted by faculty or at least alumni of Anglosaxon universities.

Like I did with Mind, I wanted to take the last five years into account. I began with the last issue, April 2019, the figure being 100%, and continued with the one before the last, the figure remaining 100%. This is where I stopped.

There are so many more important things to do than to provide more evidence for the rather obvious claim that Analysis is a journal of a certain geographical area and eo ipso not affirming anonymised peer-reviewed submission.

Kalo Paskha

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Ausgerechnet heute spiele ich den advocatus diaboli bzw. Quinei (Ich latinisiere mal Willard Van Orman Quine als „Villardus de Ormano Quineus“). Ein Außenstehender hätte heute Morgen bei uns in der Großfamilie keine Möglichkeit gehabt herauszufinden, wer welchem Glauben anhängt. Wir haben Vertreter aller drei großen christlichen Konfessionen. „Frohe Ostern“ benutzten also heute meine Frau, ihre Schwester und deren Mann in dem Sinne: Heute ist Ostern, also freut Euch; die Kinder und ich dagegen in dem für Ostchristen am Palmsonntag typischen Sinn: Auf das große Fest nächsten Sonntag sollen wir uns gut vorbereiten.

Da wir alle den Wunsch als etwas sehr Natürliches für den heutigen Tag akzeptierten und weitergaben, gibt unser Verhalten Quine (Word and Object ist der Ort, wo er die Theorie ausführlich darstellt), Recht, wenn er meint, unsere Äußerung (ich wiederhole: „Frohe Ostern“) sei in allen Fällen heute Morgen gleichbedeutend gewesen, jedenfalls bis die Westchristen der Familie Capuccini bestellten, während der Ostchrist sich in der Fastentugend des Ristretto übte – die Kinder trinken natürlich keinen Kaffee.

Allerdings wurde nach Quines Ansatz die Äußerung „Frohe Ostern“ heute in der Früh bei uns gleich gemeint, während sie klarerweise nicht von allen gleich verstanden wurde. Wir wissen ja voneinander, dass für die einen Ostern heute ist, während es für die anderen erst in einer Woche gefeiert wird.

Quine hätte wohl hier gesagt, die Bedeutung habe nichts damit zu tun, wie die Leute etwas meinen oder verstehen.

Bei Aussagen könnte ich da ein Auge zudrücken. Aber bei Optativen?

Letztlich polemisiere ich sehr gegen stimulus meaning. Ich finde den Ansatz La-Mettrie-mäßig und fühle mich gerade vor Ostern stets veranlasst, ihn zu hinterfragen.

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Of all days, today I’ll be devil’s advocate. In fact Quine’s.

Today in the morning, outsiders would be clueless about which member of our clan is an adherent to which faith. As a group of representatives of all three of the major Christian denominations we wished each other a Happy Easter. Protestants and Catholics, my wife, her sister, my brother-in-law, wished so in the moment speakers of German typically say „Frohe Ostern„: on Easter. The kids and I however wished so on the day the Orthodox wish „Happy Easter“: on Palm Sunday, which, for us, is also today! On Easter, the Orthodox never say „Happy Easter“. They say „Christ is risen“ instead.

But since our behaviour was quite agreeing in using the words „Frohe Ostern“ and in taking them as the most natural thing to say today, Quine’s argument would be (open his Word and Object for details) that we all meant the same thing until we started to order: the Occidentals cappuccino, one still fasting Oriental espresso – the kids do not drink coffee.

But how can we mean the same thing when we don’t understand the same thing? Quine would say that what words mean is not how people understand what they say.

I grant this view when it pertains to statements. But when it pertains to optatives?

Lately, I’m very critical towards Quine’s stimulus meaning. It appears to me as an account on zombie language, on language of agents without mental states. In the time before Easter it seems less tenable than in the rest of the year.

Maths imitates nature

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Der Konstruktivismus geht davon aus, dass wir mathematische Gegenstände konstruieren, indem wir Merkmale der Anschauung abziehen – etwa kleine Fransen, Unebenheiten… Der Platonismus dagegen sieht in den mesoskopischen Gegenständen hinzugefügte Merkmale – etwa Fransen und Unebenheiten – von wahrgenommenen mathematischen Gegenständen. Entgegen dem Mainstream, der lehrt, der Konstruktivismus sei eine Form des Formalismus, der Platonismus dagegen eine Form des Logizismus, sehe ich immer mehr Ähnlichkeiten zwischen Konstruktivismus und Platonismus. Denn, was heißt hier „dagegen“? Beide, Konstruktivismus und Platonismus, sind metaphysische Positionen, die von Dingen sprechen. Dagegen – hier zu Recht so – spricht der echte Formalist nicht von Gegenständen, sondern von Beschreibungen.

Ein Schneesturm bei starkem Westwind über Mittelschwaben oder sonstwo kann Beeindruckendes in puncto Philosophie und Didaktik der Mathematik zeigen.

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Constructivism assumes that we construct mathematical objects taking away characteristics of perception: irregularities, bumps… In contrast, Platonism sees in mesoscopic objects nothing but mathematical objects with some perceived extras like irregularities and bumps. Despite heavy contrast there are more similarities between these two metaphysical views than one might think. The mainstream view is that constructivism is a school of formalism and Platonism a school of logicism. I do not share this view. Like Platonism, constructivism assumes that mathematical objects are real while formalism proper would rather speak of descriptions than of objects.

It is remarkable what a snowstorm and strong winds in Middle Swabia or somewhere else can demonstrate in the philosophy and didactics of mathematics.

Cold cults / Kalte Kulte

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Nur weil ich das Buch in meinem letzten Posting nannte: Papaioannous Plädoyer in Ideologie froide für einen nicht orthodoxen Marxismus mit Bezugnahme – ausgerechnet- auf Marx und Engels ist hochgradiger performativer Widerspruch.

Die gibt es, die Menschen, die kalt um Wärme werben, ja die ihre Kälte als die Hauptursache ansehen, warum es warm werden soll. Der Versuch erscheint mir sinnlos. Trotzdem lese ich weiter. Denn trotz des Kälteeinbruchs im März, kommt der Frühling sicher.

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Just because I mentioned the book in my last post: Papaioannou’s plea, expressed in his Ideologie froide, for a non orthodox Marxism with reference – of all things – to Marx and Engels is a far as one can get committing performative contradiction.

These people who ask for warmth with some cold justification, even the people who ask for warmth as a medicine against their own frigidity – well, they exist. I don’t see their point. I continue reading. The spring comes however capricious the March may be.

Les parents numériques

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Dass Familien von gleichgeschlechtlichen Paaren kein social engineering mit unabsehbaren Folgen für die Erziehung der Kinder sind, dafür lege ich meine Hand nicht ins Feuer. Mir geht es aber heute um etwas anderes.

Es geht mir um die in Frankreich flächendeckende, sich auch seit Mitte Februar auf Schulen erweiternde Nutzung der Angaben „parent 1“ und „parent 2“ da, wo früher die Angaben „mère“ und „père“ vorgesehen waren – d.h. auch für leibliche Kinder hetero-wie denn sonst?-sexueller Partner.

Die neue Sprachregelung führt eine Ungleichheit, zunächst auf der Ebene der Konnotation, zwischen primär und sekundär ein; eine Differenz mit anderen Worten, welche die Zahlen „1“ und „2“ in der Umgangssprache nahelegen. „Parent 1“ trägt demnach die Konnotation „parent primaire“ und „parent 2“ die Konnotation „parent secondaire“. Zunächst nur eine Konnotation.

Zunächst… Es gibt ja slippery slopes.

Gut, ich bin wohl nicht der erste, der das bemerkt. Aber kann es sein, dass ich der erste bin, dem die Idee unbehaglich ist, dass ausgerechnet Präsident Macron auf die Idee kommt, diese Sprachregelung einzuführen? Macron war doch jahrelang Assistent von Paul Ricoeur an der Uni Paris X – Nanterre! Ein besseres Verständnis für unterschwellige Botschaften und slippery slopes von jemandem, der Sprachphilosophie auf diesem Niveau betrieben hat, habe ich durchaus erwartet.

Ich sehe schon ein, dass die Gefahr eines slippery slope überall lauert und dass in der Politik nichts passieren würde, wenn der Politiker stets Angst vor slippery slopes hat. man Allerdings sähe ich das Risiko eines slippery slopes durch eine Notwendigkeit legitimiert, kann aber hier eine solche bei allem guten Willen nicht erkennen.

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I’m not sure that families of same-sex partners are not a case of social engineering with unpredictable consequences for the upbringing of kids there, but this is not my point here.

I rather want to point out something concerning language. In France, a new linguistic convention has been introduced according to which, unlike what until very recently had – what else? – been the case, parents should not be registered as mother and father, but as „parent 1“ and „parent 2“ instead. Since mid-February, schools must adopt this linguistic convention also for the vast majority of people who have parental authority being natural parents of their children – i.e. for mom and dad.

The new language brings an inequality in the lives of couples. In ordinary language, numerals function as indices of primary and secondary importance. By some slippery, faulty way of thinking, „parent 1“ could become „parent primaire“ and „parent 2“: „parent secondaire“. Let it only be a connotation! Who wants to have it? And a connotation that can lead to a slippery slope. Of course if you are constantly afraid of slippery slopes, you never take any risk. But still, I ask myself what the necessity was that should make one take this risk.

Surely, I am not the first to think that way. And I hope, even if I am the first to notice what follows, that I am not the only one who feels discomfort with the idea that president Macron initiated this step after having served as Paul Ricoeur’s research assistant at Paris X – Nanterre between 1999 and 2001!

From someone who had a training in philosophy of language and social philosophy on that level, I thought that I should expect much more sensitivity towards language-related policies.

« Aujourd’hui, avec nous ce sont les gilets jaunes oranges »

Readers of English may skip this and continue after the police blockade

Die Phrase im Titel, laut skandiert aus einem Sprachrohr, sorgte für Gelächter in der Familie vor einer Woche. Wir standen am Rande dieser Demo und ich hatte alles andere als Lust für Witze. Ich war eher beunruhigt, weil ich aus Athen weiß, wie schnell eine friedliche Kundgebung umschwingen kann, wenn ein einziger auf den dummen Gedanken kommt, tätlich zu werden, und wusste nicht, wie ich in einem solchen Fall mit den Kindern unterwegs hätte reagieren sollen. Meine Frau schoss Fotos. Die Gelben Westen hatten die Abriegelung wegen des Élysée-Palastes erreicht, haben die Champs-Élysées nach rechts Richtung Seine zu verlassen begonnen, als ihr Anführer die Präsenz „orangefarbener Gelber Westen“ begrüßte.

Alle haben gelacht, die Demonstranten, die Polizisten, die Zuschauer. Sogar ich, der ich ja besorgt war. Es war ein Witz, weil ein Widerspruch angedeutet wurde. Nur „angedeutet“, nicht etwa begangen, weil Widersprüche kein Modell haben, wobei hier zwei Individuen tatsächlich das Modell ausmachten!

Was heißt es für die Termini, wenn das kein Widerspruch war? Erstens, dass „gelbe“ kein Adjektiv zu „Westen“ ist. Zweitens, dass „orangefarbene“ ein Adjektiv zu „Gelbe Westen“ ist, das seinerseits als Eigenname fungiert.

Aber ist dann „Gelbe Westen“ ein rigid designator? Offensichtlich nicht, denn sonst wäre der Ausdruck „gilets jaunes oranges“ nicht lustig! Lustig bleibt er, weil er bloß die Abkürzung einer Kennzeichnung ist, einer, die sich ursprünglich auf nur gelbe Westen bezog. Dass die Eigennamen Abkürzungen von Kennzeichnungen sind, entspricht Bertrand Russells Auffassung der Eigennamen.

Was ich von Kripkes und Kaplans Theorie der Eigennamen halte, die ja Russells Theorie seit ein paar Jahrzehnten in den Schatten stellte, brauche ich demach nicht auszuführen. Vielleicht ist sie gut für formale Sprachen. Aber da ist die Verwendung von Eigennamen nie problematisch. Es war die Anwendbarkeit auf die natürliche Sprache, was Kripke und Kaplan wichtig erscheinen ließ. Die natürliche Sprache erweist diese Theorie jedoch als inadäquat.

Kaum zwei Tage in Paris mit Parisern unterwegs und da sieht man, was aus der ganzen analytischen Philosophie übrig bleibt…

PS: Die Fotos hat meine Frau geschossen. Ich musste ja besorgt sein. Und nachdenken…

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Suddenly we had to laugh. As far as I’m concerned unwillingly, the reason being that I was just that: concerned.

After all I know from Athens how quickly a peaceful demonstration can turn to hell if only one blockhead would get violent. And it’s unpleasant to think how unpleasant such situations were in the past when – on top of everything – the kids weren’t around.

But, you know, the yellow vests had reached the police blockade at lower part of the Avenue des Champs Élysées, some hundred yards from the presidential palace and were taking a right turn to reach the Seine when the one who gave the slogans realised that there were these two persons with orange instead of yellow vests among the protesters, so he thought it funny to greet the presence of the „orange Yellow Vests“.

The protesters laughed, the policemen laughed, even me myself I laughed. My wife took pictures. It was a joke because there was an allusion of an obvious contradiction. But it would also be naive to take it to be a contradiction. Contradictions have no models. But obviously, these two persons were the speaker’s intended model.

No contradiction means in this case that „yellow“ is not an adjective determining the noun „vests“. Further, it means that the noun is the expression „Yellow Vests“ and „orange“ is an adjective determining this. But in order for „Yellow“ not to contradict with „orange“, „Yellow Vests“ has to be taken to be a proper name as well.

Does this mean that „Yellow Vests“ is a rigid designator? Obviously not because in this case there would be no joke! The joke consists in the expression’s „Yellow Vests“ being an abbreviation of a definite description of people who, originally, had only yellow, not orange vests. Proper names as abbreviations of definite descriptions: this is Russell’s theory on proper names, one that lately has been neglected overshadowed by the mainstream view launched by Saul Kripke and David Kaplan and adhered by thousands of young boys and girls out there who never read what is more than five years old.

I don’t need to tell you what my opinion of Kripke’s and Kaplan’s proper-names theory is after a couple of days in Paris. But let’s not be unjust. Maybe it’s a good theory for formal languages. However, the usage of proper names was never the problem in formal languages. It was an alleged applicability in ordinary language that made Kripke’s and Kaplan’s account what it is. But, as my example shows, the theory is inadequate to capture how proper names function in ordinary language.

And, I mean, come on, Kripke and Kaplan would have no chance to overshadow Russell on proper names if there weren’t this barbarian custom of writing articles about the colleague next door, articles that he will read and his PhD candidate will read – and no one else will read. However, this is another big story. And one in which Parisian publishing appears much better than Oxford publishing, to say the least…