Die Rätsel sind immer multimodal

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Dass niemand von mir verlangen kann, etwas zu tun, was verboten ist, ist eine Intuition, die sich im von Hughes und Cresswell D genannten modallogischen System widerspiegelt: Lp->Mp.

Aber was passiert, wenn ich das Gebotene aus nichtdeontischen Gründen nicht tun kann? Etwa wenn ich mich wegen der Hunde vor mir nicht in Sicherheit vor der Gefahr hinter mir bringen kann? Dieser Art, multimodal, sind moralische Dilemmas und die Modallogik hat keine Antwort darauf.

Wie kann man Italien nicht lieben? Dieses Land bringt zu Gedanken und ist schön noch dazu.



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Blame me ‚cause I love Italy for making me see.

That no one can request that I do what’s prohibited, is the intuition – in fact the characteristic axiom – of the modal system Hughes and Cresswell call D: Lp->Mp.

But this is not what deontic or moral dilemmas are made from. What if I can’t run from a fire behind me because of the dogs in front of me? NB, fleeing from the fire can be a deontic prescription while being afraid of the dogs is not. Modal logic is not the algorithm to settle dilemmas of this kind and Italy is the country to teach you that, probably, there’s not such an algorithm.

Reality is too much of a „mid-shapen chaos of well-seeming forms“, to be captured by logic (Romeo and Juliet, act 1, scene 1).

Tell justice from injustice

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Wilhelm Tell ist par excellence das Beispiel schweizerischer Historiker dafür, dass Geschichte von Legendenbildung unterschieden werden soll. Dürrenmatt (Schweizer Geschichte, Zürich 1963, S. 28-9) widmet der geschichtsträchtigen aber mythischen Episode geradezu ein Vierhundertstel seines Opus Magnum. Reinhardt (Geschichte der Schweiz, München 2006, S. 6-10) zwar mehr, allerdings zum Thema Schiller und Tell-Legende.

Die Tell-Legende ist trotzdem lehrreich und geschichtsträchtig und zeugt von einer Absage an den Utilitarismus auf der moralischen Ebene – von einer, die ich mit gutem Recht, wie ich denke, als in den Grundfesten der Eidgenossenschaft eingeschrieben betrachte. Wenn ich mit dieser Behauptung Recht habe, steht dem Staatsgründungsmythos der Schweiz (die Verwendung des Wortes „Mythos“ möchte ich hier nicht wertend verstanden wissen) der Utilitarismus fern.

Gessler, der Landvogt und Strohmann der Habsburger, so steht es geschrieben und so wurde es gesungen, stellt den freiheitsliebenden Wilhelm Tell vor die Wahl, entweder bei der Hinrichtung seines Buben zuzusehen, oder wenigstens zu versuchen, einen Apfel auf dem Kopf des Kindes mit einem Pfeil zu treffen. Trifft Wilhelm, so wird das Kind befreit. Trifft er nicht, dann entweder tötet er sein Kind, das aber ohnehin hingerichtet worden wäre, allerdings im rühmlichen Versuch, es zu retten, oder er tötet es nicht und es wird vom Habsburger hingerichtet.

Es kann, denke ich, schwer eine spieltheoretische Analyse des Falls gemacht werden, bei der das Schießen auf den Apfel auf dem Kindeskopf kein Nash-Gleichgewicht des Spiels wäre. Denn egal was passiert: Wenn Wilhelm Tell schießt, bereut er keine Alternative (hätte er nicht geschossen, wäre das Kind sowieso ermordet) und für den Landvogt wird es wohl einen Unterschied gemacht haben, ob der aufmüpfige Schweizer auf sein Angebot eingeht oder nicht – sonst hätte er das Angebot von Anfang an nicht gemacht.

Aber warum wird dann in der Legende gerade dieses Angebot des Landvogts als unerhört, unmoralisch, niederträchtig hingestellt? Wäre es etwa besser, wenn der Landvogt das Kind sofort getötet hätte?

Die einzige mir jedenfalls plausibel erscheinende Antwort ist, dass es bei den in der Legende impliziten Vorstellungen nicht um spieltheoretische Optima geht. Die Schweiz, vielleicht jeder Staat, dessen Staatsgründung auf einen Freiheitskampf zurückgeht, entstand nicht auf der Grundlage von Kosten-Nutzen denken, sondern von einem nichtutilitaristischen Gerechtigkeitsverständnis her.


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Experts of Swiss history fear probably nothing more than giving the impression that they see William Tell as part of their job. Their discussion of the legend is always short, always with a big, red, fluorescent „CAUTION, YOU LEAVE THE REALM OF HISTORY“.

Such a pity… The story of the evil sheriff who represented the house of Habsburg and captured Tell’s son to announce to kill him unless the boy’s father, a freedom-loving enemy of the Habsburgs, would hit an apple with an arrow, NB an apple on top of the boy’s head, is a game-theoretical scenario that shows…

…well, more than the whole rest of the Swiss history – an interesting one – has to show.

I believe that shooting at the apple on the boy’s head is the Nash-equilibrium of every adequate game-theoretical reconstruction of the William-Tell story. It wouldn’t be rational for the father to regret not opting for any of the alternatives since these alternatives imply his boy’s death with absolute certainty while shooting at the apple provides at least some chances of survival. And for the sheriff it must make a difference to know that Tell accepts the challenge. Otherwise, why should he offer it?

But if this is so, i.e. if taking the sheriff’s offer is the rational-choice optimum, why is this very offer according to the traditional interpretation of the legend, considered to be immoral?

I have only one explanation for this: the story and with it the predominant understanding of justice in probably every state whose raison d‘ être is the struggle for freedom, is not utilitarian.

The difference between the saint and the good guy

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Erlingers Kolumne im SZ-Magazin liebe ich als Leser sowie aus beruflichen Gründen – Ersteres, weil er genial schreibt, Letzteres, weil seine Kasuistik-Fälle im Fach Ethik gut zu gebrauchen sind. So hat mich die Gewissensfrage noch vor Weihnachten inspiriert, folgende Frage zur schriftlichen Beantwortung zu stellen:

Ich verpacke Geschenke für ein paar Freunde, darunter für einen Blinden. Ich stelle aber fest, dass das schöne Geschenkpapier nicht ausreicht. Genau genommen habe ich fürs letzte Geschenk kein schönes Geschenkpapier mehr. Was soll ich tun?

Während sich alle darüber einigten erstens, dass der Utilitarist für den blinden Freund irgendein Papier nehmen darf, da dieser dies sowieso nicht als Abwertung seines Gesamtnutzens empfindet, wenn er nicht weiß, dass der Utilitarist Papier aus der Altpapiertonne hernahm; zweitens, dass der Kantianer für Gleichbehandlung für alle sorgen sollte…

… war es niemandem klar außer einer unglaublich spitzfindigen Zeitgenossin, was die christliche Reaktion wäre:

 

Als Christ verpacke ich das Geschenk des blinden Freundes in das schöne Papier und lasse das Geschenk meines besten Freundes unter den anderen unverpackt.

……..

Das müssen Sie erst begründen

entgegnete ich vorgestern bei der Besprechung der Arbeiten.

Das ist, glaube ich, der Unterschied zwischen der Heiligkeit und der moralischen Güte. Der Heilige darf sich nicht scheuen, nur ein Signal zu geben, wenn er nichts Besseres tun kann – und zwar auf Kosten der eigenen Beliebtheit.

Ob das ein gutes Argument in diesem Kontext ist, geschweige denn, ob sie Recht hat, weiß ich nicht. Ich muss darüber nachdenken, habe aber jedes Recht, froh zu sein, wenn sie meiner Stunde beiwohnt.

 

Enough with scrolling

My question was – it was before Christmas – what the main schools of ethics would say to the following case:

I’m wrapping gifts for friends in glossy, colourful paper when I discover that I haven’t got enough paper for the last gift. One of my friends is blind. What do I do?

Students were unanimous that if I were a utilitarian I would use some rubbish paper for the blind friend not to reduce his utility at all. And they were all pretty sure that as a Kantian I should make sure that I treat all friends according to a universal law – probably the same paper for everyone.

But what would my Christian self do? No hint in any paper except in the one of this very brilliant student:

As a Christian you have to use coloured, luxurious paper for the gift of the blind friend and leave the gift of your best friend among the others unwrapped.

….

You have to justify your solution in terms of an argument

I said the day before yesterday, during the discussion of the papers.

Well, I suppose that this is the difference between sanctity and goodness.

said she. And she continued:

 A saint may not be afraid to become unpopular when the situation is helpless and the only thing he can do is to give a signal.

Was she right? Is this a valid argument in this context anyway? I’m not sure. But I’m happy that she attends my class.

 

Contra argumenta ad baculum

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Johann Gottlieb Fichte kannte gegen sture Skeptiker, Relativisten, Perspektivisten usw. nur ein effizientes Gegenmittel: die soziale Sanktionierung – so eine Stelle in der Bestimmung des Menschen. Behandle sie so willkürlich, wie ihre Theorie verlangt, und der ganze Werterelativismus wird ihnen sofort vergehen.

Argumente ad baculum sind natürlich immer falsch, aber seit folgender Diskussion mit meiner Tochter finde ich, dass sie auch unwirksam sind: Unlängst fragte mich unsere Kleine in einer orthodoxen Synagoge: „Papa, warum seid ihr, Männer, hinter (eben nicht VOR!) dem Vorhang?“ Sie glaubte es mir nicht, als ich ihr sagte, dass es anders herum war.

Da jegliche Orthodoxie dazu tendiert, Frauen regelnbewusster zu machen als Männer – und stolz darauf! – erinnerte mich das an diese orthodox-christlichen Frömmlerinnen, die denken, ihr Bravsein wäre durch ihr Anderssein bedingt.

Ist das überhaupt ein Problem? Ich finde schon. Fichtes argumentum ad baculum garantiert nicht, dass soziale Sanktionierung als solche wahrgenommen wird. Solange die Opfer sozialer Sanktionierung (oder auch von Diskriminierung) diese perspektivisch als Äußerung ihres Andersseins auffassen, haben sie ein verzerrtes Bild der Realität.

Synagoge

My daughter looked at me during our visit in the orthodox synagogue of Munich and asked: „Dad, why are you, men, behind the curtain?“ She was behind the curtain, of course, and I told her so, but she didn’t believe me.

She reminded me of these very pious women in orthodox Christianity who think it a feature of their otherness to be obedient. Orthodoxy of any kind makes women more obedient than men for some reason…

Johann Gottlieb Fichte says in the Vocation of Man that there is just one measure against stubborn sceptics, relativists, perspectivists etc.: social sanctions. Treat them as arbitrarily as their theory demands and you’ll see how quickly their whole scepticism will vanish.

This is an argumentum ad baculum. Argumenta ad baculum are always hollow, of course, but my aforementioned discussion with my daughter shows that they’re also inefficient. As soon as sanctions (or discrimination) are perceived simply as expressions of otherness, the relativist is unlikely to view discrimination as discrimination and sanctions as sanctions. And this is a distorted view on society.

The lonely professor’s nachlass as a problem of multimodal logic

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Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass mein langjähriger Freund und Mentor Hans Burkhardt vor ein paar Wochen verstarb. Zur schnellen Orientierung in der Thematik: Sein Leichnam ist von der Polizeit im Appartment entdeckt worden, wo er allein wohnte; keine Erben; kein Testament.

Der Verstorbene war ein Freund und Schüler Joseph Bocheńskis, des legendären polnischen Philosophen, der im schweizerischen Friburg wirkte und zwei sehr ungleiche Spezialgebiete hatte: Logik und Sowjetmarxismus. Erstere hat er geliebt, letzteren gehasst, was die Motivation hinter Bocheńskis Gutachten gewiss erklärt, das Bundeskanzler Adenauer sehr nützlich für das KPD-Verbot fand.

Das ist alles Geschichte natürlich – eine Geschichte, deren unbekannte Seiten vielleicht in Hans Burkhardts Nachlass schlummern, in einem versiegelten Appartment voller Papierkram, der vielleicht bald zerstört werden wird.

Hans war außerdem jahrelanges Mitglied des Lorenzen-Instituts in Erlangen und anschließend an der LMU. Das macht ihn zum meines Erachtens einzigen Wissenschaftler, der beiden antagonistischen Instituten der deutschen Wissenschaftstheorie angehörte.

Also schrieb ich an Leute, die vielleicht etwas unternehmen können, um den Nachlass meines Freundes vor der Zerstörung zu retten. Was kann ich sonst noch tun als jemand, der nicht in München, sondern in Erfurt lehrt, der auch keinen Rechtsanspruch hat? Ein Freund behauptet, dass ich mehr tun kann, als Emails aus dem Bauch heraus zu schreiben: die Münchener Professorenschaft anders kontaktieren, mit Journalisten sprechen, Leute mobilisieren usw.

Das kann ich alles nur theoretisch. Ich habe eine Familie zu ernähren; eine Karriere zu unterstützen. Dass meine Zuflucht aus dem Land, in dem die Unis klientelistische Zoos sind, ausgerechnet ein anderes Land war, in dem der Träger des exotischen Nachnamens dreimal (nicht zweimal!) besser als ein Einheimischer sein muss, um zu überleben, war nicht meine Wahl. Es hat sich ergeben. Ich meine, dass mein Leben bereits zu schwer ist, als dass ich mich noch mehr mit der Erretung dieses Kapitels deutscher Geistesgeschichte beschäftigen könnte. Ich habe meine Pflicht getan.

Nachdem das Wort „Pflicht“ gefallen war, sagte der Freund, dass Hans die Kantische Ethik hasste.

Das tat er fürwahr! Hans war ein sehr konsequenter Katholik. Sein moralischer Standard war der Heilige, der Selbstlose – nicht der seine Pflicht erfüllende Kantianer. Allerdings habe ich ein philosophisches Argument dafür, dass die chrlistliche Ethik Heiligkeit und Selbstlosigkeit nicht konsistenterweise fordern kann.

Der Selbstlose ignoriert soziale Konventionen. Er geht ohne großes Nachgrübeln die Gefahr einer Scheidung oder eines sozialen Aus ein. Um es zu ermöglichen, dass eine Gemeinde irgendwo in der Dritten Welt einen besseren Zugang zu Trinwasser hat, verzichtet der Selbstlose auf den Geigeunterricht seiner Kinder – keine Frage! Und die Kinder sollen die Violine auch noch verkaufen.

Wenn das aber und Ähnliches gefordert werden kann, dann gibt es Fälle, in denen „A soll p“ impliziert: „A ist unter Beibehaltung dessen, was aus sozialen Gründen nötig erscheint, unmöglich, so zu handeln, dass p“. A muss mit anderen Worten sich selbst und seine sozialen Bindungen überwinden. Wenn die deontische Logik allerdings eine konservative Erweiterung der Logik des aus sozialen Gründen notwendig Erscheinenden ist, dann impliziert die deontische Logik alle sozialen Notwendigkeiten. Nun ist die Forderung an jemanden, heilig zu werden, damit gleichbedeutend, gerade derartige soziale Notwendigkeiten zu überwinden, was offensichtlich einen Widerspruch nach sich zieht. Daher ist es inkonsistent zu fordern, jemand solle heilig werden.

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ENOUGH WITH SCROLLING

As frequent readers of this blog already know, my long-time friend and mentor Hans Burkhardt died a few weeks ago. A quick orientation: the body was found by the police in the flat in which he lived alone, no heirs are left, likewise no testament.

The deceased was a friend and disciple of Joseph Bocheński, the prolific Polish philosopher of the University of Friburg in Switzerland who was an expert in two very unequal fields: logic and Soviet Marxism. He loved the first, hated the second and this is how Bocheński helped chancellor Adenauer in his struggle to have the Communist Party of Germany banned by the Supreme Constitutional Court of back then West Germany.

This is history, of course, but a history whose traces can probably still be read in Hans Burkhardt’s nachlass, in the sealed flat whose content can be destroyed from time to time to give way to new tenants.

Hans was for years also a member of the Lorenzen institute in Erlangen and a member of the LMU institute of philosophy – to my knowledge the only person who participated in both antagonistic schools of German philosophy of science.

I wrote emails to people who might have the power to rescue the nachlass. What else can I do as someone who’s affiliated to another institute and who has with no legal claim? A friend says that I can do more than writing impulsive emails. I should have tried to approach stakeholders, opinion makers, mobilize more people and, and, and…

However, I have a family to support, I have a career to take care of, and the fact that my only refuge out of the country in which the universities are clientelistic zoos was a country in which you have to be thrice (not twice!) as good as a native in order to survive, wasn’t my choice. What I mean is that I live a life that’s too hard to afford rescuing this piece of German intellectual history all by myself. I did my duty.

My friend heard the word „duty“ and said that Hans hated Kantian ethics.

Certainly he did. Hans was a very devote Catholic. His moral standard was the holy person, the selfless, not the Kantian who simply does his duty. However, if Christian ethics demands people to be selfless and holy, then it is not consistent. I have an argument for this. The following:

The selfless ignores social conventions. The selfless would take the risk of a divorce or of a public outcry without regrets. She would prefer to spend the fees for the violin course of her children in order to finance the improvement of the water supply of a community somewhere in the Third World. And her children would have to sell the violin. This shows holiness, of course. But is it consistent to demand holiness? If yes, then „A ought to p“ implies „It is impossible to A under the condition of certain habits considered to be compulsory by society, to act so that p“. But if deontic logic is a conservative extension of the logic of social necessities, then deontic logic implies all social necessities. However, demanding someone to be holy is to demand her to negate some social necessities. This is an obvious contradiction. Therefore, it is inconsistent to demand someone to be holy.

Der Nutzenmaximierer

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Ob ich weiterhin ein orthodoxer Christ bin, fragt meine Studentin, nachdem sie per Twitter und Facebook feststellte, dass ich eine Buddha-Statuette und die Statue einer balinesischen Göttin besitze.

Nun muss ich ihr sagen, dass das nicht die wahren Hindernisse sind. Es ist eher die Begriffsanalyse, die Analyse überhaupt, welche einem traditionellen Glauben im Wege steht. Neuerdings bin ich zu der Einsicht gelangt, dass der Utilitarismus die eigentliche christliche Moral ist – was wohl im Rahmen eines orthodoxen Glaubens eine unmögliche Behauptung ist. Es folgt mein Beweis dieser Behauptung.

Beweis, dass mindestens die unglücklicheren unter den Menschen nur dann im christlichen Sinn konsistenterweise gottestreu sind, wenn Gott als Nutzenmaximierer gilt:

Sollte Gott kein Nutzenmaximierer sein, dann gibt es zwei Erklärungen dafür: Entweder existiert er gar nicht, oder er existiert zwar, ohne den Nutzen seiner Geschöpfe unbedingt zu maximieren (man denke an Hiob usw.) Ist Ersteres angenommen, dann kann man von keiner Treue sprechen. Ist aber Letzteres angenommen, dann muss man glauben, dass Gott entweder nicht an der Besserung der Lage seiner Geschöpfe interessiert ist, oder dass er zwar daran interessiert ist, allerdings verhindert, unsere Lage zu verbessern, weil, was wir erleben, bereits die bestmögliche Welt ist. Im ersten Fall ist es recht, Gott die Treue – obgleich nicht den Glauben an seine Existenz – zu kündigen. Im zweiten Fall macht unsere Treue nur Sinn, wenn angenommen wird, dass unsere Lage sonst noch schlimmer gewesen wäre. Für glückliche Menschen wäre das wohl eine vernünftige Option: „Warum soll ich all das Schöne verlieren, was ich habe?“. Für Unglückliche wäre allerdings die Treue gegenüber Gott in diesem Fall nur dann eine vernünftige Option, wenn sie mit der Angst verbunden wäre, der Schmerz könnte noch größer sein: „Vergiss meine Misere. Gott könnte mich auch noch krank oder noch kränker machen oder den Kindern was widerfahren lassen“. Zugegebenermaßen ist die Angst ein starkes Motiv zur Loyalität. ABER wenn Gott zurecht zugemutet würde, die Angst auf diese Weise auszuspielen…

..

…wer wäre dann von miesem Charakter?

Das ist nicht nur zum Jux gesagt worden. Ein allgütiger Gott mit schwierigem Charakter ist eine Art christlicher Zeus; schlimmer noch: eine contradictio in terminis. Ergo können unglückliche Menschen konsistenterweise treu zu Gott sein, nur wenn sie annehmen, er wäre ihr Nutzenmaximierer. QED

ZEUS UND JESUS

A student of mine wanted to know the other day whether I’m still an adherent to the Orthodox Church. She had realized that some artwork from our home, clearly to be seen in some of my postings on twitter and facebook, is not the best support for this claim. This concerns above all a little Buddha and a goddess from Bali.

Now, I have to tell the student that artefacts depicting gods are not really obstacles to my being an orthodox Christian. Conceptual analysis – or any kind of analysis – however is.

Lately I had the insight that Christian ethics must be utilitarian. This view cannot be seriously vindicated in a traditional Orthodox context. And I find it quite arguable. Here’s the argument for the reader to judge:

We want to establish that at least Christians who live in misery have no consistent faith in Jesus unless they think that He’s a benefit maximizer.

If Jesus were no benefit maximizer then there would be only two explanations for this: either He doesn’t exist at all or He exists alright, however He is not eager to maximize the benefit of His creatures (think of Job etc.) If we accept the first option, faith is not the issue anyway. The second option however, implies, once accepted, that you must have believed that God is either indifferent about His creatures and how they’ll improve their living or that He is interested after all but cannot intervene because this is already the best possible world. In the first case loss of faith – although not faith in God’s existence – is morally justified. In the second, faith is only reasonable if paired with concern that without God we’d be in a situation much worse than the one in which we are right now. Happy people would see a reasonable option in this: „I don’t risk losing what I have“. Unhappy people, however, would be reasonably said to have faith in God if they would be anxious to suffer more than they suffer now: „I don’t care about my misery. God could have made me regret my laments“. However, if God is ascribed an attitude like this then…

then…

then…

…then who would be of a bad character?

This is a joke, of course. But much more than a joke, goodness and a bad character would make Jesus a Christian Zeus. And, what is worse, the combination of these properties would be a contradictio in terminis. As one sees, the unhappy cannot be consistently faithful to the God of Christianity unless they accept Him as a benefit maximizer. QED

You have three wishes

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Es sind die Tage, an denen die Allgemeinheit aus lauter Weihnachtsmännern und -frauen besteht und deshalb musste ich an mein Aladdin-Paradox denken. Als ich es den Lesern dieses Blogs zuerst präsentierte, habe ich nicht festgestellt, dass es eine logische Moralitätslücke darstellt.

Der Flaschengeist erscheint und fordert dich auf, drei Wünsche zu äußern. Deine Wünsche sind:

1. ein vierter Wunsch

2. ein Haus

3. ein Auto

4. eine Yacht

Natürlich bekommst du mit dieser Strategie im bestmöglichen Fall nur drei Geschenke, aber das ist nicht problematisch. Meinetwegen kannst du ein Flaschengeisthasser sein oder jemand, der glaubt, das sei kein echter Flaschengeist, sondern ein Logikprofessor, den du ärgern willst. Egal – es gibt viele Möglichkeiten zu erklären, warum du so reagierst…

Die Hauptfrage lautet: Muss der Flaschengeist den vierten Wunsch erfüllen? Wenn nicht, dann nur deshalb, weil er bereits drei Wünsche erfüllt hat. Aber, wenn die drei Wünsche bereits erfüllt sind, dann auch der erste. D.h. der Flaschengeist muss dir den vierten Wunsch erfüllen und die Yacht geben. Natürlich ist in diesem Fall der erste Wunsch entgegen der Annahme erfüllt worden, dass er nicht erfüllt worden wäre. Und wenn der erste Wunsch erfüllt wurde, dann ist der dritte und letzte Wunsch der mit dem Auto. Infolge dessen darfst du nicht mehr die Yacht haben. Das bedeutet aber, dass im Endeffekt der erste Wunsch nicht erfüllt wurde etc.

Nach der Erfüllung des Wunsches mit dem Auto weiß der Flaschengeist nicht mehr, was er zu tun hat. Er muss drei Wünsche erfüllen, was ihm aber aus logischen Gründen misslingen muss und zwar nicht, weil sein Angebot widersprüchlich war, sondern weil du auf eine bestimmte Art reagiertest, die eine Moralitätslücke produzierte.

Diejenigen die Yachten lieben (wie ich) sollten sich folgendermaßen verhalten, um den Flaschengeist zu ärgern und trotzdem zufrieden zu sein: Als Allererstes wünschen sie sich die Yacht. Und dann ein Haus in Venedig.

In Venedig braucht man sowieso kein Auto…

THE_TWILIGHT_ZONE_SEASON_2_DISC1-4

Like everyone, I play Santa these days and I had to think of my Aladdin paradox again. When I first presented it to the readers of this blog, I hadn’t realized that it invites what I’d like to call a morality gap.

The genie appears and asks you to make three wishes to be fulfilled. You wish, say:

1) a fourth wish

2) a house

3) a car

4) a yacht.

Of course, by this strategy you still get, in the best possible case, only three presents, but this is not the issue. Only two suggestions for your motives to react this way could be that you hate genies, or you don’t believe that he is a genie but rather a logic professor whom you want to irritate – something like this…

The question is: must the genie grant you the fourth wish? If not, that means that your three wishes are fulfilled. But if the three wishes are fulfilled then so is the first and the genie has to grant you the fourth wish and give you the yacht. NB, this means that the genie grants you the first wish against the assumption that he didn’t. However, if the genie grants you the first wish then the last wish of the three is the car. Therefore he mustn’t give you the yacht. But this means that, in effect, he didn’t grant you the first wish either.

The genie doesn’t know what to do. He must fulfill three wishes, however he has no chance to succeed in this, and this only because you reacted in a certain way, not because his offer was contradictory. You produced a morality gap.

Those of you who love yachts (like me) and want to irritate the genie should do the following: if the genie comes to you, set the yacht as your first wish. Then wish a house in Venice.

In Venice you don’t need a car anyway…